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Feierabend

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18.02.2008
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Feierabend

Feierabend. Ich sitze im Zug auf dem Weg nach Hause. Draußen rast die graue Landschaft vorbei und tausend Gedanken fliegen mir durch den Kopf. Wie wird es heute sein? Ist die Wohnung wohl aufgeräumt? Hat er gekocht? Oder hat er sich wieder in die Werkstatt verzogen?
Ich habe Angst, dass Letzteres zutrifft. Das bedeutet automatisch Streit.
Ich sehe nicht ein, warum ich, wenn ich heim komme noch alles erledigen darf, während er sowieso zu Hause ist.
Früher, als er noch gearbeitet hat, war alles anders. Wenn er zurückkam, war die Wohnung sauber, das Essen stand auf dem Tisch und meistens duftete auch noch ein Kuchen aus dem Backofen.
Doch davon hält er anscheinend nichts, er schraubt lieber an Motorrädern herum und ist noch nicht mal fähig tagsüber Holz zum Heizen in die Wohnung zu tragen.
Ich kann das nicht verstehen, früher war er so anders. Fürsorglich, ordentlich …

Ich schließe die Tür auf "Schatz?" Keine Reaktion. Es ist kalt und dunkel. Ich drehe die Lichter auf und meine Katze wird wach. Sie wurde auch noch nicht gefüttert, stelle ich fest. Während ich ihr Futter herrichte, schnurrt sie mir dankbar um die Beine.

Bevor ich rüber in die Werkstatt gehe atme ich tief durch. Ich will nicht streiten.
"Hallo, ich bin zu Hause", rufe ich in den Raum. Es kommt keine Antwort. Auch hier ist es kalt. Verwundert gehe ich zurück in die Wohnung.
"Willkommen in der Mobilbox der Nummer …", kommt es aus dem Telefon, als ich versuche ihn anzurufen. Wo ist er bloß?
Ich rufe meine Mutter an, vielleicht ist er ja bei ihr.
Aber nein, auch sie weiß nichts. Schön langsam bekomme ich Angst. Wo steckt er nur?
Ich versuche mich mit Aufräumen und Kochen abzulenken. Doch es funktionier nicht. Immer und immer wieder versuche ich ihn zu erreichen. Rufe Freunde und Bekannte an. Doch keiner weiß wo er ist.
Plötzlich ist es mir klar. Er ist bei ihr. Mir wird heiß und kalt und ich ringe nach Luft. Es fühlt sich so an, als würde jemand etwas glühendheißes in meinen Bauch stechen.
Schnell laufe ich runter zum Auto. Ich weiß genau wo sie wohnt. Früher, als wir noch nicht zusammen waren, habe ich ihn dort oft abgeholt. SIE ist die Ex. Die Ex, die behauptet, ihr Kind sei von ihm, aber den Vaterschaftstest verweigert. Die Ex, die ihn ständig anruft und anjammert. Die ihn sogar neben mir anmacht.
Ich fahre viel zu schnell die regennasse Straße entlang.
Vor ihrem Haus bleibe ich mit quietschenden Reifen stehen. Und tatsächlich. Sein Auto steht dort. Was mache ich jetzt nur. Soll ich anläuten? Und dann? Was habe ich mir nur dabei gedacht hierher zu fahren?
Langsam fahre ich wieder nach Hause. Dort fange ich an wie in Trance seine Sachen zu packen. Ich spüre mich selbst nicht mehr. Warum nur? Warum tut er mir das an? Was habe ich ihm getan?
Ich stelle seinen Koffer auf die Treppe. Dann setze ich mich auf die Couch und starre in den Fernseher. Nach über einer Stunde öffnet sich die Tür. Mein Herz fängt an wie verrückt zu schlagen. Ich habe Angst vor dem was jetzt kommt. "Wo warst du?", frage ich ihn leise. "Unterwegs. Was gibt’s zu essen?" Plötzlich laufen mir Tränen übers Gesicht. "Warum lügst du mich an? Ich weiß wo du warst!", schreie ich ihn an. "Warum tust du mir das an?" Er schaut mich mit leeren Augen an. "Es tut mir leid", stammelt er. "Ich wollte nur die Kleine sehen." "Ach ja? Und warum war dann dein Handy abgedreht?" "Mein Akku ist leer. Sonst nichts." " Ach komm, verarsch wem anderen. Deine Sachen sind gepackt. Bitte geh!" Seine Augen werden groß. "Du, du machst Schluss?" Ich nicke. Wortlos dreht er sich um und verschwindet aus der Tür. Jetzt bin ich wieder alleine. Ich habe ihn an die Frau verloren, die ich am meisten hasse. Weinend breche ich zusammen. Meine Welt, mein Leben ist zerstört …

 

Hallo Gänseblümchen,
herzlich willkommen auf KG.de!

Zitat:
Doch davon hält er anscheinend nichts, er schraubt lieber an Motorrädern herum und ist noch nicht mal fähig tagsüber Holz zum Heizen in die Wohnung zu tragen.
- hinter fähig (Komma)

Zitat:
Während ich ihr Futter herrichte, schnurrt sie mir dankbar um die Beine.
- besser wäre: Während ich ihr Futter herrichte, schnurrt sie und streicht mir dankbar um die Beine.

Im allgemeinen war deine erste Geschichte flüssig und angenehm im Schreibstil zu lesen.
Aber so ganz konnte mich die Story nicht fesseln. Eine Frau (oder auch ein Mann, wer weiss) beklagte sich, dass der arbeitslos gewordene Partner sich zu wenig um den Haushalt und Katze kümmert und stattdessen lieber in seiner Werkstatt herumwerkelt. Dies hätte mir auch eine Freundin am Telefon klagen können. Es wäre spannender gewesen, wenn eine Handlung drin gewesen wäre z. Bsp. sie kommt nach Hause und er ist weg!
Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Gruß
Leia4e

 

Hallo Leia4e!

Danke für deinen Kommentar.

Die Fehler werde ich gleich ausbessern.

Ich wollte damit nur die Gefühle wiederspiegeln, die man so hat, wenn sowas wirklich passiert.
Ich habe auch darüber nachgedacht, dass eine richtige Story interessanter wäre. Aber während ich schrieb, war ich grad etwas melancholisch drauf, und deshalb kam das dabei raus.

Allerdings glaube ich, dass sich fast jeder ganz gut reinversetzen kann und die kleine Geschichte auch Gefühle auslösen kann. Und genau das möchte ich damit bewirken!

Alles Liebe, Gänseblümchen :)

 

Hallo Gänseblümchen,

mit alltäglichen Geschichten ist das so eine Sache ...
Dein Text gehört zweifelsohne in diese Rubrik. Allerdings begehst du den Fehler und erzählst das Alltägliche in genau der monotonen Spur, in der das trübe Dasein deines Pärchens statt findet. Das problem ist: soetwas lässt den Leser kalt. Auch wenn wir hier in der Sparte Alltag sind, geht es um die Kunst das Alltägliche Lesenswert zu machen.
Warum dir das nur in Ansätzen gelingt, liegt vornehmlich an deinem narrativen Ton. Du erzählst einfach runter, was deine Prota beschäftigt. Dabei bleibst du zum einen zu sehr an der Oberfläche und zum anderen erzeugst du keine Bilder beim Leser. Im Prinzip bombardierst du den Leser nur mit Fragen. Knackpunkt sind hier aber die Emotionen und die sparst du leider aus.
Klar kennt man das Thema, aber es berührt einen beim Lesen erst, wenn du auch rüber bringst, wie sehr sich deine Prota berührt fühlt. So wie du das schreibst fragt man sich nur, warum sie ihren Kerl nicht verlässt.
Der Satz zum Schluss, dass sie ihn liebt hilft da auch nicht. Denn das schreibst du nur, zeigst es aber nicht. Wenn du ihre Zerissenheit thematisieren möchtest, dann musst du das auch im Text unter bringen.
So geht dein Anspruch:

Allerdings glaube ich, dass sich fast jeder ganz gut reinversetzen kann und die kleine Geschichte auch Gefühle auslösen kann. Und genau das möchte ich damit bewirken!
leider nicht auf.
Mein Tipp: Versuch dich wirklich in die Lage deiner Prota zu versetzen und horche mal hinein, was da für Gefühle in dir aufkommen. Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit, Angst ... Das sind die Elemente, die der Geschichte erst Leben einhauchen, denn das kann man nachempfinden.

grüßlichst
weltenläufer

 

Danke Weltenläufer für deinen Kommentar!

Damit kann ich echt was anfangen!

Du hast Recht! Ich habe die Bilder natürlich im Kopf, zeige sie euch aber nicht... Ich werde die Geschichte nochmals überarbeiten, wenn ich Zeit dazu habe...

Schönen Tag noch! Gänseblümchen

 

Hallo Gänseblümchen,

Geändert ist gut. Eigentlich hast du es bis auf die Anfangspassage einen komplett neuen Text erstellt.

Worin möglicherweise ein Fehler liegt. Ich an deiner Stelle hätte den alten Text relativ unverändert belassen und als Selbstschulung verwendet und den Neuen Text eben neu gepostet. Aber ist deine Sache.

Auf alle Fälle hast du dir weltenläufers (und der anderen) Worte zu Herzen genommen. Dein Text hat jetzt mehr "Fleisch" und man kann besser mitfühlen bzw. dabei sein.

Noch ein bisschen Textzeugs:
Bei einem Satz mit "funktioniert" ist dir ein "t" abhanden gekommen.
Und dann noch eine riesige Bitte:
Bei direkten Reden verwende bitte " statt >>. Macht das Ganze wesentlich lesbarer.

lg
lev

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Gänseblümchen,

okay, was Lev schreibt, dies ist ein komplett neuer Text, stimmt. Andererseits kann man sagen, wird durch den Textumbau auch deutlich, warum er so lieblos und nachlässig seine Partnerin behandelt hatte und lieber an seinen Motorrädern herumwerkelte, anstatt einen Finger für Hausarbeit krumm zu machen. Es lag nicht alleine daran, dass er keine Arbeit mehr hatte und sich in einer Depriphase befand. Nein, er hatte noch ein viel größeres Problem: er kommt nicht von seiner Exfreundin los, ist aber zu feige und zu schwach, für klare Verhältnisse zu sorgen. Deshalb der Rückzug.
Ich muss sagen, die Geschichte gefällt mir so wesentlich besser.:thumbsup:

Gruß
Leia4e

 

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