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Galastimmung

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20.10.2024
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Anmerkungen zum Text

Dieser Text ist stark an Habentus' Texte "Risse" und "Die Augen von einem verraten nichts" angelehnt, interpretiert den Stoff aber anders (der letztgenannte Text wurde von Habentus mittlerweile stark überarbeitet, sodass die Ähnlichkeiten nur noch marginal sind, wenn ich das richtig sehe).

In meinen Augen ist mein Text ein vollkommen "eigenes Werk", wenngleich es starke Parallelen zu den beiden (ursprünglichen) Texten von Habentus gibt. Man kann ihn auch gerne als "Hommage" an Habentus' Plot sehen, der mir sehr gut gefallen hat.

Es sollten sich eigentlich keinerlei Sätze oder Halbsätze in meinem Text finden, die mit solchen aus Habentus' Texten übereinstimmen. Wenn doch, ist dies unbeabsichtigt und ich freue mich über einen kurzen Hinweis, sodass ich das ändern kann. Habentus ist selbstredend bereits im Bilde, dass ich seine Texte aufgegriffen und gewissermaßen zitiert habe.

(Generell bin ich übrigens ein starker Gegner des Urheberrechts und der Idee des "geistigen Eigentums". Oder positiv ausgedrückt: Ich denke, dass künstlerische Mittel wie covern, samplen, Remixe, Mixtapes, Persiflagen, Karikaturen, Collagen u. dgl. m. in uneingeschränkter Form möglich sein sollten, weil dies im Sinne unserer Kultur und unserer liberalen Grundwerte ist, wohingegen die Betonung eines "Eigentums" vor allem einer marktwirtschaftlichen Logik dient, die im freien Kunstschaffen keinen Platz haben sollte. Das ist jedoch eine Grundsatzdebatte, die wir nicht in den Kommentaren zum Text führen sollten, sondern, wenn überhaupt, in einem eigenen Thread.)

Galastimmung

Salziger Schweiß rann mir über das Gesicht und ich fing ihn mit der Zunge auf, während ich in meiner Hosentasche vier rosafarbene Papierbons zwischen Daumen und Zeigefinger zerrieb, jeder von ihnen 50 Cent wert. Meine Mutter hatte sie mir vorhin in die Hand gedrückt, damit ich mir eine Cola kaufen konnte. Ich schmeckte sie schon, wollte sie eigentlich sofort haben. Doch ich blieb bei meinem Bruder, der unter dem Basketballkorb federleicht von einem Fuß auf den anderen trat und aus der Hüfte heraus gegen das Kinn seines Gegners schlug. Rechts, rechts, pam, pam, dann die lange Linke. Er war ein Southpaw, ein Rechtsausleger, was ihm in den meisten Kämpfen von Beginn an einen Vorteil sicherte. Der Gegner wich jedem seiner Schläge geschickt aus, konterte mit gleicher Härte. Aber es gelang ihm nicht, meinen Bruder aus dem Rhythmus zu bringen. Der echte Gegner gleich im Kampf würde es meinem Bruder nicht so leicht machen.
“Du wirst doch wieder gewinnen, Mäck, oder?”, fragte ich.
“Klar doch!”, stieß er hervor und schlug eine besonders schnelle Kombination. “Heute knocke ich aus!”
Mein Bruder war ein höflicher, zurückhaltender Mensch. Nur wenn er über seinen Sport sprach, klang er großspurig. Und er hatte allen Grund dazu. Bislang hatte er nicht einen einzigen Kampf verloren. Im Verein nannten sie ihn schon “Money” – wegen Floyd “Money” Mayweather, dem amerikanischen Defensivkünstler, der seine Karriere ungeschlagen und steinreich beendet hatte. Sie sagten, auch mein Bruder würde bald reich werden durch das Boxen.
Der Trainer kam dazu. Wie mein Bruder trug er den hellblauen Trainingsanzug des Vereins. Auf der Jacke waren in Brusthöhe seine Initialen aufgeflockt. HK – Heiko Kreuzer. Er täuschte scherzhaft eine Kombination an. “Ready?”
Mein Bruder riss die Deckung hoch und wich mit übertriebener Gestik aus. “Immer!”
Heiko lachte und tätschelte ihm die Schulter.
“Nur nichts überhasten. Stell ihn dir in Ruhe zurecht. Ich denke, dann gibt das was.”
Er sah zu mir. “Und wann kommst du mal mit zum Training?”
“Weiß nicht”, drückte ich heraus. Die Frage war mir unangenehm. Natürlich wäre ich gerne wie mein Bruder gewesen. Aber die Vorstellung, mir ins Gesicht schlagen zu lassen, machte mir Angst. Ich wusste nicht, wie mein Bruder das schaffte.
“Bist jederzeit willkommen! Weißte, nee?”
Ich nickte. Heiko wandte sich ab. “Also, bis gleich, Champ!”
Als wir reingingen, wünschte ich meinem Bruder viel Glück. Er wuschelte mir durch die Haare. “Danke, Kurzer!”
Er gab seiner Freundin einen Kuss und verschwand in der Kabine, um sich umzuziehen und später von dort aus einzumarschieren. Wir stiegen die Stufen zu einer Tribune hoch, wo mein Vater mit meiner Mutter saß. Sie redeten mit einem anderen Elternpaar und ich merkte ihnen ihre Aufregung an, aber auch ihren Stolz. Mittlerweile waren sie bei jedem Event des Vereins so etwas wie Ehrengäste.
“Davon hab ich ihm extra nichts erzählt”, hörte ich meinen Vater sagen, während ich auf die Tribünenbank rutschte. Ich wusste nicht, wovon er redete, aber es schien wichtig zu sein, denn der andere Vater nickte mit verständnisvoller Miene.
“Wir drücken die Daumen”, sagte er und meine Eltern bedankten sich.
“Alles ok?”
Meine Mutter beugte sich zu mir vor.
“Ja”, sagte ich, obwohl ich mir nicht sicher war, ob sie nach meinem Bruder fragte oder nach mir.
“Ich hab ein bisschen Angst”, gestand die Freundin.
“Brauchst du nicht”, sagte meine Mutter. “Du wirst sehen, er macht das gut. Aber ich kann dich verstehen. Am Anfang hab ich mich gar nicht getraut zuzusehen.”
“Diese sensiblen Frauen wieder”, sagte mein Vater und kniepte mir zu. “Tun gleich so, als würde einem hier der Kopf abgeschlagen.”
“Haben Sie früher auch geboxt?”, fragte die Freundin.
“Nur auf der Straße.”
“Warst ein ganz Wilder, gell?”, sagte meine Mutter und die Freundin lachte.
“Was weißt du denn schon?”, patzte mein Vater.
Applaus brandete auf und unterbrach ihr Gespräch. Ein Vereinskollege meines Bruders hatte nach Punkten gewonnen. Er umarmte seinen Kontrahenten und kletterte aus dem Ring. Wie der Moderator, ein dicker Mann mit Stirnglatze, verkündete, gäbe es nun eine fünfzehnminütige Pause, anschließend stünde der Hauptkampf des Nachmittages an: Markus Strotkamp gegen Nigel Awolaja. Als der zweite Name fiel, tätschelte einige Reihen weiter unten ein Mann das Knie seiner Frau. Sie legte ihre Hand auf seine und ein warmes, schüchternes Lächeln überzog ihr Gesicht. Die beiden hatten schwarze Haut und waren ungefähr im Alter meiner Eltern, wobei ich das schwer zu schätzen fand. Mir fiel auf, wie ungewöhnlich sie gekleidet waren. Der Mann trug ein schweres, kariertes Sakko, das viel zu warm für einen Sommertag sein musste, sowie eine große, getönte Brille mit Goldrand, die Frau war in ein buntes Kostüm aus leichtem Stoff gekleidet, das auf mich sehr festlich wirkte. Das mussten die Eltern des Gegners sein. Und neben ihnen saß wohl seine Schwester, ein kleines Mädchen mit wuscheligen Haaren, das ein weißes Kleidchen trug und mit den Beinen baumelte. Die drei wirkten fremd in der Halle, wo sonst niemand dunkle Haut hatte oder schicke Kleidung trug, und sie strahlten etwas anderes aus als meine Eltern. Ich kann es schlecht beschreiben, aber irgendwie wirkten sie auf mich friedlicher, auch wenn ich nicht hätte sagen können, wieso und weshalb. Es lag wohl einfach daran, wie sie so ruhig dasaßen und auf den großen Moment ihres Sohnes beziehungsweise Bruders warteten. Es war einem sofort klar, dass sie nur wegen ihm da unten auf der Bank saßen. Und in ein paar Minuten würde er vor all diese Menschen treten und die Familie repräsentieren. So schien es mir und mit einem Mal wurde mir bewusst, dass ich nun anders an den bevorstehenden Kampf dachte. Bis zu diesem Moment hatte ich unbedingt gewollt, dass mein Bruder den Kampf gewinnen würde, am besten mit einem saftigen Knockout, denn so einen hatte er bislang noch nie erzielen können. Nun aber dachte ich, dass ich mich für die drei Menschen da unten freuen würde, wenn sie einen Sieg feiern könnten. Sofort bekam ich deswegen ein schlechtes Gewissen. Heiko riss mich aus meinen Gedanken. Er stand auf der Treppe und redete mit meinen Eltern. Er klang nervös.
“Nein, wir haben ihn bestimmt seit einer Stunde nicht mehr gesehen”, sagte meine Mutter. Sie wandte sich an mich. “Weißt du, wo er ist?”
“Wer, Mäck?”
Ich hatte keine Ahnung.
“Er sollte längst zum Einmarsch bereitstehen”, sagte Heiko und sah sich ratlos um. “Naja, ich geh mal wieder runter, vielleicht ist er ja jetzt da.”
Ich schloss mich Heiko an und hoffte, dass mein Bruder gekommen war. Doch in dem Gang, von dem aus die Kämpfer die Halle betraten und zum Ring schritten, stand nur der Gegner, ein großer, schlanker Kerl mit Muskeln wie gemeißelt. Er trat konzentriert von einem Fuß auf den anderen und schüttelte hin und wieder die in roten Handschuhen steckenden Hände aus. Dass wir ein Problem hatten, bemerkte er gar nicht.
“Ich seh noch einmal in der Kabine nach”, sagte ich und rannte den Gang herunter.
Die Handschuhe meines Bruders hingen einsam an einem Haken. Ansonsten gab es keine Spur von ihm. Auch in den Duschräumen war er nicht. Ich betrat die Herrentoilette und sah, dass das Schloss einer der Kabinen verriegelt war. Ein dumpfes Schluchzen drang zu mir. Ich wollte mich erst abwenden, denn das konnte nicht mein Bruder sein. Doch dann hielt ich inne. Vielleicht war er es doch. Ich ging in die Knie und tatsächlich – ich hatte mich geirrt. Es waren seine Schuhe dort unter der Tür. Ich richtete mich wieder auf und trat ganz nah an die Kabine heran, wartete ab. Das Schluchzen ebbte nicht ab. Langsam hob ich die Faust, um gegen die Kabinentür zu klopfen, brachte es aber nicht über mich. Es kam mir irgendwie unangemessen vor. Ich ließ die Faust wieder sinken und wartete, doch das Schluchzen nahm immer noch nicht ab. Nervös sah ich auf meine Swatch. Es war eine große Uhr mit Metallband, die ich zum Geburtstag bekommen hatte. Ich liebte sie, doch jetzt machte sie mir keine Freude. Der Kampf sollte schon begonnen haben, Heiko war bestimmt mittlerweile sauer. Leise schlich ich zurück zur Tür und zog sie so schnell und laut auf, wie ich konnte, so als würde jemand in den Raum stürmen. Ich rief den Namen meines Bruders.
“Mäck?”
Das Schluchzen starb schlagartig ab.
“Mäck, bist du hier?”
Für einen Moment war es ganz still. Dann antwortete er mir und es klang wütend. “Was ist los?”
“Beeil dich, dein Kampf geht doch los!”
Statt einer Antwort ging die Spülung. Als mein Bruder aus der Kabine trat, wirkte er wie immer.
“Du musst raus, alle warten auf dich!”
“Keine Angst, Kurzer – ist doch alles Taktik!”, sagte er grinsend, während er sich am Waschbecken mit feuchten Fingern durch die Haare fuhr, um seine Frisur zu richten. Dann legte er mir die Hand auf den Rücken und schob mich hinaus. “Also los, gehen wir Hackfleisch machen!”

* * *​

“Er kommt nicht ran”, raunte mein Vater. “Los jetzt, setz doch nach!”
Er wandte sich an uns. “Heute ist nicht sein Tag. Ausgerechnet!”
“Wieso, was ist los?”, wollte ich wissen, aber mein Vater winkte ab und sah wieder zu.
Der Gegner meines Bruders hatte gut in den Kampf gefunden. Geschickt nutzte er seinen Reichweitenvorteil aus und hielt meinen Bruder mit einem soliden Jab auf Abstand. Auch die Halbdistanz dominierte er mit schnellen Kontern aus einer eleganten Pendelbewegung. Nur wenn es meinem Bruder gelang, in den Infight zu gehen, konnte er Treffer landen.
Nach der ersten Runde saß mein Bruder mit rotem Gesicht in seiner Ecke und schüttelte den Kopf. Heiko redete auf ihn ein, aber mein Bruder schien ihm nicht richtig zuzuhören. Als der Gong ging, erhob er sich schwerfällig und zunächst sah es so, als wäre der Kampf für ihn gelaufen. Der Gegner blieb bei seinem bewährten Rezept, bis mein Bruder urplötzlich einen Wirkungstreffer landen konnte. Mein Bruder schien genauso überrascht zu sein wie sein Gegner.
“Rein da!”, schrie mein Vater. “Rein da jetze!”
Doch anstatt nachzusetzen, machte mein Bruder einen Schritt zurück und suchte nach einem neuen Ansatz.
“Mensch, jetzt hat er die Chance vertan!”, stöhnt mein Vater und schob hinterher. “Bei so einem muss er aggressiver sein!”
Ich sah zur Familie des Gegners hinüber. Sie saßen ruhig auf ihren Plätzen und verfolgten das Geschehen ohne sichtliche Regung.
Zu meiner Überraschung verschob sich nach dieser Aktion meines Bruders das Momentum. Mein Bruder agierte jetzt selbstbewusster, während der Gegner an Dynamik einbüßte. Am Ende der Runde waren wir uns einig, dass sie an Mäck gehen musste, und bei der dritten war es glasklar. Eigentlich musste er den Kampf gewinnen und seine Serie fortsetzen. Trotzdem war ich aufgeregt, als sich der Ringrichter zwischen die beiden Kämpfer stellte, um ihre Handgelenke zu ergreifen. Der Moderator ließ sich von einem der drei Kampfrichter das Ergebnis reichen. Er machte es dann nicht besonders spannend.
“Einstimmiger Sieger nach Punkten, Markus Strotkamp.”
“Jawoll!”, rief mein Vater und klatschte in die Hände. “Hat er es doch wieder gepackt! Aus dem Jungen wird noch was, wartet nur ab!”
Mein Bruder reckte die Fäuste in den Himmel und ließ sich vom Publikum feiern. Doch es schien mir so, als ob er seinen Erfolg nicht wirklich genoss. Sein Lächeln wirkte auf mich aufgesetzt, die Umarmung von Heiko halbherzig. Außer mir fiel das indes niemandem auf. Meine Mutter und seine Freundin waren einfach nur froh, dass es vorbei war und er offensichtlich unbeschadet davon gekommen war, mein Vater war schon tief in der Analyse und spulte den ganzen Kampf noch einmal für uns ab, wobei er praktisch jede einzelne Aktion meines Bruders sezierte.
“Es gibt noch einige Baustellen”, so war sein Fazit, “Aber wir sind auf einem sehr guten Weg. Kommt, lasst uns mal zu ihm gehen!”
Hintereinander stiegen wir die Treppe der Tribüne herunter. Mein Vater schlug meinem Bruder anerkennend auf die Schulter.
“Mensch, wir dachten schon, heute reißt die Serie.”
“Gegen den doch nicht”, sagte mein Bruder und zwinkerte seiner Freundin zu.
Auch die Familie des Gegners war an den Ring gekommen. Seine kleine Schwester umarmte seine Beine und er streichelte ihr über den Kopf. Nacheinander schlossen ihn auch seine Eltern in die Arme. Er wirkte enttäuscht und ich glaube, die Mutter sagte ihm etwas Aufmunterndes, denn er lächelte und nickte. Dann sprach der Vater und fuchtelte mit den Armen, während er eine Grimasse machte. Daraufhin lachten alle. Kurz darauf verließen sie die Halle, doch das Bild, wie sie dort zu viert als Familie in einem Moment der Niederlage zusammenstanden, hängt mir noch immer nach. Irgendetwas sah ich ihnen, was ich von uns nicht kannte. Heute weiß ich, was es war, aber damals war da nur dieses vage Gefühl, das mir diesen Moment einbrannte.

* * *​

Ich saß im Auto hinten zwischen meiner Mutter und der Freundin meines Bruders. Ihr Parfüm war süßlich und gefiel mir ebenso wie ihren Oberschenkel an meinem zu spüren. Mein Bruder saß vorne auf dem Beifahrersitz neben meinem Vater und wusste hoffentlich nicht, was mir alles gefiel.
“Ich habe noch eine Überraschung für dich”, sagte mein Vater an meinen Bruder gewandt.
“Hmm?”
“Hab dir extra nichts davon erzählt, um dich nicht nervös zu machen.”
Mein Bruder sah jetzt zu ihm herüber.
“Heute war ein Scout von Universum da.”
“Na, toll!”
“Freu dich doch!”
“Aus mir wird kein Profi.”
“Warum das denn nicht?”
“Ist egal.”
Mein Vater kniff ihm in den Oberschenkel, den Blick jetzt wieder nach vorne gerichtet.
“Hör mal, die suchen keine Schönwetterboxer, sondern Fighter. Genau, was du heute gemacht hast. Moral beweisen und sich durchbeißen.”
Mein Bruder schwieg und meine Mutter sah fragend seine Freundin an. Die deutete ein Schulterzucken an. Mir lag es auf der Zunge, etwas dazu zu sagen. Ich wollte meinem Bruder zur Seite springen und meinem Vater erklären, dass es alles nicht so einfach war, wie er sich das dachte. Aber ich tat es nicht.
“Naja, red nächste Woche einfach mal mit Heiko da drüber”, sagte mein Vater schließlich. “Der weiß es am besten. Ich bin jedenfalls sicher, dass du dich heute super verkauft hast.”
“Gut verkauft”, wiederholte mein Bruder leise.

* * *​

Drei Wochen später unterschrieb Markus bei Universum einen Vorvertrag und zog ein halbes Jahr danach mit seiner Freundin nach Hamburg. Jetzt am Wochenende steht er zum letzten Mal im Ring. Seine Bilanz: 32 Profikämpfe, 27 Siege, 18 davon durch KO. 2 Unentschieden, 3 Niederlagen, eine davon vor 12.000 Zuschauern in der Münchner Olympiahalle gegen Nigel Awolaja. Summe der Preisgelder nach Abzug aller Kosten und Abgaben: rund 180.000 Euro, die in einen Golf GTI und eine Eigentumswohnung in Stade geflossen sind. In einem Interview mit Sport1.de sagte er kürzlich: “Ich weiss nicht, ob ich noch einmal Profi werden würde.”
Ich hätte gerne gewusst, was mein Vater über diesen Satz denkt, aber er ist vor zwei Jahren gestorben.
“Er hat für seine Kinder gelebt”, hat der Pastor in der Grabrede gesagt und ich dachte bei mir: Nein, er hat durch seine Kinder gelebt! Das ist ein Unterschied.

 

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