Was ist neu

Hank Foley

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Hallo @linktofink :-)

Schon viel gesagt und geschrieben! Hier mein Senf:

Dein Dialog hat mir sehr gut gefallen. Ein atmosphärisch verdichteter Dialog, der einem Spannungsbogen bis zum Höhepunkt folgt. Dann wird geschossen und schon ist einer tot. Ich glaube, dass das die Besonderheit deines Dialogs ist: Wie Spannung aufgebaut wird, wie Spannung entsteht. Mann gegen Mann. Auf dem Schirm hatte ich dich nicht.

Inhaltlich ist es so gar nicht mein Thema. Vielleicht über den Siedler-Frontier-Eisenbahnbau-Diskurs, da geht was. Weites Land, genagelte Bahnschwellen. Aber das ist eben Geschmackssache.
»Den Farmer fanden die Leute aus der Stadt mit einem Seil an den Brunnen gebunden. Das war zu kurz, um bis zum Haus zu kommen. Vor ihm standen zwei Eimer Wasser. Randvoll.« Der andere räusperte sich geräuschvoll und ließ seine Zunge im Mund kreisen.
Der Alte nickte bedächtig. »Es muss hart gewesen sein, alles zu verlieren – für ihn und die Frauen.«
Der andere spuckte braunen Tabakrotz in den Sand. Als er sprach, leuchteten seine Lippen vor braunen Zähnen.
Er bestätigt jene Western-Schemata, die wir ja alle irgendwo aufgeschnappt haben: Betont männliche Härte, Brutalität, Reduktion der Sprache und Charaktere, mieses Benehmen, Fleischessen, rostige Lagerfeuerromantik, es wird getötet. Trockenheit. Mir fehlt noch die bunte American-Lokomotive mit Kuhfänger und Funkenfänger (wie in deinem Märchen, Flämmchen und Branko :-). Oder Indianer. Oder soll der Text ins Ironische gehen? Dann habe ich ihn ganz falsch gelesen. Das ist keine Kritik am sehr gut gemachten Dialog sondern eine simple Feststellung.

»Stimmt so nicht, sagt er. Wie war's denn dann, Mister?«

Hm, vielleicht das "Mister" streichen? Mister klingt in meinen Ohren viel zu britisch für deinen Western. Da schmecke ich Pfefferminz statt Trockenfleisch. Über den Eingangssatz -
»Soso, gesehen will er ihn haben«, murmelte der Alte.
- ist ja das Verhältnis zwischen den beiden auserzählt. Sie werden keine Freunde werden.
»Ich hab gehört, der hat drei Männer getötet, fünf Pferde und zweiunddreißig Hühner.«

Vielleicht der einzige Punkt, über den man nachdenken könnte: Dein Western ist eine reduzierte Welt, die keinen Schnick-Schnack á la gewaltfreie Kommunikation kennt, in der Männer (?) kein Wort zu viel sprechen. Tot oder Lebendig. Geld oder Nicht-Geld. Feuer. Wüste.
"Ich hab' gehört" könnte man streichen. Sie wollen dem anderen zeigen, dass sie sicher sind in dem, was sie tun und was sie denken.

So, das war's :-)

Lg
kiroly
 
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das ist kein Western im Sinne des Genres, sondern eher ein Pastiche, also eine Art parodistische Überhöhung. Das kann man machen, da spielt halt Ironie eine große Rolle, der Westen und die frontier werden bevölkert von kauzigen Exzentrikern, die allerlei Abenteuer erleben. Ein wenig wie Winnetou und Old Shatterhand. Mit den echten Verhältnissen hat das allerdings wenig zu tun. Ich liebe Western, bzw Geschichten über den Wilden Westen, doch ich bevorzuge die realistischen, die sich eher versuchen, an der Wirklichkeit zu orientieren. Dein Hank Foley ist halt wie so eine Trope, die schon oft bedient wurde, das Gerücht der Plains, der unerkannte Anti-Held oder Held, niemand weiß es so genau. Ich weiß ja auch, dass es schwer ist, da etwas Neues zu erschaffen, was wahrscheinlich gar nicht geht, aber dann wenigstens so etwas wie Atmosphäre, die hier meiner Meinung nach fehlt. Das wirkt unfertig, die Figuren unecht und konstruiert, die Dialoge halt gewollt, die zielen nur auf das Eine ab. Warum erzählen die sich das überhaupt? Wie kommt diese Situation am Feuer überhaupt zustande?
Klar bilden die beiden Stereotype ab, parodistische Überhöhung sehe ich dennoch nicht, ist ja keine freakshow, die Figuren sind keine kauzige Exzentriker, sondern offenbaren sich nach und nach in dieser who is who-Geschichte. Pastiche im Sinne von Nachahmung eines bekannten Stils? Ja, sicherlich, ein Glanzrappe ist es nicht, muss es auch nicht sein, denn das Ziel war nicht Bedeutung und Sinntiefe zu transportieren, oder den Western neu zu erfinden, sondern die Geschichte nur durch Dialoge zu erzählen und mit der Auflösung zu spielen. Wie du sagst, ist es bei so oft bedienten und breitgetretenen Genres vermutlich schwer, innovativ zu schreiben und das waren die ersten Schritte dieser Art. Soll keine Ausrede sein, das ist ein Text mit geringer Reichweite, dazu fehlt die sinnstiftende Vorgeschichte und eine persönliche Entwicklung im Konflikt. So bleibt es eine beschränkte Szene, die nach ihren Regeln für mich dennoch funktioniert.
Peace, linktofink
 
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Hallo @Geschichtenwerker,
schön, dass du ein wenig Zeit für das Forum gefunden und mir einen Komm. dagelassen hast. Entschuldige die späte Antwort, der Tag hat immer ein paar Stunden zu wenig. Mal sehen, was du dabei hast.

Die Namensgebung finde ich nicht sonderlich glücklich, weil man die beiden schwer auseinanderhalten kann. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum Du das getan hast, das klingt ja nach einem recht distanzierten Erzähler, der nicht einmal die Namen der beiden kennt. Für mich wirkt das ein wenig so, als ob Du Dich nicht entscheiden konntest, aus welcher Sicht Du die Szene beschreiben möchtest und hast daher diese etwas anonyme Außenperspektive eingenommen.
Jo, manche fanden das blöd, andere völlig okay, schwierig. Ich möchte ihnen keine richtigen Namen geben, aber bevor ich Nicks nehme, kann ich auch beim Alten und anderen bleiben. Stand jetzt, mal sehen.

Etwas unausgegoren erscheint mir die Rolle "des anderen" zu sein. Wer ist das? Ich verstehe das einfach nicht und ich verstehe auch nicht, was ihn antreibt, sich mit dem Alten anzulegen. Es ist auch unklar, wie es dazu kam, dass die beiden gemeinsam in dieser Situation gelandet ist.
Die Vorgeschichte wird nicht erklärt, aber aus dem Zusammenhang haben einige rausgelesen, dass der Alte von Farmer-Seite kommt, z.B. Nachbar, Verwandter oder auch einfach ein Kopfgeldjäger (hab jetzt noch einen Zettel mit Zeichnung drauf reingeschrieben), also der klassische Gegenspieler, motiviert durch Dollars.

Diese Legendenbildung mit den Hühnern fand ich etwas drüber, vor allem vor den Hintergrund, dass der andere ja wohl recht nahe am Geschehen war.
Ja, nüchtern betrachtet ist das überzeichnet und somit unrealistisch, aber so läuft der ganze Dialog, viel hearsay, viel Versteckspiel. Ich stell mir halt vor, was die Leute sich so am Lagerfeuer erzählt haben, das war sicher auch banales Zeugs mit entsprechenden Übertreibungen, ist ja heute auch nicht anders.

Die Motivation des Alten wird mir auch nicht klar. Warum noch weiter Rache nehmen? Was ist daran so wichtig, sich auch noch an den Frauen zu rächen?
Der Alte will sich an den Frauen nicht rächen, er will ihnen die Rückkehr zur Farm ermöglichen.

Insgesamt habe ich die Szene aber gerne gelesen, liest sich flüssig, hat Atmosphäre, hinterlässt aber eine Menge Fragezeichen und hat ein wenig den Charakter einer Schreibübung, weil sie sehr stark auf den Showdown am Ende ausgerichtet ist und weniger auf den eigentlichen Konflikt und die darunterliegende Tragik.
Ja ist so, die Geschichte ist auf das Ende hin geschrieben und spielt dabei mit Versatzstücken aus Italo-Western. Die tiefliegende Tragik hat mich nicht interessiert, mit ging es einfach darum, das Who-is-who möglichst lange offen zu halten, Spannung aufzubauen und im Gespräch zwischen beiden den Ton zu treffen, was leidlich gelungen ist. Mehr als eine kleine Szene am Feuer mit finalem Twist will es gar nicht sein.

Grüße, peace, linktofink

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Hola, @josefelipe,

ltf: … drehte den Knochen in seiner Hand. Sein langer Schatten im Gras sah aus wie ein Wolfskopf mit flackernden Augen.
Muss neidlos sagen, Du wirst immer besser. Die Dialoge finde ich gut angepasst an Mensch, Ort und Zeit. Von Anfang an gelungene, genrebezogene Atmosphäre, nichts stört beim Lesen.
Dabei dachte ich an ‚Wurzeln im Sand‘ von @Sisorus: In beiden Texten stimmt das Klima.
Freut mich natürlich so was aus deiner Feder, dennoch fühlt es sich bei dem kleinen Text hier ein wenig unverdient an, vor allem im Vergleich mit den Wurzeln im Sand, der für mich ein richtig guter Text ist.

Bis bald beim monstern, peace, ltf.

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Hallo @Silvita,
danke für deine Lesart, auch wenn sie dich nicht mitgenommen hat, die kurze Western-Szene, auch weil die Auflösung zu vorhersehbar ist.
ich habe Deine Geschichte gelesen und weiß nicht recht, was ich davon halten soll. Der Text ist teilweise flüssig geschrieben, teilweise aber auch wieder holprig. Ich kann mir das Setting gut vorstellen, bin nah bei den Protagonisten, aber das Gemetzel ist vorhersehbar. Hat mich leider nicht überrascht. Was genau die Botschaft der Story ist, verstehe ich auch nicht.
Ein untypischer Text für mich. War ein Versuch, eine Geschichte nur anhand von Dialogen zu erzählen. Ich selbst hatte ein Grummeln im Bauch und wusste nur, dass ihm vermutlich was fehlt, aber nicht genau was. Vllt. ist es das, was du mit Botschaft meinst.

Noch was hierzu:
»Und neben dem Hühnerstall hat er auch die ganze Farm abgefackelt. Die Geschichte kenn ich«, sagte der andere. »Die stimmt aber so nicht, das ist nicht die ganze Wahrheit.«
»Stimmt so nicht, sagt er. Wie war's denn dann, Mister?«
»Nun, Hank Foley, der hatte die Farm gewonnen, beim Poker, ganz ehrlich und gemäß den Spielregeln, weißt du?«, sagte der andere und drehte den Knochen in seiner Hand. Sein langer Schatten im Gras sah aus wie ein Wolfskopf mit flackernden Augen.
»Die ganze Farm?«, fragte der Alte. »Mit Mann und Maus?« Das Gesicht war rot, was zum Teil an der Hitze des Feuers lag.
Wieder Doppelungen.
Im fließenden Dialog ist es unnötig ständig "sagte" und "fragte" zu wiederholen. Der Leser weiß ja, wer grad spricht.
Mal grundsätzlich zu diesen Wiederholungen. Es gibt ja diverse Arten, Dialoge zu schreiben, die einfachste ist Rede und Gegenrede. Dabei verliert der Leser nur leider oft die Gewissheit, wer gerade spricht. Wenn es gelingt, das eindeutig zu halten: Hut ab! Ich hab schon manches Mal die Rückmeldung bekommen, dass das nicht klar sei und das ist natürlich Mist, wenn die Orientierung fehlt. Deshalb entscheide ich mich meistens für einen einfachen Redebegleitsatz, meistens auch für das schlichte "sagte". Dazu schrieb Elmore Leonard in seinen "Ten rules for writing":
"Never use a verb other than "said" to carry dialogue. The line of dialogue belongs to the character; the verb is the writer sticking his nose in. But "said" is far less intrusive than "grumbled", "gasped", "cautioned", "lied". I once noticed Mary McCarthy ending a line of dialogue with "she asseverated" and had to stop reading and go to the dictionary."
Ich bin da nicht megakonsequent, habe aber festgestellt, dass die Dialoge mit neutralen und schlichten Redebegleitsätzen besser rüberkommen. Und ein Leser außerhalb der Wortkrieger überliest diese, ohne zu stolpern.

Wenn der Alte in seiner Antwort bestimmte Aussagen wie "dummer Fehler" wiederholt, ist das für mich auch auch keine vermeidbare Doppelung, sondern bewusst eingesetzt, weil es seiner Art entspricht.
Er kaut auf den Worten herum, prüft sie damit, denkt darüber nach. Auch Hank mit den Pferden. Vllt. ist das auch nur in meiner Vorstellung so, aber ich denke, wenn jemand den ganzen Tag im Sattel sitzt und in die Ferne stiert, dann ist der abends am Feuer nicht unbedingt ein sprudelnder Quell der Eloquenz. Das was man tagtäglich tut, formt die Persönlichkeit. Deshalb dieses meditative Wiederholen. Das verlangsamt auch den Ablauf, staut die Spannung auf, weil nichts Neues dazukommt. Und damit spielt der Text ja, mit der Spannung und dem who is who.
Umso schrecklicher, dass das Ende für dich so erwartbar war, denn ich habe gedacht, mir wäre es halbwegs gelungen, das offen zu halten. Nun ja, wieder was gelernt. :D
Danke für deinen Kommentar, peace, ltf.

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Lieber @Friedrichard, schön, dass du dabei bist.
lieber oder doch böser Link,
manchmal weiß ich das selbst nicht :D, muss mal Manni fragen.
und könnt‘ doch gleich den Marshal vorbeischicken. Muss ma‘ schau‘n, wie der Zeit hat.
Ja, merci, der kann dann gleich das Kopfgeld auszahlen ...

Danke für dein Fehlerfischen, Friedel, hattest ja einiges an der Angel, ist alles berichtigt.

Eine Winchester mit langem, geradem Lauf. Und …
Ist die Beschreibung notwendig?
Zu Anfang des Bürgerkrieges vllt. (das Gewehr kam 1860 auf den Markt) . Aber später ...
Und wäre nicht jede Flinte mit "gebogenem" Lauf nicht mal museumsreif?
Nun ja, mit gebogenem Lauf wäre die schon aussortiert, aber ich stelle mir so vor, dass es auch im WW (ohne drittes W) gute und sehr gute Gewehre gab, deshalb eine innovative Winchester, die in den 1860er vermutlich der letzte Schrei war.

Und vom „Feuer“ gibt‘s jede Menge Synonyme und wären es nur Glut und Flamme als Alternativen ...
Recht du hast und dementsprechend habe ich das jetzt variiert.
Schönen Restsamstag, peace, linktofink
 
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Moin @linktofink
hat jemand "Wurzeln" gesagt? Aber Spaß bei- und dann wieder zuseite: Sag mal, willst du mich verarschen? Das Ding hier ist deutlich smarter als mein Mini-Western. Echt saubere Dialoge, wirklich geil, total filmisch, aber auf ne gute Art, dynamisch, fetzig eben, bauen sogar nebenbei die Welt etwas auf, Strich für Strich, hier ne Hütte, da n Brunnen, ne Frau, n Saloon, ein paar Hände voller Karten und zahllose andere bestückt mit Messer, Revolvern, Gewehren. Na ja, genug Lobhudelei. Muss auch zugeben, mich bockt's so sehr, weil mir Dialoge echt schwerfallen, also das spielt da mit rein, lässt sich nicht leugnen, denke ich, aber was auch immer.
Paar kleine Anmerkungen (und um den alten Kalauer mal themenrelevant anzubringen: ohne Gewehr):

Sein langer Schatten im Gras sah aus wie ein Wolfskopf mit flackernden Augen.
Wieso flackern die Augen? Ich sehe die zackig verzerrte Mähne, die Krallen, das Maul, aber Augen? Und flackernde noch dazu?
Die großen Pinien dufteten betörend nach dem heißen Tag
Hier kommt der Erzähler näher ran als er sollte, oder? Er ist sonst zwar nah am Geschehen, aber nie personal (oder?) und empfindet jetzt etwas als duftend, als betörend duftend sogar! Passt das?
Das flackernde Feuer warf dunkle Flecken in sein Gesicht.
- flackern, denke ich. Macht den Satz geschmeidiger, nicht?
In aller Ruhe nahm der Alte das Messer aus den erschlafften Fingern
Erschlaffen die Finger nach einem Schuss in den Magen? Also ich glaube gern, dass der Griff sich lockert, weil die Finger anderweitig spasmieren, also schmerzverzerrte Krallen werden, aus denen man dann eventuell leichter ein Messer pflücken kann, aber erschlaffen sie? Ist das so ne Schocksache? Mr. Whiskey, Zigarre, Schusseisen @jimmysalaryman weiß solche Dinge doch idR. Hiermit sei also der metaphorische Himmelsstrahler ausgerichtet, eingeschaltet und mit dem Negativ-Cutout einer Zigarre beklebt.

Gern gelesen!
 
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Hey, @kiroly,

ich denke, du wirst wenig Zeit haben, deshalb einen besonderen Dank für deine Rückmeldung.
Dein Dialog hat mir sehr gut gefallen. Ein atmosphärisch verdichteter Dialog, der einem Spannungsbogen bis zum Höhepunkt folgt. Dann wird geschossen und schon ist einer tot. Ich glaube, dass das die Besonderheit deines Dialogs ist: Wie Spannung aufgebaut wird, wie Spannung entsteht. Mann gegen Mann. Auf dem Schirm hatte ich dich nicht.
Ist hätte auch nicht auf mich getippt :Pfeif:, aber schön, dass du dem Spannungsbogen im Dialog bis zum Ende folgst, dass die Spannung doch iwie trägt.

Inhaltlich ist es so gar nicht mein Thema. Vielleicht über den Siedler-Frontier-Eisenbahnbau-Diskurs, da geht was. Weites Land, genagelte Bahnschwellen. Aber das ist eben Geschmackssache.
Ist auch ein wenig abseits meiner Gewohnheiten, aber why not? Musste mal was anderes machen als Krümelgeschichten.

Er bestätigt jene Western-Schemata, die wir ja alle irgendwo aufgeschnappt haben: Betont männliche Härte, Brutalität, Reduktion der Sprache und Charaktere, mieses Benehmen, Fleischessen, rostige Lagerfeuerromantik, es wird getötet. Trockenheit. Mir fehlt noch die bunte American-Lokomotive mit Kuhfänger und Funkenfänger (wie in deinem Märchen, Flämmchen und Branko :-). Oder Indianer. Oder soll der Text ins Ironische gehen? Dann habe ich ihn ganz falsch gelesen. Das ist keine Kritik am sehr gut gemachten Dialog sondern eine simple Feststellung.
Ironisch wollte ich den nicht machen, den Text, die Gefahr sehe ich auch, weil die Charaktere schon stereotyp sind. Das Ganze ist auch ein Jonglieren mit letztlich ausgelutschten Klischees, wie du so schön zusammenfasst. Lokomotive und Indianer, grrr, klar sehe ich den Punkt. Schwierig, das in der Balance zu halten.

Hm, vielleicht das "Mister" streichen? Mister klingt in meinen Ohren viel zu britisch für deinen Western. Da schmecke ich Pfefferminz statt Trockenfleisch. Über den Eingangssatz -
Ja, ist wohl besser, das zu ändern, sonst lässt der andere noch das Messer stecken und holt ein After Eight aus der Westentasche. Die feine englische Art, haha. Willkommen in der Werbeposse. :D

Vielleicht der einzige Punkt, über den man nachdenken könnte: Dein Western ist eine reduzierte Welt, die keinen Schnick-Schnack á la gewaltfreie Kommunikation kennt, in der Männer (?) kein Wort zu viel sprechen. Tot oder Lebendig. Geld oder Nicht-Geld. Feuer. Wüste.
"Ich hab' gehört" könnte man streichen. Sie wollen dem anderen zeigen, dass sie sicher sind in dem, was sie tun und was sie denken.
Ja, werde das nochmal prüfen, reduzieren, hm, vllt. komme ich so weg von dem, was bei den beiden drüber ist.

Danke für deinen Kommentar und bleib gesund, du wirst gebraucht, ;) peace, ltf.
 
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Ist mir scheißegal wer unter der Maske steckt..

er oder sie hat ein anfangs ganz unterhaltsame Western-Persiflage geschrieben, die schlussendlich klischeehaft versandet.....schade eigentlich, ich hätte mein Ohr gerne fester auf die Humor-Schiene gedrückt...auch beim zweiten Lesen wurde mir übrigens das who is who nicht klar...egal...völlig belanglose Geschichte mit gelungenem Anfang...sprachlich gut aber entweder man zieht die Persiflage durch oder eben eine glaubwürdige Western-Story - das hier ist weder Fisch noch Fleisch...aber man kann das Ding noch retten!
BG
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Hey @Sisorus,
hat jemand "Wurzeln" gesagt?
Ja! Deine Geschichte ist mir immer noch sehr präsent, Kaktusland, der eklige Mistkäfer im Laden, die Beschreibung des desolaten Pickups als letzte Hoffnung, die zerfällt, das war schon stark.
Das Ding hier ist deutlich smarter als mein Mini-Western.
Wäre schön, es wäre so ... :Pfeif:

Echt saubere Dialoge, wirklich geil, total filmisch, aber auf ne gute Art, dynamisch, fetzig eben, bauen sogar nebenbei die Welt etwas auf, Strich für Strich, hier ne Hütte, da n Brunnen, ne Frau, n Saloon, ein paar Hände voller Karten und zahllose andere bestückt mit Messer, Revolvern, Gewehren. Na ja, genug Lobhudelei. Muss auch zugeben, mich bockt's so sehr, weil mir Dialoge echt schwerfallen, also das spielt da mit rein, lässt sich nicht leugnen, denke ich, aber was auch immer.
Danke für deine unangemessene Lobhudelei :D. Mich freut es immer, wenn jemand meine Dialoge gut findet und das war ja das Anliegen dieses Textes, eine Geschichte nur mit Dialogen zu erzählen, weil es mir geht wie dir, sie fallen mir schwer.

Sein langer Schatten im Gras sah aus wie ein Wolfskopf mit flackernden Augen.
Wieso flackern die Augen? Ich sehe die zackig verzerrte Mähne, die Krallen, das Maul, aber Augen? Und flackernde noch dazu?
Ja, bist nicht der Einzige, dem das mit den Augen merkwürdig vorkam, Hab´s geändert in das zuckende Maul.

Die großen Pinien dufteten betörend nach dem heißen Tag
Hier kommt der Erzähler näher ran als er sollte, oder? Er ist sonst zwar nah am Geschehen, aber nie personal (oder?) und empfindet jetzt etwas als duftend, als betörend duftend sogar! Passt das?
Auch das hab ich in eine neutralere Beschreibung geändert.

Das flackernde Feuer warf dunkle Flecken in sein Gesicht.
- flackern, denke ich. Macht den Satz geschmeidiger, nicht?
Das Flackern. Genommen.

In aller Ruhe nahm der Alte das Messer aus den erschlafften Fingern
Erschlaffen die Finger nach einem Schuss in den Magen? Also ich glaube gern, dass der Griff sich lockert, weil die Finger anderweitig spasmieren, also schmerzverzerrte Krallen werden, aus denen man dann eventuell leichter ein Messer pflücken kann, aber erschlaffen sie? Ist das so ne Schocksache?
Hab das geändert, um das klarer zu kriegen. Jetzt heißt es: "In aller Ruhe hob der Alte das Messer auf, das dem anderen aus der Hand gefallen war, kniete sich neben ihn ..."

Cooler Kommentar, Sisorus, Danke und peace, linktofink

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Ist mir scheißegal wer unter der Maske steckt..
Na, das ist doch mal eine nette Ansprache, vor allem, da das seit 11 Tagen klar ist. Hatte ich auch noch nicht, immer mal was Neues, bringt Varianz in die Sache. :lol:

er oder sie hat ein anfangs ganz unterhaltsame Western-Persiflage geschrieben, die schlussendlich klischeehaft versandet.....schade eigentlich, ich hätte mein Ohr gerne fester auf die Humor-Schiene gedrückt...auch beim zweiten Lesen wurde mir übrigens das who is who nicht klar...egal...völlig belanglose Geschichte mit gelungenem Anfang...sprachlich gut aber entweder man zieht die Persiflage durch oder eben eine glaubwürdige Western-Story - das hier ist weder Fisch noch Fleisch...aber man kann das Ding noch retten!
Ich erlaube mir mal ein Vollzitat, was bei deinen fünf Zeilen nicht so schlimm ist. :D
Ehrlich gesagt bin ich kein Freund von Zehn-Minuten-Kommentaren, die mal so richtig was raushauen. Ich selbst handhabe das anders. Aber: Der Punkt, den du ansprichst, der trifft für mich zu. Das ist genau das Manko des Textes, seine Unentschlossenheit. Für eine Persiflage ist er zu ernsthaft und schwer, für eine authentische Geschichte zu überzeichnet, insofern weder Fisch noch Fleisch, ja.

Also danke für diese Feststellung, die ich teile und schlaf dich aus,
peace, die Scheißegal-Maske.
 
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MRG

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Hi @linktofink,

ich bin hin- und hergerissen, was deinen Text angeht. Einerseits konnte ich nicht aufhören zu lesen, konnte gut in deine Geschichte eintauchen, aber am Ende fehlte mir etwas. Ich fand das Ende nicht richtig befriedigend.

Ich versuche darauf in der Textarbeit einzugehen:

»Ich bin's, Hank Foley«, rief der Alte und trat zurück in den Feuerschein. Er hob die Arme, als wollte er sich auf den anderen stürzen.
»Nein, bist du nicht«, sagte der andere.
Den Einstieg finde ich gelungen. Das weckt mein Interesse, weil du mich als Leser im Ungewissen lässt. Denn ich habe mir gedacht, vielleicht ist der Alte eben doch Hank Foley.

»Soso, gesehen will er ihn haben«, murmelte der Alte. Er nahm einen Stock und stocherte im Feuer, das aufflammte. »Wie sah er denn aus?«
Das ist eine Stelle, die mir ausgesprochen gut gefällt. Die Details der Umwelt baust du sehr geschickt ein. Der Alte interagiert mit dem Feuer, das macht die Szene für mich als Leser dynamisch. Zudem sind deine Dialoge wirklich gut, da kann ich mich den anderen Kommentaren anschließen.

»Stimmt so nicht, sagt er, der Herr. Aber, wenn das so nicht war, wie war's denn dann?«
Hier noch ein Beispiel zu den guten Dialogen. Das klingt für mich einfach gut und ich kaufe es dem Alten ab.

Das Gesicht war rot, was zum Teil an der Hitze des Feuers lag.
Ein schönes Detail, was die Erregung des Alten verrät. Ich war mir hier noch nicht sicher, ob er nicht vielleicht doch Hank Foley sein könnte. Und der andere einfach zu viel von ihm weiß und ihm gefährlich wird.

Die Augen waren weit geöffnet. Der Atem ging schnell.
Dieser Gedanke wird hierdurch weiter verstärkt und vielleicht liegt es daran, dass ich am Ende enttäuscht war. Wie wäre es, wenn der Alte doch Hank Foley ist. Er trifft auf den anderen, der viel zu viel weiß und deshalb erledigt er ihn?

»Hat Hank Foley erledigt, jedes einzelne.«, sagte der andere.
Kleinigkeit: Den Punkt nach "einzelne" streichen.

»Er hat mit seiner Flinte durch die Bretterwand vom Verschlag geschossen.«
Hier dachte ich dann, okay, wahrscheinlich ist der andere Hank Foley. Das war schon sehr verdächtig.

»Verstehe«, sagte der Alte und pfiff durch die Zahnlücke.
Das Pfeifen durch die Zahnlücke fand ich klasse. Das ist richtig gut geschrieben. Ich kann mir das bildlich gut vorstellen. Generell mag ich, wie du diese Bilder erschaffst. Das geschieht ganz leise, ohne, dass ich es als Leser direkt aufgezwängt bekomme. Das zu lesen, hat mir Spaß gemacht.

Mit der freien Hand griff der Alte in die Jacke des anderen, nahm ein nussgroßes Stück aus der Kautabakdose und steckte es mit der freien Hand in die Wange. Anerkennend nickte er.
Ich glaube, dass dieser Satz ganz gut beschreibt, was mich am Ende stört. Für mich ist Hank Foley die Legende und für mich ist er der Protagonist. Aber dann kommt der Alte daher, fragt ihn aus, was wohl eigentlich nur einem Anfänger passieren sollte und dann kann er ihn einfach killen. Zudem nimmt er sich dann den Kautabak. So eine Situation hätte ich doch eigentlich von der Legende Hank Foley erwartet. Meine Idee oder Anregung wäre daher, dass der Alte vielleicht doch Hank Foley ist und der Kopfgeldjäger gar nicht merkt, wie er in sein eigenes Verhängnis läuft, weil er einfach zu viel weiß. Das würde sich für mich noch etwas stimmiger lesen.
Insgesamt ist das echt gut geschrieben, hatte auch kein Problem mit der Zuordnung zwischen dem Alten und dem Anderen.


Beste Grüße
MRG
 
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04.03.2018
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Hallo @MRG,
danke für deinen Kommentar, er hat mich dazu bewogen, das Ende komplett umzuschreiben. Im Einzelnen mehr dazu.
ich bin hin- und hergerissen, was deinen Text angeht. Einerseits konnte ich nicht aufhören zu lesen, konnte gut in deine Geschichte eintauchen, aber am Ende fehlte mir etwas. Ich fand das Ende nicht richtig befriedigend.
Ich hab es etwas verlängert und anders gewichtet. Wenn du Lust und Zeit hast , schau vllt. noch mal rein.

Den Einstieg finde ich gelungen. Das weckt mein Interesse, weil du mich als Leser im Ungewissen lässt. Denn ich habe mir gedacht, vielleicht ist der Alte eben doch Hank Foley.
Das sollte auch so sein, dass das möglichst lange offenbleibt.

Das ist eine Stelle, die mir ausgesprochen gut gefällt. Die Details der Umwelt baust du sehr geschickt ein. Der Alte interagiert mit dem Feuer, das macht die Szene für mich als Leser dynamisch. Zudem sind deine Dialoge wirklich gut, da kann ich mich den anderen Kommentaren anschließen.
Die Interaktion, also das "Spiel mit dem Feuer" hab ich noch ausgeweitet, weil ich denke, dass es dem Text dient. Auch an den Dialogen habe ich zum Ende hin noch geschraubt. Ich hoffe, da auch den Ton zu treffen.

Ein schönes Detail, was die Erregung des Alten verrät. Ich war mir hier noch nicht sicher, ob er nicht vielleicht doch Hank Foley sein könnte. Und der andere einfach zu viel von ihm weiß und ihm gefährlich wird.
Gehört zum Verwirrspiel, das beides lange möglich bleibt.

Dieser Gedanke wird hierdurch weiter verstärkt und vielleicht liegt es daran, dass ich am Ende enttäuscht war. Wie wäre es, wenn der Alte doch Hank Foley ist. Er trifft auf den anderen, der viel zu viel weiß und deshalb erledigt er ihn?
Okay, ich hab das Ende jetzt dahingehend umgeschrieben.
Meine Idee oder Anregung wäre daher, dass der Alte vielleicht doch Hank Foley ist und der Kopfgeldjäger gar nicht merkt, wie er in sein eigenes Verhängnis läuft, weil er einfach zu viel weiß. Das würde sich für mich noch etwas stimmiger lesen.
Insgesamt ist das echt gut geschrieben, hatte auch kein Problem mit der Zuordnung zwischen dem Alten und dem Anderen.
Bin mal gespannt, ob die neue Version besser funktioniert, peace, ltf.
 

MRG

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Guten Abend @linktofink,

habe die Überabeitung gerade gelesen und mir hat sie gefallen. Ich finde, dass jetzt die Grenzen verschwimmen zwischen Realität und Erzählung. Das könnte beispielsweise auch eine Geschichte sein, die sich andere über Hank Foley erzählen. Spricht dafür, wie gefährlich Hank Foley ist. Für mich hat sich das sehr viel stimmiger angefühlt.

»Soso, gesehen willst er ihn haben
Ich mag, wie du hier Zweifel sähst, gefällt mir. Kleinigkeit: Das "s" bei "willst" streichen.

»Und neben dem Hühnerstall hat er auch die ganze Farm abgefackelt. Die Geschichte kenn ich«, sagte der andere.
Das macht die Unwissenheit des anderen gut deutlich. Er weiß nicht, wer vor ihm sitzt, aber ich als Leser ahne es und das baut für mich Spannung auf.

»Du bist neugierig, Alter, beinahe vorwitzig, aber was soll´s …«
Hier wird der oben erwähnte Eindruck verstärkt, funktioniert gut für mich.

»Man hört so Einiges, wenn man unterwegs ist … auch viel Unsinn«, sagte der Alte. »Aber eins das ist sicher: Ein Spieler bleibt ein Spieler.«
Hier spricht die Legende Hank Foley, funktioniert für mich.

Anerkennend nickte er. »Richtig gutes Zeug. Wäre ja schade drum, nicht wahr?«
Das liest sich für mich richtig befriedigend. So stelle ich mir einen Westernhelden vor (muss dazu sagen: Ich habe auch gerne Winnetou gelesen.)

»Weißt du, hier draußen ist es gesünder, weniger zu wissen. Die meisten werden nur nicht alt genug, das zu verstehen.«
Und dann noch einen coolen Spruch am Ende. Also mir hat das viel besser gefallen. Ich weiß nicht, ob das mit meiner Erwartung generell zu tun hat, bin gespannt was andere dazu sagen. Wenn das Kapitel so starten würde, dann wäre ich auf jeden Fall an Hank Foley interessiert, unabhängig davon, ob das realistisch ist oder nicht.


Gerne gelesen und beste Grüße
MRG
 
Wortkrieger-Team
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04.03.2018
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Hallo @MRG,
nett, dass du den Text gleich nochmal gelesen hast. Das hier:
dass jetzt die Grenzen verschwimmen zwischen Realität und Erzählung.
finde ich interessant, ich lese das nochmal durch diese Brille und bin gespannt, ob ich das auch so sehe. Dass es auch eine Episode sein kann, die sich andere über HF erzählen, ist mir noch nicht in den Sinn gekommen, aber klar, wäre eine neue Spielart und ein Gewinn.

Aus deiner Antwort entnehme ich, dass die Suspense als Spannungs-Element hier funktioniert und das wäre schön, wenn der Leser eine vage Vorstellung der drohenden Gefahr entwickelt, ohne es genau zu wissen. Dass es gelingt, den Text lange in der Schwebe zu halten und am Schluss ist es doch so, wie anfangs gesagt, auch wenn es keiner geglaubt hat. :D
Also mir hat das viel besser gefallen. Ich weiß nicht, ob das mit meiner Erwartung generell zu tun hat, bin gespannt was andere dazu sagen.
Ich fürchte der Text ist bei den Meisten schon durch. Aber danke jedenfalls für dein Interesse.

Liebe Grüße, ltf.
 

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