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Herr Kants Leben

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22.03.2026
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Herr Kants Leben

Musik ertönt.

Der Bass ist so laut, dass Herr Kant seinen Pfefferminztee vibrieren sah. Sein
Handy leuchtete auf, „Komm doch hoch zu uns!“ schrieb sein Freund, „Hab doch mal
ein bisschen Spaß!“ Herr Kant blickte von seinem Laptop auf, in den dunklen und
leeren Raum in seiner dunklen und leeren Wohnung. Der Wohnblock, in dem er
lebte, war alt und marode, die Wände waren so dünn, dass die Musik sich ihren Weg
bis zu ihm nach unten bahnen konnte. Er zögerte mit seiner Antwort, er wollte nie
auf Feiern gehen, Pfefferminztee war sein Bier und Ruhe war sein Glück, was sollte
er auch anderes wollen? Die Musik trug Gelächter in seinen Verstand, Andere die
jetzt zusammen lachten, während er alleine im Dunkeln saß. Noch nie wollte er
etwas anderes als Zuhause seine Ruhe zu genießen, noch nie wollte er an dem
Leben da draußen teilnehmen. „Nein, ich habe lieber meine Ruhe“, antwortete er
seinem Freund. Dessen Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Du verpasst was
ohne Leben!“ Hatte er ein Leben? Waren Stille und Pfefferminztee ein Leben? In Herr Kant wuchsen Zweifel. Was, wenn er sein Leben verschwendet hat? Was wenn er das echte Leben noch nie gesehen hat?

Eine Fensterscheibe zerbrach, Herr Kant wachte aus seinen Gedanken auf. Vor ihm
stand ein schwarzer Schatten und bevor er reagieren konnte, richtete der Schatten
eine Pistole auf Herrn Kant. „Nein!“, rief er panisch, „Ich hatte noch nie die
Möglichkeit zu leben!“ Der Schatten reagierte nicht. „Ich bin noch nie feiern
gegangen, habe mein ganzes Leben hier alleine in der Stille verbracht. Sie können
das jetzt nicht tun! Ich habe noch nie gelebt! Ich war noch nie so glücklich, wie die
anderen!“ Der Schatten zielte immer noch auf ihn, als er ist sagte: „Und wenn Sie
gegangen wären, wie glücklich wären Sie in Ihrem Leben gewesen?“ Herr Kants
Blick wurde kalt, sein Herz schlug langsamer und er atmete ruhig aus.

Ein Schuss fiel, die Musik verstummte.

 

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