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"I muaß a moi brunzen geh!"

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12.04.2002
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"I muaß a moi brunzen geh!"

Mittwochnacht vor Weihnachten 2006. Nein, wir haben schon Donnerstag. Es ist schon fast zwei Uhr in der Früh. Die Lokale der Altstadt von Linz sind alle gut befüllt. Die letzten Firmen-Weihnachtsfeiern haben ihre Alkohol- und Fastleichen schon längst alle auf die Straßen gekreißt. Der Weihnachtsmarkt am Hauptplatz mit seinen Punsch- und Jagatee-Standeln hat seinen braven Teil dazu geschmissen und irgendwo in irgendwelchen Bars auf irgendwelchen Klodeckeln hat der Weiße Schnee den Rest besorgt. Ein ganzes Heer von perfekten Deppen, männlichen wie weiblichen, ist ausgeschwärmt und fühlt sich pudeldummerl wohl. Es lebe die Vorweihnachtszeit! Sie soll lustig und nicht traurig sein!

Ich sitze an so einer Bar und warte wieder einmal auf eine Geschichte. Ich sorge mich nicht um sie, ich weiß es ja, sie kommt mit Sicherheit. Und bis es soweit ist, unterhalte ich mich gut. Auch ich bin nicht gerade nüchtern. Auch ich war auf dem Weihnachtsmarkt und habe ein paar Punsch und Jagatees intus, und auch ich weiß nicht mehr genau, was sonst noch.

An einem Tisch und an der angrenzenden Bar hat sich eine Runde Mädchen und Jungs breit gemacht. Es läuft der Schmäh. Sie lachen laut. Alles scheint okay. Auf einmal – ganz laut: „I muaß a moi brunzen geh!“ Das sagt ein Mädchen, noch halb Kind, vielleicht so um die achtzehn Jahre alt. Und ein halbes Lokal hört dabei mit.

„I geh mit!“ schreit ein Junge an der Bar. „Host an Speed?“ „Na! So wos nimm i net!“ “Nau daunn, daunn host bei mia ka Chance. Daunn geh i allan. Weu zum Ludln brauch i die net!”

„I steh auf Koks. Den Synthetik-Scheiß fia de oarmen Leit, waßt, den mog i net. Der vaklebt an jo nua de Nosenschleimhäut. Und aum nächsten Tog bist daunn hi, voi miad und netta mehr deppat im Hirn. Stehst du etwa goa auf des?“

„Wos?“ Sie dreht sich auf dem Absatz um. Ihre Augen glänzen groß. „Wos?“ Ihre Augen augen riesen-pupillig weit. Und ein wenig leiser, doch hoffnungs- und erwartungsvoll: „Wos? Host du etwa goa an Koks?“

„Jo! Und an sauguaten a no dazu!“ „Wau! Des is auba geil! Megamäßig geil. Jo, kumm mit! Waßt? Fia a Nosen Koks, wau, waßt, do moch i oiss!“

Er rutscht vom Hocker. Er wackelt kurz und fängt sich. Er greift mit beiden Händen unter seinen Hosenbund, streckt seinen noch niedlich zarten Bierbauch heraus, reckt sein Kreuz dabei gerade, und zieht sich mit einem kräftigen Ruck seine leicht über seine nackten und in schönstem Winterweiß leuchtenden Arschbacken hinunter gerutschte Hose hinauf. Dabei grinst er seine ganze Runde an. Dann folgt er ihr. Ein paar wackelige Schritte. Sie bemerkt seine Unsicherheit, bleibt stehen, dreht sich leicht um, greift nach seiner Hand und zieht ihn hinter ihr her aufs Klo.

Ich gucke auf meine Uhr. Zwei Uhr elf Minuten. Ich greife nach meinem immer bereiten Papier und meinem Kugelschreiber und fange mit der Geschichte an. Irgendwann schaue ich wieder auf die Uhr. Zwei Uhr siebzehn Minuten. Sie sind noch immer nicht zurück. Ich schreibe weiter. Zwei Uhr und dreiundzwanzig Minuten. Verdammt! Wo bleiben denn die Zwei? Ich überlege kurz. Ich denke nach. Aha! Haha. Was hat sie zu ihm gesagt? „Für eine Nase Koks, weißt du, da mache ich Alles!“

Zwei Uhr dreißig. Wau! Dem geht es aber wirklich gut. Sie bläst ihm wohl Einen. Oder ficken sie womöglich gar? Etwa gar von hinten? Vor meinem geistigen Auge baut sich das Bild hiezu auf. Egal. Ich grinse leicht und schreibe den nächsten Absatz fertig. Da geht die Tür zur Toilette endlich auf. Zwei Uhr sechsunddreißig. Die Zwei wanken Hand in Hand heraus. Vier Augen glänzen. Ach, wie war das megagut und so herrlich schön. Man kann es sehen. Ihre Freunde empfangen sie mit einem kräftigen Hallo.

Ich bestelle mir noch ein großes Whiskey-Cola, zünde mir noch eine Wutzelzigarette Marke Van Nelle, Halfzware Shag, an, mit dem warnenden Zusatz „Rauchen kann Spermatozoen schädigen und schränkt die Fruchtbarkeit ein“, super, und schreibe dann die Geschichte fertig. Ich bin glücklich. Die Warterei hat sich wieder einmal ausgezahlt. Ich möchte nie und nimmer etwas anderes als so ein Ururenkel unserer schon fast vergessenen Kaffeehausdichter sein.

© Copyright by Lothar Krist (21.12.2006 von 02.11 – 02.45 Uhr in einem Lokal der Altstadt von Linz)

 

Hallo Buji,

sorry, aber dies ist eine von sehr wenigen Geschichten, die ich nicht zu Ende gelesen habe. Dabei lag es aber nicht an der Geschichte ansich, sondern an dem Dialekt der Geschichte. Ich empfand es sehr anstrengend sich durch die vielen österreichischen Begriffe zu lesen, weil ich mich jedes Mal fragte "Was heißt das denn nun wieder auf 'hochdeutsch'".

Deswegen kann ich leider auch nicht viel zum Humorgehalt sagen, weil wenn denn lustige Stellen drin waren, so habe ich sie aus genanntem Grund nicht erkannt oder verstanden.

Nix für ungut
Lemmi

PS Vielleicht läßt du die Geschichte auch nach Mundart verschieben, meiner Meinung nach ist die da besser aufgehoben.

 
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Hi Wolf!
Danke! Du hast wohl Recht, unter Gesellschaft wäre die Geschichte besser aufgehoben. Ich habe wohl einen etwas komischen Humor. Das kommt wahrscheinlich davon, weil ich mich mit den Problemen unserer Gesellschaft befasse und selbst bei den schlimmsten oft noch etwas lustig finde.
Aber ich habe nichts dagegen, wenn sie in die Rubrik Gesellschaft verschoben wird.
Beste Grüße
buji

Hi Lemmi!
Ich werde die Geschichte auch in Deutsch schreiben und sie dann unten dran hängen.
Beste Grüße
buji

 

Oder ficken sie womöglich gar? Etwa gar von hinten?

O Nein! Das geht ja gar nicht! Dürfen´s denn des? *Augen ganz fest zupress*

Tut mir Leid, Oida, aber ich habe mich beim Lesen der kleinen Episode nicht gerade angeschifft vor lachen, um im Jargon zu bleiben. Ich darf rein technisch zusammenfassen: Erzähler sitzt an der Bar, vernimmt, wie ein junges Frollein ihre Notdurft zu verrichten wünscht und hört dann, wie sie - ganz "Material Girl" - ihre körperlichen Fähigkeiten für ein bisserl Koks hergibt.
(Was natürlich auch zur Notdurft zählt: Zur Not durfte auch der doofe Benni drüber.)
Nach ein paar Minuten wanken beide wieder aus dem Klosettbereich, Hand in Hand (hoffentlich gewaschen!). Der Erzähler sorgt sich noch um den Kaffeehausdichternachwuchs und das war´s dann. :dozey:
Nö, da steckt für mich überhaupt nichts in diesem Text drin, was mich ansprechen oder interessieren würde. Das ist ungefähr so belanglos wie eine lustige Geschichte über Menschenmassen beim Discounter ums Eck, die sich um die letzten No-Name-Notebooks raufen.
Nix für ungut!

PS: Mach´s nicht so spannend! Haben Sie jetzt von hinten? Ja? Hm?

 
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Humor!

Hi!
Jetzt weiß ich auch, wieso ich diese Geschichte unter Humor gestellt habe. Zwei fühlen sich beschrieben und das gefällt ihnen natürlich nicht. Habt aber keine Angst, ich habe keine Fotos von euch gemacht.
Ach ja, und nur weil man eine wahre Geschichte aus einer Bar schreibt, bedeutet das nicht, dass man die Menschen dort nicht mag. Ja, es ist sogar umgekehrt. Man wird ja schließlich noch kritisch sein dürfen, hehe, auch zu seinen Freunden. Das ist ja gerade der Unterschied zw einem Kaffeehausdichter von Vorvorgestern und Heute und den Zuhausegeschichtenzusammendichtern von Gestern. Wir gehen ja gerne unter die Leute, weil wir sie lieben. Und wir fürchten sie nicht, wie ein Handke. Und wir hassen das Volk, die Menschen nicht, so wie das viele der Alten 68er getan haben, insb die doofen Ösis und Deutschis, die damals den netten Amis den Friedenstraum für viel Geld abgekauft haben. Dieser Friedenstraum soll ja heute nur noch eine alteuropäische Narrheit sein, habe ich mir vor kurzem von einem Onkel aus den USA sagen lassen.

Na ja, und heute müssen diese Leute halt fest mauern, damit das Traumhaus nicht zusammenfällt, ehe nicht der letzte 68er sein subventioniertes Schärflein sicher über die Türschwelle zur Hölle gerettet hat. Wir kennen das ja schon zur Genüge: Hinter uns die Sintflut!

Ach ja, Eines stimmt! Ich schreibe so, weil ich davon träume, dass vielleicht irgendwann in einer Bar auf einmal ein Maler neben mir sitzt, der meine Geschichten malt, und vielleicht ein Musiker, der darüber ein Liedchen schreibt, ja, und vielleicht sogar ein junger Dichter, der die selbe Geschichte schreibt, wie ich, so dass wir sie hinterher besprechen können, uswusf. Ja, ich gebe es offen zu und schäme mich deshalb nicht, ich träume davon, dass die Künstler wieder zu den Menschen gehen und echte Geschichten aus dem Leben schreiben und sich nicht irgendwelche Halbwahrheiten zu Hause in den sicheren vier Wänden zusammenstoppeln.

Diese Gutmanderl und diese Gutfrauen, sie sind ja alle sehr streitbar, wenn es um ihre eigenen künstlerischen Freiheiten geht, sie wollen Alle und Jeden kritisieren und verarschen dürfen, doch wehe, da ist Einer, der an ihnen etwas zu kritisieren wagt. Da hören sich dann die Freiheiten auf! Und zwar diskussionslos und ohne jede Chance, dass man sich als politisch Unkorrekter dagegen wehren kann, schließlich ist man ja nicht gleich ein Blödmann, nur weil man ein Gutmann ist, nicht wahr. In diesem Sinne unterscheidet sich der 68er-Gutmensch kaum vom 38er-Gutmensch. Auch heute heißt es kurz und trocken: Alles in deutscher Hand.

Ja, und ich schreib auch gerne "Ficken". Das ist wie "Fuck". Ich weiß, ich bin kein Schönsprechschreiberling. So ein Blablaist wollte ich auch niemals sein, schließlich, das Leben ist ja auch nicht immer schön.

Aber nichts für Ungut! Ich wünsche Allen noch nachträglich ein frohes Neues Jahr. Blablablabla.
buji, das so zart duftende Bujerl auf unsere Zeit von Heute. Hahahaha. So kommt der Humor ins Land.

 

buji schrieb:
Hi!
Jetzt weiß ich auch, wieso blablabla Gutmensch brabbelbrabbelbrabbel 68er-Generation laberlaberlaber

Sag mal, liest du eigentlich Kritiken überhaupt noch, bevor du antwortest? Mir kommt es eher so vor, als würdest du Textbausteine verwenden, die hauptsächlich aus Tiraden gegen Gutmenschen und the evil Generation of 68 (c) bestehen.

Ja, und ich schreib auch gerne "Ficken". Das ist wie "Fuck".

Voll abgefuckt, ey! Und was soll mir das jetzt sagen? Denkst du, du könntest hier irgendjemanden noch mit dem Wort "Ficken" schockieren? Wir sind im 21. Jhdt.! Da wird in hiesigen Breiten kaum noch zensiert, selbst bei Worten wie Schla-

Ich weiß, ich bin kein Schönsprechschreiberling. So ein Blablaist wollte ich auch niemals sein, schließlich, das Leben ist ja auch nicht immer schön.

Und was das bedeuten soll, weißt auch nur du allein. Aber augenscheinlich legst du auch gar keinen Wert auf Kommunikation, die aus senden und empfangen besteht. Du verkennst den Sinn dieser Website völlig - schade, denn Potenzial hast du und einige deiner Geschichten haben mir sehr gut gefallen. Leider ist es völlig vertane Liebesmüh, auf deine Geschichten zu antworten, wenn meist nur irgendwelche wirren Polemiken folgen.

So kommt der Humor ins Land.

Mit diesem Text? Näää!

Rainer (68er-Gutmensch, der das Genie des buji einfach nicht zu begreifen scheint)

 

Hi Buji,

leider ziemlich belanglos. Das Österreichisch ist noch das Interesssanteste.

Gruß, Elisha

 

Moin buji,

Aha... Da sitzt einer in einer Kneipe und beobachtet zwei Jugendliche, die zusammen aufs Klo gehen - vielleicht haben sie Schmuddelsex, vielleicht halten sie auch einfach nur Händchen beim Pinkeln. Das ist ein nettes Thema.
Interessant oder humorvll fand ich den Text allerdings an keiner Stelle - wobei ich zugeben muss, daß ich den Dialog nicht verstanden habe. Übersetzung muss aber nicht sein - Lokalkolorit mag ich ganz gern, da muss ich nicht jedes Wort verstehen.

Ach so, ich würde dich herzlichstens darum bitten, dich in deinen Kommentaren auf die Geschichte selbst zu beschränken. Oder auf die Kommentare zu deiner Geschichte. Oder auf die Kommentare zu den Kommentaren auf deine Geschichte. Oder auf die Geschichte.

 

Hallo Buji,

bis zu dem Zeitpunkt, an dem die beiden aufs Klo gegangen sind, fand ich deine Geschichte ganz unterhaltsam. Aber dann ...
Falls das alles wirklich passiert ist, wie die Quellenangabe vermuten lässt, und du es nur aufgeschrieben hast, ist es mEn weniger eine Kurzgeschichte, dafür mehr eine Reportage. Aber keine besonders gute. Sorry, aber hat mir nicht gefallen.

Ciao

MiK

 

Hey buji!

Ich wollte mich dem Rainer schon nach seinem ersten Kommentar voll und ganz anschließen... aber nun erst recht.

Alda, was redst du da? Wer will'n des wissen aka was hat das mit dem Kommentar davor zu tun?

Deine Geschichte bekommt nicht mehr Tiefe, wenn du in in wichtig klingenden Worthülsen über an den Haaren herbeigezogene politische Ausrichtungen schwafelst...
get ma to the point, bidde.

Die Story an sich fand ich übrigens auch relativ belanglos und langweilig, sorry.

Frohes neues aber auch zurück!
Underground

 
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So, textfremde Diskission entfernt und Thread wieder geöffnet.

Weiterhin gilt aber:

1.) Kommentare zu der Geschichte mögen sich bitte mit der Geschichte befassem
2.) Kommentare des Autors zu den Kommentaren zu der Geschichte mögen sich bitte mit der Geschichte befassen.
3.) Kommentare zu den Kommentaren des Autors zu den Kommentaren zu der Geschichte mögen sich bitte mit der Geschichte befassen.
4.) Irgendwelche Diskussionen, die sich mit Zustand dieses Forums, dem Interesse des Autors an den Kommentaren zu der Geschichte oder der Streiterei über ebendiese befassen, mögen bitte an anderer Stelle geführt werden.
5.) Wer die Punke eins bis vier nicht verstanden hat, möge die Punkte eins bis fünf bitte noch einmal lesen.

 

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