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Ich, der Alkohol und ich

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10.05.2008
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Ich, der Alkohol und ich

Ein "Frühwerk"...

Ich glaube es war ein Mittwoch, als ich versuchte die Welt auszusperren. Damals war mir nicht klar was ich tat und selbst heute kann ich nur erahnen, was ich damit überhaupt bezwecken wollte. Ich kann mich noch verschwommen daran erinnern, dass ich durch die Straßen meiner Stadt gewandert war. Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich in meiner Wohnung wieder und betrachtete was ich getan hatte.
Ich hatte meine Wohnungstür in einer Art geistiger Umnachtung mit stabilen Brettern zugenagelt und die Gegensprechanlage, in die auch die Klingel eingebaut war, mit dem Hammer in Stücke geschlagen.
Ich weiß noch, dass mich dieser Anblick mehr als einfach nur verwirrte. Das Gefühl war unbeschreiblich. Zwar war es bei Weitem nicht das erste Mal, dass ich im betrunkenen Zustand etwas getan hatte, was ich mir nüchtern nicht erklären konnte, aber es war mit Sicherheit das Wirrste was ich je getan hatte.
Als ich wieder halbwegs bei Bewusstsein war, kippte ich mir erstmal ein Bier. Dann legte ich mich schlafen. Die verbarrikadierte Tür würdigte ich mit keinem Blick mehr.

Ich wachte auf und glaubte es sei späte Nacht. Erst nach einigen Minuten fiel mir auf, dass ich nicht nur die Tür zugenagelt, sondern auch sämtliche Fenster mit schwarzer Folie abgedeckt hatte. Darüber dachte ich nicht weiter nach und nahm mir noch ein Bier aus dem Kasten. Es war warm; mein Kühlschrank war schon seit Monaten kaputt; aber es schmeckte. Hansa-Pils. Nach diesem Bier trank ich noch eins, ohne auch nur einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden was ich getan hatte und legte ich mich wieder schlafen.
Irgendwann tat mein Rücken weh und ich musste dringend pinkeln, also stand ich auf. Ich suchte mein Handy, weil ich wissen wollte, wie viel Uhr es war, doch ich konnte es nicht finden. Im Badezimmer wunderte ich mich dann ein zweites Mal: Der kleine, schwarze Wecker, der seit Anbeginn der Zeit auf der Ablage unter dem Spiegel gestanden hatte, war verschwunden. Dieses kleine Detail brachte in mir eine Gedankenkette ins Rollen, bei der mir schwindelig wurde. Ich dachte an die Tür, die Gegensprechanlage, mein Handy, die Fenster und den Wecker. Weil ich wahrscheinlich die Konsequenzen fürchtete, die ich aus diesem Gedankengang hätte ziehen müssen, trank ich noch ein Bier. Diesmal stürzte ich es förmlich herunter.
Ich drehte meinen Fernsehsessel so, dass ich die Tür nicht mal mehr aus den Augenwinkeln sehen konnte und schaltete den Fernseher ein. Ohne meine Augen vom Bildschirm zu wenden griff ich nach dem Kasten und nahm mir noch ein Bier. Mit dem ungeöffneten Bier in der Hand starrte ich weiter in den Fernseher. So blieb ich eine ganze Zeitlang sitzen, bis mir auffiel, dass überhaupt kein Programm zu sehen war, sondern nur Schnee. Es dauerte noch einmal so lange, bis ich endlich aufstand um mir das Problem näher anzusehen. Mit einem Gefühl, das irgendwo zwischen geschocktem Unglauben und sofortigen Verdrängen lag, stellte ich fest, dass ich das Fernsehkabel durchgeschnitten hatte. Mir wurde bewusst, dass ich während meines Blackouts ein emsiges, kleines Bienchen gewesen sein musste.

Obwohl ich mich nicht mehr daran erinnern konnte eingekauft zu haben, standen fünf Kästen Bier, jeweils ein Sechser-Karton Wodka, Rum und Korn, sowie eine Kiste Desperados in meiner Vorratskammer. Es war auch genug zu Essen da und genug Tabak, dass ich mir damit die Lungen ein für alle Mal hätte kaputt rauchen können. Ich habe bis heute keine Ahnung wann und wie ich das ganze Zeug dorthin geschafft hatte.
Es vergingen einige Tage, die ich überwiegend im Vollrausch verbrachte. Ich schüttete den Schnaps in mich hinein, als wäre er Wasser. Als ich wieder zu Bewusstsein kam (wenn man es denn so nennen mag), war meine Wohnung ein einziges, vollgekotztes Chaos.
Es klopfte an der Tür. Vielleicht hatte es schon seit Tagen geklopft, ich hätte es nicht mit Bestimmtheit sagen können. Ich hörte eine Stimme, sie klang vertraut und besorgt. Um mich nicht näher damit befassen zu müssen, trank ich weiter. Ich könnte mich nicht erinnern, während dieser Zeit etwas anderes gemacht zu haben als zu trinken.
Irgendwann hörte das Klopfen und Rufen auf.

An alles was danach passierte, kann ich mich nur noch bruchstückhafter erinnern. Vereinzelte Bilder, wie in einer durchgeknallten Dia-Vorführung. Ich weiß noch, dass ich irgendwann anfing meine Möbel kurz und klein zu schlagen und den ganzen Schnaps in den Ausguss zu kippen, was vermutlich die beste Idee war, die ich während der ganzen Zeit gehabt hatte. Dann brach ich völlig zusammen. Kein Wunder, denn mein Alkoholpegel muss zu diesem Zeitpunkt bereits im zweistelligen Bereich gelegen haben.
Ein lautes Krachen ließ mich meine Augen wieder öffnen. Für einen langen Moment glaubte ich tot zu sein. Es krachte noch einmal. Ich weiß noch, dass ich mir wünschte, der Krach würde endlich aufhören, denn mein verkatertes Gehirn pulsierte sowieso schon wie ein riesiges, krankes Herz. Ich sah zur Tür und erst auf den zweiten Blick wurde mir klar, wie unmöglich das war was ich sah.
Die Bretter vor der Tür zersplitterten und das Schloss krachte auseinander. Ich sah mich selbst im Türrahmen stehen. Unsere, meine Blicke, trafen sich. Mein anderes Ich nickte mir zu, dann war es verschwunden, wie ein Geist. Oder eine Einbildung...
Ich schwöre Ihnen, seit diesem Tag habe ich nie wieder auch nur ein Radler getrunken.

 

Hallo Zellhaufen,

Für ein Frühwerk ist die Geschichte gar nicht mal so schlecht, was aber nicht bedeuten soll, dass sie auch nur ein bisschen gut ist. Aber da du das am Beginn der Geschichte angekündigt hast (damit wir uns verstehen: So ein Hinweis gehört definitiv nicht in eine Geschichte), wusst' ich dummerweise gleich woran ich bin.

Beim näheren Hinschauen entpuppt sich der Text in meinen Augen als plump ungenügend. Du wirfst dem Leser nur Brocken hin, die irgendwie entfernt damit zu tun haben könnten, dass der Protagonist im Vollrausch Dinge tut, die man normalerweise sofort als einen beiläufigen Hirnscherz verwirft. Und ja, das war es eigentlich schon. Erwartest du, dass der Leser jetzt darüber grübelt, was der Prot warum getan haben könnte, woraus sich das ergibt, was du beschreibst? Und den Prot dann noch unreflektierend weiterkippen zu lassen, kannst du vielleicht das erste Mal als Ironie verkaufen, aber dem übergebührlichen Austreten hält das einfach nicht Stand.

Ohne Ping gibt es nun mal kein Pong, da muss der Autor schon eine ordentliche Geschichte liefern, die ohne viel Nachzudenken zumindest verheißt, wofür sich ein Grübeln lohnen würde.

Ich schwöre Ihnen, seit diesem Tag habe ich nie wieder auch nur ein Radler getrunken.
Durch die Geschichte den Leser direkt anzureden, ohne dass die Geschichte etwas Anbiederndes erhält, ist ein Kunststück. Hier könntest du die Anrede des Lesers, mit der du dir / der Geschichte keinen Gefallen tust, jedenfalls getrost streichen.

-- floritiv.

 

Tachchen!
Ob Du es glaubst oder nicht, es gibt wirklich Menschen, die unreflektierend weitertrinken, selbst wenn alles um sie herum zusammenstürzt. Von daher war es mit Sicherheit keine Ironie. Ich weiß nicht, ob du schon mal einen ehemaligen Alkoholiker von seinen Suff-Eskapaden erzählen gehört hast, aber das hört sich echt so an. Den letzten Satz könnte man streichen, da gebe ich dir recht und auch sonst fehlt der Geschichte wohl mehr als nur der letzte Schliff... Vielen Dank für die Kritik.
VG
Zellhaufen

 

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