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Kanes Rückkehr

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15.01.2026
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Kanes Rückkehr

Kanes Rückkehr

Sein Herz schlug schneller, als sich die Glastür mühelos öffnen ließ und ihm den Weg in den Eingangsbereich der Turnhalle freigab. Kühle Luft schlug ihm entgegen. Er hielt den Blumenstrauß mit jedem Schritt fester und für einen Augenblick konnte er sich das vorfreudige Grinsen nicht mehr verkneifen.

Es war ihm immer so wichtig, souverän und abgebrüht aufzutreten, aber hier, kurz bevor er Julia endlich wieder sehen würde, hielt er es beinahe nicht mehr aus, seine Gefühle zu verstecken.

Eine letzte Tür, die ihm den Weg versperrte. Für einen Moment blieb er stehen, zupfte sein Hemd gerade, begutachtete noch einmal den Blumenstrauß und fuhr sich mit der Zunge über die Schneidezähne. Sein Umriss, der sich in der Glastür spiegelt, ließ ihn zögern. Hatte er sich sehr verändert? Bilder schossen ihm durch den Kopf. Waffen und Uniformen. Deckungen und Schützengräben. Leichen, von Feinden und Freunden. Was in einem Jahr alles passieren konnte. Das alles musste er hinter sich lassen. Hier war er ein anderer Mensch. Hier war er kein billiger Kugelfang. Hier hatte er einen Namen. Und vor allem war hier seine Frau.

Er zog an der Tür und sofort verstärkte sich das dröhnende Stimmengewirr. Doch Kanes Fokus galt einzig und allein dem, was seine Augen wahrnahmen.

Sein Blick raste durch die Menge. Er scannte die Gesichter der Menschen seiner Heimatstadt. Junge, wie alte Leute drängten sich an Stehtische, die in der Turnhalle verteilt waren. Sich hier einen Weg zu bahnen fühlte sich beinahe so an, wie sich auf dem Dancefloor bis zur Bar durchzuschieben. Schritt für Schritt drängte er sich zwischen den Menschen hindurch, ohne auch nur eine der Personen anzusehen, die er vorsichtig bei Seite schob.

Endlich erkannte er Julias Hinterkopf. Sie stand mittig vor der Wand gegenüber der Eingangstür und unterhielt sich mit zwei anderen Frauen, die Kane nur vom Sehen kannte. Kane legte einen Schritt zu. Nur noch acht Meter.

Die zwei Frauen, mit denen Julia sprach, erkannten ihn schon aus einiger Entfernung. Doch anstatt Julia darauf hinzuweisen, gefror ihr Lächeln. Kane runzelte die Stirn. Was war da los? Würde Julia sich nicht freuen, ihn wiederzusehen?

Drei Meter, bevor er Julia erreicht hatte und seiner Frau endlich wieder in den Arm nehmen konnte, tauschten die zwei Freundinnen kurz einen Blick aus und verschwanden dann ohne Vorwarnung in der Menge.

In dem Moment drehte sich Julia in Kanes Richtung und noch bevor sie ihn ausgemacht hatte, sah Kane schon die blau-lila Färbung, die sich um ihr Auge zog und ihr komplettes linkes Augenlied umschloss. Kane biss sich auf die Zähne. Was war passiert? Wurde sie geschlagen, oder hatte sie sich nur gestoßen? Augenblicklich schossen ihm tausend Szenarien durch den Kopf, was mit dem Auge seiner Frau passiert sein konnte. Doch im nächsten Moment stand er schon vor ihr und Julia umarmte ihn. Es fühlte sich gut an seiner Frau nach so langer Zeit wieder nahe sein zu können. Doch der Wunsch sie nie wieder loszulassen und das Verlangen, zu erfahren, was mit ihrem Auge geschehen war, rangen um die Oberhand.

„Ich bitte dich.“ Nachdem die beiden sich voneinander gelöst hatten, blickte Julia vorsichtig zu ihm auf. „Ich weiß, dass ich dir nicht verheimlichen kann, was passiert ist. Und ich weiß, dass du tun musst, was auch immer du tun musst. Aber ich bitte dich. Sei nicht zu hart zu ihm.“

Sie hatte ihm die Wahl abgenommen, ob er das Auge ansprechen sollte, oder nicht. Die Hoffnung, dass es nur ein Unfall war, war zerplatzt. Kane schloss für einen Moment die Augen und ballte seine Fäuste. Irgendjemand hatte seine Frau geschlagen. Seine Frau!

„Was ist passiert?“, knurrte er.

„Ich habe einen Schüler in der Oberstufe, der immer wieder aus der Reihe tanzt.“ Julias Blick wanderte zu Boden. „Am Mittwoch hat er einen Klassenkameraden beleidigt und verprügelt. Ich bin dazwischen gegangen und dann hat er zugeschlagen. Es war aus dem Affekt, ich glaube nicht, dass er das tun wollte.“

„Aus dem Affekt?“ Kanes Augenbrauen schossen hoch. „Hat er den anderen Schüler auch aus Affekt verprügelt?“

Julia schwieg.

„Ist der Scheißer hier?“

Nicken.

„Wo?“

Ihr Blick wanderte von ihm auf einen Jugendlichen, der vielleicht 17 Jahre alt war und sich an einem Stehtisch in der Mitte der Halle mit fünf anderen Jungs in seinem Alter unterhielt. „Der mit der Goldkette.“

„Der mit der Goldkette und dem schwarzen T-Shirt?“

„Ja. Aber ich bitte dich. Sei nicht zu hart zu ihm. Er ist noch ein Kind.“

Kane wandte sich von ihr ab. Zielstrebig steuerte er durch die Menge auf den Jugendlichen zu.

„Hey!“, rief ihm ein Mann hinterher, den er mit der Schulter zur Seite gestoßen hatte.

„Psst! Das ist Kane!“

Noch fünf Meter. Schließlich bemerkten auch die Jungs, dass Kane direkt auf sie zu lief.

Noch drei Meter. Der Junge, der seine Frau geschlagen hatte, fixierte seine Augen auf Kane. Interessiert musterte er den Mann, der direkt auf ihn zusteuerte.

Noch zwei Meter. Breitbeinig wartete der Schläger auf Kane, während er seine Hände hinter dem Rücken verschränkte, seine Schultern nach vorne drückte und so seine Nackenmuskeln präsentierte. Die platte Nase, das erhobene Kinn und das überhebliche Grinsen ließen Kane darauf wetten, dass der Junge boxte. Doch Kane hatte zu viel gesehen, zu viel erlebt und zu viele Kämpfe geschlagen, als dass ihn das beeindruckt hätte. Nach und nach richteten auch die anderen Jungs ihre Augen auf Kane, musterten ihn von oben bis unten und wechselten ihren lässigen Stand in eine Pose, die so etwas wie Dominanz ausstrahlen sollte.

Selbstsicher stand der Schläger da und in dem Moment, als er vor dem Jungen zum Stehen kam, wurde Kane klar, dass er viel zu lange weg gewesen war. Dieser Junge hatte überhaupt keine Ahnung, wer er war.

„Weißt du, was du getan hast?“, drangen Kanes Worte durch den Lärm der Menschenmenge hindurch.

Schweigend schüttelte der Junge den Kopf und zuckte mit den Schultern, ohne sein erwartungsvolles Grinsen vom Gesicht zu wischen.

„Dann werde ich es dir erklären.“, begann Kane und machte einen Schritt zur Seite, so dass er den Blick auf die Schneise freigab, die er in die Menschenmenge geschlagen hatte.

Langsam beugte er sich zu dem Jungen vor und zeigte auf Julia. „Siehst du diese blonde Frau da hinten?“

Der Junge schmunzelte. „Du meinst die Hure, von einer Lehrerin, die gemeint hat, sich mir in den Weg zu stellen?“

Ruckartig spannten sich Kanes Kiefermuskeln und er musste sich zurückhalten, um den Schläger nicht vor den Augen aller Anwesenden in den Boden des Saals zu stampfen. Für eine Sekunde schloss er die Augen und atmete durch, bevor er den Mund wieder öffnete: „Diese Frau hast du geschlagen. Weißt du, was das Problem an der Sache ist? Das ist meine Frau. Das ist die Liebe meines Lebens und nichts auf dieser Welt bedeutet mir so viel, wie diese Frau. Und jetzt komme ich heute hier her, nachdem ich sie ein Jahr lang nicht mehr gesehen habe und muss feststellen, dass du meine Frau geschlagen hast.“

„Dann wärst du besser nicht so lange weg gewesen!“, warf der Junge ein.

Kane biss sich auf die Wange und ließ erneut einen Atemzug verstreichen.

„Aus diesem Grund werden wir zwei jetzt diesen Saal verlassen“, entschied Kane und auf dem Gesicht des Jungen wurde dieses überhebliche Grinsen noch breiter. „Willst du das wirklich, alter Mann?“

Kane packte den Jungen am Arm und stieß ihn in Richtung des Notausgangs.

„Du willst es also wirklich.“ Er lachte, zog den Ärmel seines T-Shirts gerade und stolzierte, gefolgt von seinen Freunden, zu der grauen Tür.

Im Vorbeigehen bemerkte Kane einige Blicke, die ihn musterten. Manche nickten ihm zu, andere wendeten sich von ihm ab, als er in ihre Richtung sah. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er keinen halben Tag zurück war und sofort wieder der Mensch war, den er im Krieg hatte zurücklassen wollen. Doch das änderte nichts. Egal, wer er war, niemals würde jemand ungestraft seine Faust gegen Julia erheben dürfen.

„Du hältst dich wohl für sehr gut“, stellte Kane fest, als er den sechs Jungs auf dem ehemaligen Parkplatz gegenüber stand und der Schläger ihn immer noch anlächelte, während er langsam seine Schultern kreisen ließ.

„Schon.“ Der Junge tänzelte ein paar Schritte hin und her, nur um im nächsten Moment seinen Kopf von Seite zu Seite zu bewegen.

„Du hast wirklich keine Ahnung, wer ich bin, oder?“, brummte Kane in die drückende, schwüle Sommerluft hinein.

„Mir doch egal, alter Mann. Du wirst deinen Namen eh gleich nicht mehr aussprechen können. Mit dir werde ich nicht so zaghaft umgehen, wie mit deiner Frau.“

„Ich hätte nicht gedacht, dass man innerhalb von einem Jahr so viel vergessen kann“, überlegte Kane laut, ohne auf die Drohung seines Gegenübers einzugehen.

Er stand still neben dem immer noch tänzelnden Jungen und blickte in die Büsche, die den Parkplatz überwucherten. „Aber wahrscheinlich warst du letztes Jahr noch zu jung und zu brav, um mich zu kennen. Aber ich will es dir erklären: Vor einem Jahr, da gab es einen Namen, der etwas bedeutet hat. Ein Name dem Respekt gezollt wurde. Der in mancher Munde sogar gefürchtet wurde.“

„Meinst du Kane?“ Der Schläger lachte, blieb jedoch ein wenig überrascht von dieser Erwähnung stehen.

„Ja.“, bestätigte Kane und blickte ihm zum ersten Mal, seit die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war, direkt in die Augen. „Ich meine meinen Namen!“

Augenblicklich ließ der Junge seine Fäuste sinken und seine Mundwinkel sackten nach unten. Dann tauchte wieder ein Funke von Belustigung in seinen Augen auf, bevor eine Augenbraue nach oben schoss. Schließlich gab er den Kampf zwischen Belustigung und Angst auf und drehte sich mit gerunzelter Stirn zu seinen Freunden.

„Ich glaube, er ist es wirklich“, behauptete einer von ihnen. „Ich habe mal ein Video gesehen, wie er ein paar Typen verprügelt hat.“

„Also kennt ihr mich doch“, stellte Kane fest, während er dem Jungen dabei zusah, wie das Blut aus seinem Gesicht wich.

„Du hast jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder erfährst du am eigenen Körper, wozu ich in der Lage bin, oder du verziehst dich und überdenkst gründlich deine Lebensentscheidungen.“ Kane ging einen Schritt auf den Jungen zu. Einen Schritt, den dieser zurückwich. Einen Schritt, der Kane alles über die nächsten Sekunden verriet.

Kane sah, wie die Unterlippe des Jungen zu beben begann. Er sah, dass sein Kopf krampfhaft nach einer Antwort suchte. Nach irgendetwas, das er erwidern konnte. Doch der Junge blieb still.

„Offensichtlich sind wir uns einig, dass du hier nichts mehr verloren hast.“ Kane legte ein Pause ein und beobachtete die erste Träne, die an der Goldkette des Junge zerbarst und in das T-Shirt einsickerte.

„Worüber wir uns mit Sicherheit auch einig sind, ist dass ich wieder da bin. Und wenn du auf die Idee kommst noch einmal jemanden zu schlagen, dann denk ganz kurz an diesen Moment. An die Angst, mir noch einmal zu begegnen und überlege dir sehr gut, was du tun wirst. Denn ich werde davon hören und ich werde dich finden. Und wenn ich dir das nächste Mal gegenüberstehe, wird es nichts mehr geben, was ich dir noch zu sagen habe.“

 

Hi DripsDrops,

erstmal sorry vorweg: Ich mache das Gegenlesen zum ersten Mal, und ich merke gerade, wie sehr mein Kopf dabei aufdreht. Was du gleich bekommst, ist deshalb nicht „cooles, glattes Profi-Feedback“, sondern ein echter Einblick in meinen Gedankenstrom, an dem ich seit heute Morgen um 07:00 Uhr sitze. Ich schreibe das nicht, um dich zu zerlegen, sondern weil ich beim Lesen so stark im Kopfkino bin, dass mir sofort Logik, Raumregeln und soziale Dynamik anspringen, wenn irgendwo die Statik wackelt.

Wichtig: Ich arbeite am Text, nicht an dir. Wenn etwas sehr direkt klingt, ist es meine Radar-Sprache, nicht Abwertung.


Was an der Geschichte sofort gut funktioniert (damit ich nicht nur „mecker“):

  • Einstieg mit Körper + Sinneseindruck statt Vorrede: „Sein Herz schlug höher…“, „Kühle Luft schlug ihm entgegen“ zieht mich direkt rein.
  • Nervöse Mikrohandlung als echtes Mensch-Moment: „fuhr sich mit der Zunge über die Schneidezähne“ wirkt ungeschönt.
  • Blumenstrauß vs Hämatom ist ein starker emotionaler Kontrast, das „blau-lila“ Auge ist ein echter Trigger.
  • Vorwärtsdruck durch Suche/Bewegung: „Sein Blick raste durch die Menge“, Meterzählung („Nur noch acht Meter“) treibt.
  • Setup mit den zwei Frauen (Gesichter versteinern, verschwinden) erzeugt Vorgeschichte in der Luft, ohne dass du sie erklären musst.
  • Grundenergie: Das Ding hat Wut, Impuls, Dominanzspiel. Man merkt: hier ist ein Motor, kein Leerlauf.

Kernfragen: Wo sind die, was ist das für ein Ort, was ist der Anlass?

  • Was ist das konkret für ein Setting: Disco/Party, Vereinsfeier, Familienfeier, Hochzeit, offizielles Event, Saalvermietung, Gemeindezentrum?
  • „Glastür außen“ + „eine letzte Tür“ + dann „Saal“: ist da ein Foyer/Garderobe/Empfang dazwischen, oder ist das eine doppelte Türanlage?
  • Türlogik: Die zweite Tür wird „gedrückt“: Öffnet sie nach innen? Passt das zu Saal/Fluchtweg-Logik und zum späteren Notausgang?
  • Wenn „hunderte Stimmen“ rauschen: Ist das wirklich „hunderte“ oder eher „viele“? Die Zahl wirkt sehr gesetzt, wenn der Raum nicht klar ist.
  • Wie voll ist es wirklich: „dicht an dicht“, aber Kane bahnt sich ohne echte Reibung eine Schneise. Was ist hier realistisch gemeint?

Zeitachse und Abwesenheit: warum „so lange weg“?

  • „nach so langer Zeit“: reden wir von Wochen, Monaten, Jahren? Das ändert Kanes Rolle komplett.
  • Warum war er weg: Job, Einsatz, Trennung, Tour, irgendwas, das die Szene färbt? (Ein Halbsatz reicht, aber ohne bleibt es Nebel.)
  • Warum bringt er Blumen: Romantik nach Streit, Wiedergutmachung, Versöhnung, „ich hab Mist gebaut“, oder einfach Zuneigung? Im Moment ist es eher Requisite, es könnte aber Bedeutung tragen.

Julia: Verletzung, Motiv, Dynamik, „Warum“

  • Warum wurde Julia geschlagen? Nicht „wie schlimm“, sondern: Was war der Auslöser? Streit, Übergriff, Provokation, Verteidigung, Versehen, gezielte Gewalt? Ein Mini-Anker würde reichen.
  • Wie frisch ist das Hämatom: Stunden/Tage? Das entscheidet, ob Kane eine „heute passiert“-Wut hat oder eine „lange geschluckt“-Wut.
  • Julias Satz „Sei nicht zu hart zu ihm“: Warum schützt sie ihn?
    • Angst vor Eskalation?
    • Schuldgefühl?
    • Beziehung/Verwandtschaft?
    • Sie kennt Vorgeschichte zwischen Kane und dem Ort?
  • Warum reagieren die zwei Frauen so: Sie „versteinern“ und verschwinden, statt Julia zu helfen oder Kane zu informieren. Das wirkt wichtig, aber ohne Hinweis bleibt es ein großes Fragezeichen.

Täterzuordnung: Wer genau war’s?

  • Der Text suggeriert „der Jugendliche“ war’s, aber: War es wirklich genau dieser eine? Die Szene setzt „sie blickt zu ihm“, aber ich brauche, dass es eindeutig ist (oder bewusst uneindeutig, dann als Stilentscheidung).
  • Was wissen die Begleiter: Decken die ihn, feiern die ihn, haben die Angst vor Kane? Im Saal wirken sie teils wie Kulisse, draußen verschwinden sie sehr glatt.

„Physikalisch“ / Bildlogik: Wo stolpere ich ganz praktisch?

  • „Endlich erkannte er Julias Hinterkopf“ obwohl sie „an der Wand“ steht: Von welchem Winkel sieht er das, wenn es dicht ist? Ein Mini-Detail würde reichen (Wandnische, leicht abseits, Blick über Schultern, etc.).
  • Kane schiebt Menschen beiseite, stößt jemanden mit der Schulter, ruft wird „Hey!“ hinterhergerufen, aber es gibt keine Konsequenz im Raum. Das wirkt wie: Umwelt kurz stummgeschaltet.
  • Er packt den Jungen am Kragen und schiebt ihn durch die Menge bis zum Notausgang: In einem real vollen Saal wäre das ein großer Eskalationsanker (Blicke, Zurufe, Security, Freunde, Gastgeber).
  • Draußen: „ehemaliger Parkplatz“, überwuchert: starkes Bild, aber aktuell ohne Funktion. Warum „ehemalig“? Warum Büsche? Ist das Gelände verlassen, abgesperrt, Hinterhof?

Machtstruktur: Welche Hierarchie gilt hier eigentlich?

Im Saal:

  • Wer hat Autorität: Veranstalter, Familie, Security, Barkeeper, Türpersonal, ältere Verwandte, Vereinsvorstand? Ohne diese Instanz wirkt es wie „freie Bühne für Dominanzspiel“.
  • Warum kann eine 6er-Jugendgruppe so offen Status spielen, ohne Gegenwind aus dem Raum?
  • „Alter Mann“: Wie alt ist Kane wirklich? 30 wirkt für 17-Jährige schon „alt“, aber der Text spielt es wie Generationenkampf. Ein Altersanker (Ende 20/Mitte 30/40+) würde das sofort stabilisieren.
Auf dem Parkplatz:

  • Kane übernimmt die Kontrolle, weil er isoliert: Er setzt Regeln („Ihr habt hier nichts verloren!“) und es funktioniert. Frage: Ist das Absicht (Kane als Mythos/Instanz) oder soll es realistisch wirken?
  • Der Gegner kippt, sobald der Name fällt: Macht kommt als Reputation-Schalter, nicht als sichtbare soziale Realität.

Status-Theater und „Babo“-Dynamik (ohne Klischee, aber mit Klartext)

  • Die Clique wirkt wie Status-Theater: Grinsen, Nacken präsentieren, Goldkette, „alter Mann“-Sprüche.
  • Kane beansprucht den Raum wie ein Patriarch ohne sichtbaren Thron: Er wird zur Instanz, weil der Text es setzt, nicht weil das Umfeld es zeigt.
  • Kernfrage: Warum sollte Kane in seinem Alter noch „den Thron“ beanspruchen, und warum akzeptiert die Umgebung das? Das braucht nicht viel Text, aber eine Spur Weltlogik.

Dialog/Ton: Warum klingt es an manchen Stellen „gesetzt“?

  • Der Parkplatzdialog wirkt wie eine Ansage-Szene: stark, aber sehr kontrolliert.
  • „Name fällt → Gegner bricht“ hat etwas Legendenhaftes: Kane steht als „Name“, nicht als Mensch. Das erzeugt Wirkung, aber auch das Gefühl: die Dynamik lebt mehr von Setzung als von sichtbarer sozialer Reibung.
  • Wenn das bewusst ist: cool, dann müsste die Welt vorher kurz zeigen, dass dieser Ruf real ist (Blicke, Reaktionen, Flüstern, eine kleine Andeutung).
  • Wenn es unbewusst ist: dann fehlt der Zwischenraum (Ausreden, Trotz, Gesichtsrettung, Lügen, Ablenkung), also menschliche Stufen, bevor Tränen kommen.

Polizeibericht-Brille (nüchtern, nicht moralisch)

  • Ort: Veranstaltung mit Saal, Gedränge, Notausgang, Außenbereich.
  • Beteiligte: Kane, Julia (Hämatom), mutmaßlicher Täter (ca. 17), fünf Begleiter, Unbeteiligte.
  • Ablauf: Kane betritt, findet Julia, erkennt Verletzung, Julia weist auf Jugendlichen, Kane konfrontiert, führt ihn ab, trennt Begleiter, draußen Drohgespräch, Täter zeigt Angstreaktion.
  • Was fehlt (und deshalb springt mein Radar an): Tatzeitpunkt, Motiv, Zeugenreaktion, Autorität am Ort, Konsequenzen der Eskalation (drinnen und draußen).

Psychologie-Brille (ohne Diagnose, nur Lesewirkung)

  • Kane wirkt wie jemand, der Wut als einzige zulässige Emotion hat, weil Wut Kontrolle gibt.
  • Julia wirkt wie jemand, der Schadenbegrenzung betreibt und Eskalation schon kennt.
  • Das ist als Konstellation stark, braucht aber einen Mini-Anker im Text, damit Julias Bitte nicht nur Plot-Satz, sondern Geschichte wird.

Die eine Sammelfrage, die alles bündelt (damit es nicht 1000 Einzelhiebe sind)

  • Soll die Szene realistisch-sozial wirken (Umfeld reagiert, Regeln, Autoritäten, Konsequenzen), oder soll sie mythisch/legendenhaft wirken (Kane als Name/Instanz, Schalter-Momente, Gegner bricht)?
    Beides ist okay, aber die Geschichte muss sich entscheiden, damit mein Kopf nicht dauernd „Welt an, Welt aus“ schreit.
Wenn du willst, kann ich aus dem Ganzen auch noch eine kurze „Top 5“-Liste machen, aber ich wollte dir erstmal die vollständige Innenansicht geben, weil das die ehrlichste Form meines ersten Lektorats ist. Das ist nur meine Sicht der Dinge :)

LG
Ella

 

Vielen Dank auf jeden Fall für das Feedback @Ella Sommerhain. Ich bin jetzt hin und hergerissen, zwischen dem Drang in mir mich zu rechtfertigen, und das einfach so stehen zu lassen. Aber ich glaub das geht jedem so, wenn er Kritik bekommt:lol:.

Zunächst einmal zur Klarstellung, ich war schon immer von diesem John Wick Effekt fasziniert und wollte etwas schreiben, was diesen Legendenstatus widerspiegelt. Dabei hat mein Kopf tatsächlich angefangen eine kleine Welt drum herum zu bauen und du hast recht, das hätte ich entweder weglassen, oder es weiter erläutern müssen.

Den Hinweis mit dem Alter von Kane und wie lange die Verletzung von Julia schon existiert nehme ich gerne an, das wäre wirklich eine wichtige Information gewesen.
Auch die Frage nach den Türen am Anfang und der Füllmenge des Saals sind gute Punkte.

Grundsätzlich war die Veranstaltung wie ein großes Nachbarschaftsfest angedacht, so dass es kein Programm oder besonderen Anlass für das Fest gibt.

Ich dachte eigentlich, dass die Reaktion von den Freundinnen und von Julia ausreichen um klarzustellen, dass Kane in diesem Kreis eine Institution ist, mit der man sich nicht anlegt. Daher hat auch niemand etwas dagegen gesagt, als er sich durch die Menge zu den Jugendlichen gedrängt hat. Nur die Jungs waren noch zu jung, um ihn zu erkennen.

So viel mal zu meinen Gedanken. Ich werde deine Vorschläge in den Text einfließen lassen. Aber grundsätzlich wollte ich einfach versuchen einem Menschen so einen Ruf zu verleihen, dass jeder vor ihm zurückschreckt, ohne dass er tatsächlich etwas tun muss.

 
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das klingt gut , nur weiß der Leser deine Gedanken leider nicht . Da ist es gut dem Leser zu erzählen wer der sogenante "Protagonist" ist ,um ihn ein bischen aufbauen und einzuführen . Es geht mir ja auch so , in meinem Kopf ist alles klar aber der ist Leser da ja vollig im Dunkeln . Ich kenn ja auch die ganzen "Helden" und Legendenfilme . Für eine Kurzgeschichte ist das völlig ok aber für etwas größeres müsste dem Leser auch ein bischen "History" erzählt bekommen . Geht mir bei meiner Geschichte "Sinnliches Gewitter" genauso. :)

 

Ja klar, für eine größere Story reicht das nicht. Aber ich finde gerade bei Kurzgeschichten die Idee so interessant, dass der Leser sich einiges selbst nach seiner Vorstellung formt und wenn man diese Szene verfilmen würde, würdest du das wahrscheinlich ziemlich anders tun, als ich.

 

Hallo @DripsDrops ,

ich versuche mich auch mal an deinem Text. Fangen wir mit den Kleinigkeiten an:

Sie stand an der Wand in der Hälfte des Saals und unterhielt sich mit zwei anderen Frauen
In der Hälfte des Saals? In welcher Hälfte? Oder meinst du mitten im Saal? Zentral? Mittig?
Doch anstatt Julia darauf hinzuweisen versteinerten ihre Gesichter schlagartig.
Wo ist die Medusa, die sie versteinert? ;)
Ich vermute, ihre Mienen versteinerten/verhärteten sich.
Unweigerlich kniff Kane die Augen zusammen.
Unweigerlich? Es führte kein Weg dran vorbei? Ich hätte unwillkürlich genommen.
Warum reagierten sie so, bei seinem Anblick?
Ok, das ist jetzt schon ziemlich kleinlich, aber hier gefiele mir auch "auf seinen Anblick" oder "als sie ihn sahen" besser.
Zwei Meter, bevor er Julia erreicht hatte und seiner Frau endlich wieder in den Armen liegen durfte, tuschelten die zwei Freundinnen kurz miteinander und verschwanden dann ohne Vorwarnung in der Menge.
Liegt nicht meist die Frau in den Armen des Mannes oder bin ich hier in die Gleichberechtigungsfalle getappt? Ich würde sie auch einfach nur "in die Arme nehmen/schließen".
Der blaue Rahmen um ihr Auge, ein Bild, das sich wie ein heißes Eisen in Kanes Gedächtnis eingebrannt hatte, übertönte jedoch die Freude sie wieder zu sehen.
ein Bild übertönt? minderte oder beeinträchtigte wäre hier vielleicht eine Option.
blickte Julia ihn aus ihrem angeschwollenen Auge heraus an
oder wenn das zugeschwollen ist, auch aus dem anderen. ;)
Würde ich aber überlegen, wegzulassen. Mir reichten die bisherigen Beschreibungen um zu wissen: sie hat ein Veilchen.
„Ich bitte dich,“, nachdem die beiden sich voneinander gelöst hatten(Komma) blickte Julia ihn aus ihrem angeschwollenen Auge heraus an
"Ich bitte dich." Nachdem ...
ballte die Fäuste und musste sich vorstellen, dass irgendjemand in diesem Raum seine Frau geschlagen hatte
"Muss" er nicht, aber tat es wohl unwillkürlich. Persönlich würde auch ein "wie" statt "dass" besser gefallen.
Ihr Blick wanderte von ihm auf einen jugendlichen, der vielleicht 17 Jahre alt war und sich in der Menge mit fünf anderen Jungs in seinem Alter unterhielt.
Jugendlichen groß. "In der Menge" finde ich hier überflüssig. Verwirrt mehr als es beiträgt.
Auch habe ich hier ein kleines Problem: Seine Frau guckt auf eine Gruppe von 6 Halbstarken, die mindestens fünf, aber eher zehn Meter weit weg steht und Kane erkennt sofort welchen aus der Gruppe sie angesehen hat?
„Mach ihn nicht kaputt!“ Kane wandte sich von ihr ab. Unsanft steuerte er durch die Menge auf den Jugendlichen zu.
Kaputtmachen? Ist ja kein Spielzeug. "Lass ihn am Leben" oder "Beruhige dich" oder "Sei nicht zu hart" wären Optionen.
"Unsanft steuern" ist auch seltsam. Wie klingt "Rücksichtslos drängte er sich durch die Menge"?
Heiße Wut pulsierte durch sein Herz und er musste sich konzentrieren(Komma) um den Schläger nicht vor den Augen aller Anwesenden in den Boden des Saals hinein zu prügeln.
Hier sind einige Ausdrücke, die ich seltsam fand. "Heiße Wut pulsierte durch sein Herz" oder "in den Boden hinein zu prügeln".
Traditioneller wäre etwas wie "Heiße Wut brachte sein Blut zum Kochen." Ich habe den Verdacht, du hattest erst etwas wie "in den Boden stampfen" im Sinn. Ich würde auch überlegen, das "konzentrieren" durch ein "zurückhalten" zu ersetzen.
Der junge Mann war gut gebaut und Kane war sich auf den ersten Blick sicher, dass er Boxer war.
Was heißt "gut gebaut"? Ein männliches Foto-Model ist auch gut gebaut, aber hat nicht zwangsläufig eine Kämpferstatur. Muskulös oder drahtig würde evtl besser passen.
Der junge nickte, drehte sich dann wieder zu Kane und erwiderte seinen Blick, ohne mit der Wimper zu zucken.
Der Junge
„Diese Frau hast du geschlagen. Weißt du, was das Problem an der Sache ist?“, ohne auf eine Antwort zu warten, fuhr Kane fort: „Das ist meine Frau.
Na wenn er eh fortfährt ohne auf Antwort zu warten, kannst du auch gleich bei der wörtlichen Rede bleiben. Man versteht schon, wer da spricht.
Und jetzt komme ich heute hier her, nachdem ich sie viel zu lange nicht mehr gesehen habe und muss feststellen, dass du meine Frau geschlagen hast.“
Ist das erwiesen, wer es war? Würde er nicht nachfragen, um sicher zu gehen?
„Aus diesem Grund werden wir zwei jetzt diesen Saal verlassen.“, entschied Kane und auf dem Gesicht des Jungen erschien ein Grinsen, das Kane am liebsten an Ort und Stelle in seinen Rachen hineingeprügelt hätte.
Der Punkt nach "verlassen" kann weg und würde sich nach "Kane" statt dem "und" gut machen. "Das Grinsen in seinen Rachen hineinprügeln"? Ich kenne eher den Ausdruck "Das Grinsen aus dem Gesicht prügeln".
Ohne auf die Bewegung des Jugendlichen zu warten, packte ihn Kane am hinteren Kragen seines T-Shirts und schob ihn durch die Menge, bis zu dem Notausgang, der auf den Parkplatz vor dem Saal führte. Die Freunde des Jungen waren ihnen gefolgt und standen immer noch wortlos hinter ihrem Anführer. „Ihr habt hier nichts verloren!“, befahl Kane. „Geht wieder rein!“ Skeptisch blickten die Freunde zu dem Schläger, der ihnen nur zunickte. „Ich werde schon alleine mit dem alten Mann hier fertig.“, lachte er und die anderen Jungs verschwanden wieder in den Saal.
Irgendwie stört mich die Szene. Würde es so ablaufen? Wenn er den Kerl vor sich herschiebt, dreht er 5 anderen den Rücken zu. Würde ich in der Situation nicht machen.
"waren ihnen gefolgt und standen immer noch wortlos hinter...". Nein. Sie stellten sich vielleicht erneut hinter ihn, aber immer noch geht ja nicht. Sonst wären sie nicht rausgegangen.
Auch ist der Schläger ungewöhnlich. Solchen Leuten geht es nicht nur darum, andere zu vermöbeln, sondern wollen dabei gesehen, bewundert und gefürchtet werden. Also würde er sein Publikum nicht wegschicken.
"...alten Mann hier fertig.“, lachte er und...". Würde ich ändern. Man kann einen Satz sagen, aber nicht lachen.
"Ich werde allein mit dem fertig." Er lachte und...
„Schon.“, lachte der Junge
Genau wie hier.
Passiert dir des Öfteren. Meines Wissens ist diese Konstellation Punkt-Anführungszeichen-Komma nicht in Ordnung. Nur, wenn es ein Ausrufe- oder Fragezeichen ist. Punkt einfach weglassen. (bzw. hier eher das Komma weglassen und umstellen auf "Der Junge lachte")
Augenblicklich ließ der Junge seine Fäuste fallen. Seine Mundwinkel sackten nach unten und mit ihnen wich jegliche Farbe aus seinem Gesicht.
Fäuste senken. Sieht doof aus, wenn die auf den Boden fallen. ;)
"mit ihnen" würde ich streichen und den Satz umstellen.
„Also kennst du mich doch.(Punkt streichen)“, stellte Kane fest, während er dem Jungen dabei zusah, wie aller Kampfgeist aus seiner Brust entwich. „Jetzt gehst du noch einmal im Kopf durch, was du mit meiner Frau gemacht hast und ich hoffe für dich, dass es eine wirklich gute Erklärung dafür gibt, dass du zu dem Entschluss gekommen bist sie zu schlagen.“
"das mit dem Kampfgeist ist etwas holprig. Würde einfach schreiben: "wie ihn der Kampfgeist verließ".
"Jetzt gehst du noch einmal im Kopf durch...". Natürlich im Kopf. Wo sonst? Streichen oder umformulieren. Sowas wie "Jetzt überlegst du dir nochmal, was du getan hast und warum du dich entschieden hast, sie zu schlagen."

Ich dachte eigentlich, dass die Reaktion von den Freundinnen und von Julia ausreichen um klarzustellen, dass Kane in diesem Kreis eine Institution ist, mit der man sich nicht anlegt.
Ehrlich gesagt kam mir die Reaktion der Freundinnen beim ersten Lesen so vor, als hielten sie Kane für den Verantwortlichen.

Mich hat die Geschichte leider nicht völlig abgeholt. Als Anfang einer größeren Geschichte würde es vielleicht funktionieren, aber es sind einfach ein paar Sachen seltsam:
So ein Auge wird nicht von jetzt auf gleich blau und schwillt an. Das dauert etwas und ich halte es für unwahrscheinlich, dass eine Frau mit einem Veilchen auf der Party/Veranstaltung bleibt, auf der auch noch die Peiniger herumlungern. Speziell, wenn sie dann nicht will, dass ihr Partner nicht den Typen aufmischt.
Auch ist das völlige Zusammenbrechen des Halbstarken etwas übertrieben.

Ist aber an sich eine interessante Spielerei "mit dem John Wick Effekt", wie du ihn nennst. Manchmal scheinst du mir mit Formulierungen etwas unsicher, aber das ist eine Frage der Übung.
Und immer daran denken: Nichts was ich geschrieben habe, ist irgendwie persönlich zu nehmen, sondern soll nur einen Vorschlag darstellen, was geändert werden könnte.

Schöne Grüße
Tsunami

 

@Tsunami vielen Dank, für dein ausführliches Feedback. Es ist wirklich interessant zu sehen, wie viele kleine Logikfehler sich dann doch einschleichen, obwohl man eigentlich meint, vieles beachtet zu haben.

Jetzt meine Frage, da das mein erster Text ist, den ich hier veröffentlicht habe, ist es gerne gesehen, wenn ich ihn noch einmal mitsamt den Überarbeitungen rein stelle? Oder kann ich das Feedback einfach für mich mitnehmen und daran arbeiten?

LG
DripsDrops

 

Hallo @DripsDrops ,

Jetzt meine Frage, da das mein erster Text ist, den ich hier veröffentlicht habe, ist es gerne gesehen, wenn ich ihn noch einmal mitsamt den Überarbeitungen rein stelle? Oder kann ich das Feedback einfach für mich mitnehmen und daran arbeiten?
Da so ein Text praktisch nie fertig ist, würde ich dir dringend empfehlen ihn zu verbessern, einzustellen und anderen die Chance zu geben sich dann auf deine verbesserte Version zu stürzen.
Ich würde dir aber raten, irgendwo eine Original-Version abzuspeichern. Ist manchmal witzig zu sehen, wo die Reise begann und wo sie hinführte.

Schöne Grüße
Tsunami

 

Hallo @DripsDrops,

Spannung ist eine schwierige Angelegenheit. Diesem Anspruch wird dein Text nicht gerecht. Allein durch den Titel wird schon deutlich, dass das Ganze auf eine Unterredung hinausläuft. Auch innerhalb des Textes wird bald klar, was man zu erwarten hat. Um einen echten Spannungsbogen aufzubauen müsste der Leser früher (bei der Kürze der Geschichte) etwas Rätselhaftem begegnen und die 'Lösung' unerwartet kommen.

Vielleicht wählst du besser 'Alltag' als Rubrik?


Kühle Luft schlug ihm entgegen und jagte ihm einen Schauer über den Rücken, den er jedoch kaum bemerkte
"jagte" passt nicht zu "kaum" bemerken. Warum es dann überhaupt erwähnen?

aber hier, kurz bevor er Julia endlich wieder sehen würde, hielt er es beinahe nicht mehr aus, seine Gefühle zu verstecken.
Wenn man sich, nach langer Abwesenheit, wieder trifft: Würde man das an einem Ort tun, an dem man sich suchen muss?


Sein Blick raste durch die Menge, während er den Raum nach den blonden Haaren und dem strahlenden Lächeln seiner Frau absuchte. Langsam drängte er sich zwischen den dicht an dicht stehenden Menschen hindurch, ohne auch nur eine der Personen anzusehen, die er vorsichtig bei Seite schob.
Ein seltsames Bild: Der Blick rast durch die Menge, gleichzeitig wird der Raum nach der Frau abgesucht. Das klingt, als wenn das zwei unabhängige Vorgänge wären.


„Ich weiß, dass ich dir nicht verheimlichen kann, was passiert ist. Und ich weiß, dass du tun musst, was auch immer du tun musst. Aber ich bitte dich. Sei nicht zu hart zu ihm.“
Wenn sie offensichtlich ein blaues Auge hat, ist diese Aussage seltsam: „Ich weiß, dass ich dir nicht verheimlichen kann, was passiert ist." Es steht doch überhaupt nicht zur Debatte, dies verbergen zu können.
Er fragt nicht, wie das passiert ist?

„Hey!“, rief ihm ein Mann hinterher, den er mit der Schulter zur Seite gestoßen hatte.
Das ist eine passende Randbemerkung!

Heiße Wut pulsierte durch sein Herz
Das ähnelt einem alten Liebesroman ...

Weißt du, was das Problem an der Sache ist?“, ohne auf eine Antwort zu warten, fuhr Kane fort: „Das ist meine Frau.
Eigentlich ist das Problem, dass er überhaupt zugeschlagen hat. Hier ist das gut ausgedrückt:
Und wenn du auf die Idee kommst noch einmal jemanden zu schlagen, dann denk ganz kurz an diesen Moment.
+

Ohne auf die Bewegung des Jugendlichen zu warten, packte ihn Kane am hinteren Kragen seines T-Shirts und schob ihn durch die Menge, bis zu dem Notausgang, der auf den Parkplatz vor dem Saal führte.
Ob er sich das gefallen lassen würde, vor seinen Kumpels?

„Aber damals, als ich noch in diesem Ort gelebt habe, da gab es einen Namen, der etwas bedeutet hat. Ein Name dem Respekt gezollt wurde. Der in mancher Munde sogar gefürchtet wurde.“

Gut, wie du immer beiläufig darauf hinweist, dass er stark ist (Tür öffnen), es aber nicht ausnutzt ("Personen anzusehen, die er vorsichtig bei Seite schob").
Gelungen sind auch einige Details der Körpersprache der Männer.

Ich denke, dieser Text hat mehr Potenzial auf der Psychologischen- , als auf der Spannungsebene. Wie sehr muss sich der Protagonist zusammenreißen? Was wäre, wenn er nicht diesen "Namen" hätte?

Du hast dir einen vielversprechenden Plot ausgesucht, ihn nicht überzeugend in Szene gesetzt. Nur - es ist auch ein dickes Brett, das du dir hier zur Bearbeitung vorgenommen hast! Also: weiterhobeln!

L G,

Woltochinon

 

Hallo DripsDrops!

Mich interessieren erste Sätze. Deiner gefällt mir (noch) nicht. Er ist mAn zu umständlich verfasst. Das ginge kürzer, ohne die Aussage zu verändern.

Alt: Sein Herz schlug schneller, als sich die Glastür mühelos öffnen ließ und ihm den Weg in das Gebäude freigab.

Sein Herz schlug höher, als er den Griff der Glastür packte und ihn mühelos nach hinten zog, so dass die Tür ihm den Weg in das Gebäude freigab.

Ein Herz kann schneller schlagen, aber nicht höher.
Die doppelte Tür ließe sich leicht vermeiden. Siehe Alternativvorschlag.

... so dass

Man darf diese Version verwenden, aber sodass ist die Dudenempfehlung.

MfG, Manuela :)

 

Hallo @DripsDrops,

nach längerer Abstinenz blicke ich in das Forum, um zu sehen, was so passiert.

Also auch ein kleiner Kommentar zu Deiner Geschichte. Ich bin mittlerweile recht rigoros, was das Kommentieren anbelangt und komme dadurch wahrscheinlich arrogant und hart mit meiner Kritik rüber, aber so ist das eben, wenn man in so einem Forum ist.

Sein Herz schlug höher, als er den Griff der Glastür packte und ihn mühelos nach hinten zog, so dass die Tür ihm den Weg in das Gebäude freigab. Kühle Luft schlug ihm entgegen und jagte ihm einen Schauer über den Rücken, den er jedoch kaum bemerkte. Er hielt den Blumenstrauß mit jedem Schritt fester und für einen Augenblick konnte er sich das vorfreudige Grinsen nicht mehr verkneifen.

Die ersten zwei Sätze sind nach meiner Leserfahrung so abgedroschen mit den verwendeten Wendungen, dass ich gleich wieder aufhöre zu lesen. Warum? Weil ich dann nicht mehr viel erwarte, wenn es schon so losgeht.

Ich habe nicht viel weiter gelesen, weil der Spannungsaufgabe aus meiner Sicht in den ersten Absätzen schon nicht funktioniert. Deswegen ja auch der Hinweis in einem der anderen Kommentare, den Tag "Spannung" rauszunehmen.

Aber ein Tipp zur Güte: Fange doch mit dem dritten Satz an:

"Er hielt den Blumenstrauß mit jedem Schritt fester und für einen Augenblick konnte er sich das vorfreudige Grinsen nicht mehr verkneifen."

Das ist aus meiner Sicht ein viel besserer Einstieg als die ersten beiden Sätze. Ansonsten hast Du schon viele Kommentare bekommen und es wird sich zeigen, was Du damit anstellst und ob Du an Deinen Schreibfertigkeiten arbeitest oder nicht.

Gruß

Geschichtenwerker

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo DripsDrops, hier kommen ein paar Gedanken zu Deiner Geschichte. Sieht man es mal theoretisch, hast Du zunächst einiges ganz gut gemacht:

Die Szenen bauen logisch in einer Steigerung der Dramatik aufeinander auf. Das Ganze wirkt anschaulich, man kann sich gut vorstellen, was da passiert. Die Geschichte bleibt eng bei Kane. Seine Wahrnehmung, seine Gedanken, seine Wut stehen im Mittelpunkt. Das sorgt für emotionale Nähe und Klarheit. Die Motivation von Kane ist klar (Schutz, Liebe, Wut, Kontrolle) und auch Julias Rolle ist klar umrissen. Es gibt keine unnötigen Nebenhandlungen.

Aber: Es gibt Schwächen in dem Text, die die Geschichte schwer verdaulich bis ungenießbar machen. Ich greife mal drei für mich wesentliche Punkte raus:

1) Sehr viele Emotionen werden nicht gezeigt, sondern erklärt oder mehrfach betont. Beispiele:

Er hielt den Blumenstrauß mit jedem Schritt fester und für einen Augenblick konnte er sich das vorfreudige Grinsen nicht mehr verkneifen.

Wut kochte in Kane hoch.

Heiße Wut pulsierte durch sein Herz…

Immer wieder tauchen Wörter wie „Wut“, „Feuer“, „pulsierte“, „kochte“, „heiße Wut“, „zusammenreißen“ auf – oft mehrfach innerhalb kurzer Abstände. Diese Wiederholung macht die Emotion überbetont, wodurch sie weniger subtil wirkt.

Dazu ganz grundsätzlich: Wenn Emotionen gezeigt werden, erlebt der Leser sie direkt durch Handlung, Mimik oder Situation, statt sie nur gesagt zu bekommen. Das erzeugt Spannung und Nähe, weil der Leser selbst „entdeckt“, wie sich die Figur fühlt, und die Geschichte lebendiger wirkt. Wird die Emotion nur benannt, fühlt es sich oft belehrend oder künstlich an und schwächt die Wirkung der Szene. Zeigen macht stärkeres Erleben, Benennen erzeugt Distanz.

2) Kane ist sehr deutlich als archetypischer „Alpha-Beschützer“ gezeichnet (legendärer Name, gefürchtete Vergangenheit, absolute Dominanz, moralische Überlegenheit). Das ist ne ziemlich klischeehafte Männlichkeitsinszenierung und wirkt etwas eindimensional. Vielen Lesern wird das zu simpel erscheinen, denn es macht mehr Spaß von komplexen Charakteren und ihrem Verhalten und ihren Entscheidungen zu lesen, als von 0815 Abziehbildern.

3) Ich finde es eine fragwürdige innere Logik, wenn ein 17-jähriger Schläger sofort zusammenbricht, nur weil er Kanes Namen hört. Das setzt voraus, dass Kane tatsächlich eine fast mythische Figur ist, sein Ruf noch immer wirkt und der Junge diesen Ruf kennt. Das alles ist zwar möglich, wird aber nur behauptet, nicht vorbereitet oder glaubwürdig verankert. Hier fehlen Hintergrund oder Andeutung, die das Gewicht dieses Namens plausibel machen.

Ansonsten schließe ich mich den Kommentaren von Ella, Tsunami, Woltochinon, Manuela und Geschichtenwerker an, die viele weitere Punkte benannt haben. Die solltest Du in Ruhe durchdenken und es dann bei Deiner nächsten Geschichte miteinfließen lassen.

Gruß Achillus

 

@Woltochinon @Manuela K. @Geschichtenwerker @Achillus da schaut man einmal zwei Tage nicht in das Forum und bekommt so viele konstruktive Kritiken. Ich bedanke mich, für eure Verbesserungsvorschläge. Ich habe in den letzten Tagen daran gearbeitet diesen Text zu verbessern, Fragen und Logikprobleme auszuräumen und ihn einfach grundsätzlich genießbarer zu machen. Ich weiß, dass auch dieser Text nicht perfekt sein wird, aber ich kann von eurem Feedback viel lernen und hoffe, dass ihr ihn euch noch einmal durchlest.

 

Hallo @DripsDrops,
Ich klinke mich an der Stelle ein, obwohl ich deinen Text zwar gelesen aber nicht kommentiert habe. Einen differenzierten Kommentar zu schreiben, dauert inkl. zweimaligem Lesen +- zwei Stunden, bei manchen Texten auch länger. Meinst du nicht, es wäre angemessen, zumindest jedem der Kommentator*innen eine individuelle Antwort zu schreiben? Und einzeln auf die genannten Punkte einzugehen und dich dazu zu positionieren? Auch daraus besteht die Textarbeit, aus der Reflektion, nicht nur aus der konkreten Änderung des Textes. Ganz ehrlich: wenn ich so abgespeist würde, würde ich dir keinen weiteren Kommentar mehr dalassen.
Peace, l2f

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo @DripsDrops,

ich habe den Text gelesen und ein paar Anmerkungen zu Details (aber nur zum Anfang) und grobe Eindrücke. Zu mehr hab ich grad keine Zeit.

Sein Herz schlug höher, als er den Griff der Glastür packte und ihn mühelos nach hinten zog, so dass die Tür ihm den Weg in den Eingangsbereich der Turnhalle freigab. Kühle Luft schlug ihm entgegen.
Der erste Satz ist mir persönlich etwas zu lang. Da schlägt das Herz, der Mann ist nervös und es kommt eine Beschreibung, die etwas die Wucht rausnimmt.

Er hielt den Blumenstrauß mit jedem Schritt fester und für einen Augenblick konnte er sich das vorfreudige Grinsen nicht mehr verkneifen.
Hier habe ich einen nervösen Mann vor dem inneren Auge. Und in meiner Vorstellung passt da dieses vorfreudige Grinsen nicht ganz dazu. Auf jeden Fall Spannung für mich als Leser (wie passt das genau zusammen, womit hab ich es hier zu tun).

Es war ihm immer so wichtig, souverän und abgebrüht aufzutreten, aber hier, kurz bevor er Julia endlich wieder sehen würde, hielt er es beinahe nicht mehr aus, seine Gefühle zu verstecken.
Hier wird erklärt, was ich als Leser im Satz davor und danach erahne. Meiner Meinung nach eigentlich zu viel, nimmt mir als Leser die Möglichkeit, das selber rauszufinden.

Bei den Meterangaben ist es mir etwas zu genau. Da sind es mal 8 Meter, mal 3, dann 2. Ich fühle mich dabei ein bisschen wie beim Fußballspiel, wo ich mir denke: "Woher weiß der Kommentator, dass es genau 27 Meter Torentfernung sind?"

Zum Rest der Geschichte, ich find sie spannend, aber ich hätte eigentlich den großen Knall erwartet. Der Konflikt wird von Kane souverän gelöst. Hat er so seinen Ruf bekommen? Wurde er durch den Krieg so besonnen? Er lässt einige Beleidungen über sich ergehen, das passt nicht ganz zur Figur, die ich mir als Leser vorstelle. Und: Ist es plausibel, dass niemand der Schüler weiß, dass ihre Lehrerin die Frau des legendären Kane ist?

Viele Grüße und danke für die Geschichte,
Thorsten

 

Hallo @linktofink,
danke für deinen Hinweis. Mir war nicht bewusst, dass das in diesem Rahmen von mir erwartet wird. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Ich habe die Kommentare natürlich wergeschätzt und mir meine Gedanken dazu gemacht. Die meisten der Anmerkungen waren sehr nachvollziehbar und ich dachte durch die Überarbeitung und der damit einhergehenden Annahme der Kritik würde ich den Kommentatoren schon ein gewisses Feedback geben. Ich kann natürlich auf jeden der Kommentare eingehen. Und werde das in Zukunft auch tun.

Ich wollte niemandem auf die Füße treten oder undankbar wirken. Ich weiß das Feedback wirklich sehr zu schätzen. Und wie mein Vater immer zu sagen pflegt: "Ich gelobe Besserung."

 

@ThorStern, vielen Dank dass du dir trotzdem Zeit genommen hast mir ein paar Punkte mit auf den Weg zu geben.

Vielleicht kurz ein paar von meinen Gedanken zu den angesprochenen Stellen:

Hier habe ich einen nervösen Mann vor dem inneren Auge. Und in meiner Vorstellung passt da dieses vorfreudige Grinsen nicht ganz dazu. Auf jeden Fall Spannung für mich als Leser (wie passt das genau zusammen, womit hab ich es hier zu tun).
Nervös heißt für mich nicht zwangsläufig ängstlich. Er freut sich ja seine Frau wiederzusehen. Und mir geht es zumindest so, dass ich manchmal in nervösen/aufgeregten Situationen unweigerlich grinsen muss.
Hier wird erklärt, was ich als Leser im Satz davor und danach erahne. Meiner Meinung nach eigentlich zu viel, nimmt mir als Leser die Möglichkeit, das selber rauszufinden.
Das ist tatsächlich ein Punkt an dem ich arbeiten muss. Nicht noch einmal das zu erklären, was ich davor beschrieben habe. Da nimmt die Angst, dass der Leser nicht versteht, was ich ausdrücken will, manchmal ein bisschen Überhand.

Zu den Meterangaben, das sehe ich etwas anders. Es geht ja in dem Moment nicht auf den Zentimeter genau um die Entfernung. Es geht nur so grob um den Abstand, damit man sich die Situation ungefähr vorstellen kann. Weil es schon einen Unterschied macht, ob da fünf, zehn, oder zwanzig Meter dazwischen sind. Für mich baut sowas Spannung auf, aber wenn du eine Idee hast, wie man das eleganter lösen könnte, bin ich natürlich offen für Vorschläge.

Zu den Beleidigungen, möchte ich sagen: Kane ist zwar ein gefährlicher Mann und hat seinen Ruf nicht von ungefähr. Aber in meiner Vorstellung ist er auch kein einfacher Schläger, der sich willkürlich provozieren lässt. Er weiß genau, wann Worte reichen und wann man ihnen Taten folgen lassen muss. Wenn er jedes Mal die Nerven verlieren würde, wenn ihn jemand beleidigt, hätte er mit Sicherheit nicht den Namen erlangt, den er hat.

Der große Knall am Ende wäre natürlich auch eine Lösung für die Geschichte geworden, aber das ist nicht das, was ich eigentlich bewirken wollte. Ich wollte ja mit der Geschichte darauf hinaus, dass Kanes Ruf ausreicht, um Leute in Angst und Schrecken zu versetzen. Und seine Frau hat ihn schließlich gebeten nicht zu hart zu dem Jungen zu sein ("Ihn nicht kaputt zu machen" so habe ich es in meiner ersten Fassung formuliert) und ich denke, das spielt da auch mit rein.

Das sind jetzt nur meine Gedanken zu den angesprochenen Punkten. Ich werde sie natürlich trotzdem in meine nächste Überarbeitung mit einfließen lassen und wollte sie nicht zurückweisen, sondern nur meine Ideen dazu teilen.

Grüße
DripsDrops

 

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