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Liebe zu Zeiten von Corona

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18.10.2021
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Liebe zu Zeiten von Corona

Hartmut zieht sich das Headset vom Kopf, hält es eine halbe Armlänge von sich entfernt und lauscht. Woran erinnerte ihn die Stimme des jungen Mannes, der in der Videokonferenz gerade das neue Marketing-Konzept präsentiert? An das gleichmäßige Rieseln in seinem Gartenteich? Nur der näselnde Tonfall passte irgendwie nicht ins Bild. Durch den schmalen Schlitz des gelben Vorhangs lugt ein Stück Maisonne ins Arbeitszimmer. Hartmut betrachtet die französische Kaminuhr mit dem Carpe-diem-Motiv, die er kürzlich auf einer Antiquitätenmesse erstanden hat. Er studiert die femininen Züge der Aufsatzfigur. Eben noch hat der Jüngling Gras gemäht, da ist ihm die Sense abgebrochen. Lustvoll schweift sein Blick in die Ferne.

„Der macht es richtig“, sagt sich Hartmut, „wendet sich den vergnüglichen Dingen zu …“ Er springt ins online-Portal, das er noch von vorhin geöffnet hat. Wie vor jedem Date geht er nochmals die Daten durch. Seit Corona kam es noch mehr auf jedes Detail an. Vor allem, wenn sie bei der ersten Begegnung eine Maske trug. Schulterlanges Haar, vermutlich naturblond, mandelförmige, etwas weit auseinanderliegende Augen, schätzungsweise graugrün, dazu passend ein flaschengrünes Sommerkleid. Leider ist das Foto über dem Ausschnitt abgeschnitten. Unter dem Bild ihr Name, der ihm jedes Mal ein Pfeifen abringt: Mechthild. Welche Eltern sich das nur ausgedacht hatten? Hartmut sucht nach vorteilhafteren Varianten: vielleicht Mecky? „Anfang vierzig“ ließ eher auf Mitte vierzig schließen. Auch gut, dann wäre der Altersabstand nicht allzu groß. „Hobbies: Reiten, Lesen (Geschichte und Politik)“. Wohl der gebildete, eher introvertierte Typ, der Hartmut schon häufig begegnet ist.

Der Marketingleiter scheint zum Ende seines Vortrags zu kommen: „Wasser, das nur aus den Leitungen kommt, war gestern. Morgen muss es uns gelingen, ein sexy Produkt daraus zu machen.“ Hartmut vergewissert sich, dass er sein Mikrofon ausgeschaltet hat. „Ja, hol dir dein Banänchen!“, johlt er und macht Affengeräusche. Tatsächlich ist der Vortrag des jungen Mannes zu Ende, und der Amtsleiter mit dünnem Oberlippenbart schaltet sich ein. Als er sein Glas mit Sprudel in die Kamera hält und der Belegschaft zuprostet, wird Hartmut kurz übel. Wäre er Amtsleiter geworden, hätte er sich nicht so angedient, das wäre unter Hartmuts Niveau gewesen. Er erschrickt, als er die Zeiger der Kaminuhr auf zwei Uhr zuwandern sieht. Spätestens in einer Stunde muss er am Treffpunkt sein! Kaltabbruch. Hartmut fährt mit trotzigem Griff den Rechner herunter und lauscht, wie er plötzlich verstummt.

Mit den eingespielten Handgriffen im Badezimmer kehrt wieder mehr Ruhe in ihn zurück: Körperwäsche und Rasur, beides zum zweiten Mal an diesem Tag. „Auch den kleinen, süßen Bimbo nicht vergessen“, erinnert er sich an den Ausspruch einer früheren Bekannten und schaut amüsiert ins Waschbecken herunter. Beim Gedanken an Corona muss er sich kurz auf die Lippen beißen. Lieber nicht weiter darüber nachdenken, sonst würde er noch trübsinnig … Noch ein letztes Mal prüft er, ob seine Frisur gut sitzt. Er holt das Aftershave aus dem Spiegelschrank, das seine Ex-Frau so hasste, und sprenkelt sich ein paar Tropfen an den Hals. Immer noch frei von Falten, nicht gerade selbstverständlich für Mitte fünfzig … Nur die Tränensäcke ärgern ihn. Er tritt einen halben Schritt zurück und betrachtet sich zufrieden im Spiegel: kein Playboy-Gesicht, aber dennoch souverän, frei von Angst. Er schlupft in seine hellbraunen Sommerschuhe und in das blaue Leinensakko (Himmel und Erde), zieht die Haustür zu und fühlt sich in seiner Kleiderwahl angenehm bestätigt: Es ist es trocken und warm, die Vögel pfeifen, ein Tag wie aus dem Bilderbuch eines Dating-Portals. Er nimmt den kürzesten Weg zur Innenstadt, auf der mit Kopfstein gepflasterten Gasse begegnen ihm nur wenige Fußgänger. Würde man nicht wissen, was gerade in der Welt los ist, könnte einem alles ganz normal vorkommen. Doch was war schon normal? War es etwa normal, welcher Beschäftigung er gerade nachging? Während die braven Familienväter sich erschöpft in den Sessel plumpsen ließen, versuchte er sein Glück bei … „Rendezvous“, murmelt Hartmut. Irgendwie gefiel ihm dieser Begriff, besser jedenfalls als dieses geschäftsmäßig „Date“. Wie sehr die Romantik doch gelitten haben muss seit jener Zeit. Heute weiß gleich jeder, zu welchem Zweck der andere gekommen ist. Das Visier ist weit geöffnet, jeder Schritt kalkuliert. Und wenn man nicht aufpasst, kommt gleich alles ungeschminkt ans Tageslicht …

Er biegt nach links in die schmale Stichstraße ab und sieht schon die hohen Platanen am Treffpunkt. Für das erste Treffen schlägt er immer den kleinen Park vor, verkehrsgünstig gelegen und zugleich wenig frequentiert. Er erkennt den Herrn mit dem strengen Gesicht aus der Kaiserzeit, der in der Mitte des Parks auf einem Sandsteinsockel steht. Hartmut geht nicht direkt auf ihn zu, sondern hält sich weiter rechts, wo auf einer leichten Anhöhe ein paar Büsche stehen. In ihrer sicheren Deckung kann er ihre Ankunft in aller Ruhe abwarten. Die Zeiger seine Jäger LeCoultre rücken vor auf drei Uhr. Eine Erregung ergreift ihn, wie immer, wenn das erste Treffen unmittelbar bevorsteht. Auf dem schmalen Weg erkennt er eine schlanke, hochgewachsene Frau, die sich mit zögernden Schritten dem Denkmal nähert. Schulterlanges, blondes Haar - das muss sie sein. Die Frau blickt die Statue an, läuft in die eine, dann in die andere Richtung. Offenbar noch ein Neuling auf diesem Gebiet. Dann setzt sie sich auf die Bank neben dem Denkmal. Ohne zu hetzen, nimmt Hartmut den längeren Weg und beschleunigt seinen Schritt erst, als er sich der Statue nähert. Die Frau glättet ihre Hose und richtet sich auf. Ihre Bluse ist körperbetont, aber nicht aufreizend geschnitten. Unter ihrer eng anliegenden Jeans zeichnet sich ein Körper ab, fraulicher, als Hartmut vermutet hat. Er steht ein, zwei Meter vor ihr und blickt ihr ins Gesicht: schmale Nase, hohe Wangenknochen, schmächtiges Kinn, schmale Lippen. Ihre etwas zu weit auseinanderliegenden Augen schauen ihn neugierig an. Sie macht keine Anstalten zur Begrüßung, weder „Chicken-Wings“ noch Handschlag. Er muss kurz zucken, als er den Namen aus ihrem Mund hört. Er passt so gar nicht zu der stilbewussten, zugleich unprätentiösen Frau, die vor ihm steht.

Sie greift in ihre Handtasche, zieht eine weiße Maske heraus und streift sich die Schnüre über ihre zarten Öhrchen. „Wohin gehen wir?“, fragt sie schnörkellos. Vermutlich Businessfrau, denkt Hartmut, redet nicht allzu lange um den heißen Brei herum. „Mögen Sie Wasser?“, fragt er Mechthild, mit der er nicht gleich ins distanzlose „Du“ fallen will. Sie hebt kurz ihre Schultern an, als sei ihr letztlich egal. Wie immer geht er mit seiner neuen Bekannten bei gutem Wetter zum Fluss. Der Ort der ersten Begegnung sollte nicht zu viele Reize bieten und wiederum nicht zu ruhig sein. Auch darf man die beruhigende Wirkung des Wassers nicht unterschätzen. Er wählt eine wenig bekannte Route, abseits des Trubels, doch gut für so manche Überraschung. Sie überqueren vom Feierabendverkehr verstopfte Straßen und die Brücke zur anderen Seite des Flusses. Mechthild sagt, sie wolle aus dem Verkehrslärm raus. Sie biegen auf die breite Treppe ab, die hinunter führt zum Fluss. Dort verebben allmählich die Geräusche. Wie oft nachmittags an dieser Stelle, schlägt ihnen ein scharfer Ostwind entgegen.

„Kennen Sie den Mistral?“, fragt er, um ein Gespräch zu beginnen. Sie schaut ihn an und hört, was er zu berichten hat. Vier Tage lang hatte er mit einem Freund auf einer Fahrradtour durch das Rhônetal gegen den Wind angekämpft. Dann hatten sie sich kampflos ergeben und in einen Zug gesetzt. „Sie haben geschrieben, dass Sie frankophil sind“, sagt Mechthild nach einer Weile. Ihre Mundwinkel geben nicht zu erkennen, ob es eine Frage war oder eine Aufforderung, weiter zu erzählen. Sie gehen wortlos nebeneinander bis zur Stelle, wo der Grasweg in den schmalen Uferpfad mündet. Bei gutem Wetter ist dieser stark belebt, und man ist ständig damit beschäftigt, Passanten auszuweichen. Kein guter Ort zum Unterhalten, aber sehr gut zum Beobachten. Und was sich Hartmuts Augen heute bietet, missfällt ihnen nicht: zarte Linien mit Andeutungen reifer Fraulichkeit, nicht üppig, aber wohlgeformt.

Zwei Hunde haben sich von einer Gruppe gelöst und stürmen ihnen entgegen. Sie haben gerade ein Bad genommen und sind triefend nass. Er erschrickt, als ein schokobrauner Labrador auf ihn zuläuft. „Passen Sie gefälligst auf Ihren Hund auf“, will er dem Besitzer noch zurufen, doch zu spät: Das nasse Tier streift sein linkes Bein und rennt weiter. Der zweite Hund hat ein Kommando gehört und bremst abrupt kurz vor dem Paar ab. Er schüttelt sein nasses Fell und eilt zu seinem Herrn zurück. Mechthild schaut sich ihre nassen Hosen an. „Jetzt weiß ich, was mit einem begossenen Pudel gemeint ist“, sagt Hartmut und entlockt seiner Begleitung ein erstes Lächeln.

Nach ein paar hundert Metern bricht die enge Uferbebauung ab, der Blick öffnet sich. Ein breiter, von Blumen übersäter Wiesenhang liegt vor ihnen. Geradeaus sieht man die Berge und zur Rechten, direkt über dem Fluss, die Mauern, Kuppeln und Türme der Stadt. Nur selten verfehlt die wohlkalkulierte Dramaturgie ihre Wirkung. Bei Mechthild fällt der Wow-Effekt jedoch eher nüchtern aus. „So habe ich die Stadt noch nicht gesehen“, sagt sie mehr verwundert als hingerissen. Sie hält die Hand an ihre Stirn wie einen Mützenschirm und studiert die Ansicht mit zusammengekniffenen Augen. Hartmut sieht sich nach einer Sitzgelegenheit um. Etwa die Hälfte der massiven, in die Erde eingelassenen Sandsteinblöcke ist noch unbesetzt. Er schätzt die stilleren, hinteren Ränge, doch Mechthild deutet auf einen Block direkt am Uferweg. Sie setzen sich einen halben Meter nebeneinander und nehmen ihre Masken ab. „Sie kennen die Stadt?“, fragt er. „Ja“, antwortet Mechthild und schlägt ihre Augen nieder, „mein früherer Partner lebte hier, Fernbeziehung.“ Hartmut atmet tief durch. Einerseits erleichtert, denn Mechthild hat die Vergangenheitsform benutzt, andererseits sind sie gleich an einem heiklen Punkt angekommen. Er entschließt sich, nicht weiter zu fragen. Wer mit der Tür ins Haus fiel, konnte alles verderben. „Und bei Ihnen?“, fragt Mechthild. Er zuckt kurz zusammen. Wie mehrdeutig sie diese Frage formuliert hat! „Ich wohne schon seit über zwanzig Jahren hier, fast mein komplettes Berufsleben“, lenkt Hartmut seine Antwort auf die Wohnsituation. „Sehen Sie den kleinen Turm dort oben? Den mit dem blauen Spitzdach?“, fragt er und zeigt mit dem Finger auf den Hügel über der Stadt. Sie hält sich die Hand an die Stirn und kneift die Augen zusammen. „Das mit dem gelben Anstrich?“ Er glaubt eine Spur von Begeisterung zu entdecken.

Er will weiterzureden von Theater, Konzerthaus, den Wander- und Ausflugszielen, da unterbricht ihn ein undefinierbarer Laut. Er kommt aus der nächsten Umgebung. Verstört schaut Hartmut sich um, Mechthild ist zusammengezuckt. Er folgt ihrer Blickrichtung und entdeckt am Flussufer ein vogelähnliches Wesen. Es hat schwarzes Gefieder und einen gelben Schnabel, mit weit aufgerissenen Augen verharrt es auf der Stelle. Er bemerkt, wie ein Impuls durch Mechthilds Körper geht. Gleich, denkt er, wird sie aus einem Mutterinstinkt aufstehen und zu dem kranken Vogel gehen. Er deutet eine Handbewegung an, um sie zurückzuhalten. Seine Hand auf ihr Knie zu legen, traut er sich noch nicht. Zu seiner Erleichterung bleibt Mechthild sitzen. Er beobachtet, wie ein Paar vorsichtig auf das Tier zugeht. Beide gehen in die Hocke, studieren den Vogel, reden leise miteinander, ihre Gesichter wirken ernst.

„Man kann da gar nicht hingucken …“, sagt Mechthild und guckt trotzdem hin. Ihm fällt ein, dass er auf seinem Smartphone eine App zur Vogelbestimmung hat, vielleicht kann er sie damit ablenken. „Schwarze Flügel, gelber Schnabel“, murmelt er und entdeckt endlich den Vogel mit der passenden Beschreibung. Er liest ihr den Text vor: „Die Rufe des Kormorans sind kehlig und krächzend: 'chroho-chrohochro-ho'. Die Weibchen steuern ein hohes 'flii-flii-flii' bei.“ Unter normalen Umständen hätte das seine Begleitung belustigt, jetzt bleibt Hartmut selbst das Lachen im Halse stecken. Dieser Kormoran würde wohl keinen Laut mehr von sich geben. Ein Gedanke springt ihn an, dass das junge Tier bald sterben könnte, hier vor ihren Augen. Er steckt das Gerät weg und wendet seinen Blick zum Fluss. Ein schwer mit Schrott beladenes Schiff tuckert langsam abwärts. Ein Segelboot scheint sich in die Fahrrinne verirrt zu haben, und der Schiffsführer warnt den anderen durch lautes Hupen. Der Frachter ist schon eine Weile vorüber, da schwappen Wellen ans Ufer. Sie treten gefährlich nah an das kranke Tier heran. Der Kormoran rührt sich trotzdem nicht vom Fleck. Er stellt sich vor, wie ihn die Wellen erfassen und in den Fluss reißen.

Wieder zuckt Mechthild zusammen. Diesmal ist es ein Kind, das sie erschreckt hat. Er sieht einen Jungen, der sich von seinen Eltern losgerissen hat, auf die Uferstelle zueilen. In seiner Rechten trägt er ein handgeschnitztes Stöckchen. Jetzt stochert er auch noch damit an dem kranken Tier herum. Er hat den Impuls, aufzustehen, doch die Eltern sind bereits angekommen. Der Vater reißt dem Jungen das Stöckchen aus der Hand, die Mutter schimpft, der Junge blickt beschämt zum Boden. „Also, Kinder sind doch...“, stammelt Mechthild. Er fragt sich, ob Mechthild Kinder hat und drückt die Frage wie einen unerwünschten Anruf weg.

Wieder erschrickt ihn ein Labrador, der wie aus dem Nichts vor ihnen auftaucht. Offenbar hat er Beute gewittert und ist seinem Besitzer entwischt. Doch wo, fragt er sich, ist der Kormoran abgeblieben? Ist er vielleicht in den Fluss gefallen? Oder hat er sich zum Sterben zurückgezogen? Der Hund beugt sich zum Ufer hinunter. Sein Kopf ist nicht mehr zu sehen, nur die Hinterläufe, die sich an der Böschung festklammern und aufgeregt zittern. Mit einer ruckartigen Bewegung springt er auf die Wiese zurück. Hartmut entdeckt im Maul des Hundes einen schwarzen Flügel. Mechthild entfährt ein spitzer Schrei. Inzwischen ist auch der Besitzer angekommen und hält den Hund mit beiden Händen am Kopf fest. Endlich lässt der Hund den Flügel los. An der gleichen Stelle, wo er vor einer Viertelstunde noch gestanden hat, liegt der Kormoran reglos da. „Hat er ihn jetzt umgebracht?“, fragt Mechthild. Hartmut reckt sich, um zu prüfen, ob der Kormoran tatsächlich tot ist. „Der war bestimmt schon vorher tot“, antwortet Hartmut, nur halb überzeugt.

Am Ufer tut sich schon wieder was. Eine Saatkrähe mit kräftigem Schnabel pirscht sich mit tapsigen Sprüngen keck an den Kadaver heran. Ein letzter prüfender Blick, dann rupft sie ein paar Federn aus dem toten Tier. Schließlich holt sie Schwung und hämmert ihren Schnabel in den Kadaver, in die Flügel, den Hals, den Rumpf hinein. Mitten in ihrem schaurigen Handwerk hüpft die Krähe davon. Er kann nicht erkennen, was sie aufgeschreckt hat. Sein Blick oszilliert zwischen Vogel, Fluss und Stadt. Wie friedlich doch alles in der Spätnachmittagssonne vor ihm liegt, alles ist zum Greifen nah: die Häuser, der Frühling, die schöne Frau neben ihm. Und doch wirkt alles plötzlich fern. Er fragt sich, was er eigentlich hier zu suchen hat, vor dem geschundenen Tierkadaver und neben der fremden Frau. Am liebsten würde er jetzt aufstehen und alles hinter sich lassen.

„Wollen wir gehen?“, hört er die Frau sagen. Auf seiner Rechten spürt er etwas Kaltes. Er blickt hinunter und sieht Mechthilds Hand auf seiner liegen. Er versteht die Welt nicht mehr und wird sie wohl nie wieder begreifen. Mechthild steht auf, auch er versucht es, und das Blei in seinen Beinen scheint plötzlich geronnen. Sie gehen noch einmal an der Stelle vorbei. Schwarze Federn liegen verstreut um den Kadaver herum. Er will noch einmal den Kopf des Kormorans sehen, seine toten Augen. Doch Mechthild zerrt an seiner Hand. Auf dem Uferweg leuchtet ihnen purpurrot die Abendsonne entgegen. „Endlich ein Mann mit Gefühl!“, hört er die Frau an seiner Seite sagen.

 
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Hallo @A. Martin,

wie schon von dir angekündigt, also auch eine Datingstory.
Ich finde die Geschichte flüssig geschrieben und von daher gut lesbar. Die Stellen, wo ich etwas gestutzt habe, zeige ich dir noch gleich auf.
Was mich an dieser Story gestört hat ist, dass ich nicht so genau verstanden habe, was du berichten wolltest.
Mir kommt es so vor als sei dein Protagonist schon von Anfang an etwas lustlos bei der Sache. Auf jeden Fall haut ihn diese Frau nicht um und am Ende wirkt es erst recht so als sei sie diejenige, die ihn gut findet, aber er ist innerlich schon längst woanders.
Aber du hast auch beide Figuren so angelegt, dass sie nicht sehr enthusiastisch wirken.
Sie wirken auf mich wie zwei Langweiler.
Gerade in diesem Fall stellt sich dann die Frage, ob er von vorne herein noch nicht wusste, was er sucht oder es zwischendrin verliert?

Was mir auch nicht gefallen hat, ist das sehr breit angelegte Erzählen. Du berichtest viel, aber die Handlung selbst kommt nicht recht voran. Hartmut und Mechthild bleiben etwas blass charakterlich. Bei ihr weiß ich, dass sie leicht zusammen zuckt und er auch. Beide scheinen nicht unattraktiv zu sein, er scheint auch etwas betuchter zu sein, weil du gewisse Statussymbole erwähnst.
Was mir auffällt ist, dass du zwar auch etwas wörtliche Rede hinein gewoben hast, aber die paar Sätze, die gesagt werden, bringen weder Erkenntnisse über die Figuren zu Tage, noch
bringen sie die Handlung voran oder bauen gar noch Spannung auf.
Somit ist die gesamte Geschichte eher eine in einem ganz ruhigen Fahrwasser.
Ich glaube, an der Schraube in puncto Spannung erzeugen und einen wichtigen handlungsreichen Dialog führen kannst du noch schrauben. Dadurch würde deine Geschichte gewiss gewinnen.

, erinnert er sich an den Ausspruch einer früheren Bekannten und schaut amüsiert ins Waschbecken herunter.
Wenn ich mir das bildlich vorstelle, frag ich mich: hängt "er" jetzt im Waschbecken? Oder daneben? Ich habe jetzt kein Bild vor Augen.
trübsinnig … Noch ein let
Wozu diese Punkte?
r Mitte fünfzig … Nur die
Wozu diese Punkte?
lück bei … „Rendezvou
Wozu dieses Punkte?
Er biegt nach links in die schmale Stichstraße ab und sieht schon die hohen Platanen am Treffpunkt. Für das erste Treffen schlägt er immer den kleinen Park vor, verkehrsgünstig gelegen und zugleich wenig frequentiert. Er erkennt den Herrn mit dem strengen Gesicht aus der Kaiserzeit, der in der Mitte des Parks auf einem Sandsteinsockel steht. Hartmut geht nicht direkt auf ihn zu, sondern hält sich weiter rechts, wo auf einer leichten Anhöhe ein paar Büsche stehen.
Diesen ganzen Absatz würde ich streichen, weil er rein gar nichts zum Fortgang der Geschichte beibringt.
„Mögen Sie Wasser?“, fragt er Mechthild,
Ich kenne, ehrlich gesagt, kein Datingportal, bei dem man sich siezt. Aber auf de anderen Seite ist es gar nicht schlecht, dass sie es tun, weil dadurch ihre Steifheit und Distanz zueinander deutlicher wird.
Der Ort der ersten Begegnung sollte nicht zu viele Reize bieten und wiederum nicht zu ruhig sein.
Jaaa, aber wieso. Genau das möchte der Leser doch ganz gerne wissen und zwar, weil er sich durch das Lesen erhofft, selbst es mal genau perfekt zustande zu bringen, so ein Date.
Genau diese Fragen beantwortest du nicht.
, sagt Hartmut und entlockt seiner Begleitung ein erstes Lächeln.
Welches er eigentlich nicht sehen kann, weil sie eine Maske aufhat. Also müsstest du vielleicht an dieser Stelle es über ihre Augen erkennen?
weiterzureden
Ich bin mir nicht sicher, ob es so richtig geschrieben ist.
Er will weiterzureden von Theater, Konzerthaus, den Wander- und Ausflugszielen, da unterbricht ihn ein undefinierbarer Laut. Er kommt aus der nächsten Umgebung. Verstört schaut Hartmut sich um, Mechthild ist zusammengezuckt. Er folgt ihrer Blickrichtung und entdeckt am Flussufer ein vogelähnliches Wesen. Es hat schwarzes Gefieder und einen gelben Schnabel, mit weit aufgerissenen Augen verharrt es auf der Stelle. Er bemerkt, wie ein Impuls durch Mechthilds Körper geht. Gleich, denkt er, wird sie aus einem Mutterinstinkt aufstehen und zu dem kranken Vogel gehen. Er deutet eine Handbewegung an, um sie zurückzuhalten. Seine Hand auf ihr Knie zu legen, traut er sich noch nicht. Zu seiner Erleichterung bleibt Mechthild sitzen. Er beobachtet, wie ein Paar vorsichtig auf das Tier zugeht. Beide gehen in die Hocke, studieren den Vogel, reden leise miteinander, ihre Gesichter wirken ernst. „Man kann da gar nicht hingucken …“, sagt Mechthild und guckt trotzdem hin. Ihm fällt ein, dass er auf seinem Smartphone eine App zur Vogelbestimmung hat, vielleicht kann er sie damit ablenken. „Schwarze Flügel, gelber Schnabel“, murmelt er und entdeckt endlich den Vogel mit der passenden Beschreibung. Er liest ihr den Text vor: „Die Rufe des Kormorans sind kehlig und krächzend: 'chroho-chrohochro-ho'. Die Weibchen steuern ein hohes 'flii-flii-flii' bei.“ Unter normalen Umständen hätte das seine Begleitung belustigt, jetzt bleibt Hartmut selbst das Lachen im Halse stecken. Dieser Kormoran würde wohl keinen Laut mehr von sich geben. Ein Gedanke springt ihn an, dass das junge Tier bald sterben könnte, hier vor ihren Augen. Er steckt das Gerät weg und wendet seinen Blick zum Fluss. Ein schwer mit Schrott beladenes Schiff tuckert langsam abwärts. Ein Segelboot scheint sich in die Fahrrinne verirrt zu haben, und der Schiffsführer warnt den anderen durch lautes Hupen. Der Frachter ist schon eine Weile vorüber, da schwappen Wellen ans Ufer. Sie treten gefährlich nah an das kranke Tier heran. Der Kormoran rührt sich trotzdem nicht vom Fleck. Er stellt sich vor, wie ihn die Wellen erfassen und in den Fluss reißen.
Dieser ganze Absatz handelt nur davon, dass beide einen tödlich verletzten Vogel entdecken und bringt der Handlung zwischen den beiden kaum inhaltliche Vorteile.
Mir kommt es auch wie ein riesig angelegtes Ablenkungsmanöver vor. Er will eigentlich nicht mehr und sie auch nicht, was bietet sich da an? Ablenkung.
Er fragt sich, ob Mechthild Kinder hat und drückt die Frage wie einen unerwünschten Anruf weg.
Weshalb tut er es?
. Er fragt sich, was er eigentlich hier zu suchen hat, vor dem geschundenen Tierkadaver und neben der fremden Frau. Am liebsten würde er jetzt aufstehen und alles hinter sich lassen.
Das kommt jetzt aber sehr unvermittelt für mich. Ja, aber genau diese Frage stelle ich mir schon von Anfang an. Was sucht er eigentlich?
Mechthild steht auf, auch er versucht es, und das Blei in seinen Beinen scheint plötzlich geronnen.
Hier wählst du deine Formulierung, die ich nicht verstehe. Blei in seinen Beinn ist wie geronnen? Was genau ist da mit ihm passiert?
„Endlich ein Mann mit Gefühl!“, hört er die Frau an seiner Seite sagen.
Das kommt auch sehr unvermittelt und überraschend und ist eigentlich der spannendste Satz in diesem Text.

Es tut mir leid, dass ich nicht ins Jubeln gekommen bin bei deiner Geschichte.
Wenn ich diese und die andere einmal gemeinsam betrachte, komme ich zu der Vermutung, dass du viel zu viel dem Leser mitteilen möchtest, aber genau damit das Gegenteil erreichst.
Dass du mit Worten gut umgehen kannst, mag ich dir gern bescheinigen. Jetzt fehlt (nur) noch ein spannungsgeladener Plot und im Umgang mit Worten der allerkürzeste Weg zum Geschichten ende.

Lieben Gruß

lakita

 
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Hallo @A. Martin, ich fand deine Geschichte ganz gut, allerdings ist sie für mich nicht so ganz lebendig geworden. Ich glaube, das liegt einerseits am Tempo, das ein wenig zu schleppend ist, vor allem, nachdem der Mann das Haus verlassen hat.

Andererseits, und das ist bedeutender in meinen Augen, wechselt der Ton der Erzählung für mich zu stark. Anfangs ist sie fast wie eine Parodie geschrieben. Der Mann arbeitet im Marketing, wo man Wasser neu definieren will. Das ist nicht wirklich gewitzt, muss ich sagen, sondern klingt nach einem ersten Einfall, um die Absurdität der modernen Arbeitswelt zu zeigen. Das geht besser, denke ich. Lustig fand ich, wie er den Parvenu nachäfft, das war überraschend und ungewöhnlich.

Auf dem Weg zum Date wirkt der Mann dann neutral selbstreflektiert, würde ich sagen, und analysiert recht abgeklärt die Situation. Am Ende schliesslich verfällt er in eine Art Melancholie.

Ich sage nicht, dass solche Stimmungswechsel per se schlecht bzw unglaubwürdig sind, aber irgendwie ist mir das in dieser Story zu unvermittelt passiert und war auch vom Erzählduktus zu absolut. Der Mann war ja nicht anfangs "ausnahmsweise gut drauf", woraus man schließen könnte, dass er es sonst nicht usw. So ist es für mich in dieser Form schwer, mir den Mann vorzustellen.

Da er ja anscheinend im Job zu kurz gekommen und irgendwie einsam ist, würde ich persönlich ihn von vorneherein klar melancholisch zeichnen und das auch im Stil der Erzählung beherzigen.

Die makabere Wendung der Ereignisse hat mir hingegen sehr gut gefallen. So etwas ist absolut mein Ding: Tod, Ekel, Gewalt, kurz: die Natur bricht plötzlich die Fassade der Kultur auf - das ist geradezu mein Libelingsthema :-)

Also, insgesamt ganz gern gelesen, aber kann noch konzentrierter und konsequenter erzählt werden, das wäre mein Fazit.

VG, HK

 
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Hartmut atmet tief durch. Einerseits erleichtert, denn Mechthild hat die Vergangenheitsform benutzt, andererseits ...

Klar, muss der Titel an Gabriel García Márquez’ „… Liebe in den Zeiten der Cholera“ erinnern, aber schon der Unterschied der Präpositionen bedeutet einerseits den Rückblick oder gelegentlich auch die Vorschau (zu Mittag gibt’s …), während man „in“ einer Zeit, in einem [Ereignis]Raum ist, was Du mit der Wahl der Erzählzeit auch symbolisierst, wodurch ich hier ein erstes Mal stutze, wenn in einem Fluss der Gegenwart das Prät. auftaucht:

Hartmut zieht sich das Headset vom Kopf, hält es eine halbe Armlänge von sich entfernt und lauscht. Woran erinnerte ihn die Stimme des jungen Mannes, der in der Videokonferenz gerade das neue Marketing-Konzept präsentiert? An das gleichmäßige Rieseln in seinem Gartenteich? Nur der näselnde Tonfall passte irgendwie nicht ins Bild. Durch den schmalen Schlitz des gelben Vorhangs lugt ein Stück Maisonne ins Arbeitszimmer.

Dass Du die einfachste Lösung weißt, zeigt sich bereits hier

Hartmut betrachtet die französische Kaminuhr mit dem Carpe-diem-Motiv, die er kürzlich auf einer Antiquitätenmesse erstanden hat.

Du musst - zumindest in den Sätzen, aber wenn's geht, durchgängig die einmal gewählte Zeit beibehalten (außer, Du wärst Zeitreisender ...) Aber auch, wäre es wörtliche Rede – ich hätte kein Wort darüber verloren, so spricht man halt (aber Achtung, ich weiß, dass in der entsprechenden Branche von einer Grammatik der gesprochenen Sprache nicht nur gesprochen wird ...), selbst wenn der Leser weiß, was da gemeint ist -

und damit herzlich willkommen hierorts,

lieber A. Martin!

Und da Corona ja noch weiter „am Leben“ gehalten wird, ist der Satz mehr als denkwürdig

Seit Corona kam es noch mehr auf jedes Detail an.
Schau einfach noch mal selber durch ...

Un weil wir gerade in der "Zeit" wandelten, ein kleine Randbemerkung, denn Konjunktiv II, egal ob potentialis oder irrealis fällt aus der Zeitenfolge raus, also weg mit dem „Gewese“

Wäre er Amtsleiter geworden, hätte er sich nicht so angedient, das wäre unter Hartmuts Niveau gewesen.

Er schlupft in seine hellbraunen Sommerschuhe …
vllt. landschaftlich oder Soziolekt?
Ansonsten umgelautet üblich: schlüpft

Sie hebt kurz ihre Schultern an, als sei ihr letztlich egal.
Besser Konj. II, halt eine Vermutung, die passt oder eben nicht: „als wäre es ihr … egal“

„Passen Sie gefälligst auf Ihren Hund auf“, will er dem Besitzer noch zurufen, …
Klingt das nicht nach mehr als einer bloßen Aussage!

Er will weiterzureden von Theater, …
Da haben vermutlich zwo Formulierungen miteinander gerungen und der Verlierer hinterlässt seine Spur -
warum die Infinitivbildung mitten im Wort?
Ich kann mir vorstellen, dass statt des Modalverbs wollen ein Vollverb (vllt. versuchen) zur Wahl stand ...

Wieder erschrickt ihn ein Labrador, …
er „erschrickt“ zwar, aber er wird „erschreckt“

Mitten in ihrem schaurigen Handwerk hüpft die Krähe davon.
Was ist an natürlichen Ereignissen schaurig?

Wie dem auch sei, bekanntermaßen ist noch kein/e Meister/in vom Himmelgefallen. Was hätte er/sie auch davon- außer einem gebrochenen Genick.

Friedel

 
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Hallo lakita, Henry K. und Friedrichrichard,

vielen Dank für Eure ziemlich unterschiedlich ausgefallenen Kommentare. Jede/r von Euch hat dabei auf einen anderen Aspekt geschaut: Friedrichrichard auf Grammatik und Erzählsprache, Henry K. auf den Protagonisten und lakita auf die Erzählkonzeption. Das aber macht wohl gerade den Reiz der „Wortkrieger“ aus.

Zu Euren Anmerkungen im Einzelnen:

Lakita schrieb:

"Mir kommt es so vor als sei dein Protagonist schon von Anfang an etwas lustlos bei der Sache. (…) Du hast auch beide Figuren so angelegt, dass sie nicht sehr enthusiastisch wirken. Sie wirken auf mich wie zwei Langweiler.“
„Somit ist die gesamte Geschichte eher eine in einem ganz ruhigen Fahrwasser.“

Ich wollte auch keine reißerisch-spannende, sondern eine nachdenkliche Dating-Story schreiben. Hartmut steht, wie u.a. folgender Ausschnitt zeigt, seinem Hobby eher distanziert-kritisch gegenüber:
A. Martin schrieb:
„Doch was war schon normal? War es etwa normal, welcher Beschäftigung er gerade nachging? Während die braven Familienväter sich erschöpft in den Sessel plumpsen ließen, versuchte er sein Glück bei …“
Doch er kann wohl nicht anders, weil er nach seiner Scheidung eben eine neue Partnerin sucht und wohl auch sonst nicht viel Dolles in seinem Alltag erlebt. Hartmuts fehlende Begeisterung macht die Geschichte nicht gerade spannender, das ist mir klar. Auch deshalb muss ich mir wohl noch mehr Mühe geben, seine Motive für den/die Leser/in besser nachvollziehbar zu machen. Danke daher für den Hinweis, auf diesen Aspekt werde ich bei der Überarbeitung mein Hauptaugenmerk richten.
Henry K. schrieb:

„Andererseits, und das ist bedeutender in meinen Augen, wechselt der Ton der Erzählung für mich zu stark. (…) Ich sage nicht, dass solche Stimmungswechsel per se schlecht bzw. unglaubwürdig sind, aber irgendwie ist mir das in dieser Story zu unvermittelt passiert und war auch vom Erzählduktus zu absolut."

Danke, das war mir selbst beim Schreiben gar nicht bewusst. Vermutlich liegt es auch daran, dass Hartmuts Motive nicht greifbar genug beschrieben sind.

Lakita schrieb:

„Was mir auch nicht gefallen hat, ist das sehr breit angelegte Erzählen. Du berichtest viel, aber die Handlung selbst kommt nicht recht voran.“ (…) „Diesen ganzen Absatz würde ich streichen, weil er rein gar nichts zum Fortgang der Geschichte beibringt.“


Henry K. schrieb:

„Also, insgesamt ganz gern gelesen, aber kann noch konzentrierter und konsequenter erzählt werden, das wäre mein Fazit.“

Ja, da habt Ihr wohl beide recht, die Geschichte ist noch nicht straff genug nach vorn geschrieben.

A. Martin schrieb:

„Der Ort der ersten Begegnung sollte nicht zu viele Reize bieten und wiederum nicht zu ruhig sein.“

Lakita schrieb:

„Genau das möchte der Leser doch ganz gerne wissen und zwar, weil er sich durch das Lesen erhofft, selbst es mal genau perfekt zustande zu bringen, so ein Date.“

... nein, will ich nicht! Mir ging es hier nicht um Tipps für‘s perfekte Daten, auch wenn das für den einen oder anderen spannend ist, sondern um die Darstellung der inneren Lage, die sich aus den Zwängen eines Dates ergeben können. Wenn mir das nicht gelungen ist, muss ich eben daran noch weiterfeilen.

A. Martin schrieb:

„Hartmut entlockt seiner Begleitung ein erstes Lächeln.“

Lakita schrieb:

„Welches er eigentlich nicht sehen kann, weil sie eine Maske aufhat. Also müsstest du vielleicht an dieser Stelle es über ihre Augen erkennen?“

... Du hast Recht, ist mir durch die Lappen gegangen (peinlich!)

Lakita schrieb:

„Dieser ganze Absatz handelt nur davon, dass beide einen tödlich verletzten Vogel entdecken und bringt der Handlung zwischen den beiden kaum inhaltliche Vorteile.
Mir kommt es auch wie ein riesig angelegtes Ablenkungsmanöver vor. Er will eigentlich nicht mehr und sie auch nicht, was bietet sich da an? Ablenkung.“

Das hatte ich eigentlich ganz anders angelegt: Der sterbende Vogel gibt dem ohnehin durchwachsenen Date den letzten Rest. So ist es zumindest für Hartmut. Mechthild dagegen entdeckt in ihrem Begleiter ganz ungeahnte Qualitäten. Sie merkt wohl, dass ihn die Sache mehr aus der Fassung bringt, als er es sich anmerken lassen will, und missversteht dies als Emotionalität. So unterschiedlich können es eben verschiedene Menschen verstehen, die sich noch nicht kennen.

Henry K. schrieb:

„Die makabere Wendung der Ereignisse hat mir hingegen sehr gut gefallen. So etwas ist absolut mein Ding: Tod, Ekel, Gewalt, kurz: die Natur bricht plötzlich die Fassade der Kultur auf.“

Freut mich, Henry, Du bist damit schon deutlich näher an dem dran, was ich hier beschreiben wollte.

Friedrichrichard schrieb:

„Hartmut atmet tief durch. Einerseits erleichtert, denn Mechthild hat die Vergangenheitsform benutzt, andererseits ..“

Danke, Freidrichrichard, für Deine humorige Art, in der Du mir näher gebracht hast, dass die Zeitformen (ist mir auch selbst aufgefallen) und auch sonst einiges sprachlich nicht stimmig ist. Und danke für Deine gründliche Durchsicht.

Zugegebenermaßen etwas geschluckt habe ich, als ich lakitas letzten Absatz gelesen habe. Das hörte sich schon stark einordnend und bewertend an. Vielleicht gehört auch das zu dem konfrontierenden Stil der „Wortkrieger“, aber zum Weiterschreiben bzw. Überarbeiten angeregt hat es mich jedenfalls nicht. Auf empfindlichere Pflänzchen kann sowas auch mal demotivierend wirken.

Da hat mir Friedrichrichards Kommentar schon mehr zugesagt:

„Wie dem auch sei, bekanntermaßen ist noch kein/e Meister/in vom Himmelgefallen. Was hätte er/sie auch davon- außer einem gebrochenen Genick.“

… und das wollen wir mal nicht, gelle?

Für den großen konstruktiven Rest ein ganz herzliches Dankeschön! Ich habe nun auch wieder den Mumm, den Text gründlich zu überarbeiten.

Liebe Grüße,

A. Martin

 

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