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Maywheater – Eine Fabel

Beitritt
19.01.2008
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Maywheater – Eine Fabel

Mayweather – Eine Fabel

Phil fingerte an seinem zwickenden Schlüpfer herum. Er war ihm schon immer zu klein, aber er mochte ihn so, denn Clarissa hatte ihn ihm geschenkt. In seinem dunklen Zimmer liegend, es war schon Zeit, sah er, durchs Fenster, der Sommersonne beim Untergehen zu. Im Flur war jemand. »Bobby?« Hastig richtete er sich auf und sah zur Tür. Mutter schob sie sanft auf und blickte, mit ihrem Madonnengesicht, ins Zimmer. »You should really try to sleep now.« Sie trat ein, setzte sich ihm zur Seite und sah ihn lange an. »First you have to read some to me«, bat er fordernd, mit schmalen Augen und kuschelte sich wieder in die dünne Decke, »Please, I’ll fall asleep for sure.« Sie nahm eines der vielen Märchenbücher von seinem Nachttisch. »But not…«, versuchte er noch. »You know, you have to improve your German«, wehrte sie ab und spreizte die Finger auf dem großen, flachen Buch. »No«, brummte er noch trotzig, aber es klang wie: »I know.« Mit dem Lesebändchen schlug sie das Buch auf und begann genau dort, wo sie geendet hatte, mit ihrer gutmütigen Stimme vorzulesen:

 »…Schwanz sprach der Kater, ›uns ist ein Leben voller Blumen beschert worden und du meinst dich ausruhen zu müssen‹, im tiefsten Bass. Man sah es in seinen Augen – er sprach sich in Raserei – aber man konnte ihm nicht trauen, vielleicht hatte er wieder von den Käfern im Garten genascht.

 So erlaubte er der aufgehenden Sonne, durch die blutroten Gardinen zu scheinen, ohne das Tier weiter zu beachten und es sogar mit einiger Anstrengung, fast aus seinem Sichtfeld verschwinden zu lassen, sodass er nur noch ein fernes Murmeln vernahm. Dort hausten auch die Ameisen. Manchmal schafften sie es noch ihn zu erschrecken, wenn sie, nach langer Zeit im Unsichtbaren, seine Arme wieder zu ihren Straßen machten. Vielleicht fraßen sie ihn.

 Mit der Zeit gewöhnt man sich daran: Aus den feuchten Hentai-Träumen, eines Otakus, entsprungene Elfen im Vorgarten, an den Nerven zerrende, sich aus keinen Boxen in den Raum ergießende, Musik aus Island, fratzenhaft grinsende Gangräne, denen man, allen zusammen, nur kurz und hochironisch, einen guten Morgen wünscht, wenn man nach draußen, zu der verschleimten Zeitung watet. Surreales hält tosenden Einzug in unser Leben, wenn es uns als einen Schwächling erkannt hat. Dann stürmt es, die mehr oder minder bewachten Tore des Verstandes, mit seinen andalusischen Hunden und Divisionen von verflüssigten, meist fliegenden Abstraktionen und brandschatzt die erste Zeit, bevor der Wiederaufbau beginnt. Frauen und Kinder zuerst, denn es ist ja auch kaum einer mehr da.

 Bobby lieferte Zeitungen aus, wie er es jeden Sonntag tat, denn er lieferte die -szeitung. Wie er es im Fernsehen gesehen hatte, warf er sie gegen die Haustüren, wenn er traf. Eine flog gegen das Fenster und schreckte den fetten Kater auf. Seine Behäbigkeit ließ ihn den Schreck einige Sekunden aufschieben, um sich erst dann, als er wusste, dass seine alte Blase erschüttert war, aufzumachen und den Hanf zu wässern.

 Zwischen den Hinterbeinen tauchte der Wasserfall alles in waberndes, goldenes Licht. Und in dieser magischen Stimmung, saß er, im halb verbrannten Sofa versunken, vor dem Fernseher und war schon wieder im zweiten Weltkrieg.

 Rauchschwaden versperrten die Sicht, aber es war klar, was vor sich ging. Sergeant n00bKi11or schälte sich als erster heraus. Kurz schämte er sich seiner eigenen Fantasie, für diesen Namen, bis man ihn lauthals die bewährten Propagandaphrasen brüllen hörte. Noch eine knappe Minute. Aus dem nahen Bunker heraus, mähte Soldat Hein aus Schleswig, wie daheim seinen Acker, mit ruhigen Zügen, die ersten feindlichen Reihen nieder. Im Graben, bei den Leichen die noch nicht zu sehr stanken, suchte er sich währenddessen ein gemütliches Plätzchen und wartete auf sein Date. ›Das ihr auch immer kommen müsst,‹ brüllte er, sich dafür kurz aus seinem Versteck erhebend, ›wenn ich mal ’was Gutes sehen will.‹ Mayweather stöhnte kurz auf, als er, aus dem Stand, auf ihn plumpste. Wahrscheinlich hatte ihn wieder das Schrapnell erwischt. ›Du lernt es nicht‹, aber er war schon ruhig. In seinen Taschen nach den Kaugummis kramend, fand er ein Foto von Lilly.

 Das war neu. Es war etwas zu freizügig für diese Zeit und ihre Kokosnüsse erinnerten ihn daran, dass er, statt an einem Südseestrand, immer nur in der Normandie lag. Da fiel der Schatten der Superwaffe auf ihn und er nahm einen Schluck aus dem Flachmann. Noch an der Flasche, schaute er gelangweilt auf. Eva hatte es immer nur auf ihn abgesehen. Eine junge Kidman oder Missy, seine Nachbarin, die ihm mal gefälligst einen Kuchen backen könnte. ›Traum oder Wirklichkeit‹, dröhnte es fragend und ›ja, ja‹ scholl es zurück, als Ausdruck dessen, dass es ihn nicht interessierte. Frau Braun trat sein Lebenslicht aus, wie eine ihrer Zigaretten und schlenderte zurück ins Landesinnere, ohne auf die Maschinengewehrsalven zu achten, bis die roten Punkte ihres luftigen Sommerkleides im Nebel des Krieges verschwanden.

 Noch bevor er die Augen öffnen konnte, schüttelte er den Kopf vor dieser Absurdität und exte den Flachmann. Natürlich lief auch nichts mehr, also ließ er es laufen, schubste das Tier vom Schoß und ging in sein Zimmer.

 ›Schau mal‹, wünschte sich seine Schwester, mit ausgestreckten Armen und den frischen Blumen in den Händen, die ihr Bobby in die Zeitung gelegt hatte. Der Kater blieb stehen, setzte sich und legte den Kopf schief. ›Ich bin ein Baum‹, erklärte sie. ›Hör auf mit der Katze zu sprechen‹, gab er zurück und warf die Tür zu.«

 

Hallo Dada!

Ich denke, dein Text hat ein grundlegendes Problem: Er ist kein Text, sondern zwei halbe. Du beginnst mit einer Gesichte von einem Jungen, der, aus welchem Grund auch immer, sein Deutsch verbessern soll und springt dann mitten in ein Märchen oder teilweise eher in einen philosophischen Text, der ziemlich wirr ist - nein, wenn ich das sage, dass es ein halber Text ist, übertreibe ich, denn das "Märchen" besteht aus ziemlich vielen Versatzstücken, so dass ich nicht im geringsten folgen kann.
Also nichts für mich.

Grüße
Chris

 

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