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26.03.2026
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Anmerkungen zum Text

Hallo zusammen,

ich bin neu hier und habe neulich Kurzgeschichten für mich entdeckt. Normalerweise male und zeichne ich eine Menge und habe daher wenig Zeit zu schreiben.
Die letzte Zeit hat mich jedoch sehr mitgenommen und ich hatte plötzlich den inneren Drang, einfach zu schreiben.
Ich bin nicht gerade spirituell veranlagt, deshalb hat mich diese Wucht, mit der dieser Wunsch nach mehr in mir aufkam, ganz schön überwältigt.
Ich veröffentliche meinen Text hier und fänd es lieb, wenn ihr mir sagen könntet, ob ich bei der Schreiberei bleiben kann, oder ob ich völlig auf dem Holzweg bin.
Es würde mich freuen, wenn ich von euch lernen dürfte.

Michelle.

Ich sitze im Pausenraum. Das Blau erschlägt mich. Der blaue Linoleumboden. Die blaue Arbeitsfläche. Die blauen Stühle. Blau. Als wären wir Goldfische in einem riesigen Glas. Seit dem Cyberangriff ist alles still. Keiner weiß, wo unser Chef ist und wie es weitergeht. Wir sitzen nur da und warten auf Neuigkeiten. Dann hört man etwas. Erst hört es sich wie ein Streit an. Jedes Geräusch klingt in der Stille wie eine kleine Explosion. Kurz darauf treten ein paar Polizisten in den Raum. Sie schwappen in unser Glas, wie eine Welle in der Brandung. Wir sollen einzeln befragt werden, sagt eine Beamtin. Kurz darauf findet sich jeder von uns in einem anderen Raum wieder. Allein. Es fühlt sich an, als hätte man uns aus unserem Glas gerissen und uns ginge langsam der Sauerstoff aus. Die Luft im Raum fühlt sich schwer und bedrohlich an. Dann kommt sie plötzlich in meinen Raum. Eine junge Beamtin. Ihrem Alter nach zu schätzen, dürfte das hier ihr erster richtig großer Einsatz sein. Ihre Bewährungsprobe. Damit haben wir schon mal etwas gemeinsam, denke ich. Unsere blicke treffen sich. Ihr warmer Blick löst ein Prickeln in mir aus. Als hinge noch ein Angelhaken an meinem Bauchnabel und jemand zöge daran. Wir schauen beide kurz weg. Sie stellt sich vor und teilt mir das weitere Prozedere mit. Ich lasse mir nichts anmerken und bleibe professionell. Sie fragt meine Personalien ab und fragt mich, welche Aufgaben ich im Unternehmen habe. Während ich ihr erzähle, dass heute mein erster Tag ist und ich in der Anwendungsentwicklung tätig bin, fühlt sich der Raum wie ein Kochtopf an. Ich werde gegart. Warum muss sie auch so gut aussehen und zugleich so nett sein?! Wahnsinn. Ich bleibe cool. Wir unterhalten uns über das Unternehmen, über meinen Chef und ob ich irgendwas ungewöhnliches im Umfeld beobachtet habe. Ich komme mir vor wie ein Trottel, weil ich ihr keine hilfreichen Antworten geben kann. Sie notiert sich alles, macht ein paar Scherze und lächelt mich immer wieder an. Der Raum scheint mit jeder Minute zu schrumpfen. Die Leuchtstoffröhre in der Deckenlampe lacht mir frech ins Gesicht, während sie ihr kaltes Licht auf mich abfeuert. Ich sehe die Hände, der Polizistin und sehe, wie sie die spärlichen Informationen aufschreibt, die ich ihr geben kann. Alles daran ist perfekt. Die Schrift. Ihre Hand. Ihre leicht gebräunte Haut. Ich fange ein wenig smalltalk an. Meine Nervosität bringt mich um. Wir beide mögen Hunde, so viel weiß ich jetzt. Auch sonst scheinen wir auf einer Wellenlänge zu liegen. Ich kann ihr nicht in die Augen sehen, weil ich weiß, dass ich mich dann darin verliere. Stattdessen schweifen meine Blicke durch den Raum und auf ihre Arme. Warum müssen die Haare darauf so verdammt perfekt sein? Mittlerweile fühlt sich mein Hals trocken an. Ich vertrockne. Mein schützendes Glas ist fort und ich vertrockne ganz langsam. Gleichwohl möchte ich nirgendwo anders sein. Ich erwische mich dabei, wie ich auf ihren Geruch achte. Sie merkt nichts davon. Hoffentlich. Ich will ja nicht wie ein Psychopath wirken. Allmählich nimmt das Gespräch deutlich privatere Züge an. Wir sprechen über Hobbies und Bücher. Über unsere Kindheit. Und da ist wieder dieser Blick. Ihre braunen Augen. Ihre langen Haare, die ganz locker über ihre Schultern fallen. Ich schaue demonstrativ auf ihre Notizen. Da kommt eine weitere Beamtin in den Raum. „Michelle? Bist du hier fertig? Stefan will dich kurz sprechen.“ – Michelle. Wie gesagt, sie ist perfekt. Ich sehe sie an. Diesmal bewusst. Flehend. Plötzlich scheint sie mein Wasser zu sein und ihre Augen sind mein Glas. Verliere ich ihren Geruch, muss ich sterben. Da bin ich mir sicher. Sie nimmt ihren Block und schreibt ihre Telefonnummer darauf. Wenn mir noch etwas einfiele, soll ich mich melden, sagt sie und steht auf. Ich blicke auf den Zettel. Merkt sie denn nicht, dass es um Leben und Tod geht?! Da sehe ich es. Ein kleines Herzchen auf dem Zettel direkt neben ihrer Telefonnummer. Klein, aber deutlich erkennbar. Ich nehme ein Post-it und schreibe meine Nummer darauf. Herzchen inklusive. Ich stehe auf und gebe ihr den Zettel in die Hand. Ich Kollegin steht in der Tür und schaut sie argwöhnisch an „Michelle….“. Die reifere Beamtin ahnt, was bei uns geschehen ist. Wir gehen langsam beide zur Tür und verabschieden uns. Sie geht mit mir die paar Schritte in den Flur und ich sehe schon die Haustür. Kalt. Endgültig. Da nimmt sie ganz zärtlich meine Hand, kaum spürbar. Der Blick sagt alles. Sie zieht mich ganz vorsichtig zu mir. Wir umarmen uns zum Abschied. Respektvoll und mit minimalem Körperkontakt. Für alles andere ist das hier zu frisch. Trotzdem spüre ich ihre Wärme. Ihre Nähe. Ihre Haare umspielen ihre sanften Züge. Ich habe den Wunsch sie zu küssen, aber das gehört hier nicht hin. Ihre Wärme genügt. Ihre Wärme, die sich in mein Herz gefressen hat und dort bleiben wird. Sie ist die einzig Richtige. Ihre Wärme wird bleiben. Wir lösen uns vorsichtig voneinander und als ich mich zum Gehen wende, weiß ich, dass wir uns wiedersehen werden. Sie ist mein Herz. Sie ist mein Leben. Wir sind eins. Ich liebe sie.

 

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