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Nimm den Schlüssel

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15.02.2026
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Nimm den Schlüssel

Im Zentrum steht ein junger Mann, der im Leben zutiefst unsicher ist. Aus Verzweiflung hat er einen defensiven Schutzmechanismus entwickelt, der durch seinen Charme und seine selbsterzeugte Armut zum Vorschein kommt. Die Themen sind hart und bewusst sozialkritisch gewählt. Ich glaube viele können sich mit john miller identifizieren.

Ich habe es satt, immer wieder dieselben Protagonisten auf Netflix, in modernen Filmen oder Büchern zu sehen. Ich will endlich etwas wie Breaking Bad – eine Story, in der die Psyche des Charakters wirklich ausgeleuchtet wird.

Ich schreibe über Dinge, die man nicht vorhersehen kann. Nichts Typisches, kein Fantasy-Abklatsch, sondern ein Genre, das noch nicht von jedem fünften Autor durch genommen wurde hahaha.

Das ist mein Stil. Viele sagen mir, dass darin zu viel hintereinander passiert – aber das ist mir egal, ich stehe dazu. Ich bin davon überzeugt, dass es gut ist, möchte aber jetzt wirklich ehrliche Meinungen von Leuten hören, die Ahnung haben.


Überall leuchteten Hologramm-Schilder: Restaurants, Boutiquen, Musik und Menschen, die Zeit und Geld hatten. Das Viertel hieß Aurora Heights – der Name klang wie ein Versprechen, und tatsächlich fühlte sich jeder Schritt an wie eine Einladung in eine andere Welt.

Der Boden bestand aus schwarzem Glasasphalt, der die Neonlichter wie flüssiges Wasser spiegelte. Autos glitten lautlos vorbei, ihre Karosserien wie flüssiges Metall. Menschen stiegen aus, deren Kleidung mehr kostete als Johns Jahresmiete.

„Hast du Hunger?", fragte er.

„Von mir aus können wir was essen", sagte sie zögernd. „Aber nichts Besonderes."

Er blieb kurz stehen. „Warum nichts Besonderes?"

Sie lächelte unsicher. „Weil hier alles teuer ist. Ich will keine Last für dich sein."

„Gar kein Problem", sagte er, obwohl er innerlich kurz rechnete. „Heute ist ein Date. Heute essen wir wie reiche Paare."

Sie standen vor ORIGIN PRIME – Dining Beyond Status. Drinnen war es warm, dunkel und elegant. Ein Android-Kelllner kam

„Haben Sie reserviert?"

„Nein."

„Dann fallen lediglich Tischgebühren an."

Kayla beugte sich zu ihm. „Fürs Sitzen bezahlen... das ist schon krank."

John presste die Lippen aufeinander. „Entschuldigen Sie... warum fallen Tischgebühren an? Der Tisch ist doch frei."

Der Kellner lächelte ruhig. „Bei Origin Prime bereiten wir jeden Tisch individuell vor: Licht, Schwebeplattform, Holo-Projektionen, Service-KI – alles wird auf den Gast abgestimmt. Wer reserviert, profitiert von der Komplettvorbereitung ohne Extrakosten."

„Und Stammgäste?"

„Stammgäste besitzen unsere Premium-Mitgliedschaft." Der Kellner machte eine einladende Handbewegung. „Keine Tischgebühren, bevorzugte Plätze, persönliche KI-Assistenten."

Kayla zupfte an Johns Ärmel. Leicht. Aber er spürte es wie einen Alarm.

Er drehte sich nicht zu ihr um.

„Schreiben Sie die Gebühren auf die Rechnung", sagte er fest.

Der Kellner projizierte die Karte auf den Tisch.

John starrte auf die schwebenden Menüpunkte.

**Spicy Street Plate – 395 Credits**
**Elite Origin Plate – 520 Credits**
*Status, den man schmecken kann*

Ein Burger in den Docks kostete 30 Credits.

„Was... was ist das für Fleisch?" Johns Stimme klang beiläufig.

„Bei der Elite Plate verwenden wir Wagyu-Rind, Sir. Sehr selten, mit außergewöhnlicher Marmorierung."

„Ah. Wagyu." John nickte, als würde er das täglich essen.

Kayla beugte sich näher. „John..."

„Ja?"

Sie senkte die Stimme. „Das... das ist viel."

„Wir sind hier, oder?" Er lächelte, aber seine Kiefer waren angespannt. „Dann essen wir auch hier."

„Aber–"

„Vertrau mir."

Ihre Augen suchten seine. Er hielt ihren Blick stand, bis sie wegschaute.

„Wir nehmen die Elite Origin Plate", sagte John zum Kellner.

Kayla zuckte zusammen. „Bist du krank?"

John lachte. Zu laut. „Keine Sorge. Sie ist nur schüchtern."

Der Kellner lächelte höflich. „Was möchten Sie trinken?"

Die Getränkekarte erschien.

**Gefiltertes Luxuswasser – 25 Credits**

**Holo-Cocktail – 120 Credits**

John spürte, wie sein Puls schneller wurde. Unter dem Tisch hielt er sein Handgelenk. Das Armband vibrierte nicht. Noch nicht.

„Für mich nur Wasser", sagte er schnell.

Der Kellner wandte sich an Kayla.

Sie zögerte. Ihr Blick glitt über die Bilder der funkelnden Drinks, dann zu John.

„Einen Holo-Cocktail", sagte sie leise.
Das Essen kam.
Kayla filmte es sofort. Ihr Armband projizierte das Bild in die Luft, während sie den Text eintippte:

**Date Night im Luxus – Elite Origin Plate 🍽✨ #AuroraHeights #DateVibes**

John sah zu, wie sie den perfekten Winkel suchte.

„Schon wieder Social Media?" Seine Stimme klang müder als beabsichtigt.

„Klar. Jeder Moment muss verewigt we

Er schnitt ein Stück vom Fleisch ab. Es war perfekt. Zart. Fast zu zart.

„Schmeckt gut", sagte er.

„Ja." Kayla kaute langsam, genießend. „Das ist echt... wow."

Sie aßen schweigend.

Dann lehnte sie sich zurück. „Ehrlich gesagt... das ist besser, als ich es mir vorgestellt habe."

„Siehst du." John legte das Besteck ab. „Es geht nicht nur ums Essen. Es geht darum, das Beste aus dem Leben zu holen."
Die Rechnung kam.

Der Kellner kam
. „Wie möchten Sie bezahlen?"

John aktivierte sein Display. Die Zahl erschien:

715 Credits

Sein Magen verkrampfte sich.

Er wählte den Kreditmodus. Split-Zahlung: Hälfte jetzt, Hälfte nächsten Monat.

Das System dachte nach. Dann:

**TRANSAKTION GENEHMIGT**

Sein Liquid-Wallet fiel auf einen zweistelligen Betrag.

Er atmete unauffällig aus.

John nickte überheblich. „Ach ja, Wagyu, stimmt. Wie konnte ich das vergessen. Die Rinder kommen aus Brasilien."

Der Kellner zögerte. Kaum merklich. „Ja... genau, Sir. Aus Brasilien."

Am Nebentisch kicherte jemand leise.

John scrollte schnell weiter.

**TRANSAKTION ABGESCHLOSSEN**

Kayla beugte sich über seine Schulter. „Zeig mir mal die Rechnung."

Er ließ das Display dunkel werden. Zu schnell.

Kayla hatte die Zahlen gesehen. Sie sagte nichts.

„Du machst wirklich alles, um Eindruck zu schinden, was?"

John verzog das Gesicht zu einem Grinsen. „Ein bisschen... aber es geht mir um den Moment. Nicht die Credits."


Die kühle Luft traf sie wie eine Ohrfeige. John zog sein Jacket enger. Kayla verschränkte die Arme.

Sie gingen schweigend.

Das Klacken ihrer Absätze auf dem Glasasphalt. Das Summen der vorbeigleitenden Autos. Neon spiegelte sich in Pfützen.

„Sag mal..." Kayla brach die Stille. „Warum sind wir hierhergekommen?"

John blickte geradeaus. „Weil du Hunger hattest."

„Nein. Ich meine... warum **hier**?"

„Weil es schön ist."

„Ja. Schön teuer."

John blieb stehen. „Fängst du jetzt wieder damit an?"

„Womit?"

„Mit den credits

Kayla lachte ungläubig auf. „John, du hast gerade über 700 Credits ausgegeben."

„**Wir** haben über 700 Credits ausgegeben."

„Oh, jetzt bin **ich** schuld?" John drehte sich zu ihr um. „Du hast die ganze Zeit Fotos gemacht. ‚Date Night im Luxus.' Du warst diejenige, die es posten wollte."

Kayla wich einen Schritt zurück. „Das ist nicht fair."

„Was ist nicht fair?"

„Dass du mir das jetzt vorwirfst. Als ob ich dich gezwungen hätte."

„Habe ich das gesagt?"

„Du hast es gemeint."

„Kayla–"

„Du hast das teuerste Gericht bestellt, John. Nicht ich. Das war **dein** Ego."

Die Worte hingen in der Luft wie eine Klinge.

John starrte sie an. Sein Kiefer arbeitete.

„Mein Ego", wiederholte er leise.

„Ja."

„Verstehe."

Er wandte sich ab und ging weiter.

Kayla folgte ihm, schneller jetzt. „Hey. **Hey.** Red mit mir."

„Was willst du hören?"

„Die Wahrheit. Warum tust du das?"

John blieb abrupt stehen. „Was?"

„Das hier. Diese... Show. Du gibst Geld aus, das du nicht hast.

„Ich tu nicht so."

„Doch. Tust du." Ihre Stimme wurde leiser. „John... ich **kenne** dich. Ich weiß, wie viel du verdienst."

„Dann weißt du ja Bescheid."

„Und ich weiß, dass du das nicht einfach so zahlen kannst

Stille.

John sah auf den Boden. Das Neonlicht malte Muster auf den nassen Asphalt.

„Ich will mehr", sagte er schließlich.

„Mehr was?"

„Einfach... mehr." Er hob den Kopf. „Mehr als das hier. Mehr als die Docks. Mehr als jeden Tag im Kiosk zu stehen und Cheap Dust zu verkaufen."

Kayla trat näher. Ihre Stimme wurde weicher. „Ich verstehe das. Wirklich. Aber–"

„Aber ich soll warten." John lachte bitter. „Ich soll sparen. Ich soll vernünftig sein."

„Ja."

„Für was? Für die Wohnung? Für den Führerschein? Für das Auto Für die verdammte **Zukunft**, die nie kommt?"

„Sie kommt, wenn wir dafür arbeiten."

„Ich arbeite!" Seine Stimme wurde lauter. „Ich arbeite jeden Tag.

Kayla zuckte zusammen.

„Das ist nicht..." Sie schluckte. „Das ist nicht meine Schuld."

„Hab ich das gesagt?"

„Du hast es gemeint."

„Jetzt drehst du mir die Worte im Mund rum."

„Nein. Du weichst aus." Kayla verschränkte die Arme fester. „Du willst nicht zugeben, dass du einen Fehler gemacht hast."

„Welchen Fehler?"

„Heute Abend. Das Essen. Die ganze Scheiße."

„Es war kein Fehler."

„Doch, war es."

„Nein." John trat näher. „Weißt du, was ein Fehler wäre? Mein Leben wegzusparen.
Und zu leben wie ein verfickter mönch

Kayla starrte ihn an. „Was ist los mit dir?"

„Nichts."

„Doch. Irgendwas stimmt nicht."

„Kayla–"

„Du bist anders." Ihre Stimme zitterte leicht. „Seit Wochen schon. Du bist... wütend. Die ganze Zeit."

„Ich bin nicht wütend."

„Doch."

„Ich bin nur müde."

„Wovon?"

John lachte. Es klang hohl. „Wovon?
Bist du blind von mein Leben ich will weg von den Docks

„Und von mir?"

Stille.

„Was?"

„Bist du auch müde von mir?"

„Kayla, das hab ich nicht gesagt."

„Aber du hast es gemeint."

„**Hör auf**, mir zu sagen, was ich meine!" John fuhr sich durch die Haare. „Verdammt. Du drehst mir jedes Wort um."

„Weil du nie sagst, was du wirklich denkst!"

„Gut. Willst du wissen, was ich denke?"

„Ja."

„Ich denke..." Er holte tief Luft. „Ich denke, du stellst Forderungen, aber du tust nichts dafür."

Kayla wurde blass. „Was?"

„Du willst eine Wohnung. Du willst wegziehen. Du willst Sicherheit." Er zählte an den Fingern ab. „Aber **ich** soll das bezahlen. **Ich** soll das organisieren. **Ich** soll die Credits ranschaffen."

„Das ist nicht–"

„Und was tust du?" Er sprach jetzt schneller. „Du sitzt zu Hause. Du postest Bilder. Du beschwerst dich, dass dir langweilig ist."

„Fick dich, John."

„Siehst du? Jetzt wird's ehrlich."

„Nein. Jetzt wird's widerlich." Kayla zitterte. „Du rechnest also auf. Wie ein Buchhalter."

„Ich rechne nicht auf."

„Doch. Genau das tust du."

„Ich sage nur die Wahrheit."

„Die Wahrheit?" Kayla lachte bitter. „Die Wahrheit ist, dass du dich wie ein Arschloch benimmst, weil du **Angst** hast."

John verstummte.

„Ja." Kayla nickte. „Du hast Angst, dass du es nicht schaffst. Dass du immer in den Docks bleibst. Dass du wie dein Vater endest."

„Halt die Fresse." Und red nicht über mein Vater der hat nichts hiermit zu tun

„Und weil du Angst hast, machst du **mich** dafür verantwortlich."

„Kayla–"

„Ist das alles, was ich für dich bin? Eine **Investition**?"

Stille.

Johns Hände zitterten. Er ballte sie zu Fäusten.

„Nein", sagte er leise.

„Dann was?"

„Du bist..." Er suchte nach Worten. „Du bist halt du wir lieben uns und so du weißt schon

„Aber ich kann nicht zaubern", fuhr John fort. „Ich kann dir nicht sofort alles geben. Das Auto. Die Wohnung. Die verdammte Sicherheit."

„Das will ich nicht."

„Doch. Willst du."

„Nein." Kayla wischte sich über die Augen. „Ich will **dich**. Ich will, dass du ehrlich bist. Ich will, dass du aufhörst, so zu tun, als wäre alles okay."

John schwieg.

„Aber das kriegst du nicht hin, oder?" Ihre Stimme brach. „Du kannst nicht zugeben, dass du Hilfe brauchst. Dass wir **beide** Hilfe brauchen."

„Kayla..."

„Wie lange noch, John?" Sie sah ihm in die Augen. „Wie lange soll ich warten?"

„Ich weiß es nicht."

„Das ist keine Antwort."

Solange wie es dauert ich kann nicht in die Zukunft sehen

Sie starrten sich an.

Dann seufzte Kayla. „Okay."

„Okay was?"

„Ich gebe dir noch Zeit." Sie wischte sich die letzten Tränen weg. „Aber nicht ewig."

John nickte stumm.

„Lass uns aufhören zu streiten", sagte sie müde.

„Ja."

Sie gingen weiter zur Bushaltestelle. Schweigend.

Kaylas Hand fand seine. Er drückte sie.

John lächelte schief. „Den Luxus-Teil fandest du schon geil, gib's zu."

Kayla lachte leise. „Wenn wir schon hier sind..."

„Dann geben wir auch mal ein bisschen an."

„Genau."

Er küsste sie auf die Stirn. „ich habe mir das
Ich meine wir haben uns das verdient

„Ja", flüsterte sie.

Aber ihre Hand in seiner fühlte sich anders an. Kälter.

Zischen. Weißer Plasma-Dampf schoss aus den Düsen des VESTOR-SAFE Busses über den nassen Asphalt.
Die Türen glitten auf. Ein Schwall aus kalter, steriler Luft und Ozon traf sie.

John trat über die gelbe Linie.

Vor ihm der Pilot: ZRYX-9. Ein Chrom-Torso, verschraubt mit dem Armaturenbrett.
Kein Gesicht. Nur ein violett pulsierendes Sensorband auf Kopfhöhe.

Ein roter Laserstrahl tastete über Johns Auge. Ein kurzes Brennen auf der Netzhaut.

Der Bass des Androiden vibrierte in Johns Brustkorb:

„Identifiziert. Guthaben: 42,00 Credits. Einstieg genehmigt.“

Sie setzten sich. Hartes, gelbes Plastik.
Der Bus ruckte an. Johns Magen machte einen kleinen Satz nach unten.

Über dem Sitz flackerte das Hologramm auf.
TARIF: 0,85 CR/KM
DISTANZ: 0,1 KM
KOSTEN: -0,09 CR

Johns Blick klebte an den Zahlen.
Sein Armband – der Citizen Core – vibrierte synchron mit jedem Abzug. Ein phantomartiges Kribbeln am Handgelenk.
0,2 km. -0,17 CR.
0,3 km. -0,26 CR.

Er ballte die Faust, bis die Knöchel weiß hervortraten.

Kayla blinzelte. Ihr Blick traf das blaue Flackern über ihnen.

SALDO: 41,15 CR... 41,06 CR...
Sie richtete sich ruckartig auf.

„John. Das rast ja.“ Ihre Stimme war belegt. „Reicht das überhaupt noch für dich?“

John spürte Hitze im Nacken. Er zwang sich zu einem Lächeln. Es fühlte sich falsch an. Wie eine Maske.

„Alles geplant“, log er. „Mach dir keinen Kopf.“

„Aber wenn du auf Null kommst... Kommst du so überhaupt nach Hause?“

„Locker.“ Er tippte auf sein Handgelenk, obwohl die Finger zitterten. „Zweites Wallet. Ich mach nur das hier leer. Wegwerf-Account, weißt du?“

Die Lüge schmeckte sauer auf der Zunge

Kayla musterte ihn. Lange. Zu lange.

Dann ließ sie die Schultern sinken.

„Wenn du meinst.“ Sie lehnte den Kopf wieder an seine Schulter. „Ich hoffe, du weißt, was du tust.“

„Immer.“

Sie schloss die Augen. Ihr Atem wurde gleichmäßig.

John starrte geradeaus.

35,40... 34,55…

Draußen wechselte die Welt. Das aggressive Neon von Aurora Heights verblasste. Wurde zu den sauberen, ruhigen Straßenlampen von Silverwood.

Das Armband vibrierte ununterbrochen. Ein stummer Countdown an seiner Pulsader.
SALDO: 27,55 CR
Der Bus hielt.

„Kayla..." John rüttelte sanft an ihrer Schulter. „Wir sind da."

Sie blinzelte, desorientiert. „Hm? Schon?"

Sie stiegen aus.

Das Haus war hell erleuchtet. Hinter den Fenstern sah man Bewegung. Ihre Mutter, wahrscheinlich.

Kayla drehte sich zu ihm um. „Auf Wiedersehen. Ich liebe dich."

„Ich liebe dich auch."

Sie zögerte. „Und... wie kommst du nach Hause?"

John strich ihr über das Haar. Lächelte. „Mach dir keine Sorgen um mich."

„Aber–"

„Geh schlafen. Alles gut."

Er sah ihr nach, bis sie im Haus verschwand. Das Licht in ihrem Zimmer ging an.

Dann drehte er sich um.

Die Haltestelle war leer. Keine Menschen. Nur Neon und Stille.

John ließ sich auf die kalte Metallbank fallen. Er lehnte den Kopf gegen das Glas der Haltestelle.

Sein Blick fiel auf die Monitore. Überall Werbung.

Dann wurde ein Bildschirm dunkel. Langsam.

Die Musik verstummte. Das bunte Flimmern erstarb. Aus der Schwärze schälte sich eine einzige Schrift:

**DOCO**

Kein Jingle. Kein Lärm. Nur Stille.

Ein Mann erschien. Er stand in einer weiten, sauberen Halle. Im Hintergrund arbeiteten Maschinen – präzise, harmonisch, fast lautlos.

Der Mann war Anfang dreißig. Perfekt sitzender Anzug. Kein Schlips. Er wirkte nicht wie ein Boss. Er wirkte wie jemand, der **Lösungen** hatte.

Unter ihm erschien kein Titel. Nur sein Name:

**MARCUS VEIL**

Er lächelte warm. „Die Welt da draußen ist laut, nicht wahr?"

Seine Stimme war sanft. Fest.

„Sie ist voller Versprechen, die niemand hält. Voller Türen, die verschlossen bleiben."

Er ging langsam durch die Halle. Vorbei an Fahrzeugen, die wie eine Evolution aufgereiht waren.

„Bei DOCO bauen wir nicht einfach nur Autos. Wir bauen das Fundament dieser Stadt."

Er blieb bei einer schwarzen Luxuslimousine stehen. „Wir fertigen den Komfort für die Spitze."

Weiter zu einem Mittelklassewagen. „Wir bauen die Mobilität für die Familien."

Schließlich ein massiver, gepanzerter Polizei-Geländewagen. „Und wir bauen die Ordnung, wenn das Chaos droht."


Veil drehte sich wieder zur Kamera. „Wir suchen keine perfekten Lebensläufe."

Seine Stimme wurde leiser. Vertraulicher. „Wir suchen Potenzial. Wir suchen Menschen, die mehr wollen, aber nie die Chance bekommen haben, es zu zeigen."

Er breitete die Arme aus. Die Halle weitete sich. Tausende Mitarbeiter in makelloser Uniform standen in Formation. Eine Armee aus Disziplin.

John schnaubte leise. „Sklaven", murmelte er. „

Veil sprach weiter. Als hätte er ihn gehört.

„Vielleicht hast du keinen Führerschein."

Ein Bild blendete ein: Ein moderner Wohnkomplex. Das DOCO-Logo.

„Vielleicht hast du kein eigenes Auto. Vielleicht machst du dir Sorgen um deine Miete."

Pause.

„Wir haben die Mittel. Wir haben die Flotte. Wir haben den Wohnraum."

Seine Stimme wurde kälter. Präziser. „Aber wir verteilen keine Geschenke. Wir vergeben **Privilegien**."

„Wir finanzieren deinen Führerschein. Wir geben dir die Schlüssel zu einem unserer Fahrzeuge. Wir geben dir ein Zuhause."

Eine Pause.

„Aber nur, wenn du beweist, dass du es wirklich willst."

Veil trat näher an die Kamera. Die Wärme wich. Zurück blieb kühle Macht.

„Lass dir nicht einreden, dein Ehrgeiz sei falsch. Das ist kein Fehler."

Er fixierte die Kamera. „Das ist dein **Treibstoff**."

John spürte eine Hitze in seiner Brust. Er vergaß die „Sklaven". Er richtete sich auf.

„Dein ganzes Leben lang hat man dir beigebracht, auf die Bremse zu treten."

Veils Blick ließ keine Ausreden zu. „Aber wir wissen beide: Die anderen holen niemals auf."

Pause.

„Sie ziehen dich nur zurück."

Das traf. **Sie ziehen dich nur zurück.**

John erhob sich langsam.

„Bei DOCO entschuldigen wir uns nicht für unsere Stärke. Wir warten nicht auf Erlaubnis."

Veil zog einen Autoschlüssel hervor. Schwer. Mattschwarz. Das silberne DOCO-Auge.

„Siehst du das?"

Er hielt den Schlüssel direkt in die Kamera. „Dieser Schlüssel startet nicht nur einen Motor."

Er ballte die Faust darum. „Er beendet das Warten."

Pause.

„Du sitzt da draußen und wartest, oder? Auf den nächsten Bus. Darauf, dass die Welt dich versteht."

Seine Stimme wurde leise. Eindringlich. „Hör auf zu warten."

Er hielt den Schlüssel hoch. „**Nimm dir den Schlüssel.**"

Der Bildschirm wurde schwarz.

John stand. Sein Atem ging schneller.

„Oha...", entfuhr es ihm leise.

Die Werbung hatte ihn nicht weggeschickt wie der Kredit-Algorithmus.

Seine Verblüffung wich einem scharfen Blick. Die Panik legte sich. Platz machte für etwas anderes. Eine kühle, gefährliche Neugier.

Ein Lächeln zuckte um seine Mundwinkel.

„Interessant."

Ein dumpfes Grollen riss ihn aus der Trance. Der ZRYX-9 VESTOR-SAFE BUS schob sich wie ein gepanzerter Leichenwagen an die Haltestelle.
Bläulicher Plasma-Dampf zischte aus dem Heck.
Die Panzertüren glitten auf.
John stieg ein. Der Geruch von Ozon und kaltem Metall schlug ihm entgegen.

Vor ihm der Pilot: ZRYX-9. Ein Chrom-Torso, verschraubt mit dem Chassis. Das violette Sensorband pulsierte im Takt des Leerlaufs.

Der rote Laser tastete über Johns Gesicht. Ein kurzes Stechen im Auge.

Der Bass des Androiden vibrierte im Bodenblech:

„Identifiziert. Guthaben: 27,55 Credits. Distanz zum Ziel: 30 km. Erforderlich: 25,50 Credits.“
Das violette Licht verengte sich zu einem Schlitz.

„Puffer: 2,05 Credits. Warnung: Kritischer Grenzbereich. Einstieg genehmigt.“

John ließ sich auf den gelben Plastiksitz fallen. Sein Magen fühlte sich hohl an.

Ein alter Mann vor ihm drehte sich um. Seine Haut war grau wie der Sitzbezug.

Er grinste freudlos. „Zwei Credits Puffer? Du tanzt auf der Rasierklinge, Junge. Eine rote Ampel zu viel, und das System schluckt dich.“

John starrte nur auf das Hologramm über ihm.
Der Zähler sprang an.

SALDO: 27,55 CR
-0,85 CR... -1,70 CR…

John schloss die Augen. Er spürte jede Bodenwelle. Jede Vibration kostete Geld.
Er ignorierte den Alten. Er ignorierte das Flimmern.
Dann passierte es.

Ein Schlag ging durch das Chassis. John wurde in den Gurt gepresst. Die Hydraulik kreischte wie ein sterbendes Tier.
Der Bus kam rutschend zum Stehen.
„Was zur Hölle…?“, murmelte der Alte.
Draußen flackerten blaue und rote Warnlichter im Nebel.

Die Stimme von ZRYX-9 dröhnte aggressiv, lauter als zuvor:

„ACHTUNG. TRASSENSPERRE IN SEKTOR VIER. GEFAHRGUTAUSTRITT. NEUBERECHNUNG DER ROUTE.“
Ein eiskalter Schauer lief John über den Rücken. Die Härchen an seinen Armen stellten sich auf.

Das Hologramm über ihm wechselte die Farbe. Von Blau auf ein pulsierendes Rot.
„UMLEITUNG AKTIV.“

„ZUSATZDISTANZ: 8,3 KILOMETER.“
„ZUSATZKOSTEN: 7,05 CREDITS.“
John starrte auf die Zahlen. Die Welt schien sich zu verlangsamen.

Er hatte 2,05 Credits Reserve.
Die Umleitung kostete 7,05 Credits.
DEFIZIT: -5,00 CREDITS
Der Zähler blinkte hektisch.

„INKASSO-PROTOKOLL IN STANDBY. BITTE DECKUNG HERSTELLEN.“

Johns Atem stockte. Das war es. Das war das Ende.

John hob das Handgelenk. Sein Gesicht wurde vom kalten Licht des Displays beleuchtet.

Er wählte die Option sofort Kredit doch wurde abgelehnt

Bonität zu niedrig

„Link, ruf meine Mutter an“, flüsterte er heiser.
Das Hologramm seiner Mutter erschien, sie sah erschöpft aus.

„Brauchst du wieder Geld?“, fragte sie sofort.

John schluckte schwer. Er spürte den Blick des
alten Mannes im Nacken. „Ja ... du weißt,

Mutter, es ist Ende des Monats.“

„Wie viel brauchst du eigentlich?“

„5 Credits“, antwortete John knapp.

„5 Credits?!“, ihre Stimme überschlug sich fast.

„Also bist du wirklich so pleite? Was hast du wieder gemacht, John?“

„Mom, wenn du mir das Geld nicht schickst, muss ich die Sanktion zahlen – 500 Credits! Dad hat mir mein Gehalt noch nicht geschickt, also bitte ...“

„Mein Gott, John, immer das Gleiche mit dir“, erwiderte sie seufzend.
Sie überwies ihm die 5 Credits. Ein leises Pingen an seinem Handgelenk bestätigte den Eingang.

„Danke, Mom! Du bist die Beste“, sagte er hastig.

Sie legte auf, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Das Hologramm erlosch und ließ ihn in der bläulichen Dunkelheit des Busses zurück.

SALDO AKTUELLER KONTOSTAND:

John starrte auf die blinkende Null und flüsterte heiser gegen sein Handgelenk: „Link... sag mir was. Ich hab alles für das Date verballert, die halbe Rechnung kommt noch und ich hab zwei Tage lang nur 0 Credits auf dem Konto. Was empfiehlst du mir?

Das Display flackerte kurz hellblau auf, bevor die KI mit einer Stimme antwortete, die fast schon mitleidig klang – wenn eine KI mitleidig sein könnte.

„Ich empfehle dir, dich die nächsten 48 Stunden nicht mehr zu bewegen, John. Atme flach, denk an nichts und rühr dich erst wieder, wenn dein Gehalt eintrifft. Wenn du Glück hast, verwechselt dein Magen den Hunger einfach mit Langeweile.“

 

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