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Säule

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12.04.2007
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Säule

Säule

Einst lebte in Zazamac ein Mensch, der heilig zu werden beschloss.

Als er sich reif genug fühlte zum Heiligen, ergriff der Mensch eine Leiter, lehnte sie an eine Säule und stieg hinauf. Nachdem er sich auf die Säule gehockt, stieß er die Leiter weit von sich und rief den Gaffern zu, die sich eingefunden hatten:

„Jârâjâ, des künd ich iuch:
der mir sol gevolgen von swiu, swannen, swenne, swie,
der sol hân mêrre dann’ ich mac hân!“,

denn zur Güte fehlte ihm der Kopf.

Dass der Körper nicht verunreinigt werde, verzichtete er auf Nahrung und lebte eine kurze Weil’ nur von Luft und Exerzitien. So konnt’ ihn eines Tages der Wind von der Säule weg in einen Schweinekoben tragen, daselbst er besudelt ward, haben doch bis heut’ Schweine wenig Respekt vor allem, was heilig ist.

Mag sein, dass die Schweine ihn aufgefressen, sicher aber ist, dass niemand genau zu sagen weiß, wo die arme Seele ruht: ob im Trog oder im Stuhl, ob in der Sülz’ oder im Schinken.

Zu jener Zeit fand ein andrer, er habe in seinem Leben nur Monologe und Selbstgespräche geführt, hatt’ er doch zu Wänden und für die Katz’ geredet. Und er fasste seine Erkenntnisse in einem einz’gen Satz zusammen, den er tausend oder mehrmals schreiben ließ, dass darüber ein Buch entstand:

„Unmügelich istz,
daz ieman mac reden
waz nieman reden mac.“

Diese tiefe Wahrheit verkaufte sich gut, dass er von den Erlösen einen Tempel kaufte und sich auf einer Säule niederließ. Freilich blieb er den Menschen verbunden und erhalten: einerseits spendeten seine Jünger reichlich und gut Nahrung und Beifall, andererseits ergoss sich seine Notdurft über alle Welt, ohne dass er ein Wort gesagt hätte.

Da sein Ruhm größer wurde, kam von Zazamac ein Weib, das jammerte:

„Meister, meister, erbarm dich mîn!
Der tiuvel der triute der tohter mîn,
das mîn einiges barn ist gelegen in heimlîche,
daz es mir bereit’ vil bittern smerz.“

Aber der Meister sagte kein Wort, dass sie vor der Säule niederfiel und rief:

„Meister, meister, hilf uns,
daz sie sol der sinne gehaben unde
des tiuvels erlâzen!“

Da er aber schwieg, rief sie erbost:

„Hab undanc, daz dû uns hast geswîchen,
nie mêre deheiner gemüetet mich alsô sêre. –

Jâ, dû bist ein boesez bilde,
ein boesez bilde gibestu –

doch waz tougetz?“, mag sie geschlossen haben.

Da erkannten alle, die dabei standen, dass ihr Glaube groß gewesen, denn von Stund an war sie von ihrem Glauben geheilt, so dass die Legende entstehen konnt’, der Säulenheilige heile und vollbringe Wunder, denn er habe des Teufels Schwiegermutter von der Schwatzhaftigkeit befreit.

Also mehrten sich Ruhm und Gemeinde des Heiligen.

Es wird erzählt, vordem sei er ein lebenslustiger Kerl gewesen, den schweigende Wände eines Besseren belehrten, dass er sein Leben lang das Schweigen lehrte und vorlebte.

Nun ist’s mehr als ein Menschenalter her und die gelehrte Literatur über den heiligen Saulus ist gewaltig angewachsen zu einem Berg theologischer, philosophischer, legendärer und auch märchenhafter Werke, dass es unmöglich geworden, all das zu kennen und zu wissen, was über den Mann und seine Lehre gedacht, gesagt und niedergeschrieben ist.

Aber bei der Säule steht eine Mutter, die lange Zeit zu dem Mann hinaufgeschaut haben soll. Und da sich ihre Augen treffen, spricht sie und fragt, ob er noch ihr Sohn sei. Er aber bleibt stumm und schweigt, dass sie schier verzweifeln will. Da naht sich der vielgerühmte Paulus, den die Frau erkennt und fragt: „Enist der nimmer der sun mîn?“, und Paul spendet Trost und spricht: „Sweic, wîp!

Der man ist niemannens sun, nû în al die werlde besitzet. Aber ieder der will belîben sîner iemer mêre inneclîche unde will entsagen der werlde unt enthalten des wortes unde truwet an îm, der ist ûf der saelden strâzen und mac gewinnen gar daz himelrîch“, und schließt: „Alsus vermîde der rede unde gevolge dem. –

Deist alwâr!“

 

Also Friedrichard,

das ist nun wieder so eine von Deinen *knobelrätsel* Geschichten, bei der zwangläufig eine Weile vergehen muss, ehe ich kommentieren kann. Nur Bruchstücke sind (für mich!) zu erhaschen:
Säulenheilige, die unsäglich wichtig verkünden: „Unmöglich ist, dass jemand sagen kann, was nicht gesagt werden kann.“ An dieser ‚Not-Dürftigkeit’ laben sich dann seine Jünger. So Typen kenn’ ich doch! :lol:

Dann taucht Saulus auf, ‚der von Gott Erbetene’ und wird zum Paulus, dem ‚Kleinen’, vielleicht auch dem ‚kleinlichen’? Darüber und über den Umgang mit den Frauen („Schweig, Weib!“) kann ich, allein schon aus dem Namenswandel (!) reichlich nachdenken …

Zum Schluss dann wieder das unsägliche Nichts:
„Der Mann ist niemandes Sohn, er gehöret aller Welt. Aber jeder, der ihn von ganzem Herzen liebt und der Welt entsagen will, des Wortes sich enthält und ihm traut, der ist auf der Straße der Seeligen und wird das Himmelreich gewinnen“, und schliesst: „Vermeide also die Rede und folge ihm. - Das ist wahr!“

Ein schwieriger Text. Von der Lesbarkeit her in erster Linie, aber das weisst Du ja. :D Vom Inhalt auch.
Ich wünsche ihm trotzdem Leser und Dir noch einen schönen Abend.

Herzlich grüsst Dich,
Gisanne

 

Hallo Gisanne,

schön, von Dir zu lesen.

Die „Bruch“-Stücke, die Du erhaschst, sind doch schon ’ne ganze Menge und vor allem treffend. Dass ich selbst noch keine „Geh-“, äh, „Sehhilfen“ gebe, liegt daran, dass ich inzwischen weiß, dass der eine oder die andere die Sprache der Vorfahren durchaus verstehen kann.

Also sollt' es zunächst ohne Krücken bleiben.

Dennoch:

Dank Dir fürs Lesen vor allem aber für die Mühe unde die groze arebeit.

Gruß

friedel

 

Hallo Friedrichard!

Eine solche Säulengeschichte ist mir doch schon mehrfach begegnet, wenn mich nicht alles täuscht. Damit will ich dir freilich nicht Plagiat oder sowas unterstellen! :)
Ein interessanter Text, ich musste mich erst angesichts der Sprache ein bisschen einlesen, aber ich denke, dass zumindest das ein oder andere bei mir angekommen ist. So verstehe ich die Geschichte auch eher als eine über Scheinheiligkeit und der Unentdeckbarkeit echter Heiligkeit, falls es sie denn überhaupt gibt (ich persönlich denke: Nein), bzw. dass sie in "unvermuteten Dingen" oder in allem liegt (mutete ein bisschen wie Zen an :) ).
Nun, vll liege ich auch mal wieder grandios daneben.

Kleinigkeiten, die mir auffielen, aber vll so gemeint sind, wie sie darstehen, aber ... nun, offene Dinge halt :) :
-

der Sülß’
Sülz', oder?
-
Aber der Meister sagte kein Wort, dass sie vor der Säule niederfiel und rief
MMn: so dass
-
Da erkannten alle, die dabei standen, dass ihr Glaube groß gewesen, denn von Stund an war sie von ihrem Glauben geheilt, dass die Legende entstehen konnt’, der Säulenheilige heile und vollbringe Wunder, denn er habe des Teufels Schwiegermutter von der Schwatzhaftigkeit befreit.
Der Satz wirkt irgendwie ungelenk, z.B. durch das doppelte "dass" und der aus meiner Sicht unterschiedlichen Bedeutung von "Glaube".
-
Aber bei der Säule steht eine Mutter, die lange Zeit zu dem Mann hinaufgeschaut haben soll.
Im Kontext mit dem folgenden Satz erschließt sich mir das "soll" nicht.

Soweit mal wieder von mir.

Beste Grüße

Nothlia

 

Hallo Nothlia,

danke fürs Lesen, vor allem auch das Korrekturlesen.

Fehler werden korrigiert, wobei die „Sülß’“ mir mit „z“ aus erinnerlichen Gründen meiner Anfangszeit allhier schmerzlich ist. Gleichwohl, wat sein muss, dat muss sein! Ob das „dass“ nun als einfache oder zusammengesetzte Konjunktion („sodass, so dass“) genutzt wird, richtet sich m. E. nach dem eigenen Sprachgefühl. Die Varianten ließen sich evtl. in dem „ungelenken“ Satz verwenden. Das nachgefragte „soll“ deutet an, dass Zweifel an der Aussage bestehen, dass (verflixt, schon wieder!) die Mutter lange hinaufschaute.

Mit Deiner Interpretation liegstu weder „grandios“ noch überhaupt daneben.

Für mich wäre interessant zu wissen, wo und wann Dir eine oder mehrere welche ähnliche oder sogar gleiche Geschichte von wem begegnet ist/sind. Auf jeden Fall dank ich Dir schon allein für den Hinweis!

Gruß

friedel

 

Hallo Are-Efen,

ZAZAMA(N)C wird im Parzival und im Nibelungenlied genannt und liegt wie AZAGOUC im arabischen Raum, aber es ist m. W. nicht nachvollziehbar, in welchem Werk der/die Namen das erste Mal auftaucht/-en. Da liegstu also mit dem Vorderen Orient folgerichtig.

Mit Larudan bringstu eine Seite in die Geschichte hinein, an die ich in dieser Weise nicht gedacht hätte: die Freimaurer. Deine Ausführungen sind wohl wahr wie auch der Schluss: „Eine Naturerscheinung kann den Menschen, jeden Menschen eigentlich, inspirieren und erheben, das hier stürzt ihn in den Kot.“ Der Varianten sind einige, zwo werden von mir genannt: der erstgenannte Heilige fällt unter die Schweine, der zwote korrespondiert mit Deiner genannten Variante, indem sich „sich seine Notdurft über alle Welt [ergoss]“.

Dank Dir fürs Lesen und anregende Kommentieren!

friedel

 

Hallo Nothlia,

bisher nur herausgefunden, dass „Säulenheilige“ („Styliten“, griech.) im vierten bis sechsten Jahrhundert „besonders“ in Palästina und Syrien auftraten (Zazama(n)c!). Sie verbrachten ihr Leben auf einer „säulenartigen“, mit dem Erdboden nur durch eine Leiter verbundenen Plattform (griech.: stylos), um drei asketischen Idealen zu folgen: an einem Ort zu verweilen/unbehaust zu sein/vor Gott zu stehen. Die bekanntesten hießen Symeon (was nicht besonders griechisch klingt) d. Ältere (+ 459) u. – logisch – d. Jüngere (521 – 592.

Damit fällt der Kynismus und überhaupt die alte griechische Welt als „Quelle der Inspiration“ aus.

Ich wird weiter schau’n & bin jetzt auf’m Weg nach Porto-gal.

Gruß

Friedel

Ach so –

unter "Säulenheilige reloaded (3/2007)" gibt es quasi eine Parodie von ZEIT-Online:
„Jährlich versammeln sich Zehntausende Mitglieder und Sympathisanten der Linkspartei in Berlin an den Gräbern von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, um die gute Tradition der deutschen Linken zu beschwören…“

 

hallo Friedel,

schon ein bißchen her, dass Du die Geschichte hier reingestellt hast, aber ich habe sie erst jetzt gelesen. Ich habe sie mit meiner religionshistorischen Literatur nicht in Deckung bringen können. Das mag daran liegen, daß

entweder

Du ein neuzeitliches religiöses Phänomen beschreibst,

oder,

daß Du ein religiöses Phänomen aus neuzeitlicher Sicht beleuchtest.

Ich hoffe für unsere alten Heiligen, daß das erstere der Fall ist.

Gruß Set

 

Du brauchst Dich nicht entschuldigen (Deine Einleitung klingt so oder doch so ähnlich),

Setnemides,

schön, dass jemand überhaupt sich fürs "Säule" interessiert, was man ja auch als alemannische/schwäbische Verniedlichung von "Sau" lesen kann.

Ist ja interessant, dass jemand sich für religiöse Phänomene interessiert. Tatsächlich wollte ich über Menschen schreiben, die sich für etwas besseres halten als der Rest der Welt und um so sicherer sind/werden, wenn sie über eine Ideologie/Weltsicht verfügen, der dann andere durchaus folgen, weil für die die Welt einfacher zu werden verspricht. Da lässt sich buchstäblich auf den Rest der Welt schei ... Hab gerad einiges über die fränkische Geschichte (keine Bange, ich beglück euch demnächst nicht mit ahd. oder gar fränkischen Brocken) gelesen und komm aus dem Staunen nicht mehr heraus, mit welcher Hartnäckigkeit Winfried/Bonifatius unbedingt Märtyrer werden wollte. Aber ist es denn nicht bezeichnend, dass der Nazarener wohl die Bergpredigt, aber keine Kirche gegründet hat? Oder Marx gar kein Marxist war?

Gleichwohl hat mir der Ansatz Gisannens gefallen!

Gruß

Friedel

 

Alles richtig,

Are-Efen,

aber dies war usprünglich eine "Gemeinde" ohne festere Organisation, schon gar keine feste Institution wie die Kirche, die erst durch Paulus begründet wurde. Es ist auch zweifelhaft, dss vom Ursprung her eine neue Kirche/Religion begründet werden sollte, selbst wenn dem Nazarener das eine.
oder andere Wort in den Mund geschoben wird, dass eine solche Tendenz erwarten ließe.

Gruß

Friedel

 

Ich bin nicht sicher, ob ich den Inhalt so verstanden habe, wie er verstanden sein will. Mir scheint es fast, als solle die Religiösität der Menschen ein wenig auf die Rolle genommen. Dieses mit der Masse gehen, ohne ernsthaft zu hinterfragen. Wie die Schafe dem Schäfer folgen, ohne zu wissen, wohin er sie führt. Also selbst wenn ich nicht alles richtig verstanden habe, hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen, dass ich sie bis zum Schluß gelesen habe.
Tschüß Bambina

 

Hallo Are,

grüß Dich und herzlich willkommen auf Kurzgeschichten.de Bambina!

Ist doch eine gute Sicht auf den Text, Bambina. Geh einfach mal davon aus, dass ich es liebe, gerne mehrdeutige, statt eindeutiger Texte zu schreiben. Und wenn Du das liest, müsstestu auch noch vorsichtig sein, ob ich es nich ironisch meinte.

Aber im Ernst: es freut mich, dass der Text Dich trotz (oder gerade wegen?) der mhd Passagen Dich in den Bann ziehen konnte.

Dass sich nun bei Are die Texte selbständig machen und ein eigenes Leben beginnen gibt mir zu denken. Wenn dat ma' jut jeht!

Gruß und schönes Wochenende

Friedel

 

Hallo Friedel,

(ja, ich schon wieder).

Wie üblich auch hier ein virtuoser Umgang mit der (den?) Sprache(n), ein thematisch schwer zu thematisierendes Thema aufgegriffen und gekonnt umgesetzt.

Doch leider finde ich keinen rechten Zugang zu der Geschichte.

Heiligenkritik und Ablehnung des "blinden Folgens" sind immer stark interpretationswürdig, so auch hier.

Nicht dass wir uns mißverstehen, grundsätzlich finde ich die Intention der Geschichte (hoffentlich habe ich jetzt nicht komplett fehlinterpretiert und blamiere mich hier gerade) gut, aber für mich funktioniert sie nicht.
Sie schwankt zwischen Satire und Moralvehikel, hat kaum das Eine dem Leser entblößt, so schwenkt Sie gleich dem Anderen zu.

Die Schreibe wie immer genial, der Inhalt mir nicht zugängig.

Doch dies ist nur die meinige Meinung. Ich bin verwöhnt durch viele Deiner übrigen Geschichten, schätze ich.

Lieben Gruß
Dave

 

Hallo Dave,

's scheint mein Schicksal zu sein, schwer- bis unverständlich zu sein. Aber ich lieb nun mal das Mehrdeutige und eigene Interpretationen setz ich sehr sparsam ein, denn oft genug überkommt's mich einfach - und dann muss ich so schreiben, wie ich dann schreibe, obwohl der Kühlschrank in mir eigentlich vorherrscht. Jutta Ouwens (Jutta, verzeih, wenn ich den Namen jetzt falsch geschrieben haben sollte!) hat zur "Selpherriade" bemerkt

>Mensch Friedel,
wenn Schwerverständlichkeit, Sendungsbewusstsein und Meisterschaft in intellektueller Verstiegenheit hier preisgekrönt würden, würdest du immer auf dem Treppchen stehen!!!<,

obwohl die Selpherriade ja nun wirklich zum Pupen einfach ist.

Aber Jutta hat ja nicht unbedingt Unrecht.

Ich dank Dir fürs Lesen, für die Arbeit und das Lob zur Sprache, die übrigens schon mal "mhd." (Mittelhochdeutsch) daherkommt, ahd. lass ich dann mal lieber, obwohl das noch klangvoller (vokalmäßig) wäre.

Gruß

Friedel

 

Yeah, Friedrichard!

Das hat mir richtig gut gefallen. Normalerweise versteh ich ja kein Wort von dem, was Du schreibst. Hier hingegen hab ich immerhin Zazamanc gekannt, und das gleich in der ersten Zeile! Wäre Gamuret nicht so ein Windhund gewesen ... aber weiter hab ich dann wieder nichts verstanden. Oder doch: Die alte Sprache kann ich gut lesen und bilde mir einen Kuchen darauf ein.
Ich frag mich vor allem, warum man rätseln soll. Der Text ist urkomisch. Und tragisch. Und deutlich. Die verschiedenen Säulenheiligen, diese kleinen dichten Geschichten, ich meine: Wenn einer vor Heiligkeit so abmagert, daß ihn der Wind in den Schweinetrog weht, das versteh ich auch so.
Du bist ein Kauz, ehrlich. Tolles Ding!

Lieben Gruß,
Makita (ohne Sekundärliteratur).

 

Gefällt mir, dass's Dir gefällt,

liebe Makita,

und alles ohne Sekundärliteratur (!). Ist es nicht schön, wenn man sich durch die Altvorderen über einen Ort findet? > Der Text ist urkomisch. Und tragisch. Und deutlich,< wenn auch nicht für jeden, wie's scheint. Über den Satz >Du bist ein Kauz, ehrlich<, muss ich alter Hund erst mal nachdenken.

>Tolles Ding!<

Gruß & schönes Wochenende von

Friedel

 

>Wo mag Zazamac liegen? Im Nahen Osten nehme ich an<, schloss Are-Efen am 20. 2.2008 (# 6), und obwohl Makita am 30. Januar d. J. glaubt, mich über Zazama(n)k gefunden zu haben, so kennen wir's allein aus Wolframs Parzival und der Nibelungen Not/dem Nibelungenlied. Da ich gerade eine neuzeitliche Variante darüber lese, nennt Jürgen Lodemann einen konkreten Ort: Samarkand (Lodemann, Siegfried und Krimhild, 2. Aufl., Stuttgart 2002, S. 321), wenn auch mit einem dicken Fragezeichen versehen.

Gleichwohl hat der Name was für sich: Samarkand wurde im 5. Jhdt. vor unserer Zeitrechnung gegründet, war seit der Antike und dem Mittelalter ein bedeutender Verkehrsknoten an der Seidenstraße und ist heute noch ein bedeutendes islamisches Kulturzentrum. Hier spielte sich ursprünglich folgende Geschichte ab:

Um sich für die Untreue der Gattin zu rächen, heiratete der König von Samarkand jeden Abend eine andere Frau und ließ sie am andern Morgen töten. Als die kluge Tochter des Wesirs auserwählt ist, vermag sie den König durch fesselnde Erzählungen von seinem Vorhaben abzuhalten und seinen Sinn letztlich zu ändern. Die Geschichte ist also indischer Herkunft, wurde im 10. Jhdt. übers Persische ins Arabische übertragen. Die kluge Frau nennen wir heute noch Scheherezade, die Geschichte ist die Rahmenhandlung zu tausendundeiner Nacht.

Gruß an alle und frohe Ostern

Friedel

 

Weniger Text.

Das kann man zugleich als Prinzip und Aussage deines Textes nehmen. Er kommt ordentlich verdichtet und geschliffen daher, bietet nette Pointen.
Ist halt durchdacht und verlangt ein wenig Denken.
Das Mhd. der Zitate ist für mich als Nichtgermanisten hinderlich, aber zumindest kein Hindernis. Trotzdem frage ich mich, ob es der Geschichte dienlich ist oder sich im "Sehet her, ich kann´s" erschöpft.
Schließlich stichst du mit deiner Säule ein altes Fass an.
Sie ist eine Variation altbekannter Themen - was nicht schlecht sein muss und es in der Form auch nicht ist. Letztendlich aber muss sie meines Erachtens nicht unbedingt älter daher kommen als sie ist.
Dass sie es tut, erscheint mir als unnötige, da letztlich ohne ersichtlichen Sinn daherkommende Spielerei.

Genug, schweigend:

...para

 

>Weniger Text.<

Hallo ...para,

schön, von Dir zu lesen.

"Verdichtung" als Prinzip hastu schon richtig erkannt, aber ob die Pointen gerade "nett" wären?

Fürs Mhd. braucht's keines Germanistikstudiums (hat der hier tippende Betriebswirt auch nicht hinter sich) und es war wohl nach Deiner eigenen Angabe das Mhd kein Hindernis. Die Vorformen des tiudiscen werden aufgrund ihres Klanges -

(Vokalreichtum: Beispiel Angst > angest (mhd) > angust (ahd)) -

bevorzugt in "alten" Geschichten, wobei das Mhd bereits ein Kompromiss ist, da es dem Nhd näher steht als das - noch klangvollere - Ahd, das dann aber kein Mensch hier mehr verstünde. Es bleibt Dir unbenommen, das alles als Spielerei anzusehen. Aber allein aus dem Spiel mit Worten sind erstaunliche Sachen entstanden.

Wie dem auch sei: Ich dank Dir für Dein Interesse und

wünsch auch Dir frohe Ostern (den Neuss lass ich dann mal weg)

Friedel,

manchmal >Genug, schweigend<

 

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