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Unsere Heiligabend-Show

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03.07.2004
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Unsere Heiligabend-Show

Unsere kleine Dorfkirche wurde um 1650 gebaut. Seit einem halben Jahrhundert steht sie nun in der Stadt, die über das Land gewachsen ist. Ihre dreihundert Sitzplätze waren vielleicht in früheren Jahrhunderten erforderlich. Wenn in unserer Zeit sechzig Menschen zum sonntäglichen Gottesdienst kommen, freuen wir uns. Ich bin Mitarbeiter in der Kinderarbeit und die Erwachsenengottesdienste sind für uns nicht so wichtig.

Einmal im Monat kommen die Kinder zu den Familiengottesdiensten und einmal im Jahr kommen alle. Am heiligen Abend platzt die Kirche aus allen Nähten- Ankommende Besucher drängeln und schubsen am Eingang, obwohl die Menschen in der Kirche schon wie Sardinen gepackt sind. Vor Jahren sahen wir angesichts dieses unheiligen Gedrängels die einzige Lösung darin, zwei Heiligabend-Gottesdienste anzubieten. Um 15 Uhr für die kleinen Kinder und um 16.30 Uhr für die größeren.

Unsere Kirche wurde bei ihrem Bau farbig ausgemalt. Deshalb entsteht mit den beiden großen Weihnachtsbäumen im Altarraum eine besonders festliche Stimmung, die die Menschen anzieht. Während im Laufe der Jahre immer weniger Menschen die sonntäglichen Gottesdienste besuchten, war der Gottesdienst am Heiligabend ein wichtiger Teil der familiären Weihnachtsfeiern. So wurde auch bald klar, dass zwei Gottesdienste nicht ausreichten. Heute haben wir vier Nachmittagsgottesdienste und noch einen Nachtgottesdienst. Die Besucher stapeln sich immer noch, aber 45 Minuten sind schnell vorbei.

Für uns Mitarbeitende in der Kirchengemeinde beginnt die Vorbereitung auf Weihnachten nach den Sommerferien. Der Kinderchor probt seine Weihnachtslieder neben den Liedern zum festlichen Erntedankgottesdienst und die Jungschar übt ein Krippenspiel. Nach Erntedank, das in unserer ehemals ländlichen Gemeinde groß gefeiert wird, beginnen alle Mitarbeitenden mit der Vorbereitung Weihnachtszeit. Der Pfarrer bastelt am Computer hin und her, um alle gewünschten Teile in fünfundvierzig Minuten unterzubringen. Der Küster bespricht mit seinen Helferinnen und Helfern, wer welche Aufgaben hat. Und das Reinigungsteam ergänzt durch ehrenamtliche Helfende bringt die Kirche auf Hochglanz.

Dann ist er da, der große Tag. Die ersten Besucher kommen eine Stunde vor Beginn. Der Kinderchor kann im Gemeindehaus proben, aber das Krippenspiel wird in der Kirche vorbereitet und die Mitspielenden sind schließlich so genervt, dass ihr Lampenfieber kaum ausbrechen kann. Dann tritt die Küstergruppe in Aktion und dirigiert die Volksmassen. Wenn die Glocken beginnen zu käuten, werden die Kirchentüren geschlossen. Ein Pfadfinder hat vor einigen Jahren vom Kirchentag ein großes Schild mitgeschleppt. "Wegen Überfüllung geschlossen". Das hängt jetzt an der Kirchentür, aber die meisten Menschen, die kommen, können anscheinend nicht lesen und müssen von den helfenden Jugendlichen freundlich abgewiesen werden.

Sobald der Gottesdienst vorbei ist, werden die Besucher möglichst zügig aus der Kirche gelotst und ihre Fragen angehört. Die zielen in der Regel auf den Pfarrer und die häufigste Antwort lautet daher: "Der Herr Pastor hat jetzt leider keine Zeit." Es schmerzt alle Mitarbeitenden, dass die persönliche Begegnung über ein Händeschütteln hinaus nicht möglich ist, aber wieso fällt allen Gemeindegliedern nur am Heiligabend ein, dass sie einen Pastor haben.

Die Kirche wird aufgeräumt und liegengebliebene Dinge eingesammelt. In dieser Zeit müssen die Jugendlichen vor der Tür die heranströmenden Besucher daran hindern, in die Kirche zu gehen. Dieser Job ist sehr undankbar, die zornbebenden Schimpfereien reichen für ein ganzes Jahr und es fällt schwer, den Weihnachtsfrieden im Herzen zu bewahren.

Und dann beginnt schon der zweite Gottesdienst mit der zweiten Halbgruppe des Kinderchores und einer neuen Laienspielgruppe der Jugendlichen. Das Interesse der Kinder und Jugendlichen, bei den Gottesdiensten mitzuwirken ist hoch und wenn sie erzählen, wie Heiligabend zu Hause begangen wird, kann man das gut verstehen.

Nach dem dritten Gottesdienst - mit dem Kirchenchor und einer dritten Spielgruppe - beginnt die Spannung abzuflauen. Die ersten Mitarbeitenden gähnen verstohlen und schauen immer wieder auf die Uhr. Denn och bleiben die meisten zum Mitternachtsgottesdienst, denn der ist auch ein Mitarbeitergottesdienst. Es gibt keine Predigt, sondern zwei besinnliche Geschichten und es wird viel gesungen. In diesem Jahr wird es in dem traditionell besinnlichen Gottesdienst unruhig. Zwei Besucher kommen nicht nur verspätet in die Kirche. Sie gehen zum Lesepult und einer ruft durch das Mikrophon: "Wir brauchen unsere Hebamme und einen Arzt." Unruhe bricht in der Kirche aus, während zwei Menschen eilig zum Ausgang streben.

Nach dem Ende der Gottesdienste ist die Heilige Nacht noch nicht vorbei, aber ihren Abschluss haben wir erst im Frühjahr erfahren, als die junge Mutter ihren Säugling zur Taufe bringt. Nachdem sie ihre Schwangerschaft erfolgreich auch vor sich selbst verheimlicht hatte, überraschte die Geburt unter dem Weihnachtsbaum die ganze Familie. Und ich denke, es ist nur ein on dit, dass die frischgebackene Oma stöhnte: "Gott sein Dank, Heiligabend ist vorbei."

 

Ich finde es schön, dass du zur Abwechslung ein anderes Setting vorstellst! Das scheint ja eine tolle Kirche zu sein, wenn sie so viele Menschen anzieht.

Sobald der Gottesdienst vorbei ist, werden die Menschen möglichst zügig aus der Kirche gelotst und ihre Fragen angehört. Die häufigste Antwort lautet: "Der Herr Pastor hat jetzt leider keine Zeit."
Welche Fragen? Warum ist dieser Pastor so beliebt? Hat er eine Sprechstunde?

Es gab leider wieder eine Aneinanderreihung von Geschehnissen, aber keine außergewöhnlichen Vorkommnisse. Es bleibt bei: Es ist Heiligabend, es kommen viele Leute, es ist überfüllt, alle gehen nach Hause. Was könnte passieren, dass den Heiligabend in jenem Jahr so besonders macht?

Das hängt jetzt an er Kirchentür, aber die meisten Menschen,. die jetzt kommen,
an der, Punkt weg

Diese Job ist sehr undankbar
Dieser

Währenddessen stehen eine groß gewachsene Konfirmanden vor der Tür
streichen
Und dann beginnt
Satzbeginn mit "und". Mir wurde gesagt: Soll man nicht!

Denn och bleiben die meisten zum Mitternachtsgottesdienst, denn ds ist auch ein Mitarbeitergottesdienst
Dennoch, das

 

Hallo @jobär,

schön, wieder von dir zu lesen!

Unsere kleine Dorfkirche steht seit einem halben Jahrhundert in der Stadt. Ihre dreihundert Sitzplätze reichen völlig aus. Dass sechzig Menschen zum sonntäglichen Gottesdienst kommen, geschieht selten und wir freuen uns. Einmal im Jahr platzt die Kirche aus allen Nähten- am heiligen Abend.
Nähten - am ...

Unsere Kirche ist nicht nur klein, sondern auch alt und farbig ausgemalt.
Oben sagst du, sie steht seit einem halben Jahrhundert in der Stadt. Das ist nicht alt.


Für uns beginnt Weihnachten nach den Sommerferien.
Spätestens hier sollte das unpersönliche Erzählen aufhören - wer ist "uns"?


Beginn werden die Kirchentüren geschlossen.
Oder Türen der Kirche.

dass sie einen Pastor haben.
Fragezeichen am Satzende.

Die Kirche wird aufgeräumt und liegengebliebene Dinge eingesammelt.
Vielleicht mal 'Gotteshaus' anstelle von "Kirche"?

Sehr ruhig erzählt, die Entspannung nach den Feierlichkeiten ist zu spüren. Von der "Weihnachtsshow" erzählst du zu wenig.

Alles Gute für dich,

Woltochinon

 

Hallo @XVIII und @Woltochinon
Vielen Dank für eure Kommentare. Ich habe die Fehler korrigiert und die Geschichte erweitert mit einem neuen Schluß, der vielleicht ein wenig mehr Weinachtsshow bringt.

LG

jobär

 

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