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Übern Zaun gschaut (Bayrisch)

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03.12.2006
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Übern Zaun gschaut (Bayrisch)

Liabe Leit!

wenn i so in die Zeitung eine schau fallt mir a Wort besonders auf: sparen. Net die Regierung soll sparen, na, die kloana Leit sollen an Gürtel enger schnallen. Beim Lohn, bei da Gesundheit, bei da Rentn, kurz - überall. Bloss de Grosskopferten, die komman ungeschoren davon. Dabei war doch ois so einfach, wenn a jeder der a Geld verdient gleich wär.

Die Leit von der Regierung beschwern se dass jetza sovui Altlasten zum tragen haben - aus den Pensionsansprüchen der Beamten. Wenn des net zum woana war, nachat dat i jetza herzhaft lachen!
Weil da fallt mir nämlich unser Nachbar ei - a treuer, deutscher Beamter und a Vorbild in Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Fleiss und Treue.

Net dass ihr jetza glaubt, a jeder Beamter woar a so wiar mei Nachboar! Na - die meisten san wirklich ehrlich, fleissig und bescheiden. Des muass i jetza sogn. Doch mei Nachboar des woar a seltenes Exemplar.

Weil mei Nachbar nix glernt hot als junger Bua und koa rechte Lust ghabt hot auf d Schul hat er a Lehr ogfanga - als Briafträga bei da Post. So hot er jedenfalls verzählt. Irgendwann hat eam des nimmer daugt, weil des Geld wos er dafür kriagt hot net recht vui war. Des versteh i ja aa, weil er hot mit neinzehn a Weibaleit kennaglernt mit der er a Kind gmacht hot. Weil er mehra kriagt wenn a vaheirat is hot er de ledige Muatta gheirat, obwohl er eigentli net heiraten hat wollen.

Scho damals - des woar glaub i neinzehnhundertsechsundsechzig - wollt er hoch hinaus. Da Muatta sei Bua - a Postbot - des wollt er net. Versteh i aa - weil i mecht a koa Postbotin sei. Dann is er auf d Schul ganga und hat sein Aufstieg plant. Was bessers wollt er halt werdn - zumindest im mittlern Dienst hot er kommen wollen. Dabei hot er ganz vergessn, dass er a junges weib dahoam ghab hot des wo se nach eanam Mo gsehnt hot - oba der war ja nie da weil er immer fort hat müssen wegen der Schul und später wegen der Erfahrung. Dass a Weib net vom Brot alloa lebt hot er net glernt auf da Schul.

Dann hat er a bittere Erfahrung macha miassn: sei Weib hot si nach am andern umgschaut. Und wo er des gmerkt hot hot er sei Wei grün und blau gschlogn. Net weil se si an andern ogschaut hot, sondern weil er se as Recht nimmt a Weib zum schlogn wenn er moant dass es des braucht. so hot er verzählt.
Weil er sei Weib gschlogn hot, hot se se net nur umgschaugt nach am andern, sondern is weg ganga zu am andern.

Derweil hot mei Nachbar weiter glernt damit er endlich wos gscheits macha hat derfa: am Postschalter d Leit bediena und vor allem bled oredn. Auf de kloana Postler hot er bloss no obegschaut - weil er war ja was bessers als die armen Hund, die Briaf und Packerl ausfahrn habn miassn. In der christlichen Gewerkschaft mit den schwarzen Buchstaben is er gwen und hot se mit da grossen Gewerkschaft - der mit de roten Buchstaben - oglegt, weil de net gmacht habn wos er wollen hat.
Gewählt hot er aber net die Partei mit de schwarzen Buchstaben, sondern die mit de roten oder mit de grünen Buchstaben.

Wenn eam oana net gfallen hat am Schalter, hot er ihn recht bled ogred. Weil der hot se ja net wehren kenna. Net nur wegen dem Panzerglas dazwischen, sondern weil zu dera zeit a Postbeamter macha kenna hat wos er wollen hot - wegen am Monopol der Post. Besonders de Frauen hot er ogmacht - seit sei Weib zu am andern is hot er alle Frauen de wo a bisserl schee oder a bisserl gscheit waren ogschaut wiar oane de wo bloss hinter de Manner her is. Dementsprechend bled hot ers a ogred.

So wiar mir mei Nachbarin verzählt hot, hot er mindestens zwoa Mal aufs Gericht müssen, weil sie die Weiberleit beschwert habn über sei Frechheit. Er hot zwaor wia i aus zuverlässigen Quellen weiss jedsmal a Abmahnung kriagt, des hot eam aber net gschtört. Dann hot er halt hinter vorghaltner hand über de Leit gred die anders denkt hobn als er.

© spio 2003
 
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17.04.2007
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Hallo Spiogent und willkommen auf kg.de (besser spät als nie ;)).

Scho damals - des woar glaub i neinzehnhundertsechsundsechzig
Ich muss leider sagen, dass ich ab hier beginne, mich zu langweilen. Kann aber auch daran liegen, dass ich bei der Geschichte länger zum Lesen brauche.

Ach ja ... Als ich vor vielen, vielen Jahren (huch, oder vielmehr 2007) anfing, die Geschichten zu kommentieren, die ohne Antwort geblieben waren, hab ich irgendwie geahnt, dass ich irgendwann auch zu dieser was schreiben würde. Stand immer in der Liste und schien mir zuzuwinken.

Beim Lesen hatte ich die Zeit über so eine breite, männliche Stimme im Kopf, die mir den bayrischen Dialekt schön vorgetragen hat. Insofern ist der Dialekt prima getroffen. Leider kann ich der Geschichte inhaltlich nicht viel abgewinnen. Am Anfang klang es noch, als würde am Ende eine Moral zum Sparen kommen, blieb aber leider aus. Weiß irgendwie gar nicht, was Anfang und Ende so wirklich miteinander zu tun haben. Hm, sagte ich Ende? Ich meinte Abbruch.

08/15

Grüße von Jellyfish
 

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