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Anleitung zum Königsmord

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31.03.2021
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Anleitung zum Königsmord

Der nächste Tag musste strahlend hell werden, denn das Meer des Himmels lag in friedlicher Stille. Die Entscheidung war gefallen, ein Opferfeuer zu errichten, obwohl die Abenddämmerung bereits eingesetzt hatte. Mit eisigem Blick folgte der Fürst seinem Hauptmann in der Vorbereitung der Zeremonie, während die Meute der Herren und Krieger in Vorfreude auf das Opfer begann, den Saum des Waldes außer Acht zu lassen. Aus dem Dickicht ließ das Geheul eines Ulukayatu die Schar aufschrecken und ein vielzüngiges Flüstern tönte von der Felszunge auf sie herab. Die Schützen hatten etwas entdeckt.

Langsam schälte sich in der Ferne eine graue Gestalt aus den schwarzen Schatten der Bäume. Die Herren nahmen eine geduckte Haltung ein, als Form und Bewegung des Wesens menschliche Merkmale zu verraten begannen. Das Knistern und Rascheln der Zweige und Blätter unter den Füßen des näher kommenden Fremden war wie von einem Windhauch getrieben. Einige der vor die Streitwägen gespannten Pferde wieherten aufgeregt.

Der Fürst hatte sich erhoben. Aus der anderen Richtung jagte der Hauptmann dem Geschehen entgegen, die Opferzeremonie unterbrechend. Der Fremde schlich auf die Kriegsschar zu wie ein Schaulustiger sich dem Ort eines Festes nähert, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, die gesprungenen Lippen aufeinander gepresst. Er hatte sein zerrissenes Oberkleid verknotet. Das eingetrocknete Blut an Schal und Stirnband schien nicht seines zu sein.

Die Schar kreiste den Fremden ein und senkte die Speere. Es wurde so still, dass von oben der Klang der Pfeilschäfte zu hören war, die sich in Bereitschaft auf die lockeren Sehnen legten. „Späher!“, hatte einer zuvor geflüstert, doch jetzt schien alles ratlos zu sein, was zu erwarten war.

Der grauhaarige Fremde kam inmitten der Klingen zum Stehen und sah sich um. Im Gegensatz zur Anspannung und Neugier der Umstehenden verriet sein knochiges Gesicht nichts als Traurigkeit mit einem Anflug unterschwelligen Zorns. Durchdringend besah er den Fürsten aus tiefliegenden, fast wie ausgehöhlt wirkenden Augen, die aus der Schwärze seiner Pupillen mit einem fremdartigen Licht zu blitzen schienen. Der Fürst begegnete dem übertriebenen Blick mit seinem gewohnten Lächeln. „Mein Mitstreiter hat gesagt du wärst ein Späher.“ sagte er in lockerer Belustigung, wandte sich aber gleich ab und überprüfte den Waldrand auf weitere Gestalten.

„Das müsste euch beruhigen zu wissen, dass euer Feind Späher wie mich hat.“, lachte der Alte freudlos, mit einer kratzigen, aber beherrschenden Stimme. „Aber dass meine Lumpen mich nicht eben wie einen Boten wirken lassen, verzeiht vielleicht das Urteil.“

„Hat König Paurya uns also entdeckt?“, fragte der Fürst grimmig, das längliche Gesicht in Gleichmut von fast allen Falten befreit. „Dann gibt es nichts zu bereden. Geh zu ihm zurück und stirb mit deinen Brüdern.“
Augenblicklich begann der Alte wie irre zu lachen. „Wenn ihr mich loswerden wollt, dann beendet es lieber gleich hier.“, sagte er. „Ich bin König Pauryas Bruder und ich habe ihn getötet.“

Manche der Herren ließen die zum Stoß erhobenen Lanzen abrupt sinken und der ganze Kreis richtete seinen Blick auf die vor Erstaunen geweiteten Augen des Fürsten. Gleichzeitig hob der Hauptmann seine Mundwinkel zu einem ungläubigen Grinsen. „Was führt einen Mann dazu, sein eigenes Blut zu vergießen?“, fragte er in spielerischem Ernst, wie im Gespräch mit einem Kind.

„Mein Bruder hatte Angst vor allem.“, sagte der Greis unbefangen. „Vor seinen Pflichten, vor dem Krieg, sogar vor seinen erbeuteten Frauen. Am meisten Angst hatte er davor, ein Feigling zu sein.“
Der Hauptmann nickte anerkennend. „Du hast deinen Bruder getötet, weil er zu schwach war?“, fragte er und legte den Kopf schief. „So etwas ist uns von König Paurya unbekannt. Er ist ein starker König.“

Der Gefangene schien seine Gedanken gegeneinander abzuwägen. Dabei war es für die Umstehenden schwer zu erkennen, ob er seinen nächsten Worte sammelte oder nur die des Hauptmanns bewertete. Schließlich gab er zur Antwort:
„Je näher man jemandem so Mächtigen ist, desto unerträglicher können seine Schwächen einem zur Last fallen.“ Ein trotziges, maßlos übertriebenes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Aber ich kann verstehen,-“, hob er an, „-dass je ferner man ihm ist, man ihn umso mehr um seine Stärken beneidet.“

Aus der Meute der Krieger traten einige dem Fremden um einen zornigen Schritt entgegen. „Und Du glaubst, dass wir uns hier zusammengefunden haben, um unseren Neid zu stillen?“, lachte der Fürst, ohne dem Gegenüber die Gelegenheit zur Antwort zu geben. „Was hältst du für die Stärken deines Bruders, denen wir so nacheifern?“
Diesmal kam die Antwort sofort: „Er konnte mit einem Auge in die Welt der Götter sehen.“ Das Gesicht des Fremden wurde fahl. „Aber das muss euch jetzt nicht mehr kümmern.“
„Ich wusste nicht, dass König Paurya einen Bruder hat.“, murmelte der Hauptmann und fuhr sich nachdenklich mit der Hand durch das schüttere kohlschwarze Haar. Er warf dem Fürsten einen Seitenblick zu. Dieser nickte und die Speere rückten näher zum Fremden hin.

Erneut lachte der selbsternannte Königsmörder laut auf, während die buschigen Augenbrauen in der gesenkten Stellung seines Kopfes fast die irre leuchtenden Augen verdeckten. „Aber ich wusste schon, dass ihr ungeduldig werdet, weil die Sonne schon so niedrig steht.“, rief er. Er heftete den Blick fest auf das in Nachdenklichkeit zerfurchte Antlitz des Fürsten. „Dein Vater hat vor langer Zeit das Leben meines Bruders verschont, obwohl sein Tod verdient war. Willst du jetzt mein Blut vergießen, obwohl ich dir einen Dienst erwiesen habe?“

Der Fürst legte den Handrücken auf einen der Speerschäfte und ließ die Zähne durch den fein geschnittenen Bart blitzen. „Wenn du mir genauer sagen kannst, was du über dieses Ereignis weißt, dann werde ich deine Behauptung vielleicht glauben.“, sagte er.
Der Hauptmann trat neben ihn und raunte: „Die Söhne der Freiheit schenken das Schlachtenglück nicht dem, der alte Geschichten ihrem Opfertrank vorzieht.“
„Ich habe die Götter nicht vergessen.“, antwortete der Fürst, rührte sich aber um kein Stück und ließ die Augen auf dem Gefangenen ruhen, während allein die wenigen, stark ausgeprägten Lachfalten seines schmalen Gesichts verrieten, mit welchen Gefühlen er sich der Gewohnheit nach zu beschäftigen pflegte.

„Mein Bruder war nie interessiert daran, etwas aus sich zu machen.“, sagte der Fremde eintönig, die tiefliegenden Augen aus seinen spitzknöchrigen Wangen hervorstechend, als müssten sie aus den Höhlen springen. Während er den Satz aussprach, zitterte er, als könne er ein wahnsinniges Lachen kaum zurückhalten.
„Aber er war uns allen schrecklich nah, schrecklich eng an uns gebunden und verängstigt.“ Er prustete so unbeherrscht, dass man den umstehenden Kriegern den Widerwillen, ihn am Leben zu lassen, an den Gesichtern ablesen konnte.

Er fuhr fort, ohne die Abneigung zu beachten:
„Also kam es dazu, dass er die Herde des Herrn Agrimastha im Alleingang stahl. Wie du vielleicht verstehst, darf man jemanden so Schwachen, aber so von Wahrheit Beseelten nicht zu lange überleben lassen. Aber das hat dein Vater getan.“
„Wie lautet dein Name?“, fragte der Fürst ruhig, während seine sehnigen Arme ein abruptes Zittern zu erkennen gaben.
„Dein Vater war nicht dumm oder weich, da kann ich dich beruhigen.“, fuhr der Gefangene ungerührt fort. „Er hat nur erkannt, dass der erbärmliche Junge ausgenutzt worden war. Also hat er ihn freigelassen und ist ihm gefolgt, um die ganze Meute auszuräuchern und sich seine Herde zurückzuholen.“

„Genug geschwätzt!“, rief der Hauptmann. „Dieser Mord, den du dir zuschreibst, ist Sippenmord. Das Meer des Himmels müsste ein tobender Sturm sein im Zorn der Söhne der Freiheit über deine Tat, doch es ist ganz ruhig. Allein das beweist, dass du lügst.“
Der Gefangene schnalzte missbilligend. „Aber erst nach drei Tagen wird die Wirkung einer solche Tat im Meer des Himmels bekannt.“, sagte er in betonter Überheblichkeit. „Wenn ihr euch noch bis zum morgigen Sonnenaufgang geduldet, wird er zu sehen sein, dein tobender Sturm.“

Der Hauptmann erstarrte. „Du sprichst über die Zeiten des Himmels wie ein Fallensteller von den Kuhlen der Schweine im Wald.“, zischte er so dünn durch den struppigen Bart, dass die Öffnung seines Mundes durch nichts als die Bewegung der Barthaare im Atem sichtbar wurde.
„Diese Zeiten gehören nicht dem Himmel allein.“, grinste der Gefangene. „Alle drei Welten kennen ihre Wechselwirkungen. Genau wie es mit der Zeit ist, da einer zum Mörder wird oder zum König, oder wie in den Bergen ein See gefriert, wenn der Winter schon gekommen ist, braucht es von der Zeit jedes wichtigen Ereignisses an drei Tage, bis die Wirkung in ihr wahres Ergebnis mündet.“

Ein älterer Hausherr namens Murmura, ein breitschultriger Bulle mit schmalen Gesichtszügen und einer dünnen Narbe am Augenwinkel, hob donnernd die Stimme:
„Wir müssen ihn auf der Stelle töten!“ Seine Stimme lag zwischen dem Krächzen einer Krähe und dem Brummen eines Bären. Viele um ihn herum nickten und raunten sich gegenseitig Schutzsprüche zu. Selbst weiter entferntes Treiben kam nun zum Stillstand und die meisten Krieger beobachteten den Wortwechsel. Murmura spuckte dem Gefangenen vor die Füße. „Seine Schuldschlinge zurrt sich auch um uns, wenn wir ihn am Leben lassen. Es ist egal, ob er die Wahrheit sagt.“

„Aber es kann auch nicht wertlos sein für die Lösung meiner Schuld,-“, rief der Gefangene lauthals, um die aufgebrachte Schar zu übertönen, „-dass ich euch zum Sieg über ein führerloses Heer verhelfen kann.“ Wieder sah er dem Fürsten fest in die Augen, diesmal freundlicher und mit einer Spur Vertrautheit. „Mein Name ist Durgaha.“

Prüfend trafen sich wieder die Blicke des Fürsten und seines Hauptmanns. Letzterer wandte sich mit verzogener Miene ab. Der Fürst selbst trat unbehaglich nahe zwischen die Krieger und packte die Speere knapp unterhalb der ehernen Spitzen.
„Wir halten diesen Moment in der Schwebe.“ sagte er mit einem zischenden Flüstern. „Legt Decken über seinen Körper, damit die Sonne seine Schuld nicht sieht. Und bewacht ihn.“
„Wenn wir ihn am Leben lassen, können wir die Söhne der Freiheit nicht zum Opferfeuer rufen.“, rief der Hauptmann.
„Dann sollten wir sinnvolle Entscheidungen über vorgeschriebene Bräuche stellen.“ Die Stimme des Fürsten erhob sich zum ersten Mal über die des Hauptmanns. „Zumindest jetzt.“
Er drehte sich um, stapfte mit entschlossenen Schritten aus dem Kreis und forschte den finsteren Waldrand ab. Hinter ihm taten die Krieger widerwillig, was er ihnen aufgetragen hatte. Der Hauptmann setzte sich mit hochgezogenen Augenbrauen an die Stelle, an welcher der Fürst zuvor gesessen hatte.

Es verging eine kurze Zeit des Zögerns. Der Fürst stand allein und schien in Gedanken seine Möglichkeiten zu erschließen. Der Hauptmann blieb an seiner Stelle inmitten der Schar, als hielte er einen Posten. Der Gefangene war unter den Tüchern nicht zu sehen, verharrte gehorsam und still. Die schnellen Rosse der Sonne berührten mit den Hufen bereits die Kronen der schwarzen Bäume, als eine weitere Gestalt sich aus dem Dickicht auf die Wartenden zubewegte. Es war einer der Späher, die der Fürst zuvor entsandt hatte, ein untersetzter Junge mit großen Eulenaugen und gekräuseltem Haar.

Weil der Fürst sich ein Stück von der Schar entfernt hatte, erreichte der Späher ihn zuerst. Sie griffen die Schulter des jeweils anderen zur Begrüßung und der Jüngling sagte:
„Wir haben König Pauryas Lager gefunden.“ Während er sprach, kam der Hauptmann mit einigen Herren hinzu. Mit Blick auf diesen fügte er hinzu: „Sie haben ein Opferfeuer errichtet.“
„Hast du einen Blick auf den König bekommen können?“, fragte der Fürst.
„Nein.“, war die Antwort. „Es sind viele dort. Mehr als bei uns. Alles habe ich nicht sehen können, aber die anderen kreisen noch im Schatten um das Lager. Vielleicht werden sie mehr berichten.“ Der Späher machte einen langen Hals, um den Berg aus Tüchern hinter dem Hauptmann zu betrachten.
„Wenn es ein großes Lager ist, werden sie das nicht.“ brummte der Fürst und spuckte in Richtung Waldrand.
„Aber wenn sie ein Opferfeuer errichtet haben, kann ihr König nicht tot sein.“, warf der Hauptmann ein. Der bedeckte Gefangene flüsterte unter seinen Tüchern vor sich hin:
„Das Feuer ist der erste der Götter und der letzte.“ Die kleine Gruppe drehte sich ihm zu und der Späher riss die Augen auf.

„Soll das heißen, dass sie ein Totenfeuer gebaut haben?“, rief ihm der Fürst zu. Dabei fing er an zu grinsen. Der sinnbeladene Ausdruck seiner Augen schien all seine Züge zu verändern. Wie ein Schlangentöter aus der Vorzeit funkelte er, angefüllt mit der Absicht auf ein großes Wagnis. Er bedeutet allen Herren, dem Hauptmann und dem Späher, ihm wieder in den Kreis der Speere zu folgen. Die seltsame Stimmung, die von der von Tüchern umhüllten Figur ausging, machte letzteren sichtlich aufgeregt. Leise hustete das Stoffgebilde, als er es passierte.

Der Fürst stellte sich auf einen Schemel, um alle seine Kampfgefährten überblicken zu können. Oben auf dem Fels raschelten die Schützen. Als es durch die Rufe der Herren und das Rattern der Speere erreicht war, dass alle Augen sich auf ihn gerichtet hatten, hob er an: „Ich habe entschieden.“

Vereinzelt hieben die Krieger sich den Speerschaft gegen die Brust und beugten sich zum Fürsten hin, die Helme abnehmend, damit sie besser hören konnten. „Die Männer des Königs haben ein Feuer entzündet, das seine Leiche frisst, um ihn zu den Ahnen zu schicken. Jetzt lasst sie uns besuchen gehen mit Erz als Geschenk!“ Grimmige Kriegsrufe schallten gedrückt über die Anhöhe des Lagers in Kampfesfreude nach der Art der fünf Stämme, aber ohne den Nachhall der Begeisterung. Die Gruppe um den Hauptmann drehte dem Fürsten erstaunt die Köpfe zu wie am Faden gespannt, doch keinem kam ein Widerspruch über die Lippen.

„Jetzt ist die Zeit des Schicksals da,“, fuhr der Fürst fort und setzte sich den Helm auf. „keinen Zweifel mehr zu zeigen, kein Für und Wider mehr den Zorn benebeln zu lassen. Schilde auf, Speere nach vorn! Selbst Sterben ist Handeln und nicht Warten.“

Im Voranrauschen des Fürsten rückte ihm der Hauptmann zur Seite, öffnete den Mund zum Sprechen, schloss ihn jedoch gleich wieder und schwieg. Die Schar sammelte sich erst vor der Felszunge und wartete auf den Abstieg der Schützen. Dann rückten die Krieger langsam in den Wald, in einer weithin gestreckten Linie. Einige wenige Späher schnellten lautlos voran. Nahe beim Fürsten blieb der Gefangene, welcher dumpf unter den Stoffen hervor raunte: „Vielleicht ist es möglich, dass ich den Feind mit meiner Rückkehr ablenke.“ Der Fürst schnaufte leise. „Ich lasse dich weder in meinen Plan noch in meine Ratgeberschaft eintreten. Wenn du dich verdient machen kannst, werde ich es dich wissen lassen. Jetzt nimm die Tücher vom Kopf und leg sie dir um die Schultern. Hier sind wir im Schatten.“

Während des Marsches durch den Wald verschwand der letzte Rest des Tageslichts. Manche der Krieger schnellten heißblütig aus der Linie nach vorn und mussten durch die Herren von hinten zurückgerufen oder durch erfahrene Spähern von vorn zurückgejagt werden. Weit rechts irgendwo in der Ferne schnaubten die Zugpferde des Trosses und der Streitwägen. An den dunkelsten Stellen der größten Bäume blitzten die mondgleichen Augenpaare der Ulukayatu auf und die Männer brachen lieber für kurze Zeit die Schlachtlinie als diesen Orten zu nahe zu kommen. Die Augenpaare waren nie umgeben von derselben Gestalt, mal schien es ein tierähnliches Wesen, mal ein Ast oder Wurzelwerk zu sein, oder gar die Form lautlos zu verändern, wenn gerade kein menschlicher Blick darauf ruhte. Der Wald selbst war so still wie der klare Sternenhimmel über ihnen.

Gleich als die erste Andeutung einer Lichtung in die Augen der vordersten Späher trat, hielten sie inne und ließen Pfeile nach hinten los, die mit einem Spruch belegt waren. Im Flug mehrten sich die Federn an den Schäften und nahmen die Gestalt von Spechten an, die weit hinten an den Stämmen zu trommeln begannen, wo sich noch der Fürst mit seinen Getreuen langsam nach vorn bewegte. Die Linie der Krieger ging noch ein kleines Stück weiter, nachdem die Geräusche verebbt waren, und kam dann zum Stehen.

Der Fürst ließ an Ort und Stelle seinen Schemel aufstellen, setzte sich und wartete. Links neben ihm stand der Gefangene mit zwei Wächtern, rechts der Hauptmann mit seinem Trupp und dem Späher, der die erste Meldung gemacht hatte. Nach einer Zeit kam ihnen ein anderer Späher durch das Unterholz entgegen. Der, ein älterer Bursche mit breiten Händen, fliehendem Kinn und krummem Rücken, stellte sich erst breit auf und ließ sich dann in die Hocke senken. Er malte wortlos mit einem Zweig die gesehene Lichtung in den Erdboden. „Hier ist ein Feuer aufgebaut, in der Mitte des ganzen Platzes.“, sagte er schließlich. „Die Schar ist etwas größer als unsere. Um Geräusche müssen wir uns vielleicht weniger Sorgen machen als ums Gesehenwerden, denn die Flamme rauscht lauter als die Meute lacht."
„Warum lachen sie?“, frage der Fürst mit einem trüben Blick, der den Späher durchdrang als wäre er nicht da. „Ihr König ist tot."

„In der Dienerschaft eines Königs denken viele selbst ans König-Sein.“, raunte der Gefangene beschwichtigend. „Das müssen sie, denn der ihm ähnliche Sinn seiner Diener ist für einen König wie der Griff an einem Schwert für die führende Hand.“
„Da ist ihm die falsche Schneide wohl nach hinten gefahren.“, zischte der Fürst mit breit blitzenden Zähnen.
„Die Waage zwischen den beiden Schneiden eines solchen Schwerts musst du immer halten, wenn du einmal selbst König sein willst.“, antwortete der Gefangene unbeirrt.
„Es scheint mir eher, dass du ganz ohne Grund zu uns geflohen bist, wenn es ans König-Sein geht, Durgaha.“ Der Fürst ließ sein Lächeln verebben, während das des Gefangenen anwuchs und ein wahnsinniges Zucken darauf wieder seinen Platz einnahm.
„Wer über meinen Bruder lacht, der lacht noch lange nicht mit mir.“, sagte er hohl.

„Sind die Krieger im Lager in Bereitschaft?“, fragte der Fürst mit kühler Stimme.
„Im Lager habe ich niemanden auch nur in unsere Richtung schauen sehen.“, gab der Späher zur Antwort.

Der Fürst musterte den Gefangenen locker lächelnd, mit unpassend stechendem Blick. „Wenn wir in eine Falle laufen, schneide ich Dir den Bauch auf.“, sagte er trocken.
„Ich hätte auf mein Leben geschworen, das meine Aussage stimmt,-“, lachte der Gefangene leise zur Erwiderung. „-wenn deine Drohung dem Schwur nicht schon seinen Zweck geraubt hätte.“

Mit einer Handbewegung rief der Fürst zwei der Herren an der Seite des Hauptmanns zu sich, mit Namen Ayajna und Miyedhya. Ayajna bedeutete er die Schlachtentrommler nach links zu ziehen, um mit ihnen die Eindruck eines Angriffs von der Seite zu erzeugen. Miyedhya trug er auf, mit den Streitwägen von rechts in das Lager einzurücken, sobald die Ablenkung durch die Trommelschläge erzielt sein würde. Als die beiden aufgebrochen waren, gab der Hauptmann der ganzen Schlachtlinie das Zeichen, bis auf Höhe der Späher aufzurücken. Danach setzen sich alle nieder ins Urwaldkraut und warteten auf die Trommelhiebe.

Durch die Zweige des Gebüschs vor ihm konnte der Fürst endlich das Treiben im Lager das Feindes selbst beobachten. Es lag auf einer Anhöhe. Zelte und lange Bänke aus Stämmen waren aufgebaut worden. Inmitten der heiteren, aber dennoch andächtigen Stimmung leuchtete das Feuer. Der Holzhügel war geformt wie ein Scheiterhaufen, allerdings wirkte er wie auf ein weiteres Feuer geschichtet. Darum schoss die Flamme weit hinauf in den Nachthimmel. Der Fürst legte die Stirn in Falten über das seltsame Schauspiel.

Der Gefangene sah den Fürsten an und antwortete mit einem rauen, kehligen Flüstern auf dessen zweifelnden Blick: „Es war ein Opferfest in diesem Lager, vor nun fast drei Tagen. Ich ging zu Paurya hin, als er das Feuer betrachtete. Er sah mich nicht. Da zog ich das Messer und öffnete ihm die Kehle wie einem Opfertier. Also sind es in Wahrheit zwei Feuer, eines für die Götter und eines für seine Leiche.“

Die Falten auf der Stirn des Fürsten verschwanden nicht, als er dem Gefangenen langsam das Gesicht zuwandte. Der Hauptmann zog gewohnheitsmäßig einen Mundwinkel nach oben, kniff die Augen zusammen und raunte:
„Du bist uns aus derselben Richtung entgegen gekommen, in welcher wir jetzt dieses Lager gefunden haben. Was hast du in diesen drei Tagen getan, nachdem du deinen Bruder ermordet hast und bevor wir hier eingetroffen sind?“
In den totenstarren Augen des Gefangenen lag keine Bereitwilligkeit zur Antwort. Kurz darauf tönten die Trommeln von links.

Sogleich war zu sehen, wie die Männer des Lagers Schilde und Speere hoben und sich in die Richtung der Töne wandten. Als Bewegung aufkam, konnten die Beobachter erkennen, dass die Größe der feindlichen Schar die der eigenen um fast ein Drittel übertraf.

Der Feind war von den Trommelhieben abgelenkt und der Hauptmann rannte nach vorn, in der Hand das Fahnenzeichen des Fürsten - ein Bündel aus Pfeilen mit einem einzelnen Speer in der Mitte. Er lehnte sich an einen der vordersten Bäume, vom Lager abgewandt, aber sichtbar für die Linie der eigenen Krieger. Als nur wenige der Verteidiger als Nachhut im rechten Teil des Lagers zurückgeblieben waren, wurde ein Wiehern und Rattern laut, das die Verbliebenen aus voller Kehle schreien ließ. Viele aus der abgelenkten Hauptschar machten daraufhin kehrt und trafen die ankommenden Streitwägen des Fürsten. Doch diese wendeten sich gleich wieder um, und schossen mit Pfeilen auf die Verteidiger, die Weite der Lichtung ausnutzend.

Die so nach zwei Seiten hin zerpflückte Schar des toten Königs erfuhr nun den dritten Schlag, als der Hauptmann mit der Standarte winkte und die Linie des Fürsten aus dem Wald hervor gestürmt kam, den Drohgesang des Trinirrtha auf den Lippen. Schilde krachten und hoben die Verteidiger aus ihrer Stellung. Die Pfeile der Schützen trugen einen Schutzspruch, mit dem sie die Geschosse der Gegenseite greifen und mit sich zu ihnen zurück tragen konnten. Viele wurden dadurch so zerspießt, das ein Weg für die Gruppe des Fürsten frei wurde, und er mit den Herren, den beiden Spähern, dem Hauptmann und dem Gefangenen auf den Hügel hinauftrieb, bis zum Feuer hin.

Der Fürst sah sich um, während die Herren vor ihm die wenigen Verteidiger beim Feuer zurückstießen. Der Waldschlag war weit gezogen worden, das Lager schien alt. Zertreten und schlammig war schon der Boden der Lichtung.
„Wie das Sterben sich schon lohnen kann, mit einem so einfachen Ziel.“, rief der Gefangene mit einem seltsamen Anflug von Milde in der Stimme bei dem Anblick, der sich ihm nun bot. Die Schlachtreihen hatten sich verkeilt und gut tausend Mann waren insgesamt auf dem Feld.

Um den Fürsten sammelte sich mit der Zeit ein immer stärkerer Kreis von Schilden. Er selbst verharrte in dessen Innern und schaute über die große Lichtung, während die Trommeln aus seiner ersten Täuschung langsam verebbten.
„Willst du den Willen deiner Gefährten nicht stärken, mein Herr?“, rief der Gefangene mit undurchsichtiger Miene.
„Jetzt ist es wichtiger, dich nicht aus den Augen zu lassen, Durgaha.“, murmelte der Fürst. Er drehte sich zum Feuer hin und schrie laut heraus: „Sind irgendwelche Götter an diesem Ort?“

„Nur ich.“, antwortete das Feuer. „Aber du kannst gern versuchen, noch andere zu rufen. Ich bringe alles zu ihnen, was du in mich hineinwirfst.“
„Hast Du die Leiche des Königs gefressen?“
„Ich habe die Leichen von vielen Königen gefressen und stehe dafür in der Achtung deiner Ahnen, Vishpati Trita.“
„Es ist auf den Geschmack von Menschenfleisch gekommen!“, schrie der Hauptmann aus der Schlachtreihe nach hinten. „Wir müssen es löschen!“
„Ich möchte, dass du vor mir Zeugnis ablegst.“, sagte der Fürst ungerührt zum Feuer. „Stimmt es, dass dieser Mann seinen Bruder in deiner Anwesenheit getötet hat?“
Das Feuer züngelte interessiert zum Gefangenen hin, schrak jedoch gleich zurück wie von einem Windstoß getroffen. Dann fing es rauschend an zu lachen. „Es liegt eine schwere Schuld auf ihm, das kann ich sagen.“, knisterte es. „Aber der Zeuge, den Du suchst, ist mein erloschener Vorgänger. Ich habe nur eine Leiche verbrannt.“

„Fangt mir einen von Pauryas Männern!“, rief der Fürst aus voller Kehle seinen Männern zu, während der Gefangene neben ihm keinen Mucks von sich gab, die beiden Späher herumliegende Schilde aufnahmen und unterstützend in den Wehrkreis eintraten. Der Hauptmann in der vordersten Reihe des Kreises senkte den Kopf und ließ sich aus dem Kampf zum Fürsten zurückfallen.
„Wer von uns soll sich für dieses Vorhaben in Gefahr begeben?“, zischte er gedrückt und knirschte mit den Zähnen, sodass die Kiefermuskeln unter dem struppigen Bart hervortraten. „Es wird Gefangene geben, wenn alles gut geht. Wir haben die Oberhand und sind in einer günstigen Lage. Uns kümmert kein König, solange wir leben und unseren Anteil bekommen.“

„Solltest du nicht tun, was dein Fürst dir befiehlt, Bhajeratha?“, fragte das Feuer mit einem listigen Hauch. „Hat nicht er euch hierher gebracht mit seinem Plan?“
Der Hauptmann antwortete nicht. Stattdessen ging er zurück in die Schlachtreihe, ohne auf das Widerwort des Fürsten zu warten, welches dieser ihm hinterherschrie:
„Wenn Durgaha lügt, muss sich unser Plan ändern! Hier werden wir vergeblich nach Beute suchen.“

Das Feuer senkte seine Lohe um den Fürsten herum wie ein Frosch vor dem Sprung.
„Oho, sucht ihr etwa nach Beute in fremden Ländern?“, säuselte es. „Oder gibt es womöglich einen anderen Sinn, der in deinem Herzen glüht, Trita?“
„Wenn du mehr weißt als du sagen willst, dann nenn mir deinen Preis.“ Der Fürst öffnete seine Haltung und ließ den Schild hängen.

Das Feuer richtete sich wieder hoch auf und lachte, dass es die Lichtung erschütterte. Während es noch den Moment seiner Überlegenheit zu genießen schien, gelang es der Schildtruppe um den Hauptmann, den Feind auf dem Hügel in die Flucht zu schlagen. Die Männer des Königs zerstreuten sich in die dunklen Waldränder und manche schienen urplötzlich zu verschwinden wie von geheimer Kraft. Das Feuer senkte sich wieder zum Fürsten nieder.

„Schauen wir erst, was auf der Waage liegt.“, sprach es und spie Funken dabei. „Wenn ein Gott den Sterblichen sein Wissen gibt, dann wird es gefährlich für das Balkenwerk, das die drei Welten zusammenhält. Dafür hast du Gewissheit, dass die Ehre deiner Familie wiederhergestellt werden kann. Das klingt beinahe nach einem guten Tausch für dich allein, aber was nützt es mir?“

Dem Fürsten kam keine Antwort über die Lippen. „Soll ich es für dich aussprechen?“, fragte das Feuer. „In Ordnung: Ich will zwei deiner treuesten Männer fressen. Das sollte ein guter Ausgleich sein für meine Mühen.“

Noch während es sprach löste sich der Kreis der Schilde auf und der Hauptmann trat zwischen Feuer und Fürst. „Du hast deine vorgesehene Zeit auf der Erde lange überlebt, Leichenfeuer!“, rief er mit einem hohlen Beiklang in der Stimme.
„Willst du mich löschen?“, fragte das Feuer wirbelnd. „Ich bin groß und heiß. Es braucht sicher viel Zeit.“
Der Fürst blickte wieder in die Weite, wo sich überall stetig dasselbe Bild abzeichnete wie auf dem Hügel des Lagers. Noch fernab ihrer Stellung gab der Schein des Feuers den Blick auf fliehende Feinde frei.

„Schafft Erde mit den Schilden heran und werft es auf den Feuerhügel.“, befahl der Hauptmann den Männern. Als die Krieger sich verteilten, und nur manche der Herren in der Gruppe blieben, fasste er den Fürsten mit einer unterschwelligen Wucht an der Schulter.
„So zögerst du also, wenn dir vorgeschlagen wird, das Leben treuer Männer gegen nutzloses Wissen zu tauschen!“, rief er aus seinem erhitzten Fuchsgesicht.

Der Fürst tat für einen Moment nichts anderes, als den Gegenüber regungslos anzustarren. „Wenn du behaupten willst, ich wäre auf seinen Vorschlag eingegangen, dann tritt drei Schritt zurück und nimm den Schild hoch.“, antwortete er schließlich mit einem Blitzen in den Augen.
„Gezögert hast du ohne Zweifel.“, spottete das Feuer, während die ersten Krieger schon ihre Ladungen Erde abwarfen und es langsam zu schrumpfen begann. „Davon kann ich Zeugnis ablegen.“ Es lachte knisternd.

„Du hast die Flamme zu lange reden lassen.“, sagte der Gefangene in einem sanften Ton. „Reden ist nicht Sache der Götter, denn ihnen ist natürlich gegeben, was wir uns erst gegenseitig mitteilen müssen. Schon manche sind verrückt geworden davon, sie nur flüstern zu hören.“

Der Fürst, reglos in seiner Haltung und von den Worten des Gefangenen scheinbar unberührt, funkelte den Hauptmann böse an. Dieser zog die Augenbrauen hoch, lehnte sich locker gegen seinen Speer und legte den Schild auf die Schulter. „Ich habe mit jeder Entscheidung unserer gemeinsamen Sache gedient.“, zischte der Fürst. „Erst wenn du mir sagen kannst, warum der Feind schon geflohen ist, obwohl seine Streitmacht die größere war, kannst du dir herausnehmen, so mit mir zu sprechen!“
„Sie wollen uns nicht angreifen, weil wir von erhöhter Stellung kämpfen.“, der Hauptmann trat näher an den Fürsten heran und sein Bart wirkte als würde er dampfen. „Hier gibt es nichts für den Tod als Tauschgut. Ich würde uns auch nicht angreifen. Und das ist dein Verdienst - ein Flecken Erde und kein Ausweg.“
„Wir haben viele getötet durch meinen Verdienst.“, sagte der Fürst mit zu Schlitzen verengten Augen. „Wenn ich mich verdient genug mache, wird Pauryas ganzes Land unser Jagdgrund. Wäre es nicht schön, diesen Sieg gemeinsam zu erleben?“

Der Gefangene trat überraschend zwischen den Fürsten und den Hauptmann und hob langsam die Hände im Zeichen der Eintracht.
„Ich habe drei Tage im Wald gelauert und gerätselt, wie ich mich am besten rächen könnte an den Herren dieses Lagers.“, sagte er bedächtig. „Sie haben mich mit dem Mund für meine Tat verurteilt und mit den Händen die Herrschaftszeichen meines Bruders mit ihm verbrannt.“
„Haben sie das?“, rief das Feuer mit einem bedrohlichen Flackern. „Ich kann mich daran nicht erinnern, will mich aber auch nicht weiter einmischen.“ Beim emsigen Schichten der Krieger hatte sich seine Größe bereits auf die eines häuslichen Herdes verringert.

Die Mundwinkel des Gefangenen zuckten wild auf und ab und seine tiefliegenden Augen starrten feindselig zum Feuer hin. Der bullige Murmura, welcher zuvor bereits gegen den Gefangene geredet hatte, trat nach vorn und sprach zum Fürsten:
„Dass deine einzige Kriegsbeute dich beschützen will, habe ich verstanden.“ Sein krächzendes Brummen donnerte über den Hügel. „Er wäre uns auch schon lang zur Last gefallen ohne deinen Plan zur Eroberung dieses nutzlosen Haufens Erde.“ Manche der Krieger und Herren kicherten gefährlich. Er fuhr fort wie einer, der ein Gedicht wiederholt:
„Den Göttern stand ein Opfer zu. Du hast es ihnen verwehrt. Ein Sippenmörder stand unter uns. Du hast ihn am Leben gelassen. Hier haben wir einen verdorbenen Gott gefunden. Und du hast ihn nicht löschen, sondern ihm sogar beinahe zwei von uns zum Fraß vorwerfen wollen. Der verständige Befehl kam von einem anderen.“, Er sah den Hauptmann kalt von der Seite an. „Du bist unser kundigster Versmacher und Götterrufer, Bhajeratha. Hast du nicht gesehen wie dein Vishpati den Weg missachtet, den die Söhne der Freiheit uns bereitet haben?“

Der Hauptmann zögerte. Sein Körper blieb erstarrt in der Haltung, die er zuvor eingenommen hatten, den Schild an die Schulter gezogen, das stumpfe Ende des Speers in die Erde gerammt und selbst darauf gestützt wie von Müdigkeit oder Verwundung. Seine Augen wanderten im Kreis umher, von Murmura zum Fürsten, dem Gefangenen und den beiden Spähern, die dem Fürsten wieder zur Seite getreten waren.

„Mit einem Fürsten wie dir, Trita-“, rief er schließlich mit belegter Stimme. „-werden wir sicher viele Siege haben.“ Der Fürst legte abschätzig den Kopf in den Nacken, doch immer noch traten die Fingerknöchel weiß hervor, während er seinen Speer umklammert hielt und den Hauptmann mit seinem Blick durchbohrte. „Aber mit einem König wie dir würde der Felsenhimmel wiederkehren, die alten Asuras würden den Göttern ihre Plätze nehmen und über eine dunkle Welt herrschen. “
Das laternengroße Feuer piepste flackernd: „Welche Angst es mir machen würde, das Licht verschwinden zu sehen.“ Ein letztes Mal kicherte es noch spöttisch, dann erstarb es und nur die Glut blieb zurück in der Schwärze der Nacht.

Der Fürst bildete ein Dreieck mit Speer und Schild zum Hauptmann hin und rannte auf ihn zu, das zerfurchte Gesicht verzerrt in stillem Zorn. Von links und rechts drangen Krieger auf ihn ein, verkeilten ihre Speere unterhalb seiner Wehr und warfen ihn mit einer abgestimmten Bewegung zu Boden. Während er keuchend im Staub lag, legte der ältere Späher einen Pfeil gegen den Hauptmann auf den Bogen, der jünger dagegen zog den Kopf ein und trat einen halben Schritt zurück. Die restlichen Krieger des Schildwalls rührten sich nicht.
Wieder ertönte die seltsame Stimme des alten Murmura:
„Er muss hier sterben wie das Leichenfeuer, damit er die Welt nicht weiter ins Wanken bringen kann.“ Auf diese Worte hin schnaufte Durgaha hörbar und schien in sich zusammenzuschrumpfen, im Blick nach unten berührte das Kinn durch den Schal fast seine Brust. „Dasselbe ist von meinem Bruder gesagt worden.“, murmelte er, die Stimme rau vom Qualm des erstickten Feuers. „Und jetzt steht ihr hier und macht euren Vishpati zum Asura eures felsigen Verstands. Wenn ihr ihn ermordet, verdoppelt ihr den Fluch der Schuldschlinge, die sich schon um euch genauso wie um mich gezogen hat.“

„Was bringt dich zu der Meinung, dass ich nicht dich gemeint habe?“, rief der alte Herr abrupt. Der Gefangene zuckte mit den Schultern, der Kopf blieb gesenkt wie in Andacht.
„Wenn ihr mich weiter annehmt als euren Hauptmann, dann wird heute Nacht kein Blut in unserem Kreis vergossen.“, sprach der Hauptmann durch seine knirschenden Zähne. „Der Feind ist noch im Dunkeln um uns herum und ein paar Gefangene sind keine Last für uns, wenn wir hier die Stellung halten.“

„Lass uns den Sippenmörder töten.“, rief der alte Herr erneut, während die Krieger den Fürsten mit ihren verkeilten Speeren anhoben. Der Fürst wand sich so sehr, dass es knackte, doch seine Miene verriet nichts darüber, ob es Holz war oder Knochen. Der Hauptmann trat nahe an Murmura heran, kniff die Augen zusammen und verzog den den Mund unter dem kohlschwarzen Bart in einer Miene von natürlicher Brutalität.
„Willst du noch einen anderen die Entscheidung tragen lassen, dann halt den Rand.“, rief er dunkel. „Willst du selbst führen, dann hör auf damit, von der Bank zu krakeelen wie ein altes Weib.“
Murmuras Blick wurde zornig und er sah sich hilfesuchend um. Doch diesmal blieb der Beifall aus und er gab kein Widerwort. Der alte Späher mit dem krummen Rücken, der die ganze Zeit über seinen Pfeil in Bereitschaft auf der lockeren Sehne gehalten hatte, steckte diesen wieder in den Köcher und trat wortlos zurück.

Sie nahmen dem Fürsten die Waffen ab und, fesselten ihn an Armen und Beinen und ließen ihn sich neben das tote Feuer knien, mit Blick darauf. Neben ihm hockte der Gefangene Durgaha, ebenfalls gefesselt, und hinter jedem stand je ein Wächter mit gezogenem Schwert. Der Hauptmann und die Herren blieben gemeinsam oben auf dem Hügel in einiger Entfernung von den Gefangenen, die meisten restlichen Krieger bildeten einen großen Kreis um das Lager, die Schützen dahinter. Die Streitwägen verharrten an der Seite des Hügels in Bereitschaft, sodass die Herren dort nichts über den Umsturz wussten, der sich oben zugetragen hatte. Von den Trommlern kehrte keiner zurück. Ganze vierhundert Mann waren es lang nicht mehr.

Die Glut des toten Feuers wurde mit geklärter Butter geläutert und ein anderes darauf errichtet. Dieses begrüßte die Herren freundlich und entschuldigte sich für die Verfehlungen seines Vorgängers. Als die Flammen wieder hoch züngelten und das Feld der Lichtung weithin sichtbar wurde, begannen manche aus der Schar das fremde Lager zu erkunden. Die Späher wurden wieder allesamt ausgesendet, obwohl sich ihre Zahl bereits stark verringert hatte.

Neben dem leise rauschenden, wenig gesprächigen Feuer bedachte Durgaha den Fürsten mit einem unbefangen Grinsen, während nur ihre Wächter sich in Hörweite befanden.
„Was willst du jetzt tun?“, fragte er.
Der Fürst schwieg, ohne sich die Mühe eines Gesichtsausdrucks zu machen. Er sah gänzlich aus als würde er schlafen, nur waren seine rindenfarbenen Augen weit genug geöffnet, dass sich mit dem Schein des Feuers eine schmerzvolle Klarheit darin spiegelte, die sie aufhellte wie Bernstein vor einer Laterne.
„Er kann nichts tun.“, raunte einer der Wächter, ein drahtiger Bursche mit fettigen Haaren und einem runden Gesicht, auf dem sich die feinen Linien von beginnenden Falten abzeichneten. „Schau nach vorn. Du bist hier derjenige, der am wenigsten sprechen sollte.“
Der Fürst blickte verstohlen zur Seite. „Ich kann sehr wohl etwas tun.“, flüsterte er kaum hörbar. „Ich kann warten.“
„Und was bringt dir dein Warten?“, fragte der Wächter halb spöttisch, halb erwartungsvoll. Er zog die Unterlippe nach unten und machte eine traurige Grimasse zu seinem Gefährten hin. Beide fingen an zu kichern.
„Dass es nichts bringen sollte, widerspräche dem Lauf der Zeit.“, gab der Fürst als Antwort. Die Wächter verstummten, aber nach einem Moment rollte der eine mit den Augen.
Durgaha lachte herzhaft. „Du führst deine Leute wie ein Zimmermann seine Balken.“,rief er. „Kein Wunder, dass deine Verräter gegen dich die Götter an ihrer Seite glauben. Selbst ich hätte nach einer Weile unter dir das Gefühl der Himmel könnte versteinern.“
„Gehst du deine Angelegenheiten denn besser an?“, fragte der Fürst eintönig. Das zum Stoß auf den Hinterkopf Durgahas erhobene Schwertheft des rundgesichtigen Wächters hielt inne, als der Fürst so den Gefangenen in seinen Gedanken einband.
„Ich bin vor fast drei Tagen aus der Verbannung zurückgekehrt in dieses Lager, verkleidet in einem grauen Kleid ähnlich wie das, was ich nun trage.“, sagte Durgaha und lachte erneut. „Der König hat mich als Gast empfangen und nicht gleich erkannt. Nachdem ich ihn getötet hatte, stützte ich ihn gleich wie ein Bruder es tut. Da hielten die Herren allesamt inne und wussten nicht, was zu tun war. Ich band meinen toten Bruder an einen Pfahl und schleppte ihn dreimal um das Feuer.“ Er wies auf einen Holzbalken, der schräg auf der rechten Seite des Hügels in den Boden gerammt stand. „Dort habe ich ihn im Anschluss hängen lassen.“
„Was soll mir das sagen?“, fragte der Fürst gereizt, während die Wächter fluchten und zur Seite spuckten.
„Mein Bruder hätte es nicht anders getan.“, kicherte Durgaha. „Indem ich seine überweltlichen Wahnsinnstiraden nachahmte, glaubte ich sein Biegen und Zerren an der natürlichen Fügung der Welt zu beenden und den guten Namen meiner Familie wiederherzustellen.“
Der Fürst senkte den Kopf halb in peinlicher Berührung, halb in Nachdenklichkeit. „Aber das hat den Wahnsinn nicht beendet.“, murmelte Durgaha.

Eine ganze Weile saßen sie schweigend nebeneinander. Oft legten Krieger von der gegenüberliegenden Seite des Feuers Scheite nach und das Feuer bedankte sich jedesmal mit einer Verbeugung. Der Hauptmann stand entfernt im Kreis der Herren, wo alle auf einen Punkt in der Mitte des Kreises zu starren schienen, der selbst auf die Entfernung nicht sichtbar war.

Als die Nacht voranschritt, begannen auch die Krieger, die nicht in den großen Wehrkreis eingetreten waren, sich zu zerstreuen und Stellung zu beziehen. Diese Stellungen waren seltsam zerpflückt, überall standen kleine Trauben von Männern auf dem Lagerhügel, die ebenso in Kreisen nach innen schauten wie der Hauptmann es mit seinen Herren tat.

In der Ferne schallte der Klang einer Trommel. Das Treiben näherte sich dem Stillstand, Gespräche zwischen Kampfgefährten rissen ab. Die Trommelschläge mehrten sich, bis der ganze umliegende Wald gleichmäßig zu tönen schien. Die Schützen traten nahe hinter die erste Reihe der Krieger und nahmen hastig Pfeile aus den Köchern. Gerade als alles bereit stand, kamen die ersten Pfeile durch den Wald geflogen. Der Takt der Trommeln wurde schneller.

„So klingen nur die Rinderhäute deiner Familie, Trita.“, rief der Wächter hinter dem Fürsten mit höhnischem Grinsen auf einem Gesicht, das an Kanten und Furchen fast einem Totenschädel gleichkam. „Der Feind muss unsere Trommeln an sich gerissen haben.“
Der Fürst blinzelte langsam wie ein angeschlagenes Biest, blieb jedoch still.
„Ist es nicht ein Scherz des Schicksals, dass dir deine Rinder damit auch geraubt worden sind?“, fuhr der Wächter fort. „Vielleicht werden sie genauso mit angezündetem Schwanz auf unsere Leute losgelassen, und vielleicht zünden wir dich dann an wie dein Vater von seinen Männern angezündet wurde?“
Immer noch blieb der Fürst stumm und unlesbar. Nur seine Hände gruben sich in langsamer Verkrampfung in die Erde ein.
„Vieles passiert in derselben Weise wie zuvor.“, brummte Durgaha dem Fürsten redselig zu. „Paurya wurde später eine ähnliche Schande zuteil wie er sie deinem Vater zugefügt hat.“
„Was meinst du damit?“, fragte der Fürst mit zusammengebissenen Zähnen, die Augen auf die ersten wenigen Angreifer geheftet, die aus dem Wald gerannt kamen und getroffen zusammensackten oder sich hinter den Schild kauerten.

„Mein Bruder konnte keine Kinder zeugen.“, fuhr Durgaha hastig fort. „Aber das Ansehen unserer Familie hing an ihm. Ich habe versucht ihn zu überzeugen, mir seine Frau zu geben für ein paar Nächte, damit er seine Ehre behalten konnte. Aber gerade das war ihm zuwider.“ Er kicherte trocken.
„Dass ein König seine Frau nicht dem jüngeren Bruder geben will, kann ich verstehen.“, raunte der Fürst wie ausgehöhlt. „Es gibt viele Grenzen, die der Stolz schärfer zieht als das Schwert.“
„Allerdings war die geliebte Frau der Idee weniger abgeneigt.“, sagte Durgaha „Sie legte sich heimlich zu mir und wurde bald schwanger.“
„Ein Bulle bist du wie kein zweiter!“, lachte der totenköpfige Wächter hinter dem Fürsten schallend. „Besteigst seine Frau und bringst ihn um.“
Durgaha fiel mit einem bitteren Beiklang in das Gelächter ein.
„Und worin ähnelt das meinem Vater?“, fragte der Fürst abgehackt, leise und schwach, nicht wie einer, der eine Antwort erwartet.

Während die feindlichen Krieger bereits in größerer Zahl aus dem Urwald hervorgestürmt kamen, mit Pfeilen übersät wurden und sich gegen die Schilde der Verteidiger warfen, blieben die kleinen Trauben von Kriegern in ihren Kreisen ohne Rührung. Manche hoben sogar die Speere über ihre Köpfe zur Kreismitte hin, als sei von ebendort der Feind zu erwarten und nicht von den Säumen des Waldes. Der Fürst besah das seltsame Treiben mit ungläubig verzogenem Gesicht. Plötzlich trat ein Späher aus einer Kreismitte hervor, der nicht zu der im Kreis stehenden Gruppe gehört hatte.

Die Miene des Fürsten erhellte sich in erstauntem Verstehen. „Sind da Löcher im Boden, Durgaha?“, fragte er.
Ganz in der Nähe rieselte die Erde von der Seite des Feuers ab und ein schwarzer Maulwurf kam zum Vorschein. Er besah die vier verdutzten Gestalten der Gefangenen und ihrer Wächter, zuckte gleichmütig mit der Nase und verschwand wieder in der Tiefe des Hügels. Weit entfernt kam ein fremder Schlachtgesang auf, der Trinirrtha ähnlich, aber mit viel mehr Zungen vorgetragen als beim Angriff des Fürsten.

„Der Herr des Grunds.“, stammelte der Wächter mit dem runden Gesicht mit einem verhängnisvollen Blick auf das Loch, in das der Maulwurf unter die Erde zurückgekehrt war. „Er hat die Unterwelt für unsere Feinde geöffnet.“
Durgaha setzte ein schiefes Grinsen auf. „Mein Bruder kannte die Schnittpunkte zwischen den drei Welten wie kein anderer.“, rief er laut, um den stetig anwachsenden Schlachtenlärm zu übertönen. „Und jetzt nutzen die Emporkömmlinge seine Kenntnis zum eigenen Vorteil und machen seine Götter zu ihren Dienern.“
„Wir stehen und fallen hier!“, schrie der totenköpfige Wächter seinem ängstlichen Gefährten entgegen. „Reiß dich zusammen! “
Während er sprach, gab der Fürst dem Rundgesichtigen mit seitlichem lächelnden Nicken ein Zeichen. Dieser machte große Augen und sah für einen Moment zu Boden. Dann rückte er sich den Helm zurecht, seufzte tief in die aufgeblasenen Wangen und stieß wild auf seinen Gefährten ein. Der verwirrte Gegner hob verkrampft den Schild, aber seine Abwehr kam zu spät. Der Angreifer traf mit einem Stich tief in die Achselhöhle des Kampfgenossen.

Der Wächter kreischte auf, als sein Gegenüber die rotgolden gleißende Klinge aus der Wunde zog und zurücktrat. Verwundet sprang er auf und stolperte davon, das Schwert fiel klirrend zu Boden. Zum Angreifer sagte der Fürst mit blitzenden Schlangentöteraugen:
„Der Ort ist nicht gut, wie du selbst gesehen hast.“ Er ließ sich von ihm die Binden durchschneiden, während in einiger Entfernung der Verwundete zu Boden sackte. „Ich habe noch Freunde unter denen, welche die Streitwägen geführt haben.“, fuhr er fort. „Mit denen können wir vielleicht durchbrechen und fliehen.“
Der Wächter bedachte Durgaha mit einem Seitenblick und nickte dem Fürsten hastig zu, ohne ein Wort zu sagen. Der Fürst nahm das Schwert des Verwundeten auf und schnitt Durgahas Fesseln durch. Dieser stand langsam auf, machte aber keine Anstalten nach einer Waffe zu suchen. Gerade als sich der Fürst umwandte und zu dem sterbend daliegenden Wächter gehen wollte, um ihn seines Helmes zu berauben, brach der Feind am Fuß des Hügels durch die Linien.

Die feindlichen Männer trieben in kleinen Gefechten an mehreren Stellen die Schlachtlinien auseinander. Einige wenige kamen den Berg hinaufgerannt. Vom Feuer aus stürzten Durgaha und der Wächter dem Fürsten entgegen. Der Hauptmann und die Herren hatten seine Befreiung nicht wahrgenommen. Sie hieben und stachen auf die Löcher inmitten ihrer Kreise ein, aus denen vielzüngige Schreie zu vernehmen waren. Mit einer flinken Bewegung nahm der Fürst den Helm des unterdessen verendeten Wächters an sich und legte ihn an. Er gürtete sich das Schwert mit dem Riemen des Toten um und nahm seinen Schild.
Brüllend stürmten die wenigen gegnerischen Krieger auf ihn ein, die es durch die Linien geschafft hatten. Kurz bevor der erste des Trupps ihn erreichte, wurde jener von drei Pfeilen in den Hals, den Oberarm und die Wade getroffen. Begleitet von einem entfernten Schnauben und Rattern sackten er in die Knie und fiel mit dem Gesicht vor dem Fürsten in den Staub.

Ein Streitwagen kam ein Stück weit links neben dem Fürsten zum Halten. Der Pfeilbeschuss nahm die Aufmerksamkeit des angreifenden Trupps in Beschlag. Sie wichen langsam zurück mit den Schilden vorgehalten.
„Wohin führt dein Weg, Vishpati?“, schallte eine helle, aber einvernehmend klare Stimme beherzt von der Mitte des Wagens. Es war Miyedhya, den der Fürst in der Mitte des Waldes zu den Streitwägen geschickt hatte, um diese anzuführen, ein hochgewachsenes junges Familienoberhaupt mit markanter Nase und geflochtenem, mit dunklen Federn durchzogenem Haar.

Das gewohnheitsmäßige Lächeln kehrte für den Moment auf die Züge des Fürsten zurück. „Der Weg führt in den unvergänglichen Ruhm, Miyedhya!“, rief er listig aus, die Offenheit seiner Stimme getrübt von einem zornigen Beiklang. „Bring mich schnell hinüber zu meinem Hauptmann und den anderen Herren und befiel so vielen Wagenlenkern wie möglich uns zu folgen. Ich will einen großen Vorstoß wagen.“
„Du willst also durchbrechen?“, fragte Durgaha mit einem wölfischen Grinsen, der tiefe Blick legte sich prüfend von unten her auf die rechte Hand des Fürsten, die einen Speer aus dem Vorrat des jungen Miyedhya entgegennahm. Der rundgesichtige Wächter wurde bleich, öffnete den Mund zum Sprechen, stockte jedoch in sichtbar angestrengtem Gedankengang, begleitet von einem unglücklichen Glucksgeräusch. Hinter ihm rollten mehrere Streitwägen um die kleine Gruppe herum und auf den Feind zu, um die Lücke in der Abwehr zu schließen.

Der Fürst heftete den Blick auf den Wächter und hob den linken Arm mit geöffneter Handfläche zu ihm hin.
„Bleib bei dem Gefangenen!“, befahl er ihm mit wärmender Stärke in der Stimme. „Miyedhya!“ Er drehte sich dem jungen Herrn zu und schwang die Hand herum in Richtung des weit entfernten Erdlochs, an welchem der Hauptmann stand. „Lass einen deiner Männer die beiden mit auf den Wagen treten.“
Nun konnte Durgaha nicht mehr an sich halten und verfiel in ein lautes Gelächter, das für die Umstehenden klang wie das eines Wahnsinnigen.
„Deine Entscheidungen sind gesegnet, Vishpati Trita!“, rief er. „Nie lässt du deine Gefangenen aus den Augen, selbst nicht inmitten einer Schlacht.“

Miyedhya bedeutete einigen der Streitwägen, ihm zu folgen und nahm die Zügel in die Hände. Der Wächter und Durgaha sprangen auf einen von ihnen auf und alle zogen einen engen Kreis an den gegnerischen Männern vorbei, einen letzten Pfeilhagel aussendend. Die Feinde nahmen den am Wagenkorb festgeklammerten Durgaha mit verblüfft verzogenen Mienen in Augenschein, bevor die Wagengruppe ganz kehrtmachte und sich im Fluge der Gruppe des Hauptmanns näherte. Unverständliches brüllten die fremden Krieger ihnen hinterher, dann waren sie außer Hörweite.

Die Herren hatten aufgehört auf das Erdloch einzustechen. Zu ihren Füßen ragten die Leichen von Feinden aus der Schwärze der Erde hervor. Als der Fürst dem Geschehen näher kam, nahm er den Helm ab. Der Hauptmann schaute auf, fuhr zusammen und stieß den Herren neben sich an die Schulter.
Die Streitwägen sammelten sich zwischen den Herren und der Schlachtlinie zum Wald hin. Die Rosse waren kreuz und quer zum stehen gekommen und verharrten wie erstarrt, den nächtlichen Bodennebel durch die Nüstern schnaubend. Die Herren um den Hauptmann senkten die Speere in Erwartung. Hinter ihnen standen einige Späher, darunter die beiden, die zuvor dem Fürsten selbst Bericht erstattet hatten.

„Wie ist das Wetter in der Unterwelt?“, stieß der Fürst aus, mit einer Handbewegung hin zum Erdloch, als er abstieg und sich dem Hauptmann genau gegenüberstellte, den Speer fest umgriffen. Stille senkte sich um den Kreis, während der Schlachtsturm um sie herum weiter anstieg und mit seinem Lärm die Nacht zum Tag werden ließ.

„Lasst uns alle Männer zusammenziehen und mit den Streitwägen durch die Reihen brechen!“, fuhr er fort, in einem Ton wie aus der Kehle eines Teufels. „Dort werden wir unser Schicksal finden. Hier wartet auf uns nur der langsame Zerfall.“
Der Hauptmann nahm die Streitwägen und das genauso wilde wie unbescholtene Auftreten des Miyedhya in Augenschein.
„Das ist ein hoher Einsatz, Vishpati.“, brummte er, dem Blick des Fürsten standhaltend.
„Dieser Hügel ist eine Grabstätte für alle, die auf ihm die Ehren eines Herrschers tragen wollen.“, rief der Fürst mit einem unerbittlichen Zug, die Augen starrten irgendwo oberhalb des Hauptmanns in die Leere. „Also folgt mir oder senkt euch das Schwert in den Bauch! Wenn die Schlacht endet, werde ich mir gerne ansehen, welcher Einsatz hoch und welcher niedrig gewesen ist.“
„Nur der Ruhm, der vergeht, kennt die Schlacht, die endet!“, fügte Miyedhya begeistert hinzu. „Freunde, folgt uns!“

„Unsere Schlacht endet nicht in Ruhm, wenn wir dir folgen, Trita.“, spie der alte Murmura aus, die massigen Arme verschränkt, den Schild zu Füßen. „Miyedhya, mach nicht den Fehler des Übermuts. Der Sinn deines Vishpati dreht sich mit dem Wind.“
Der junge Herr legte die Stirn in Falten. Der Fürst schnaubte laut aus und lachte mit mörderischer Gewalt.

„Vor und nach meinem Sieg, vor und nach meiner Niederlage, Murmura-.“, hob er an.
„-bleibt mein Sinn immer derselbe. Wenn ich zurückkomme, werden wir sehen ob der Wind für dein Urteil sich wieder gedreht hat.“

Noch während er sprach, trieb das leichtere Blau des Morgens die Schwärze der Nacht zunehmend zurück. Der neben dem zitternden Wächter locker über einen der Wagenkörbe lehnende Durgaha ließ den Blick in die Höhe wandern und sah das klare Sternenlicht verblassen. Murmura, der den himmlischen Bewegungen keine Aufmerksamkeit zollte, hob noch einmal erzürnt gegen den Fürsten zu sprechen an, als ihn eine Klinge von hinten durchfuhr und er mit dem Heft im Rücken keuchend in die Grube fiel.

Den Umstehenden offenbarte sich der Anblick des jungen, eulenäugigen Spähers, der in völligem Gleichmut das Messer losgelassen hatte und die mörderische Hand in einer fließenden Bewegung zurücknahm wie nach dem Darreichen einer Opfergabe. Zuerst drang der Hauptmann nach vorn, den Speer gesenkt in unmittelbarer Antwort auf die Tat, dann fror er fest und ließ beinahe die Waffe fallen, als er sah wie die Gestalt des Jünglings in der Gruppe der Späher sich bedrohlich aus ihrer menschlichen Hülle schälte.

Doch nicht nur er, alle der Späher schienen zu wachsen und ihre Form zu verändern, bis auf den alten Krummrücken, der dem Fürsten im Wald vom Lager berichtet hatte. Er sprang zurück und nahm gemeinsam mit den Herren Aufstellung. Die Späherwesen ragten höher und höher, ihr Äußeres wurde immer dunkler, je mehr das Firmament über ihnen an Helligkeit gewann. Die Augen verloren sich in schwarzen Flecken, die Gliedmaßen gingen in durchscheinende Schwingen über. Ihre Stimmen formten keine Worte, sondern bildeten lange Töne wie ein einzelnes Wort, das ewig in der Zeit gefangen blieb. Unbeweglich rasteten die Ulukayatu inmitten des Hügels und das Feuer hinter ihnen erstarb in einem Zischen.

„Das ist die Kraft meines Bruders.“, hauchte Durgaha bleich vor sich hin. Er begegnete dem unbeirrten Starren des Fürsten mit einem missmutigen Lächeln. „Ich habe euch beide unterschätzt. Es tut mir leid, wie die Dinge nun verlaufen sind.“

Noch während er sprach hoben die Trommeln aus den Wald wieder an und eine neue Welle von Kriegern brach aus dem Dickicht hervor. Mit wilder Wucht brachen sie die Schutzlinie und rannten auf den Berg hinauf, geradewegs auf die Herren zu, die unbeweglich zwischen ihnen und den Ulukayatu eingekeilt verharrten. Miyedhya wendete seinen Wagen und trieb brüllend auf die dunklen Riesengestalten zu. Vor ihm begannen die Ulukayatu die kauernden Herren mit ihren Schwingen zu greifen, einen nach dem anderen rupften sie die Körper auseinander wie man Gräser zum Flechten von Strohmatten zerteilt.

„Wieso dient die Kraft deines Bruders dem Feind noch nach seinem Tod?“, fragte der Fürst mit aufbrodelndem Zorn im Gesicht, stieg vom Wagen ab, erhob den Schild und hielt den Speer gegen Durgaha hin wie gegen einen Feind. Als der leblose Rumpf des Hauptmanns mit einem Krachen neben dem Fürsten den Erdboden traf, zuckte dessen linkes Augenlid, ohne dass er den Blick zur Seite zuließ.

Sobald die Krieger des Königs dem Geschehen in Rufweite gekommen waren, hielten sie urplötzlich inne, obwohl von allen Seiten die Pfeile der fürstlichen Schützen kreuz und quer auf sie einprasselten. Der vorderste der fremden Krieger nahm den Schild zum Gruß hoch, die Miene verriet Überraschung.
„Solltet ihr nicht die Männer im Osten anführen, mein Herr?“, rief der Krieger schallend Durgaha zu. Dieser blieb still, sein Blick kalt. Mit einem Satz sprang er vom Wagen ab. Der Wächter folgte ihm mit gezücktem Schwert.

„Du hast also doch gelogen und dein Bruder ist noch am Leben!“, grollte der Fürst und hob den Speer zum Wurf.
„Ja, ich habe gelogen. Mein Bruder ist am Leben.“, gab der Gefangene zur Antwort.
„Dann warst du sogar bereit, zum Äußersten zu gehen und dich für ihn zu opfern, um ihm den Sieg zu bringen?“

Der Gefangene lachte in gewohnheitsmäßigem Wahnsinn, doch im Zuge dessen schwand die Spur der Verzweiflung, die dem Wahnsinnston zugrunde gelegen hatte.

„Opfert man sich je für seinen Zwilling, Vishpati Trita?“, rief er aus, die Hände ausbreitend. „Tötet man ihn je? Opfert sich das Spiegelbild dem Schauenden, wenn er das Wasser trinkt? “

Der Speer des Fürsten verließ seine Hand und die Klinge des Wächters schwang aus der Hüfte herauf, während der erste Strahl des neuen Tages über die Wipfel der Bäume wie ein Fingerzeig den Hügel traf. „Ich bin nur noch hier, weil erst nach drei Tagen die Seele eines Menschen ihren Weg ins Meer des Himmels findet.“, murmelte der Gefangene und verschwand.

Die Waffen gingen ins Leere, die Kleider mitsamt der alten Decken fielen zu Boden. Der Wächter sackte bestürzt in sich zusammen. Der Fürst ließ die Schultern hängen und betrachtete mit unsinnigem Ausdruck den Speer, der einen der feindlichen Krieger in den Oberschenkel getroffen hatte und sich unter dem Winden des zusammenbrechenden Mannes zur Seite bog.

Als auch die feindlichen Krieger verstanden hatten, was geschehen war, stürmten sie voran und zwangen die Männer des Fürsten zum letzten Gefecht, unter wilden Hochrufen auf ihren König Durgaha, der nun von Osten mit vielen Streitwägen auf den Hügel einfuhr. Miyedhya und seine Wagenlenker stürmten noch umher, wichen den Ulukayatu aus und beschossen die siegesgewissen Feinde aus den Flanken. Der alte Krummrücken sank getroffen vor einem der Stürmer nieder, während hinter ihm die Ulukayatu langsam ihre Gestalt zur Gänze verloren und sich anschickten das Feld zu verlassen. Der Wächter wurde in seinem schutzlosen Kauern von Pfeilen der eigenen Schar durchbohrt. In den letzten Momenten seiner aussichtslosen Lage schaute der Fürst nach oben in das Firmament. Ein strahlender Tag war im Anbruch, doch die Söhne der Freiheit versetzten das Meer des Himmels in einen wilden Sturm voller Zorn und Reue. Nur ein einzelner Stern war noch zu sehen in der dunklen Hälfte des Gewölbes, sein Leuchten eingefasst in den steinernen Himmel wie ein Kristall, so schien er mit diesem zur selben Zeit genauso vollkommen verbunden wie von ihm vollkommen getrennt.

 
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Hallo @Feuertopf,

herzlich willkommen auf wortkrieger.de!

Dies hier ist zu umfangreich für eine Kurzgeschichte. Wir haben zur Vorwarnung das Präfix "Novelle", das man einstellen kann. Allgemein ist es keine gute Idee, hier als Debut etwas von dieser Länge einzustellen, daher kommt erst jetzt ein Kommentar.

Hier geht es also um die letzte Schlacht zwischen zwei Armeen. Einerseits gefällt mir, dass hier eine Fantasy-Welt mit eigener Logik hintersteht, wie das "Meer des Himmels" und dass man jemanden vor dem Sonnenlicht verbergen muss, damit die Götter ihn nicht sehen. Ich dachte erst, "Meer des Himmels" wäre ein poetischer Ausdruck für den Himmel, bis sich mir erschlossen hat, dass das ein eigenes Konzept ist. Langsam habe ich in die fremde Welt reingefunden.
Wo ich Schwierigkeiten hatte, reinzufinden, war die Situation an sich. Es ist lange Zeit nicht klar, dass es sich hier um eine Armee handelt. Sie errichten am Anfang das Opferfeuer, aber es ist weder von Zelten die Rede noch von den Soldaten oder was sie da machen, ob sie sitzen oder stehen oder was auch immer. Ich habe bis zum Ende hin keinerlei Eindruck von der Situation.
Die verschiedenen Hauptcharaktere bekomme ich nicht auseinander, die haben nichts, was sie voneinander abhebt. "Fürst", "Hauptmann" und "Gefangener" bekomme ich noch auseinander. Die vielen Namen kann ich bald nicht mehr zuordnen. Wenn mittendrin "der alte Mann" irgendwas tut, habe ich keine Ahnung, wer das nochmal war. Lediglich den Namen des Gefangenen habe ich mir gemerkt, vermutlich, weil der Charakter explizit eingeführt wurde.
Die Leute drücken sich alle poetisch aus, aber auch alle in gleicher Weise, da gibt es keine Unterscheidungen, keine persönlichen Nuancen in der Sprache. Abgesehen davon haben mir die poetischen Ausdrücke gut gefallen.

Ich frage mich auch, wie man den Bruder des Königs nicht erkennen kann, bzw. kam ja raus, dass es der König selbst war. Ich stelle mir Könige als die Stars ihrer Welt vor, über die geklatscht und getratscht wird. Die Familie des Königs sollte bekannt sein, insbesondere wenn man gegen ihn in die Schlacht zieht, sollte man wissen, mit wem man es zu tun hat.


während die Meute der Herren und Krieger in Vorfreude auf das Opfer begann, den Saum des Waldes außer Acht zu lassen.
Das ist mE nach nichts, was jemand tut. Man kann nicht nichts machen. Stattdessen machen sie bestimmt irgendwas anderes, den Vorbereitungen zugucken beispielsweise. Wie soll ich mir das überhaupt vorstellen, waren einige von ihnen abgestellt, den Wald zu bewachen und schwänzen ihre Aufgabe oder warum haben sie vorher auf ihn geachtet?

Aus der anderen Richtung jagte der Hauptmann dem Geschehen entgegen
Ich bin verwirrt. Vielleicht sitzt der Hauptmann auf einem Pferd, vielleicht ist er selbst ein vierbeiniges Wesen, das schnell laufen kann, wer weiß.


dann beendet es lieber gleich hier.“, sagte er.
Wenn es hinter der wörtlichen Sprache weitergeht, setzt man kein Komma.

Am meisten Angst hatte er davor, ein Feigling zu sein.
:lol:


Viele Grüße und einen schönen restlichen Ostermontag
Jellyfish

 
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Hallo @Jellyfish,

erstmal vielen Dank für den Willkommensgruß und Deine sehr konstruktive und nützliche Kritik!

Dies hier ist zu umfangreich für eine Kurzgeschichte. Wir haben zur Vorwarnung das Präfix "Novelle", das man einstellen kann. Allgemein ist es keine gute Idee, hier als Debut etwas von dieser Länge einzustellen, daher kommt erst jetzt ein Kommentar.
Das habe ich erst gemerkt, als ich nach dem Upload ein paar andere Beiträge durchgesehen habe und dann erstmal gar nicht mehr mit Feedback gerechnet habe, da der Beitrag doch sehr schnell untergegangen ist :)

Wo ich Schwierigkeiten hatte, reinzufinden, war die Situation an sich. Es ist lange Zeit nicht klar, dass es sich hier um eine Armee handelt. Sie errichten am Anfang das Opferfeuer, aber es ist weder von Zelten die Rede noch von den Soldaten oder was sie da machen, ob sie sitzen oder stehen oder was auch immer. Ich habe bis zum Ende hin keinerlei Eindruck von der Situation.
Ich hatte gehofft, dass die Ausgangslage später durch den Konflikt zwischen dem Fürsten und seinen Kriegern klar wird, indem klargestellt wird, dass sie (die Krieger) im fremden Land Beute machen wollen, er aber seine persönlichen Gründe hat, die seine Leute nur solange akzeptieren, wie sie nicht mit ihren kollidieren (der Dialog mit dem Feuer). Allerdings habe ich auch schon aus dem privaten Umfeld das Feedback bekommen, dass einige wichtige Sachen verloren gehen, weil sie zu nebensächlich eingearbeitet sind. Es ist insgesamt ein Grundkonflikt, der der Ilias ähnelt, wonach die meisten Krieger nur bei Anreiz auf Beute einem Anführer in so einer Mission folgen. Schilderungen vom Lager und der Ausgangslage waren anfangs vorhanden, allerdings hatte ich die aus Spannungsgründen weggelassen.

Die verschiedenen Hauptcharaktere bekomme ich nicht auseinander, die haben nichts, was sie voneinander abhebt. "Fürst", "Hauptmann" und "Gefangener" bekomme ich noch auseinander. Die vielen Namen kann ich bald nicht mehr zuordnen. Wenn mittendrin "der alte Mann" irgendwas tut, habe ich keine Ahnung, wer das nochmal war. Lediglich den Namen des Gefangenen habe ich mir gemerkt, vermutlich, weil der Charakter explizit eingeführt wurde.
Der alte Mann ist ein Fehler. Da sollte Murmura stehen, lässt sich leicht ausbessern. Insgesamt kann ich mir aber vorstellen was Du meinst. Vielleicht kann ich dem zum Teil Abhilfe schaffen, indem ich die Namen von Fürst (Trita) und Hauptmann (Bhajerata) gleich zu Beginn einführe. Es gibt eigentlich auch keinen Grund, damit zu warten. Auch den Titel des Fürsten (Vishpati) kann ich eigentlich einfach als "Fürst" belassen und die Ulukayatu durch Eulendämonen ersetzen.

Ich frage mich auch, wie man den Bruder des Königs nicht erkennen kann, bzw. kam ja raus, dass es der König selbst war. Ich stelle mir Könige als die Stars ihrer Welt vor, über die geklatscht und getratscht wird. Die Familie des Königs sollte bekannt sein, insbesondere wenn man gegen ihn in die Schlacht zieht, sollte man wissen, mit wem man es zu tun hat.
Das ist super Feedback! Da haben wir wieder das Problem mit der fehlenden Hintergundinfo (was ich nachrecherchiert hatte, aber beim Schreiben wieder vergessen), dass die alten Inder im vedischen Zeitalter ihre Könige ("rajan") in der Situation des "Anschirrens" ("yoga") also einer gewaltsamen Suche nach Lebensraum oder einer Verteididungssituation gewissermaßen "gewählt" haben. Es passt also in den Kontext, dass ein junger Viehdieb wie Paurya zum Fall von Tritas Vater beigetragen hat und erst im hohen Alter zu Ruhm gekommen ist, das aber über die Gebietsgrenzen hinweg nur dem Namen nach und ohne viel Infos über seine Familie. Da muss ich mir noch Gedanken machen, wie es sich einarbeiten lässt.

Also nochmals vielen Dank für die ausführliche Kritik. Ich werde schauen, wann ich dazukomme, da noch etwas auszuarbeiten, um Deine Punkte in eine neue Version einfließen zu lassen.

Gruß
Feuertopf

 

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