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Böser Wicht

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14.09.2020
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Anmerkungen zum Text
Dieser Text ist Teil des Kurzgeschichtenzyklus >oneshortyear<. Man schreibt jedes Monat eine Kurzgeschichte zu einem vorgegebenen Thema. >Böser Wicht< schrieb ich zum Thema: Böses ist Ansichtssache.<

Böser Wicht

Im Wald ist es so laut, dass man nicht einmal die Vögel zwitschern hört. Rechts und links hechten Läufer an Tobias und Luis vorbei. Wurzel zerbrechen unter dem Gewicht der Sportschuhe, die auf alles treten, das sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen kann. Eine Schnecke verliert eine Sekunde später ihr Haus und dann ihr Leben.
»Vielleicht hätten wir einen anderen Weg nach Hause wählen sollen.« Luis weicht einem Läufer aus, der ihn sonst umgestoßen und danach niedergetrampelt hätte.
»Kannst du etwas für dich behalten?«
Luis antwortet nicht gleich. Er weiß, Tobias meint damit nur eines. Dinge, die er schon als kleines Kind in Gut und Böse einzuordnen versucht hat. Gute Geheimnisse behält man für sich. Ein gutes Geheimnis ist, dass seine Schwester seit Wochen schwanger ist. Ein gutes Geheimnis ist, wenn man heimlich verliebt ist oder wenn man etwas gefunden hat und es niemand wissen soll. Luis ist ein Jahr jünger, einen Kopf größer als Tobias und immer noch ganze vierundvierzig Wochen davon entfernt, endlich ein Teenager zu werden.
»Sicher«, sagt Luis und wartet darauf, dass Tobias es ihm beichtet. Kurz ist es ihm egal, was sein Freund ihm sagen will. Vielleicht ist es etwas Gutes. Vielleicht ist es das, worauf er seit Jahren wartet. Luis spürt instinktiv, es ist nichts, worüber er sich freuen wird. Für einen Moment macht es ihn sogar stolz, dass er ihn ausgewählt hat. Dass er es ist, dem er sich anvertraut. Dann krampft sich sein Magen zusammen. Schlechte Geheimnisse muss man weitersagen. Man muss einfach. Denn wenn man es nicht tut, dann versinkt man immer mehr im Sumpf der Lügen.
Tobias sagt nichts.
»Nun sag schon.«
»Ich sage es nicht, ich zeige es dir.«
Tobias streckt seine Hand nach hinten. Luis wartet einen Moment, dann nimmt er die Hand seines Freundes. Mädchen machen das andauernd. Sie geben sich Küsschen, sie kuscheln in Eckemiteinander und gehen meterweit Hand in Hand. Sogar in der Schule tun sie das. Vor allen anderen und niemand sagt etwas. Wieso müssen Jungs immer gleich schwul sein?
»Ich habe auch ein Geheimnis.« Luis hat es bisher niemanden gesagt, aber schon immer gefühlt. Nie haben ihn Mädchen interessiert. Schon mit fünf war er in Tobias verliebt gewesen und seitdem hat er nie aufgehört, ihn zu lieben. Nicht einmal, als seine Mutter meinte, Liebe sei etwas für Erwachsene. Luis weiß es besser. Gegen Liebe kann man sich nicht wehren. Liebe erfasst einen und lässt einen nie mehr los.
Tobias hört ihm nicht zu. Egal, denkt Luis. Seine Hand in meiner ist doch Beweis genug. Worte sind nicht nötig.
Die Hand seines Freundes zieht Luis scharf nach links. Zu hoch gewachsene Brennnessel schneiden die Haut beider Jungs. Tobias scheint das nichts auszumachen, also hält auch Luis seinen Mund
Nach weiteren hunderten von Metern hält Tobias inne. »Hier ist es.«
Zuerst sieht Luis es nicht. Nicht einmal, als seine Augen den ausgestreckten Arm seines Freundes folgen. Dann kann er etwas unter dem Laub ausmachen. »Sind das …« Weiter kommt er nicht. Turnschuhe ragen unter den Blättern hervor. Turnschuhe kleiner, seine.
»Es war so einfach. Er hat sich fast nicht gewehrt. Ein einziger Schlag und Felix war tot.«
Luis lässt die Hand los, die ihn so sanft gehalten hat. Er tritt drei Schritte zurück. Sein Herz schlägt schneller. In seinem Mund sammelt sich etwas Bitteres. »Nein.« Er will es nicht sehen. Er will es nicht wissen. Er will nur noch eines - weg von hier. Nicht nur weg von diesem Ort, weg aus diesem Leben. Tränen laufen ihn ungewollt und ungebremst die Wangen hinunter.
Tobias schiebt mit seinen Schuhen die Blätter vom toten Körper, bis der Junge nackt vor ihnen liegt.
»Wieso?«
»Ich weiß, was du denkst. Man darf nicht töten. Aber das Böse liegt doch im Auge des Betrachters. Felix ist nie ein guter Mensch gewesen. Er hat doch nichts als Ärger gemacht. Sicher werden uns sogar seine Eltern dafür danken.«
»Nein.« Nein, du weißt nicht, was ich denke. Ich frage mich nicht nur, wieso er tot ist. Ich frage mich auch, wieso du ihn ausgezogen hast. »Er hat doch nie …«
»Er hat unser Leben zerstört. Wenn einer schwul war, dann er. Wir beide sicher nicht. Wie konnte er nur so etwas von uns behaupten. Er war es, der diese Briefe geschrieben hat.«
Nein, hat er nicht, will Luis sagen. Er war es nicht. Felix hat nie jemanden etwas zuleide getan. Er hat keinen der Liebesbriefe geschrieben und ihn mit Luis unterschrieben.
Ich war das, will Luis sagen. Ich liebe dich. Luis ist sich nicht sicher, ob er Tobias noch liebt oder lieben kann. Es gibt böse Geheimnisse, die man für sich behalten muss, und dies ist eines davon. Er wird dieses Geheimnis mit ins Grab nehmen und hoffen, dass es nie jemand herausfinden wird. Morgen wird er alle Liebesbriefe, die er an Tobias geschrieben hat, vernichten. Er wird alles vernichten, das mit Tobias zu tun hat. Sogar die Gefühle, die er seit Jahren für sich behält. Wenn Tobias es herausfindet, dann wird er nicht haltmachen, es wieder zu tun. Luis hat gelesen, wer einmal mordet, dem fällt das zweite Mal leichter. Wie hat er sich nur so täuschen können?
»Was hast du mit der Schaufel gemacht?« Luis ist von sich selbst überrascht, wie ruhig er ist. Wie oft haben sie die Schaufel, die beide einst in diesem Wald gefunden haben, zweckentfremdet und Dummheiten damit angestellt. Tobias muss sie verwendet haben. Er hat gesagt, ein Schlag und …
»Vergraben.«
»Gut. Und jetzt hilf mir.« Mit seinen Händen deckt Luis Felix mit den Blättern zu. Er reißt blattbedeckte Äste ab und drückt sie Tobias in die Hand. Am Ende sieht er nichts mehr von Felix. Alles was von ihm bleibt, ist ein unordentlicher Haufen Äste, Blätter und viel Moos.
Luis nimmt Tobias` Hand. »Komm, lass uns gehen.«
»Danke, dass du mich nicht verraten wirst. Du wirst es doch für dich behalten, oder?«
»Ja.« Einmal ist kein Mal, sagen seine Lehrer immer. Dieses eine Mal wird er für sich behalten.
 
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Wortkrieger-Team
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Hallo Schreibwolf,

und willkommen bei den Wortkriegern.

Dein Text ist knapp ans Korrektur-Center vorbeigerauscht. Er hat noch jede Menge Fehler. (Wieso hast du eigentlich sofort zwei Texte auf einmal gepostet? Das hat immer den Nachteil, dass du parallel korrigieren muss, so wie jetzt z.B.)

Wurzel zerbrechen unter dem Gewicht der Sportschuhe, die an Beinen hängen, die auf alles treten, das sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen kann.
Klingt unfreiwillig komisch:
Schuhe hängen an Beinen

einen anderen Weg nachhause
nach Hause

Luis weicht einem Läufer aus, der ihn sonst niedergetrampelt hätte.
Tatsächlich niedergetrampelt?
Würde eher sagen "umgestoßen".

Dinge, die er schon als kleines Kind in Gut und Böse einzuordnen versucht hat. Gute Geheimnisse behält man für sich.
Das mit dem Gut und Böse etc. gefällt mir.

Mit seinen zwölf Jahren ist er immer noch ganze vierundvierzig Wochen davon entfernt, endlich ein Teenager zu werden.
Ne. Wenn er zwölf ist, ist er in 52 Wochen von 13 J. (= Teenager) entfernt. Solltest du umformulieren. Das klingt als wäre jeder Zwölfjähriger in 24 Wochen Teenager.
Z.B. "er ist zwölf, nur noch vierundzwanzig Wochen davon entfernt, ..."

Denn wenn man es nicht tut, dann steckt man sich selber immer tiefer in den Dreck hinein.
Klingt auch unfreiwillig komisch.
Er steckt sich in den Dreck?

hinein.

Tobias sagt nichts.

»Nun sag schon.«

»Ich sage es nicht, ich zeige es dir.«

Tobias
Diese ganzen Leerzeilen solltest du noch entfernen.

Mädchen machen das andauern.
andauernd

Sie geben sie Küsschen,
sich

Nach vierhundert Metern zieht Tobias Luis scharf nach links.
So exakte Entfernungen würde ich nicht verwenden. Wer hat das wie nachgemessen?

Zu hoch gewachsene Brennnessel schneiden sich Luis Haut. Tobias scheint das nichts auszumachen, also hält auch Luis seinen Mund.
ins Luis' Haut
Was macht Tobias nichts aus? Dass Luis durch Brennnesseln läuft oder Tobias selbst auch?

Turnschuhe kleiner, seine eigenen.
als seine

Er will nur noch eines, weg von hier.
Besser: Er will nur noch eines: weg von hier.

Ich frage mich, wieso du ihn ausgezogen hast.
Das fragt er sich echt?
Der Mord ist für ihn quasi egal?

Luis ist sich nicht sicher, ob er Felix noch liebt oder lieben kann.
Häh?
Wieso Felix? Verstehe ich nicht.

Luis denkt nur mehr an eines.
Da stimmt etwas nicht.

Er wird alles vernichten, dass mit Tobias zu tun hat.
das/was

dann wird er nicht halt machen,
haltmachen

»Was hast du mit der Schaufel gemacht?« Luis ist von sich selbst überrascht, wie ruhig er plötzlich ist.
Auch so eine Frage, die ich merkwürdig finde.

Luis nimmt Tobias Hand.
Tobias' Hand

Jede Menge Flüchtigkeitsfehler. Das kannst du sicher besser. Ich würde dir für die Zukunft raten, erst einen Text relativ fehlerfrei hinzubekommen, bevor du sofort einen weiteren postest.

Die Idee ist an sich nicht schlecht. Da könntest du aber mehr draus machen.

Viele Grüße und viel Erfolg bei der Überarbeitung,
GoMusic
 
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14.09.2020
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Lieber @GoMusic! Danke für das rasche Fehlerfinden. Ich habe den Text durch Google Mentor prüfen lassen, scheinbar erkennt der nur Rechtschreibfehler. :(
Ich werde das rasch ausbessern. Danke.
 
Wortkrieger-Globals
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24.01.2009
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Hey @Schreibwolf,

und da bin ich, um auch Dir einen Kommentar dazulassen.

Ich werde das rasch ausbessern. Danke.
Haste aber noch nicht und das finde ich ein wenig schade. Ich meine, RS-Fehler und massenhaft Leerzeilen sind ja nun kein subjektives Empfinden und es dauert auch keine Ewigkeit, so dass man dafür mal einen ganzen Tag frei haben muss. Ich weiß nicht, was deine Erwartungen an das Forum sind, aber wenn sich jemand Zeit nimmt und Fehler auflistet und dann passiert aber nix, da geht die Motivation weiterer Kommentatoren gen Null, wozu denn dann? Dem Autor scheint es nicht wichtig zu sein, also widme ich mich anderen Texten. Gibt ja genügend hier. Stilistische und inhaltlich Vorschläge, da sieht das anders aus, dass kann und muss man natürlich für sich abwägen, ob man das annimmt. Ich schreibe das nur, weil Du Dich vielleicht wunderst, warum sich hier niemand weiter geäußert hat. Will halt niemand seine Zeit "verschwenden".

So, nun aber zu deinem Text und ich sage es gleich, er hat mich nicht überzeugen können. Das liegt aber auch an meinen Erwartungen, meinen Lesegewohnheiten und Vorlieben. Hier steht ganz eindeutig der Twist im Vordergrund, ich mag lieber Texte, die auf die Charaktere aufbauen. Und die beiden Jungs sind ja eher flach gezeichnet. Außer, dass Luis schwul ist, erfahre ich ja nicht mehr. Und Tobias - selbst noch ein Kind - hat einen Mord begangen. Das ist natürlich heftig und da frage ich mich doch, wie der tickt, wie er das Zustande bekommen hat - bisschen verletzte Eitelkeit ist mir da zu dünne als Motivation. Wenn Kids immer so heftig reagieren würden, dann gäbe es einen Haufen Tote. Da wäre Corona ein Kuschelkaninchen dagegen. Insofern fällt es mir schwer, mich hier glaubwürdig auf den Text zu verlassen. Ich spüre den Autor und sein Bemühen mir einen möglichst dramatischen Plot zu schildern. Und genau das ist es, eine Schilderung. Mich berührt das alles nicht, weil ich keine Beziehung zu den Figuren aufbauen kann. Die sind am Reißbrett entstanden, sind Funktionsträger, mehr leider nicht. Und dadurch bleibt das eben auch alles so theoretisch. Ein Plotmodel. Und ich sage mal, wenn man daraus etwas stricken will, wo der Leser Tobias den Mord auch wirklich abkauft, das bräuchte sehr viel mehr Text. Ich weiß nicht, ob Du den Roman: Musterschüler von Köhlmeier kennst, da begehen Jugendliche einen Mord und ich kaufe denen das ab, aber es ist halt auch ein Roman mit viel Platz und Raum.
Es gibt natürlich auch Kurzgeschichten über Mord, aber dann steht der im Fokus, bei Dir ist das Thema aber das Verliebtsein des Freundes. Damit hast Du ein echtes Schwergewicht und ein Leichtgewicht im Ring, der Mord stiehlt dem Coming out gewaltig die Show.

Und was es mir zudem noch schwieriger macht, Tobias den Mord abzukaufen, sind folgende Stellen:

Tobias streckt seine Hand nach hinten. Luis wartet einen Moment, dann nimmt er die Hand seines Freundes.
Tobias begeht einen Mord, weil er auf keinen Fall für homosexuell gehalten werden will, reicht dem Freund in der Öffentlichkeit aber die Hand zum Händchenhalten? Und so gehen sie dann auch eine Weile?

Und hier:
»Er hat unser Leben zerstört. Wenn einer schwul war, dann er. Wir beide sicher nicht. Wie konnte er nur so etwas von uns behaupten. Er war es, der diese Briefe geschrieben hat.«
Heimliche Liebesbriefe haben sein Leben zerstört? Wie geht denn das?

Das mal als Leseeindruck von mir. Natürlich ist das für diese Geschichte jetzt nicht umsetzbar und vielleicht magst Du auch genau das gern schreiben, einen knalligen Plot, alles andere ordnet sich dem unter. Wahrscheinlich gibt es auch dafür eine Leserschaft, will ich gar nicht abstreiten. Ich habe nur versucht zu begründen, warum ich hier nicht schreibe: Boah, krass, wie schrecklich.

Beste Grüße und einen schönen Sonntag,
Fliege
 
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14.09.2020
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Liebe @Fliege! Danke für deine Kritik, auch wenn diese nicht, wie ich es hier erwarte, konstruktiver Art ist. Ich hatte bis heute keinen Zugang zu meinem Laptop und auf den Handy hatte ich große Schwierigkeiten, den Text zu bearbeiten. Ich nehme jede Kritik ernst und wenn ich sage, ich bessere es auch, dann tue ich das auch. Ich es heute getan habe, nachdem ich meinen Laptop wieder zurückbekommen habe. Man muss mich also nicht beschimpfen. Ich denke, Leute anzugreifen, ist weit weg von konstruktiver Kritik.
Zum Rest deiner Kritik sage ich wenig, weil ich in meiner Ausbildung gelernt habe, man nimmt Kritik an, man verteidigt sich aber nicht. Ich sage nur, es ist ein Text für ein Kurzgeschichtenprojekt bei dem man zurzeit nur 1000 Wörter schreiben kann. Da bleibt dann einiges auf der Strecke, das man in einem Roman tiefer und intensiver umsetzen könnte.
Liebe Grüße, Schreibwolf
 
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Wortkrieger-Globals
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24.01.2009
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Oh je,

ich glaube nicht, dass ich Dich beschimpfen wollte. Wenn das bei Dir so ankam, dann tut es mir leid. Dabei schrieb ich doch extra:
Ich schreibe das nur, weil Du Dich vielleicht wunderst, warum sich hier niemand weiter geäußert hat.
Und was das Konstruktive angeht, wenn Du nicht mehr als 1000 Wörter hast und zwei so große Themen aufmachst, aber keinen Raum sie zu bearbeiten, dann sind die Themen eventuell ein bisschen zu groß. Du kannst natürlich schreiben was und wie Du willst, aber mich hast Du eben nicht abholen können. Und konstruktiv ist halt zu begründen, warum ein Text nicht funktioniert. Und das habe ich getan. Es war auf keinen Fall meine Absicht, Dir zu Nahe zu treten oder Dich in irgendeiner Form anzugreifen. So gar nicht ...
 

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