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Bahnhof

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08.04.2003
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Bahnhof

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Gemurmel. Ausrufe. Begrüssungen. Verabschiedungen. Ankommen. Verlassen. Hektik. Ruhe. Gelassenheit. Nervosität.
Eine alte kleine Frau schlurfte langsam mit ihren Taschen in Richtung des Ausgangs. Sie blickte nicht nach oben, sondern hielt ihre Augen auf ihren Weg gerichtet. Die wuscheligen weißen Locken wurden von einem Windhauch zerweht. Ein kleines Mädchen mit langen blonden Haaren streifte flink ihren Weg. Die Kleine rannte in eine andere Richtung. Ein Obdachloser saß auf alten Zeitungen und drehte sich eine Zigarette. Sein Gesicht war schmutzig und seine Hände zitterten. Ein junger Mann schaute nervös auf seine Uhr und wippte mit dem linken Fuß auf und ab. Ein älterer Herr ging eleganten Schrittes an der alten Dame vorbei. Er schaute sich nicht um. Ein junge Frau huschte eilig in Richtung des Obdachlosen und stolperte kurz über die Bierdosen. Sie ging weiter. Ein herrenloser Hund pinkelte in die Ecke, in die das kleine blonde Mädchen vor einer Weile das Kaugummipapier hinschmiss.
Zur selben Zeit am selben Ort.
Nervosität. Gelassenheit. Ruhe. Hektik. Verlassen. Ankommen. Verabschiedungen. Begrüssungen. Ausrufe. Gemurmel.
Ein Mann mittleren Alters springt im letzten Moment, bevor die Türe sich schlisst, in den Zug. Er verliert einen kleinen, gelben Zettel. Eine ältere Frau steigt langsam aus dem Zug und wird liebevoll von einem älteren Herrn begrüsst und umarmt. Eine junge Frau springt von der Stufe des Zuges auf den Steig und stösst sich den Ellenbogen. Drei junge Männer drängeln sich hektisch durch die Tür in den den Zuginnenraum. Eine Stimme erklingt aus dem Lautsprecher, die die Abfahrt des Zuges ankündigt. Der Zug fährt ab. Mit dem Mann mittleren Alters und den drei jüngeren, hektischen Männern. Die ältere Frau mit dem älteren Mann und die junge Frau, die sich den Ellenbogen stieß sind weg. Der Zug raucht. Laute Töne werden leiser. Ampelähnliche Lichter leuchten und löschen sich aus.
Zur selben Zeit am selben Ort.
Der alte Mann mit dem grauen Hut murmelt leise, dass die Züge auch nicht mehr pünktlich sein. Der kleine Junge mit der Latzhose sagt leise an der Hand seines Vaters, dass ihm kalt sei. Der junge Mann, der gelassen an der Wand lehnt sagt zu sich, dass es nicht in Ordnung sei, dass man nicht mehr hier rauchen dürfe. Die alte Dame fragt sich, ob er denn wohl auch diesen Zug genommen haben würd. Die junge Frau klagt leise, dass zwei Wochen schon eine lange Zeit sei. Der Hund rennt einer rollenden Weinflasche hinterher.
Es ist siebzehnuhrzwölf. Mittwoch. Es regnet. Mitten im April. Ich geh nach Hause.
Gemurmel. Ausrufe. Begrüssungen. Verabschiedungen. Ankommen. Verlassen. Hektitk. Ruhe. Gelassenheit. Nervosität.

 

Hi annablume, die Geschichte ist sehr gut gelungen.
Erst aus der Ferne, dann nah dran, immer die alte Frau im Gedächtnis. Situationen werden geschickt festgehalten, Zeit verstreicht, das Leben lebt. (oh weia :) )
Schön sind auch die Verweise auf "Gemurmel..." etc, die eigentlich schon alles sagen, der Geschichte also die Wurzeln geben.
Gruß

 

Hallo Platonow,
vielen Dank für Deine Bewertung!
Ich hätte nicht gedacht, dass sie jemandem gefällt!
Gruß,
annablume

 

Mir gefällt die Momentaufnahme, ansonsten kann ich nicht sagen warum, aber ich finde die Geschichte schön. Sie klingt vertraut.

 

Hallo annablume!
Erst einmal ein herzliches Willkommen von mir hier auf kg.de! :)

Mit gefällt deine Geschichte ziemlich gut. Ich mag diese ruhige Atmospäre, die du durch die einfachen, schlichten Sätze hervorrufst. Es ist einfach interessant die Menschen zu beobachten, wie sie sich verhalten, was sie tun.
Ich finde, dass hast du sehr schön eingefangen.

Ein paar paar Anmerkungen hab ich:

Eine alte kleine Frau schlurfte langsam mit ihren Taschen in Richtung des Ausgangs.
Nach 'alte' müsste mMn ein Komma.

Ein kleines Mädchen mit langen blonden Haaren streifte flink ihren Weg. Die Kleine rannte in eine andere Richtung[/QUOTE
Nach 'langen' müsste mMn auch ein Komma. Das Mädchen
streift den Weg?? Meinst, sie kreuzt den Weg, oder wie? Das habe ich nicht gantz verstanden.

Ein herrenloser Hund pinkelte in die Ecke, in die das kleine blonde Mädchen vor einer Weile das Kaugummipapier hinschmiss.
Dieses 'hinschmiss' hört sich in meinen Ohren nicht sehr schön an. Vielleicht ginge: hinwarf, fallen ließ oder so etwas ähnliches? :)

Ein Mann mittleren Alters springt im letzten Moment, bevor die Türe sich schlisst, in den Zug
schließt

Eine junge Frau springt von der Stufe des Zuges auf den Steig und stösst sich den Ellenbogen.
stößt

Der alte Mann mit dem grauen Hut murmelt leise, dass die Züge auch nicht mehr pünktlich sein
Also entweder 'sind' oder 'seien'.

Der junge Mann, der gelassen an der Wand lehnt sagt zu sich, dass es nicht in Ordnung sei, dass man nicht mehr hier rauchen dürfe.
Nach 'lehnt' ein Komma.

Die alte Dame fragt sich, ob er denn wohl auch diesen Zug genommen haben würd
'haben würd' hört sich etwas komisch an. Vielleicht meinst du 'hätte'?

So, das wars dann auch!

bye und tschö

 

Hallo moonshadow,
vielen Dank, für die Mühe, die Du Dir gemacht hast!
Deine Verbesserungen werde ich einbringen. Sie sind überzeugend!
Schön, dass sie jemandem gefällt!
Gruß,
Anna

 

Ich mag kurze Sätze, doch für mich hat sich die Geschichte ein wenig zu schnell gelesen. Vielleicht hättest du einen Beobachter erwähnen sollen, oder dich mit einer Person NOCH intensiver befassen sollen?
Ich finde du hast die Atmosphäre recht gut beschrieben, es ist ja auch so dass man nicht mehr von den Menschen mitbekommt.
Ich weiß nicht, irgendwie gefällt mir die Geschichte gut und sie beschreibt perfekt die Bahnhofssituation, doch andererseits stört mich irgendetwas, ich habe den Bahnhof immer auf eine andere Weise gesehen, ich könnte aber jetzt nicht sagen was der Unterschied sein könnte.
Hmm... Vielleicht weil sich bei uns nicht so viele Leute auf den Bahnhöfen aufhalten. Könnte sein.

... dass die Züge auch nicht mehr pünktlich sein

sind, oder seien, oder?

viele Grüße,

Marlene

 

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