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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Bernd

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08.07.2020
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Bernd

Graue Rauchschwaden ziehen durch den Raum. Im Hintergrund läuft die typische Kneipenmusik. Schlagerparty. Wencke Myhre singt von der Liebe und ihrem knallroten Gummiboot. Bernd und Anton sind schon beim x-ten Bierchen angekommen. Kumpel Abend halt. Alle halben Jahre treffen sich die Zwei. Kennen tun sie sich schon seit ihrer Ausbildung vor über dreißig Jahren. Zwischendurch haben sie sich etwas aus den Augen verloren. Beide haben geheiratet und Familien gegründet. Anton hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, beide über zwanzig Jahre und schon aus dem Haus. Bernd hat erst später geheiratet. Sein Sohn ist 13 und mitten in der Pubertät.
„Ich weiß gar nicht, was ich mit dem noch machen soll. Ich wette, bald steht die Polizei vor der Tür.“
Anton schmunzelt.
„Ach was, das wird schon werden. Der muss sich nur die Hörner abstoßen. Das war bei meinem Junior auch so. Man denkt immer, bald passiert das Schlimmste, doch so weit kommt es dann nicht.“
Bernd schaut Anton ungläubig an.
„Das sagt Sybille auch immer. Momentan bekommen wir uns wegen dem Junior nur noch in die Haare. Die Situation ist eh schon eingefahren, aber das macht es jetzt noch schwerer.“
„Warum? Seid ihr euch nicht einig, wie ihr mit dem Knirps umgehen sollt? Ihr müsst schon an einem Strang ziehen, sonst spielt der euch gegeneinander aus. „
Bernd nimmt einen großen Schluck aus seinem Glas. Tränen schießen in seine Augen. Nein! Er darf sich jetzt nichts anmerken lassen. Auf keinen Fall losheulen. Nicht vor Anton. Keinesfalls! „An einem Strang ziehen“ – wie lange ist das schon her…das gibt es zwischen ihnen doch gar nicht mehr. Bernd stellt das leere Glas auf den Tresen und bestellt sofort zwei Neue. Doch Anton wäre nicht Anton, wenn ihm die gläsernen Augen seines besten Kumpels nicht auffallen würden und die kommen definitiv nicht vom Alkohol.
„Ey, was ist los?“ Anton legt seine Hand auf Bernds Arm. „Sag schon. Was hast du?“
Bernd atmet tief ein. Nein, das ist nichts für ihn. Über Gefühle reden, ne, das geht nicht in seinen Kopf. Aber der Kloß in seinem Hals ist wirklich groß und den trägt er auch schon ziemlich lange mit sich herum. Sehr lange. Eigentlich schon 10 Jahre. Vielleicht sollte der doch mal aus ihm raus.
„Ach Scheiße ist! Mir geht´s nicht gut. Ich kann nicht mehr. Aber ich habe keinen Plan, wie es weiter gehen soll und was ich machen soll.“
Jetzt laufen ihm die Tränen die Wangen runter. Er kann es nicht mehr halten. Bernd schluchzt, er weint laut und hemmungslos. Die ganze Traurigkeit, der Schmerz und der Verlust der letzten zehn Jahre lösen sich von seiner Seele. Anton sitzt still neben ihm. Er ist völlig überrumpelt von der Situation und dem Gefühlsausbruch seines besten Freundes.
„Mensch Bernd, das kann doch nicht so schlimm sein. Was ist den los? Hat Sybille einen Neuen?“
Bernd schüttelt den Kopf. Er wischt sich die Tränen aus dem Gesicht und atmet einmal tief durch.
„Nein, mein Freund. Ich habe den Fehler gemacht. Ich hatte vor 10 Jahren eine Affäre mit einer Arbeitskollegin. Ganz kurz nur und ich habe sie auch wieder beendet. Ich habe nur den Fehler gemacht, es Sybille zu erzählen und seitdem geht es mit uns den Bach runter. Ich habe sie um Verzeihung gebeten und damals sagte sie mir auch, dass sie mir verzeiht, aber dem ist nicht so. Seitdem läuft bei uns nichts mehr. Wir haben uns seit über zehn Jahren noch nicht einmal mehr geküsst. Wir leben einfach nur nebeneinander. Anfangs kam ich damit klar, ich hatte ja die Kinder, aber jetzt…Alle sind aus dem Haus und sie macht mich einfach nur fertig. Jeden Tag macht sie mich nieder. Drückt mir dumme Sprüche und sagt mir, was ich für ein Versager bin. Ich fühle mich wie ein Stück Eisen, fest eingespannt in einem Schaubstock. Ich komm da nicht raus und meine Frau geht Tag für Tag mit einer Feile an mir vorbei und lässt sie einmal pfffftttt an mir vorbei schrappen. Irgendwann bin ich nicht mehr da. Pfffft.“
Anton schaut Bernd traurig an. Auch ihm stehen jetzt Tränen in den Augen. Echte Freunde halten zusammen.
Er dreht sich zur Wirtin.

„Noch zwei Pils bitte…“
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Wortkrieger-Globals
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24.01.2009
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3.649
Hey @DieHerberge,

und auch von mir ein Herzliches Willkommen.

@TeddyMaria hat es Dir bereits unter einen anderen Text geschrieben, wird nicht so gern gesehen, wenn sich jemand nur ans Buffet setzt und abgreift, ohne selbst jemals was mitzubringen. Solche Gäste wirst Du auf Dauer auch nicht so gern in deinem Haus haben. Denk mal drüber nach ;).

Was diesen Text betrifft, das ist weniger eine Geschichte, mehr eine Szene. Du machst einen Konflikt auf und fertig. Eine Geschichte beginnt jedoch mit einem Konflikt und dann begibt sich der Leser auf eine Reise und schaut den Figuren dabei zu, wie sie den lösen oder auch daran scheitern. Sprich hier fehlt ordentlich Butter bei die Fische. Wie hat Bernd versucht den Konflikt zu lösen? Was hat er alles angestellt, um den Haussegen wieder auf Kurs zu bringen? Das wäre die Geschichte. Aufgrund der Kürze bleibt bei mir nur hängen, zwei sitzen in der Bar und einer davon hat seit 10 Jahren Eheprobleme. So what? Ich habe aufgrund der Kürze und schwachen Figurenzeichnung keine Beziehung zu Bernd aufgebaut. Er ist mir egal. So wie eine Schlagzeile in der Zeitung: Mann hat seit 10 Jahren keinen Sex mehr! Tja, lese ich, zucke mit den Schultern und klick mich zum nächsten Text.

In diesem Sinne, Du hast bisschen Arbeit vor Dir. Sowohl was deine eigenen Texte betrifft, als auch was die Geben-Nehmen-Balance betrifft.

Beste Grüße, Fliege
 

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