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Blobbel

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12.07.2004
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Blobbel

Der Tag, an dem ich meinen Blobbel verließ, war ein Tag wie jeder andere. Genau das machte mich so gefährlich.

Ich weiß nicht, ob Esther Schüller mich an jenem Morgen ansah. Das Sonnenlicht überwand geschickt die Barrikaden des Innenhofs und kämpfte sich durch das winzige Bürofenster in den grauen Raum. Stolz und glänzend klebte es an der weichen und doch firmen Oberfläche ihres Blobbels, wie das Banner einer kleinen Festung. Fast schon schön. Der runde Blobbel umschloss sie fest, wie gute Blobbel es nunmal tun. Nicht wie eine zweite, sondern wie eine bessere Haut, so der Slogan. Ich erinnere mich an den Impuls, meine Finger hineinzuschlagen um das klebrige Innere zu sehen.

Dumpf waberte Schüllers Stimme durch die gallertartige Masse. "Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Vertrag. Das ist eine sichere Stelle. Ich hoffe, Sie freuen sich. Haben Sie noch Fragen zu den Modalitäten?"

Ich überlegte und starrte weiterhin auf den Sonnenfleck. Um meinen Kopf zu heben und in ihr milchiges Gesicht zu schauen, fehlte mir der Antrieb.
Gefühle würde ich dort eh nicht sehen, jenseits der mahlenden Genugtuung der Pflichterfüllung.
Selbst dann nicht, wenn ich sie wirklich erblicken könnte.

Ewig könnte ich so stehen, dort wo ich hingehöre, und mich nicht bewegen.

"Was wäre, wenn ich es mir eines Tages anders überlegen sollte? Wenn ich was anderes will?"

Es war kurz still. Nervös rollte ich ein wenig vor und zurück. Das schmatzende Geräusch meines Blobbels lenkte als einziges von der Tatsache ab, dass ich eine Frage außerhalb der Konventionen gestellt hatte.

"Hhmm. Das wäre womöglich mit ein paar Nachteilen für Ihre finanzielle Absicherung in Zukunft verbunden. Sie sollten sich schon sicher sein."

Ich nickte. Ja. Stimmt wohl. Danke. Danke für Ihre Zeit. Schönen Tag noch. Und schönen Feierabend später.

Langsam rollte ich in den Mulden der vorgezeichneten Wege zurück an meinen Schreibtisch. Mit eleganter Effizienz verband ich den Rechner mit meinem System. Das kühle Metall war das einzige, das durch den Blobbel zu mir durchdrang.
Nachrichten scannen. Stagnation, Resignation und Kollateralschäden. Zum Kotzen blieb keine Zeit. Schnell Anfragen abarbeiten, zum nächsten Schreibtisch schieben. Ab und zu genehmigte ich mir einen Blick nach draußen.

Der Kirschbaum verlor die letzten Blüten, zärtlich vom Wind zu Boden getragen. Abendleuchtende Grashalme wanden sich in den Böen.
Irgendwo lachte jemand. Irgendwo schrie jemand.
Meine Tränen konnte ich nicht spüren.
Die Schere lag direkt neben mir.

Als mein Kollege Erhan das Büro betrat, wäre er fast weggerutscht. Flüssigkeit und Brocken besudelten den glatten Boden.

Mit meiner ganz eigenen nackten Hand durchstieß ich seinen Blobbel und fasste ihn am Fußgelenk, Haut an Haut, Aug in Aug, und zog ihn vom Weg, zu mir.
 
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He @Achat

du schreibst gut. Ich dachte, ich werde jetzt in so einen Openmike-mäßigen Text gezogen. Aber verstanden habe ich ihn nicht, habe ich das wenigste, glaube ich. Google spuckt mir zu "Blobbeln" ein Buch von Philip K. Dick aus und du taggst ja auch mit SF – ein Zusammenhang? Also Blobbel ist scheinbar so eine zweite Haut, die einen isoliert oder auch einfügt in ein wie auch immer geartetes System?
Die Wandlung bleibt mir wie der Inhalt sehr unklar. Sie oder er hat nicht so richtig Bock auf seinen Job oder diesen Lebensstil (worin besteht der genau) und macht seinen Blobbel kaputt. Ich bin etwas verwirrt. Klär mich gerne auf.

Um meinen Kopf zu heben und in ihr milchiges Gesicht zu schauen fehlte mir der Antrieb.

Komma nach schauen

Ab und zu genehmigte ich mir einen Blick nach draußen.

sehr gut

Langsam rollte ich in den Mulden der vorgezeichneten Wege zurück an meinen Schreibtisch.

das fand ich auch poetisch. Aber ich glaube noch mehr, wenn es nicht der SF-Kontext wäre, sondern ein ganz normaler Text und das hier eine eigenwillige Beschreibung von jemandem, der sich an seinen Arbeitsplatz zurückbegibt.

--

Grundsätzlich guter Schreibstil, aber worum gehts hier eigentlich?
Gruß
Carlo
 
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Hallo Achat,

ganz nach meinem Geschmack - gewählte Sprache, wenn auch manches zu geschwungen, denn dein Prot. gärt eher gleichgültig in seiner Blase. Gut beschrieben, wie er sich an seinen Rechner einloggt, um hier in Highspeed zu agieren,; dazu das minimierte Interesse an natürlichen Vorkommnissen. Hast Du Erhan vor etwas gerettet oder war es der Wahn nach Berührung? Herrlich, so im Raum mit Gedanken schweben zu können. Gruß Detlev
 
Senior
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Hi @Achat,

2004 einen Text. Schöpferische Pause. Und nun der nächste. Mir hat er sehr gut gefallen. Sehr lyrisch. Wie Carlo dachte ich an eine zweite Haut, Metamorphose, aber wie auch immer. Es ist, wie es ist. Ein feines Stück Prosa.

Ich hoffe, in deinem Archiv finden sich noch mehr so Schmuckstücke.

Grüße
Morphin
 
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Die Wandlung bleibt mir wie der Inhalt sehr unklar. Sie oder er hat nicht so richtig Bock auf seinen Job oder diesen Lebensstil (worin besteht der genau) und macht seinen Bobbel kaputt. Ich bin etwas verwirrt. Klär mich gerne auf.
Lieber Carlo,

vielen Dank für das Feedback! Ich habe versucht es nun ein wenig deutlicher zu machen, dass die die Blobbelmasse tatsächlich um die Menschen liegt. Ob Fortbewegungsmittel, Schutzanzug, Arbeitsumgebung, was der Blobbel genau ist und tut, ist ein wenig der Fantasie überlassen; für mich zählte der Gedanke, dass er Effizienz vortäuscht und den Menschen isoliert, von der Umgebung, aber auch voneinander. Den Fehler habe ich auch korrigiert, danke dafür!

Die Grundidee des Textes war für mich, dass sich Menschen zurückgezogen in ihrer eigenen Welt über tatsächlich vorgezeichnete Wege bewegen, den Weg des geringsten Widerstands, und nicht mehr den Draht zu sich selbst, zum Gegenüber oder ihrer Schaffenskraft finden, und ohne zu hinterfragen und ohne echte Gefühle zu wagen nur noch ihrer Arbeit nachgehen; der Baum vor dem Fenster erinnert den Ich-Erzähler an das vergehende Leben, und das Lachen und Schreien sind ein Appell an Authentizität; letztendlich entschließt er sich dazu, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, in die ganz eigene, ohne Blobbel, vielleicht sogar etwas in der Welt zu verändern, und dazu mit einem anderen Menschen in einen echten und unverfälschten Kontakt zu treten. Aber das nur meine Gedanken dazu, ich finde es ja schön und interessant wie unterschiedlich sowas ankommt :)

Danke!


P.S. unterbewusst habe ich das Wort Blobbel tatsächlich aus meiner Philip K Dick Lektürezeit schätze ich. War eine gute Kurzgeschichte! Und ich finde Blobbel ist so schön lautmalerisch

Hi @Achat,

2004 einen Text. Schöpferische Pause. Und nun der nächste. Mir hat er sehr gut gefallen. Sehr lyrisch. Wie Carlo dachte ich an eine zweite Haut, Metamorphose, aber wie auch immer. Es ist, wie es ist. Ein feines Stück Prosa.

Ich hoffe, in deinem Archiv finden sich noch mehr so Schmuckstücke.

Grüße
Morphin
Freut mich sehr! Danke.

Und ins Archiv gucken lohnt sich nicht so, da war ich noch SEHR jung als ich hier zum ersten Mal schrieb ;) Aber hey, wenn man noch einen Account und einen kleinen experimentellen Schreibflash hat, warum ihn nicht nutzen...

Hallo Achat,

ganz nach meinem Geschmack - gewählte Sprache, wenn auch manches zu geschwungen, denn dein Prot. gärt eher gleichgültig in seiner Blase. Gut beschrieben, wie er sich an seinen Rechner einloggt, um hier in Highspeed zu agieren,; dazu das minimierte Interesse an natürlichen Vorkommnissen. Hast Du Erhan vor etwas gerettet oder war es der Wahn nach Berührung? Herrlich, so im Raum mit Gedanken schweben zu können. Gruß Detlev
Danke Detlev! Freut mich dass es gefällt.
Zu deiner Frage: Ich schätze ein bisschen beides, und der Wahn nach echter Menschlichkeit :)
 
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AWM

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26.03.2018
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Servus @Achat
Der Tag, an dem ich meinen Blobbel verließ, war ein Tag wie jeder andere. Genau das machte mich so gefährlich.
Ich finde den Einstieg gut. Der zweite Satz bleibt aber eine Behaptung. Sie wird ja nicht gefährlich und das bleibt so als uneingelöstes Versprechen hängen, nachdem ich deine Geschichte gelesen hatte.
Das Sonnenlicht überwand geschickt die Barrikaden des Innenhofs und kämpfte sich durch das winzige Bürofenster in den grauen Raum. Stolz und glänzend klebte es an der weichen und doch firmen Oberfläche ihres Blobbels, wie das Banner einer kleinen Festung. Fast schon schön. Der runde Blobbel umschloss sie fest, wie gute Blobbel es nunmal tun. Nicht wie eine zweite, sondern wie eine bessere Haut, so der Slogan. Ich erinnere mich an den Impuls, meine Finger hineinzuschlagen um das klebrige Innere zu sehen.
Würde Adjektive und Adverbien aussieben. Und ich kann mir unter "Barrikaden des Innenhofs" überhaupt nichts vorstellen.
Dumpf waberte Schüllers Stimme durch die gallertartige Masse. "Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Vertrag. Das ist eine sichere Stelle. Ich hoffe, Sie freuen sich. Haben Sie noch Fragen zu den Modalitäten?"
Auch hier "dumpf" und "gallertartig". Danach sind deine Anführungsstriche nach oben verrutschts (wie in meinem Kommentar :)).
Ich überlegte und starrte weiterhin auf den Sonnenfleck.
Wo befindet der sich? Du schreibst davor nur, dass er auf dem Blobbel ist.

Ewig könnte ich so stehen, dort wo ich hingehöre, und mich nicht bewegen.
Zeitenwechsel. Warum?

Für mich geht es hier um so eine Fake-Hülle, die wir uns alle irgendwie im Arbeitsalltag umlegen, die uns schützt und funktionieren lässt. Warum deine Protagonistin ihren Blobbel ausgerechnet in dieser Situation verliert, was der Katalysator ist, der sie zum Nachdenken bewegt, dass sie das alles eigentlich gar nicht will, lese ich nicht.

Gruß
AWM
 
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17.04.2007
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Hallo Achat.

Genau das machte mich so gefährlich.

Cooler Einstieg, das weckt Neugier.

Das Sonnenlicht überwand geschickt die Barrikaden des Innenhofs
Was für eine ungewöhnliche Formulierung, gefällt mir.

Der runde Blobbel umschloss sie fest,
Diese Stelle verwirrt mich und ich bin mit den Augen zurückgesprungen, hab die Stelle mehrfach gelesen, um dieses "sie" zu identifizieren, wer ist das? Ist die Festung aus dem vorigen Satz gemeint? Oder Esther aus dem Anfang des Absatzes? Ich weiß an der Stelle nicht, was ein Blobbel ist und wie viel Sinn das jeweils macht. Nach einigen weiteren Sätzen scheint Esther die bessere Hypothese zu sein, allerdings bleiben noch eine zeitlang Zweifel.

Langsam rollte ich in den Mulden der vorgezeichneten Wege zurück an meinen Schreibtisch.
Irgendwie dachte ich am Anfang, der Blobbel würde nur den Oberkörper einhüllen, aber er ist wohl groß genug, dass der komplette Körper reinpasst.

Das Ende verwirrt mich komplett. Ich dachte, der neue Vertrag wäre prinzipiell was Gutes. Kein Grund zu weinen. Ich sehe nicht, was Prota für ein Problem mit dem Blobbel hat und hab keine Ahnung, was Erhan nun für eine Rolle spielt.


Der Schreibstil gefällt mir, aber über den Sinn und die Zusammenhänge tappe ich im Dunkeln. Ich hab deine Erklärung dazu gelesen und gebe wieder, was ich beim Lesen der Geschichte empfunden habe.


Viele Grüße
Jellyfish
 
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26.12.2014
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Hallo Achat,

schöne Idee, sehr schön. Die ein oder andere Formulierung könntest du dir jedoch noch mal ansehen.

Genau das machte mich so gefährlich.

Was macht sie gefährlich, dass sie den Blobbel verlassen hat oder dass es ein Tag wie jeder andere ist? Wenn letzteres, ist mir völlig unklar, warum.

Das Sonnenlicht überwand geschickt die Barrikaden des Innenhofs

Dieser ganze Absatz, den würde ich mir noch mal vornehmen. Hier wurde schon darauf hingewiesen, viele Adjektive, und vielleicht kannst du die Sätze schlichter, eleganter gestalten.

Der runde Blobbel umschloss sie fest

Wieso rund? Passt er sich der Form des Umschlossenen denn nicht an?

"Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Vertrag. Das ist eine sichere Stelle. Ich hoffe, Sie freuen sich. Haben Sie noch Fragen zu den Modalitäten?"

Wirkt sehr, sehr mechanisch, würde man so sprechen? Du magst es aber so gewollt haben, weil die in der Zukunft alle so sprechen.

Der Kirschbaum verlor die letzten Blüten, zärtlich vom Wind zu Boden getragen.

In dieser technischen Welt ein interessanter Kontrast.

und zog ihn vom Weg, zu mir.

von welchem Weg? Im Büro? Passt hier nicht eher "Gang"?

Vielleicht hilft dir das ... Hab ich gern gelesen. Gerade, dass du viel im Ungefähren lässt, macht die Geschichte reizvoll, du gibst dem Kopfkino Raum!

M.
 
Wortkrieger-Team
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09.12.2016
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Hallo @Achat,

deine Geschichte erinnert mich ein wenig an Huxleys "Schöne neue Welt" oder Gilliams "Brazil", (obwohl es bei beidem nicht um Blobbel ging). Auch eine gruselige Zukunftsversion von dem Albtraum, in dem wir uns aktuell befinden, scheint denkbar.

Unter Blobbel verstehe ich eine Art Seifenblase, die die Menschen umgibt. Mag am Wort liegen, klingt ein wenig wie Bubble. Zwar sprichst du von einer zweiten Haut, aber mir kam es eher so vor, als ob jeder in seiner Blase sitzt, sie vielleicht gar nicht mehr bemerkt, weil sie so normal geworden ist. Jedenfalls sind die Menschen dauerhaft getrennt voneinander, können sich nicht berühren und haben sich entsprechend verändert (keine Emotionen, roboterhafte Sprache).
Die Erzählerin will ausbrechen, denkt Gedanken, die sie nicht denken darf, was ein totalitäres System vermuten lässt. Der Kollege Erhan ist wohl jemand, den sie sehr mag, vielleicht jemand, der noch nicht ganz so abgestumpft ist wie die meisten anderen Menschen um sie herum.

Am Schluss bricht sie aus ihrer Blase aus und nimmt Kontakt auf.

Der Tag, an dem ich meinen Blobbel verließ, war ein Tag wie jeder andere. Genau das machte mich so gefährlich.
Ich verstehe das so, dass es sie gefährlich macht, dass sie den Blobbel verlässt. So wie du es formuliert hast, klingt es aber etwas verwirrend, so, als ob es sie gefährlich mache, dass es ein Tag wie jeder andere wäre. Würde ich nochmal drüberschauen.

Das Sonnenlicht überwand geschickt die Barrikaden des Innenhofs und kämpfte sich durch das winzige Bürofenster in den grauen Raum.
Die Barrikaden grenzen die vorgegebenen Wege ein, oder?

Dumpf waberte Schüllers Stimme durch die gallertartige Masse. "Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Vertrag. Das ist eine sichere Stelle. Ich hoffe, Sie freuen sich. Haben Sie noch Fragen zu den Modalitäten?"
Gruselig ...

Ja. Stimmt wohl. Danke. Danke für Ihre Zeit. Schönen Tag noch. Und schönen Feierabend später.
Hier fehlen die Anführungszeichen.

Als mein Kollege Erhan das Büro betrat, wäre er fast weggerutscht. Flüssigkeit und Brocken besudelten den glatten Boden.
Sie hat den Blobbel aufgeschnitten.


Hat mir sehr gut gefallen, auch, weil es so bildhaft geschrieben ist. Würde gerne wissen, wie es weitergeht.

Viele Grüße,

Chai
 
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14.07.2020
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Hallo @Achat ,

deinen Text habe ich von Anfang bis Ende (und auch ein zweites Mal) mit Neugier und Spannung gelesen. Mir macht er Lust, mehr zu erfahren, tiefer in die Welt einzutauchen.

Ich teile einfach mal meine Eindrücke und auch Irritationen mit dir, vielleicht kannst Du was damit anfangen.
Der runde Blobbel umschloss sie fest, wie gute Blobbel es nunmal tun. Nicht wie eine zweite, sondern wie eine bessere Haut, so der Slogan.
Der runde Blobbel umschloss sie fest, wie gute Blobbel es nunmal tun. Nicht wie eine zweite, sondern wie eine bessere Haut, so der Slogan.
Die Erwähnung des Slogans ist für mich ein Hinweis darauf, dass der Blobbel etwas ist, das man kaufen kann und das vermarktet wird, vermutlich mit dem Versprechen, dass er mehr Sicherheit im Leben bietet. Das macht mich neugierig auf die Welt, in der wir uns befinden. Wann wurden diese Blobbel erfunden? Wer verkauft sie? Haben alle Menschen einen, nur manche, nur Menschen in Bürojobs?
Mir macht das Lust, mehr über die Welt zu erfahren. Im Weiteren Text scheint der Blobbel dann aber doch mehr Metapher, immerhin kann man nicht nach draußen gucken, wäre wohl in der Realität nicht so praktikabel.
Ich erinnere mich an den Impuls, meine Finger hineinzuschlagen um das klebrige Innere zu sehen.
Das irritiert mich. Ist der Blobbel nicht transparent?
Darauf deutet dieser Satz jedenfalls hin:
Um meinen Kopf zu heben und in ihr milchiges Gesicht zu schauen, fehlte mir der Antrieb.
Dann wäre doch auch das Innere des Blobbels von außen sichtbar.
Ich nickte. Ja. Stimmt wohl. Danke. Danke für Ihre Zeit. Schönen Tag noch. Und schönen Feierabend später.
Mir gefällt es sehr, dass Du diesen Teil nicht in Anführungszeichen setzt. Es sind eben Dinge "die man so sagt", da ist es schon fast egal, ob sie gerade wirklich gesagt werden oder nicht.
Nachrichten scannen. Stagnation, Resignation und Kollateralschäden. Zum Kotzen blieb keine Zeit.
Ehrlich gesagt überrascht mich die Heftigkeit des Kotzens hier ziemlich. Bisher hat noch nichts darauf hingedeutet, dass Prota so starke Gefühle hat oder dazu überhaupt fähig ist.
Mit meiner ganz eigenen nackten Hand durchstieß ich seinen Blobbel und fasste ihn am Fußgelenk, Haut an Haut, Aug in Aug, und zog ihn vom Weg, zu mir.
Aug in Aug? Das passt für mich nicht ganz, weil Erhan ja noch in seinem Blobbel steckt.
Diese letzte Handlung finde ich spannend. Mir scheint sie als ziemlich fehlgeleitete Befreiungsidee, so nach dem Motto "Was gut für mich ist müssen auch andere wollen, deshalb mach' ich jetzt hier mal diesen Blobbel von Erhan kaputt (und bringe Erhan vom Weg ab)." Andererseits greift er ihn ja "nur" am Handgelenk, der Blobbel bleibt ansonsten unversehrt. Trotzdem, Erhan wird nicht gefragt und äußert sich nicht, er dient der Bedürfnisbefriedigung.

Noch ein Nachtrag zum Anfang: Die Formulierung "Ich verließ meinen Blobbel" wurde für mich erst ganz zum Schluss verstehbar. Beim ersten Lesen habe ich spontan gedacht, der Blobbel sei ein Wesen, das von Prota verlassen, also zurückgelassen/im Stich gelassen wird. So habe ich auch das "gefährlich" zuerst gedeutet.

Viele Grüße,
Lena
 

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