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Chaos

MRG

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Chaos

Das Blut traf ihn unvorbereitet. Schnell versuchte er sich reinzuwaschen – vergeblich. Als er das erkannte, zuckte es in seinem Gesicht, nur für einen winzigen Augenblick, dann hatte er sich wieder unter Kontrolle. Er zog einen seiner Lederhandschuhe aus. Das Display leuchtete auf.
„Ich hab ein Problem. Brauche dich sofort. Ja, sofort!“
Er wischte sich mit dem Handrücken über das blutige Gesicht. Seine Brust hob sich und er atmete aus. Sein Blick wanderte umher - dunkle Gasse, mit einigen Läden. An der Ecke brannte eine altmodisch wirkende Straßenlaterne. Wenn er es nicht besser wüsste, würde er auf England tippen. Aber das war nicht England, sondern Amerika. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das Land des American Dreams. Ein Lachen entfuhr ihm bei dem Gedanken. Aus seiner Innentasche holte er eine Zigarette und ein Feuerzeug. Während er rauchte, schaute er sich weiter um. Sein Blick blieb an einem Ladenfenster hängen. Die Blutspritzer und die Reflektionen des Lichts ließen das Fenster wie ein Schlachtfeld aussehen. Chaos. Absolutes Chaos.

Das Geräusch von quietschenden Reifen holte ihn aus seinen Gedanken. Die Tür des Range Rovers öffnete sich. Der Fahrer stieg aus, seine Krawatte leuchtete im Schein der Laterne gelb auf.
„Scheiße, was ist los, Jake?“
„Wollte nicht so, wie ich. Hat sich gewehrt und naja gucks dir an.“
„Wenn das die Presse rausbekommt, sind wir tot.“
„Ich weiß.“
„Was willst du machen?“
„Was wollen wir machen. Du und ich wir sind im selben Boot, vergiss das nicht, mein Freund. Also, pass auf. Du fährst zur Tankstelle und besorgst Benzin. Wir zünden das hier verdammt nochmal an. Dann rufst du die Polizei und gibst dich als Zeuge aus. Du verstehst?“
„Ja.“
„Dann los.“

Fünfzehn Minuten später standen beide Männer mit gefüllten Benzinkanistern in der Gasse.
„Fahr das Auto ein Stück näher dran.“
„Warum das?“
„Mach einfach, was ich dir sage. Verdammt.“
Der Fahrer stieg ein, fuhr das Auto heran.
„Los, kipp Benzin rein.“
„Was?! Du willst doch nicht...?“
„Und ob. Meinst du wirklich, du gehst einfach so als Zeuge durch? Nein, da muss schon was sein. Los, mach.“
Benzingeruch auf Leder stieg in die Luft. Dann klickte das Feuerzeug. Flammen loderten auf. Jake griff nach seinem Handy und fing an zu filmen.
„Das ist `ne super Story. Schon brennt das nächste Viertel und wir haben den nächsten Toten. Wird uns in die Karten spielen.“
„Wie das?“
„Law and order. Die Leute wollen starke Männer, die sich mit Chaos auskennen. Die Leute wollen Law and order und genau das werden sie bekommen.“
 
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Hallo @MRG ,

drei kürzere Szenen, die dennoch einen Eindruck der Umgebung und der damit verbundenen Gesellschaft hinterlassen. Ich hätte spontan auf Gotham City getippt ;)

Ich gehe für ein detailliertes Feedback mal durch den Text:

Das Blut traf ihn unvorbereitet. Schnell versuchte er sich reinzuwaschen – vergeblich. Als er das erkannte, zuckte es in seinem Gesicht, nur für einen winzigen Augenblick, dann hatte er sich wieder unter Kontrolle. Er zog einen seiner Lederhandschuhe aus. Das Display leuchtete auf.
„Ich hab ein Problem. Brauche dich sofort. Ja, sofort!“
Ich finde es grundsätzlich gut, wenn direkt mit einer spannenden Szene in die Handlung eingestiegen wird. Es birgt zwar auch immer die Gefahr, dass man das Spannungsniveau nicht halten kann, aber bei diesem kurzen Text brauchst du das m.E. nicht zu fürchten.
Das ein oder andere des Beginns finde ich jedoch nicht so gut, z.B. den fett markierten Satz. Das Wort "reinzuwachen" verwendest du, vermute ich, absichtlich, um damit etwas mehr auszusagen als nur die Beseitigung des Blutes. Dennoch habe ich hierbei nicht vor Augen, was genau er nun macht. Versucht er z.B. das Blut mit einem Taschentuch wegzuwischen?
Auch der Satz danach: Er hat demnach fest damit gerechnet, dass das reinwaschen funktioniert, daher zuckt sein Gesicht, als es dann doch nicht geht? Klingt für mich als Reaktion nicht sehr plausibel.
Und vielleicht könntest du zu dem Display noch das ein oder andere Stichwort geben, ob es sich z.B. an einem Armband befindet, oder irgendwie in seinen Körper integriert ist ... bisher kann ich mir darunter nichts vorstellen.

„Ich hab ein Problem. Brauche dich sofort. Ja, sofort!“
An dieser Stelle konnte ich nicht nachvollziehen, dass er seinen Partner nicht direkt darum bittet, Benzin mitzubringen. Die beiden scheinen ja Profis zu sehen, es wirkt daher etwas seltsam, dass er ihn zunächst vorbeikommen lässt und dann direkt wieder wegschickt, um Benzin zu holen.

Sein Blick wanderte umher - dunkle Gasse, mit einigen Läden.
Zum einen würde ich keinen Bindestrich verwenden, aber das ist natürlich Geschmackssache. Die Beschreibung "dunkle Gassen, mit einigen Läden" finde ich nicht gut.
Vorschlag:
"Sein Blick wanderte umher, die meisten Läden waren genauso dunkel wie die Gassen."

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das Land des American Dreams.
Bin mir nicht sicher, aber ich glaube du könntest auch "Dream" schreiben.

Der Fahrer stieg aus, seine Krawatte leuchtete im Schein der Laterne gelb auf.
Durch das abschließende Wort "auf" wirkt es so, als würde die Krawatte aufleuchten wie z.B. eine Neonröhre, war zumindest mein spontaner Gedanke. Ich würde es also entfernen.

„Wollte nicht so, wie ich. Hat sich gewehrt und naja gucks dir an.“
m.E. wäre es von der Zeichensetzung her so richtig:
"Wollte nicht so wie ich. Hat sich gewehrt und, naja, gucks dir an."

Du und ich wir sind im selben Boot, vergiss das nicht, mein Freund.
"wir" streichen ; "sitzen" statt "sind"

„Was?! Du willst doch nicht...?“
Ein Leerzeichen vor den drei Punkten.

„Law and order. Die Leute wollen starke Männer, die sich mit Chaos auskennen. Die Leute wollen Law and order und genau das werden sie bekommen.“
Die fett markierten Worte würde ich wegen der Wiederholung entfernen, also den letzten Satz mit "Genaus das ..." beginnen.

Ich finde, es gelingt dir auch bei diesem kürzeren Text, den Inhalt, den du erzählen möchtest, unterzubringen. Dennoch würde es mich sehr freuen, wenn du dich mal an eine längere, ausführlichere Geschichte wagst!

Viele Grüße,
Rob
 
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MRG

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Hallo @Rob F,

vielen Dank für deinen Kommentar, ist hilfreich für mich.

Das ein oder andere des Beginns finde ich jedoch nicht so gut, z.B. den fett markierten Satz. Das Wort "reinzuwachen" verwendest du, vermute ich, absichtlich, um damit etwas mehr auszusagen als nur die Beseitigung des Blutes.
Wichtiger Hinweis, danke.

Und vielleicht könntest du zu dem Display noch das ein oder andere Stichwort geben, ob es sich z.B. an einem Armband befindet, oder irgendwie in seinen Körper integriert ist ... bisher kann ich mir darunter nichts vorstellen.
Gute Idee, das macht das ganze auf jeden Fall plastischer.

An dieser Stelle konnte ich nicht nachvollziehen, dass er seinen Partner nicht direkt darum bittet, Benzin mitzubringen.
Habe mir das so vorgestellt, dass er einen Schock hat und erst später auf die Lösung kommt, aber ja, du hast schon recht.

Dennoch würde es mich sehr freuen, wenn du dich mal an eine längere, ausführlichere Geschichte wagst!
Ich denke, dass ich diese Geschichte weiterausbaue. Du hast mir einige gute Hinweise gegeben, die ich umsetzen möchte.

Danke!

Viele Grüße
MRG
 

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