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Déjà Vu

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09.06.2007
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Déjà Vu

„Guten Morgen, Sir!“
Wie immer wurde er von dem Wachmann begrüßt. Wie immer erwiderte er die Begrüßung. Wie immer summte der elektronische Mechanismus, welcher die schwere Stahltür öffnete.
Er ging durch das Portal und einige Meter den Gang hinunter, als er plötzlich stehen blieb. Fehlte nicht irgendwas? Hatte er etwas vergessen?
„Entschuldigung, aber haben Sie das Spiel gesehen?“ fragte ihn der Wachmann in schüchternem Ton. Das Gefühl verflog.
Er musste nicht einmal darüber nachdenken, was er zu sagen hatte:
„Klar“ sagte er, während er sich umdrehte.
Sag es, dachte er, ohne zu wissen, warum.
„Das ist gut, denn ich schiebe hier eine Doppelschicht und konnte es deswegen nicht sehen. Hier unten ist die Welt...“
„...zu Ende.“
„Stimmt! Sie kennen den Spruch wohl schon, was?“
Er kannte ihn nicht. Er kannte ihn?
„Ja, hab ich schon mal gehört. Also: Die Sharks lagen bis zur Halbzeit in Führung, aber zehn Minuten vor Schluss hat Trolsky einen Treffer gelandet, und kurz darauf hat Barryman den Ausgleich geschossen. In der Verlängerung haben wir sie gekriegt.“
Er hatte das Gefühl, als würde er irgendein auswendig gelerntes Gedicht runterleiern.
Der Wachmann verzog den Mund zu einem anerkennenden Lächeln, bevor er sagte:
„Wow, da hab ich ja echt was verpasst. Bis nachher, Sir!“
Er drehte sich wieder um und ging weiter. Der Mechanismus der Tür summte wieder und wich dann einem schleifendem Geräusch, das durch ein Scheppern abgestellt wurde.
Es kribbelte in seinem Brustkorb. Der Schimmel in diesen dunklen Gängen und in den Zellen machte ihm schon immer zu schaffen. Als überaus reinlicher Mensch hasste er es, hier unten zu sein. Zum Glück war die Beleuchtung schwach, so dass er sich die ganze Scheiße nicht auch noch ansehen musste.
Nach einigen Minuten hatte er sein Ziel erreicht, ohne auch nur einmal in den falschen Gang abzubiegen. Normalerweise passierte das ständig, denn die Anlage umfasste über dreihundert Zellen und einige andere Räume auf einem halben Quadratkilometer. In den drei Jahren, die er für die Abteilung arbeitete, hatte er nicht einmal die Hälfte des Objekts gesehen.
Warum....
Warum hatte er diese Zelle auf Anhieb gefunden?
Das ist doch das erste mal, dass ich diesen Häftling verhöre. Oder?
Diesen Gedanken beiseite drängend, kramte er aus seiner Tasche eine Magnetkarte hervor, welche er in das Schloss der Tür steckte.
Die Tür glitt zur Seite und offenbarte einen kleinen Raum, den man zu einem Verhörraum umfunktioniert hatte. Früher war dies wahrscheinlich eine gewöhnliche Zelle gewesen, doch da man mitunter mehrere Tage auf einen freien Verhörraum warten musste, hatte man kurzerhand improvisiert.
In der Mitte der Zelle stand ein einfacher Aluminiumtisch. An zwei Seiten des Tisches standen sich zwei Stühle, ebenfalls aus Aluminium, gegenüber. An einen der beiden Stühle war ein nackter Mann gefesselt, welcher nun den Kopf hob, und ihn mit ängstlichen Augen anblickte. Die erbärmliche Gestalt war schweißgebadet und mit blauen Flecken übersät.
„Wer...wer....sind Sie?“ fragte der abgemagerte Gefangene in gebrochenem Englisch.
„Ich...“
Ich kenne das.
Er kannte das. Irgendwie wusste er, wie dieses Gespräch laufen würde. Die ganze Situation kam ihm bekannt vor. Wie ein Film, den man vor vielen Jahren gesehen hat, an den man sich aber nicht mehr richtig erinnert. Er beschloss, diese Gedanken zu ignorieren, und von nun an rein professionell vorzugehen.
„Ich bin hier, um Ihnen zu helfen“ sagte er schließlich.
„Ich nicht wissen, was Sie wollen! Bitte mich gehen lassen!“ flehte der Gefangene.
„Natürlich lassen wir Sie gehen. Sie müssen uns nur sagen was wir wissen wollen.“
Während er das sagte, zog er den freien Stuhl etwas zurück, und setzte sich darauf.
Dann faltete er seine Hände auf dem Tisch und lächelte den Gefangenen freundlich an.
Das verwirrte sie immer.
„Ich nichts wissen!“
„Doch doch, Sie wissen! Wollen Sie etwas über mich wissen?“ Er machte eine Pause, um die Wirkung seiner Worte zu verstärken.
„Die Verhöre hier laufen in Stufen. Sie haben bereits zwei Stufen hinter sich. Zwei Gelegenheiten, uns die Wahrheit zu sagen. Sie haben sie nicht genutzt. Ich bin Stufe drei. Eine Stufe vier gibt es nicht.“
Wenn es möglich war, Todesangst und pures Entsetzen zu steigern, so hatte er es geschafft.
Er wird sagen, dass er Kinder hat.
„Ich habe Kinder! Bitte! Bitte!“
„Sagen Sie mir, wo sich die Maschine befindet, und Sie können zu Ihren Kindern. Ganz einfache Sache.“ Sein Ton war ruhig, fast schon gelangweilt. Klang er nicht genauso, wenn er am Telefon mit seiner Schwiegermutter redete?
„Wie Sie wollen.“ Hinter dem Gefangenen stand ein kleines Tischchen, über welches ein Tuch ausgebreitet war. Er stand auf, ging zu dem Tisch und zog das Tuch beiseite. Aus der kleinen aber feinen Auswahl an Werkzeugen, die sich ihm nun bot, wählte er eine Packung Nägel.
„Letzte Gelegenheit, bevor es unangenehm wird.“
„Ich nicht wissen was Sie wollen! Wahrheit!“
Vorsichtig nahm er einen Nagel aus der Packung, dann trat er hinter den Häftling, dessen Hände hinter der Lehne des Stuhls mit einem Kabelbinder gefesselt waren.
Mit einer schnellen Bewegung griff er sich einen Finger des Häftlings, und schob ihm einen Nagel unter den Fingernagel.
Als die Schreie endlich in ein Wimmern übergegangen waren, fragte er:
„Wo ist die Maschine?“
„Ich doch nicht wissen...“ Der Häftling weinte jetzt. Gut.
„Sie haben noch neun weitere Finger. Danach muss ich mir was noch unangenehmeres ausdenken. Reden Sie. Bitte.“
Es folgten weitere zwanzig Minuten voller Schreie und Beteuerungen.
Warum tue ich das? Ich weiß, dass er nichts weiß.
Lächerlich. Woher sollte er das denn wissen? Schließlich war es der Sinn dieses Verhörs, an die gewünschten Informationen zu kommen.
Ich habe das schon mal getan. Oder? Nein....unmöglich. Verrückt.
Nachdenklich betrachtete er das Blut auf dem Boden und an dem Stuhl. Er hatte sich noch nie Gedanken darüber gemacht, warum man hier unten Möbel aus Aluminium verwendete, doch jetzt wurde es ihm klar: Sie ließen sich leicht abwaschen.
Er hatte vorgehabt, es als nächstes mit dem Lötkolben zu versuchen, doch er beschloss, auf seine innere Stimme zu hören und holte ein Handy aus der Innentasche seiner Jacke. Dabei viel ihm auf, dass seine Hände und seine Kleidung mit Blut besudelt waren. Er war heute doch tatsächlich so daneben, dass er Schürze und Handschuhe vergessen hatte.
Den Kopf über seine eigene Nachlässigkeit schüttelnd, wählte eine Nummer. Es wurde sofort abgenommen.
„Sir, ich habe das Verhör beendet. Er weiß nicht, wo es sich befindet. Wie soll ich weiter verfahren?“ Er bekam eine kurze und präzise Anweisung, dann wurde die Verbindung sofort unterbrochen.
Ich sollte nicht....ich darf nicht....wieder.....
Er kniff die Augen zusammen und kämpfte gegen seine aufkommenden Zweifel.
Tatsächlich schaffte er es, diese gefährlichen Gedanken für einige Sekunden in den Hintergrund zu drängen. Diese Zeit musste er nutzen. Im Dienst für sein Land durfte er niemals zögern. Mit einer geübten Bewegung zog er die Waffe aus seinem Schulterholster und schoss dem Gefangenen zweimal in die Brust und einmal in den Kopf.
Die Schüsse waren ohrenbetäubend. Er steckte die Waffe wieder ein, atmete einige Male tief durch, dann verließ er die Zelle und eilte Richtung Ausgang. Er wollte nur noch hier weg.
Was habe ich getan? Was ich tun musste. Wirklich? Er war unschuldig. Nein, wer hier landet ist nie unschuldig. Aber was bin dann ich....
Er erinnerte sich an seine beschmutzte Kleidung. Auf dem Weg zum Ausgang kam er an einer Toilette vorbei. Als er sich im Spiegel begutachtete, stellte er erleichtert fest, dass es nicht ganz so schlimm war. Seine Hände konnte er abwaschen, die Flecken waren auf seiner schwarzen Jacke kaum zu sehen, und indem er sie zumachte, ließ sich auch das Blut auf seinem Hemd ganz gut verbergen. Dennoch musste er seinen Ekel niederkämpfen. Was ihm nicht gefiel, war der Ausdruck auf seinem Gesicht. Er wandte sich ab, aber nicht aus Ekel vor dem Blut, sondern aus Ekel vor sich selbst.
Es war richtig. Komm schon! Durchatmen und weiter.
Er wusch sich die Hände und bespritzte sich das Gesicht mit kühlem Wasser.
Warum nur? Warum hatte er diesmal diese Schuldgefühle?
Er war wirklich unschuldig.
Und wenn schon. Spielte das eine Rolle? Leben gegen Leben? War der Akt des kaltblütigen Mordes nicht unabhängig vom Lebenslauf des Opfers?
„Scheiße!“
Den Wachmann ignorierend (Er will mich noch fragen, ob dieser neue Spieler zum Einsatz kam.) stürmte er durch die Korridore der Anlage, vorbei an weiteren Wachmännern und anderen Agenten, bis er endlich im Freien stand. Endlich. Er ging zu seinem Auto, darum bemüht, möglichst ruhig zu wirken. Wenn er sich beeilte, dann würde er vor seiner Frau zu Hause sein, und könnte noch die beschmutzten Sachen loswerden.
Er achtete nicht auf die rote Ampel, als er über die Straße ging, doch als die Zeit plötzlich stillstand, da wusste er alles. Er musste sich nicht nach links drehen, um zu wissen, dass da ein Lieferwagen war, der nicht mehr würde bremsen können. Er wusste, dass er eben nicht in einer geheimen Zweigstelle der Abteilung gewesen war. Er wusste, was er hätte tun müssen, und was er das nächste mal tun musste. Alles schien so klar, doch nur einen Augenblick später waren all diese Gedanken fort. Zurück blieben nur der nach Schimmel riechende Korridor und der Wachmann, der ihm einen guten Morgen wünschte.

 
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Stephen King hat in einigen seiner Geschichten das Motiv "In der Hölle geht es um Wiederholung" benutzt (Zum Beispiel bei "Dieses Gefühl, dass man nur auf Französisch ausdrücken kann" oder "Der Sturm des Jahrhunderts")
Ich fand das interesssant, habe das alles aber vor vielen Jahren gelesen.
Letztens habe ich mich aber dran erinnert, und kurz vorm Einschalfen ist mir diese kleine Geschichte eingefallen.
Das Niederschreiben und "drüberlesen" hat nur einen Tag gedauert...ich erwarte entsprechende Kritiken :-)

 

Tach BadRabbit!

Das Niederschreiben und "drüberlesen" hat nur einen Tag gedauert...ich erwarte entsprechende Kritiken :-)
Was'n das für 'ne Ansage? Ich hab mir beim Schreiben keine Mühe gegeben; also dürft Ihr den Text auch nur überfliegen? Na, wenn Du meinst ...

Also, ich habe den Text zwischen schiefstehendem Christbaum und anbrennenden Rouladen überflogen, und er hat mir nicht gefallen. Die Idee fand ich klasse, oh ja - nur kam leider kein Horror auf. Wenn das die Hölle ist ... na ja, dann muss ich mir ja keine Sorgen machen. So richtig zu leiden scheint Deine Figur ja nicht. Sie zweifelt, jo. Aber im großen und ganzen war's das auch schon. Bring doch einfach mal Leben in den Text!
Stell Dir vor, Du müsstest die Hölle als Bild malen - was Du jetzt gemalt hast, ist das Porträt eines Mannes, dem ein Fragezeichen über dem Kopf schwebt. Was der Betrachter aber sehen will, ist ein Höllenbreughel mit lodernden Feuern, Dämonenfratzen, skurrilen Formen - vulgo: verstörenden Szenen. Dem Leser geht's da nicht anders. Aber was bringt Dein Text? "Mit einer schnellen Bewegung griff er sich einen Finger des Häftlings, und schob ihm einen Nagel unter den Fingernagel." Danach ging er in die Küche, setzte Wasser auf und machte sich einen Tee. In dem Ton kannst Du leider keine Höllenhaftigkeit hervorrufen. Fühl Dich mal in den Zeitschleifenmann hinein, und dann lass uns Leser seine Verzweiflung und seinen Schmerz spüren!


Er ging durch das Portal und einige Meter den Gang hinunter, als er plötzlich stehen blieb.
Durch das "als" geht und steht er gleichzeitig.

„Entschuldigung, aber haben Sie das Spiel gesehen?“ fragte ihn der Wachmann in schüchternem Ton.
Hinter die wörtliche Rede gehört ein Komma. Das fehlt an vielen Stellen!

Der Schimmel in diesen dunklen Gängen und in den Zellen machte ihm schon immer zu schaffen
hatte ihm schon immer zu schaffen gemacht
machte ihm noch immer zu schaffen

„Die Verhöre hier laufen in Stufen. Sie haben bereits zwei Stufen hinter sich. Zwei Gelegenheiten, uns die Wahrheit zu sagen. Sie haben sie nicht genutzt. Ich bin Stufe drei. Eine Stufe vier gibt es nicht.“
Das fand ich "cool".

„Ich doch nicht wissen...“ Der Häftling weinte jetzt. Gut.
Hier zum Beispiel: Die Hölle ist Wiederholung; aber Deine Figur foltert gerade und denkt: Gut!!! Wo ist denn da die Hölle?!

Warum tue ich das? Ich weiß, dass er nichts weiß.
Diese Fragen sind das einzige Stilmittel der Hölle? - Na, Satan fällt auch nichts mehr ein ...

Dabei viel ihm auf, dass
fiel

Den Kopf über seine eigene Nachlässigkeit schüttelnd, wählte eine Nummer.
wählte er eine

Was habe ich getan? Was ich tun musste. Wirklich? Er war unschuldig. Nein, wer hier landet ist nie unschuldig. Aber was bin dann ich....
Er erinnerte sich an seine beschmutzte Kleidung. Auf dem Weg zum Ausgang kam er an einer Toilette vorbei. Als er sich im Spiegel begutachtete, stellte er erleichtert fest, dass es nicht ganz so schlimm war.
Schon wieder: Das einzige Stilmittel der Hölle sind diese nebenher angebrachten Zweifel - und dann? Dann geht er ins Bad, und ist erleichtert, dass die Rotweinflecken dann wohl doch mit Persil rausgehen ... Erleichtert!!! Wäh, ich dachte, er ist in der Hölle?

Nu ja: Leblose Umsetzung einer klasse Idee. Schade.

Bis denne,
Fisch

 

Nun gut....danke für die ehrliche Kritik.

Ich hab den distanzierten Schreibstil durchgezogen. Dir ist vielleicht aufgefallen, dass keine der Figuren einen Namen hat und das nicht einmal genau genannt wird, wo sich die Geschichte abspielt. man erfährt nicht einmal, was der Agent genau von seinem Opfer will.

In einem Punkt hast du allerdings recht: Es ist in dieser Rubrik etwas falsch. Ich hätte es vielleicht bei "Seltsam" reinstellen sollen, hm?

Denn in dieser Version der Hölle geht es nicht ums Leiden. Es geht darum eine Entscheidug zu treffen, und zwar nicht aus Furcht vor Qualen, sondern von sich aus, weil man der Überzeugung ist, dass es das Richtige ist.

Ansonsten: Gute, konstruktive Kritik, für die ich dir dankbar bin. Du hast da einige Fehler gefunden, die ich unbedingt korrigieren muss...

 

hm ...
dein sprachstil gefällt mir eigentlich, aber iwie spricht mich die geschichte überhaupt nicht an. schade.

 

Hi Rabbit.

Hat mir ausgezeichnet gefallen, deine Geschichte. Für mich war diese quälende Ungewissheit des Prot durchaus nachvollziehbar, zumal er ja nie ganz sicher war, ob er nun wirklich alles schon mal erlebt hatte, oder nicht.
Interessant wäre zu erfahren, wie es weiter geht. Kann er sich nun besser erinnern? Ober beginnt wirklich alles von vorn?

Fazit: Äußerst spannend und je länger man drüber nachdenkt, durchaus eine horrormäßige Vorstellung. Gelungene Unterhaltung.

Gruß! Salem

 

@geronemo

Ich frage mich gerade, wie du zu der Erkenntnis gelangst, dass überzogene Kritiken in dieser Rubrik hier trendig sind.
Ansonsten ist Kritik an Kritik natürlich durchaus legitim und auch erwünscht, allerdings wäre es schön, wenn sie dann nicht so abwertende Sätze wie "Woher will ein Fischstäbchen ..." enthalten.

 

Hey Geronemo!

Woher will ein Fischstäbchen wissen, wie es in de Hölle auszusehen hat und was ein (welcher?) Betrachter sehen will? Answer me that one.
Meh ... Streiche "Betrachter" - setze "Fischstaebchen". 'nuff said.

Was soll uns heute noch der Höllenbreughel oder der gute Hieronymos Bosch? Deren Emblematik ist uns heute kaum noch (und wenn dann mit Hilfe von Kommentaren) zu vermitteln - und die schlicht trivialen Höllendarstellungen, wie du sie oben andeutest, die sind wohl nur noch in Form von Trash, wobei die Ironie jede Ernsthaftigkeit und jeden echten Horror wegbläst, zu verwenden.
"Der Höllenbreughel" ist zumindest bei und Fischstaebchen zum geflügelten Wort geworden. Ebenso hätte ich zu einer tausendfach dagewesenen Suizidgeschichte schreiben können: "Quasi der röhrende Hirsch unter den Kurzgeschichten." Und das, obwohl in der Geschichte weit und breit kein Wild zu entdecken war ... Think about that.

Nochmal: Ich fand die Idee der Geschichte klasse - auch ganz ohne fettleibige und behufte Teufel, die am Blasebalg des Verderbens das Höllenfeuer schüren. Wie hätten die schon in die Geschichte gepasst? Diese Teufel haben der Geschichte einzig und allein im übertragenen Sinne gefehlt. In meinem Vergleich steht jeder Breugheldämon für eine weiteren Zahn, mit dem der Zweifel an der Figur herumnagen kann - möglichst einen, der nicht in Form von "Was mache ich hier eigentlich?, dachte er" daherkommt.
Noch ein Bild: Die Geschichte war für mich zahnlos. Im übertragenen Sinne. - Ich will BadRabbit damit nicht zu "Der Zahnarzt des Grauens"-Horror raten.

Meines Erachtens ermöglicht es die bestehende Existenz von mindestens zwei Rechtschreibungen, die ZEIT hat noch eine andere, hier die Sache etwas lockerer anzugehen (und sich mal eigene Gedanken zu machen, was richtig wie geschrieben werden sollte).
Meinetwegen kannst Du Dir eine ganz individuelle Orthographie (Ortografie) zulegen. Aber solange Du noch kein Grass bist, werde ich Dich auf die Abweichungen von meiner gedankenlos und unreflektiert übernommenen Spießer- und Massenschreibe aufmerksam machen - in der Annahme, dass es sich ganz einfach um einen Flüchtigkeitsfehler Deinerseits gehandelt haben könnte. That's all.

Bis denne,
Fisch

 

Gehts hier eigentlich noch um die Story? Die ist nämlich nett geschrieben. Hat zwar einiges an Atmosphäre verschenkt stellenweise, wie meine Vorkommentatoren schon erwähnen, aber trotzdem ganz nett.

 

Hallo Bad Rabbit,

Stephen King hat in einigen seiner Geschichten das Motiv "In der Hölle geht es um Wiederholung" benutzt (Zum Beispiel bei "Dieses Gefühl, dass man nur auf Französisch ausdrücken kann" oder "Der Sturm des Jahrhunderts")
Hm, nimmt ein bisschen den Gag raus, wenn du sowas dazu schreibst, die Idee ist gut, die Umsetzung selbst hapert noch, finde ich. Der Stil läuft nicht so rund, ich bin nie richtig in der Geschichte dringewesen.
Durch das immer wiederkehrende Motiv des "Das kenn ich ja schon" (wie Fisch sagt: "Zweifel), ehm, das langweilt, weil keine Steigerung in diesem Gefühl ist. Die Steigerung findet in der Handlung statt, in der Folter, aber die ist dann auch sehr distanziert und irgendwie leblos beschrieben und wird zudem immer wieder durch dieses "Das kenn ich doch schon" unterbrochen.
Die Geschichte funktioniert als Gedankenspiel für mich (so ist seine Strafe), aber ausgeführt wird das in dem Sinne nicht so, wie es ausgeführt werden müsste, um mich die Geschichte genießen oder "sehen" zu lassen.
Und der Gedanke mit der Hölle als Wiederholung ist nun auch nicht so neu oder innovativ, du führst Stephen King an, "The I Inside" ist z.B. ein Film, der jetzt erst über die Feiertage lief, der will aufs Gleiche hinaus (dürfte sogar hier auf kg.de einige Geschichten geben, die die Idee aufgreifen, von einer weiß ich's sicher, die ist von mir), also so innovativ, dass eine Geschichte alleine von dieser "einen" Idee leben könnte, ist die Idee nun nicht mehr (und es gibt faktisch keine Idee, von der eine Geschichte alleine leben kann, da gehören immer noch Figuren, Stil, usw. dazu - und die können mich hier einfach nicht überzeugen.

Und hinter die wörtliche Rede gehört wirklich ein Komma, weil man dort beim Sprechen auch eine Pause machen würde und Kommata eben diese kleinen Pausen anzeigen.

Gruß
Quinn

 

Ich hab das Geschrieben, damit mir nicht irgendein Neunmalkluger, von denen es ja viele gibt, nen Plagiatsvorwurf an den Kopf knallt.

Was Stil usw. betrifft.....da hab ich noch keinen. Ist erst meine dritte Geschichte; aber irgendwann finde ich ihn: Meinen Stil.

Ich wollte dem Prot nicht zu viele Gefühle geben, weil ich die Befürchtung hatte, er könnte dem Leser symphatisch werden. Also habe ich das ganze in einem relativ anonymen Rahmen spielen lassen. Keine Zeitangabe, keine Ortsangabe, keine Namen, keine Gefühle.

Ich wollte mich mit dieser Geschichte auch nicht weiter beschäftigen, weil ich eigentlich an einem anderen Projekt arbeite. Das hier war mal so nebenbei...merkt man, nor?

 

Hallo Bad Rabbit,

ich bin ein großer King-Fan und hab "Dieses Gefühl, das man nur auf Französisch ausdrücken kann" vor nicht allzu langer Zeit noch mal gelesen. Deshalb hatte ich beim Lesen deiner Geschichte jetzt irgendwie auch so ein Gefühl, alles schon zu kennen ... :)
Ich finde, sie ist der King-Geschichte vom Aufbau her sehr ähnlich (soll heißen, sie ist sehr geschickt aufgebaut, aber die Lorbeeren dafür kannst du dir nicht anheften :naughty:). Am Stil habe ich auch nichts zu meckern.
Trotzdem ... der Überraschungseffekt war weg. Dafür kannst du natürlich nichts, aber wenn ich diesen Titel sehe und dann weiß der Prot die ganze Zeit über im Voraus, was passieren wird, denke ich sofort: Aha, der ist tot und in seiner Version der Hölle, wo sich alles bis in Ewigkeit wiederholt.
Nun finde ich es nicht verkehrt, die Idee einer guten Geschichte aufzugreifen und was eigenes draus zu machen. Aaaaaber: Bei deiner Version finde ich unpassend, dass es da um einen Folterknecht geht. Ich meine, so einem Typen soll in der Hölle nichts Schlimmeres blühen, als ein merkwürdiges Gefühl, er hätte das schon mal erlebt, und vage Gewissensbisse, weil der Gefangene, denn er foltert und umbringt, unschuldig war (übrigens finde ich, dass das egal ist, denn schuldige Leute gehören genausowenig gefoltert und erschossen)? Dem würde man doch eigentlich wünschen, dass er seine Taten mal aus der Opferperspektive erlebt ... Ich finde, darunter leidet die Geschichte - mit so einem Prot. hat man kein Mitleid, und was er hier erlebt, kommt einem nicht besonders höllisch vor.
"Dieses Gefühl ..." von King lebt davon, dass das Deja vu schleichend immer drängender und unheimlicher wird - und dass einem die arme Frau leid tut, die das durchmacht.
Bei dir verdrängt die Brutalität der Folter dieses leise Gefühl, dass etwas nicht stimmt - weil ja ganz offensichtlich etwas nicht stimmt, wenn ein Mensch sinnlos gefoltert wird. Eigentlich wirkt das Deja vu deines Prots auch gar nicht mysteriös. Zum Beispiel:

Er wird sagen, dass er Kinder hat.

Na und? Ein abgestumpfter professioneller Folterer bekommt so was wahrscheinlich wirklich jeden Tag zu hören. Diese Vorhersage ist also nicht schwer. Unheimlich wird so was erst, wenn man in Alltagsituationen scheinbar sagen kann, was als nächstes kommt.

Das Grundproblem ist: die Idee von der höllischen Zeitschleife ist "leiser" Horror - es ist beängstigend, ohne dass Blut spritzt oder ein Monster auftaucht. Und wenn dieser leise Horror gegen den vordergründigen Horror eines Folterkellers antreten muss, dann verliert er und wirkt nicht mehr. Meiner Meinung nach kann so eine Geschichte nur in einer Alltagssituation funktionieren.
Trotzdem - geschrieben ist die Geschichte gut, und die Idee bleibt genial.

Grüße von Perdita

 

Tja, bei diesem Thema kann man das Rad nicht neu erfinden, man kann es nur etwas variieren.

 

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