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Das Date

Seniors
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Das Date

Baumlange Männer beeindruckten sie.
Das Handy in der Hand kam er mit großen Schritten auf sie zu und sein Lächeln ließ Erleichterung spüren, dass sie ihn nicht versetzt hatte. Dann begann es verwickelt zu werden und wie bei einer Oper, deren Ouvertüre bereits das Thema in einem Zeitraffer vorwegnimmt, verlief der Abend in Wirbeln zwischen kraus und glatt.

Im Bahnhof war er zu schnell in Richtung Ausgang gegangen und ließ sie ein paar Schritte hinter sich. Abrupt stoppte er, drehte sich um, beugte sich vor und wollte sie zur Begrüßung umarmen.
Sie wich ihm aus. Zwei Tage zuvor hatte er im Chat geflachst, sie sei ein Aidsrisiko, deshalb würde er sie nicht anrühren.

Mit blitzgescheiten Augen, die seine Scheu und Verlegenheit nicht verleugnen konnten, schaute er sie lächelnd an. Es war ein offenes, ehrliches Lächeln.
Sie brauchte keine zwei Sekunden, um zu wissen, dass er ihr gefiel.

Noch auf dem Weg ins Bistro analysierte sie, dass all ihre innige Vertrautheit im Chat nichts gegen ihre jetzige Verlegenheit ausrichten konnte.
Erleichtert spürte sie, dass es ihm ebenso ging. Er versuchte, seine fahrigen Bewegungen zu unterdrücken, schob seine Hände tief in die Manteltaschen als suchte er etwas, zog sie wieder hervor, weil eine Windbö die Rockschöße hochflattern ließ und wischte sich ungelenk die auf die Stirn gewehten Haare fort.
Es war wie bei einem komplizierten Computerspiel. Man hat auf dem Basislevel alle erdenklichen Situationen durchgestanden und schlüpft nun durch die Tür in eine andere Ebene mit unbekannten Herausforderungen, fühlt sich bange und gleichzeitig aufgekratzt.

Im Bistro steuerte er, so wie sie es von ihm aus den Chats gewohnt war, das Gespräch mit seinen Fragen und seinen stetigen Themenwechseln. Wer fragt, der führt, dachte sie. Nach kurzer Zeit türmten sich in ihrem Kopf all die ungesagten Sätze, die sie wegen seiner rasanten Sprünge nicht mehr hatte sagen können.
Wenn sie sich angrinsten, und das taten sie oft an diesem Abend, war nicht nur Freude, sich endlich lebendig gegenüber zu sitzen, dabei. Es war auch das prickelnde Wissen aus den gemeinsamen Chats, die während der nie endenden Coronazeit ihren Fixpunkt darstellten. Und es lag ihre Scheu voreinander darin.

Während sich im Laufe des Abends seine Fahrigkeit mehr und mehr verlor, stieg ihre Nervosität. Sie konnte weder stillsitzen, noch ihr Hände ruhig halten. Und obwohl sie sich bewusst war, dass ihm vielleicht eine solche Vertrautheit in der Öffentlichkeit unangenehm war, gab sie ihrem starken Verlangen nach und reichte ihm ihre Hände. Den ganzen Abend hätte sie so dasitzen können, seine Hände ihre streichelnd. Als er augenzwinkernd bemerkte, dass ihre verschwitzt seien, zog sie sie zurück. Sie schämte sich.
So wie ihr Minuten davor peinlich war, in Tränen ausgebrochen zu sein. Sie fürchtete, er könnte sie für eine hysterische überzogen reagierende Dramatikerin halten. Aber die Flut der Tränen brach vorkehrungslos durch ihre Schutzmauer. Er hatte nur eine einzige, aber entscheidende Frage gestellt. Was sie denn suche und wieso sie unter ihren doch zahlreichen Begegnungen nichts finde. Sie wäre in der Lage gewesen, es ihm zu beantworten. Sie hätte gern über ihre unbändige Sehnsucht gesprochen, und ihre gleichzeitige Panik, damit bis an ihr Lebensende festgelegt zu sein. War es nicht besser, immerzu weiter zu driften? Aber während eines solchen Geständnisses hätte sie keine Kontrolle mehr über ihre Tränen gehabt.
Er wirkte überrascht, peinlich berührt, eine so heftige Reaktion bei ihr ausgelöst zu haben. Er wurde nun vorsichtiger in seinen Fragen, ruhiger. Das übertrug sich auf sie. Es gelang ihr, wieder neben sich zu treten und von außen zu betrachten. War er ihr wirklich mehr als nur sympathisch?

Sie dachte an die verschiedenen Ebenen der Sympathie. Es gibt Männer, die mit ihrem Charme im Chat wie Vulkane Sätze sprühen, aber am Telefon wie erloschen wirken. Steht man voreinander, dauert es nur ein paar Sekunden, um herauszufinden, ob die Chemie, die Wellenlänge stimmt. Aber es dauert manchmal Monate, bis der Verstand danach lebt. Oftmals ist er nicht in der Lage, Kontakt zum Unterbewusstsein mit seinen Informationen aufzunehmen. Dieses für eine Zehntelsekunde aufflackernde: „Lass es, das ist nicht dein Mister Right!“-Warnsignal, das sie so oft einfach unterdrückt hatte, weil ihr Wunsch nach Intimität alles überrollte, meldete sich hier nicht.

Auch wenn sie mit Männern ungeniert in körperlichen Kontakt treten mochte, so gab es, in der Nachschau betrachtet, zwei Gruppen, die sich wesentlich voneinander unterschieden. Die einen, deren Haut sie zu berühren, zu schmecken und zu riechen liebte, und die anderen, bei denen sie es nur tat, bis ihr Bewusstsein ihr dazwischen redete.
Jeder einzelne Mann lehrte sie, immer unvermittelter auf ihre Sinne zu achten.

Während sie ihm gegenüber saß, wuchs ihr Verlangen, neben ihm zu sitzen, ihren Kopf an seiner Schulter, damit er den Arm um sie legte. Ihr war, als hätten sie es immer so gemacht, sich geküsst, sich aneinandergeschmiegt. Wie gerne wäre sie im Bistro aufgestanden, um ihn wenigstens zu umarmen.
Später im Auto war ihr alles vertraut. Die Art, wie er sie berührte, küsste, die war gewiss neu für sie, aber dass er es tat, hatte nichts Fremdes. Erst da wurde ihr bewusst, dass er zu den Männern gehörte, deren Körper sie zu berühren, schmecken und riechen liebte.
Diese Erkenntnis ließ sie noch nervöser werden, denn jetzt lag ihr daran, ihn nicht durch eine unbedachte Aktion, durch dumme Worte zu verschrecken.

Die zweieinhalb Stunden waren so kurz. Als hätte man sie gleich nach der Vorspeise vom Tisch weggeholt, als hätte sie gerade erst angefangen, sich zur Musik zu bewegen, um dann nichts mehr zu hören.

Ihr Verstand lief mit der Stoppuhr neben ihr, gemahnte sie, nicht zu spät nach Hause zu fahren und jetzt nichts zu riskieren, was später alles verbauen könnte.
Ihre Lust verlangte nach Küssen, nach Händen, Atemlosigkeit und Herzklopfen. Verlangte den Stillstand der Zeit.

Als er anfing, mit seinen Händen ihr Gesicht zu bergen und sie sanft zu küssen, dachte sie: „So hat das noch keiner getan. Er küsst dich zärtlich und doch ohne Zurückhaltung, wird fordernder, steigert sich. Ob ich ihn erschrecke, wenn ich mit meiner Hand über seine Wölbung streife?“
Sie gab sich diese Antwort nicht, handelte einfach, die Neugierde versah alles mit ihrer Genehmigung. Ihre Hand berührte mehr, als sie erwartet hatte.
Mit jedem Darüberstreifen wuchs ihr Glücksgefühl.
„Er findet mich erotisch“, jubelte es in ihr, „er hat es nicht nur im Chat daher gesagt.“ Sie wagte, daran zu glauben, dass er nicht den Abend als nette Begegnung unter guten Chatbekannten beenden wollte. Und jetzt im Auto waren seine Küsse und seine Wölbung in der Hose wie eine zweite Unterschrift unter einen Vertrag. Ich mag ihn. Er mag mich.

 
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Hallo lakita,

ich habe mich über Deine Schilderung eines Dates sehr gefreut. Das Thema hat mich angesprochen, weil es zeitlos ist und zugleich einen unmittelbaren zeitlichen Bezug hat (auch wenn Du wenig über die Schwierigkeiten vom Daten während der „Coronazeit“ sagst). Auch das Wechselbad der Gefühle Deiner Protagonistin fand ich so interessant, dass ich den Ausgang des Dates wissen wollte und die Geschichte bis zum Ende gelesen habe.

Das lag aus meiner Sicht nicht nur am Thema, sondern auch daran, dass Du die Geschichte - außer an einer Stelle, dazu später mehr - konsequent aus der Perspektive der Protagonistin erzählt hast:

"Sie wollte nicht die schmusebedürftige kleine Frau sein, die sich jedem in die Arme wirft. Sie wollte Distanz wahren, um ihm ihre Souveränität zu zeigen."
Diese beiden Sätze beschreiben, wie ich finde, ganz anschaulich ihren Grundkonflikt: Nähe suchen, aber sich nicht gehen lassen, um den Selbstwert zu schützen.

Leider löst sich dieser für mich gut nachvollziehbare Konflikt mit der Schlussszene im Auto in Wohlgefallen und Harmonie auf, das hat mich etwas unzufrieden zurückgelassen. Auch mit einigen anderen Stellen habe ich Probleme gehabt, die Psyche Deiner Protagonistin nachzuvollziehen.

… aber der Reihe nach:

„(…) wie bei einer Oper, deren Ouvertüre bereits das Thema in einem Zeitraffer vorwegnimmt, verlief der gesamte Abend als eine Abfolge von kleinen weiteren Turbulenzen.“
Das ist eine Ankündigung, die bei mir Spannung erzeugt hat, als Leser/in erwartet man aber eher einen unglücklichen oder zumindest schwebenden Ausgang.
„Es war ein offenes, ehrliches Lächeln und sehr viel später wurde ihr bewusst, dass sie sich in seiner Nähe sofort geborgen und beschützt gefühlt hatte. Keine zwei Sekunden, um zu wissen, dass er ihr uneingeschränkt gefiel.“
Das fand ich etwas kitschig, wie in einem Groschenroman erzählt.
„Wenn sie sich angrinsten, und das taten sie oft an diesem Abend, war nicht nur Freude, sich endlich lebendig gegenüber zu sitzen, dabei. Es war auch das prickelnde Wissen aus den gemeinsamen Chats, die während der nie endenden Coronazeit, ihren Fixpunkt darstellten.“
Mit Blick auf die Vorgeschichte des Paars im Chat beschränkst Du Dich auf Andeutungen. Hier hätte ich mir ein paar Informationen, vielleicht kleine Brocken aus ihrer Konversation, erhofft.
„Im Bistro steuerte er, so wie sie es von ihm aus den Chats gewohnt war, das Gespräch mit seinen Fragen und seinen stetigen Themenwechseln. Wer fragt, der führt, dachte sie.“
Hier hätte ich mir gewünscht, dass Du seine Gesprächsführung durch Fragen zeigst, zum Beispiel einen kurzen Auszug aus ihrem Dialog wiedergibst.
„Während sich im Laufe des Abends mit jeder Minute seine Fahrigkeit mehr und mehr verlor, stieg ihre Nervosität.“
Der Anstieg ihrer Nervosität kommt etwas unvermittelt. Du beschreibst zwar schon vorher ihre Anspannung, gibst aber keine Erklärung, warum sie im Laufe des Abends weiter steigt. Erst in den folgenden Sätzen wird das deutlich. Überhaupt nimmst Du durch solche Bemerkungen viel vom weiteren Verlauf vorweg, und dadurch ging ein bisschen Spannung für mich verloren.
„Er war überrascht, peinlich berührt, eine so heftige Reaktion bei ihr ausgelöst zu haben. Ob er fühlte, dass es bei ihr tretminenbesetzte Gebiete gab? Er wurde nun vorsichtiger in seinen Fragen, ruhiger.“
Hier wechselst Du plötzlich die Perspektive und tauchst in die Innenwelt des Mannes ein. Bisher war alles konsequent aus der Perspektive der Protagonistin erzählt. Ich hätte es überzeugender gefunden, wenn sie seine Beweggründe aus dem gezeigten Verhalten erschließen würde.
„Im Laufe der Jahre war ihr klar geworden, dass es verschiedene Ebenen der Sympathie gibt.“
Hier erlebe ich wieder einen Bruch: Die Protagonistin geht aus dem Date raus und reflektiert ihre Begegnungen mit Männern auf der Meta-Ebene. Das kommt nach meinem Geschmack etwas unvorbereitet: Was bringt - und befähigt - sie dazu, trotz ihrer vorherigen Anspannung? Törnt sie etwa die Vorsicht, die der Mann plötzlich an den Tag legt, ab?
„Dieses für eine Zehntelsekunde aufflackernde: „Lass es, das ist nicht dein Mister Right!“-Warnsignal war oft genug von dem Wunsch, sich in dieser Zeit endlich einmal wieder live zu begegnen, überrollt und unterdrückt worden.“
Auch diese Formulierung erinnert wieder ein bisschen an einen Groschenroman, sorry.
„Auch wenn sie mit Männern ungeniert in körperlichen Kontakt treten mochte, so gab es, in der Nachschau betrachtet, zwei Gruppen, die sich wesentlich voneinander unterschieden.“
Hier fiel mir auf, dass Du das körperliche Einlassen auf fremde Männer bisher nur an einer Stelle (die Anspielung des Mannes auf ihr „Aids-Risiko“) angedeutet hast. Ich vermisse eine Beschreibung ihrer Gefühle (oder sind es vielmehr ihre durchbrechenden sexuelle Bedürfnisse?), die sie dazu bringen, „schwach“ zu werden. „Ungeniert“ passt für mich auch nicht so recht zu ihrem eher ängstlich-nervösen Charakter, da hätte ich mir mehr konkrete Beschreibung gewünscht.
„Ihr Verstand lief mit eisiger Konsequenz und der Stoppuhr neben ihr, gemahnte sie, nicht zu spät nach Hause zu fahren, vorausschauend zu handeln und jetzt nichts zu riskieren, was später alles verbauen könnte.“
Hoppla, was ist da am Laufen? Die Frau, die Du bisher als ausgesprochen sinnlich und sehnsüchtig nach körperlicher Nähe beschrieben hast, übt sich plötzlich in Askese? Warum tut sie das? Offenbar hat sie schlechte Erfahrungen damit gemacht, sich gehen zu lassen. Haben ihr die Lover nach dem Sex vielleicht den Rücken gekehrt?
„Sie gab sich diese Antwort nicht, handelte einfach, die Neugierde versah alles mit ihrer Genehmigung. Ihre Hand berührte mehr, als sie erwartet hatte.“
Das finde ich wieder eine schöne, sinnliche Beschreibung, weil alles nur angedeutet wird.
„Mit jedem Darüberstreifen wuchs sein Schwanz und ihr Glücksgefühl.“
… schade, hier sprichst Du es nach meinem Empfinden zu direkt aus!
„Er findet mich erotisch“, jubelte es in ihr, „er hat es nicht nur im Chat daher gesagt.“ Sie wagte, daran zu glauben, dass er nicht den Abend als nette Begegnung unter guten Chatbekannten beenden wollte. Und jetzt im Auto waren seine Küsse und seine Wölbung in der Hose wie eine zweite Unterschrift unter einen Vertrag. Ich mag ihn. Er mag mich.“
Dieser Ausgang befriedigt mich irgendwie nicht. In Anbetracht des bisherigen, teilweise ambivalenten Verlauf des Dates ist mir das zu einfach, zu harmonisch und spannungsarm erzählt. Lösen sich durch die Küsse und die Wölbung am Schritt des Mannes wirklich alle Zweifel der Protagonistin auf? Oder ist sie vielleicht in ihre alte Falle getappt und nach diesem Date wird wieder alles von vorne beginnen?

Dann noch ein bisschen Kleinkram:

„Als hätte sein Gehirn jetzt erst die Meldung zugelassen, dass sie wirklich da war und ihm Freudeerlaubnis erteilt.“
Dieses Wort kenne ich zwar noch nicht, aber durchaus interessant …
„Das Handy in der Hand, kam er mit großen Schritten auf sie zu, und sein Lächeln ließ seine Erleichterung spüren, dass sie ihn nicht versetzt hatte.“
Hier müssten m.E. noch zwei Kommas zugefügt werden.

Ich freue mich auf neue Date-Geschichten von Dir (und werde wohl auch bald selbst eine beisteuern, danke für Deine Anregung!).

Viele Grüße,

A. Martin

 
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Hallo Lakita,

das ist natürlich für einen Mann ein interessanter Text, denkt man doch, hier gibt's neue weibliche Offenbarungen zum Thema; die gibt es nicht, dafür die (großteils) analytische Aufbereitung einer bestimmten Frau. Auktorial ist die Perspektive nicht, gibt ja nur Vermutungen über sein Innenleben, doch so richtig personal auch nicht, es sei denn die Protagonistin ist wirklich sehr reflektiert, selbstdistanziert. So kommt es mir doch vor, als würde ein ihr Innenleben kennender Psychologe soufflieren oder aber die ganze Analyse findet im Nachhinein statt.

Irgendwie, die Stellen merke ich an, wirkt es teils als ob es ein innerer Monolog währenddessen, teils als ob es eine Analyse im Nachhinein wäre, also eine Mischung. Dadurch, der innere Monolog ist durch solche Betrachtungen durchbrochen, gab's kaum Ident mit der Prota und die Spannung blieb auf niedrigem Level. Vielleicht auch, weil ich stets dachte, das ist ja alles lang vorbei.

Als Mann kann ich sagen, dass 1-2 der Dinge, die der Mann sagt, entweder auf einen Typ ohne taktisches Flirtgeschick oder ohne soziale Feinkalibrierung hinweist. ich sprech's unten an.

Ich hab es gern gelesen, die ein oder andere Sichtweise oder Formulierung gefiel mir gut, gibt schon mehrere davon.
Dennoch, es ist für mich ein bissl 'windschief', wie die Protagonistin da berichtet; teils inhaltlich - dazu mehr - teils durch die Art, wie sie ausdrückt; der Grund könnte der sein, dass die Perspektive mal näher personal, mal wieder in die Distanz geht. Falls du das so wolltest, chapeau!

Große Männer beeindruckten sie. Vielleicht, weil sie das Gefühl von Stärke und Geborgenheit hervorriefen?
Ja, na klar doch; ich meine, so reflektiert wie sie ist, das weiß sie -


Zwei Tage zuvor hatte er im Chat geflachst, sie sei ein Aidsrisiko, wegen ihrer leichtfertigen Art mit Männern umzugehen
Thema: Flirtverhalten und Sozialkalibrierung; ich weiß nicht ob du es schon mal erlebt hast, ich halte das für sehr 'unsexy' - in einem Satz ihr "vielseitiges Sexleben" und AIDS zu erwähnen, das ist außerdem aggressiv (Klischee: Die Frau als "Schlampe") und zerstört eher die Bereitschaft des 'weiblichen Gegenübers', sich einzulassen. Ich würd das bei nem Date nicht sagen (allerdings denke ich es auch nicht) - auch nicht im Scherz.

dass sie sich in seiner Nähe sofort geborgen und beschützt gefühlt hatte
Ja, das ist wahrscheinlich ein sehr wichtiger Punkt. Nur - verdient er das wirklich mit seinem teils ungeschickten Verhalten?

Es war wie bei einem komplizierten Computerspiel. Man hat auf dem Basislevel alle erdenklichen Situationen durchgestanden und schlüpft nun durch die Tür in eine andere Ebene mit unbekannten Herausforderungen, fühlt sich bange und gleichzeitig aufgekratzt.
Sehr schön, das gefällt mir gut! :thumbsup:

Es war auch das prickelnde Wissen aus den gemeinsamen Chats, die während der nie endenden Coronazeit, ihren Fixpunkt darstellten. Und es lag ihre Scheu voreinander darin.
Corona konnotiert noch mal viele andere Sachen; ich kenne Leute, die sich wochenlang geschrieben haben, auch ohne Corona, zum Beispiel wegen größerer Entfernung (oder mangelndem Mut, das fragile Gebilde der Digitalverliebtheit zu prüfen). Aber ist auch nicht schlimm, wenn es drin blleibt.


Aber seine Bemerkung, dass ihre Hände verschwitzt seien, gemahnte sie, sie ihm nicht allzu lange zuzumuten.
Thema wieder: Flirtverhalten und Sozialkalibrierung; selbst wenn ich bemerke, dass ihre Hände verschwitzt sind, fällt mir im Moment der ersten Berührung - sicher ein besserer Satz ein, als ihr zu sagen, dass sie schwitzt.
:::::::::::

Ab hier spreche ich die Inkonsistenz ihrer Ausdrucksweise an - Fraum im Moment - Analytikerin im Nachhinein:

dauert es nur ein paar Sekunden, um herauszufinden, ob die Chemie stimmt, ob ein Gleichklang vorhanden ist
Analytisch. Herauszufinden, ob die Chemie stimmt. Das denk ich im Moment anders, nämlich durchaus, ob die Anziehung dafür gut ist, mit ihm "körperlich zu werden" - anders ausgedrückt: finde ich ihn sexy? scharf? geil? etc. "im Moment"

Oftmals ist er nicht in der Lage, Kontakt zum Unterbewusstsein und seinen Informationen aufzunehmen.
Inhaltlich: ja. Bissl schief, weil Kontakt nehm ich nur zum UB auf, doch zu den Informationen? Also: "mit" statt "und"

Auch wenn sie mit Männern ungeniert in körperlichen Kontakt treten mochte
Sehr analytisch-gestelzt - "in körperlichen Kontakt treten" - wer sagt das? Nachdem sie unten auch das Wort "Schwanz" denken kann, vermute ich, sie könnte auch hier so was wie "vögeln" sagen. Oder ist sie trotz ihrer vielen Sexeskapaden - etwa verklemmt?

Mit jedem Darüberstreifen wuchs sein Schwanz und ihr Glücksgefühl.
Ja klar. Siehe oben. Jetzt ist sie im Moment; wenn sie im Modus Nachbetrachtung (s. oben) wäre, würde sie ja sagen: "sein Penis erigierte zunehmend".

Die Art, wie er sie berührte, küsste, seine Zunge in ihren Mund schob
Hier gefällt mir das "Zunge in den Mund-geschiebe" nicht. Technik- und Vorgangsbeschreibung weniger, mehr Gefühl bitte! Warum fluten seine Küsse nicht auch ihren "Beckenbereich"? (Geht mir bei vielen Erotikgeschichten so - die Erotik kommt nicht recht auf bei "technischen Beschreibungen".

Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass er zu den Männern gehörte, deren Körper sie zu berühren, schmecken und riechen liebte.
Analytisch. Er "gehörte zu den Männern" "deren Körper" sie zu "berühren ... liebte".
Oder: "Sie wollte an ihn ran, ihn berühren, ihn schmecken, ihn küssen"? Wieder, wo ist sie denn jetzt?

@A. Martin nannte das:

Überhaupt nimmst Du durch solche Bemerkungen viel vom weiteren Verlauf vorweg, und dadurch ging ein bisschen Spannung für mich verloren.
Genau; sie berichtet von "nachher" aus, dann aber soll es wieder "im Moment sein".


Die zweieinhalb Stunden waren so kurz. Als hätte man sie gleich nach der Vorspeise vom Tisch weggeholt, als hätte sie gerade erst angefangen, zur Musik die Hüften zu bewegen und im Rhythmus mitzuschwingen, um dann nichts mehr zu hören.
Schön beschrieben :thumbsup:
Ihre Lust stritt dagegen, verlangte nach Küssen, nach Händen, Atemlosigkeit und Herzklopfen. Verlangte den Stillstand der Zeit.
Schön beschrieben :thumbsup:

Ich habe das Gefühl, es würde den Text stärker machen, wenn du dich entscheiden würdest, wer das jetzt in welcher Lage erzählt. Tut sie es hinterher (analytisch) oder sind wir echt personal dabei, in ihrem Kopf und Körper? ... und du dabei bleibst.

LG Flic novnout

 
Seniors
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Hallo @A. Martin und
@FlicFlac ,

boah, ihr beide seid aber fix. Vielen Dank dafür, dass ihr euch schon zu morgendlicher Stunde um meinen Text bemüht und Feedback gebt. So schnell hatte ich damit noch gar nicht gerechnet und deswegen freut es mich besonders.
Ich danke euch beiden auch gemeinsam an dieser Stelle, nachher gehe ich noch detailliert drauf ein, dass ihr so konstruktiv Kritik geübt habt.
Ich habe ca. über ein Jahr nicht mehr richtig geschrieben und fühle mich etwas eingerostet, das merke ich an euren Kritikpunkten, denn fast alles, was ihr da bemängelt, wäre vermeidbar gewesen.
Ich will damit sagen, dass ich fast 1:1 euren Kritikpunkten zustimme, bereits schon teils verbessert habe, teils noch drauf rumkaue, aber auf jeden Fall vorhabe, es zu bearbeiten.

Vorweg und auch dies kann ich an euch beide gleichzeitig richten, weil ihr es auch beide bemängelt: dies sollte kein aktionsreicher spannungsgeladener Text werden, sondern schon so eine Art Reflexion über Vergangenes. Und immer dann, wenn die Protagonistin ins Hier und Jetzt rutscht, dann weil es ihr so präsent vorkommt, aber in Wahrheit ist es eine Art Rückschau auf sich und die damalige Begegnung.
Ich weiß, dass ich damit eben kaum Spannung im Text habe und diese Art, es so darzustellen insgesamt etwas träge wirkt. Ich habe ganz bewusst auf sämtliche wörtliche Rede verzichtet, weil ich es einfach einmal ausprobieren wollte, ob es auch ohne funktionieren kann.
Ansonsten liebe ich es geradezu ganze Geschichten in Dialogform zu erstellen (ohne Werbung machen zu wollen, siehe u.a. "Die Rache der Blaublütigen").
Hier also mal das Experiment, ob man den Leser auch mit einer Art Nach- und Innenschau einfangen kann.
Eure Reaktionen zeigen mir auf, dass es einerseits nicht einfach ist, aber auch keinesfalls unmöglich.

So und nun im Einzelnen:


@A. Martin

Diese beiden Sätze beschreiben, wie ich finde, ganz anschaulich ihren Grundkonflikt: Nähe suchen, aber sich nicht gehen lassen, um den Selbstwert zu schützen.
Ja und dieser Selbstwert muss geschützt werden, damit sie Erfolg hat, weil sie glaubt, nur so einen Mann für sich zu finden.
Das fand ich etwas kitschig, wie in einem Groschenroman erzählt.
Hab ich geändert.
Mit Blick auf die Vorgeschichte des Paars im Chat beschränkst Du Dich auf Andeutungen. Hier hätte ich mir ein paar Informationen, vielleicht kleine Brocken aus ihrer Konversation, erhofft.
Da hadere ich noch mit mir, ob hier wirklich mehr erforderlich ist. Auf jeden Fall möchte ich nicht aussteigen aus diesem eher ruhigen Fahrwasser. Ich möchte keine Dialoge verwenden, siehe oben, weshalb es so ist.
Hier hätte ich mir gewünscht, dass Du seine Gesprächsführung durch Fragen zeigst, zum Beispiel einen kurzen Auszug aus ihrem Dialog wiedergibst.
Hab ich eben und oben erklärt, wieso nicht. Sehe aber sehr wohl, was ich damit beim Leser anrichte. Und ich glaube nicht, dass ich mir vornehmen werde, auf Dauer dies zu meinem Schreibstil zu erwählen.
Der Anstieg ihrer Nervosität kommt etwas unvermittelt. Du beschreibst zwar schon vorher ihre Anspannung, gibst aber keine Erklärung, warum sie im Laufe des Abends weiter steigt. Erst in den folgenden Sätzen wird das deutlich. Überhaupt nimmst Du durch solche Bemerkungen viel vom weiteren Verlauf vorweg, und dadurch ging ein bisschen Spannung für mich verloren.
Das finde ich gar nicht, aber ich werde meinen Text, der zum Glück ja nicht so lang ist, nochmals zwischendrin mir immer mal wieder selbst vorlesen, dann kann ich vielleicht so wie du auch erkennen, dass Erklärung notwendig ist. Auch dein Kritikpunkt, dass ich Spannung wegnehme, da überlege ich noch, was ich da machen könnte, wenn auch ich mich ja schon etwas festgelegt habe.

Hier wechselst Du plötzlich die Perspektive und tauchst in die Innenwelt des Mannes ein. Bisher war alles konsequent aus der Perspektive der Protagonistin erzählt. Ich hätte es überzeugender gefunden, wenn sie seine Beweggründe aus dem gezeigten Verhalten erschließen würde.
Stimmt und das habe ich schon geändert. Es soll ihre Perspektive bleiben.
Hier erlebe ich wieder einen Bruch: Die Protagonistin geht aus dem Date raus und reflektiert ihre Begegnungen mit Männern auf der Meta-Ebene. Das kommt nach meinem Geschmack etwas unvorbereitet: Was bringt - und befähigt - sie dazu, trotz ihrer vorherigen Anspannung? Törnt sie etwa die Vorsicht, die der Mann plötzlich an den Tag legt, ab?
Nein, das ist es nicht, sondern es ist tatsächlich eine Mischung aus Reflektion von Vergangenem und wieder hereinzoomen in die damalige Gegenwart. Ich muss mal schauen, ob dein Einwand, es käme zu unvorbereitet, mir auch so vorkommt. Das glätte ich eventuell dann noch.
Auch diese Formulierung erinnert wieder ein bisschen an einen Groschenroman, sorry.
Wird noch verbessert. Ich sehe es wie du, es ist nicht gelungen formuliert.
Hier fiel mir auf, dass Du das körperliche Einlassen auf fremde Männer bisher nur an einer Stelle (die Anspielung des Mannes auf ihr „Aids-Risiko“) angedeutet hast. Ich vermisse eine Beschreibung ihrer Gefühle (oder sind es vielmehr ihre durchbrechenden sexuelle Bedürfnisse?), die sie dazu bringen, „schwach“ zu werden. „Ungeniert“ passt für mich auch nicht so recht zu ihrem eher ängstlich-nervösen Charakter, da hätte ich mir mehr konkrete Beschreibung gewünscht.
Ich verstehe, was du meinst. Und ich muss wohl oder übel über diese Passage nochmals drüber gehen. Vielleicht gelingt mir eine Verbesserung. Ich ahne aber, dass ich mich im Laufe der Jahre nicht unbedingt sehr verbessert habe. Für mich sind die romantischen, erotischen Geschichten immer noch die kompliziertesten zu erstellenden Geschichte. Allzu leicht drifte ich ab ins entweder Kitschige und dann oftmals Lächerliche oder ins Pornographische, was dann auch nicht geht. Diese Gratwanderung zwischen Kitsch und Porno zu schaffen,ohne dass es peinlich wirkt, das wäre mein Ziel, an dem ich arbeite und ich denke, es ist noch ein langer Weg.
Hoppla, was ist da am Laufen? Die Frau, die Du bisher als ausgesprochen sinnlich und sehnsüchtig nach körperlicher Nähe beschrieben hast, übt sich plötzlich in Askese? Warum tut sie das? Offenbar hat sie schlechte Erfahrungen damit gemacht, sich gehen zu lassen. Haben ihr die Lover nach dem Sex vielleicht den Rücken gekehrt?
Richtig, das möchte ich damit aussagen, aber mehr noch, dass sie diesen Mann nicht verlieren möchte, da sie erkennt, dass er ihr sehr gut gefällt.
… schade, hier sprichst Du es nach meinem Empfinden zu direkt aus!
Stimmt, wird geändert.
Dieser Ausgang befriedigt mich irgendwie nicht. In Anbetracht des bisherigen, teilweise ambivalenten Verlauf des Dates ist mir das zu einfach, zu harmonisch und spannungsarm erzählt. Lösen sich durch die Küsse und die Wölbung am Schritt des Mannes wirklich alle Zweifel der Protagonistin auf? Oder ist sie vielleicht in ihre alte Falle getappt und nach diesem Date wird wieder alles von vorne beginnen?
Dein letzter Satz wäre eigentlich die Antwort. Ja, ist sie vermutlich. Ich kann gar nicht so genau erklären, wieso ich dieses Ende gewählt und geschrieben habe. Ich werde darüber auch nochmals etwas nachdenken müssen, ob ich da noch glätte oder noch tiefer gehe.

Hab auf jeden Fall herzlichen Dank für deine irre große Mühe, den ganzen Zeitaufwand und dein freundliches konstruktives Feedback. Es bringt mich deutlich weiter in der Entwicklung dieses Textes, allerdings ist jetzt mein Part, dass, was ich anhand deiner sog. Mängelliste erkannt habe, auch in die Tat umzusetzen. Ich versuchs.


@FlicFlac ,

herzlichen Dank für dein Feedback und die aufschlussreiche Kritik, die mir sehr weiterhilft.
Du legst, wie auch schon A.Martin die Finger exakt in die Wunden (meines Textes).

Auktorial ist die Perspektive nicht, gibt ja nur Vermutungen über sein Innenleben, doch so richtig personal auch nicht, es sei denn die Protagonistin ist wirklich sehr reflektiert, selbstdistanziert. So kommt es mir doch vor, als würde ein ihr Innenleben kennender Psychologe soufflieren oder aber die ganze Analyse findet im Nachhinein statt.
Dass dein Eindruck der ist, dass bereits ein Fachmann , also ein Psycholog am Werk ist, um zu soufflieren, ehrt mich einerseits wegen der darin steckenden Fachkompetenz, aber ich sehe natürlich sofort, dass dies als Kritikpunkt von dir gemeint ist, weil das irritiert und auch ein Stück weit etwas behäbig ist.
Irgendwie, die Stellen merke ich an, wirkt es teils als ob es ein innerer Monolog währenddessen, teils als ob es eine Analyse im Nachhinein wäre, also eine Mischung. Dadurch, der innere Monolog ist durch solche Betrachtungen durchbrochen, gab's kaum Ident mit der Prota und die Spannung blieb auf niedrigem Level. Vielleicht auch, weil ich stets dachte, das ist ja alles lang vorbei.
Du triffst da den Nagel auf dem Kopf. Ich verstehe also, was du meinst, vermag allerdings
momentan nicht anders an diesen Text heran zu gehen. Und wie schon weiter oben beschrieben, wollte ich unbedingt einmal ohne Dialog auskommen.
Als Mann kann ich sagen, dass 1-2 der Dinge, die der Mann sagt, entweder auf einen Typ ohne taktisches Flirtgeschick oder ohne soziale Feinkalibrierung hinweist. ich sprech's unten an.
Ich habe die Stelle mit den feuchten Händen etwas geglättet, aber ich wollte durchaus auch aufzeigen, was es mit der Protagonisti macht, wenn sie solche Hinweise bekommt. Und ich wollte auch gern aufzeigen, wie er seine Unsicherheit überspielt. Nämlich, indem er sie auch etwas tadelt, ein wenig aufzieht, angreift. So lange er es tut, ist er der Souveräne und sie in der Verteidigungssituation.
Ich hab es gern gelesen, die ein oder andere Sichtweise oder Formulierung gefiel mir gut, gibt schon mehrere davon.
Dankeschön.
Dennoch, es ist für mich ein bissl 'windschief', wie die Protagonistin da berichtet; teils inhaltlich - dazu mehr - teils durch die Art, wie sie ausdrückt; der Grund könnte der sein, dass die Perspektive mal näher personal, mal wieder in die Distanz geht. Falls du das so wolltest, chapeau!
Ich gestehe, ich hatte es auf diese Schwankungen nicht angelegt, aber es ist nun mal so geworden. Vielleicht gelingt es mir noch, da etwas zu glätten. Der Text ist hie und da noch überholungsbedüftig.
Thema: Flirtverhalten und Sozialkalibrierung; ich weiß nicht ob du es schon mal erlebt hast, ich halte das für sehr 'unsexy' - in einem Satz ihr "vielseitiges Sexleben" und AIDS zu erwähnen, das ist außerdem aggressiv (Klischee: Die Frau als "Schlampe") und zerstört eher die Bereitschaft des 'weiblichen Gegenübers', sich einzulassen. Ich würd das bei nem Date nicht sagen (allerdings denke ich es auch nicht) - auch nicht im Scherz.
Ich dachte eigentlich, ich hätte ihren eigentlichen Groll darüber dadurch dargestellt, dass sie sich nicht von ihm umarmen lässt zu Begrüssung.
Ja, das ist wahrscheinlich ein sehr wichtiger Punkt. Nur - verdient er das wirklich mit seinem teils ungeschickten Verhalten?
Aus ihrer Sicht ja. Natürlich kann man als Leser hinterfragen, ob sie da nicht durch ihre Sehnsucht reichlich ferngesteuert ist.
Corona konnotiert noch mal viele andere Sachen; ich kenne Leute, die sich wochenlang geschrieben haben, auch ohne Corona, zum Beispiel wegen größerer Entfernung (oder mangelndem Mut, das fragile Gebilde der Digitalverliebtheit zu prüfen). Aber ist auch nicht schlimm, wenn es drin blleibt.
Sehe ich auch so.
Thema wieder: Flirtverhalten und Sozialkalibrierung; selbst wenn ich bemerke, dass ihre Hände verschwitzt sind, fällt mir im Moment der ersten Berührung - sicher ein besserer Satz ein, als ihr zu sagen, dass sie schwitzt.
:::::::::::
s.o.
Inhaltlich: ja. Bissl schief, weil Kontakt nehm ich nur zum UB auf, doch zu den Informationen? Also: "mit" statt "und"
Da muss ich noch ran und es besser formuieren.
Sehr analytisch-gestelzt - "in körperlichen Kontakt treten" - wer sagt das? Nachdem sie unten auch das Wort "Schwanz" denken kann, vermute ich, sie könnte auch hier so was wie "vögeln" sagen. Oder ist sie trotz ihrer vielen Sexeskapaden - etwa verklemmt?
Stimme dir zu. Es ist nicht ideal formuliert, ich muss da nochmals ran.
Hier gefällt mir das "Zunge in den Mund-geschiebe" nicht. Technik- und Vorgangsbeschreibung weniger, mehr Gefühl bitte! Warum fluten seine Küsse nicht auch ihren "Beckenbereich"? (Geht mir bei vielen Erotikgeschichten so - die Erotik kommt nicht recht auf bei "technischen Beschreibungen".
Ich hab die Zunge gestrichen. Und auch hier mein Hinweis, falls du nicht schon denjenigen bei A.Martin gelesen hast, dass ich mich in puncto Erotikschreiben noch als blutige Anfängerin betrachte. Eben, weil mir die Gratwanderung zwischen Kitsch und Porno so irre schhwierig vorkommt. Aber ich wachse mit jedem Text.
Genau; sie berichtet von "nachher" aus, dann aber soll es wieder "im Moment sein".
Ja, war mir, als ich es schrieb, gar nicht so bewusst.
Ich habe das Gefühl, es würde den Text stärker machen, wenn du dich entscheiden würdest, wer das jetzt in welcher Lage erzählt. Tut sie es hinterher (analytisch) oder sind wir echt personal dabei, in ihrem Kopf und Körper? ... und du dabei bleibst.
Was in einem Fall den Perspektivwechsel anbelangt, den hab ich beseitigt, ansonsten trifft deine Kritik ja im Kern sich auch mit derjenigen von A.Martin.

Auch dir herzlichen Dank für deine ganze Mühe und konstruktive Kritik, ich werde versuchen, an dem Text zu arbeiten.

Euch beiden
liebe Grüße

lakita

 
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Hallo @lakita ,

ich finde deine Geschichte von der Erzählart her schwer einzuordnen.

Es geschieht ja letzten Endes nicht viel, aber das muss ja auch nicht unbedingt sein. Für mich bleibt es nur auch eher die Selbstreflektion einer Frau, die ich durch den Text nur ansatzweise kennenlerne.

Ich finde die Geschichte jedoch gut geschrieben, wenn du sie in dieser Art deutlich länger gestaltest, würde m.E. auch ein sehr persönliches und intimes Bild der Protagonistin entstehen. In dieser Kürze ist er mit stellenweise zu analytisch, da hätte ich mir mehr Aktion gewünscht, durch die ich selbst meine Schlüsse zum Denken und Fühlen der Frau ziehen kann.

Interessant fand ich die Beschreibung der drei Ebenen: Chat, Telefongespräch und reales Date.

Noch ein paar Details:

Das Handy in der Hand kam er mit großen Schritten auf sie zu und sein Lächeln ließ seine Erleichterung spüren, dass sie ihn nicht versetzt hatte.
ggf. das Smartphone ?

Dann begann es chaotisch zu werden, und wie bei einer Oper, deren Ouvertüre bereits das Thema in einem Zeitraffer vorwegnimmt, verlief der gesamte Abend als eine Abfolge von kleinen weiteren Turbulenzen.
Dann wurde es chaotisch ... ;
so chaotisch, wie du es ankündigst, wurde der Abend ja eigentlich nicht ...

Zunächst, er war einen Schritt zu schnell in Richtung Bahnhofausgang gegangen, drehte er sich um, wollte sie zur Begrüßung umarmen.
"Zunächst war er ..." ; das zweite "er" streichen ; "und" statt dem letzten Komma

Mit blitzgescheiten Augen, die den ganzen Abend nie ihre Scheu und Verlegenheit verleugnen konnten, schaute er sie lächelnd an.
seine (es geht ja um die Scheu und Verlegenheit des Mannes, oder nicht?)

Noch auf dem Weg ins Bistro analysierte sie, dass all ihre innige Vertrautheit im Chat nichts gegen ihre jetzige Verlegenheit ausrichten konnte.
Erleichtert spürte sie, dass es ihm ebenso ging.
Wie eingangs erwähnt, wurde es mir dann stellenweise zu selbstanalytisch.

... die während der nie endenden Coronazeit, ihren Fixpunkt darstellten.
kein Komma

Seine augenzwinkernde Bemerkung, dass ihre Hände verschwitzt seien
Sehr taktvoll, beim ersten realen Date ... ;)

War es nicht besser, immerzu weiter zu driften als im Käfig einer festen Beziehung herum zu tigern?
Guter Satz! (ggf. könntest du "festen" streichen, der Käfig verdeutlich das ja schon)

Aber hätte sie ihm all das gestanden, hätte sie keine Kontrolle mehr über ihre Tränen gehabt.
Vielleicht einmal "hätte" einsparen?

Im Laufe der Zeit ihrer Suche war ihr klar geworden, dass es verschiedene Ebenen der Sympathie gibt.
Etwas umständlich ... vielleicht nur: "Während ihrer Suche ..." , oder ähnlich.

Im Laufe der Zeit ihrer Suche war ihr klar geworden, dass es verschiedene Ebenen der Sympathie gibt. Es fängt damit an, dass jemand im Chat mit seinen Antworten, Fragen und Berichten zu fesseln weiß.
Hier könntest du beim Nebensatzbeginn variieren.

Während sie ihm gegenüber saß, hatte sie das Verlangen, dass er neben ihr sitzen müsste, damit er seinen Arm um sie legen könnte und sie ihren Kopf an seine Schulter.
Vorschlag, weniger verschachtelt:
"Sie hatte sie das Verlangen, neben ihm zu sitzen. Ihren Kopf an seine Schulter zu legen, während er den Arm um sie legte."

Ihr Verstand lief mit eisiger Konsequenz und der Stoppuhr neben ihr, gemahnte sie, nicht zu spät nach Hause zu fahren, vorausschauend zu handeln und jetzt nichts zu riskieren, was später alles verbauen könnte.
Vielleicht eher die Stoppuhr in ihren Gedanken?
Die Formulierung "neben ihr" passt m.E. nicht.

Viele Grüße,
Rob

 
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Hallo @Rob F,

herzlichen Dank für deine ausführliche Kritik, mit der ich sehr viel anfangen kann.
Ich gestehe, dass ich diesen Text nicht für einen meiner besten halte, habe auch schon weiter oben mitgeteilt, dass ich mich etwas eingerostet fühle und insoweit treffen fast alle deiner Anmerkungen und Verbesserungen bei mir auf fruchtbaren Boden.
Ich finde, ein guter Start und insoweit eine geeignete Geschichte, um damit zu lernen und wieder gut reinzukommen.

ich finde deine Geschichte von der Erzählart her schwer einzuordnen.
Stimme dir zu.
Es geschieht ja letzten Endes nicht viel, aber das muss ja auch nicht unbedingt sein. Für mich bleibt es nur auch eher die Selbstreflektion einer Frau, die ich durch den Text nur ansatzweise kennenlerne.
Auch hier gehe ich mit dir d'accord. Es ist eher eine Selbstreflexion. Wenn ich das aktionsreicher hätte gestalten wollen, dann hätte sie zum Beispiel von dem Date und seinem Verlauf ihrer Freundin berichtet und das wäre eindeutig schwungvoller verlaufen. Gar keine Frage. Ich wollte aber diese Singlefrau darstellen, die mit sich selbst und ihrer Welt zu tun hat und über die Ereignisse nachdenkt.
Ich finde die Geschichte jedoch gut geschrieben, wenn du sie in dieser Art deutlich länger gestaltest, würde m.E. auch ein sehr persönliches und intimes Bild der Protagonistin entstehen.
Ich verstehe, was du meinst und danke für dein Lob. Es ist nur so, dass ich denke, wenn genau dieser Stil länger daher kommen würde, wäre es eine Qual den Text bis zum Ende zu lesen. Da würde nicht viel helfen, dass der Leser als quasi "Lohn" mehr über die Prota erfährt.
In dieser Kürze ist er mit stellenweise zu analytisch, da hätte ich mir mehr Aktion gewünscht, durch die ich selbst meine Schlüsse zum Denken und Fühlen der Frau ziehen kann.
Verstehe deine Kritik hier sehr gut.
Interessant fand ich die Beschreibung der drei Ebenen: Chat, Telefongespräch und reales Date.
Danke.
ggf. das Smartphone ?
gekauft
Dann wurde es chaotisch ... ;
so chaotisch, wie du es ankündigst, wurde der Abend ja eigentlich nicht ...
stimmt...ich suche nach einem anderen Begriff. Chaotisch ist zu wuchtig.
"Zunächst war er ..." ; das zweite "er" streichen ; "und" statt dem letzten Komma
Ich versuchs. Ich habe bereits während ich deine Kritik gelesen habe, nach einer Verbesserung gesucht, bin da noch nicht weiter gekommen. Aber ich halte diese Stelle für verbesserungswürdig.
seine (es geht ja um die Scheu und Verlegenheit des Mannes, oder nicht?)
Stimmt, wird geändert.
Guter Satz! (ggf. könntest du "festen" streichen, der Käfig verdeutlich das ja schon)
Werd ich streichen. Danke.
Etwas umständlich ... vielleicht nur: "Während ihrer Suche ..." , oder ähnlich.
Jo, mach ich auch noch glatt.
Hier könntest du beim Nebensatzbeginn variieren.
Ich habe das Gefühl, heut tu ich mich schwer mit neuen Umformulierungen. Aber ich sehe genau, was du meinst und werde es zu ändern versuchen.
Vorschlag, weniger verschachtelt:
"Sie hatte sie das Verlangen, neben ihm zu sitzen. Ihren Kopf an seine Schulter zu legen, während er den Arm um sie legte."
gekauft, dankeschön.
Vielleicht eher die Stoppuhr in ihren Gedanken?
Die Formulierung "neben ihr" passt m.E. nicht.
Hm...das sehe ich nicht so. Der Verstand läuft sozusagen neben ihr und hält die Stoppuhr in der Hand, so hatte ich es sagen wollen. Ich werde das nicht ändern.

Interpunktionsfehler werd ich natürlich alle beseitigen.

Habe nochmals lieben Dank für deine Mühe, die wie du siehst, warst du sehr erfolgreich damit.

Lieben Gruß

lakita

 
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Hallo @lakita,

mir gefällt die Geschichte. Ich finde, du beschreibst authentisch, wie sich eine Frau bei einem/diesem Date fühlt; wie sie auf die nonverbale Kommunikation des Mannes antwortet und reagiert. Zumindest glaube ich als Mann dir das.
Allerdings würde ich Kürzungen vorschlagen! Ich finde, du hast sehr viele Beschreibungen im Text, die ich als redundant wahrnehme. Ich finde wirklich, weniger wäre hier mehr im Text. Das Meiste, was du an Zwischenmenschlichem beschreibst, versteht man als Leser.
Das werden jetzt viele Kürzungsvorschläge, aber das heißt auf keinen Fall, dass mir der Text in diesem Prozentanteil nicht gefallen hätte. Ich finde einfach, das würde noch mehr das Essentielle heraus kristallisieren und den Text verdichten. Nimm dir mit, was du brauchst und was nach deinem Gefühl gut passt. Wenn du nichts übernehmen möchtest - kein Problem für mich, ich bin da nicht gekränkt. Ich gehe mal Absatz für Absatz den Text durch:


Kürzungsvorschläge:

Er war größer, als sie ihn sich vorgestellt hatte. Große Männer beeindruckten sie. Vielleicht, weil sie das Gefühl von Stärke und Geborgenheit hervorriefen? Den wahren Grund kannte sie nicht.
Das Handy in der Hand kam er mit großen Schritten auf sie zu und sein Lächeln ließ seine Erleichterung spüren, dass sie ihn nicht versetzt hatte. Dann begann es verwickelt zu werden, und wie bei einer Oper, deren Ouvertüre bereits das Thema in einem Zeitraffer vorwegnimmt, verlief der gesamte Abend [verlief] in Wirbeln zwischen kraus und glatt.

Er war einen Schritt zu schnell in Richtung Bahnhofausgang gegangen und ließ sie ein paar Schritte hinter sich.
2x Schritt - ich würde es umbauen zu: Im bahnhof war er zu schnell in Richtung Ausgang gegangen und ließ sie ein paar Schritte hinter sich.

Abrupt stoppte er, drehte sich um und wollte sie zur Begrüßung umarmen.
Hier könntest du das Umarmen-wollen noch konkretisieren: Er breitete die Arme zu einer Umarmung aus, beugte sich zu ihr. Sie wich ihm aus.


Als hätte sein Gehirn jetzt erst die Meldung zugelassen, dass sie wirklich da war und ihm Freudeerlaubnis erteilt.
Sie wich ihm aus. Zwei Tage zuvor hatte er im Chat geflachst, sie sei ein Aidsrisiko, wegen ihrer leichtfertigen Art mit Männern umzugehen, und deshalb würde er sie nicht anrühren. In jedem Scherz steckt immer ein wahrer Kern. Sie wollte nicht die schmusebedürftige kleine Frau sein, die sich jedem in die Arme wirft. Sie wollte Distanz wahren, um ihm ihre Souveränität zu zeigen.
Er tänzelte vor ihr, dann begriff er und gab sein Vorhaben auf.
Hier würde ich tatsächlich die erklärenden Teile heraus schneiden. Wenn du nur das Essentielle drin lässt, erschließt sich der Rest für den Leser. Ich fände es so dichter. Auch ermöglicht eine Reduktion an Tell und Erklärungen des Erzählers, dass man als Leser mehr mitdenken kann, sich aus dem Beobachteten die Konstellation erschließen kann. Das finde ich beim Lesen immer sehr spannend, wenn es nicht allzu viel "vorgekaut" wird undnoch einiges zum selbst verdauen übrig bleibt.

Mit blitzgescheiten Augen, die den ganzen Abend nie seine Scheu und Verlegenheit [nicht] verleugnen konnten, schaute er sie lächelnd an.

Es war ein offenes, ehrliches Lächeln.
Sie brauchte keine zwei Sekunden, um zu wissen, dass er ihr uneingeschränkt gefiel.
uneingeschränkt - das finde ich zu viel. Meistens braucht das uneingeschränkte Vertrauen oder Gefühl doch nach einem ersten positiven Eindruck - der auch viel mit Attraktivität und Ausstrahlung zu tun hat - eine längere Beobachtungs- und Abtastungszeit, in der man herausfindet, ob der andere einem gefällt. Und: Wann gefällt einem jemand wirklich uneingeschränkt? Wenn es auch um Inneres und nicht nur um Äußeres geht? Da steckt ein Stück Idealisierung seitens der Prot drinne, in dem Satz, finde ich. Deswegen würde ich ihn kürzen.


Ist man cool, wenn man von außen auf sich zu schauen vermag, während man ein Date hat? Wenn ja, dann war sie den ganzen Abend über cool. Noch auf dem Weg ins Bistro analysierte sie, dass all ihre innige Vertrautheit im Chat nichts gegen ihre jetzige Verlegenheit ausrichten konnte.
Erleichtert spürte sie, dass es ihm ebenso ging. Es war wie bei einem komplizierten Computerspiel. Man hat auf dem Basislevel alle erdenklichen Situationen durchgestanden und schlüpft nun durch die Tür in eine andere Ebene mit unbekannten Herausforderungen, fühlt sich bange und gleichzeitig aufgekratzt.
Ich würde die Erklärungsteile wieder kürzen. Ich finde, das erschließt sich. Der Plot ist gut und du steckst gut in deinen Figuren. Aber hier ist mir zu viel Erklärung!
Erleichtert spürte sie, dass es ihm ebenso ging
Das würde ich mehr showen! Wie zeigt sich das? Wie sieht seine Mimik, seine Gestik aus, dass sie das dahingehend interpretiert?

Wenn sie sich angrinsten, und das taten sie oft an diesem Abend, war nicht nur Freude, sich endlich lebendig gegenüber zu sitzen, dabei. Es war auch das prickelnde Wissen aus den gemeinsamen Chats, die während der nie endenden Coronazeit ihren Fixpunkt darstellten. Und es lag ihre Scheu voreinander darin.
Finde ich gut!

Im Bistro steuerte er, so wie sie es von ihm aus den Chats gewohnt war, das Gespräch mit seinen Fragen und seinen stetigen Themenwechseln. Wer fragt, der führt, dachte sie. Nach kurzer Zeit türmten sich in ihrem Kopf all die ungesagten Sätze, die sie wegen seiner rasanten Sprünge nicht mehr hatte sagen können.
Ebenso


Während sich im Laufe des Abends mit jeder Minute seine Fahrigkeit mehr und mehr verlor, stieg ihre Nervosität. Sie konnte weder stillsitzen, noch ihr Hände ruhig halten. Und obwohl sie sich bewusst war, dass ihm vielleicht eine solche Vertrautheit in der Öffentlichkeit unangenehm war, gab sie ihrem starken Verlangen nach und reichte ihm ihre Hände. Den ganzen Abend hätte sie so dasitzen können, seine Hände ihre streichelnd. Seine augenzwinkernde Bemerkung, dass ihre Hände verschwitzt seien, gemahnte sie, sie ihm nicht allzu lange zuzumuten. Sie schämte sich.
So wie ihr Minuten davor peinlich war, in Tränen ausgebrochen zu sein. Sie fürchtete, man könnte sie für eine hysterische überzogen reagierende Dramatikerin halten. Aber die Flut der Tränen brach vorkehrungslos durch ihre Schutzmauer. Er hatte nur eine einzige, aber entscheidende Frage gestellt. Was sie denn suche und wieso sie unter ihren doch zahlreichen Begegnungen nichts finde. Sie wäre in der Lage gewesen, es ihm zu beantworten. Sie hätte gern über ihre unbändige Sehnsucht gesprochen, endlich anzukommen und ihre gleichzeitige Panik, damit bis an ihr Lebensende festgelegt zu sein. War es nicht besser, immerzu weiter zu driften als im Käfig einer Beziehung herum zu tigern? Aber während eines solchen Geständnisses hätte sie keine Kontrolle mehr über ihre Tränen gehabt.
Gestrichenes ergibt sich aus dem Kontext!

Und obwohl sie sich bewusst war, dass ihm vielleicht eine solche Vertrautheit in der Öffentlichkeit unangenehm war, gab sie ihrem starken Verlangen nach und reichte ihm ihre Hände. Den ganzen Abend hätte sie so dasitzen können, seine Hände ihre streichelnd.
Sehr stark.

gemahnte sie
das klingt für mich etwas antiquiert

Sie fürchtete, man könnte sie für eine hysterische überzogen reagierende Dramatikerin halten.
Nicht "man", sondern "er"! Das fände ich spezifischer

Er wirkte überrascht, peinlich berührt, eine so heftige Reaktion bei ihr ausgelöst zu haben. Ob er fühlte, dass es bei ihr tretminenbesetzte Gebiete gab? Er wurde nun vorsichtiger in seinen Fragen, ruhiger. Das übertrug sich auf sie. Es gelang ihr wieder neben sich zu treten und sich von aussen zu betrachten. War er ihr wirklich mehr als nur sympathisch? Oder stürmte da nur ihre Sehnsucht voran?

Es gab für sie verschiedene Ebenen der Sympathie. Es fängt damit an, dass jemand im Chat mit seinen Antworten, Fragen und Berichten zu fesseln weiß. Das muss sich nicht über den telefonischen Kontakt fortsetzen. Es gibt Männer, so wusste sie, die mit ihrem Charme im Chat wie funkelnde Diamanten sprühten und am Telefon wie erloschen wirkten. Aber auch, wenn am Telefon nicht das dünne Band der gerade entstandenen Beziehung reißt, so war das noch lange keine Garantie für eine gelungene reale Begegnung. Steht man voreinander, dauert es nur ein paar Sekunden, um herauszufinden, ob die Chemie stimmt, ob ein Gleichklang vorhanden ist. Aber es dauert manchmal Monate, bis der Verstand danach lebt. Oftmals ist er nicht in der Lage, Kontakt zum Unterbewusstsein mit seinen Informationen aufzunehmen. Dieses für eine Zehntelsekunde aufflackernde: „Lass es, das ist nicht dein Mister Right!“-Warnsignal war oft genug von dem Wunsch, sich in dieser Zeit endlich einmal wieder live zu begegnen, überrollt und unterdrückt worden.

wie funkelnde Diamanten sprühten
Das ist mir zu süß! Auch: Diamanten sprühen? Eine andere Metapher fände ich hier gut

Dieses für eine Zehntelsekunde aufflackernde: „Lass es, das ist nicht dein Mister Right!“-Warnsignal war oft genug von dem Wunsch, sich in dieser Zeit endlich einmal wieder live zu begegnen, überrollt und unterdrückt worden.
Das hab ich nicht verstanden - sich endlich einmal wieder live zu begegnen? Es ist ja die Rede davon, dass sie Zweifel hat in der Anfangsphase einer Beziehung, oder? Und dann kommt der Gedanke: Er ist nicht der Richtige! Wieso dann "sich endlich einmal wieder live zu begegnen"?

ber es dauert manchmal Monate, bis der Verstand danach lebt. Oftmals ist er nicht in der Lage, Kontakt zum Unterbewusstsein mit seinen Informationen aufzunehmen.
Sehr gut

Auch wenn sie mit Männern ungeniert in körperlichen Kontakt treten mochte, so gab es, in der Nachschau betrachtet, zwei Gruppen, die sich wesentlich voneinander unterschieden. Die einen, deren Haut sie zu berühren, zu schmecken und zu riechen liebte und die anderen, bei denen sie es nur tat, bis ihr Bewusstsein ihr dazwischen redete.
Jeder einzelne Mann lehrte sie, immer unvermittelter auf ihre Sinne zu achten.
Während sie ihm gegenüber saß, hatte sie das Verlangen, neben ihm zu sitzen,ihren Kopf an seine Schulter zu legen, damit er den Arm um sie legte. Ihr war, als hätten sie es immer so gemacht, sich geküsst, sich aneinandergeschmiegt. Wie gerne wäre sie im Bistro aufgestanden, um ihn wenigstens zu umarmen. Später im Auto war ihr alles vertraut. Die Art, wie er sie berührte, küsste, die war gewiss neu für sie, aber dass er es tat, hatte nichts Fremdes. Erst da wurde ihr bewusst, dass er zu den Männern gehörte, deren Körper sie zu berühren, schmecken und riechen liebte.
Diese Erkenntnis ließ sie noch nervöser werden, denn jetzt lag ihr daran, ihn nicht durch eine unbedachte Aktion, durch dumme Worte zu verschrecken. Sie fühlte sich plötzlich auf dünnem Eis.
Gestrichenes ist redundant

Auch wenn sie mit Männern ungeniert in körperlichen Kontakt treten mochte, so gab es, in der Nachschau betrachtet, zwei Gruppen, die sich wesentlich voneinander unterschieden. Die einen, deren Haut sie zu berühren, zu schmecken und zu riechen liebte und die anderen, bei denen sie es nur tat, bis ihr Bewusstsein ihr dazwischen redete.
Sehr gut

Während sie ihm gegenüber saß, hatte sie das Verlangen, neben ihm zu sitzen,ihren Kopf an seine Schulter zu legen, damit er den Arm um sie legte. Ihr war, als hätten sie es immer so gemacht, sich geküsst, sich aneinandergeschmiegt. Wie gerne wäre sie im Bistro aufgestanden, um ihn wenigstens zu umarmen. Später im Auto war ihr alles vertraut. Die Art, wie er sie berührte, küsste, die war gewiss neu für sie, aber dass er es tat, hatte nichts Fremdes.
Ebenso sehr gut

Die zweieinhalb Stunden waren so kurz. Als hätte man sie gleich nach der Vorspeise vom Tisch weggeholt, als hätte sie gerade erst angefangen, [sich] zur Musik die Hüften zu bewegen und im Rhythmus mitzuschwingen, um dann nichts mehr zu hören.
So liest es sich besser, find eich

Ihr Verstand lief mit eisiger Konsequenz und der Stoppuhr neben ihr, gemahnte sie, nicht zu spät nach Hause zu fahren, vorausschauend zu handeln und jetzt nichts zu riskieren, was später alles verbauen könnte.
Ihre Lust stritt dagegen, verlangte nach Küssen, nach Händen, Atemlosigkeit und Herzklopfen. Verlangte den Stillstand der Zeit.
-eisiger Konsequenz - nee, das ist zu viel. Ohne ist es viel stärker!
-vorrauschend zu handeln ist redundant, das wird durch die anderen Textstellen bereits klar!
-stritt dagegen: auch redundant! Dass die Lust nach Küssen verlangt, bedeutet, dass sie dagegen streitet!

Als er anfing, mit seinen Händen ihr Gesicht zu bergen und sie sanft zu küssen, dachte sie: „So hat das noch keiner getan. Er küsst dich zärtlich und doch ohne Zurückhaltung, wird fordernder, steigert sich. Ob ich ihn erschrecke, wenn ich mit meiner Hand über seine Wölbung streife?“
Sie gab sich diese Antwort nicht, handelte einfach, die Neugierde versah alles mit ihrer Genehmigung. Ihre Hand berührte mehr, als sie erwartet hatte.
Mit jedem Darüberstreifen wuchs ihr Glücksgefühl.
„Er findet mich erotisch“, jubelte es in ihr, „er hat es nicht nur im Chat daher gesagt.“ Sie wagte, daran zu glauben, dass er nicht den Abend als nette Begegnung unter guten Chatbekannten beenden wollte. Und jetzt im Auto waren seine Küsse und seine Wölbung in der Hose wie eine zweite Unterschrift unter einen Vertrag. Ich mag ihn. Er mag mich.
Ich finde es auch gut, dass sie ihm an den Schritt fasst. Das ist spannend und macht sie nicht nur zu Beute, die erobert wird, sondern zeigt ihre sexuelle Lust. Das ist für mich ein "Klischeebruch", weil die Frau selbst Initiative zeigt und nicht das brave, zurückhaltende, romantische und v.a. passive Ding ist. Auch, dass sie sich über die Wölbung freut, finde ich gut.

Gekürzt gefällt mir der Text sehr gut! In der aktuellen Version finde ich ihn ein wenig schwere Kost, in dem Sinne, dass noch ein wenig Ballast in ihm drin ist, den der Text nicht bräuchte.

Viele Grüße
zigga

 
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Boah @zigga,

während ich hier ahnungslos gemütlich meine Kritiken unter andere Geschichten pinsele, haust du mir alle meine Lieblinge aus dem Text, du Schuft. :D

Ich merke aber immer deutlicher, wie rohbaulich ich das hier verfasst und dann auch noch idiotischerweise gepostet habe. Sowas rächt sich immer und trotzdem bin ich total glücklich, es doch getan zu haben, denn du glaubst gar nicht, was ich grad alles durch dich und die anderen Vorkritiker lerne. So ist es ja immer hier. Die eigenen nicht gelungenen Geschichten bringen einen mächtig voran, während die mehr gelungenen einem die Kraft geben, weiter zu schreiben.

Ich sage großen herzlichen Dank für deine Textarbeit, dein Feedback und diese konstruktive Kritik.
Du hast im Gegensatz zu manch anderem hier den riesigen Vorteil, dass ich weiß, wie gut du Texte schreibst und ich deinem Gefühl für den Sound eines Textes sehr vertraue. Das heißt aber nicht, dass ich alles genauso sehe. Aber deine Vorschläge sind zu einem großen Teil überhaupt nicht inakzeptabel, sie sind so, dass ich es mal so versuchen werde.
Da sind nur wenige meiner Textlieblingsstellen, bei denen die ich nur mit größerem Bedauern eine Trennung vornehmen könnte, insoweit werde ich mir das alles nochmals nach dem Einenachtdrüberschlafen genau ansehen und dann entscheiden, wo ich stur bleiben und wo ich mich lösen kann.

Ich kann deine Streichungen verflucht gut nachvollziehen.

Eigentlich begehe ich grad den Anfängerfehler, zumindestens an einigen Stellen, zu glauben, ich müsste dem Leser holzhammerartig die Gedanken der Protagonistin reinkloppen. Ich erinnere hier ab und zu meist Neulinge daran, dass wir Leser nicht verblödet sind und selbst vergesse ich es. Schlimm.
Ich meine nämlich, erklären zu müssen, was die Protagonistin fühlt und genau die Stellen, wo ich eh nur wiederhole, was ich mit anderen Worten schon gesagt habe, sind schon mal die, die auf jeden Fall wegfallen werden. Die zeigst du akribisch auf und noch viel mehr.

Dieses für eine Zehntelsekunde aufflackernde: „Lass es, das ist nicht dein Mister Right!“-Warnsignal war oft genug von dem Wunsch, sich in dieser Zeit endlich einmal wieder live zu begegnen, überrollt und unterdrückt worden.

Das hab ich nicht verstanden - sich endlich einmal wieder live zu begegnen? Es ist ja die Rede davon, dass sie Zweifel hat in der Anfangsphase einer Beziehung, oder? Und dann kommt der Gedanke: Er ist nicht der Richtige! Wieso dann "sich endlich einmal wieder live zu begegnen"?
Damit wollte ich sagen, dass die Frau merkt, dass es nicht der richtige Mann für sie ist, also ganz grundsätzlich sie ab und zu in dieser Situation gesteckt hat und dass dann aber diese Sehnsucht, sich endlich mal wieder live zu treffen, überhaupt also Kontakt miteinander zu haben alles überdeckt, übertüncht, so dass man diesen zarten Gedanken, dass es doch nicht der Richtige sein könnte, einfach beiseite schiebt und unterdrückt.
Und dann im Grunde genau weiß, dass man sich mehr oder weniger später trennt.

Wie kann ich mich nur für all deine Mühe bedanken, lieber zigga, ausser schlicht DANKE zu sagen?
DANKESCHÖN!

Sobald ich neu gestaltet habe, gebe ich dir Nachricht.

Lieben Gruß

lakita

 
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Als hätte sein Gehirn jetzt erst die Meldung zugelassen, dass sie wirklich da war und ihm Freudeerlaubnis erteilt.

Wa lakota,

lakita,

schöne Wortzusammenfügung - und feine Geschichte, die mich erst mal zu einem Schlenker veranlasst in der eigenen Biografie während der kurzen Zeit im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt, denn auf einem Kongress des VS NRW Mitte der 70er Jahre in Arnsberg (oder doch Altena – was mir natürlich wegen der Jugendherberge heute lieber wäre …) verriet mir ein(er der) Jerry-Cotton-Schreiber, dass er Massenware abliefern müsse, um zu überleben und – mir als Anfänger, dessen Vortrag der Geschichten aus Be-Er-De einen Tumult unter achthundert Leuten ausgelöst hatte – ein guter Schriftsteller alles könne, und das kannstu, darfstu mir glauben, seh ich in Dear. Denn selbst wenn ich 20 Jahre in einem Krankenhaus (nebst Schwesternwohnheim und -schule, ela lässt grüßen) gearbeitet habe, die ernstgemeinteste Beziehungskiste zwischen Dr. Leichtfuß und Schwester Rabiata geriete mir zu Parodie oder gar Satire, wiewohl das erste Quartett

Er war größer, als sie ihn sich vorgestellt hatte. Große Männer beeindruckten sie. Vielleicht, weil sie das Gefühl von Stärke und Geborgenheit hervorriefen? Den wahren Grund kannte sie nicht.
den idealen Einstieg zu Parodie/Satire böte ...
wie ich finde.

Hier

Das Handy in der Hand kam er mit großen Schritten auf sie zu und sein Lächeln ließ seine Erleichterung spüren, dass sie ihn nicht versetzt hatte.
ist „seine“ eher entbehrlich (und begrenzt es nicht die Zweisamkeit … Ich denk, in solchen Dates ist ist im Glücksfalle die Erleichterung gegenseitig

Hier

Und obwohl sie sich bewusst war, dass ihm vielleicht eine solche Vertrautheit in der Öffentlichkeit unangenehm war, gab sie ihrem starken Verlangen nach und reichte ihm ihre Hände.
hat das Possessivpronomen ja eine gänzlich andere Funktion, wenn man für einen angenehmen Augenblick symbolisch sein Schicksal in andere Hände gibt

Dann begann es verwickelt zu werden, und wie bei einer Oper, deren Ouvertüre bereits das Thema in einem Zeitraffer vorwegnimmt, verlief der gesamte Abend in Wirbeln zwischen kraus und glatt.
Super-Vergleich, selbst Jacques Offenbach hätte seine Freude ...

Wenn sie sich angrinsten, und das taten sie oft an diesem Abend, war nicht nur Freude, sich endlich lebendig gegenüber zu sitzen, dabei.
Warum nicht „lächeln“ statt „grinsen“, das ja eher die (in alfabetischer Reihenfolge) böse bis dümmlich und spöttische Variante aus dem Land des Lächelns ist

Sie fürchtete, man könnte sie für eine hysterische überzogen reagierende Dramatikerin halten.
Warum Konj. II, der ja Zweifel an der indirekten Rede „man könne sie für … halten“ sät

Sie wäre in der Lage gewesen, es ihm zu beantworten.
Warum so kompliziert mit dem geradezu göttlichen (es werde Licht), aber in Wirklichkeit neutralstem Satzsubjekt/-objekt, wenn schon Buber-Rosenzweig die Schöpfungsgeschichte subjektlos startet der Art
„Licht werde. Licht ward.“)

Es gelang ihr wieder neben sich zu treten und sich von aussen zu betrachten.
Tastatur auf Schwyzerdütsch oder Angloamerikanisch gewechselt?, hier gehts doch trotzdessen
Es fängt damit an, dass jemand im Chat mit seinen Antworten, Fragen und Berichten zu fesseln weiß.

Oftmals ist er nicht in der Lage, Kontakt zum Unterbewusstsein mit seinen Informationen aufzunehmen.
Ja, ich weiß, selbst Freud hat das Wort genutzt, aber da gab es auch noch ungebremst den „Untermenschen“. Irre, dass mir – natürlich nicht jetzt erst – in seinem Modell das „Es“ als der ganze verborgene, zumeist unbewusste kulturelle Erfahrungsschatz wieder auftaucht.
Man muss es ja nicht gleich nach C. G. Jung das "kollektive" Unbewusste bezeichnen, in dem ja auch unser Sprachschatz drin versenkt ist.

Die einen, deren Haut sie zu berühren, zu schmecken und zu riechen liebteKOMMA und die anderen, bei denen sie es nur tat, bis ihr Bewusstsein ihr dazwischen redete.
Die Aufzählung und somit der Nebensatz ist zu Ende und die Konjunktion setzt den Hauptsatz „Die einen und die anderen“ fort

Während sie ihm gegenüber saß, hatte sie das Verlangen, neben ihm zu sitzen, ihren Kopf an seine Schulter zu legen, damit er den Arm um sie legte.
Ja, so sagt man heute wohl – und bei mir juckt es dann immer zu fragen, rechte oder linke … Lass doch das Ziel die „Schultern“ sein, denn wenn es „ernst“ im weitesten Sinne wird, sind immer beide Schultern, nicht nur eine Hälfte gefragt ...

Nu is' gut,

gern gelesen vom

Dante Friedchen

 
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Sie wäre in der Lage gewesen, es ihm zu beantworten.

Warum so kompliziert mit dem geradezu göttlichen (es werde Licht), aber in Wirklichkeit neutralstem Satzsubjekt/-objekt, wenn schon Buber-Rosenzweig die Schöpfungsgeschichte subjektlos startet der Art
„Licht werde. Licht ward.“)
Ist aber nicht das Gleiche. Antworten kann sie ihm irgendwas - auch mit einer Gegenfrage oder mit einem Hinweis auf das Wetter. Es ihm zu beantworten ist konkret: Sie beantwortet seine Frage (ob gestellt oder vermutet).

 
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Aber ist es nicht so, dass eine Aussage "das Wetter ist schön" gar nicht als Antwort hätte durchgehen können,

bester @FlicFlac?

Friedel

 
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Hallo Jungs, :D

also @A. Martin
@FlicFlac
@Rob F
@zigga
@Friedrichard,

nochmals danke ich euch für euer Engagement, die guten Vorschläge und Denkanstöße und überhaupt, dass ihr meinen Text beachtet. Ich fühle mich sehr wohl bei so viel Beachtung, aber gleichzeitig auch gehörig unter Druck, an diesem Text weiter rumzufummeln.

Wer von euch Lust verspürt, ich habe den Text ziemlich exakt so verschlankt, wie es @zigga vorgeschlagen hat und wie ich es auch gut nachvollziehen konnte. Ich hab ihn mehrfach mir selbst vorgelesen und fand es tatsächlich aussagekräftig genug, was nach seinen Streichungen übrig geblieben war. An manchen Stellen habe ich nachgebessert und hinzugefügt und mir dann als Bonbon meiner Eigenliebe erlaubt, zwei meiner Lieblingsformulierungen doch noch wieder in den Text wieder hinein zu nehmen.
Ich weiß lieber zigga, sie sind aus deiner Sicht überflüssig und ich stimme dir auch zu, an diesen zwei Stellen ginge es auch ohne, aber ich habs nicht über mich gebracht.

Kann durchaus sein, dass ich mir in einem Jahr an den Kopf fasse und denke: "Himmel, wie vernagelt war ich denn damals?" und nehme dann die Streichungen vor.

Übrigens bin ich keinem von euch auch nur ansatzweise gram, falls er nicht die Lust verspürt, das alles nochmals zu lesen. Bitte fühlt euch nicht unter Druck, diese Seite hier soll uns allen Spaß bringen und unsere Freizeit bereichern und nicht in Arbeitseinheiten enden.

@zigga,

dir danke ich nochmals ausdrücklich dafür, dass du dir so viel Mühe gegeben hast, ich habe, wie du siehst, bis auf die zwei Stellen, quasi alles so geändert und da du ja schon praktisch alles formuliert hattest, war es auch schnell getan.
An einer Stelle, wo du völlig verständlicherweise nachgehakt hattest, nämlich diese mit dem "Mister-Right" da habe ich es etwas anders und für meine Verhältnisse klarer formuliert. Heute hatte ich plötzlich den Blick frei dafür, weshalb du überhaupt nachgefragt hattest. Das war gestern noch nicht so.


@FlicFlac

... im Chat wie Diamanten funkelten" - müssen ja nicht beides - sprühen und funkeln ;)
Ich habe diese Stelle zum Vulkan gemacht.:Pfeif: somit muss sich niemand mehr mit sprühen und funkeln in Sachen Diamanten Gedanken machen. Ich glaube, es passt nun eh besser zu dem Wort "erloschen" beim Telefonat. Aber auf jeden Fall danke ich dir, für das genaue Hinsehen. Manchmal rutschen einem solche Formulierungen durch, obwohl sie eigentlich nicht richtig sitzen.


@Friedrichard,

habe lieben Dank für dein Feedback, welches wie immer aus Teilen besteht, die gut verstehe und welchen, bei denen ich die Stirn runzele und immer öfter welchen, bei denen ich lachen muss.

dass er Massenware abliefern müsse, um zu überleben und – mir als Anfänger, dessen Vortrag der Geschichten aus Be-Er-De einen Tumult unter achthundert Leuten ausgelöst hatte – ein guter Schriftsteller alles könne, und das kannstu, darfstu mir glauben, seh ich in Dear.
Also hier hab ich gelacht, weil du implizit mitteilst, dass du mich für eine Autorin hältst, die auch in der Lage wäre, Massenware abzuliefern. Das sind rundweg gute Aussichten, um meine Rente aufzufüllen, falls es dann insgesamt etwas finanziell knapp wird in Anbetracht von Klimawandelverhinderungskosten und Pflegestufe III.
Drück mir bitte die Daumen, dass ich dann noch weiß, was ich tue.

den idealen Einstieg zu Parodie/Satire böte ...
wie ich finde.
Soso, das ist für dich also ein idealer Einstieg für eine Parodie oder Satire? Skandal!
Das ist Romantik, du Schnulzenverächter!
ist „seine“ eher entbehrlich (und begrenzt es nicht die Zweisamkeit … Ich denk, in solchen Dates ist ist im Glücksfalle die Erleichterung gegenseitig
Eigentlich haste Recht, sie sind beide nervös. Warum auch nicht, sie kennen sich ja noch nicht live. Aber hier wollte ich ihre Sicht beibehalten und nicht hin und her schwanken zwischen ihm und ihr.
hat das Possessivpronomen ja eine gänzlich andere Funktion, wenn man für einen angenehmen Augenblick symbolisch sein Schicksal in andere Hände gibt
Ehrlich, ich habe hier dein Feedback nicht kapiert. Es geht ja um diesen Satz, den ich rasch nochmals zitiere:

"Und obwohl sie sich bewusst war, dass ihm vielleicht eine solche Vertrautheit in der Öffentlichkeit unangenehm war, gab sie ihrem starken Verlangen nach und reichte ihm ihre Hände."
Was hab ich daran falsch gemacht? Oder anders gefragt, was soll ich ändern?

Warum nicht „lächeln“ statt „grinsen“, das ja eher die (in alfabetischer Reihenfolge) böse bis dümmlich und spöttische Variante aus dem Land des Lächelns ist
Ich habe überlegt, weil es ist nicht lächeln, welches ich darstellen wollte. Lächeln ist Sympathie oder allgemein Ausdruck des Mögens. Ich wollte aber auch nicht schmunzeln nehmen, weil das so wirkt als seien sie auf einmal völlig souverän miteinander. Es soll in meinem Text immer diese Furcht auf ihrer Seite mitschwingen, dass sie etwas falsch machen könnte.
Und angrinsen war der Begriff, der mir am ehesten passte. Es sollte darstellen, dass sie schon durch das Angrinsen sich gegenseitig etwas miteinander verschwören. Es ist so eine Art Versuch, sich eine Basis zu schaffen. Indem sie auf das zurückgreifen, was sie im Chat miteinander geredet haben, schaffen sie etwas Sicherheit und das soll sich durch das Grinsen etwas ausdrücken. Du legst aber schon exakt deinen Finger auf eine Formulierungsschwäche an dieser Stelle. Sie klingt noch nicht ideal. Es müsste ein neues Wort für sympathisches Grinsen mit leichten Einsprengseln von Verschwörungsgedanken (nicht in der Weise wie es die Impfgegner verstehen) geben. Die deutsche Sprache hat hier ihre Ausdrucksgrenzen möchte ich da sagen, um die Schuld weit von mir zu weisen, dass ich der Grund dafür bin, dass es hier nicht besser formuliert steht.
Warum so kompliziert mit dem geradezu göttlichen (es werde Licht), aber in Wirklichkeit neutralstem Satzsubjekt/-objekt, wenn schon Buber-Rosenzweig die Schöpfungsgeschichte subjektlos startet der Art
„Licht werde. Licht ward.“)
Wer ist denn dieser Buber-Rosenzweig? Und hier muss ich mich herzlich bei @FlicFlac bedanken, der sich ritterlich in den Ring wirft, um meine Formulierung zu verteidigen.
Ich sehe es wie er, ich hab die Formulierung ohne groß nachzudenken gewählt, aber jetzt, wo ihr beide euch dazu austauscht, merke ich, genau so muss es bleiben und nicht schlanker gemacht werden.
Aber auch hier schließe ich nicht aus, dass in Zukunft beim nochmaligen Drüberlesen, mir auffällt, wie umständlich (in deinem Sinne) ich mich hier ausgebreitet habe.
Ja, ich weiß, selbst Freud hat das Wort genutzt, aber da gab es auch noch ungebremst den „Untermenschen“. Irre, dass mir – natürlich nicht jetzt erst – in seinem Modell das „Es“ als der ganze verborgene, zumeist unbewusste kulturelle Erfahrungsschatz wieder auftaucht.
Man muss es ja nicht gleich nach C. G. Jung das "kollektive" Unbewusste bezeichnen, in dem ja auch unser Sprachschatz drin versenkt ist.
Ich verstehe dein Feedback hier nicht. Möchtest du mir vorhalten, dass ich einer urveralteten psychologischen Theorie, wonach es ein Unterbewusstsein gibt, das uns mehr steuert als uns lieb ist, nachhänge, wo es doch völlig neue wissenschaftliche Erkenntnisse dazu gibt, die alles auf den Kopf stellen? Wenn ja, her damit zwecks Horizonterweiterungen.
Ja, so sagt man heute wohl – und bei mir juckt es dann immer zu fragen, rechte oder linke … Lass doch das Ziel die „Schultern“ sein, denn wenn es „ernst“ im weitesten Sinne wird, sind immer beide Schultern, nicht nur eine Hälfte gefragt ...
Du Romantikverweigerer muss ich dich jetzt beschimpfen. Du bist ja fast schlimmer als die Juristen, die nämlich genau diese Frage nach der Schulterseite stellen würden, wenn sie einem die Gefühle zersägen wollen.

Nochmals, bitte nicht überlesen, lieben Dank für deine Kritik, die Flusenlese, die ich, soweit ich ihr geistig folgen konnte, selbstredend schon erledigt habe und überhaupt.

@FlicFlac

Ist aber nicht das Gleiche. Antworten kann sie ihm irgendwas - auch mit einer Gegenfrage oder mit einem Hinweis auf das Wetter. Es ihm zu beantworten ist konkret: Sie beantwortet seine Frage (ob gestellt ....
Genau! Danke!

Aber ist es nicht so, dass eine Aussage "das Wetter ist schön" gar nicht als Antwort hätte durchgehen können, bester @FlicFlac? Friedel
Interessante Frage.


Euch allen herzlichen Danke und liebe Grüße

lakita

 
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Ja, wirkt jetzt einheitlicher, wie "aus einem Guss". Gut gemacht.
1-2 Stellen sind mir zu ... umständlich (wie: "ungeniert körperlichen Kontakt haben" - ); vielleicht Geschmackssache;

Kleines noch:

erloschen wirten
wirken

ob ein Gleichklang vorhanden ist
Gleichklang ist schon viel, du meinst den berühmten "Draht zueinander" - in NLP "pacing" - die "Wellenlänge" angleichen;

Kontakt zum Unterbewusstsein mit seinen Informationen
Es gibt das Bewusstsein, daher auch (immer noch) das Unterbewusstsein, welches darunter sich befindet - es wird auch das Unbewusste genannt. Der zweite Begriff spielt mehr auf die Inhalte an, der erste auf die Instanz. Geht beides hier. Beim zweiten könntest du die Informationen weglassen, die wären vollautomatisch enthalten :)

 
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Lieber @FlicFlac ,

Himmel bist du schnell. Ich komme ja gar nicht dazu hier mal ein Stündchen durchzuschlappen.:thumbsup::D
Danke fürs nochmals Lesen! Sehr sehr freundlich von dir.
Fehler beseitigt, aus Gleichklang Wellenlänge gemacht und das Unterbewusstsein das Unterbewusstsein sein lassen.

DANKE!

Lieben Gruß

lakita

 
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Friedrichard schrieb:
hat das Possessivpronomen ja eine gänzlich andere Funktion, wenn man für einen angenehmen Augenblick symbolisch sein Schicksal in andere Hände gibt
Du, liebe lakita, darauf
Ehrlich, ich habe hier dein Feedback nicht kapiert. Es geht ja um diesen Satz, den ich rasch nochmals zitiere:

"Und obwohl sie sich bewusst war, dass ihm vielleicht eine solche Vertrautheit in der Öffentlichkeit unangenehm war, gab sie ihrem starken Verlangen nach und reichte ihm ihre Hände."
Was hab ich daran falsch gemacht? Oder anders gefragt, was soll ich ändern?
wessen Hände könnte sie ihm noch reichen?

Bis bald

Friedel

 
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Lieber @Friedrichard,

dankeschön, für das Auflösung meines Fragezeichens. Ich glaube, für Mini-Dingens-Fehler bin ich zu grobmotorisch, um sie zu kapieren. Das hinterlässt bei mir nur Stirnfalten. :Pfeif:

Lieben Gruß
lakita

 
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Zuletzt bearbeitet:

An sich bin ich auch nicht für "Mini-Dingens-Fehler"-Reparatüren, schließlich ist niemand perfekt und somit das Recht auf Fehler Menschenrecht.

Da isser wieder,

liebe @lakita ,

mit ein paar Anmerkungen (keine bange, was geschehen kann, geschieht manchmal) - und guck an - Possessivpronomen – mal ohne Widerwort

Das Handy in der Hand kam er mit großen Schritten auf sie zu und sein Lächeln ließ seine Erleichterung spüren, dass sie ihn nicht versetzt hatte.
das zwote muss nicht, kann aber gestrichen werden, denn das Lächeln zeigt die Erleichterung

Dann begann es verwickelt zu werden und und wie bei einer Oper, deren Ouvertüre bereits das Thema in einem Zeitraffer vorwegnimmt, verlief der Abend in Wirbeln zwischen kraus und glatt.

Er versuchte, seine fahrigen Bewegungen zu unterdrücken, schob seine Hände tief in die Manteltaschen als suche er etwas, zog sie wieder hervor, weil eine Windbö die Rockschöße hochflattern ließ und wischte sich ungelenk die auf die Stirn gewehten Haare fort.
Klassische al-ob-Situation, also eher Konj. II (irrealis), statt Konj. I
„…, schob seine Hände tief in die Manteltaschen als suchte er etwas, …“ (oder die würde-Konstruktion)

ähnlich hier

Sie fürchtete, er könne sie für eine hysterische überzogen reagierende Dramatikerin halten.
Besser Konj. II, könnte

Wenn sie sich angrinsten, und das taten sie oft an diesem Abend, …
"grinsen ‘breit lächeln’ (als Ausdruck von Schadenfreude, Zufriedenheit, Einfalt oder Verlegenheit), ..." ausführlicher unter grinsen – Schreibung, Definition, Bedeutung, Etymologie, Synonyme, Beispiele | DWDS

Während sie ihm gegenüber saß, hatte sie das Verlangen, neben ihm zu sitzen, …
vllt. „wuchs“ das Verlangen sogar ...

Dann schau'n wir mal, was aus den beiden wird ...

Schönes Wochenende aus'm Pott wünscht der

Friedel

 
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08.01.2002
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Ein herzliches Dankeschön an dich @Friedrichard,

ewig und drei Tage rutscht einem was durch.:shy:

Habe alles verbessert bis auf die Formulierung "angrinsten", da finde ich nichts Besseres.
Ich kann allein zu meiner Rechtfertigung sagen, dass ich ja sofort erkläre, wie sie sich angrinsten, indem ich mitteile, was alles darin an Wertungen lag.
Vielleicht fällt mir noch ein treffenderer Ausdruck dazu ein, aber ich fürchte, der müsste dann neu in den Duden aufgenommen werden und insoweit fände ich es besser, wenn wir uns lieber auf die fehlenden Begriffe konzentrieren, die uns in der deutschen Sprache wirklich fehlen, nämlich ein Wort dafür, dass man nichts mehr trinken mag, vielleicht sogar getrennt nach Prozentigem und Nüchternem, :bier::anstoss: so wie vielleicht wassersatt, biersatt, undurstig, übergelaufen, ungetrink.

Dir wünsche ich, mit Getränk, ein allerbestes Wochenende
und schicke liebe Grüße

lakita

 

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