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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Das -Ich-

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22.06.2020
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Das -Ich-

Dieser eine Moment der Stille. Alles fühlt sich an, als bleibt die Zeit kurz stehen.
Der Fernseher läuft, aber ist auf lautlos geschaltet.
Ich habe Kopfhörer auf und dröhne mich mit Linkin Park zu.

Ich sitze am Schreibtisch und spiele nervös mit meinem Kugelschreiber in meiner rechten Hand. "Klack" die Halteklemme hält meinen Spielerein nicht stand und bricht ab.
Ich finde das Ding eh eher nutzlos.
Genervt lege ich den Kugelschreiber weg und suche mir ein anderes "Opfer" meiner geistigen Unausgewogenheit.

Mein Blick fällt auf meinen Lichtschalter. Langsam wird es dunkel und ich sehe das Blatt Papier vor meinen Augen kaum noch. Meine Schreibtischlampe hat auch schon ihre besten Tage hinter sich und leuchtet mit letzter Kraft.
Die Schokolade und die Chips sind auch leer, in der Weinflasche befindet sich nur noch ein letzter Tropfen.

Das ist der Moment, indem ich reflektiere, was mit mir nicht stimmt. Wie konnte es so weit kommen?

Vor mir liegt immernoch das Schreiben eines Anwalts, zu dem ich mich äußern soll.

Ich beschließe meinen lustlosen Körper in Wallung zu bringen und stehe auf. Der Holzboden ist bei jedem Schritt so laut, dass ich ihn sogar durch meine Kopfhörer höre.
Ich watschel lustlos in die Küche, mein Aussehen würde jeden an einen Horrorfilm erinnern. Meine Jogginghose hätte sich wahrscheinlich auch ein schöneres Leben gewünscht.
Es ist nicht zu übersehen, ich habe mich wohl ein klein wenig gehen lassen.
Heute Morgen ist selbst unser Postbote einen Schritt zurück gewichen, als er mich sah.
Ich kann es ihm nicht verdenken.

Er gab mir diesen bedrohlich wirkenden gelben Brief vom Amtsgericht und musterte mich von oben bis unten. Ich kann behaupten, diese Art von Blick galt mir nicht, weil er Interesse hatte.
Meine Weinflasche in der Hand versuchte ich eher weniger erfolgreich hinter meinem Rücken zu verstecken. Meine Haare ungewaschen und durcheinander, mein Blick sagte "verpiss dich schnell wieder"

Der arme Mann ging irritiert und nun stehe ich vor meinem Kühlschrank und suche vergebens nach etwas Essbaren.
Mein Blick schweift durch die Küche. Siehe da, Toastbrot. Wenigstens etwas.
Gierig schnappe ich mir die restlichen drei Scheiben und dackel zurück zum Schreibtisch. Eine Scheibe bereits im Mund und die restlichen beiden in meiner Kugelschreiber- zerstörenden Hand.

Ich setze mich wieder hin und denke kurz nach.
Was zur Hölle ist mit mir passiert?
Wie ist es soweit gekommen?
Immerhin war das heute nicht der erste gelbe Brief.

Innerhalb von acht Jahren bin ich zu einer kriminellen geworden, obwohl ich früher so goldig war. Ein goldiges, blondes Mädchen.
Irgendwie war ich der "ich würde dir gern in die Wangen kneifen" Typ.
Das habe ich als Kind schon gehasst.
Heute bin ich eher der "Ich jage Dich in die Hölle" Typ.
Ob ich das jetzt besser finde, weiß ich nicht.

Inzwischen bin ich beim dritten Toastbrot angekommen, werde müde und über meine Wandlung immer trauriger.

Ich beschließe, auch den heutigen Brief links liegen zu lassen. Ich hatte es ja zumindest versucht, rede ich mir ein.
 
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09.12.2019
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253
Hallo @Lealee ,

willkommen hier im Forum!

Also dein Einstand mit einem kurzen Text aus der Ich-Perspektive von einer verzweifelten Frau, bei der du offen lässt, wodurch sie zu einer Kriminellen geworden ist. Ich nehme an, sie ist überschuldet und empfindet sich selbst als Kriminelle, denn sie ist ja noch in ihrem zu Hause und macht nicht den Eindruck, dass sie flüchten möchte.

Leider finde ich an deiner Geschichte nichts, was sie für mich interessant macht.

Von der Protagonistin habe ich nur ansatzweise ein Bild vor Augen, aber es reicht nicht, um an ihrer Situation teilzuhaben. Du gibst zwar die ein oder andere Information, aber ich müsste als Leser schon ein wenig mehr mit ihr "erleben" und die Hintergründe ihrer Lage kennen, damit eine Bindung entsteht. Dafür müsstest du m.E. ein paar Szenen mehr schreiben und früher in der Handlung beginnen, wodurch ist sie z.B. in diese Lage gekommen? Und was genau ist ihre Lage ... ?

Spannend ist der Text auch nicht, er plätschert bis zum Ende so vor sich hin, keinerlei Überraschungen/Wendungen ... hat mir also leider nicht gefallen.

Noch ein paar Details:

Dieser eine Moment der Stille. Alles fühlt sich an, als bleibt die Zeit kurz stehen.
Der Fernseher läuft, aber ist auf lautlos geschaltet.
Ich habe Kopfhörer auf und dröhne mich mit Linkin Park zu.
Ein Moment der Stille, während sie sich mit Linkin Park zudröhnt? Ich glaub nicht ;)
Und ich würde schreiben: "Es fühlt sich an, als bliebe die Zeit kurz stehen."

Ich sitze am Schreibtisch und spiele nervös mit meinem Kugelschreiber in meiner rechten Hand. "Klack" die Halteklemme hält meinen Spielerein nicht stand und bricht ab.
Ich finde das Ding eh eher nutzlos.
Du verwendest auch später im Text häufig Possessivpronomen, ich würde jedoch z.B. hier schreiben:
... mit dem Kugelschreiber in der rechten Hand.
An den meisten Stellen hört es sich so m.E. besser an.
Das Wort "eher" würde ich streichen.

Genervt lege ich den Kugelschreiber weg und suche mir ein anderes "Opfer" meiner geistigen Unausgewogenheit.
... ein anderes Opfer für meine geistige Unausgewogenheit.

Mein Blick fällt auf meinen Lichtschalter.
... auf den Lichtschalter, noch ein Beispiel, wo es m.E. ohne Pronomen besser klingt.

Langsam wird es dunkel und ich sehe das Blatt Papier vor meinen Augen kaum noch.
"vor meinen Augen" würde ich streichen

Die Schokolade und die Chips sind auch leer, in der Weinflasche befindet sich nur noch ein letzter Tropfen.
Warum auch, was ist denn noch leer? Die Weinflasche erwähnst du ja erst danach.

Das ist der Moment, indem ich reflektiere, was mit mir nicht stimmt. Wie konnte es so weit kommen?
Genau in diesem Moment? Warum? Weil Schokolade, Chips und Wein leer sind? Klingt irgendwie ohne Zusammenhang, wie kommt sie gerade jetzt darauf?

Vor mir liegt immernoch das Schreiben eines Anwalts, zu dem ich mich äußern soll.
immer noch

... in meiner Kugelschreiber- zerstörenden Hand.
Kein Leerzeichen hinter dem Bindestrich

Ich setze mich wieder hin und denke kurz nach.
Ich würde "kurz" streichen

Heute bin ich eher der "Ich jage Dich in die Hölle" Typ.
"Dich" klein geschrieben und ein Bindestrich hinter dem abschließenden Anführungszeichen.

Ich beschließe, auch den heutigen Brief links liegen zu lassen. Ich hatte es ja zumindest versucht, rede ich mir ein.
Ja? Kommt im Text aber nicht vor.

Viele Grüße,
Rob
 
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