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Das Monster in den Alpen

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02.06.2022
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Das Monster in den Alpen

Der Himmel war Sternenklar. Die tiefschwarze Silhouette der Berge verschluckte das spärliche Licht des abnehmenden Mondes. Wenn man lange genug in die Dunkelheit starrte und sich die Pupillen hungrig nach dem Licht öffneten, sah man die Konturen der kahlen Felswände und das Geröll, das sich unter der heissen Sommersonne aus dem Stein loslöste. Der fast ausgetrocknete Stausee erinnerte an Zeiten, als noch Gletscher das Bild der Alpen prägten, die die Täler mit Grundwasser versorgten, als noch im Winter meterhoher Schnee fiel und jeden noch so abgelegenen Winkel in eine zauberhafte Winterlandschaft verwandelte. Nun aber war der Stausee nicht mehr als eine grosse Pfütze, der nach jedem Sommer noch kleiner wurde. Die Gletscher, der den See speisten, war schon längst vollkommen geschmolzen. Die mächtige Staumauer, einst gebaut, um Millionen Tonnen Wasser in Schach zu halten, stand nun zweckentfremdet da, wartend auf eine nie kommende Sintflut.

Elias war mit seinem Camper schon am Abend hergefahren, gerade als die letzten alpinen Wanderer den Schotterplatz in ihren Autos verliessen. Noch bevor die Sonne unterging, war er ganz alleine. Er montierte seine Kamera auf dem Stativ und stellte die Langzeitbeleuchtung ein, dann richtete er sie gegen den Himmel. Im Finder waren schon die ersten weissen Punke zu erkennen.
Als die letzten Sonnenstrahlen zum Abschied den Himmel in flammendes Rot tauchten und die Nacht hereinbrach, hatte es sich Elias bereits mit einem kühlen Bierchen im Campingstuhl gemütlich gemacht. Die Kamera war fertig eingerichtet, und in einem Reisegrill knisterte ein kleines Holzscheit vor sich hin.
Mit seinem Handy steuerte er die Kamera, drückte all dreissig Sekunden auf den Knopf, um eine neue Belichtung zu starten. Das werden gute Fotos dachte er und lehnte sich zurück.
Während die Kamera beschäftigt war, starrte Elias in den Nachthimmel. Sein Blick wanderte hinab zu den schwarzen, toten Bergen, die so alt und mächtig wie die Sterne zu sein schienen. Einst überzogen von Flora und Fauna, jetzt nun kahl.
Das Fotografieren von Tieren in den Alpen hat er schon lange aufgegeben. Immer mehr Tierarten sterben aus. Zuerst der Steinbock, dann die Gams. Und als weitere folgten, gab es bald keine Lebewesen mehr, für deren Beobachtung sich der Weg in die Berge lohnte.
Als er es sich gerade besonders gemütlich gemacht hatte, sah er eine Bewegung im Flussbecken. Doch es war zu dunkel, um die Gestalt auszumachen. Mit der Hoffnung, seit Jahren endlich wieder ein wildes Tier in den hohen Alpen einzufangen, sprang er zur Kamera. Mit der Nachteinstellung suchte er das Tal ab und es dauerte nicht lange, bis er eine Person auf dem Display der Kamera sah. Sie stapfte mitten im Geröll auf die Bergkette zu. Zuerst war Elias enttäuscht, dass er keine für ausgestorben gehaltente Tierart entdeckt hat, wunderte sich dann aber, was jemand so spät hier draussen noch macht.
Die Zeit fürs Wandern war vorbei, hier kann die Temperatur in der Nacht auch im Sommer schnell auf unter null Grad fallen. Und diese Person war mit leichtem Gepäck unterwegs.
Elias überlegte sich, was er nun tun sollte. Vielleicht war das nur irgendein Adrenalin-Junkie, der sich gerne in gefährliche Situationen begibt. Er schaute nochmals auf das Kameradisplay. Die Person ist nicht sonderlich voran gekommen, machte unsichere Schritte und stoppte immer wieder, als würde sie etwas suchen.
Er zoomte mit der Kamera näher heran. Im schwachen Licht des Mondes konnte er erkennen, dass die Person keine angemessene Bergkleidung trug, sondern eine dünne Jacke und einfache Schuhe, auf dem Rücken einen kleinen Sportrucksack. Auch meinte er, etwas in der Hand der Person auszumachen, das sie fest bei sich hielt. Plötzlich hörte er ein leises, langgezogenes Heulen, das immer lauter wurde, bis es mit einem schrillen Ton unerwartet verklang.
Elias stellte es die Nackenhaare auf, die Nacht schien auf Einmal viel kälter. Er stolperte von der Kamera zurück. Die Person im Tal schaltete eine Lampe ein und leuchtete wild umher. Die Schatten der Felsbrocken zogen sich in die Länge und zeichneten ein wild umherzuckendes Schattenspiel an die Felswände. Der Lichtstrahl leuchtete dann direkt auf Elias, was wie eine Ewigkeit wirkte. Dann erlischt das Licht wieder.
Elias stand für einige Augenblicke wie erstarrt da, versuchte die vorherige Episode zu verarbeiten. Die dunkle Gestalt der Person wurde langsam grösser, doch er rührte sich nicht vom Fleck. Nach einigen Minuten leuchtete die Person nochmals auf Elias’ Position und blinkte ein paar Mal. Er wusste die Geste nicht zu deuten. Elias ging alle möglichen Szenarien durch, was es mit dem Heulen und mit der Person auf sich hatte, ohne sich vom Fleck zu bewegen.
Als die Person endlich in Sichtweite war, erkannte er eine junge Frau, die sich mühsam den Hang heraufkämpfte. Als sie vor ihm stand, sah er ihr blasses Gesicht. Sie wirkte gehetzt, die Augen weit aufgerissen, als wäre sie unter enormen Stress.
«Hast du das auch gehört?» sagte sie leise. Ihre Stimme war rau und atemlos. «Es scheint über uns zu sein.»
Elias war sprachlos. Er wollte etwas sagen, etwas Beruhigendes, doch ihm blieben die Worte im Hals stecken.
«Ja, war wahrscheinlich der Wind», brachte er schliesslich heraus. Dabei bemerkte er, dass gar kein Wind wehte. «Setz dich doch, du musst doch frieren.» sagte er, als er sich einigermassen wieder fassen konnte. Die Frau war mit der Erklärung des Geräusches nicht wirklich zufrieden und rollte die Augen. Sie nahm auf seinem Campingstuhl platz und wärmte ihre Hände am Feuer. Bevor Elias etwas sagen konnte, kahm ihr die Frau zuvor.
«Was machst du hier eigentlich?»
Elias fasste es nicht. Eigentlich sollte sie diese Frage beantworten. Immerhin war sie diejenige, die so gar nicht wie eine Wanderin aussieht. Doch Elias blieb höflich.
«Ich fotografiere den Nachthimmel» antwortete er knapp. Die Frau starrte in das Feuer.
«Und hast du schon was gesehen?» fragte sie.
Gesehen? Was sollte er denn gesehen haben? Suchte sie nach etwas?
«Ich habe dich gesehen, wie du ziemlich planlos durch das Flussbett irrste. Ich habe mir vorerst nichts dabei gedacht, bis…» Elias verstummte. Das Duo blieb für einige Zeit still.

«Weisst du, hier war einst für dutzende Kilometer nichts als Eis, schon lange bevor wir überhaupt den ersten Gedanken aussprachen.» flüsterte die Frau schliesslich. «Und dann wurde es wärmer und die Gletscher zogen sich zurück, speisten die Täler mit ihrem Wasser, das sie über zehntausenden von Jahren gehortet haben. Wir nahmen das Geschenk ohne Weiteres an und bauten riesige Monumente, die mit Kraft der Gletscher angetrieben wurden. Aber es wurde immer wärmer und wärmer, bis nichts mehr übrig war. Und jetzt stehen unsere Bauwerke wie Armutszeugnisse umher, als hätten wir es nicht kommen sehen, als hätte es nicht so weit kommen können.» Sie blickten auf den mächtigen Staudamm, der unter der schwachen Beleuchtung jegliche Dimensionen verlor.
Aus den Tiefen der Berge rollte ein dumpfes Grollen heran, wie das Brüllen eines erwachenden Ungetüms. Sekunden später schwoll das Geräusch fast ohrenbetäubend an, krachend und splitternd. Dann verklang das Dröhnen zu einem zitternden Murmeln, das noch lange zwischen den Felswänden nachhallte.
Die Frau war aufgestanden und starrte das Tal hinunter, das Gesicht kreidebleich, der Mund stand weit offen. Doch Elias wusste, dass am Geräusch nichts Unnatürliches dran war.
«Keine Panik, das war nur ein Felssturz» versuchte er die Frau zu beruhigen. «Das passiert hier oben ständig, da der tauende Permafrost die Berge unter ihrem eigenen Gewicht zusammenstürzen lässt. In letzter Zeit gibt es immer mehr davon.» Die Frau sah ihn ungläubig an, sagte jedoch nichts.
«Du scheinst nicht viel in den Bergen zu sein» sagte Elias, als er die zerfetzten Halbschuhe der Frau betrachtete. «Hier oben kann es schnell gefährlich werden, wenn man nicht aufpasst oder nicht weiss, in welche Situationen man sich begibt» erklärte er mit einem Hauch von Kritik.
Die Frau lachte trocken.
«Ich weiss genau, wohin ich gehe», sagte sie, ihr Blick wieder auf das Tal gerichtet. «Ich bin in diesen Bergen aufgewachsen. Ich kann mich noch erinnern, als die Gipfel noch schneebedeckt waren, als hier noch mehr als nur Geröll und Schutt herumlag.» Sie machte ihre Sporttasche auf und wühlte darin herum. Sie zog ein altes, vergilbtes Foto heraus und zeigte es Elias. Das Foto zeigte eine Gruppe Männer mit Schneeschuhen, Pickel und Seilen vor einer Eishöhle. «Das ist mein Urgrossvater». Sie zeigte auf den Mann in der Mitte der Gruppe. «Er war Glaziologe, das gibt es heutzutage fast nicht mehr. Mit seinem Team hat er die Gletscher untersucht, die vor hundert Jahren noch hier waren. Er war verschollen, als diese Eishöhle einstürzte. Man hat nie seine Leiche gefunden… nur sein Tagebuch.»
Elias starrte sie an. «Und du suchst nach ihm?», fragte er unsicher.
«Nein, er ist schon lange tot» sagte sie. «Aber er hat hier etwas unter dem Eis gefunden, etwas, das nun zurückgeblieben ist, als das Eis verschwand. Etwas Altes, das weitaus gefährlicher als jedes Unwetter ist.»
Sie zitterte, als sie die Worte aussprach. Ob vor Kälte oder aus Angst, Elias wusste es nicht.
«Und was haben sie gefunden?»
Elias war sich nicht sicher, ob er der Frau folgen konnte. Sie machte einen gestörten Eindruck, als hätte sie nicht alle Tassen im Schrank. Sie wirkte abwesend, schwieg für einige Augenblicke. Dann wühlte sie abermals in ihrem Rucksack und nahm mit grosser Vorsicht etwas Langes, Spitziges heraus. Es sah aus wie ein versteinerter Zahn, jedoch ungewöhnlich gross und pechschwarz. Auf der Oberfläche konnte er kleine eingravierte Schriftzüge erkennen, die er nicht lesen konnte. Das Artefakt wirkte unnatürlich, als würde es aus nicht von hier stammen.
«Das habe ich vor einigen Jahren hier gefunden, dort, wo mein Urgrossvater verschollen ging.» Sie zeigte hinaus aufs Tal. «Ganz am Ende, wo die Gletscher ihren Ursprung hatten.» Sie flüsterte, als würde sie ihr tiefstes Geheimnis verraten.
Während sie den Zahn in ihren zitternden Händen hielt, begann am Horizont, dort wo die zerklüftete Bergkette in den sternenübersäten Himmel überging, ein Geräusch. Zunächst war es nicht mehr als ein Summen, wie ein Glas, das kurz vor dem Bruch singt. Die Luft schien zu vibrieren, doch weder Elias noch die Frau nahm Notiz davon. Ihre Aufmerksamkeit war voll und ganz auf das merkwürdige Artefakt gebannt, dessen Gravuren im schwachen Mondlicht nicht mehr als Kratzer waren.
Die Frau sprach weiter, ihre Stimme eindringlicher und gehetzter. «Seit ich es gefunden habe, passieren Dinge. Ich höre Rufe, die von hier kommen. Sie lassen mich nicht mehr allein.» Sie schaut Elias an, der ihrem Blick kaum standhalten konnte. Ihre Augen glänzten im Licht des Feuers.
Das Summen wurde schärfer, zog sich zu einem schrillen, langgezogenen Pfeifen zusammen, das durch die steinerne Stille der Alpen schnitt. Elias spürte ein Kribbeln, ein Druck in seinen Ohren, aber er war zu sehr auf die Frau fokussiert, die nun aufstand und den Zahn mit beiden Händen fest umklammerte.
«Es ruft mich», sagte sie mit einem Grinsen im Gesicht. «Immer lauter. Immer deutlicher» Ihre Stimme überschlug sich fast.
Das schrillende Geräusch frass sich in Elias’ Unterbewusstsein, es lähmte ihn, machte in stumpf. Seine Instinkte riefen wild in seinem Kopf durcheinander.
«Ich dachte zuerst, ich wäre verrückt, aber nein. Es ist real!». Die Frau lachte hysterisch los, Elias machte mit wackelnden Beinen einen Schritt zurück. Sie lachte unangenehm laut vor sich hin, deren Klang sich mit dem nun deutlich wahrnehmbaren Heulen vom Berggrat zu einer Geräuschkulisse vermischte, die das Blut in den Adern gefrieren liess. Es war, als würde jemand zwei glühende Nägel durch Elias’ Schläfe treiben. Ein nicht von dieser Welt stammender Ton, der vom Nachthimmel, aus dem Boden unter seinen Füssen und aus dem flachen Becken des Stausees zu kommen schien. Es brannte sich in die Sinne, in die Knochen und die Seele.
«Es existiert!» rief die Frau durch den Lärm. Die Angst war aus ihren Augen verschwunden, ihr Gesicht mit Euphorie gezeichnet. Sie straffte sich und breitete die Arme aus, als würde sie das ganze Tal umarmen wollen.
«Hör auf!» brüllte Elias, doch seine Worte gingen im schrillen Klang unter. Er presste die Hände gegen seine Ohren, aber es wurde nicht leiser. Stattessen schwoll es endlos an, wurde zu einem metallischen Kreischen, das die Nacht zerfetzte.
«Du wirst Zeuge sein. Von etwas wahrlich Wundervollem» schrie sie ihm entgegen. Ihre Worte waren im infernalischen Lärm kaum verständlich. Ohne zu zögern, mit einer festen, schon fast ritualhaften Geste, rammte sie den Zahn tief in den fleischigen Teil von ihrem Unterarm.
Elias erwartete einen Schrei, einen Blutstrahl. Doch stattessen quoll eine dickflüssige, pechschwarze Substanz aus der Wunde. Wie Teer lief es über ihren Arm, schien im Licht des Feuers zu pulsieren. Ein beissender Geruch nach Ozon machte sich in der Luft breit.
Die Frau verzog ihr Gesicht vor Schmerz, doch in ihren Augen lag ein triumphierender Wahnsinn. Langsam, mit einer unnatürlichen Ruhe, zog sie den Zahn ihrem Unterarm entlang und riss die Wunde weiter auf. Die schwarze Flüssigkeit folgte der Bahn, als wäre es lebendig und breitete sich über ihre Haut aus.
Elias schlug die Hand vor den Mund, konnte seinen Augen nicht glauben, als die Haut der Frau zu schmelzen begann und sich neu formte. Knochen knackten, Sehnen schnappten und die Frau stöhnte, liess den Zahn zu Boden fallen. Ihre Gelenke verformten sich in unmögliche Stellungen, ihr Gesicht war nicht mehr wiederzuerkennen. Das schrille Kreischen der Berge schien nun von ihr herauszugehen, vermischte sich mit dem schleifenden Geräusch sich bewegender Knochen und dem Mahlen von sich verschiebenden Knorpeln. Ihre Kleider wurden unter ihrer Verformung zerrissen und darunter wurde ein rasch wachsendes Fell erkennbar. Ihre Konturen verloren sich, wurde grösser, dunkler, nahm eine neue ungeheuerliche Gestalt an.
Das Heulen liess Elias’ Kopf fast explodieren, er stolperte, wollte in seinen Camper flüchten, doch er wagte es nicht, seine Augen von dieser Kreatur abzuwenden. Er schrie, wollte, dass es endlich aufhörte, doch er hörte nicht einmal seine eigene Stimme.
Durch den klirrenden Lärm meinte er, Rufe aus dem Tal zu hören, aber das Tal war plötzlich ungewöhnlich dunkel geworden. Die Sterne flackerten und gerieten in einen ungeheuerlichen Strudel aus weissen Punkten. Der Mond schien auf die Erde hinabzustürzen, als er endlich das Bewusstsein verlor.

Als Elias wieder aufwachte, zogen bereits die ersten Sonnenstrahlen über die Berggipfel. Der Himmel war wolkenlos, das rötliche Licht verlieh der Szenerie etwas Traumhaftes. Doch Elias konnte mit dem wundervollen Ausblick nichts anfangen. Sein Kopf dröhnte, als hätte er seine wildeste Nacht hinter sich. Er konnte sich kaum daran erinnern, die Bilder vor seinem inneren Auge waren widersprüchlich, machten keinen Sinn. War hier wirklich eine Frau?
Im Sonnenlicht wirkte das Tal vertraut und harmlos, genau so wie er es am vorherigen Nachmittag angetroffen hatte. Nichts erschien aussergewöhnlich.
Das Feuer im Grill war aus, seine Kamera auf dem Stativ war immer noch gegen den Himmel gerichtet. Und dann sah er etwas Schwarzes auf dem Schotter: ein grosser, pechschwarzer Zahn, der ihm äusserst bekannt vorkam.

 
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Guten Morgen,

leider habe ich nicht viel Zeit, deshalb werde ich deinen Text direkt beim Lesen kommentieren.

Der Himmel war Sternenklar (und der Mond zeigte seine dunkle Seite.)Die tiefschwarze Silhouette der Berge verschluckte das spärliche Licht des abnehmenden Mondes.
Ich würde den Mond nur einmal erwähnen: Dunkle Seite des Mondes,
damit meint man umgangssprachlich die Rückseite des Mondes, die wir von der Erde aus nie sehen.
Als die letzten Sonnenstrahlen zum Abschied den Himmel in flammendes rot tauchten und die …

Als die letzten Sonnenstrahlen zum Abschied den Himmel in flammendes rot tauchte und die Nacht hereinbracht, hatte es sich Elias bereits mit einem kühlen Bierchen im Campingstuhl gemütlich gemacht, die Kamera war fertig eingerichtet und in einem Reisegrill knisterte ein kleines Holzscheit vor sich hin.
Das ist zu viel Information in einem Satz, so ist er klarer, verständlicher und flüssiger zu lesen:
Als die letzten Sonnenstrahlen zum Abschied den Himmel in flammendes Rot tauchten und die Nacht hereinbrach, hatte es sich Elias bereits mit einem kühlen Bierchen im Campingstuhl gemütlich gemacht.
Die Kamera war fertig eingerichtet, und in einem Reisegrill knisterte ein kleines Holzscheit vor sich hin.

Einst überzogen von Flora und Fauna, jetzt nun kahl und tot.
Ich würde jetzt nur noch kahl schreiben. Einen Satz davor hast du schon tot.
Und als dann mehr folgten, gab es bald keine Lebewesen mehr, für die sich der Weg in die Berge lohnte.
Dieser Satz hakt und ist unklar.
Besser:
Und als weitere folgten, gab es bald keine Lebewesen mehr, für deren Beobachtung sich der Weg in die Berge lohnte.
Sie stapfte mitten im Geröll auf die Bergkette zu. Zuerst war Elias enttäuscht, dass er keine für ausgestorben gehaltente Tierart wiederentdeckt hat, wunderte sich dann aber, was jemand so spät hier draussen noch macht
Es müsste entdeckt heißen.
Die Person ist nicht sonderlich weiter gekommen, machte unsichere Schritte und stoppte immer wieder, als würde sie etwas suchen.
Die Person ist nicht sonderlich weit gekommen.
(Sie ging weiter, obwohl sie müde war.)
Sie war nicht sonderlich weiter gekommen. (umgangssprachlich, aber stilistisch falsch)
Zuerst war Elias enttäuscht, dass er keine für ausgestorben gehaltente Tierart wiederentdeckt hat, wunderte sich dann aber, was jemand so spät hier draussen noch macht. Es war 23:13 Uhr.
Entweder erwähne ich nur die späte Uhrzeit, oder ich schreibe, dass jemand hier draußen noch unterwegs ist – beides zusammen wirkt überflüssig.

Zuerst war Elias enttäuscht, dass er keine für ausgestorben gehaltente Tierart wiederentdeckt hat, wunderte sich dann aber, was jemand so spät hier draussen noch macht. Es war 23:13 Uhr.
Die Zeit fürs Wandern war vorbei, hier draussen kann die Temperatur in der Nacht auch im Sommer schnell auf unter null Grad fallen.
Draußen‘ muss nicht zweimal vorkommen; der Ort ist schon klar.

Die Person ist nicht sonderlich weiter gekommen, machte unsichere Schritte und stoppte immer wieder, als würde sie etwas suchen.

Die Person ist nicht sonderlich weiter gekommen, machte unsichere Schritte und stoppte immer wieder, als würde sie etwas suchen.
Er zoomte mit der Kamera näher heran. Im schwachen Licht des Mondes konnte er erkennen, dass die Person keine angemessene Bergkleidung trug, sondern eine dünne Jacke und einfache Schuhe, auf dem Rücken einen kleinen Sportrucksack. Auch meinte er, etwas in der Hand der Person auszumachen, das sie fest bei sich hielt. Plötzlich hörte er ein leises, langgezogenes Heulen, das immer lauter wurde, bis es mit einem schrillen Ton unerwartet verklang.
Elias stellte es die Nackenhaare auf, die Nacht schien auf Einmal viel kälter. Er stolperte von der Kamera zurück. Die Person im Tal schaltete eine Lampe ein und leuchtete wild umher. Die Schatten der Felsbrocken zogen sich in die Länge und zeichneten ein wild umherzuckendes Schattenspiel an die Felswände. Der Lichtstrahl leuchtete dann direkt auf Elias, was wie eine Ewigkeit wirkte.
Person, klingt nicht besonders schön; vielleicht lässt es sich durch ein anderes Wort ersetzen.
Wanderer, Unbekannter → schafft Neugier, wer diese Person ist. Mensch. Mann …
Die dunkle Gestalt (der Person) wurde langsam grösser, doch er rührte sich nicht vom Fleck.
Überflüssig

Tut mir leid, jetzt muss ich leider los. Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann, deine Geschichte zu Ende zu lesen. Ich bin wirklich gespannt, wie es weitergeht – vielleicht helfen dir meine paar Gedanken schon ein bisschen weiter.

Liebe Grüße
CoK

 
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Die Gletscher, der den See speisten, war schon längst vollkommen geschmolzen.
Die Gletscher, die den See speisten, waren schon längst vollkommen geschmolzen.“
Dann erlischt das Licht wieder.
Dann erlosch …
dunkle Gestalt der Person wurde langsam grösser, doch er rührte sich nicht vom Fleck
Die Gestalt kam also näher – oder bedeutet das, dass sie größer wurde

Bevor Elias etwas sagen konnte, kahm ihr die Frau zuvor
Die Fehler entdeckst du auch.
Elias fasste es nicht. Eigentlich sollte sie diese Frage beantworten. Immerhin war sie diejenige, die so gar nicht wie eine Wanderin aussieht. Doch Elias blieb höflich.
«Ich fotografiere den Nachthimmel» antwortete er knapp. Die Frau starrte in das Feuer.
«Und hast du schon was gesehen?» fragte sie.
aussah.
Die Person ist nicht sonderlich voran gekommen, machte unsichere Schritte und stoppte immer wieder, als würde sie etwas suchen.
Die Person kam nicht sonderlich voran …
Du solltest unbedingt deine Zeitformen noch einmal durchgehen. Dein Text ist im Präteritum geschrieben aber ab und zu kommst du ins Präsens

Auch meinte er, etwas in der Hand der Person auszumachen, das sie fest bei sich hielt.
So, wie es formuliert ist, wirkt es widersprüchlich: Er meint, etwas zu erkennen, sieht aber zugleich, dass sie es fest bei sich hielt.
Elias ging alle möglichen Szenarien durch, was es mit dem Heulen und mit der Person auf sich hatte, ohne sich vom Fleck zu bewegen.
Welche Szenarien?
Elias war sprachlos. Er wollte etwas sagen, etwas Beruhigendes, doch ihm blieben die Worte im Hals stecken
Ich finde seine Reaktion übertrieben, es ist nur eine Frau.

Die Frau war mit der Erklärung des Geräusches nicht (wirklich) zufrieden und rollte die Augen
«Ich habe dich gesehen, wie du ziemlich planlos durch das Flussbett irrste
irrtest

Ich habe mir vorerst nichts dabei gedacht, bis…» Elias verstummte. Das Duo blieb für einige Zeit still.
Hat mich irritiert: Warum schreibst du hier in der dritten Person?
dann wurde es wärmer und die Gletscher zogen sich zurück, speisten die Täler mit ihrem Wasser, das sie über zehntausenden von Jahren gehortet haben. Wir nahmen das Geschenk ohne Weiteres an und bauten riesige Monumente, die mit Kraft der Gletscher angetrieben wurden.
Das ist nicht klar: Nicht die Gletscher liefern die Kraft, sondern das Wasser, das beim schmelzen freigesetzt wird.
Doch Elias wusste, dass am Geräusch nichts Unnatürliches dran war.
Doch Elias wusste, dass an dem Geräusch nichts Unnatürliches war.
seine Leiche gefunden…
Leerzeichen
Aber er hat hier etwas unter dem Eis gefunden, etwas, das nun zurückgeblieben ist, als das Eis verschwand.
Vielleicht solltest du deinen Text noch einmal auf überflüssige Füllwörter überprüfen.

Das Artefakt wirkte unnatürlich, als würde es aus nicht von hier stammen.
Da stimmt was nicht in dem Satz.
Das habe ich vor einigen Jahren hier gefunden, dort, wo mein Urgrossvater verschollen ging.»
Schöner: Vor einigen Jahren habe ich dies hier gefunden, genau dort, wo mein Urgroßvater verschwand.“
Während sie den Zahn in ihren zitternden Händen hielt, begann am Horizont, dort wo die zerklüftete Bergkette in den sternenübersäten Himmel überging, ein Geräusch.
Geräusche können nicht selbst anfangen, sondern entstehen.
die das Blut in den Adern gefrieren liess.
ließ

Ohne zu zögern, mit einer festen, schon fast ritualhaften Geste, rammte sie den Zahn tief in den fleischigen Teil von ihrem Unterarm.
Ohne zu zögern, mit einer festen, fast schon rituellen Geste, grub sie den Zahn tief in das Fleisch ihres Unterarms.
Sehnen schnappten und die Frau stöhnte, liess den Zahn zu Boden fallen
Ihre Konturen verloren sich, wurde grösser, dunkler, nahm eine neue ungeheuerliche Gestalt an.
wurden, nahmen.
Und dann sah er etwas Schwarzes auf dem Schotter: ein grosser, pechschwarzer Zahn, der ihm äusserst bekannt vorkam
Ich würde den letzten Satz vielleicht weglassen.
Ich bin zwar kein Experte für dieses Genre, aber ich wollte dir trotzdem ein paar Gedanken mitgeben.
Mich hat der Text persönlich nicht gruseln lassen – das heißt aber nicht, dass er nicht wirken kann, vielleicht bin ich einfach nicht die Zielgruppe.
Ich wünsche dir auf jeden Fall weiterhin viel Freude beim Schreiben und kann dir nur empfehlen, die Texte und Kommentare anderer Autoren zu lesen.
Vielleicht kannst du mit meinen Gedanken etwas anfangen.

Liebe Grüße
CoK

 

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