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Das Podest - „…. aber ich stelle sie nicht auf ein Podest.“

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08.03.2021
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Das Podest - „…. aber ich stelle sie nicht auf ein Podest.“

Das leuchtende Abendrot war längst dahin, die Dunkelheit hatte es bereits in sich verschlungen, als ihr dennoch das Leuchten in seinen Augen auffiel, in denen sie sich so gerne so oft verloren hatte und sie wünschte sich so sehr, dass er sehen hätte sehen können, dass es auch in ihr noch hell war, auch wenn sie das selbst dafür bereits blind war.

Und so fragte er sie: „Was ist es, das du wirklich willst?“

Sie wusste, dass er diese Frage bereits eine kurze Ewigkeit in sich trug, und sie nie in der Lage war diese auch nur im Ansatz beantworten zu können, weil sie es selbst schlicht nicht gewusst hatte.
Und obwohl sie es nur selten wagte zu sagen was sie wirklich dachte, weil sie die Erfahrung gelehrt hatte mit dem Äußern ihrer Gedanken ihre Situation meist zu verschlimmern, sah sie, dass es das Einzige war, das sie nun noch retten könnte und so versuchte sie zu formen, was lose in ihr umherschwirrte:

Ankommen - Ich will ankommen. Ankommen im Leben, im Herzen eines anderen und auch, dass dieser andere in meinem Herzen ankommt.
Ich will die Eine sein und das Gefühl zurückgeben können. Einst wusste ich genau wie das funktionieren wird. Doch heute habe ich den Eindruck, dass ich die Person, die ich hätte werden sollen, längst aus den Augen verloren habe. Und ich bin nicht sicher, ob ich diese Person je wiederfinden werde. Es ist, als hätten alle vergangenen Entscheidungen, von welchen ich dachte, sie seien der Weg zu dieser Person, eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Und so sehr ich mich bemühte meinen Platz in meinem eigenen Leben zu finden, desto mehr ist da entstanden, was es zu bedauern gibt.
Deshalb will ich Liebe - nicht von irgendjemanden, sondern von dir.

Ich will die Besondere sein. Die, von der man den Blick nicht abwenden kann, weil sie einen einfach umhaut wie der Anblick der tanzenden Nordlichter am Polarhimmel oder die unendliche Weite des tiefblauen Ozeans.

Ich will auch die Hilflose sein. Nicht, weil ich mich so gerne im Abgrund verliere, sondern weil ich gerettet werden will. Und vor allem gerade dann, wenn ich nicht einmal weiß, dass ich gerettet werden will oder die helfende Hand bereits von mir gestoßen habe. Manch einer mag denken, dass sei verrückt und so widersprüchlich zugleich. Doch man muss geduldig sein mit jenen, die nicht in der Lage sind zu sehen, wie sehr die Tiefe sie bereits ergriffen hat. Denn jeder weiß, in der Tiefe ist es dunkel, und manchmal benötigt es das Licht von außen um den Weg nach oben, der umhüllt ist von der Finsternis, wiederzufinden. Manch ein Gefallener mag zunächst noch geblendet sein vom Licht der Hilfe und kann sie daher nicht erkennen, doch weiß er in sich, dass er sich nach eben dieser Rettung sehnt.

Ich will außerdem die sein, die du auf ein Podest stellst. Wie sollst du mich denn sonst unter den ganzen anderen finden und wiederfinden können? Gerade wenn wir uns einmal mehr voneinander entfernt haben. Damit ist nicht gemeint, dass der eine hinaufschauen muss und der andere auf den anderen herabsieht, sondern das Wissen für eine Person jemand das besondere Glitzern im Leben zu sein, welches den Rest zum Funkeln bringt. Für den man alles gibt, für ihn da ist, selbst dann, wenn der andere nicht einmal weiß, dass er jemanden braucht. Denn ist es nicht eines der wundervollsten Gefühle, für den anderen das zu sein, was man auf die Frage „was willst du?“ antworten würde.
Ich will, dass du auf meinem Podest stehst.“

In eben dieser Sekunde, in der all das ihre Lippen verließ, sahen sie sich. Nicht auf diese gewöhnliche Weise wie man sich eben so ansieht, sondern auf diese besondere Weise, wie sie nur zwischen zwei sich gleichenden Seelen stattfinden konnte.

 
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Hej @Lia2016 und herzlich willkommen,

wir haben hin- und herüberlegt, ob dein Text als Kurzgeschichte gesehen und besprochen werden werden kann. Im Grunde ist es ja mehr ein Gedankenspiel - du hast es mit Philosophisch getaggt - es fehlt weitläufig an einer Handlung, an Protagonisten, die sich in einer besonderen Art und Weise entwickeln. Dann dachten wir aber, vielleicht findet der eine oder andere Wortkrieger aber daran gefallen und du hast Lust, sie dahingehend weiterzuentwickeln.

Es könnte ja auch helfen, dir die eine oder andere Geschichte deines Genres anzusehen oder selbst zu kommentieren.

Ich wünsche dir jedenfalls viel Freude hier. Kanji

 
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Hi @Lia2016,
wie Kanji schon sagt, hat dein Text nichts mit einer Geschichte zu tun. Dennoch hat er mir gut gefallen, denn du hast deine Gedanken nicht einfach wirr zusammengeschmissen, sondern sie gut strukturiert und verständlich ausgedrückt, was bei anderen Autoren schon gründlich schiefgegangen ist. Ich konnte zudem die Sehnsucht nachempfinden und die Verzweiflung. Da es hier jedoch um richtige Geschichten geht, versuche es doch beim nächsten Mal mit einer richtigen Handlung, Charakteren und alles in einem größeren Zusammenhang? :)

Erstmal zum Titel:

Das Podest - „…. aber ich stelle sie nicht auf ein Podest.“
Ich finde, "das Podest" reicht.

Das leuchtende Abendrot war längst dahin, die Dunkelheit hatte es bereits in sich verschlungen, als ihr dennoch das Leuchten in seinen Augen auffiel, in denen sie sich so gerne so oft verloren hatte und sie wünschte sich so sehr, dass er sehen hätte sehen können, dass es auch in ihr noch hell war, auch wenn sie das selbst dafür bereits blind war.
Das ist ja der erste Satz. Er ist viel zu lang und total verschachtelt. Ich habe ihn mehr als ein Mal gelesen und trotzdem nicht verstanden, was du sagen willst. Den könntest du mal aufdröseln.
Du hast generell einige Sätze diesen Formats in deinem Text.

Ein bisschen Kleinkram:

und sie nie in der Lage war, diese
Und obwohl sie es nur selten wagte zu sagen, was sie wirklich dachte,
Einst wusste ich genau, wie das
Die, von der man den Blick nicht abwenden kann, weil sie einen einfach umhaut, wie der Anblick der
Manch einer mag denken, dass sei
manchmal benötigt es das Licht von außen, um den
Nicht auf diese gewöhnliche Weise, wie man sich eben so ansieht

Insgesamt sehe ich da auf jeden Fall Potential, doch es fehlen die Elemente einer richtigen Geschichte. Versuche doch mal, deine Sätze nicht so lang und kompliziert zu gestalten.

Schreib gerne zurück, ob dir das weitergeholfen hat. :)

Liebe Grüße,
Waldläufer

 
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Hallo @Lia2016,

ich konnte eine Aufrichtigkeit in deinem Text hinauslesen, die mir gut gefallen hat. Generell mag ich das Schwelgen in Augenblicken in Literatur und Film, das sich Entziehen von krampfhaft zusammengeflickten Plots. Wichtig ist natürlich, dass dies vom Autor bewusst so gewollt ist und nicht aus Unvermögen heraus geschieht. Ich wüsste nicht, dass die Definition einer Kurzgeschichte etwas in Stein gemeißeltes wäre. Eine Kurzgeschichte kann sich durchaus im Rahmen der Beantwortung einer einzigen Frage abspielen, die in deinem Text zudem ja eine höchst dramatische ist: „Was ist es, das du wirklich willst?“

Natürlich kann man die Beantwortung dieser Frage in eine (umfangreichere) Handlung mit Figuren und allerlei Konflikten einbetten, aber: Was ist es, das du wirklich willst? Unterhalten? Möglichst viele Leser begeistern? Deine Gefühlswelt auf individuelle Weise in Kurzgeschichten verarbeiten?

Ein Kritikpunkt ist, dass du dich in den langen Sätzen desöfteren verzettelst. Durch etwas Abstand zum Text und mehrmaligem Durchlesen wärst du wahrscheinlich selbst darauf gestoßen. Zum Beispiel:

Das leuchtende Abendrot war längst dahin, die Dunkelheit hatte es bereits in sich verschlungen, als ihr dennoch das Leuchten in seinen Augen auffiel, in denen sie sich so gerne so oft verloren hatte und sie wünschte sich so sehr, dass er sehen hätte sehen können, dass es auch in ihr noch hell war, auch wenn sie das selbst dafür bereits blind war.

Einige Wörter kommen mehrere Male auf unästhetische Weise vor. Andere scheinen sich im Satz verirrt zu haben. Überhaupt würde dein Text von Kürzungen einiger Sätze profitieren. Alternativ empfehle ich, die langen Sätze sorgsamer zu polieren. Wie wäre es beispielsweise zur Eröffnung mit:

Das Abendrot war längst dahin. Verschlungen von der Dunkelheit. Seine Augen, in denen sie sich einst so gerne verloren hatte, leuchteten dennoch und sie wünschte sich, er sähe, dass auch in ihr noch etwas loderte.

Auch das ist nicht einwandfrei, aber durch das Aufdröseln des Satzes und die Streichung einiger stockender Formulierungen ist zumindest ein gewisser Lesefluss vorhanden.

Meine Kritik bezieht sich also viel mehr auf die Ästhetik und den Satzbau als auf Dinge wie Plotentwicklung. Du hast etwas von Belang zu erzählen, das merke ich, was meiner Meinung nach die halbe Miete als AutorIn ist. Keine Ahnung ob du dich mit Plotentwicklung, Dramaturgie etc. beschäftigt hast, aber es ist sicherlich förderlich die "Regeln" zu verinnerlichen. Danach sehe ich jedoch kein Problem damit, diese zum Teufel zu jagen. Selbstverständlich nur, wenn es das ist, was du willst.

Alles Gute auf deiner Reise als Autorin.

Beste Grüße
nothing

 

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