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Das Portrait

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27.09.2020
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Das Portrait

„Tut mir leid, aber Sie können den Rucksack nicht mit reinnehmen.“
Die Frau vor der Infotheke sah Emily an, als hätte sie ihr soeben mitgeteilt, dass sie ihre Kinder einen Monat lang nicht mehr sehen könnte. Emily dachte sich, dass sie eine dieser Frauen sein musste, die an der Supermarkt-Kasse darauf bestand, dass ihre abgelaufenen Coupons aus dem 6-Monate-alten Prospekt noch immer gültig waren. Sie trug, passenderweise, 3⁄4-Cargo-Hosen, verziert mit einem Muster, das einem Kopfschmerzen bereitete und eine mit Strasssteinen besetzte, übergroße Sonnenbrille. Emily zählte in Gedanken nach, wie viele „HOME“-Schilder wohl im Haus dieser Frau verteilt sein mussten.
„Im Naturkundemuseum lassen die mich den aber immer mitnehmen“, meckerte die Prospekt- Tante lautstark.
„Das hier ist aber nicht das Naturkundemuseum und ich hab mir die Regeln auch nicht ausgedacht.“ Emily lächelte die Frau gekünstelt an. „Sie können Ihren Rucksack dort an der Garderobe abgeben.“ Emily deutete zur anderen Seite des Foyers. „Oder Sie tragen ihn durchgehend in der Hand, das geht auch.“
Der Gesichtsausdruck der Frau ließ Emily in Gedanken darüber aufatmen, dass die beiden durch eine Holztheke getrennt waren. Sie stellte sich vor, wie sie durch einen Stacheldrahtzaun einen hungrigen Tiger beobachtete, der seit 3 Tagen nichts mehr zu fressen bekommen hatte. Sie erinnerte sich an die Besucher von letzter Woche, als sie Kassenschicht hatte, die unbedingt eine halbe Stunde vor Schluss noch ins Museum wollten. Tatsächlich war die Begegnung mit dieser Frau noch angenehm im Vergleich dazu.
„Wissen Sie eigentlich, wie schwer das hier ist?“ Die Frau hievte demonstrativ ihren Rucksack auf die Theke und ließ ihn mit einem rums fallen, aber Emily zuckte nur mit den Schultern. „Wir haben auch Schließfächer, da können Sie den sicher wegschließen.“ Sie drückte der Frau einen Museumsplan in die Hand und schickte sie mit einem „schönen Aufenthalt!“ zurück in den Dschungel.
Trotz dem ein oder anderen unangenehmen Besucher mochte Emily ihre Job. Sie mochte es vor allem, wenn sie die Spätschicht übernehmen und am Ende abschließen musste, denn das bedeutete, dass sie das Museum nach Feierabend ganz für sich allein hatte. Heute hatte sie ebenfalls Spätschicht und fieberte dem Feierabend bereits sehnsüchtig entgegen. Obwohl sie die Ausstellungsstücke bereits in- und auswendig kannte und die Beschreibungen an der Wand wahrscheinlich auch im Stockdunkeln mitlesen konnte, liebte sie ihren abendlichen Streifzug durch die Ausstellungsräume. Das war einer der wenigen Momente der Ruhe, der ihr vergönnt war. Zu dieser Uhrzeit besetzten ihre Mitbewohner meist die Küche, selten ohne dabei laut ihre Musik, den Bass voll aufgedreht, laufen zu lassen, die übrigens so gar nicht Emilys Geschmack entsprach. Sie mochte ihre Mitbewohner zwar, aber nach der Arbeit und den vielen Museumsbesuchern, mit denen sie tagsüber zu tun hatte, fehlte ihr meist die „soziale Energie“ um sich am Abend dann auch noch mit ihren Mitbewohnern zu unterhalten, die sowieso jeden Tag dasselbe taten.
Um kurz nach sechs wurde sie durch das Geräusch der letzten zufallenden Eingangstür erlöst. Endlich allein. Sie nahm die gewohnte Route: erst durch den Impressionismus, den Expressionismus, dann durch den Kubismus und den Surrealismus, hin zu den Installationen im ersten Stock und der Fotografie-Ausstellung und schließlich auf die Dachterrasse, um eine zu rauchen. Das gewohnte Geräusch der knarzenden Holzdienen unter ihren Füßen gab Emily ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit. Das Museum konnte sich einige wenige, eher unbekannte Gemälde von Claude Monet sichern, die die Hauptattraktion in der Ausstellung für Impressionismus waren. Die Surrealismus-Ausstellung war Emilys Lieblingsraum. Sie schlenderte an den gewohnten Bildern vorbei. Verzerrte Gesichter, seltsame Proportionen und ein Mix aus Gegenständen, Tieren und Farben, der eher an eine Drogentrip erinnerte, als an teure Gemälde. In Gedanken verloren blieb Emily plötzlich stehen. Sie stand vor einem Gemälde, dass sie vorher noch nie gesehen hatte. Es war das Portrait einer Frau. Auf Augenhöhe befanden sich zwei Fischaugen, die Emily verdutzt anschielten. Darunter eine krumme Kartoffelnase und ein paar schmale, runzelige Lippen. Die Haare, die diese Figur auf dem Kopf trug, waren strähnig und dünn und der penetrante Gelbstich ließ sie mehr nach Stroh als nach Haaren aussehen. Emily ließ ihren Blick an den Rändern des Bildes entlangschweifen, auf der Suche nach einer Tafel, die ihr den Namen des Gemäldes verraten konnte, aber vergeblich. Vielleicht war das Bild noch zu neu und das Namensschild noch nicht fertig? An der Wand hing nichts, vor dem Portrait stand keine Absperrkordel und als Emily einen Schritt näher an die Wand trat, wurde auch kein Alarm ausgelöst. Sie sah sich um, aber niemand war da. Vorsichtig hob sie einen Finger und strich über das Gemälde. Es fühlte sich seltsam glatt an, nicht wie Pinselstriche oder getrocknete Farbklumpen, nicht wie eine trockene Wand. Eher wie ein Bildschirm, eine Tischplatte. Der Alarm wurde nach wie vor nicht ausgelöst. Sie trat wieder einen Schritt zurück. Alles an diesem Portrait gab Emily den Anschein, dass es gar nicht da sein dürfte. Und hässlich war es auch.
Obwohl sich Emily damit schmückte, etwas von Kunst zu verstehen, konnte sie wahrlich nicht erkennen, was an diesem Bild schön sein sollte. Natürlich lag Schönheit im Auge des Betrachters und wenn etwas subjektiv war, dann ja wohl die Kunst, aber Emily kannte den Stil und die Vorlieben des Museums und dieses Portrait widersprach beiden. Normalerweise teilte man ihr auch mit, wenn das Museum ein neues Ausstellungsstück erworben hatte, da Emily auch manchmal Führungen geben musste. Die Frau auf dem Bild sah traurig aus. Also, nicht direkt traurig, aber wenn Emily versuchte, hinter ihre Fischaugen zu blicken, so kam sie ihr erschreckend leer vor. Das mag wohl daran liegen, dass sich hinter dem Bild eine kahle Wand befand, aber Emily dachte sich für jedes Bild eine Geschichte aus, um den Figuren mehr Leben einzuhauchen. Vor allem sah diese Frau sehr einsam aus. Emily wünschte, dass der Künstler ihr noch einen Begleiter oder eine Begleiterin gezeichnet hätte. Aber vielleicht wollte die Frau ja auch gar keinen Begleiter. Vielleicht hatte sie Spaß an ihrer Einsamkeit. Wenn man einsam ist, hat man zumindest immer etwas, worüber man jammern kann, dachte Emily. Und die Leute liebten es, zu jammern. Emily jammerte auch gerne. Sie jammerte gerne über ihren Job, über ihr Studium, ihre Familie. Aber am liebsten über sich selbst. Sie wünschte sich manchmal, dass sie erfolgreicher wäre, oder einen besseren Job hätte, dabei schrieb so meist gute Noten und ihr machte der Job fast immer Spaß. Trotzdem war sie selten zufrieden mit sich. Wenn sie eine Aufgabe erledigt oder ein Ziel erreicht hatte, dann war Emilys erste Impuls nicht, zufrieden oder stolz auf sich zu sein, sondern zu fragen: was hätte ich noch machen können? Was kann ich noch tun? Gut war nie gut genug für Emily. Und so stand sie vor dem Portrait und begann, sich zu überlegen, wie man es hätte besser malen können. Wie der Künstler – wer auch immer es sein mochte – seine Muse hätte besser in Szene setzen können. Als sie da so stand und das Portrait bemängelte, klingelte plötzlich ihr Handy. Emily warf einen flüchtigen Blick auf den Bildschirm: Mama. Statt abzuheben, ließ sie das Handy weiterklingeln und wieder in ihrer Hosentasche verschwinden, wo es an der äußeren Seite ihres Oberschenkels vor sich hin vibrierte. Nach einer Weile verstummt das Handy wieder und Emily kramte in der anderen Hosentasche nach ihren Kopfhörern. Während sie die Lichter ausschaltete und die Türen abschloss, versuchte sie, mit einer Hand das Kabel ihrer Kopfhörer knotenfrei zu bekommen. In Gedanken war Emily bereits bei den Songs, die sie auf dem Heimweg hören würde.
In der U-Bahn nach Hause dachte Emily immer noch über das Portrait nach, doch vergaß sie bald, weshalb es ihr ursprünglich so seltsam erschien: es kam ihr so bekannt vor, jedoch hatte sie es in diesem Museum noch nie gesehen. Die U-Bahn war leer, das war sie meistens, wenn Emily von der Spätschicht nach Hause fuhr. Ihr gegenüber saß nur ein alter Mann, der Zeitung las. Über dem Kopf des Mannes hing eine Werbetafel für die örtliche Kunstschule. Emily hatte sich schon öfter überlegt, ob sie sich dort bewerben sollte, jedoch hatte sie zu große Angst vor einer Absage, um es wirklich zu tun. Aber sie wusste ja einiges über Kunst, es stellte sich nur die Frage, ob sie auch die richtige künstlerische Begabung hatte. Vielleicht war sie nicht talentiert genug, vielleicht war sie aber auch einfach nur zu dumm, um Kunst zu verstehen, also wirklich zu verstehen. Vielleicht fand sie deshalb dieses neue, mysteriöse Bild auch so hässlich. Einmal hatte sie sogar die Bewerbungsunterlagen für die Kunstschule angefragt, aber dann ging die Broschüre in dem Papierstapel auf ihrem Schreibtisch unter und sie warf sie weg, ohne je einen Blick hineingeworfen zu haben. Als sie gerade ihr Handy entsperrte und nach der Kunstschule von der Werbetafel suchen wollte, ging der Akku leer. Es wurde still in ihren Ohren und der Bildschirm auf ihrem Handy schwarz. Nun sah sie nur noch ihr eigenes Gesicht, dass den Bildschirm mit leerem Blick anstarrte, als würde sie direkt durch das Handy hindurchsehen, auf ihre Hand, die darunter lag. Als würde sie sich im schwarzen Bildschirm gar nicht sehen.

***
Am nächsten Morgen war Emilys größte Sorge, mit welcher Ausrede sie sich am ehesten vor der Arbeit drücken konnte. Nicht, dass sie nicht hingehen wollte, aber sie fühlte nicht so als ob sie heute überhaupt arbeiten könnte. Irgendeine unsichtbare Kraft schien Emily ans Bett gefesselt zu haben und aufzustehen verlangte ihr schier unendliche Kraft ab. So ging es Emily öfter, aber sie konnte sich nie wirklich erklären, wieso. Sie mochte ja ihren Job, also, meistens. Und sie hatte auch genug geschlafen, obwohl sie sich trotzdem meist müde fühlte, aber nicht krank. Also, nicht physisch, aber irgendwie schon. Krank genug, um nicht arbeiten zu können, aber gesund genug, um theoretisch dort sein zu können. Sie hatte schon einige Male bei der Arbeit gefehlt, obwohl sie gar nicht krank war. An diesen Tagen war es diese unsichtbare Kraft, die sie zurückhielt, die sie meist am Morgen überwältigte, aber manchmal auch den ganzen Tag anhielt. Als sich Emily ihre Ausrede sorgfältig überlegt hatte und bereit war, sie in Form einer SMS an ihren Chef zu schicken, kam von genau diesem stattdessen eine SMS an sie: „Kannst du Sandras Führung heute übernehmen? Sie ist krank geworden.“ Na toll, dachte Emily. Da war wohl jemand schneller gewesen. Emily könnte wetten, dass Sandra gar nicht wirklich krank war. Andererseits war sie es ja eigentlich auch nicht, oder? Nach der SMS würde ihre Ausrede sicher blöd kommen, war sich Emily sicher. Dann würde er bestimmt merken, dass es eben nur das ist: eine Ausrede. Also tat Emily das, was sie in 90% der Tage tat, an denen sie am liebsten liegen bleiben würde: sie quälte sich aus dem Bett, trug das Minimum an Make-Up auf – gerade so viel, dass ihre Augenringe nach einem gesunden Maß an Übermüdung aussahen, sowie ein wenig Rouge und Mascara, um nicht wie der Tod persönlich auszusehen – knüllte ihre Haare zu einem Dutt am Oberkopf zusammen und schlüpfte in ihre Arbeitsklamotten. Die Dusche übersprang sie heute morgen, denn sie fühlte sich noch einigermaßen sauber. Früher hatte sie immer morgens geduscht, aber seit einer Weile duschte sie nur noch abends oder nach der Arbeit, weil sie morgens meist so lange im Bett lag, dass keine Zeit mehr für die Dusche blieb.

***
Sie führte eine Besuchergruppe durch die aktuelle Ausstellung. Führungen machte Emily nicht besonders gerne, da sie sich immer so an den Pranger gestellt fühlte, vor lauter fremden Menschen über Dinge zu reden, von denen sie ihrer Meinung nach gar keine Ahnung hatte. Zu ihrem Glück waren heute weniger Besucher da als sonst. Es war ein Freitagmorgen, da traf man im Museum, wenn überhaupt, nur auf Schülergruppen mit ihren Lehrern oder alte Leute. Als sie gerade an der Surrealismus-Ausstellung vorbeihuschte, fiel ihr wieder das Portrait ein. Sie beobachtete es im Vorbeigehen aus dem Augenwinkel. Zwei Mädchen, wahrscheinlich zwei Schülerinnen, standen davor und sahen es an, machten Fotos. Keine Fotos! rief Emily in Gedanken, aber eigentlich war es ihr egal. Sie würde sicherlich auch Fotos machen, wenn gerade keiner hinsah, aber doch nicht von diesem hässlichen Ding. Allerdings sahen die Mädchen nicht gerade aus, als würden sie etwas von Kunst verstehen. Emily erwischte sich dabei, wie sie die beiden Schülerinnen bereits verurteilte und versuchte, den Gedanken schnell wieder abzuwimmeln. Jeder wie er will, sagte sie sich und wollte die Führung fortsetzen, als die beiden Mädchen gerade zu ihr hinübersahen. Sie schienen zu bemerken, dass gerade eine Führung stattfand und kamen auf Emily zu. „Dürften wir auch zuhören?“, fragte eines der Mädchen. „Also...“, stammelte Emily. „Ja, dürft ihr schon, aber die Führung ist gleich vorbei. Nach dem Teil hier folgt ein interaktiver Teil im Raum für Design und Medien, da könnt ihr euch gerne anschließen“, erklärte sie. Die Mädchen nickten eifrig und bedankten sich. Sofort fühlte sich Emily schlecht, dass sie voreilige Schlüsse über die beiden gezogen hatte. Nachdem sie ihre Besuchergruppe im Raum mit dem interaktiven Teil abgeladen hatte, war es deutlich ruhiger im Museum, fast komplett leer. Emily witterte ihre Chance.
Heute war das Bild noch hässlicher. Und noch irgendwas war anders, abgesehen von Emilys Schönheitsurteil. Womöglich war hässlich gar nicht das richtige Wort. Eher, ausgesaugt wie von einem Vampir, der einem das Blut aus den Adern saugt. Als ob man der Frau auf dem Portrait nicht nur dem Gesicht die Farbe, sondern auch dem Körper das Leben entzogen hätte. Geisterhaft, kränklich, schwach. Diese Worte trafen eher auf die Frau auf dem Bild zu. Tatsächlich wurde Emily klar, dass sie es beim ersten Mal falsch betrachtet hatte. Die Frau war nicht hässlich, es waren die Umstände, die sie so aussehen ließen. Auch sah sie heute älter aus als beim ersten Mal, reifer, das Gesicht geprägt vom Leben. Auch die Augenringe waren tiefer als beim letzten Mal. Trotzdem konnte Emily sich die Bedeutung des Portraits nicht ausmalen. Das Bild war noch immer unbewacht, unbetitelt und augenscheinlich für die meisten Besucher uninteressant. Außer den beiden Mädchen warfen die Besucher im Vorbeigehen nur einen flüchtigen Blick auf das Bild, als würden sie direkt hindurchsehen und die Wand anblicken. In gewisser Weise war sich Emily nicht einmal mehr sicher, dass es überhaupt jemand außer ihr sehen konnte.
Emilys düstere Vorahnung schien sich am Abend zu bestätigen. Sie und Leon, ein Kollege, über dessen Anwesenheit sich Emily immer freute, sollten das Museum fürs Wochenende abschließen. Die beiden waren gute Freunde. „Arbeitsfreunde“, wie Emily es nannte. Das waren Freunde, die sich auf der Arbeit super verstanden und Insider-Witze hatten und ihre Schichten aufeinander abstimmten, aber im Privatleben nie etwas zusammen unternahmen. Man existierte nur auf der Arbeit. Sobald die Schicht vorbei war, schien es so, als ob jeder der beiden Arbeitsfreunde in eine Welt verschwinden würde, die auf der Karte im Universum dieser Freundschaft noch nicht gezeichnet war. Je weiter man sich von der Arbeit entfernte, desto weniger Details hatte diese Welt und irgendwann gab es gar nichts mehr zu sehen. Ein weißes Nichts. Emily hatte sich schon öfter überlegt, Leon einfach mal einzuladen oder zu fragen, ob die beiden auch privat mal was unternehmen wollten. Aber der Gedanke fühlte sich immer irgendwie seltsam an. Als ob es nicht erlaubt wäre, obwohl theoretisch nichts dagegensprach. Aber in der Realität, in der Arbeitsfreunde existierten, schien es andere Regeln zu geben als in der anderen Realität, und eine von diesen Regeln war, dass man seine Arbeitsfreunde nicht im Privatleben – einer Parallelwelt – trifft. Trotzdem vertraute Emily Leon und sie vertraute ihm zu gerne ihre Probleme an. Sie jammerte eben gerne.
Während Leon damit beschäftigt war, die Infotheke abzuwischen, machte Emily ihrem Frust Luft. „Ich muss dich mal was fragen, sonst dreh‘ ich durch. Ich werd‘ verrückt, ich schwör’s dir“, platze es aus ihr heraus. „Na, das fängt ja gut an. Was ist denn los?“ Leon legte den Lappen auf der Theke ab und wandte sich ihr zu. „Wann haben wir das letzte Mal neue Gemälde aufgehängt? Oder gekauft? In irgendeiner Weise angeschafft?“ Leon zog die Augenbrauen hoch. „Da fragst du mich was. Keine Ahnung. Schon länger her, denke ich.“ Nicht die Antwort, die sie sich erhofft hatte. „Es gibt da so ein neues Bild und das macht mich fertig. Ein Portrait. In der Surrealismus Ausstellung. Also, erstens hat es da gar nichts verloren, weil es gar nicht dazu passt und es hat weder Namen noch Absperrband, noch scheint sich irgendwer dafür zu interessieren.“ Jetzt runzelte Leon die Stirn. „Wurde das heute geliefert? Ich weiß nicht, was du meinst. Kann mich an keine neuen Bilder erinnern und ich hatte heute schon eine Führung.“ „Ich zeig’s dir, komm.“ Emily griff nach Leons Hand und zog daran, aber der hielt dagegen. „Du, ich muss eigentlich gleich los und meinen Bus erwischen. Kannst du hier abschließen?“ Emily war sichtlich enttäuscht. „Ach komm, das geht doch schnell. Nur ganz kurz!“ Aber Leon sah auf sein Handy und schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, ich muss echt los. Montag dann, versprochen. Okay?“ Emily seufzte. „Okay. Montag dann.“ Und damit ließ Leon sie allein zurück.

***
Emily wartete aufgeregt vor der Eingangstür. Das Museum öffnete erst in einer halben Stunde und Leons Schicht müsste jede Minute beginnen. Dann ging die Tür auf und Leons schwarze Doc Martens stapften in die Eingangshalle. Emily ließ ihm kaum einen Moment um zu atmen. Sie packte ihn erneut am Arm. „Du hast gesagt Montag, versprochen. Also los.“ Sie schleppte ihn hinter sich her. „Ähm, dir auch hallo? Kann ich erstmal geistig ankommen? Wohin zerrst du mich denn?“ Leon schien ein wenig verärgert, aber hauptsächlich verwirrt über die Situation.
Emily blieb abrupt stehen. „Na zu dem Portrait, von dem ich gesprochen habe.“ Leons Gesicht zeigte keinerlei Regung oder jegliche Anzeichen davon, dass er verstand, wovon sie sprach. „Was für ein Portrait?“, fragte er schließlich. Es frustrierte Emily, dass Leon die Sache offensichtlich nicht so wichtig war, wie ihr. Er empfand es anscheinend sogar als so unwichtig, dass er es einfach vergessen hatte. Aber Emily schüttelte den Ärger ab und zerrte wieder an Leons Jacke.
Sie zog ihn hinter sich her, die Eingangstreppe hinauf, durch den Impressionismus und Expressionismus, Räume, die man wie bei einer Schnitzeljagd durchqueren musste, um zum Ziel zu gelangen, und schließlich vor die Wand, an der das Portrait hing. Nur, dass ihnen diesmal nur eine leere Wand entgegen starrte.
Emily konnte nicht verstehen, was passiert war. „Wo ist es? Wo ist das Bild?“ Sie drehte sich hilfesuchend zu Leon um, aber seinem Blick nach zu urteilen, würde der ihr nicht besonders hilfreich sein. Er zuckte nur mit den Schultern. „Keine Ahnung“, sagte er.
„Am Freitag war es doch noch da! Ich hab’s doch gesehen, ich hab’s mir doch nicht eingebildet. Da war ein Portrait von einer Frau, genau hier an der Wand!“, rief Emily, laut genug, dass es auch der Hausmeister hören konnte, der zwischen den Gängen entlang schlich. „Kann man Ihnen helfen?“, fragte er vorsichtig. „Was ist mit dem Bild passiert, das am Freitag noch hier war?“, fragte Emily, die verzweifelt auf eine Antwort wartete. Der Hausmeister sah zur Wand auf.

„Der Spiegel? Der wurde wieder abgehängt. Hat wohl zu sehr von den Bildern abgelenkt.“
 
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10.07.2020
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Hi @janaforkel,

willkommen bei den Wortkriegern!

"Das Porträt" ist eine gut geschriebene Kurzgeschichte - das möchte ich gleich am Anfang hervorheben: Du kannst erzählen. Du führst den Leser sicher durch den Text, es gibt keine Brüche, keine Löcher, kaum Redundanzen. Das finde ich ziemlich beeindruckend. Die Sprache selbst ist einfach und solide und das ist völlig okay. Die erste Beschreibung der Frau im Gemälde finde ich besonders gelungen. (Oh, und Rechtschreibung und Zeichensetzung sind fast makellos.) Irgendwie entwickelt deine Erzählstimme so einen Sog, der mich die Story in Einem hat durchlesen lassen, und dann ...

... kam der Teil, der mich ein bisschen unschlüssig zurücklässt: der Plot, die Auflösung und, insgesamt, das Thema der Geschichte. Es geht also um eine junge Frau, die im Museum arbeitet und irgendwie mit sich selbst unzufrieden ist, und sie entwickelt eine Art Obsession für ein vermeintliches Gemälde, das sich zuletzt als Spiegel herausstellt. Okay. Aber was bedeutet das jetzt für Emily? Verändert es sie? Inwiefern ist das alles überhaupt wichtig für sie? Das bleibt, finde ich, ein bisschen im Vagen. Um es mal ganz überspitzt zu sagen: So, wie du die Geschichte jetzt erzählst, könntest du ohne Probleme noch einen allerletzten Satz hinzufügen: "Huch, nur ein Spiegel, dachte Emily - und lebte weiter wie bisher." Ich habe den leisen Verdacht, dass du diesen Satz nicht beabsichtigt hast.

Kurz gesagt: Emily ist nicht stark genug investiert. Es gibt keine Fallhöhe. Was kann man da tun? Geh ein bisschen tiefer in ihre Selbstzweifel rein, zeig uns ihre Ängste und Hoffnungen, lass diese irgendwie im Gemälde wiederauftauchen - und dann gibt Emily eine Chance, aktiv zu werden und sie aus eigener Kraft zu bewältigen.

Uhh, noch ein letzter Gedanke: die Einstiegsszene. Liest sich gut, flüssig - spielt aber für den Plot überhaupt keine Rolle, oder? Mir passiert das manchmal, dass ich, wenn ich so einen Sound gefunden habe, einfach schreibe und schreibe - und dann später feststelle, naja, das liest sich okay, ist aber eigentlich nicht relevant. In einer Kurzgeschichte ist das dann so ein Kill-Your-Darlings-Moment, fürchte ich. ;)

Insgesamt: Gerne gelesen. Du erzählst wirklich gut! Und lass dich von meiner Kritik bitte nicht verunsichern: Die Überarbeitung, die aus deiner soliden Geschichte eine gelungene machen könnte, ist, glaube ich, gar nicht sooo aufwändig. Aber das kann ja jeder sagen, hehe.

Viele Grüße, freue mich auf mehr!

Christophe

EDIT:

Habe mir die beiden Beschreibungen der Frau im Gemälde nochmal angesehen. Am Anfang findet Emily die Frau einfach hässlich und fragt sich, ob sie zu dumm ist, um das Schöne in ihr zu sehen. In der zweiten Szene erkennt sie Ansätze von Schönheit oder Würde. Bedeutet das, dass Emilys Selbstbild, ihr Selbstwertgefühl usw. sich hier entwickeln? Wenn ja: Wodurch? Was ist zwischen diesen beiden Episoden passiert, das Emilys Sicht auf die Frau im Spiegel verändert hat?
Nur so ein Gedanke auf die Schnelle. Viele Grüße! C
 
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CoK

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24.08.2020
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Hallo @janaforkel

Sie wünschte sich manchmal, dass sie erfolgreicher wäre, oder einen besseren Job hätte, dabei schrieb so meist gute Noten und ihr machte der Job fast immer Spaß.
dabei schrieb sie meist gute Noten
. Als sie da so stand und das Portrait bemängelte, klingelte plötzlich ihr Handy. Emily warf einen flüchtigen Blick auf den Bildschirm: Mama. Statt abzuheben, ließ sie das Handy weiterklingeln und wieder in ihrer Hosentasche verschwinden, wo es an der äußeren Seite ihres Oberschenkels vor sich hin vibrierte. Nach einer Weile verstummt das Handy wieder und Emily kramte in der anderen Hosentasche nach ihren Kopfhörern.
Für mich ist das als Leser total uninteressant. Ich finde es macht den Text unnötig lang.
Auch die lange Einleitung fand ich nicht wichtig. Mir hatte der Text zu wenig Spannung.
Du kannst erzählen und gut beschreiben.
Bin mal gespannt was du aus deiner Geschichte noch machst.

Liebe Grüße CoK
 
Mitglied
Beitritt
20.08.2019
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Liebe @janaforkel

ich habe Deine Geschichte gerne gelesen. Besonders das Ende hat mich beeindruckt. Ich bekam richtig Gänsehaut.

Dein Schreibstil ist teilweise etwas holprig und umständlich formuliert, was mich ab und zu aus dem Lesefluss gerissen und das Kopfkino unterbrochen hat. Da kann man dran arbeiten :) Es gibt einige Wortwiederholungen und viele unnötige Füllwörter.

Ich habe mal einige Dinge markiert, die mir aufgefallen sind:

Die Frau vor der Infotheke sah Emily an, als hätte sie ihr soeben mitgeteilt, dass sie ihre Kinder einen Monat lang nicht mehr sehen könnte.

Wortwiederholung

Sie trug, passenderweise, 3⁄4-Cargo-Hosen, verziert mit einem Muster, das einem Kopfschmerzen bereitete und eine mit Strasssteinen besetzte, übergroße Sonnenbrille.

Satzbau
Vorschlag: Passenderweise trug sie ...

Der Gesichtsausdruck der Frau ließ Emily in Gedanken darüber aufatmen, dass die beiden durch eine Holztheke getrennt waren.

Zum umständlich.
Vorschlag: Zum Glück waren sie durch eine Holztheke voneinander getrennt.

Die Frau hievte demonstrativ ihren Rucksack auf die Theke und ließ ihn mit einem rums fallen, aber Emily zuckte nur mit den Schultern.

Vorschlag: Die Frau hievte den Ruckstack demonstrativ auf die Theke und ließ ihn mit einem Rums fallen, ...

Zu dieser Uhrzeit besetzten ihre Mitbewohner meist die Küche, selten ohne dabei laut ihre Musik, den Bass voll aufgedreht, laufen zu lassen, die übrigens so gar nicht Emilys Geschmack entsprach.

Klingt holprig
Vorschlag: Zu dieser Uhrzeit besetzten ihre Mitbewohner meist die Küche, hörten laut Musik, die Bässe dröhnten. Emily schüttelte sich. Die Musik entsprach so gar nicht ihrem Geschmack.

In Gedanken verloren blieb Emily plötzlich stehen. Sie stand vor einem Gemälde, dass sie vorher noch nie gesehen hatte.

Wortwiederholung

Die Haare, die diese Figur auf dem Kopf trug, waren strähnig und dünn und der penetrante Gelbstich ließ sie mehr nach Stroh als nach Haaren aussehen.

Vorschlag: Die Haare waren strähnig und dünn. Ein wenig erinnerten sie Emily an Stroh.

An der Wand hing nichts, vor dem Portrait stand keine Absperrkordel und als Emily einen Schritt näher an die Wand trat, wurde auch kein Alarm ausgelöst.

Kann man streichen

Obwohl sich Emily damit schmückte, etwas von Kunst zu verstehen, konnte sie wahrlich nicht erkennen, was an diesem Bild schön sein sollte.

Kann man streichen
Vorschlag: ... verstehen, erkannte sie nicht, was an dem Bild schön sein sollte.

Natürlich lag Schönheit im Auge des Betrachters und wenn etwas subjektiv war, dann ja wohl die Kunst, aber Emily kannte den Stil und die Vorlieben des Museums und dieses Portrait widersprach beiden.

Kann man streichen

Normalerweise teilte man ihr auch mit, wenn das Museum ein neues Ausstellungsstück erworben hatte, da Emily auch manchmal Führungen geben musste.

Kann man streichen

Also, nicht direkt traurig, aber wenn Emily versuchte, hinter ihre Fischaugen zu blicken, so kam sie ihr erschreckend leer vor.

Bezieht sich das auf die Augen? Dann Plural
... so kamen sie ihr erschreckend leer vor

Das mag wohl daran liegen, dass sich hinter dem Bild eine kahle Wand befand, aber Emily dachte sich für jedes Bild eine Geschichte aus, um den Figuren mehr Leben einzuhauchen.

Zeitfehler
Das mochte daran ...

Emily wünschte, dass der Künstler ihr noch einen Begleiter oder eine Begleiterin gezeichnet hätte.

Vorschlag: Der Künstler hätte ihr einen Begleiter zeichnen sollten.

Sie wünschte sich manchmal, dass sie erfolgreicher wäre, oder einen besseren Job hätte, dabei schrieb so meist gute Noten und ihr machte der Job fast immer Spaß.

Vorschlag: Manchmal wünschte sie sich, erfolgreicher zu sein, einen besseren Job zu haben.

was hätte ich noch machen können? Was kann ich noch tun?

Das ist doppelt gemoppelt.
Einmal würde reichen

Die U-Bahn war leer, das war sie meistens, wenn Emily von der Spätschicht nach Hause fuhr.

Klingt holprig
Vorschlag: Die U-Bahn war leer, wie meistens, wenn sie von der Spätschicht nach Hause fuhr.

Vielleicht war sie nicht talentiert genug, vielleicht war sie aber auch einfach nur zu dumm, um Kunst zu verstehen, also wirklich zu verstehen.

Doppelt gemoppelt
Einmal würde reichen

Einmal hatte sie sogar die Bewerbungsunterlagen für die Kunstschule angefragt, aber dann ging die Broschüre in dem Papierstapel auf ihrem Schreibtisch unter und sie warf sie weg, ohne je einen Blick hineingeworfen zu haben.

Wortwiederholung

Als sie gerade ihr Handy entsperrte und nach der Kunstschule von der Werbetafel suchen wollte, ging der Akku leer. E

... verabschiedete sich der Akku

Nun sah sie nur noch ihr eigenes Gesicht, dass den Bildschirm mit leerem Blick anstarrte, als würde sie direkt durch das Handy hindurchsehen, auf ihre Hand, die darunter lag. Als würde sie sich im schwarzen Bildschirm gar nicht sehen.

Wortwiederholung

So ging es Emily öfter, aber sie konnte sich nie wirklich erklären, wieso. Sie mochte ja ihren Job, also, meistens.

Umständlich formuliert
Vorschlag: So ging es ihr öfter, aber sie konnte sich nicht erklären, warum. Schließlich mochte sie ihren Job, zumindest meistens.

Sie hatte schon einige Male bei der Arbeit gefehlt, obwohl sie gar nicht krank war.

Vorschlag: Sie hatte schon einige Male bei der Arbeit gefehlt, obwohl sie nicht krank gewesen war.

Nach der SMS würde ihre Ausrede sicher blöd kommen, war sich Emily sicher. Dann würde er bestimmt merken, dass es eben nur das ist: eine Ausrede.

Klingt holprig
Vorschlag: Nach der SMS würde ihre Krankmeldung blöd kommen. Er würde erkennen, dass es nur eine Ausrede war.

Zwei Mädchen, wahrscheinlich zwei Schülerinnen, standen davor und sahen es an, machten Fotos.

Kann man streichen

zwei Mädchen, wahrscheinlich zwei Schülerinnen, standen davor und sahen es an, machten Fotos. Keine Fotos! rief Emily in Gedanken, aber eigentlich war es ihr egal. Sie würde sicherlich auch Fotos machen, wenn gerade keiner hinsah, aber doch nicht von diesem hässlichen Ding. Allerdings sahen die Mädchen nicht gerade aus, als würden sie etwas von Kunst verstehen. Emily erwischte sich dabei, wie sie die beiden Schülerinnen bereits verurteilte und versuchte, den Gedanken schnell wieder abzuwimmeln. Jeder wie er will, sagte sie sich und wollte die Führung fortsetzen, als die beiden Mädchen gerade zu ihr hinübersahen.

Wortwiederholung

Emily witterte ihre Chance.
Heute war das Bild noch hässlicher.

Hier fehlt ein Übergang.
Vorschlag: Emily witterte ihre Chance, ging hinüber zu dem Bild. Heute war es noch hässlicher.

Eher, ausgesaugt wie von einem Vampir, der einem das Blut aus den Adern saugt.

Wortwiederholung

Die Frau war nicht hässlich, es waren die Umstände, die sie so aussehen ließen. Auch sah sie heute älter aus als beim ersten Mal, reifer, das Gesicht geprägt vom Leben. Auch die Augenringe waren tiefer als beim letzten Mal. Trotzdem konnte Emily sich die Bedeutung des Portraits nicht ausmalen. Das Bild war noch immer unbewacht, unbetitelt und augenscheinlich für die meisten Besucher uninteressant. Außer den beiden Mädchen warfen die Besucher im Vorbeigehen nur einen flüchtigen Blick auf das Bild, als würden sie direkt hindurchsehen und die Wand anblicken. In gewisser Weise war sich Emily nicht einmal mehr sicher, dass es überhaupt jemand außer ihr sehen konnte.

Wortwiederholungen

Das waren Freunde, die sich auf der Arbeit super verstanden und Insider-Witze hatten und ihre Schichten aufeinander abstimmten, aber im Privatleben nie etwas zusammen unternahmen. Man existierte nur auf der Arbeit. Sobald die Schicht vorbei war, schien es so, als ob jeder der beiden Arbeitsfreunde in eine Welt verschwinden würde, die auf der Karte im Universum dieser Freundschaft noch nicht gezeichnet war.

Die Erklärung ist meiner Meinung nach zu ausufernd.
Mir würde es vollkommen reichen, wenn Du "Arbeitsfreunde" schreibst. Die Erklärung benötige ich nicht, um den Begriff zu verstehen.

Emily hatte sich schon öfter überlegt, Leon einfach mal einzuladen oder zu fragen, ob die beiden auch privat mal was unternehmen wollten.

... ob sie auch ...

Aber der Gedanke fühlte sich immer irgendwie seltsam an. Als ob es nicht erlaubt wäre, obwohl theoretisch nichts dagegensprach. Aber in der Realität, in der Arbeitsfreunde existierten, schien es andere Regeln zu geben als in der anderen Realität, und eine von diesen Regeln war, dass man seine Arbeitsfreunde nicht im Privatleben – einer Parallelwelt – trifft. Trotzdem vertraute Emily Leon und sie vertraute ihm zu gerne ihre Probleme an. Sie jammerte eben gerne.

Auch das ist mir zu ausufernd und unnötig.
Kann man kürzen.

Während Leon damit beschäftigt war, die Infotheke abzuwischen, machte Emily ihrem Frust Luft. „Ich muss dich mal was fragen, sonst dreh‘ ich durch. Ich werd‘ verrückt, ich schwör’s dir“, platze es aus ihr heraus. „Na, das fängt ja gut an. Was ist denn los?“ Leon legte den Lappen auf der Theke ab und wandte sich ihr zu. „Wann haben wir das letzte Mal neue Gemälde aufgehängt? Oder gekauft? In irgendeiner Weise angeschafft?“ Leon zog die Augenbrauen hoch. „Da fragst du mich was. Keine Ahnung. Schon länger her, denke ich.“ Nicht die Antwort, die sie sich erhofft hatte. „Es gibt da so ein neues Bild und das macht mich fertig. Ein Portrait. In der Surrealismus Ausstellung. Also, erstens hat es da gar nichts verloren, weil es gar nicht dazu passt und es hat weder Namen noch Absperrband, noch scheint sich irgendwer dafür zu interessieren.“ Jetzt runzelte Leon die Stirn. „Wurde das heute geliefert? Ich weiß nicht, was du meinst. Kann mich an keine neuen Bilder erinnern und ich hatte heute schon eine Führung.“ „Ich zeig’s dir, komm.“ Emily griff nach Leons Hand und zog daran, aber der hielt dagegen. „Du, ich muss eigentlich gleich los und meinen Bus erwischen. Kannst du hier abschließen?“ Emily war sichtlich enttäuscht. „Ach komm, das geht doch schnell. Nur ganz kurz!“ Aber Leon sah auf sein Handy und schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, ich muss echt los. Montag dann, versprochen. Okay?“ Emily seufzte. „Okay. Montag dann.“ Und damit ließ Leon sie allein zurück.

Ist umständlich zu lesen. Bei Personenwechsel immer eine neue Zeile beginnen.

Ich hoffe, die Anmerkungen sind hilfreich.

Ganz liebe Grüße und eine schöne Woche,
Silvita
 
Wortkrieger-Team
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07.09.2014
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768
Hallo @janaforkel ,
und herzlich willkommen im Forum! Du hast jetzt schon eine neue Geschichte eingestellt. Hier haben sich aber mehrere Leute viel Mühe mit dieser Geschichte gemacht. Eigentlich ist es üblich, sich zunächst einmal mit diesen Kritiken auseinanderzusetzen und sie zu beantworten. Das kann bei zwei Geschichten gleichzeitig auch ziemlich viel werden. Es geht hier im Forum vor allem um Textarbeit. Dazu gehört übrigens auch, selber zu kommentieren, "geben und nehmen" halt. In diesem Sinne wünsche ich dir noch viel Spaß hier.:)

Liebe Grüße von Chutney
 

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