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Das Verbrechen liegt im Auge des Betrachters

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27.06.2020
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Anmerkungen zum Text
Ab wann ist eine Handlung ein Verbrechen? Gibt es Handlungen, die sich für uns wie Verbrechen anfühlen, obwohl sie es nicht sind?

Das Verbrechen liegt im Auge des Betrachters

Plötzlich riss Joseph die Augen auf. Er fand sich an einem Ort wieder, den er, wenn überhaupt, nur entfernt kannte. Schwarze Hose, schwarze Jacke, schwarze Mütze, schwarze Handschuhe. Vor ihm ein sehr alter, schwarzer Golf Variant. Die Kofferraumtür offen und drinnen lag eine lag eine gefesselte Frau, vermutlich betäubt.
Was war passiert?

Joseph konnte sich an keinen Moment der Vergangenheit mehr erinnern, es war, als finge er gerade an zu träumen, oder als wachte er gerade auf.
Die Frau kannte er. Sie war seit einem Jahr seine heimliche Liebe von der Arbeit. Niemand wusste von seinen Gefühlen, es war tabu, sie jemals auszusprechen, sie waren beide hochrangige Bankmitarbeiter und konnten sich keinen Fehltritt leisten. Er konnte sich keinen Fehltritt leisten.

Im Hintergrund wurden Polizeisirenen hörbar und immer lauter. Er musste weg. Also stieg er in den Wagen, der Zündschlüssel steckte, und fuhr hektisch los. Es war früh am Morgen, aber schon hell. Joseph fuhr zügig, allerdings nicht zu zügig, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Wohin er fuhr, wusste er nicht, er entfernte sich nur von den Sirenen.

Nach 10 Minuten schaute er in den Rückspiegel und wurde Zeuge einer halben Drehung der gefesselten Frau im Schlaf. In dieser Situation war sie noch anmutiger als sonst. Ihre Anwesenheit nahm Joseph die Angst, obwohl sie eigentlich Auslöser dieser sein sollte. Sie war mit Seilen gefesselt, hätte sich aber vermutlich losreißen können, wäre sie wach gewesen.
Warum lag sie da? Und warum flüchtete er mit ihr, anstatt sie irgendwo abzusetzen?

Fragen, die vermutlich zu komplex waren, um sie in diesem Moment zu beantworten. Stattdessen schaltete er das Radio ein. Der Moderator sprach von einem alten, schwarzen Golf Variant, der von allen Einheiten verfolgt worden wäre. Ein tiefer Schock durchfuhr Josephs Körper. Sie mussten sofort weg! Plötzlich ein Ping-Geräusch. Der Tank des Wagens war leer. Die beiden mussten also tanken. Am Ende des Dorfs, das sie gerade durchquerten, war eine Tankstelle.

Noch nie hatten die beiden so viel Zeit im selben Raum verbracht. Er hielt an der Tankstelle, tankte den Wagen und ging hinein, um zu bezahlen. Als er drinnen war, hörte er Sirenen sich nähern. Von diesem Moment an konnte er seine Reise mit seiner Geliebten nicht mehr fortsetzen.

Joseph flüchtete nach draußen auf eine Wiese. Um die Tankstelle herum 20 Polizeiwagen, verfolgt wurde er jedoch nur von einem großen, blonden Polizisten zu Fuß, der viel schneller war, als er. So geschah es, dass er Joseph einholte und zu Boden warf, obwohl dieser einen riesigen Vorsprung hatte. Am Boden angekommen, wurde Joseph geschlagen und aufs Massivste beleidigt. Er wehrte sich kein bisschen, weil der Polizist Recht hatte. Joseph hatte sich seiner Liebe nicht nähern dürfen. Aufs Übelste verprügelt und zusammengekümmert lag er da, als der Polizist von einem Kollegen angefunkt wurde. Es gab wohl neues Beweismaterial, das plötzlich aufgetaucht wäre und die beiden sollten kommen.

Gemeinsam gingen sie in den Videoraum, der auf großen Bildschirmen die Aufnahmen der Überwachungskameras zeigte. Auf einem der Bildschirme war zu sehen, wie Josephs Liebe ungefesselt aus dem Wagen stieg, in das Gebäude der Tankstelle hineinging, vermutlich, um die Toilette aufzusuchen, und sich wieder in den Kofferraum des Wagens begab. Sie habe einem der Polizisten gesagt, dass diese Entführung inszeniert, ein Spiel gewesen wäre, und sie nicht gegen ihren Willen festgehalten worden wäre.

Damit war Joseph unantastbar. Alle Polizisten außer dem großen Blonden verließen die Tankstelle wieder, Joseph und der übriggebliebene Polizist saßen noch eine Weile auf der Wiese und schwiegen, bis Joseph schließlich gefragt wurde: "War dir klar, dass das nur ein Spiel war?"
 

MRG

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Hallo @99jan99,

und herzlich Willkommen hier im Forum. Mir hat deine Geschichte leider nicht gefallen. Ich finde die Handlung nicht plausibel und bin bei einigen Stellen innerlich zusammengezuckt. Die fett markierten Sätze finde ich furchtbar, sie vermitteln mir das Gefühl, dass du mich als Leser für nicht ganz voll nimmst.

Hier einige Textstellen, die mir aufgefallen sind:


Schwarze Hose, schwarze Jacke, schwarze Mütze, schwarze Handschuhe. Vor ihm ein sehr alter, schwarzer Golf Variant.
Schwarz, schwarz, schwarz. Ich finde das vom Stil her nicht gelungen. Es wirkt repetitiv und so, als wäre dir nichts anderes eingefallen.

Die Kofferraumtür offen und drinnen lag eine lag eine gefesselte Frau, vermutlich betäubt.
Das Wort "drinnen" hat mir nicht gefallen. Außerdem finde ich die gefesselte Frau, die betäubt ist nicht besonders originell. Es gibt viele solcher Geschichten und damit so etwas für mich funktioniert, muss es eine besondere Wendung geben oder eine neue Perspektive. Das ist allerdings mein subjektiver Lesegeschmack.

Die Frau kannte er. Sie war seit einem Jahr seine heimliche Liebe von der Arbeit.
Manchmal liest sich deine Geschichte mehr wie die Planung der Handlung. Das sind Details, die mir als Autor helfen, aber als Leser finde ich es dann doch zu sehr aufgedrückt. Ich fände es hier besser, wenn ich selbst auf diese Erkenntnis kommen kann. Außerdem schreibst du hier "seine heimliche Liebe", aber später setzt sie sich dann für ihn ein, als wären sie Komplizen oder ein Liebespaar. Ich finde das absolut nicht plausibel.

Im Hintergrund wurden Polizeisirenen hörbar und immer lauter.
Ich würde das lieber aktiv statt passiv schreiben. Also als Beispiel: "Er hörte die immer lauter werdenden Polizeisirenen"

Joseph fuhr zügig, allerdings nicht zu zügig
Zweimal zügig hintereinander, gefällt mir vom Stil nicht. Lieber mehr in diese Richtung: Joseph fuhr zügig, aber übertrieb es nicht. Weißt du, wie ich es meine?

Warum lag sie da? Und warum flüchtete er mit ihr, anstatt sie irgendwo abzusetzen?
Sie mussten sofort weg!
Die fett markierten Stellen geben mir als Leser das Gefühl, dass du mir nicht zutraust deine Geschichte und die wichtigen Textpassagen zu verstehen.

Der Tank des Wagens war leer. Die beiden mussten also tanken.
Hier wieder das gleiche Tank, tanken und später kommt dann noch Tankstelle.

Als er drinnen war,
Finde das Wort "drinnen" nicht gelungen.

Er wehrte sich kein bisschen, weil der Polizist Recht hatte. Joseph hatte sich seiner Liebe nicht nähern dürfen. Aufs Übelste verprügelt und zusammengekümmert lag er da, als der Polizist von einem Kollegen angefunkt wurde.
Ich finde das hier auch nicht plausibel. Ein Polizist, der ihn aufs Übelste verprügelt und er wehrt sich nicht? Ich weiß ja nicht.

Sie habe einem der Polizisten gesagt, dass diese Entführung inszeniert, ein Spiel gewesen wäre, und sie nicht gegen ihren Willen festgehalten worden wäre.
Diese Auflösung hat mich nicht überzeugt. Es wirkt so künstlich und von der Logik ergibt es für mich auch keinen Sinn. Eine heimliche Geliebte wird entführt, er lässt sich verprügeln, weil er schuldig ist und dann ist das doch alles nur ein Spiel?


Insgesamt konnte mich deine Geschichte nicht überzeugen. Ich finde es allerdings immer mutig, die eigenen Texte hochzuladen und sie einer Kritik preis zu geben. Bleib weiter dran und ich bin auf deine Überarbeitung gespannt.


Beste Grüße,
MRG
 

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