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Der digitale Mensch

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01.05.2007
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Der digitale Mensch

Der Enttäuschungsschrei, den Niana ausstieß, war sehr laut und herzzerreißend. Die darauffolgenden beiden Whats-App-Nachrichten gaben meinem Leben eine niederschmetternde Wendung für alle Ewigkeit.

„Du wirst für immer dort bleiben müssen, wo du bist.“
Schon diese Textzeilen trafen mich wie der Schlag. Und keine Angst. Ich werde euch ziemlich bald erklären, wo ich bin. Als ich nach gefühlten 5 Minuten die Zeilen lesen musste
„Ich kann unsere Beziehung unter diesen Umständen nicht weiterführen“, wollte ich mich spontan vor einen Zug werfen.
Doch das kann ich nicht und werde es niemals können. Entschuldigt, dass ich mich bisher nicht vorgestellt habe: Mein Name ist Leon Meise und ich bin ein digitaler Mensch.

„Ich gebe zu. Ich surfe auch viel zu viel im Internet“, schreiben mir die meisten Leute auf Facebook zurück, wenn ich ihnen schreibe, ein digitaler Mensch zu sein. Und schon merke ich, dass sie nicht im Ansatz verstanden haben, was ich meine.
Um den Begriff zu verdeutlichen, habe ich zwar nur ein schlechtes Beispiel parat, aber ich denke mir dann immer: Besser als gar keines „Was ist eine digitale Steuererklärung? Ist das etwa eine Steuererklärung, die zu viel im Internet surft? Nein, oder? Eine digitale Steuererklärung ist eine Steuererklärung, die materiell überhaupt nicht existiert und nur aus virtuellen Daten besteht. Und so bin ich eben auch. Nur als Mensch. Ich bin ein digitaler Mensch.“

Und wo ich bin? Diese Frage ist genauso schwer zu beantworten wie die Fragen „Wo ist Facebook? Wo ist Youtube? Wo ist die Webseite, die du jetzt gerade in diesem Moment liest.“ Vielleicht ist ein Teil von mir in Schweden, ein anderer Teil in Kanada – als Datenvolumen auf irgendwelchen Servern. Die stehen ja meist in den nördlichen Ländern. Und natürlich ist dort nur mein Geist – einen Körper habe ich nicht.

Ich hatte mal einen, doch das ist lange her. 2025 hatte ich ihn einfrieren lassen. Die Idee, menschliche Körper einzufrieren, um sie dann zu einer Zeit wieder auftauen zu lassen, in der Menschen unsterblich sein können, gab es schon seit den 90er Jahren des 20. Jh. Doch erst 2020 wurde die Idee real, zusammen mit einer anderen Erfindung – eben jenem digitalen Menschen. Zu einem solchen wurde man durch die Kopie aller synaptischen Verknüpfungen eines Gehirnes in einen virtuellen Raum. Es ist eine Zwischenlösung für alle, die ihren Körper eingefroren hatten und nun auf den medizinischen Fortschritt warteten, um ihn für alle Ewigkeit zurück zu erhalten.

Das Leben als digitaler Mensch war anfangs gar nicht so schlecht, wie man es sich vorstellen hätte müssen. Man hatte zwar keine Augen und Ohren, aber die brauchte man auch nicht, um jpg, mp3 oder Nachrichten zu entschlüsseln. Mit meinen Freunden blieb ich über Facebook und Whatsapp in Kontakt. Mit Webcams konnte ich sie sogar sehen. Nur bei Pokemon-Go musste ich passen. Mich interessierte, was in der Welt los war und konsumierte nahezu jede mir zur Verfügung stehende Nachrichten- und Politikseite. Ich veröffentlichte bei den Wortkriegern die Geschichten mit den besten Kommentaren, postete von allen Usern die meisten Premium-Lachse bei lachjetzt.de. Und mein größtes Hobby war mein Youtube-Kanal. Die Möglichkeiten, Videos zu erstellen, ohne sich selber vor die Kamera zu stellen, waren ja vielfältig.

Mit meinen Youtube-Videos verdiente ich Geld und deshalb hatte ich sogar ein Bankkonto. Natürlich konnte ich kein Geld abheben, aber ich konnte von meinem Konto abbuchen lassen - fürs Online-Shopping. Auch das ging. Es war klar, dass mich vor allem Downloadprodukte interessierten, aber auch Webflix und Sputifu bezahlte ich regelmäßig, denn ich wollte mitreden bei Musik und Filmen. Und im Jahre 2030 kaufte ich mir einen virtuellen Avatar, der auf einem beliebigen Monitor aussah wie mein ehemaliger Körper, und ich kaufte mir außerdem eine künstliche Stimme. Damit konnten mich bei Skype die Leute sogar sehen und hören.

Mehr als 20 Jahre war ich glücklich so. In der Zeit, als meine Freunde anfingen, von beginnendem Rheuma und hohem Blutdruck zu erzählen, war ich richtig froh, keinen Körper zu haben. Neue Freunde, die meine Interessen teilten , hatte ich längst gefunden. Im Jahre 2050 war es überhaupt kein Problem, Leute schon jahrelang zu kennen, ohne je erzählt zu haben, dass man auf eine gewisse Art und Weise gar nicht existierte. Alle diese Freunde waren natürlich viel jünger als ich. Dass es noch andere digitale Menschen gäbe, hatte ich zwar mal gehört. Ich hatte aber nie einen kennengelernt. Doch warum auch? Das, was in der realen Welt passierte, bekam ich am besten über reale Menschen mit.

Doch klar gab es auch etwas, was mir fehlte. Denn einige Sachen konnte man ja nun wirklich nur machen, wenn man körperlich ist. Doch da ich die Zeit als digitaler Mensch sowieso nur als eine Zwischenstation sah, machte ich mir keine Sorgen und blickte nach vorne.
„Wenn die Unsterblichkeit erfunden worden ist und ich wieder einen Körper habe, habe ich bis in alle Ewigkeit Zeit, mir eine Frau zu suchen, mit der ich dann bis in alle Ewigkeit zusammenbleiben kann.“, sagte ich mir. Doch eigentlich immer kommen die Dinge ja anders, als man denkt und insbesondere einen Parameter gibt es, der im Leben nicht kalkulierbar ist: Die Liebe.

Die 60er Jahre des 21. Jahrhunderts waren inzwischen schon fast vorbei. Immer noch, und das war meines Erachtens gar nicht so selbstverständlich, lernten sich die Leute über Dating-Apps kennen. Ich meldete mich auch an, einfach um das Flirten nicht zu verlernen. Durch spezielle Software konnte ich Bilder meines Avatars vor dem Hintergrund nicht nur aller Ecken der realen Welt kreieren, sondern auch aus allen der virtuellen. Und mit meinen zugeschnittenen, optimierten Fotos klappte die Kontaktaufnahme prima. In den seltenen Fällen, wo die Frau es war, die nach einem persönlichen Treffen fragte, schaffte ich es dann schon, mich da irgendwie herauszuwinden.

Doch die Tatsache, dass ich mich auch im Chat verlieben konnte, hatte ich unterschätzt. Niana war im Jahre 2045 geboren, 50 Jahre nach mir. Die Bilder von ihr waren der Hammer. Und ihre Lebensgeschichte glich auch der der ersten 22 Jahren meines Lebens. Auch sie wollte unsterblich sein, hatte auch überlegt, sich einfrieren zu lassen. Allein das war eine Eigenschaft, die verband. Und das Beste: Niana liebte mich auch, und zwar so wie ich war: körperlos. Fürs Erste zumindest.

Wir skypten nächtelang. Mit Rotwein prosteten wir uns zu und immer, wenn mein Avatar sich sein imaginäres Glas Bordeaux in seinen ebenfalls nicht existierenden Rachen goß, dann hatte ich das Gefühl, tatsächlich etwas angesäuselt zu werden.
Wir waren zwei Jahre sehr glücklich - solange, bis wir alle WhatsApp-Smileys uns mindestens schon 50 mal zugesandt hatten. Doch irgendwann träumte Niana davon, mit mir in Urlaub zu fliegen, mich in den Händen zu halten und mich zu küssen. Und das schlimmste war: sie konnte es nicht mehr erwarten.

Es war bisher unser Plan gewesen, dass auch Niana sich einfrieren ließe und wir beide uns solange in der virtuelle Welt aufhalten, bis der medizinische Fortschritt weit genug für die Unsterblichkeit wäre. Doch Niana gab sich irgendwann mit diesem Plan nicht mehr zufrieden. Einmal zweifelte sie sogar daran, dass diese Zeit je kommen würde. Für mich ein harter Schlag.

„Was stellst du dir sonst vor?“, fragte ich schließlich.
Und sie entgegnete: „Lass dich materialisieren. Nimm Kontakt auf zu der Firma, die dich einfrieren lassen hat und hol dir deinen Körper zurück - schon jetzt. Warte nicht auf etwas, das vielleicht nie kommen wird!“
Lange sträubte ich mich. Nianas Idee hätte meinen ganzen Lebensplan durcheinander geworfen, der immer noch die Unsterblichkeit vorsah.

Doch dann kam dieser eine Abend, der 20.08.2069. Wir sahen „Herr der Ringe“ – sie auf ihrem Großbildfernseher und ich virtuell –ich gebe zu, es ist für einen realen Menschen schwer vorzustellen, wie man als digitaler Mensch einen Film sieht, aber ich kann euch sagen, dass es geht. Auf ihrem Laptop war ich in Form meines Avatars bei ihr.
Aragorn und die Elbin Arwen standen auf einer Brücke in Bruchtal, in Hintergrund die Schlucht, und sie schauten sich in die Augen- beide genauso verliebt wie auch wir es waren.

„Ich würde lieber ein einzelnes Leben mit dir verbringen als eine Ewigkeit alleine.“, raunte Arwen Aragorn zu und bot ihm damit an, ihr Leben als Elbin aufzugeben und ein sterblicher Mensch zu werden.
Ich verfolgte die Szene noch bis zum Kuss, doch dann konnte ich mich nicht mehr konzentrieren, weil mir nach heulen zumute war und ich genau wusste, dass ich jetzt eine Entscheidung getroffen hatte. Am nächsten Tag rief ich Niana über Skype an und wiederholte die Worte der Elbenfrau. Und auch Niana musste heulen, ganz überwältigt von der Vorfreude darauf, bald meinen Körper in den Händen halten zu können. Wir versprachen uns das ganz große Glück.

Keiner von uns beiden hätte gedacht, wieviel Aufwand nun folgte. Als allererstes Problem stellte sich heraus, dass die Firma, die damals meinen Körper eingefroren hatte, weder telefonisch, noch per Mail, noch postalisch zu erreichen war. Ich bat Niana, von San Francisco nach Hamburg zu fliegen, um die Firma zu besuchen. Dass sie es tat, war eine Selbstverständlichkeit. Sie erhielt jedoch erst im Oktober Urlaub. Gott sei Dank bekam sie einen günstigen Flug und ein günstiges Hotel. Am Tag nach der Ankunft stellte sie fest, dass eine andere Firma inzwischen in dem Bürö ihren Tätigkeiten nachging. Sie fragte nach dem Verbleib der „Everness company“. Und sie bekam die Antwort, es gäbe sie nicht mehr. Es befände sich aber noch ein Kühlraum im Gebäude, den die Firma Hincock, die nun die Räume gemietet hatte, nicht mit mieten konnte. Und in diesem Kühlraum befänden sich noch alle eingefrorenen Körper der Everness Company. Und es gäbe nur einen einzigen Mitarbeiter, der da genaues weiß. Es gab da wohl irgendeinen komischen Deal.

Ich träume immer noch davon, Niana in den Arm zu nehmen und zu küssen dafür, was sie in den darauffolgenden Tagen alles geleistet hatte – für ein Ziel, das letzten Endes dann doch nicht realisierbar gewesen ist. Sie hatte mir alle ihre Erlebnisse genau beschrieben, denn wir hatten nach diesen Ereignissen immer noch Kontakt, wenn auch nur auf Freundschaftsbasis.
Niana nervte solange, bis derjenige Mitarbeiter erschien. Er stellte sich mit dem Namen „Meyer“ vor. Ganz genaues wusste er auch nicht.
„Kann man an die eingefrorenen Körper ran?“, fragte sie Herrn Meyer.
„Zur Zeit gerade nicht“, erklärte dieser.
Es sei wohl immer noch geplant, die eingefrorenen Körper irgendwann wiederzubeleben, aber mit welcher Technik und wer das machen würde, das wüsste er nicht. Das sei ja auch gar nicht interessant, da es die notwendige Medizin für die Unsterblichkeit sowieso noch nicht gäbe.
„Und ob das interessant wäre“, fluchte Niana innerlich, Sie hätte Herrn Meyer fast zusammengeschrien, wusste aber genau, dass ihr Frust bei ihm an der falschen Adresse war.

Alle Aussagen, egal von wem, erschienen ihr vage. Schon durch ihre stetigen Berichterstattungen bekam ich Angst um meinen Körper.
„Können Sie mir das Labor trotzdem zeigen?“ Niana bequatschte Herrn Meyer solange, bis er das tat, was selbstverständlich streng verboten war. Er führte sie bis zu dem Schrank, in welchem mein Körper lag. Der Raum glich einer Leichenschauhalle. Niana blickte auf eine große Wand voller Schubladen. „Das war es. Weiter kann ich nicht“. Herr Meyer machte ihr klar, dass er keinen Schlüssel für die einzelnen Schubladen hatte.“
„Das ist okay. Das reicht mir“, erklärte Niana. Herr Meyer, versuchte noch, sie in Small-Talk zu verwickeln, was Niana aber ablehnte.

Als sie rausging, bedankte sie sich bei ihm, lief dann aufs Auto zu. Sie hatte sich alles ganz genau gemerkt. Zugangstüren, Lichtschranken, Abstände. Sie war in dem Moment froh gewesen, ein fotographisches Gedächtnis zu haben. Die nächsten Stunden war sie mit ihrem Smartphone beschäftigt. Der Empfänger ihrer Nachrichten war ich. Und Gott sei Dank fanden wir zusammen einen Plan. Doch nur fürs Erste war ich froh.

Nach 40 Jahren im Netz hatte ich eine ganze Menge Leute kennengelernt - auch viele, die ich problemlos ins Vertrauen ziehen konnte. Dass sich darunter auch eine Bande Einbrecher befand, war ein günstiger Zufall.
„Lass uns den Körper holen und dann sehen wir weiter.“, schrieb ich Niana, „auftauen, beleben, und vor allem die cerebralen Hirnstruktur dem Gedächtnis meines nun 40 Jahre alten Internet-Ichs anpassen“, das wäre heutzutage in den modernen Krankenhäusern kein Problem mehr. Der Körper müsse nur erstmal aus dem Gebäude heraus.

Ich möchte nur noch mal erwähnen, dass die Übertragung meines Internetgedächtnisses ein wichtiger Punkt war, denn hätte man den Körper so aufgetaut, wie er gewesen war, dann hätte ich ja ganz vergessen, dass ich Niana liebe. Ich wäre auf dem Stand von 2025.

Meine Schicksalsnacht war der 05.10.2069. Die Einbrecher erledigten ihre Arbeit professionell. Es dauerte nicht lange, bis sie, Niana Williams, vor derjenigen Schublade stand, hinter der mein Körper hätte lagern müssen. Ein letztes Mal benutzten die Männer ihre Brechstangen, die ihren Zweck erfüllten. Adrenalin stieg in Nianas Nervenbahnen hervor. Die Kälte aus den Kühlaggregaten drang ihnen allen bis in die Knochen.

Als die Männer die Schublade herauszogen und nur noch eine Plastikfolie Niana von dem Körper ihres Geliebten, der damals noch ich war, trennte, kroch ihr das Herz bis in ihre Hose. Gespannt wie ein Flitzebogen sah sie zu, wie meine Facebookfreunde die Folie von meinem Körper zogen, bzw von dem, was sie dafür hielten. Dann erhallte der Schrei und die beiden Whatsapp-Nachrichten, die mein Leben bis in alle Ewigkeit zur Hölle werden ließen, wurden abgesendet.

Niana blickte auf die übergebliebenen Reste von dem, was früher wohl mal mein Körper gewesen sein musste. Teils blickte sie auf Knochen, teils auf Haut. Alle wichtigen Organe schienen entnommen zu sein. Erst später, durch jahrelange Recherche im Internet erfuhr ich, dass die Everness-Company 2043 als Betrügerfirma aufgeflogen war. Mein Herz, meine Leber, und meine Nieren mussten wohl schon in den 20er Jahren an Organhändler verkauft worden sein, der Rest etwas später. Der Gründer hatte sich daraufhin in den letzten Winkel Südamerikas abgesetzt, zwischen denen es mit Europa auch in den 40er Jahren des 21. Jh. noch keinen Auslieferungsvertrag gab. Was mit meinem Hirn passiert ist, wusste niemand.

Wir schreiben jetzt das Jahr 2123. Ich chatte gerade mit ein paar Jugendlichen, die alle im 22.Jahrhundert geboren wurden. Wir quatschen über Mangas und Filme. Ab und zu schicken wir uns ein paar Bilder zu, die die Jugendlichen lustig fínden. Für mich ist das alles super öde, aber leider die einzige Freizeitbeschäftigung, die ich habe. Nur zu sehr träume ich davon, mal einen einzigen Baum in real zu sehen. Von Niana weiß ich, dass sie vor kurzem goldene Hochzeit gefeiert hat. Ab und an schickt sie mir mal einen Gruß und ein Bild von ihr und ihrem Mann. In all den 50 Jahren ohne sie musste ich jeden Tag an sie denken. Und diese Gedanken zerreißen mich jeden Tag aufs Neue.

Ich weiß nicht, wie das Leben weitergeht. Vor allem weiß ich nicht, was es noch Neues für mich zu entdecken gibt. Ich weiß nicht einmal genau, ob ich irgendwann sterbe.
 
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09.12.2015
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Moin Charismo,

also die Idee eines digitalen Menschen finde ich wirklich gut, gespickt mit vielen Details, die nachvollziehbar sind. Vielleicht wird es so etwas ja wirklich mal in der Realität geben, auch wenn mich dieser Gedanke etwas verängstigt. Manchmal ist es ein schöner Kniff, schon im Vorhinein zu erzählen wie es ausgeht, was du ja in den ersten Absätzen tust. Hier fände ich es aber schöner das nicht zu tun, denn so würde man noch viel mehr mitfiebern, wenn Niana den Körper des Ich-Erzählers aus der Kühlbox holt.
Da sind ein paar wirklich gute Ideen drin, beispielsweise ewiges Leben versus ein paar Jahre mit der großen Liebe (wie im Herr der Ringe). Am Ende heißt es aber: ich weiß nicht mal genau, ob ich irgendwann sterbe. Hier würde ich noch klarstellen, dass er seine Meinung geändert hat und ihm nichts mehr an einem ewigen Leben liegt (oder er wollte nur das ewige Leben mit einem Körper und nicht als digitaler Mensch?). In dieser Geschichte erzählt der Ich-Erzähler ständig und erklärt etwas, was mich ein bisschen gestört hat. Ich weiß nicht warum, aber nach einer Weile nervte mich die Erzähler-Stimme ein wenig. Vielleicht könntest du ja eine unmittelbare Handlung beschreiben, wo der digitale Mensch und Niana miteinandert skypen und sich dann über vieles was du hier so schön erzählst, einen Dialog halten.

Soweit von mir. Und ein Kompliment noch einmal für die ganzen Details in deiner KG aus der Zukunft, die für mich recht plausibel klingen. Und sogar der aktuelle Hype um Pokemon-Go ist drin ;)

Lg, chico
 
Beitritt
15.10.2015
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Hallo Charismo,

ganz so angetan wie Chico1989 bin ich nicht. Klar, die Idee ist super, die Tücken des ewigen Lebens im Allgemeinen und der digitalen Existenz im Besonderen. Daraus hätte man einiges machen können. Aber da muss ich leider im Konjunktiv bleiben.

Zum einen fand ich dein Zukunftsszenario nicht ganz plausibel. Die Grundprämisse mit der digitalen Existenz nehme ich einfach mal hin (suspension of disbelief), aber die Details stimmen für mich nicht. Bild- und Stimmenavatare z.B. sind ja nach heutiger Technologie schon kein großes Ding mehr, und Leon braucht bis 2030, um sich das zulegen zu können? Die "spezielle Software", mit der er seinen Avatar dann in der Weltgeschichte umhergondeln lässt, ist m.E. auch nichts wirklich Spezielles, sondern handelsübliche Bildbearbeitung. Und bei der intensiven Suche nach der Firma Everness keine Webseite, Telefonnummer oder Adresse zu finden, gleichzeitig aber auch den Bankrott und die Betrugsvorwürfe zu übersehen, ist auch nicht plausibel. Gibt es im Jahr 2069 keine vernünftigen Suchmaschinen mehr, von verbesserten ganz zu schweigen?

Vom Plot her ist mir neben diversen Kleinigkeiten vor allem die Krankheit deines Erzählers schleierhaft: Er ist so schwer krank, dass er sich einfrieren lassen muss; also steht er wohl schon kurz vor dem Tod, sonst würde man ja eher noch eine Zeitlang auf Heilung warten. Und die Krankheit ist auch 44 Jahre später noch unheilbar. Aber das Einfrieren selbst, das Wiederauftauen und die Rückübertragung der Persönlichkeit sind - auch hinsichtlich seines Zustands - kein Problem? Und die kranken Organe taugen sogar noch zum Spenden? Ich hoffe, in dieser Zukunft gibt es ein Stirnrunzel-Smiley.

Stilistisch ist dein Text sehr wechselhaft. Manchmal verwendest du reale Markennamen (Skype, Facebook, Whatsapp), dann wieder Verballhornungen (Webflix, Sputifu). Soll das eine Vorhersage zur Überlebenswahrscheinlichkeit der entsprechenden Firmen sein oder reiner Zufall? Du schreibst eigentlich aus Sicht von Leon, dann aber lässt du wieder seine Freundin Dinge erleben, die sie ihm hinterher offenbar so lebhaft erzählt hat, dass er sie schildern kann, als wäre er dabei gewesen, und sogar eine Art von Spannung entstehen soll. Die du aber nach Kräften zu zerstören versuchst, indem du das Ende vorher schon verrätst. Das hatte Chico schon als Kritikpunkt genannt, und genauso wie ihm geht auch mir die Erzählerstimme nach einiger Zeit latent auf den Keks. Leider kann ich dir nicht genau sagen, woran das liegt; ich vermute, es ist die etwas gezwungene Lockerheit, die sich dann aber doch wieder irgendwie bierernst nimmt. Wie gesagt, ich kann's nicht ganz auf den Punkt bringen.

Und dann sind da eine Menge Fehler, die einfach abtörnend wirken. Das fängt bei ganz normalen Tippfehlern an und hört beim Namen der Freundin auf: Heißt die nun Niana oder Liana, das geht munter hin und her.
Aragorn und die Elbin Arwen standen auf einer Brücke in Bruchsal, in Hintergrund die Schlucht, und sie schauten sich in die Augen
Elben im Kraichgau? Jemand muss dem eingefrorenen Winfried Kretschmann Bescheid sagen!

Alles in allem kommt mir das leider ziemlich lieblos vor, so als hättest du das nach der Eingebung mit der Grundidee schnell runtergeschrieben, ohne lange drüber nachzudenken. Das soll keine Unterstellung sein, es ist einfach der Eindruck, den der Text vermittelt. Schade um die schöne Idee. :(

Grüße vom Holg ...

PS: Einen Pfadfinderpunkt bekommst du allerdings für die Erwähnung des Pokemon-Go-Hypes, der mir gerade ziemlich auf den Wecker geht. Dabei "leider" nicht mitmachen zu können, scheint mir der einzige Vorteil dieses digitalen Lebens zu sein ... :D
 
Senior
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18.08.2002
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Hallo Charismo,

der Text kann sich handwerklich durchaus sehen lassen. Sicher gibt es ein paar Schnitzer hier und da – dass der Ort in Mittelerde nicht Bruchsal heißt (wie ein Ort im realen Baden-Württemberg), sondern Bruchtal, ist einer –, aber im Wesentlichen lässt sich die Chose flüssig lesen.

Die Art deiner Zukunftsgestaltung lässt aber einiges zu kritisieren übrig. Sie ist meiner Meinung nach höchst naiv, gedanken- und phantasielos, ja langweilig. Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass es eines Tages "digitale Menschen" geben könnte. Aber ich halte es für nahezu ausgeschlossen, dass es in zehn, zwanzig Jahren oder so noch Wortkrieger gibt (wenn doch, umso schöner ;)), Facebook, Whatsapp, Skype und andere werden bestimmt auch nicht in der Form existieren, wie wir sie heute kennen. Die Buchseitenmetapher überhaupt, die heute noch die Navigation im Internet beherrscht, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Agenten, Bots, kleine Software-Programme übernehmen das Ruder und treten dank Spracherkennung mit uns über eine Chatschnittstelle in Kontakt. Und nein, "Pokemon Go" ist auch nicht so besonders, dass dein Protagonist sich daran noch in zehn Jahren erinnern wird, es ist – wie schon gesagt wurde – ein Hype, ergo kurzlebig. Warum nicht Second Life oder so? 4 von 5 Leuten, die diese Kritik lesen, werden jetzt eine Stippvisite nach Wikipedia unternehmen, behaupte ich mal, und das recherchieren. Second Life war, finde ich, ebenfalls gehypt bis an die Schmerzgrenze, aber ein um einiges ambitionierteres Projekt, und das wage ich zu sagen, obwohl ich nie einen Fuß dareinsetzte.
Deiner Geschichte kann ich zugute halten, dass sie mich zu eigenen Spekulationen darüber inspiriert.

Plausibel finde ich es nicht. Daher lässt mich die Geschichte leider recht unbefriedigt zurück.


Viele Grüße
-- floritiv
 
Mitglied
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15.06.2016
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Hallo Charismo,

also dass die Erzählstimme mich genervt hätte, kann ich jetzt nicht behaupten. Und auch wenn der Anfang schon vieles verrät, zumindest bringt er mich direkt ins Zentrum des Problems. Wenn du den Enttäuschungsschrei beibehalten kannst, aber ohne den Grund für die Enttäuschung zu deutlich zu machen, wäre das schon ein sehr gelungener Einstieg.

Was mich am ehesten gestört hat, war, wie floritiv schon anmerkte, die sehr eindimensionale Zukunftsvision. Das kreuzt sich einfach mit meinem Pessismus, ich kann einfach nicht glauben, dass in 110 Jahren alles so ist wie heute, nur mit besserem Internet. Keine Folgen der globalen Erwärmung, kein Zusammenbruch der Zivilisation, kein dritter Weltkrieg? Es geht einfach immer so weiter? Finde ich naiv, sorry.

Aber sonst finde ich die Idee ganz packend und die Umsetzung gar nicht so schlecht. Gut, dass Niana/Liana (entscheide dich bitte!) ihm die Geschehnisse beim Körperklau im nachhinein trotz Trennung dann anschaulich geschildert haben soll, ist arg konstruiert. Da hätte ich es plausibler gefunden, sie hätte das alles per Webcam gefilmt und er sich in Echtzeit mitangesehen.

Habe mich gut unterhalten.

Viele Grüße
Ella Fitz
 
Senior
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11.07.2008
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Hallo Charismo,

das ist eine nette, unterhaltsame Geschichte. Du hast einen guten, flüssigen Sprach- und Schreibstil und kannst die Figuren und die Handlung anschaulich beschreiben. Insgesamt hat mir die Geschichte ganz gut gefallen - hat mich ein bisschen an Isaac Asimov erinnert.

Ich würde mich in Bezug auf die insgesamt nur wenig von heute unterscheidende Zukunft den anderen Kommentatoren anschließen. Ich hatte beim Lesen nicht den Eindruck, mir die Welt des 22.Jahrhunderts anzusehen, sondern tatsächlich eher 2018 oder 2019. Die futuristischen Komponenten deiner Zukunftsgeschichte waren da sehr subtil und hintergründig, wenn man von Cryomedizin und dem Internet mal absieht. Das ist allerdings nicht so tragisch oder dramatisch.

Was mich vielleicht am meisten "gestört" hat, wenn man das so nennen will, das ist die stellenweise ein wenig langatmige Erzählung, mit der du die Handlung an einigen Stellen (unnötig) in die Länge ziehst. Da würde ich ein wenig kürzen. Aber wie gesagt, insgesamt ist es dennoch eine unterhaltsame Geschichte.

Viele Grüße vom EISENMANN
 
Mitglied
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01.05.2007
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Hallo zusammen,

zunächst mal freue ich mich über so viele Antworten.

Leons Freundin heißt jetzt Niana und der Ort Bruchtal. Das war leicht zu erledigen.

Zu einer Überarbeitung im Größeren Stile werde ich wohl später erst kommen. Eines weiß ich aber. Mir zusätzlich zum Haupterzählstrang zu überlegen, welche Kriege stattgefunden haben, welche Erfindungen es noch gäbe und was an die Stelle von Facebook, Youtube und Co getreten sein könnte, wäre mir zu anstrengend und würde den Plot glaube ich überstrapazieren. Da ich eure Kritik aber dennoch erst nehme, würde ich überlegen, ob es machbar ist, das Ganze in der näheren Zukunft spielen zu lassen- vielleicht über einen Zeitrahmen von maximal 5 Jahren, bis 2021 also. Da wird es sicher auch noch die Wortkrieger geben.
The Incredible Holg:

Von einer Krankheit war nie die Rede. Leon war kerngesund. Er hatte bloß Angst vor dem Tod. Dass es in den 90er Jahren Leute gab, die planten, sich einfrieren zu lassen, bis es die Möglichkeit gab, die Sterblichkeit zu überwinden, habe ich mir auch nicht ausgedacht. Diese Leute gab es tatsächlich, wenngleich sie auch damals schon belächelt wurden.

Beste Grüße

Charismo
 
Beitritt
15.10.2015
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Hallo noch mal, Charismo!

Von einer Krankheit war nie die Rede. Leon war kerngesund. Er hatte bloß Angst vor dem Tod.
Okay, danke für die Klarstellung. Plausibler wird die Story damit aber für mich nicht gerade.

Leon scheint noch relativ jung zu sein und ist, wie du sagst, kerngesund. Um sich in so einer Lage einfrieren zu lassen, braucht es m.E. mindestens eine von zwei Voraussetzungen:
(i) eine ziemlich pathologische Angst vor dem Tod oder umgekehrt eine gewisse Lebens-Müdigkeit in Bezug auf die "normale" physische Existenz, also letztlich eine massive psychische Störung
und/oder
(ii) eine sehr reale Aussicht, dass das Ziel des Ganzen - späteres Auftauen und physische Unsterblichkeit - auch tatsächlich erreicht wird.

Anders gesagt: Man lässt sich ja nicht in der Blüte seiner Jahre mal eben aus einer Laune heraus einfrieren in der vagen Hoffnung, dass mal irgendwann irgendwer irgendwie die Unsterblichkeit erfindet. Dafür steht einfach zu viel auf dem Spiel. Wenn irgendwelche Spinner so was in den Neunzigern schon mal angedacht haben, macht es das nicht besser. Dann fehlt immer noch eine klare Aussage, dass entweder Leon auch so ein Spinner ist oder dass das 2020 keine Spinnerei mehr ist. Alles, was du in dieser Hinsicht sagst, ist, dass das Einfrieren dann technisch möglich ist.

Kurz zusammengefasst: Das ist sehr erklärungsbedürftig.

Grüße vom Holg ...
 
Senior
Beitritt
12.04.2007
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Mein Name ist Leon Meise und ich bin ein digitaler Mensch.

Interessanter Ansatz -

Charismo,

und damit erst einmal herzlich willkommen hierorts -

dass jemand sich mit einer Steuerklärung gleichsetzt. Besser als "Hase", und ich weiß von nix. Auf jeden Fall werd ich ab März nächsten Jahres mal drüber nachdenken, wie sehr ich in angewandter Mathematik aufgehen kann mittels eines Programmes, dass sich wie ein Rabenvogel nennt, der diebisch stigmatisiert ist.
Und natürlich ist dort nur mein Geist – einen Körper habe ich nicht.
Trifft doppelt auf ELSTER zu, weder Körper noch Geist, geschweige Seele – kann auch gar nicht anders sein: Der Geist/die Seele verhält sich zum Körper wie die Zeit zum Raum.

Aber denk mal nach über Mumifizierung und als Bo-frostprodukt wieder aufzuerstehen. Ich geh mal weiter als The Incredible Holg: Es gelingt ja selbst in Deiner Geschichte nicht. Überhaupt werden diese armen Kreaturen sich nicht mal wundern, dass sie nicht aufgeweckt werden. Sie waren schon vorher nicht aufgeweckt genug.

Das ewige Leben ist religiöse Fiktion, die Last des irdischen Lebens an einem fernen Ort abzulegen - und sei's Paradies oder -das!

Einige wenige Superreiche denken darüber nach. Sie wollen zugleich auf schwimmenden Städten leben außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone, um weder mit ELSTER noch sonstwelchen Steuern zu tun zu haben, geschweige dem Staat überhaupt, also uns allen. Die Typen werden sich dort zu Prothesengöttern aufblähen und das Konservativste werden, was man sich vorstellen kann: Eine vergreiste Gesellschaft, die immer nur näherungsweise an der Ewigkeit kratzt, wie „unendlich“ sich auch als Fiktion herausstellt, wenn man eins abzieht oder eins hinzu gibt. Womit wir beim Trivialen stranden

Und keine Angst. Ich werde euch ziemlich bald erklären, wo ich bin. Als ich nach gefühlten 5 Minuten die Zeilen lesen musste
Zahlen bis zwölf werden üblicherweise ausgeschrieben (selbstverständlich darf jede Zahl ausgeschrieben werden, aber zwölf war – keineswegs in der Steinzeit – ein eigenes Zahlensystem wie das dekadische, mit dem auch erst die Null in die Welt kam.)

„Ich würde lieber ein einzelnes Leben mit dir verbringen als eine Ewigkeit alleine.“, raunte …
(Punkt weg am Ende der wörtl. Rede, wenn der übergeordnete Satz weitergeht; nicht jedoch bei Frage und Ausruf ...)
Keiner von uns beiden hätte gedacht, wie[...]viel Aufwand nun folgte.
Wie viel i. d. R. auseinander!

Schöne Schöpfüng
inzwischen in dem Bürö

Und es gäbe nur einen einzigen Mitarbeiter, der da genaues weiß. Es gab da wohl irgendeinen komischen Deal.
(Warum wandelt sich der Konjunktiv sehr ungenau mit dem Genauen in den Indikativ?

„Das war es. Weiter kann ich nicht“. Herr Meyer …
Hier ist der Punkt nun einzufangen und vor die auslaufenden Gänsefüßchen zu platzieren.

„Das ist okay. Das reicht mir“, erklärte Niana. Herr Meyer, versuchte noch, sie in Small-Talk zu verwickeln, was Niana aber ablehnte.
Warum wird das Prädikat (versuchen) von Kommas umzingelt? Eines kannstu hier anlegen
später, durch jahrelange Recherche im Internet[,] erfuhr ich, dass die ...
... schickt sie mir mal einen Gruß und ein Bild von ihr und ihrem Mann. [/QUOTE]Reflexivpronomen „von sich und ihrem Mann“!
Ich weiß nicht, wie das Leben weitergeht. Vor allem weiß ich nicht, was es noch Neues für mich zu entdecken gibt. Ich weiß nicht einmal genau, ob ich irgendwann sterbe.

Doch, da bin ich mir sicher!

»Innerhalb der winzigen Elite der Milliardäre, die die Cloud-Computer betreiben, herrscht der laute, zuversichtliche Glaube, dass die Technologie sie eines Tages unsterblich machen wird. Google zum Beispiel finanziert eine große Organisation mit dem Ziel, "den Tod zu überwinden". Und es gibt viele Beispiele mehr. Ich kenne einige der Hauptbeteiligten der Anti-Tod- oder posthumanen Bewegung, die im Herzen der Silicon-Valley-Kultur sitzt …« ... »Die Arithmetik ist klar. Falls die Unsterblichkeitstechnologie, oder auch nur eine Technologie der drastischen Lebensverlängerung zu funktionieren beginnt, müsste sie entweder auf die kleinste Elite beschränkt bleiben oder wir müssten aufhören, Kinder in die Welt zu setzen, und in eine unendlich fade Gerontokratie übergehen. Dies sage ich um hervorzuheben, dass in der digitalen Technologie häufig, was radikal scheint - was auf den ersten Blick wie kreative Zerstörung wirkt -, sich in Wirklichkeit, wenn es tatsächlich umgesetzt würde, als hyperkonservativ und unendlich fade und langweilig herausstellt. Eine weitere populäre Idee ist, unser Gehirn in die virtuelle Realität "upzuloaden", damit wir für immer in einer Softwareform weiterleben könnten. Und das trotz der Tatsache, dass wir noch nicht einmal wissen, wie das Gehirn funktioniert. Wir wissen nicht, wie Ideen durch Neuronen repräsentiert werden. Wir stellen Milliarden von Dollar bereit, um das Gehirn zu simulieren, dabei kennen wir jetzt noch nicht einmal die grundlegenden Prinzipien, nach denen es funktioniert. Wir behandeln Hoffnungen und Glaube, als wären sie etablierte Wissenschaft. Wir behandeln Computer wie religiöse Objekte …«

Gruß

Friedel

Das Zitat stammt aus: Jaron Lanier Für einen neuen Humanismus. Wie wir der digitalen Entrechtung entkommen. Rede zum Empfang des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am 12. Oktober 2014 in der Frankfurter Paulskirche, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 11/2014, S. 42 ff.
 
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