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Der Gesang von Knochen

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Der Gesang von Knochen

Im Wald geschah ein Mord. Dort, weit im Norden, wo die Dunkelheit stärker war als die Sonne, dessen Licht spärlich, noch lange nicht unter die Nadeln der Bäume reichte. Dort, wo der Schnee das Blut trank. Rosenrot, wo es keine Rosen gab, weil sie zu fragil waren, zerbrechlich und blutrünstig. May's Knie sanken in hartes Schneepolster, für einen Herzschlag griffen ihre Finger wie von selbst, Marionettenhände, zu dem Körper. Es war ein Körper ohne Wärme. Der Winter entzog sie ihm fast sofort, wie verhungernde Bestien über Beute fielen: Mit gnadenloser Brutalität.
Im nächsten Augenblick rannte sie. Dazwischen? Lag finster die Schwärze.
Stolpernd über Ast und Dornenstrauch aber ohne Halt, rannte May bloß weg von dort. Dachte sie später zurück, verglich sie ihre Flucht mit Verleugnung. So rannte jemand vor dem Offensichtlichem. Ruhe zum Schein, im Glaube, alles war gut, ohne einen Anflug von Angst.
Weil alles gut wahr, solange sie bloß glaubte und vergaß.

Aber sie hatte nicht vergessen, dass tief im Wald eine Leiche schlief. Die Angst lief mit ihr davon, um ihre Füße winden, vor sich selbst fliehend. Die Energie unter der blassen Haut pulsierte wärmend doch wie zum Trotz biss die Kälte durch die Wolle ihrer Kleidung. Herzklopfen, ein Tausendfüßler über den Rücken oder ein Schauer, wurde sie bloß nervös, weil sie den Weg zurück nicht fand? War es etwa die Furcht vor den sich ineinanderschlingenden Ästen, der anbrechenden Dunkelheit? Weit im Norden, um diese Zeit, blieb es nicht lange hell. Vielleicht verschluckten die Kronen der Taiga das rennende Mädchen im Herzen des Waldes, um sie zu behalten. Als es nicht lichter wurde, vertrieb May den Anflug von Verzweiflung mit einer lächelnden Grimasse. Im Schmerz zu Lächeln, das ist meine Gabe, dachte sie.

Bald mischte sich zum Knirschen des Schnees die Melodie blasser, knackender Knochen hinzu, Ertrunkene im reinen Weiß des Winters. Das Klattern war schön, berauschend, doch hinter ihr, folgte der Tod. Das Mädchen blieb schwer keuchend stehen, fiel zitternd auf die Knie mit brennenden Lungen, die ihr das Lachen untersagten. Dabei war ihr zum Lachen zumute.

Zweige. Braunte, abgetrennte, tote Zweige, nichts weiter, knackten.

May holte Luft, rannte weiter, sie kannte den Weg mit verbundenen Augen aber gerade spielten ihre Augen ihr Streiche. Endlich, ein Lichtstrahl, als der Wald verdünnte und Platz für eine modrige Holzhütte schaffte. Es gab einen in Weiß ertrunkenen Garten und Stall, Geräteschuppen, eine metallische Streckbank, Knochensäge, Kabelbinder, traurige Schafe im Stall, traurige Vögel ausgestopft auf den Fensterbänken. Von Frost überdeckt, bewegunglos wie Eisskulpturen. Manchmal hatte er ihr Schafsherz serviert. Damit sie gesund aufwuchs oder sich daran erbrach. Er liebte das Lied ihres Leidens.


Dunkle Schatten schlichen umher, sind durch das offene Fenster gekrochen. Sie waren dunkler als das blauschwarz der Nacht, unbefleckt vom Licht des Mondes, dass die Welt ertränkte. Er hatte gesagt, wenn Wölfe stumm und die Schatten dunkler als gewöhnlich sind, sollte ich still sein und im Schutz der Hütte bleiben. Er hatte vieles gesagt, Märchen gesponnen, an die May nicht glaubte oder glauben wollte. Jetzt sind die Schattengestalten den ganzen Weg aus seinen Geschichten in ihre Träume gekrochen. Nächtliche Visionen, die eine Ekstase für die Sinne waren. In der Hütte roch es nach Blut, der Geruch führte das Mädchen nach draußen in den gefrorenen Garten mit den toten Rosensträuchern. Dornen sind alles, was bleibt. Eine grellrote Spur im Schnee, abstrakt leuchtend in der Dunkelheit. Sie dachte: Nein, nicht weiter, wenn ich weiter gehe, komme ich nicht mehr zurück.. Angst blies die Luft auf, die Lichtung schien sich vor ihren geweiteten Augen zu verzerren. Sie schmeckte die Macht, die wie Blut die Luft tränkte, feucht und warm. Etwas, dass sie nicht hatte.
May wollte einfach aufwachen, aber nichts war einfach, sie konnte es nicht und geriet in Panik, nährte die Schatten. War es denn noch ein Traum, wann ist er so tödlich geworden?
Der Tod folgte, während die Knochen sangen.
War es Mord gewesen? Kleine Hände um den Griff eines Werkzeuges mit scharfen Zähnen. Das Sägeblatt war rostig, ausgelaugt vom Alter. Die monotone Leiche, blass gefroren, weigerte sich und so dauerte es die restliche Nacht. Wie kam es, dass ihr Kopf so leer war, das pochende Herz so blank?


Ihr Motiv war das eines Kindes, dass die Schrecken seiner Fantasie verleugnet – Und nachts mit dem Licht schläft. Am Tag darauf erinnerte es sich nicht mehr, nur die Kälte blieb zurück für eine sehr lange Zeit. Sie stellte sich vor, wie ihr Körper von Frostwölfen zerbissen wurde. Ihre Kleidung und roten Haare waren benetzt von reinweißen Kristallen. Sie sah es im Spiegel zurück in der spärlich mobilierten Hütte, sah die verblassten Sommersprossen, widerspenstiges Spiegelbild. May sehnte sich nach Wärme, sah blasses Feuer in den Augen glimmern. Sehnte sich nach heilendem Wasser, etwas, dass die Bisse des Winters lindern würde, die Wunden besänftigen.. So sehr, sie sah ihr zweites, im Glas gefangenes Ich zittern. Doch sie fühlte sich wie eine Verräterin, eine heiße Dusche zu nehmen. Es würde die Haut empfindlich machen, das tapfere Herz verweichlichen und vielleicht, eine kleine Chance bestand, taub gegenüber der Realität werden lassen. Das Mädchen verbot sich den Komfort.. Eines Tages würde sie vielleicht erkennen, dass die Angst ihr Antrieb war.
Nur wie sollte sie nun das Blut rauskriegen, das die Haare so rötete?


Wenn er von der Jagd gekommen ist, einen Hasen oder Reh auf der Schulter prangend, sollte sie mit dem Kürschnern helfen. Unter dem verkrusteten Fell, der Haut, waren alle Tiere gleich. Glänzende Muskeln, roh und näher an dem, zu was sie werden sollten, darunter gelblich verfärbte Knochen, das Mädchen vergaß sogar, dass sie einst lebendig gewesen waren, alle Niedlichkeit war zerstört beim Anblick ihres Werkes. Die Haut nähte sie zu Decken, Teppiche, Kleidung - es schien so harmlos – doch eines Tages hatte er ihr ein Gewehr in die Hand gedrückt.
»Ich werde dir beibringen, dem Tod ins Auge zu sehen.«
Es war schwer zu tragen, ihre Arme versagten. Sie konnte kaum zielen, kaum aufrecht stehen, wollte es gar nicht, denn es machte ihr mehr Angst als der Mann, der es ihr überreicht hatte. Trotzdem, sie versuchte zitternd zu zielen und drückte ab – Es klickte, aber das Gewehr war nicht geladen.. Sie hatte den Tod zuvor tausende Male an den Dielen vorbeischleifen hören, doch damals sah sie seinen Schatten am Fenster huschen. Dann kreischte das Mädchen auf, ertrank in Tränen. Sie rannte die Treppen hoch, ihren Herzschlag hatten sogar die Maden im Garten gehört. Mit einem enttäuschten Seufzer hob der Mann das Gewehr vom Boden auf... Es hing seither an der Wand, wie zum stummen Spott.


Sie fror. Im Inneren des Zimmers hatte sich Frost gelegt. Eiskristalle an den Töpfen, den Wänden, den Möbeln, der Wind jaulte durch das kaputte Fenster, dessen Fragmente, scharf wie Scherben, unordentlich an den Rand gefegt worden waren. In der Senkung der Dielen gefror ein frisches Blutrinnsal – Alles fror außer der bleiche Schädel am Kaminssims. Aus einem unruhigem Schlaf erwacht und nun von tiefschwarzen, seelenlosen Augenhöhlen angestarrt, lief ein kalter Schauder über ihren Rücken. May fragte sich, seit wann der Schädel denn starte, warum er sich nicht umwandte... und bekam sogar eine Antwort.

»Was soll ich denn tun, außer vor mich hin zu starren? Jahre werden vergehen und ich nur den selben Fleck sehen, weil ich mich nicht umdrehen kann. Du erinnerst dich nicht mehr? Du weißt nicht mehr? Irgendetwas ist doch faul. Das Fenster, das kaputte da, schau es dir an!«

»Was.. weiß ich, vielleicht ist ein Tier dagegen geprallt.« murmelte das Mädchen trotzig. Als ob sie etwas dafür konnte, dass die Kreaturen des Waldes entschieden hatten, ihr Haus auseinander brechen zu lassen. Die tiefe, verzerrte Stimme fing an, ihre Nerven zu strapazieren.

»Detektivin! Genius! Gib nur nicht zu, dass etwas falsch läuft. Ich sage es dir, du hast etwas getan, dass man dir nicht vergeben wird. Er lauert dir bereits in deinen Träumen auf.«

War es jetzt das Fenster, auf dass der sprechende Schädel böse war? May warf einen der Teppiche über ihn, dieser war schwerer als sonst und tat ihren Händen weh, die überseht mit Schnitten und Scherbensplittern waren..



Kaum hatte sich May hinausgewagt, um Feuerholz zu holen, erschien der nächste Schrecken. Über den Kronen der Fichten sah die Mondspähre auf die Lichtung herab, blass wie der glisternte Schnee in dem blendenden Tageslicht. Alles schien in der Pracht eines azurblauen Winters in sich selbst zu erstrahlen. Es war zu grell für das Kind der Nacht, dass unter dem Mond wandelte, sodass May stehen blieb und die schmerzenden Augen zusammenkniff. Erst da erkante sie die vergilbten Zeichnungen. Es waren Symbole des Todes, wirr verteilt auf dem Pergament aus Schneeflocken. Das Wissen um den Ursprung dieser makaberen Geschichte brachte das kleine Herz um seinen Rhythmus...

Die Sinne geschärft von schwarzem Nebel, der ihren Kopf füllte, ihren Körper umfing und erstarren ließ, horchte sie hinaus in die Tiefen. Dort, wo der Schatten vorherrschte, das Licht sich nicht entzünden konnte, dort rauschte und grollte es in einer Stimme, die keinem lebenden Tier gehören konnte. Ein Dunst, seltsam klebrig und tintenschwarz, breitete sich aus und ließ auch die Vögel verstummen und paralysierte die vorhin noch im Wind spielenden Äste. Er verhüllte die in der Schneemasse ragenden Rippen. Der Waldboden selbst wurde zu einem See aus Dunkelheit, an dem das Tageslicht abprallte und seltsam zu flackern begann. Es war so surreal hell trotz Auftauchen des Nebels, dass der Kontrast in den Augen des Mädchens brannte, doch sie konnte den Blick nicht abwenden, als aus den Tiefen des Waldes die Kreatur ihrer Alpträume sich empor erhob.

In den dunklen Augenhöhlen eines gehörnten Wolfsschädels gähnte ein Abyss, dessen Tiefe ihre schutzlose Seele vertilgte, den letzten Rest an Verstand wegbrannte. Unten prangten stöckelartige Spinnenbeine, die quälend langsam auf sie zukamen, sie machten das Wesen erstaunlich groß, sodass es beinahe an die Spitzen der Nadelbäume reichte. Wie der Gast einer abstrakten Teeparty, setzte sich der Hüter des Waldes wolfsartig und brav vor dem unkontrolliert zitternden Mädchen, dessen Gesicht von Tränen benetzt war. Noch immer rührte sich kein Atemzug, ihre bewegungslosen Beine waren nutzlos. Sie wollte nicht rennen, nicht kreischen, nicht weinen, nicht dieses mal, was vielleicht ihre letzte Begegnung mit dem sonst so schüchternem Tod sein würde.

»Hallo« kam mühsam aus dem aufgesperrten Maul heraus, die knochenweißen, böse funkelten Fänge zeigend.

».. H..hi«

»Ich habe dich beobachtet, konnte nicht länger warten, um mich zu zeigen.« Die Stimme hallte düster in ihren Ohren wider, war seltsam verzerrt. »Keine Angst. Ich bin nicht hungrig, ha-ha.«

Da fühlte May den Kummer in sich aus allen Nähten reißen. »Weil.. du dich sattgefressen hast. Er hat mir von dir erzählt. Du.. Warum hast du ihn getötet? Holst du mich jetzt auch?« jammerte sie wie das kleine Mädchen, das sie eben war, verloren in den zeitlosen Tagen.

Und es legte witzig den Kopf schief, antwortete: »Das stimmt so nicht. Ich bin nur hier, weil du es dir gewünscht hast. Warum beschuldigst du mich des Mordes, verlorenes Mädchen?«

»Ich... was? Du hast mir immer aufgelauert, Nacht für Nacht..«

»Und darum soll ich den Menschen getötet haben, der dich aufgezogen und geliebt hat?«

»Er hat mich nicht geliebt.. und er hat mich immer für schwach gehalten.. Warum musste er denn sterben?« brachte May schluchzend hervor.

Die große Kreatur gab einen schweren Seufzer von sich. Schwermütig schüttelte es den Kopf. ob es ihrer bereits überdrussig wurde? Letztendlich sagte es: »Du hast es so gewollt. Du konntest nicht vergessen, nicht vergeben, sahst in allem eine Gefahr und nun kannst du nicht mehr weiterleben, dein Gewissen spielt dir Streiche. Höre, ich werde deinen Wahnsinn auf mich nehmen und dein gequältes Herz beruhigen. Damit ich das kann, musst du mich vervollständigen. Wie du siehst, fehlen mir einige Körperteile...«

May verstand nicht, hatte sich bei seinen Worten den Kopf gehalten, an den Haaren gerissen. Nun sah sie auf und bemerkte, der Wächter des Waldes sah tatsächlich bizarr deformiert aus, als hätte man ihn bei seiner Kreation übel verunstaltet. Die Wirbelsäule war gebrochen, einige Teile entnommen. Die Spinnenbeine schienen bloß zu ersetzen, was ihm sonst fehlte, der Schädel prangte wie eine tote Maske, um ein entstelltes Gesicht zu verbergen, festgesetzt an einem Hals, nach dem kein Brustkorb folgte. Es war, als hätte man ihm die Glieder abgesägt. Aus seinen Wunden floss die dickflüssige Masse, die von tausenden, kleinen Spinnen mit saphirgrünen, glühenden Augen zu schwarzem Nebel verwoben wurde.

May wollte sich abwenden, sie fühlte den Ekel wie ein Tausendfüßler über ihren Rücken huschen. »Okay... aber ich kann mich noch immer nicht bewegen..«

Das Monstrum senkte seinen schweren Schädelkopf, blies den Nebel weg.



Verschlungen von tiefsitzender Angst, sprang das Mädchen davon, eilte zu den in Dunkelheit ertrinkenden Türmen aus Rippen, die fiebrig glänzend aus dem Schnee ragten. Sie sammelte sie alle, warf sie provokant auf einen Haufen direkt vor das Monster. Fand Schienbeine und Knochenhände, trat versehntlich auf Splitter eines Skeletts und mit jedem Fragment davon schmerzten die Wunden ihrer Kindheit mehr, als die Erinnerungen aus tiefstem Schlummer erwachten und sich in das zerbrochene Gedächnis brannten. Sie holte den Vorrat an gefrorenem Fleisch aus dem Fass, von dem sie sich zu ernähren nicht gewagt hatte. Letztlich fehlte nurnoch eins uns sie rannte dafür in die Hütte. Der Menschenschädel summte ein trauriges Wehklagen, wohl aus Einsamkeit?, als sie ihn in den abgekühlten Lederteppich einwickelte.

»Die Knochen singen heute wieder mal. Oh, wann hören sie endlich auf?« murmelte May mit einem zynischen Lächeln. Nach einer Weile, in der sich die Zeit kein Stück bewegte, war der Thron an Gebeinen endlich vervollständigt..

Und kein Stern würde mehr für das Mädchen scheinen, dass gemordet und den Spott des Jagdgewehrs besiegt hatte. Das blasse Licht des Mondes würde sie nun nie mehr trösten können. Dafür, wusste May nun mit Gewissheit, war sie jeden Alptraum los und die scheußliche Kreatur des Todes verschwand aus den Nischen ihres Lebens. Zum Schluss hatte es ihr noch geflüstert: »Nun werden dich deine Erinnerungen nicht mehr stören.« Kaltes Blut überschwappte ihre Sinne – Etwas ist in May war nun endgültig verwelkt, im Schnee zum verwesen gelassen. Weggesperrt wie das Monster ihres Kopfes.

Einfach nur tot.
 
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Hey,

Klattern

klettern

Komfort..

Punkt zu viel

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Punkt zu viel

Gewehr vom Boden auf... Es

drei Punkte direkt im Anschluss an ein Wort, bedeuten, dass das Wort dort abbricht --> dass das Wort dort abbri...
In deinem Fall fehlt da ein Leerzeichen zwischen Wort und Punkten

Es hing seither an der Wand, wie zum stummen Spott.

Und hier zur Sprache.

Vorher noch ein paar Bemerkungen. Dein Text versucht irgendwie zwischen der verschwurbelten Sprache etwas zu erzählen. Etwas mit Figuren, ersten Ansätzen von Handlung und Szenen. Das reicht für mich gerade noch so aus, dass man das überhaupt lesen kann.
Das klingt vielleicht hart, ich halte das aber für eine realistische Einschätzung. Wenn das der aktuelle Stand deines Schreibens ist, stehst du ganz am Anfang. Und wenn das so ist, habe ich im Wesentlichen einen Tipp für dich: Gute Stories lesen, sich dort was abschauen, und nicht irgendwo bei Eichendorf und Schiller. Schau dich hier im Forum um und lies zum Beispiel mal ein paar von den empfohlenen Geschichten; dafür gibt es hier eine eigene Rubrik, die du über die Startseite findest, die aktuell empfohlene Geschichte ist »Betrüger« von Peeperkorn. Wenn du aufmerksam liest, analysierst, beobachtest, verbessert sich dein Stil mit hoher Wahrscheinlichkeit. Das zweite ist: Schreiben. Und nicht alles davon hier einstellen!!!!! und auch Geschichten anderer kommentieren (schriftliches Analysieren verbessert das eigene Schreiben auf andere Weise auch – außerdem gehört das hier dazu).

Den Stil dieser Geschichte hier empfinde ich als schwurbelig, völlig metaphernüberladen und darin extrem kitschig. Den sprechenden Schädel fand ich cool.

Da hast du richtig was vor dir. Aber du scheinst jung zu sein, also probier dich aus und versuche von erfahreneren Leuten zu lernen.

Lieben Gruß
 
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02.03.2015
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Heia @Aynaet :) !

Ich kommentiere deine Geschichte beim lesen wie es mir gerade in den Sinn kommt. Was du gebrauchen kannst, nimmst du dir dann zu Herzen. Alles andere geht dann sauber eingetütet und mit Quellenangabe an die Nachbarn (sollen die sich dann doch mit dem Müll rumschlagen)!

"Der Gesang von Knochen" ist ein wundervoller und inspirierender Titel. Er ist simpel und macht neugierig. Ich höre schon das dumpfe Geräusch, wenn zwei Knochen aufeinander schlagen. Darüber hinaus hast die passenden Tags "Horror", "Fantasy" und "Krimi" verwendet. Da geht viel! Ich bin gespannt!

Nun denn, es beginnt ...

Im Wald geschah ein Mord.
.. ganz trocken und direkt ausformuliert mit einem Mord! Gut, kann man machen.

Also was ist da passiert? Geht es um einen wundervollen, lieben Wau, getötet von einer bösen Waldelfe? Oder vielleicht um verfluchtes Eichhörnchen, das einsam an der Wurzel einer alten Eiche dem Fluch des Waldes erlag? Oder vielleicht geht es um einen aus der Unterwelt kommenden Korngreis, der willkürlich die Fabelwesen des Waldes zerhexelt? Jetzt kann es wirklich um alles gehen.

Erster Satz: 8/10 (Bestanden)

Doch dann ...

Dort, weit im Norden, wo die Dunkelheit stärker war als die Sonne, dessen Licht spärlich, noch lange nicht unter die Nadeln der Bäume reichte. Dort, wo der Schnee das Blut trank. Rosenrot, wo es keine Rosen gab, weil sie zu fragil waren, zerbrechlich und blutrünstig.
... eine schlechte Beschreibung der Szene. Und weg ist die Spannung :sad: !

So close .. so close!

Der Sprachstil ist nicht klar genug. Es geht um fantasy, ok, aber trotzdem musst du mich als Leser schon ein wenig gründlicher abholen. Das mit dem dunklen Norden kann ich als angehender Wikinger in Norwegen ja noch nachvollziehen. Aber Schnee der Blut trank :susp: ? Blutdurstiger Schnee ist eindeutig etwas besonderes in deiner Fantasiewelt und sollte besser ausformuliert werden. Übergehe sowas doch bitte nicht in einem kleinem Nebensatz. Das gleiche gilt auch für die blutrünstigen Rosen, die ich mir gerade mit einem Gesicht und Vampierzähnen vorstelle. Diese "besonderen" Dinge sollten und müssen mit viel mehr Liebe ausformuliert werden.

Einführung in die Szene / Umgebung: 2/10 (Coole Idee, schlechte Umsetzung)

Okay also weiterlesen ..

May's Knie sanken in hartes Schneepolster, für einen Herzschlag griffen ihre Finger wie von selbst, Marionettenhände, zu dem Körper.
... und wir lernen May kennen, den Protagonisten. May kniet im Schnee. Der Rest klingt ziemlich künstlich, leider.

Zeitangaben wie "für einen Herzschlag" scheinen hier an der Stelle unangebracht, finde ich. Ebenfalls die Vorstellung von "Marionettenhände" scheint schlecht gelungen. Unklar ist auch, wo sich denn die gute May da am Körper anfässt. Verdammt, jetzt komme ich hier noch auf schmutzige Gedanken.

Ersterwähnung des Protagonisten: 1/10

Schnell weiterlesen, vielleicht kommt ja noch was?

Es war ein Körper ohne Wärme. Der Winter entzog sie ihm fast sofort. wie verhungernde Bestien über Beute fielen: Mit gnadenloser Brutalität.
Und ich darf zwei wundervolle Sätze lesen, nachdem der zweite von einem Nebensatz befreit wurde. Ein Körper ohne Wärme impliziert Leblosigkeit und/oder Kaltherzigkeit. Ja, das passt in dein kaltes und trockenes Setting. Und es passt zu deinem ersten Satz.

Im nächsten Augenblick rannte sie.
Ähh .. was :confused: ??!!?!?!?!?!??
Wovor rennt May denn jetzt weg? Vor dem blutdurstigem Schnee? Oder etwa vor den blutrünstigen Rosen? Vor der Dunkelheit? Und warum sollte May das tun? Die Tat ist nicht nachvollziehbar für mich als Leser. Auch als eine zufällige, verwirrende Tat scheint mir May kein natürliches Interesse zu haben, plötzlich zu rennen, da sie ja gerade eben noch auf den Knien im Schnee war. Es passt nicht.

Erste Action: 0/10

Dazwischen? Lag finster die Schwärze
Warum eine Frage? Warum dieser unvollständige Satz? Zwischen wen oder was lag finster die Schwäze?

Stolpernd über Ast und Dornenstrauch aber ohne Halt, rannte May bloß weg von dort.
Ahja, der alte gute Ast. Ist May unkonzentriert? Oder hast du nur vergessen zu erwähnen, dass der Ast unter dem Schnee versteckt war. Sollte er zumindest sein, falls dem nicht so gedacht war. Warum sonst sollte May den Ast übersehen?

Dachte sie später zurück, verglich sie ihre Flucht mit Verleugnung.
Ach was, aber warum? Und welche Flucht? Die Flucht vor wem oder vor was?

So viele Fragen ...

So rannte jemand vor dem Offensichtlichem. Ruhe zum Schein, im Glaube, alles war gut, ohne einen Anflug von Angst.
Weil alles gut wahr, solange sie bloß glaubte und vergaß.
... und keine Antworten! Was ist das "Offensichtliche"? Der blutdurstige Schnee? Die blutrünstigen Rosen? Die Dunkelheit? Der Wald? Und Glaube an was? An das Offensichtliche? Was hat sie vergessen? Warum hatte sie keine Angst? Mensch ist das ein Chaos.

Und da war er auch schon zu Ende, dein erster Absatz. So, was wissen wir Inhaltlich?

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Es ist Winter und May kniet in einem Wald im Schnee. In diesem Wald gab es (angeblich) einen Mord. Abgesehen vom blutdurstigem Schnee, der May überhaupt nichts anhaben kann, so gibt es auch blutrünstige Rosen in diesem Wald. Plötzlich läuft, nein, rennt May los. May rennt und rennt. Dabei stolperte sie über einen Ast. Später denkt sie daran zurück und ist gläubig, völlig unklar weshalb.

Ich lese mega gute Ideen mit viel Potential. Das solltest du unbedingt ausreizen! Doch die Umsetzung ist schlecht und langweilig. Warum? Das hat etwas mit deinem Sprachstil zu tun. Formuliere doch erst einmal einfache und normale Sätze. Ausschmücken kannst du die später immer noch. Viele Dinge wirkten extrem künstlich und dann verlierst du die Leser.

Gut gelungen fand ich die Überschrift an sich (wenn sie denn passend ist) und den trockenen ersten Satz. Das vermittelt eine Art Mystik die perfekt für eine Mischung aus Krimi und Horror ausreichend ist. Viel Krimi gab es jedoch nicht in deinem ersten Absatz, Horror auch nicht. Dafür umso mehr Fantasy.

Ich bin nicht sehr geübt mit Fantasy aber dafür mit Krimi. Was sofort auffällt ist deine Szene. Die ist einfach zu ungenau eingeführt. Für eine gute Grundlage solltest du immer deine Szene bedacht und umfangreich einführen. Der dunkle Wald ist perfekt. Ein Mord ist perfekt. Kalte Körper .. mega perfekt! Blutdurstiger Schnee .. wow! Der Jackpot platzt! Genau das will ich haben im ersten Abschnitt. Der Grundsatz an sich ist also stimmig genug um etwas daraus zu machen. Aber von dem Wald bekomme ich einfach zu wenig mit. Der blutdurstige Schnee, nur in einem Nebensatz erwähnt. Das ist zu wenig. Und damit lohnt das weiterlesen nicht und ich bin raus.

Grüsse von
Tio
 
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