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Der Heimweg

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23.02.2026
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Der Heimweg

Michael und ich sitzen am Tisch. Michael ist ein enger Freund. Ich war gerade bei ihm und seiner Frau zum Abendessen eingeladen. Es gab griechische Kost. Wir sitzen am Tisch und es beginnt eine leichte philosophische Runde über das Gleichgewicht der Welt, finanzielle Gerechtigkeit, Politik und länderübergreifende Themen. Es kommt zur Debatte über Nationalstolz und Michael wirft in die Runde, dass man heutzutage nicht mehr stolz sein dürfe, deutsch zu sein, ohne dadurch in eine historische Schublade gelegt zu werden. Ich möchte dem gerade antworten, da piepst es aus dem Hintergrund:“ Ich bin stolz deutsch zu sein.“ Es war die kleine Tochter von Michael, die heimlich unserem Gespräch gelauscht hat. Ich sage daraufhin zu ihr, sie müsse es aber auch so meinen und umgehend widerruft sie ihre Aussage und sagt, sie sei doch nicht stolz.

Der Abend wird später und wir debattieren noch ein paar Runden. Ich beschließe noch das Glas Cola ohne Kohlensäure austrinken und anschließend nach Hause zu gehen. Wir verabschieden uns und ich trete den Heimweg an.

Unterwegs kommen mir die Gedanken des Gesprächs erneut in den Sinn und ich muss an die kleine Cora denken. Michael‘s Tochter und was sie gesagt hat. Ich überlege weshalb sie erst stolz gewesen ist deutsch zu sein, auf die Nachfrage, weshalb, allerdings dann doch nicht mehr stolz war. Lag es daran, dass sie sich schämte deutsch zu sein? In ihrem jungen Alter ist der gesellschaftliche Einfluss noch nicht so stark, dass es sie beeinflussen hätte könnte. Es muss also einen anderen Ursprung haben. Ich überlege weiter und beantworte meine Frage damit, dass sie womöglich auch einfach noch gar nicht weiss, was es heisst deutsch zu sein. Oder worauf sie stolz sein könnte. Dann stelle ich mir dieselbe Frage. Was ist deutsch sein für mich? Bin ich schon deutsch, wenn ich die geschichtlichen Eckdaten unserer Vergangenheit aufzählen kann? Ich hoffe nicht, denn dann würde ich sehr alt aussehen. Was ist mit der Kultur? Ich kenne von Bach eine Sonate, habe von Goethe‘s Faust nur gehört und mich allgemein sehr wenig mit der Hochkultur beschäftigt. Wo und wann fängt deutsch sein also für mich an?

Ich denke darüber nach und dann fällt es mir ein. Mein deutsch sein fängt dort an, wo meine Geschichte beginnt. Meine Kultur sind nicht die Altmeister der Geschichte. Die ich zwar schätze, so denn ich sie denn kenne. Sondern meine Kultur beginnt dabei, dass ich weiss, dass der Döner früher einmal fünf Mark gekostet hat. Ich weiss wer Harald Schmidt ist und Palim Palim für mich Sinn ergibt. Ich kenne Dieter Krebs und weiss wer der Martin ist. Hallo erstmal und wat wer bist du denn? Ich weiss, dass Loriot beim Einkaufen 50 Senfgläser kauft, weil sie in der Menge günstiger sind. Ich bin dann stolz darauf ein Deutscher zu sein, wenn andere von diesen Dingen erzählen und ich weiss, was gemeint ist. Ein Stück Identifikation. Zugehörigkeit. Dabei sein ist alles. Und das obwohl ich nur zur Hälfte Deutscher bin.

Da ist auch schon mein Zuhause. Ich ziehe den Schlüssel aus der Tasche, öffne die Tür und betrete meine Wohnung.

Es war ein guter Abend.

 

Hallo @Sam O. ,

Du wartest wahrscheinlich auf einen Kommentar und wunderst Dich, warum da nichts kommt.

Ich vermute, das liegt an der Botschaft Deines Textes, der eigentlich keine richtige Kurzgeschichte ist. Ich habe kein Problem damit, sich mit dem "Deutschsein" auseinanderzusetzen, aber das liest sich eher wie eine Essay oder eine Art Bericht oder kleine Reflexion einer persönlichen Erfahrung.

Der Abend wird später und wir debattieren noch ein paar Runden. Ich beschließe noch das Glas Cola ohne Kohlensäure auszutrinken und anschließend nach Hause zu gehen.

Beim ersten Lesen damals - ist schon ein paar Tage her - bin ich hierüber gestolpert. Cola ohne Kohlensäure. Das trifft so ein wenig auf Deinen Text zu, ohne dass das jetzt gleich furchtbar böse klingen soll. Es passt nur symbolisch so gut, dass ich nicht anders konnte, als aufzugreifen.

Mein Tipp: Mache eine echte Geschichte daraus oder lass diesen Text so wie er ist und konzentriere Dich auf etwas anderes. Außerdem ist es sicher hilfreich, wenn Du Dich auch unter anderen Geschichten blicken lässt. Das hilft Dir einzuordnen, was hier so geschrieben wird, Du siehst, wie andere kommentieren und kannst dann auch besser einordnen, wie wir hier alle versuchen mit unserem Schreiben weiterzukommen.

Gruß
Geschichtenwerker

 

He @Sam O.,
zuerst einmal, von Bach die Matthäuspassion sehr zu empfehlen. Besonders jetzt, wo Ostern im Busch ist. Und dann noch: Wie hast Du das gemacht, den Faust nicht zu kennen. Haben wir schon in der siebten Klasse gelesen - mit wenig Spaß - und dann noch in der zwölften. Mussten auch allerhand Monologe und letzte Worte auswendig lernen.
Scherz beiseite. Du berührst ein heikles Thema. Den Nationalstolz. Andere können fröhlich ihre Flaggen schwenken bei gegebenen Anlässen, bloß bei uns ruft das gemischte Gefühle hervor. Nazis. Dabei ist das schon so lange her. Man kann uns nicht ewig für die Untaten unserer Vorfahren verantwortlich machen. Trotzdem verstehe ich mit steigendem Alter aber immer weniger, wie das geschehen konnte. Warum wollten sie unbedingt ein bestimmtes Volk auslöschen?
Du outest Dich als Liebhaber der Fernsehunterhaltung. Ist Ablenkung. Auch ich habe gestern "Hot oder Schrott" gesehen. Wahrscheinlich bin ich auch bald schrottreif. Erstes Anzeichen. Aber wir Deutschen haben nicht nur "Palim palim" sondern auch Faßbinder. Oder vielleicht auch bald Sam O oder Frieda K.
Hat sich gut gelesen.
Gruß

 

@Geschichtenwerker

Ich muss dir leider Recht geben. Du triffst mich mit meinen eigenen Worten. Die Geschichte ist nicht tief genug ausgearbeitet und eigentlich noch eine Rohfassung. Ich werde sie allerdings so stehen lassen und die Kritik für die Zukunft aufnehmen.

 

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