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Der letzte Auftrag

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05.07.2020
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Anmerkungen zum Text

Wie so oft tu ich mir sehr schwer damit, einen Text einzuordnen. Spannung und Humor trifft´s aber vermutlich einigermaßen. Haut mir die Einordnung bitte nicht um die Ohren...

Der letzte Auftrag

Um eine Enttäuschung reicher schleppte Anton Dvorak seinen Koffer und sich selbst die Treppe des Hotels hinauf. Er hatte fest damit gerechnet, im tiefsten Südbaden mit einem breiten alemannischen Akzent und einer Portion spritziger Lebensfreude begrüßt zu werden. Stattdessen hatte ihn ein bemerkenswert leidenschaftsloser Rezeptionist in stechendem Hochdeutsch auf die Details seines Zimmers hingewiesen.
Dort angekommen, zog er sich bis auf die Unterhose aus und betrachtete im Badezimmer lange sein Spiegelbild. Das war so eine Art masochistisches Ritual. Denn diese übergroßen Spiegel in hellen Hotelbadezimmern sind wirklich unerbittlich in dem, was sie dem Auge so alles offenbaren.
Ein dicklicher, 52-jähriger Mann mit einer goldumrandeten Brille stand da vor ihm. Mit blass-weißem Bierbauch und unschönen Männerbrüsten. Eine verwaschene Tätowierung auf dem rechten Oberarm, Überbleibsel seiner längst vergangenen Jugend. Ein Bär, der brüllt. Geschmäcker änderten sich offensichtlich im Laufe der Zeit.
Sein Gesicht war der rot durchäderte Gegenentwurf zum Bauch. Dazu eine Stirn, die sich Tag für Tag mehr Raum in Richtung schütteren Haaransatz erkämpfte. Einzig sein buschiger Schnauzer gefiel ihm.
Pornopolacke“, murmelte Anton leise. So nannten ihn seine goldkettigen Fünfbier-Freunde in Anspielung auf den Bart, wenn sie zusammen in der Garage Karten spielten oder dem FC bei der allwöchentlichen Misere zuschauten. Dabei war er Tscheche. Details. Außerdem musste er zugeben, dass der Bart in der Tat ein wenig gewagt aussah.
„Et es wie et es“ seufzte Anton, während er das Licht ausschaltete und zu seinem Koffer hinüberschlurfte. Weiße, unspektakuläre Unterhosen, weiße, ebenfalls unspektakuläre Tennissocken, drei Hemden, zwei Hosen und eine Walther PPK 9mm-Pistole mit dazugehörigem Schalldämpfer. Keine Zahnbürste, die hatte er wohl vergessen.
Leise fluchend begann Anton Dvorak damit, Klamotten und Pistole zu verräumen.

Seinen dritten Abend verbrachte Anton im Hotelrestaurant und versuchte sich mit dem Gedanken anzufreunden, wohl noch einige Zeit an diesem Ort verbringen zu müssen. Es gelang nur mäßig, was nicht zuletzt an dem lautstarken Gespräch am Nebentisch lag. Die irritierend-aggressive Schwäbelei dreier Geschäftsreisender aus dem Stuttgarter-Speckgürtel erschien sogar ihm als Kölner irgendwie fehl am Platz. Es gelang ihm deshalb auch nicht, sich die Details seines Auftrags zu vergegenwärtigen. Die waren aber ohnehin mal wieder kaum der Rede wert und bestanden im Grunde aus: im Hotel ankommen, ruhig verhalten und auf weitere Anweisungen warten.
„Is so ne Sicherheitssache. Um das Risiko klein zu halten. Verstehste doch, ne?“, hatte der Chef zu ihm gemeint.
Gar nichts verstand er. Was für einen Unterschied machte es denn bitteschön, ob er im Vorfeld bereits wusste, um was es ging oder ob er erst kurz vorher eine Mitteilung darüber erhielt, wer das Ziel sein sollte? Am Ende hielt doch so oder so er seinen Arsch hin. Lustlos stocherte Anton in seinen Brägele herum und spielte mit dem Gedanken, sich noch ein weiteres Glas Rotwein zu gönnen.

Anton Dvorak, der in etwa so harmlos aussah wie der klein gewachsene Sohn einer Buchhalterin und eines Bibliothekars, tötete seit mehr als 20 Jahren für Geld. Und wie es sich für einen professionellen Killer gehört, wusste von dieser erschütternden Berufung nur eine Handvoll Personen.
Er lebte mehr oder weniger das Leben eines alleinstehenden Frührentners. Inklusive Gartenparzelle, Dauerkarte fürs Stadion, Kleinwagen und Kirschkernrückenkissen. Die Vorstellung, dass ausgerechnet er zum Morden fähig sein sollte, war absurd. Ein nur schwer nachzuvollziehendes Interesse an der Buchhaltung? Eine spießige Freude an der Kleingärtnerei? Meinetwegen sogar irgendein unappetitlicher Sexfetisch? Alles im Rahmen. Aber auf gar keinen Fall etwas, was auch nur ansatzweise mit Pistolen und Autobomben zu tun hatte.

Trotz seines nicht wegzudiskutierenden Talents für das Morden war er beruflich in letzter Zeit ein wenig ins Straucheln geraten. Es war nun einmal auf Dauer verdammt schwer durchzuhalten, das Töten vor sich selbst zu rechtfertigen. Zumindest dann, wenn man kein Stück Holz war oder einer von diesen Durchgeknallten, die seit Neuestem den Markt überschwemmten. Vollgepumpt mit Speed, frisch aus irgendeiner schlammigen Schützengrabenhölle aus der Ost-Ukraine oder sonstwo gekrabbelt und trotz PTBS bereit, für ein Butterbrot die heftigsten Sachen zu übernehmen. Konkurrenzlos im Grunde genommen. Der Chef hatte sich schon ein paarmal darüber ausgelassen, wie sehr ihm diese Kaputten das Geschäftsmodell ruinierten.
„Für ehrliche Dienstleister wie uns ist da bald einfach kein Platz mehr!“, hatte er Anton mit ernstem Ausdruck erklärt und dabei so geklungen, als rede er von einer traditionsreichen Familienbäckerei, die sich nicht mehr gegen die Billigbrötchenkonkurrenz durchsetzen konnte.
Anton war das scheißegal. Branchenkrise hin oder her, er hatte genug. Mittlerweile stand er an einem Punkt in seinem Leben, der schon so manch gesetztem Mittfünfziger das Genick gebrochen hatte. Und zwar, sich mit der Möglichkeit auseinandersetzen zu müssen, die letzten paar Jahrzehnte des eigenen Lebens gehörig in den Sand gesetzt zu haben.
Vielleicht hätte er ganz was anderes machen sollen? Sein Vater zum Beispiel. Der hatte Zeit seines Lebens in ehrlich-proletarischer Manier Hausdächer gedeckt und war vermutlich einigermaßen zufrieden mit sich und der Welt gestorben. 128 Tage vor der Rente zwar, aber immerhin. Von einem Hirnschlag niedergestreckt. Und natürlich, als er gerade dabei war, ein Dach zu decken. Mitsamt obligatorischer Zigarette im Mund stürzte er sieben Meter in die Tiefe. Direkt in eine Palette Dachziegel. Bitter, zugegeben. Aber wenigstens hatte Dvorak Senior sich nicht mit so einer verdammten Sinnkrise rumschlagen müssen. Denn gedeckte Dächer waren damals wie heute unzweifelhaft ein Ding. Auftragsmorde weniger.

Seine beruflichen Zweifel hatte Anton vor ein paar Wochen beim Chef anklingen lassen. Ein Fehler, wie sich sofort herausgestellt hatte. Denn er hatte sich dafür einen Blick eingefangen, der ihm jetzt noch einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ. Außerdem hatte Hagemann den uninspirierten Versuch unternommen, ihm ins Gewissen zu reden, um zu retten, was nicht mehr zu retten war.
„Sach ma, glaubst du, du kannst hier einfach kündigen? Wo sind wa denn?
Er holte tief Luft, bevor er langsam fortfuhr.
„Et is ganz normal, wenn einem dat Ganze ab und an zu viel wird. Da darfste mir dann aber nich gleich durchdrehen, klar? Du bist einfach n bisschen überspannt und musst mal durchatmen. Nimm dir n paar Wochen frei. Besauf dich. Leb dein Leben, scheiße, mach irgendwas. Und dann kommste wieder, und wir vergessen, was de mir da sagen wolltest, klar?“
Hagemanns Blick und die Tatsache, dass er zwei Schnapsgläser hervorkramte, beendete jede weitere Diskussionsgrundlage. Der Chef teilte seinen Schnaps nur dann, wenn es etwas zu besiegeln galt.
„Et hätt noch immer jot jejange“, murmelte Anton lakonisch bevor er den Schnaps herunterkippte.

Nach drei Monaten stand Anton, inklusive stilsicherer Brille und Schnauzer, tatsächlich wieder in der Werkstatt Hagemanns. Er verachtete sich dafür. Andererseits war das doch auch schon egal, zumindest dann, wenn er seinen moralisch so eindeutig verkorksten bisherigen Werdegang betrachtete.

„Was hastn da auf?“
Immerhin ist´s ihm aufgefallen, dachte Anton, während Hagemann statt seiner üblichen Begrüßungsfloskel Antons neuen Stil begutachtete.
„Und der Bart?“, der Chef schüttelte fast schon enttäuscht den Kopf.
„Du siehst aus wie n Pornodarsteller. Und zwar einer, der in letzter Zeit ziemlich gelitten hat, möcht ich meinen. Wat solln das?“
Anton seufzte.
„Willste das wirklich wissen oder ist das nur ne rhetorische Frage?“
Hagemann zuckte unentschlossen mit den Schultern.
„Ich hab vor n paar Wochen Götz George gesehen. Ging um irgendnen Banküberfall, der aus dem Ruder läuft. Egal, jedenfalls sieht der einfach verdammt schneidig aus, so mit Schnauzer und Brille. Da dacht ich mir, sowas kannste auch tragen.“ Anton tippte mit dem Zeigefinger leicht gegen das goldumrandete Gestell und zog die Brauen hoch.
„Kleiner Imagewechsel. Wie findste?“
Hagemann blinzelte.
„Götz George? Sach ma geht’s dir gut?“
Einige Sekunden betrachtete er Anton misstrauisch. Dann fuhr er fort.
„Nö, komm. Sieht doch ok aus.“ log er mit hoher Stimme.
„Trag was de für richtig hälst, lass dir bloß nix erzählen.“
Er biss in ein Lyoner-Gurkenbrötchen und wechselte mit vollem Mund das Thema.
„Also warum ich dich hergerufen hab. Gibt nen Auftrag für dich. Unten in Süddeutschland. In der Nähe von diesem scheiß Hippiekaff Freiburg.“ Hagemann überlegte kurz, dann fuhr er trocken fort.
„Da kannste dir vielleicht ja gleich noch son Batikshirt besorgen. Macht sich bestimmt auch super an dir.“
Der Chef war wohl selbst überrascht von der eigenen humoristischen Einlage. Sein heiseres Kichern entwickelte sich zu einem asthmatischen Hustenanfall. Er war das Lachen wohl einfach nicht gewöhnt. Nachdem er sich schließlich wieder einigermaßen im Griff hatte, fuhr er fort.
„Du fährst in sieben Tagen runter. Auto und Papiere hab ich dir besorgt. Dann wartest de in nem schönen Hotel im Schwarzwald n paar Tage ab. Mehr Details gibt’s vor Ort. Honorar wie immer. Alles roger?“ Hagemann warf ihm einen ernsten Blick zu.
Gar nichts war roger. Das war das letzte Mal, so viel stand fest.

Er war angetrunken, daran gab´s nichts zu beschönigen. Nachdem sich Anton erfolgreich in den Rotwein geflüchtet hatte, waren diese furchtbaren Schwaben schließlich irgendwann abgezogen. Glücklicherweise, sonst hätte er sich vielleicht noch dazu hinreißen lassen, statt eines Auftragsmordes gleich drei Morde aus Leidenschaft zu begehen.
Da war´s aber schon zu spät gewesen, denn Anton war mittlerweile beim zweiten Gin Tonic angekommen. Für die Nerven. Dabei vertrug er eigentlich gar keinen Schnaps. Aber auch egal. Was sollte schon passieren? Die Leute hier hielten ihn vermutlich für irgendeinen traurigen Außendienstler auf Verkaufsfahrt. Und sein Auftrag, immerhin der Grund für diese bescheuerte Reise, war mittlerweile sowieso nur noch ein weit entferntes nebulöses Rätsel am Horizont.
Mit einem leichten Schauer dachte er daran, dass er vorhin ernsthaft versucht hatte, Hagemann an den Hörer zu bekommen. Es lief Fußball und Anton lag auf dem Bett. Dann stand es plötzlich 0:2 für Schalke.
„Ausgerechnet scheiß Schalke“, murmelte Anton, während er einen weiteren Schluck nahm.
Jedenfalls war da irgendwas bei ihm durchgebrannt, und er hatte aus einer Mischung aus Trotz, Verzweiflung und Langeweile heraus, die Notfallnummer vom Chef gewählt. Und gerade als er wieder auflegen wollte, war der auch noch dran gegangen. Zunächst hatten sich die beiden am Telefon einen Moment angeschwiegen.

„Ich bin´s.“
Schweigen. Anton schluckte.
„Naja, hier ist bisher nichts passiert, daher wollt ich fragen, wann...“
„Sach ma, bist du bescheuert? Dat gibt’s doch ni...“
Aufgelegt.

Anton war so sehr damit beschäftigt, sich seines nachlässigen Tuns vom Nachmittag zu schämen, ohne dabei den Gin Tonic aus den Augen zu verlieren, dass er den Mann, der sich neben ihm an die Bar setzte, zunächst gar nicht bemerkte.
„N´ Abend Mr Selleck, netter Bart“, prostete der ihm mit einem breiten Grinsen und einem Glas Bier in der Hand zu. Der andere hatte zwar keinen Bart aber dafür eine Reihe von Goldzähnen, die ganz wunderbar zu seinem blau-weißen Trainingsanzug passten.
Nur eine Stunde später waren sich Anton und Manfred, Manni, Krüger über die wesentlichen Dinge des Lebens einig geworden. Mit Ausnahme des richtigen Fußballvereins vielleicht. Dafür hatten sie recht schnell festgestellt, dass sie unter anderem dieselbe ehrliche Hochachtung für einen gewissen Dave van Ronk teilten. Mittlerweile befanden sie sich in Antons Zimmer und schmetterten begeistert einige Songs der New Yorker Folklegende.

Grinsend stand Anton auf und wankte in Richtung Toilette. Da musste man schon nach scheiß Südbaden fahren und sich an einer Hotelbar besaufen, um einen Bruder im Geiste zu treffen. Nicht zu fassen.
„Weißt de, eigentlich hätt ich schon vor drei Tagen hier sein sollen.“, hört er Manni vom Zimmer aus rufen.
„Mmmh“, brummte Anton, während er damit beschäftigt war, sich im richtigen Winkel vor der Toilette zu positionieren. Was sich als gar nicht so einfach herausstellte, denn er schwankte wie ein Seemann bei hohem Wellengang.
„Ja, bin aufgehalten worden. Saublöde Geschichte! Aber deshalb mussteste auch so lang warten.“
„No Problemo“, antwortete Anton routiniert, ohne auch nur ansatzweise zu erahnen, was Manni ihm da eigentlich verklickern wollte. Ein gelber Strahl plätscherte in die Schüssel, was den Großteil seiner Konzentration in Anspruch nahm. Ein Teil der Klobrille wurde trotzdem in Mitleidenschaft gezogen.
„Es is jedenfalls nix Persönliches, dat kannste mir glauben. Aber du weißt ja, wie dat is. Manche Sachen gehen einfach nicht. Tut mir leid.“
„Redste schon wieder von deinem fragwürdigen Geschmack bei der Auswahl eines vernünftigen Fußballvereins oder wat?“ Anton kicherte.
„Das hatten wa doch geklärt. Die richtige Antwort lautet 1. FC Köln! Aber es sei dir verziehen.“, lallte er großmütig.
„Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein. Und wer im Übrigen so singen kann wie du, kann kein so schlechter Mensch sein.“
Dann erklang das unverwechselbare Klicken einer Pistole und Anton begriff.

Den Schuss hörte er schon gar nicht mehr.

 
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Hallo @Habentus ,

deine Geschichte driftet nach dem Beginn ins Nacherzählende/Tellige ab, was von der Erzählart her leider dazu führt, dass ich anfange, den Text nur noch zu überfliegen.

Auch die Handlung, ein Auftragskiller, der so langsam in die Jahre kommt und über sein Leben nachdenkt, finde ich nicht so spannend, aber auch das ist natürlich Geschmackssache.

Den eher lockeren, humorvollen Erzählton finde ich schon gelungen, es reicht jedoch für mich nicht, die Geschichte weiterzulesen.

Du müsstest m.E. den Leser mehr mit deinem Protagonisten erleben lassen, auch schon in der ersten Hälfte. Hier noch einige Details:

Um eine Enttäuschung reicher schleppte Anton Dvorak müde seinen Koffer und sich selbst die Treppe des Hotels hinauf.
"müde" könntest du streichen, das Verb "schleppte" reicht m.E. schon für die Art, wie er sich die Treppe hinauf bewegt

So nannten ihn seine goldkettigen Fünfbier-Freunde in Anspielung auf den Bart, wenn sie zusammen in der Garage Karten spielten oder dem FC bei der allwöchentlichen Misere zuschauten.
Fünfbier-Freunde? Ist das so Absicht, oder meinst du: fünf Bierfreunde ? :anstoss:

„Et es wie et es“ seufzte Anton, während er das Licht ausschaltete und zu seinem Koffer hinüberschlurfte, der auf dem Bett lag.
Den abschließenden Nebensatz könntest du streichen, diese Information ist nicht unbedingt notwendig.

Lautes Gelächter und ein völlig unverständliches
„Vor a bees
Gosch ka mr ned nastanda“, vom Nebentisch bewogen ihn dazu, schnell nach der Kellnerin Ausschau zu halten.
Unnötiger Zeilenumbruch

Und wie es sich für einen professionellen Killer gehört, wusste von dieser erschütternden Berufung nur eine Handvoll weiterer Personen.
"weiterer" könntest du streichen

Mitsamt obligatorischer Zigarette im Mund stürzte er fünf Meter in die Tiefe.
Fünf Meter hören sich eher nach einer Höhe für schwere Verletzungen an, vielleicht packst du noch ein paar Meter drauf?

Zum anderen hatte Hagemann den uninspirierten Versuch unternommen, ihm ins Gewissen reden zu wollen, um zu retten, was nicht mehr zu retten war.
... Versuch unternommen, ihm ins Gewissen zu reden, ...

Und dann kommste wieder, und wir vergessen, was de mir da grad gesacht hast ok?“
Komma nach "hast"

Ich finde deine Art zu schreiben grundsätzlich angenehm und unterhaltsam, würde nur wie eingangs erwähnt die nacherzählenden/telligen Informationen in "aktive Szenen" umwandeln.

Viele Grüße,
Rob

 
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Hallo @Habentus,

ich mag deinen Schreibstil hier. Er ist einfach zu lesen und nicht langweilig. Ich fand nur, dass er die Geschichte nicht trägt, also nicht spannend genug ist, dass man weiterliest. Das das so auffällt, liegt aber m.M einfach an der Länge des Textes. Bis es in der Geschichte richtig losgeht und Spannung aufkommt, also wenn die Pistole erwähnt wird, dauert es mir persönlich zu lange, da muss m.M nach die Einleitung packender oder einfach kürzer sein. Der Hauptteil zieht sich auch hin, ist nicht unbedingt langweilig, aber auch nicht sehr spannend.
Bei mir hat das dann sogar dazu geführt, dass ich noch gespannter auf das Ende war, weil ich dachte, dann kommt da noch etwas großes oder krasses. Kam ja dann auch, aber war m.M nach vorhersehbar und dann funktioniert das Ende für mich nicht mehr. Da würde ich vorher andere Enden andeuten, denn wenn ein alter Killer kündigen möchte, dann noch einen letzten Auftrag ausführen soll, es aber noch keine Zielperson gibt und dann auch noch ein anderer Mann auftaucht und die beiden gemeinsam ins Zimmer gehen, dann ist das doch irgendwie offensichtlich was passiert..
Auch kommt dieser Mann irgendwie aus dem Nichts, man weiß nichts über ihn. Den würde ich früher in die Geschichte einbauen, vielleicht so, dass man wirklich denkt, dass er einfach ein harmloser weiterer Gast ist, dann funktioniert die Überraschung am Ende.
Außerdem kriegt der Leser die Informationen, dass die beiden Männer sich so gut verstehen, einfach nur direkt von dir erzählt und es wird ihm nicht gezeigt, mir ging das zu schnell und kam zu abgrubt.
Am Spannungsbogen würde ich also noch arbeiten, vielleicht etwas kürzen, wo, dass müsstest du wissen.

Trotzdem fand ich deine Geschichte nicht schlecht, besonders weil es einige interessante Sätze oder Phrasen gibt, die wirklich kreativ sind. Auch fand ich das Lesen angenehm, es stockt nicht und es gibt gute Überleitungen. Besonders gut fand ich die Geschichte aber leider auch nicht.

Ein letzter Punkt noch, denn ich finde, dass es im Text viele Klischees gibt, also die Prämisse ist ja eins, das Ende auch irgendwie, aber auch der Protagonist. Das fällt nicht unbedingt als schlecht auf, aber kann m.M nach deutlich spannender erzählt werden und ich würde probieren darauf zu achten Klischees eher nicht zu verwenden. Dies ist aber nur meine Meinung, vielleicht bin ich hier auch etwas zu pingelig.

Viele Grüße und eine schöne Woche!
Max

 
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05.07.2020
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Hallo @Rob F und @Max88

danke, dass ihr euch hier Zeit genommen habt meine Geschichte zu lesen und Anmerkungen zu schreiben!

Der Reihe nach:

Du müsstest m.E. den Leser mehr mit deinem Protagonisten erleben lassen, auch schon in der ersten Hälfte. Hier noch einige Details:
Ja ich verstehe schon was du meinst. Die Idee war, darzustellen, dass auch das Leben eines Auftragskillers gar nicht soo spannend ist. Also keine durchtrainierten Typen und Explosionen sondern eher Durchschnittsmenschen mit Plautze, Schrebergarten und Sinnkrise. Daher wollte ich auch die Handlung nicht spektakulär gestalten sondern eher ruhig angehen. Aber das hat wohl leider nicht so gezündet :(

Wobei ich auch zugeben muss, ohnehin öfters mal ins tellige abzurutschen. Ich gelobe Besserung!

Fünfbier-Freunde? Ist das so Absicht, oder meinst du: fünf Bierfreunde ?
Ne ne, ich meinte schon Fünfbier-freunde! Also die, die eigentlich erst so nach dem fünften Bier spannend und zu Freunden werden. So Leute die du vlt. nicht Sonntags anrufst, weil dir nach einem tiefgründigen Gespräch ist, sondern eher die, die du Samstag Nacht anrufst, weil dir nach saufen ist :) Fünfbier-Freunde eben :)

Fünf Meter hören sich eher nach einer Höhe für schwere Verletzungen an, vielleicht packst du noch ein paar Meter drauf?
Mmh ja. Ich dachte halt an ein handelsübliches Hausdach. Wie hoch ist das? Schon so fünf Meter oder? Und wenn du dann blöd fällst (zB in eine Palette mit Ziegeln)... Aber ich versteh schon was du meinst!

Ich finde deine Art zu schreiben grundsätzlich angenehm und unterhaltsam, würde nur wie eingangs erwähnt die nacherzählenden/telligen Informationen in "aktive Szenen" umwandeln.
Ja ich denke du hast schon recht. Aber wie gesagt, gings mir eher darum eine Stimmung zu erzeugen als jetzt eine spektakuläre Auftragsmörderräuberpistole zu stricken. Aber vlt. brauchts doch einfach ein wenig mehr Handlung.

Danke auf jeden Fall für deine Anmerkungen! Werde ich einbauen! Evtl. schreib ich einen teil der Geschichte auch nochmal komplett um.


ich mag deinen Schreibstil hier. Er ist einfach zu lesen und nicht langweilig.
Immerhin was! :)

Ich fand nur, dass er die Geschichte nicht trägt, also nicht spannend genug ist, dass man weiterliest.
Ja, hatte ich schon oben geschrieben. Ich kann verstehen, dass das nicht so zündet. Aber der Ansatz war, darzustellen, dass Auftragskiller eben nicht die John Wick-Typen sind, sondern vermutlich eher Anton Dvoraks ;) Und eben kein spannendes Leben haben sondern traurige alte Männer mit Komplexen sind. Aber ich gebe zu, dass könnte ich besser rausarbeiten ohne Spannung einzubüßen.

Da würde ich vorher andere Enden andeuten, denn wenn ein alter Killer kündigen möchte, dann noch einen letzten Auftrag ausführen soll, es aber noch keine Zielperson gibt und dann auch noch ein anderer Mann auftaucht und die beiden gemeinsam ins Zimmer gehen, dann ist das doch irgendwie offensichtlich was passiert..
Ja verstehe ich. Genau das hatte ich mir beim Schreiben nämlich auch gedacht. Soll ich das wirklich so klar erkennbar machen woraufs hinausläuft? Hab ja sogar einen krassen Hinweissatz drinnen. Vlt. nehm ich den doch lieber raus.

Auch kommt dieser Mann irgendwie aus dem Nichts, man weiß nichts über ihn. Den würde ich früher in die Geschichte einbauen, vielleicht so, dass man wirklich denkt, dass er einfach ein harmloser weiterer Gast ist, dann funktioniert die Überraschung am Ende.
Hmm. Es ging mir schon darum, dass ausgerechnet jemand ihn umlegt, den er eigentlich mag. Bzw. mochten sich die beiden ja gegenseitig. Da wollt ich drauf hinaus, dass das ganze Killerdasein wirklich nicht gut für soziale Kontakte ist. Aber ich habs insgesamt zu knapp gehalten. Weil ich die Geschichte auch nicht zu sehr ausufern lassen wollte.

Ein letzter Punkt noch, denn ich finde, dass es im Text viele Klischees gibt, also die Prämisse ist ja eins, das Ende auch irgendwie, aber auch der Protagonist. Das fällt nicht unbedingt als schlecht auf, aber kann m.M nach deutlich spannender erzählt werden und ich würde probieren darauf zu achten Klischees eher nicht zu verwenden. Dies ist aber nur meine Meinung, vielleicht bin ich hier auch etwas zu pingelig.
Da sagst du was :) Ja, ich wollte einerseits das Ruhrpott/Fußball/Spießerklischee und andererseits weg von dem typischen knallharten Auftragsmörderklischee. Schwierige Mischung, geb ich zu.

Danke für deine Anmerkungen!

Viele Grüße euch beiden!
Habentus

 
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Hi @Habentus

bin seit längerer Zeit endlich wieder mal auf Wortkrieger unterwegs und hab mir deinen Text als Startschuss ausgewählt.

Ich fang mal mit ein paar Stellen an, die mir ins Auge gesprungen sind. Allerdings bin ich speziell bei der Beistrichsetzung selbst nicht gerade unfehlbar.

Aber auf gar keinen Fall etwas, was auch nur ansatzweise mit Pistolen und Klaviersaiten zu tun hatte.
Die Stelle hat mich kurz mal aus dem Text gerissen weil ich die Assoziation mit Klaviersaiten bis jetzt nicht ganz verstehe, aber vielleicht hab ich dafür auch einfach zu wenige Agentenfilme gesehen.

der schon so manch gesetztem Endvierziger das Genick gebrochen hatte
War Anton nicht schon Anfang Fünfzig? ;)

Bitter, zugegeben
Ich glaube, Bitter zählt hier als Art Ausruf, weshalb ein Beistrich zwischen die zwei Wörter gehört. Bin mir aber nicht ganz sicher.

Ein Teil der Brille wurde trotzdem in Mitleidenschaft gezogen.

Ganz ehrlich, ich war schon oft sehr betrunken, aber beim Pinkeln die Brille zu erwischen klingt schon etwas unrealistisch.


Ganz allgemein kann ich zum Text nur sagen, dass mir dein Schreibstil gut gefällt. Liest sich wirklich sehr angenehm. Du hast auch die Stimmung des gelangweilten Auftragskillers mit Midlife-Crisis gut rübergebracht.

Allerdings muss ich Rob und Max beipflichten, dass sich der Text ab einer gewissen Stelle zu ziehen beginnt. Ich glaube nicht, dass die Geschichte jetzt actionreiche Schießereien braucht, aber vielleicht kann man dem Leser schon früher Hinweise geben, dass Anton in sein eigenes Verderben läuft. Das Konzept verwenden ja auch viele Filme, dass der Protagonist unwissend in eine Falle läuft während die Zuseher das Unheil schon kommen sehen.

Liebe Grüße,
Julian

 
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05.07.2020
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Hi @JReichinger, freut mich, dass du mit meinem Text hier wieder eingestiegen bist!

Die Stelle hat mich kurz mal aus dem Text gerissen weil ich die Assoziation mit Klaviersaiten bis jetzt nicht ganz verstehe, aber vielleicht hab ich dafür auch einfach zu wenige Agentenfilme gesehen.
Ist öfters so, dass im Film oder Computerspiel Killer zum Erwürgen ihrer Opfer Klaviersaiten benutzen.

War Anton nicht schon Anfang Fünfzig? ;)
Erwischt! Das werde ich korrigieren!

Ganz ehrlich, ich war schon oft sehr betrunken, aber beim Pinkeln die Brille zu erwischen klingt schon etwas unrealistisch.
Also damit war eigentlich die KLObrille gemeint. Vlt. schreib ich das aber lieber dazu, bevors zu Missverständnissen kommt.

Ganz allgemein kann ich zum Text nur sagen, dass mir dein Schreibstil gut gefällt. Liest sich wirklich sehr angenehm. Du hast auch die Stimmung des gelangweilten Auftragskillers mit Midlife-Crisis gut rübergebracht.
Das freut mich! :)

Allerdings muss ich Rob und Max beipflichten, dass sich der Text ab einer gewissen Stelle zu ziehen beginnt. Ich glaube nicht, dass die Geschichte jetzt actionreiche Schießereien braucht, aber vielleicht kann man dem Leser schon früher Hinweise geben, dass Anton in sein eigenes Verderben läuft.
Ja, das hatten die anderen Kommentatoren ja auch schon so ähnlich angemerkt. Evtl. schreibe ich die Geschichte nochmal um. Allerdings brauch ich dafür immer eine Weile, auch um ein bisschen Abstand zum Text zu bekommen.

Dir auf jeden Fall vielen Dank für deine Anmerkungen und herzlich Willkommen zurück bei den Wortkriegern!

 

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