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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Der Patient

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Anmerkungen zum Text
Eine kurze Geschichte über Wut, Verzweiflung, Verantwortung und Moralität.

Der Patient

„Und was wollen sie tun?“, fragte der Therapeut den Patienten. Sie sprachen nun schon seit Jahren regelmäßig miteinander und nun war der kritische Augenblick, auf den der Therapeut seit den letzten Sitzungen hingearbeitet hatte. Vor ihm, auf der anderen Seite des Tisches, saß ein Mann, dessen Vergangenheit unvorstellbar grausam gewesen war. Der mit dem Leben abgeschlossen hatte.
„Ich...“. Er fing an zu weinen, wandt das Gesicht auf den Tisch, der zwischen den beiden saß, und verbarg seinen hochroten Kopf zwischen seinen Händen. „Sie… verstehen… nicht….“.
„Doch, ich verstehe es. Was Ihnen passiert ist, so grausam es auch ist, passiert häufiger, als sie glauben. Keine Familie, Gewalt im Waisenhaus, Missbrauch...“.
Der Patient hop ruckartig den Kopf, erhob den Finger und richtete die nun vor Zorn und Wut sprühenden Augen auf den Therapeuten. Die Faust auf den Tisch schlagend, rief er: „SIE VERSTEHEN NICHT!“.
Es folgte ein Moment der Stille. Üblicherweise erkennen die Menschen nicht, das ihr Schicksal nicht singulär, einzigartig ist. Aber hier begann der Therapeut von Neuem: „Ihr Zorn ist berechtigt. Deshalb will ich Ihnen helfen.“
Der Therapeut suchte nun in seiner Tasche und brachte den Gegenstand zu Vorschein. Der Patient brauchte einige Sekunden, um zu verstehen, was passierte. Als er es tat, weiteten sich seine Augen. Der Therapeut legte die Pistole auf den Tisch, den Griff fest mit der Hand umschlossen.“Ich weiß, wonach sie sich sehnen. Sie glauben, der Tod sei die einzige Möglichkeit für Sie. Sie wollen nicht mehr leben. Es ist zu schwer. Deshalb gebe ich Ihnen den Ausweg, nach dem sie suchen. Ich werde die Pistole loslassen und den Raum verlassen. Ich werde in fünf Minuten wieder kommen. Ist das in Ordnung?“
Nach einiger Zeit wich der erschrockene Ausdruck des Patienten einer Art von Ruhe. „Nein, sie verstehen es immer noch nicht. Sie können es nicht verstehen. Das, was sie glauben zu wissen – über den Tod meiner Eltern – ist falsch. Ja, mein Vater hat getrunken und ja, er hat meine Mutter geschlagen“.
Hier pausierte der Patient und schaute an dem Therapeuten vorbei aus dem Fenster. „Aber nein, mein Vater hat nicht meine Mutter ermordet und dann Selbstmord begangen“.
Nun erschrak der Therapeut und schüttelte den Kopf, als ob er bereits verstehen würde. „Aber ich habe die Akten gelesen!“.
„Die Akten sind falsch. Man hat Aussagen gefälscht, um mich zu schützen. Mein Vater war bekannt. Die Polizei wusste, was in diesem Haus passierte.“
„Eines Abends kam mein Vater nach Hause. Er war betrunken und fing an meine Mutter zu schlagen. Ich wachte von ihrem Geschrei auf. Ich ging nach unten. Ich hatte genug.“
„Die Waffe meines Vaters – er war selbst Polizist – lag schon auf dem Schreibtisch. Ich nahm sie in die Hand und rannte in die Küche. Ich richtete sie auf meinen Vater, drückte ab, und verfehlte. Ich traf meine…“. Hier wich die Ruhe des Patienten wieder. Er fing an zu weinen. Der Therapeut blickte schockstarr, die Waffe noch fester als vorher in der Hand, auf den Patienten. „Ich traf meine Mutter. Sie verblutete vor meinen Augen in den Armen meines Vaters. Er versuchte mich anzugreifen, zu entwaffnen- dann erschoss ich auch ihn.“
„Die Polizei kam später, sie erfanden eine Geschichte, bürgten für mich vor Gericht und steckten mich in ein Waisenhaus. Den Rest der Geschichte kennen Sie.“
Der Therapeut brauchte einige Minuten, um dies zu verarbeiten. Der Patient blickte eine zeitlang ins Leere. Er füllte sich Wasser aus der Karaffe, die auf dem Tisch stand, in ein Glas, und trank es in einem Schluck. Nach einiger Zeit blickte er dem Therapeuten in die Augen, und fragte mit sanfter Stimme: „Verstehen sie jetzt?“.
Der Therapeut atmete kräftig ein und aus und stand auf. Er lief durch den Raum. Plötzlich blickte er dem Patienten tief in die Augen. Der Patient lächelte dankbar und nickte. Der Therapeut hob die Hand.
 
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Hallo @drkg ,

momentan kann ich mit deinem Text leider nichts anfangen. Ich würde dir empfehlen nochmal grundsätzlich im Internet oder in Schreibratgebern nachzuschauen, wie man eine Kurzgeschichte schreibt, und dir auch raten, dich hier mal ein bisschen umzusehen. Interessant könnte für dich die Auseinandersetzung damit sein, was man "Show don't tell" nennt. Findet man im Netz reichlich Infos. Ich würde mich erstmal auch an alltäglicheren Dingen versuchen. Themen, in die du dich gut reindenken kannst. Denn dieser Text wirkt auf mich hanebüchen.
Lass dich davon nicht entmutigen. Jeder hat mal mit dem Schreiben angefangen und wenn du dich ein bisschen in die Grundlagen eingelesen hast, wird deine nächste Geschichte schon auf einem ganz anderen Level sein. Also leg los!

wandte – würde aber zu drehen raten, klingt weniger altmodisch

auf den Tisch, der zwischen den beiden saß
Der Tisch, der zwischen den beiden saß? :-p

Der Therapeut legte die Pistole auf den Tisch
Was ist das für ein komischer Therapie-Ansatz?

Gruß
 
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Hallo Carlo, Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Kritik! Ich werde drüber nachdenken!
 
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Ok, jetzt nochmal ein ausführlicherer Kommentar. Bitte verstehe den Text nicht als den Versuch der Darstellung einer realistischen Situation; das war nie so gedacht. Ich wollte verschiedene Dinge darstellen. Da ist zum einen die scheinbare Ironie des Umgangs mit psychischen Problemen: Der Betroffene sieht sein Schicksal als singulär und kann Trost darin finden, dass es eben nicht singulär ist; das muss er aber selbst erkennen! Wird diese Interpretation extern aufgezwungen, führt sie lediglich zu Trotz und zu dem Gefühl, man sei seinen Problemen gegenüber ignorant. Die "extreme" Therapieform der Waffe ist die ultimative Aufforderung, sich mit dem eigenen Schicksal zu befassen und für sich selbst eine Entscheidung zu treffen: Leben mit der Schuld und Akzeptanz derselben oder Sterben. Die Eskalation am Ende rückt wieder die Individualität der Schuld in den Mittelpunkt, und das Handeln des Psychaters ist gedacht als ein hochironischer Akt der Nächstenliebe. Damit will ich übrigensauf keinen Fall die psychatrische Praxis kritisieren, sondern nur ein interessantes Spannungsfeld darstellen.
 
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Hallo @drkg und willkommen im Forum!

Ok, jetzt nochmal ein ausführlicherer Kommentar. Bitte verstehe den Text nicht als den Versuch der Darstellung einer realistischen Situation; das war nie so gedacht.
Ich mutmaße mal, dass es @Carlo Zwei nicht um deine Intention, sondern um das Handwerk des Schreibens und den unglaubwürdigen Plot der Geschichte ging. Realistisch muss sie gar nicht sein, aber der Leser muss das Handeln der Figuren, egal wie fremd oder abgedreht eine Geschichte ist, im Kontext des Erzählten nachvollziehen können. Das war hier leider auch für mich nicht der Fall. Und damit sich das Ganze noch gut und flüssig liest, sollte man auch ein paar Regeln beachten. Das angesprochene "Show, don't tell" ist für mich die wichtigste, und wir haben alle mal Geschichten mit zu viel tell und zu wenig show geschrieben. Der Leser soll sich durch deine Beschreibungen, und der Handlungen, Dialoge und Gedanken der Figuren (show) selbst eine Meinung bilden können, anstatt alles direkt vom Autor gesagt zu bekommen (tell).

Ein paar Beispiele von zu viel tell in deiner Geschichte:

Vor ihm, auf der anderen Seite des Tisches, saß ein Mann, dessen Vergangenheit unvorstellbar grausam gewesen war. Der mit dem Leben abgeschlossen hatte.
„Doch, ich verstehe es. Was Ihnen passiert ist, so grausam es auch ist, passiert häufiger, als sie glauben. Keine Familie, Gewalt im Waisenhaus, Missbrauch...“.
Ja, mein Vater hat getrunken und ja, er hat meine Mutter geschlagen“.
Auch wenn die Informationen von den Figuren kommt, kann ich sie als Leser nicht sehen und nicht fühlen. Hier würde ich in deinen nächsten Geschichten zuerst ansetzen und probieren, mehr beschreibend zu schreiben.

Ein paar andere Sachen:

Ich...“. Er fing an zu weinen, wandt das Gesicht auf den Tisch, der zwischen den beiden saß, und verbarg seinen hochroten Kopf zwischen seinen Händen. „Sie… verstehen… nicht….“.
„Doch, ich verstehe es. Was Ihnen passiert ist, so grausam es auch ist, passiert häufiger, als sie glauben. Keine Familie, Gewalt im Waisenhaus, Missbrauch...“.
Die vielen "..." stören. Die letzten zwei Vorkommen würde ich streichen, das "Ich..." sollte ein Leerzeichen vor den "..." kriegen: "Ich ..."

rief er: „SIE VERSTEHEN NICHT!“.
Alles groß zu schreiben ist nicht so schön. Das Ausrufezeichen reicht zusammen mit dem "rief er" vollkommen aus.

Als er es tat, weiteten sich seine Augen. Der Therapeut legte die Pistole auf den Tisch
Das finde ich spannend. Hier ist für mich eine gute Geschichte drin.

“Ich weiß, wonach sie sich sehnen. Sie glauben, der Tod sei die einzige Möglichkeit für Sie. Sie wollen nicht mehr leben. Es ist zu schwer. Deshalb gebe ich Ihnen den Ausweg, nach dem sie suchen. Ich werde die Pistole loslassen und den Raum verlassen. Ich werde in fünf Minuten wieder kommen. Ist das in Ordnung?“
Die Auflösung, was es mit der Pistole auf sich hat, ist für mich dann leider nicht nachvollziehbar. Der Therapeut, zumindest in dieser Geschichte und wie du ihn beschrieben hast, würde das doch niemals wirklich tun. Vielleicht, wenn alles weniger bierernst und einen Hauch ironisch wäre.

Nun erschrak der Therapeut und schüttelte den Kopf, als ob er bereits verstehen würde. „Aber ich habe die Akten gelesen!“.
Eingangs wird erwähnt, dass die Therapie bereits jahrelang dauert, aber der Therapeut schaut die ganze Zeit nur in die Akten und befragt den Patienten dazu nicht? Ebenso unglaubwürdig.

„Die Akten sind falsch. Man hat Aussagen gefälscht, um mich zu schützen. Mein Vater war bekannt. Die Polizei wusste, was in diesem Haus passierte.“
Leider auch unglaubwürdig.

Der Therapeut hob die Hand.
...mit der Pistole und will den Protagonisten erschießen? Ist mir nicht ganz klar, warum er da die Hand hebt.

Das war jetzt etwas Gemecker, aber lass dich nicht entmutigen und schreib weiter. Lies hier einfach ein paar andere Geschichten und vor allem die Kommentare darunter. Dann siehst du, was funktioniert und was nicht. Ich bin hier auch noch relativ neu und finde, das hilft mir ungemein, meine Schreibe zu verbessern.

Viele Grüße,
Catington
 
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Hey @drkg ,

schön, dass du dich auch nochmal etwas ausführlicher zu Wort gemeldet hast :-) so kenne und schätze ich das hier im Forum auch. Im Grund kann ich nur unterschreiben, was @Catington gesagt hat (danke!).

Ich wollte verschiedene Dinge darstellen. Da ist zum einen die scheinbare Ironie des Umgangs mit psychischen Problemen: Der Betroffene sieht sein Schicksal als singulär und kann Trost darin finden, dass es eben nicht singulär ist;
das finde ich an sich schon einen guten Anspruch. Trotzdem nochmal die Empfehlung: Kläre erstmal die grundlegenden Fragen des Schreibens, bevor du da mit so großen Ambitionen rangehst. Das erste Ziel wäre eine richtige Kurzgeschichte mit einer nachvollziehbaren Handlung zu schreiben.

Der Leser soll sich durch deine Beschreibungen, und der Handlungen, Dialoge und Gedanken der Figuren (show) selbst eine Meinung bilden können, anstatt alles direkt vom Autor gesagt zu bekommen (tell).
Das ist eine super Zusammenfassung.
Dieses Show-dont-Tell Ding ist etwas, das selbst fortgeschrittene AutorInnen vernachlässigen. Ich würde, wie gesagt, erstmal versuchen, eine richtige Kurzgeschichte auf die Beine zu stellen. Am Show-dont-Tell kannst du dann immer noch weiterarbeiten. Das kommt dann schon.

Gruß
 

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