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Der schwarze Stern

Beitritt
22.07.2001
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Der schwarze Stern

Der schwarze Stern

Prolog - Das Nachspiel von War`s End
Langsam und ruhig flog das Schiff durch den Hyperraum. An Bord ging alles seinen gewohnten Gang. Der Bordcomputer steuerte das Schiff auf einem vorprogrammierten Kurs durch das übergeordnete Kontinuum und erfüllte auch sonst nur Routineaufgaben. Seit mehreren Monaten flog das Schiff nun mit einer sehr niedrigen Hyperspacegeschwindigkeit durch das Universum. Es gab auf diesem riesigen Block, der ein intelligentes und raumfahrendes Wesen wahrscheinlich eher an einen Asteroiden erinnert hätte, als an ein Schiff, eigentlich nur eine einzige Besonderheit: Es hatte keine lebende Besatzung im Sinne des Wortes. Alles wurde vom SCHLÄFER gesteuert, jener geheimnisvollen und uralten semi-organischen Intelligenz, die hunderte von Millionen Jahren geruht hatte und nur durch einen Zufall wiedererweckt worden war. Sie war der letzte Überrest des sogenannten Konzils, einer Gruppe von fünf ehemaligen galaktischen Völkern, die die Milchstraße beherrscht hatten, bis sie trotz ihrer unglaublich weit entwickelten Technik von einer kosmischen Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes ausgelöscht worden waren. Der SCHLÄFER hatte sofort nach seinem Erwachen versucht, das Konzil mit Hilfe von eingelagerten Genproben der Konzilsrassen wiederzuerschaffen, war jedoch durch die Explosion seines Planeten, ausgelöst durch die Zerstörung des Hauptreaktors, daran gehindert worden. Verantwortlich für die Zerstörung des Reaktors und die dadurch eintretende Verzögerung in den Plänen des Wesens, das sich selbst SCHLÄFER nannte, war eine junge, aufstrebende Rasse. Sie selbst nannten sich Menschen. Und sie würden für die Schwierigkeiten, die sie selbst verursacht hatten entsprechend büßen. Sie schienen ohnehin eine recht streitsüchtige Art zu sein, da sie mit mindestens einer anderen Rasse in einen erbittert geführten Krieg verwickelt waren. Doch nun sollten sie endgültig die Macht des Konzils spüren und sie würden dabei vernichtet werden.

***
Kapitel Eins - Der Preis des Friedens
„Achtung, Rescue Leader an alle: Sucht primär nach Überlebenstranspondern von Raumanzügen. Die Leute in den Rettungskapseln können noch etwas länger warten. Sie haben noch Luft für einige Stunden. Bestätigen!“
„ Rescue Two bestätigt.“
„Rescue Four bestätigt.“
Nachdem auch alle anderen Mitglieder des Rescueteams bestätigt hatten, wandte sich Liam Mcleeder, Führer des Teams der Raummarine der solaren Liga wieder den taktischen Displays seiner Morningstar zu, die er mit niedriger Geschwindigkeit durch den mit Trümmern übersäten Asteroidengürtel des Sha`Ori-Systems steuerte. Hier war vor wenigen Stunden ein Liga-Konvoi, bestehend aus 3 schweren Transportern und einer Jagdschutzstaffel aus hyperraumfähigen Rapiers, vollständig von den Renegaten vernichtet worden. Aufgabe seiner Rettungsgruppe, die den Escortzerstörer „Inveliant“ samt Jagdeinheiten umfaßte, war es nun, die Überlebenden des Konvois zu bergen und zum nächsten Liga-Stützpunkt des Sektors, eine orbitale Station um den zweiten Planeten von Rho Epsilon Theta, zu bringen. Es war der dritte Einsatz dieser Art in den vergangenen 2 Tagen.
„Verdammte Rebellen. Langsam werden sie wirklich frech. Jetzt haben sie schon wieder einen der Versorgungskonvois vernichtet. Und jedesmal kommen wir zu spät! Verflucht!! Noch so ein armer Teufel. Sieht aus, als ob sein Raumanzug undicht gewesen sei.“
„Ok, fahren sie nach Suchmanöver Omega 4 fort. In etwa 2 Stunden müßten wir sie alle haben.“

***

Viele Stunden nachdem die Liga-Suchgruppe die Bergung der Überlebenden des Konvois PTQ-15-GK beendet hatte und alle Schiffe wieder im Hyperraum verschwunden waren, startete das kleine Observationsschiff der Flotte der Union freier Welten, wie sich die desertierten Teile der ehemaligen alliierten Flotte nannten, von einem der größeren Asteroiden und sprang kurz darauf in den Hyperraum, einem unbekannten Ziel entgegen. Nach dem Abfall einiger an der östlichen Flanke des von Menschen besiedelten Raumes gelegenen Grenzwelten von Solaren Allianz hatte der Senat ihre militärische Besetzung verfügt. Daraufhin waren aus allen Teilen der Armee und der Flotte der Allianz Soldaten desertiert, die die Besetzung ihrer Heimatwelt verhindern wollten, bzw. einfach nicht mehr mit dem politischen Kurs der Allianz einverstanden waren. Nach dem Ende der direkten Feindseligkeiten zwischen dem vinonischen Imperium und der Menschheit war der Herrschaftsstil der Regierung zunehmend autoritärer geworden. Es waren auch einige der höheren Offiziere aus dem Generalstab desertiert, die Einblick in gewisse Papiere gehabt hatten, die darauf hindeuteten, daß eine sehr konservative und mit großen Mitteln ausgestattete Gruppe von Militäraristokraten versuchte, die Allianz unter ihre Kontrolle zu bringen. Diese Leute wollten den gewählten Senat durch einen Adelsrat ersetzen und die Demokratie de facto beseitigen. Die revoltierenden Welten, die sich zur Union zusammenschlossen, stellten sich offen gegen diese Bestrebungen und begannen mit Hilfe der heimkehrenden Soldaten und einiger desillusionierter alliierter Ingenieure von Cybertech Spaceworks, die in absoluter Rekordzeit eine neue Flotte aus dem Boden stampften, ihre Verteidigung gegen die angreifende Flotte des Senats zu organisieren. Die Mittel dazu stellte ein geheimer, dem Senat und der Flotte der Solaren Liga, wie sich die Systeme der Solaren Allianz nun nannten, die dem neuen Senat treu ergeben waren, unbekannter Planet, der unter der Leitung von zwei hohen alliierten Offizieren in den letzten Jahren des vinonischen Krieges, fertiggestellt worden war. Auf diesem Planeten hatte auch die politische und militärische Führung der Union Unterschlupf gefunden.
Wenige Stunden später hatte der kleine Aufklärer, ein massiv modifiziertes altes Frachtschiff, den geheimen Hauptplaneten der Union, Cronos, erreicht. Wegen der ständigen Suche der Liga-Flotte nach Cronos konnte die zahlenmäßig immer noch weit unterlegene Flotte der Union, für die Nachrichtenübermittlung nicht den Hyperfunk benutzen, da eine Zunahme des Funkverkehrs in diesem Sektor die aristokratische Flotte mit Sicherheit auf diesen Sektor aufmerksam machen würde. Obwohl man beim ungerichteten Hyperraumfunk im allgemeinen nur den Sender, nicht aber den Empfänger ausfindig machen kann, würde eine zahlenmäßig starke Einheit sicherlich früher oder später auf Cronos stoßen. Die einzige wirklich wirksame Verteidigung der Renegaten gegen die Aristokraten war die schiere Größe des Raumes. Die Zeit mußte überbrückt werden, bis die Flotte der Union sich eine direkte Konfrontation mit den Schiffen der Liga erlauben konnte. Ein weiterer Vorteil war, das die Union auf der inneren Verteidigungslinie kämpfte, während die Liga in feindlichem Gebiet stand, das sie mit überlegenen Kräften besetzt hielt. Ihren Nachschub bezog sie jedoch über eine lange Strecke direkt von den inneren Welten der ehemaligen Allianz. Die eingesetzten Versorgungskonvois waren also der verwundbarste Punkt der Liga-Flotte, und auf ihn hatten sich die Schiffe der Union konzentriert.
„Achtung Cronos Control, hier Explorer „Wolf Ear“. Befinde mich mit Telemetriedaten des letzten Überfalls im Anflug auf Orbitstation Swift Tuttle. Erbitte Anweisungen. Over. Endlich geschafft. Ich muß auch ständig diese Überwachungsaufträge erwischen. Na ja, einer muß es ja machen.“
„Explorer „Wolf Ear“, hier ist Cronos Control: Fliegen sie direkt zur Orbitstation und überspielen sie nach erfolgtem Andocken die Telemetriedaten. Willkommen daheim, Kommandant Briggs. Landen sie auf Plattform 12.“
Kommandant Steve Briggs schaltete auf ALS, nachdem er die Koordinaten von Plattform 12 eingegeben hatte. Er lehnte sich zurück und genoß den Blick auf den Planeten Cronos, der, hell erleuchtet von Millionen Lichtern auf seiner Oberfläche, unter ihm lag. Langsam glitt das Schiff aus der Dunkelheit in das Licht, das die Station umgab. Zuletzt wurde die magnetische Schleuse der Station durchstoßen und das Schiff setzte im Landehangar 12 auf. Kommandant Briggs schaltete die Systeme auf Stand-by und machte sich bereit, das Schiff zu verlassen.
Plötzlich erreichte ihn ein Funkruf auf seiner persönlichen Frequenz. Er nahm ihn verwundert in dem kleinen Cockpit seiner Marut entgegen.
„Steve, ich hörte, du bist zurück und dachte, ich ruf` gleich mal an. Sag`, hast du heute noch Dienst?“
„Alicia! Ähh, nein. Ich glaube nicht. Ich muß noch zum De-Briefing mit dem technischen Stab und danach habe ich frei. Ich bin morgen für die 0800 Patroullie eingeteilt.“
„Ich, na ja, ich dachte nur vielleicht hast du Lust, ich meine wir könnten ja, nur wenn du willst...“
„Wollen wir etwas zusammen trinken gehen? In der Lounge, sagen wir in 2 Stunden?“
„...Ja, gern. Ich freue mich. Bis dann.“ Ein warmes Gefühl strömte Alicia in den Kopf, sie errötete leicht.
„Ja bis dann. Ohh Alicia, du bist wirklich süß, wenn du verlegen bist.“
Mit einem stillen Lächeln unterbrach er die Verbindung und verließ das Schiff. Er machte sich auf den Weg zum Briefingraum, wo er mit dem technischen Stab zusammentraf.
„... Wie sie sehen können konnte das Rettungskommando etwa 60 % des Personals des Konvois retten. Wir vermuten, daß der Konvoi für die 2. Flotte bestimmt war, die im Moment das Liaquu-System besetzt hält. Dort leben über 70 Millionen Unionsbürger. Die Truppen benötigen dringend Ersatzteile, Medikamente und Lebensmittel. Wir haben den Konvoi abfangen können und einen Teil der Ladung geborgen. Es ist damit zu rechnen, daß die Liga weitere Konvois schickt, um die 2. Flotte zu versorgen. Die Patroullien um die wahrscheinlichen Routen werden verstärkt. Kommandant Briggs, ich habe ihnen außerdem noch mitzuteilen, daß sie ein neues Schiff erhalten. Sie übernehmen den Flottenneubau U.W.S. Sprinter. Es handelt sich um eine der neuen Korvetten der Adder-Klasse. Ich schlage vor, sie nutzen die Zeit, um sich mit dem Schiff und der Besatzung vertraut zu machen. Es sind allesamt Veteranen, aber für sie ist das Schiff genauso neu, wie für sie. Sie finden alle verfügbaren Daten über das Schiff und seine Klasse im Computer.“
„Aber ich dachte ich wäre dem Explorer Kommando dauerhaft zugeteilt worden. Verdammt, ich will kein anderes Schiff als meines.“
„Haben sie mich nicht verstanden, Kommandant Briggs?“
„Doch,... sir.“ Verdammter Idiot! „Ich werde mich mit ihrer Erlaubnis nun auf mein neues Schiff begeben.“
Der Konteradmiral, der den technischen Stab leitete, lächelte. „Gut Kommandant. Sie dürfen wegtreten.“
Wenige Stunden später hatte Steve Briggs alles gelernt, was es über die neuen Korvetten der Adder-Klasse nur zu lernen gab. Sie waren eigentlich gar keine schlechten Schiffe. Sie waren schnell, sehr beweglich und hatten für Schiffe ihrer Größe erstaunlich starke Schilde. Aber sie hatten auch Nachteile: Ihre Panzerung war nicht sehr stark, d.h. wenn ihre Schilde erst mal durchschlagen waren wurde es sehr ernst. Sie verfügten über einen speziell modifizierten Hyperdrive, der sehr schnell aktiviert werden konnte. Aber der Hauptvorteil der neuen Schiffe bestand in einer sehr ungewöhnlichen Tatsache: die Korvetten dieses Typs hatten tatsächlich ein ganzes Geschwader Jäger oder schwere Jäger dabei. Nur Bomber konnten sie nicht transportieren. Zusammen mit einer adäquaten Bestückung mit schweren Lasern machte sie das zu einem schweren Gegner selbst für einen Zerstörer der Z-Klasse. Natürlich waren diese Schiffe nicht für offene, direkte Vernichtungsschlachten gebaut, sondern für schnelle überfallartige Schläge. Und soweit Briggs dies beurteilen konnte, waren sie die verdammt besten Schiffe, die je für diesen Zweck gebaut worden waren. Der Kommandant entschloß sich jetzt, die Brücke aufzusuchen und zum ersten Mal seit 3 Jahren wieder zu einer Mannschaft zu sprechen, die ihm unterstand.
„Achtung, Kommandant betritt die Brücke!“ Alles auf der Brücke nahm Haltung an.
„Stehen sie bequem. Mein Name ist, wie sie vielleicht schon wissen, Steve Briggs. Ich bin der neue Captain dieses Schiffs. Darf ich um ihre Namen bitten?“
Ein Mann trat vor und nannte seinen Namen und seinen Rang. Es war der neue erste Offizier, Flottenkapitän Tom Jenkins. Danach stellte er der Reihe nach die anderen vor: Navigation: Lt. Pearl, Taktik: Lt. de Valais, Flugleitung: Lt. Takemasu, Kommunikation: Korvettenkapitän und zweiter Offizier von Braun.
Briggs nahm dies zur Kenntnis und wollte zu einer allgemeinen Begrüßung ansetzen, als der Kom-Offizier meldete, daß eine Nachricht hereinkäme. Briggs gab Anweisung die Verbindung aufzubauen.
„Cronos Control für U.W.S Sprinter: Hier ist das Oberkommando. Kommandant Briggs?“
„Hier, Sir. Was gibt es?“
„Hören sie, wir haben eben von einem hereinkommenden Kurier die Meldung erhalten, daß ein Konvoi der Liga unterwegs ist zur 2. Flotte. Er verfügt über mehrere Zerstörer und schwere Jagdgeschwader als Begleitschutz. Die 2. Flotte hat den Kurs an allen Stellen gesichert, die sich für einen Hinterhalt eignen würden. Aber das Liaquu-System ist nur noch sehr schwach gesichert. Wir planen einen Überfall auf die Garnison und wollen soviel zerstören, wie möglich. Aber die Bevölkerung darf nicht zu schaden kommen. Wir wissen, daß sie erst einige Stunden an Bord sind und die meisten ihrer Leute sind nicht viel länger auf dem Schiff, aber wir wollen sie trotzdem der Kampfgruppe zuteilen, die für den Angriff verantwortlich ist. Ihr Schiff ist voll einsatzbereit?“
„Ja schon,.... aber wir können doch nicht...“
„Sehr gut. Sie starten sofort und treffen die anderen Schiffe der Gruppe im 12°345-119-System, etwa 50 Lichtjahre vom Liaquu-System entfernt. Viel Glück und einen guten Angriff!“
„Ähh, danke Sir.“
Die Verbindung wurde unterbrochen und auf der Brücke wurde es sehr still. Alle schauten den Kommandanten an. Schließlich durchbrach der die Stille.
„Nun, meine Herren sie haben es gehört, wir gehen in den Einsatz. Navigation, setzen sie Kurs auf das 12°345-119-System und starten sie. Ich möchte alle Abteilungsleiter und sie Mr. Jenkins in einer halben Stunde im Briefing Raum sehen.“
„Aye Sir.“
Eine halbe Stunde später hatten sich alle im Briefing-Raum versammelt, der eigentlich für die Einsatzbesprechungen des an Bord befindlichen Geschwaders gedacht war. Aber nun mußte man eben improvisieren. Als eine gewisse Ruhe eingekehrt war, erhob Kommandant Briggs das Wort.
„Meine Herren, ich darf mich zunächst mal denen unter ihnen vorstellen, die mich noch nicht kennen. Ich bin Steve Briggs, neuer Kommandant der Sprinter. Ich hoffe, daß wir gut zusammenarbeiten werden.
Nun zum Zweck unseres Treffens. Ich habe eigentlich nur eine richtige Frage an sie alle. Sind wir in der Lage, in den Einsatz zu gehen oder vielmehr können wir bestehen?“
Danach war es für einige Sekunden sehr ruhig. Dann meldete sich eine junge Frau zu Wort.
„Sir, Lt. Tomsson, Systemüberwachung. Das Schiff selbst ist völlig einsatzbereit. Es stehen nur noch die letzten Tests der Triebwerke aus, aber wir erwarten keine Probleme.“
„Sehr gut, Leutnant.“
„Sir, bei der Besatzung sieht es dafür um so schlechter aus. Ohh, Verzeihung, Sir. Ich bin Lt. Sliuganov. Erstens sind die Leute nicht gerade hochmotiviert. Die Liga-Flotte ist einfach zu hoch überlegen. Die meisten sind ohnehin nur hier, weil sie irgendetwas gegen die Bastarde tun wollten. Sie wußten nicht, worauf sie sich einließen. Außerdem haben die meisten auf Schiffen der Liga-Flotte Dienst getan und sind nur sehr oberflächlich auf die neuen Schiffe eingewiesen worden. Außerdem ist die Adder-Klasse auch noch die neueste Entwicklung und daher hat sich die Ausbildungszeit auf der Sprinter noch mehr verkürzt. Meiner Meinung nach sind wir nicht in der Lage einen richtigen Einsatz zu überstehen.“
„Hmmm. Nun, was würden sie an meiner Stelle machen? Sie kennen den Befehl. Wir werden in den Einsatz gehen müssen, so oder so.“
Jenkins meldete sich nun zum ersten Mal zu Wort.
„Sir, wenn ich einen Vorschlag machen dürfte...“
„Sicher, Mr Jenkins reden sie.“
„Nun wir werden noch mindestens 3 Tage bis zum 12°345-119-System unterwegs sein. Ich glaube ein Intensivaufbauprogramm sowohl in technischer wie in moralischer Hinsicht wäre die beste Lösung. Die Besatzung könnte sie kennenlernen und umgekehrt. Außerdem wäre das für alle eine Möglichkeit, sich mit dem Schiff vertraut zu machen.“
„Ja, ich glaube das ist die beste Lösung. Noch irgendwelche Vorschläge? Nein? Gut, beginnen sie. Ich erwarte von allen, das sie ihr bestes geben und möchte alle 8 Stunden aus allen Abteilungen Fortschrittsberichte haben.“
In den nächsten drei Tagen wurde die Besatzung gedrillt, es fanden simulierte Angriffe von Jagdmaschinen, Großkampfschiffen und gemischten Flotten statt. Die Besatzung zeigte, daß sie tatsächlich aus kampferprobten Veteranen bestand, die alle schon im Krieg gegen das vinonische Imperium gekämpft hatten. Auch die Schwierigkeiten, die durch die ungewohnte Hardware entstanden, waren bald beseitigt. Es konnten sogar die letzten Tests an den Triebwerken durchgeführt werden. Dabei zeigte sich, daß sie bei Notleistung schnell zum Überhitzen neigten. Der Ingenieurstab schlug eine Modifizierung des Kühlsystems vor, die mit Bordmitteln in wenigen Stunden zu bewältigen war. Außerdem wurde ein Eintrag ins Logbuch vorgenommen, daß man den Verbesserungsvorschlag an das Oberkommando weiterleitete, sobald man wieder an einer Unionsstation andockte.

***
Zwei Jahre früher:
Dunkelheit. Undurchdringliche, schwarze Finsternis. Sie war überall. Sie umgab ihn vollständig. Es waren nicht einmal die Sterne zu sehen. Da plötzlich, ein Licht, wie ein Auge, ein glänzendes Juwel, das der Finsternis trotzte. Und da, noch mehr, kleinere Lichter. Wo war er?
Diese Frage stellte sich der SCHLÄFER immer wieder. Nach dem plötzlichen Übergang in den Normalraum, der mit mehreren Explosionen und dem Ausfall der kompletten Langstreckensensoren verbunden war, konnte die Entität ihre Position nicht zuverlässig ermitteln. Etwas hatte das Fluchtschiff gewaltsam aus der höheren Dimension gerissen. Aber der Nav-Computer hätte das Gebiet kennen sollen. Das Konzil hatte die gesamte Galaxis beherrscht und natürlich war sie, abgesehen vom inneren Kern, auch erforscht worden. Dort, im Zentrum der Galaxis, rund um das gigantische schwarze Loch, das den wahren Kern darstellte und dessen Gravitation die Galaxis zusammenhielt, war nie ein Schiff gewesen. Die Werte der harten Strahlung waren dort so hoch, daß kein Lebewesen und keine Maschine der bekannten Galaxis dort überleben konnte. Es war eine absolut tote Zone. Es war eine pochende Strahlungshölle, die alles in seine atomaren Bestandteile zerlegte.
Der ursprüngliche Kurs sollte das Schiff in einer Entfernung von etwa 2000 Lichtjahren an der Todeszone vorbeiführen. Obwohl die Zone im Hyperraum zwar nicht existierte und durchquert werden konnte, gab es dort sehr viele Störungen, so daß sie trotzdem fast immer gemieden wurde. Aber die einzige logische Erklärung, die es gab, war, daß man in diese Zone eingedrungen war.
Nun, wie auch immer. Zuerst mußte man einmal feststellen, wo man sich eigentlich befand und wie man hier wieder wegkäme. Es war für die Mission des SCHLÄFERS von essentieller Bedeutung, die andere Seite der Galaxis zu erreichen. Dort könnte man die eigene Stärke neu begründen und die Herrschaft des Konzils über die gesamte Galaxis wiedererrichten. Also, was war das für ein Stern und was für Planeten hatte er? Gab es hier eine Zivilisation, die dem Schläfer helfen konnte, das Schiff zu reparieren? Man würde sehen.
Wenige Zeiteinheiten später hatte sich das Schiff dem Zentralgestirn und seinen Planeten so weit genähert, daß man Details erkennen konnte. Es gab nur zwei Planeten und einen Asteroidengürtel. Die Planeten waren beide bewohnt. Es hatte sich offenbar eine intelligente Rasse in diesem System entwickelt, die es bis zur interplanetaren Raumfahrt gebracht hatte. Einer der Planeten, der wahrscheinliche Ursprungsplanet der Rasse, gehörte zur Primärklasse und war damit für alle Konzilsrassen bewohnbar. Der andere Planet war eine atmosphärenlose Welt, die sehr weit von ihrem Zentralgestirn entfernt war. Dort schienen sich beträchtliche Industrieanlagen zu befinden. Zwischen den Planeten etwa auf halber Strecke durchzog der Gürtel aus Planetoiden das System. Auch sie waren intensiv besiedelt worden. Überall im System schwirrten lichtschnelle Funkwellen herum, so daß der SCHLÄFER sich über die Rasse umfassend informieren kann. Ja, diese Rasse bot die Möglichkeit, ihm helfen zu können. Und dann...

***

„Achtung, Dominator, hier ist die Liaquu Prime Raumkontrolle. Docken sie an Orbitalstation A3 an und gehen sie in Stand by - Modus über. Bestätigen!“
„Sir, wir werden von der ....“
„ Ja, ja. Ich habe es gehört. Bestätigen sie! Ruder, bringen sie uns rein.“ befahl Captain Jonathan Tringle seinem Nav-Offizier.
„Captain, warum können wir nicht auf Modus Grün?“ fragte der neue erste Offizier, Lt. Cmdr. Dan Rottenberg.
„Was weiß ich denn? Die vom lokalen Kommando werden schon ihre Befehle haben.“
Der Captain war ohne Zweifel gereizt. Seit die Liga seinen Heimatplaneten besetzt hatte, war er öfters in diesem Zustand.
„Nun, Captain. Ich glaube sie sägen selber an ihrem Ast. Ich werde das in meinem Bericht erwähnen.“ Der neue erste Offizier war ein vom Oberkommando eingeschleuster Spitzel, der überprüfen sollte, ob Jonathan Tringle noch ein loyaler Liga-Offizier war. Er stammte immerhin von einem Planeten der Union und sein früherer erster Offizier Dorian Lightcloud, der bereits im vinonischen Krieg ein eigenes Kommando erhalten hatte, war zur Union übergelaufen. Man sagte, daß die beiden eng befreundet waren und auch nach der Desertation noch Kontakt gehabt hatten. Das allerdings wäre Hochverrat und würde mit dem Tod bestraft.
„Dockingmanöver abgeschlossen, Sir.“ meldete der Nav-Offizier.
„Gehen sie auf Stand-by und erwarten sie weitere Befehle.“ kam prompt die Antwort.
„Achtung, Dominator. Hier ist das Lokalkommando Liaquu. Nach Übernahme von Treibstoff und Munition begeben sie sich auf vorgeschobene Patroullie innerhalb des Systems. Gehen sie auf Gefechtsalarm. Wir haben Grund zu der Vermutung, daß Schiffe der Union einen Angriff auf das System planen. Sie sollen in 2 Standardstunden starten. Bestätigen!“
„Positiv. Haben wir irgendeine Verstärkung?“ fragte der Captain über den offenen Kanal.
„Negativ. Sie sind zur Zeit das einzige Liga-Großkampfschiff im System. Es patroullieren jedoch zwei Korvetten der Raubvogel-Klasse nahe des Systems im Hyperraum. Sie könnten im Bedarfsfall in wenigen Minuten hier eintreffen.“
„Na toll. Verstanden. Wir werden in 2 Standardstunden starten.“
Etliche Stunden später kreuzte die Dominator die Bahn von Liaquu VII und erreichte damit den aüßersten Punkt ihrer vorgeschriebenen Patroullienbahn. Bisher war alles völlig ruhig und die Nachricht vom bevorstehenden Angriff der Union schien ein Irrtum gewesen zu sein.
„Nav-Offizier, setzen sie Kurs auf Liaquu Prime und teilen sie dem lokalen Kommando mit, daß es keine besonderen Vorkommnisse gegeben hat. Das Schiff bleibt noch in Gefechtsalarm.“
Noch bevor die Worte des Captains auf der Brücke verklungen waren, begannen die Sirenen zu heulen. Der automatisch überwachte Ultraradarschirm begann sich mit Symbolen, die für feindliche Schiffe standen, zu füllen. Der Angriff hatte begonnen.
„Taktik, was ist passiert?“ war die Stimme des Captains über das Sirenengeheul zu hören. „Verdammt, stell doch endlich einer die Sirene ab.“
„Sir wir haben Radarkontakte verschiedener Größenordnungen. Es sieht so aus als ob wir es mit einer Flotte aus 9 Schiffen zu tun hätten. Ein Schlachtschiff, wahrscheinlich Anaconda-Klasse. Dazu zwei Zerstörer/ Kreuzer, vermutlich Boa-Klasse und etwas, das wie ein Schiff von Korvettengröße aussieht. Dazu kommen noch fünf Frachtschiffe verschiedener Größen und Typen.“
„Sie schicken einen Ruf an alle, die ihn empfangen können. Möchten sie ihn hören?“
fragte der Komm-Offizier.
„Ja.“
„... Hier ist Konteradmiral Dorian Lightcloud an Bord der Victory, einem Unionsschlachtschiff. Wir wenden uns an alle Liga-Schiffe innerhalb des Systems. Wir wissen daß sie zur Zeit zu schwach sind, um uns Widerstand zu leisten und bieten ihnen freien Rückzug an, wenn sie das System kampflos verlassen wollen. Ich wiederhole. ...“
„Der Spruch ist automatisch, Sir. Sollen wir antworten?“
„ Hmmm. Sind wir geortet worden?“ fragte Captain Tringle.
„Nein Sir. Wir befanden uns auf der abgewandten Seite des Planeten, als die Unionsschiffe ins System eintraten. Wir konnten sie nur orten, weil wir Reflexionen vom inneren Mond bekamen“ antwortete der Taktik-Offizier.
„Mr. Rottenberg, ihre Meinung?“
„Ich wäre dafür, mit Höchstgeschwindigkeit nach Liaquu Prime zurückzukehren und den Planeten zu verteidigen. Unterwegs können wir Verstärkungen anfordern. Ich denke ein Rückzug kommt nicht in Frage.“
„Taktik: Analyse der Überlebenschancen im Falle einer Schlacht gegen die gesichtete Flotte.“
„Etwa 17 %, Sir.“
„Und wenn wir die planetarischen und orbitalen Jagdmaschinen miteinrechnen?“ Rottenberg hatte die Frage gestellt.
„Das habe ich bereits getan, Sir.“
Das war auch für Rottenberg ernüchternd. Schweigen herrschte auf der Brücke.
„Na schön. Ich befehle hiermit den Rückzug aus dem System.
Komm-Offizier, Nachricht an die feindliche Flotte: Wir werden uns kampflos aus dem System zurückziehen.“
„Aber Captain, wir können das lokale Kommando nicht im Stich lassen. Das ist Meuterei.“ Die Stimme des ersten Offiziers war immer erregter geworden.
„Achtung, Dominator. Sie erhalten Befehl, sich nach Liaquu Prime zurückzuziehen und Verteidigungspositionen zu beziehen. Haben sie verstanden?“ Der Komm-Offizier hatte den Spruch des Kommandos ungefragt auf die Brücke gelegt.
„Ich gebe hier die Befehle, Mr. Rottenberg. Sie haben gehört, daß wir wahrscheinlich zerstört werden, wenn wir kämpfen. Ich denke in erster Linie an das Schiff und die Besatzung.“
„Nein, Sir. Sie sind ein Verräter und wollen der Union das System in die Hände spielen. Und ich werde das verhindern.“
Mit diesen Worten öffnete der erste Offizier einen Kanal des internen Komm-Netzes, so daß er überall auf dem Schiff gehört werden konnte.
„Achtung, hier spricht Rottenberg, an alle Offiziere des Liga-Zerstörers Dominator: Kennwort „New Morning“, ich übernehme das Kommando über das Schiff und setze den Captain wegen Hochverrats unter Arrest. An alle: Machen sie sich gefechtsbereit.“
„Das können sie nicht tun, Mr. Rottenberg! DAS ist Meuterei.“
Doch der Captain mußte erkennen, daß er sich getäuscht hatte. Dan Rottenberg konnte es tun. Er hatte es schon getan.
„Ein paar Soldaten auf die Brücke. Führen sie den Captain ab. Bis nach der Schlacht soll er eingesperrt werden.“
„Navigation, Kurs auf Liaquu Prime, Höchstgeschwindigkeit. Alle Mann auf die Gefechtsstationen.“
„Kommunikation, Nachricht an LoKKom Liaquu, Wir haben verstanden und sind auf dem Weg. Sie sollen sich verteidigungsbereit machen und diese beiden Korvetten herrufen. Befehl an Jagdschwadronen, alle Maschinen zu starten. Wir werden uns auf den Orbit der Sation zurückfallen lassen, dann sind unsere Chancen, den Angriff abzuweisen, bedeutend größer.“

***

„Achtung Sprinter, hier ist die Victory. Beschleunigen sie auf Höchstgeschwindigkeit und gehen sie nach Plan vor. An alle: Klar Schiff zum Gefecht!“
„Sir, die feindlichen Kräfte haben sich um die Orbitstation gesammelt und scheinen sich direkt dort verteidigen zu wollen.“ Der Taktik-Offizier war völlig ruhig. Man erkannte nun die kühle Effizienz des Veteranen.
„Na gut. Was für eine Station ist das?“ fragte Kommandant Briggs nach kurzem Überlegen.
„Laut den Anzeigen ist es eine Station des Typs 1. Aber sie scheint keine Jäger an Bord zu haben. Jedenfalls sind bisher keine gestartet worden.“
„Gut. Die Lasertürme sollen Ziel auf die Station nehmen. Visieren sie die Kommandosektion bei den Jagdhangars an, das ist eine Schwachstelle der Schilde.“
„Aber woher wollen sie das wissen, Sir.“ warf Jenkins überrascht ein.
„Ich habe mal vor drei Jahren... Ach vergessen sie`s. Tun sie es einfach. Navigation, sobald alle Lasertürme der Station in Kämpfe verwickelt sind, bringen sie uns auf einem tangetialen Kurs an der Station vorbei in einen 100 Km-Orbit.“
Die Unionsflotte näherte sich mit Gefechtsgeschwindigkeit dem Planeten und wenige Minuten später waren die größeren Schiffe alle in Gefechte verwickelt. Die Sprinter raste mit Höchstgeschwindigkeit auf die Station zu und an ihr vorbei. Im Vorbeiflug feuerte sie aus allen Rohren auf die strukturelle Schwachstelle des Schildes. Der Stationscommander reagierte fast augenblicklich darauf und leitete mehr Energie in die Schilde. Dadurch jedoch wurden die schweren Lasertürme der Station geschwächt und es mußten zwei von ihnen stillgelegt werden. Aber da war die Sprinter auch schon an der Staion vorbei und trat in den Orbit ein.
„Mr. Jenkins, schleusen sie alle Jagdschiffe aus. Sie sollen die errechneten Ziele anfliegen und zerstören. Sie haben 8 Minuten für den Angriff, danach verlassen wir den Orbit und treten den Rückzug an. Sagen sie das noch mal allen Piloten.“
Alle Jagdmaschinen wurden ausgeschleust und schon zwei Minuten nach dem Beginn des Angriffs waren auf der Planetenoberfläche die ersten Explsionen auszumachen, die von den Fusionstorpedos der extra umgerüsteten Python-Jäger verursacht worden waren. Schon 10 Minuten nach Angriffsbeginn war die Sprinter bereits auf dem Weg in den Hyperraum.
„Ja, Sir. Hier spricht Kommandant Briggs. Wir haben 11 Ziele erfolgreich ausschalten können und sind nun auf dem Weg in den Hyperraum. Ich glaube, wir haben sie geschlagen, Sir.“
„Gut Kommandant. Ziehen sie sich zurück. Ich werde die Beschießung der Station abbrechen lassen.“ war die kurze Antwort des Konteradmirals.
„Achtung, Sir. Soeben sind zwei feindliche Schiffe direkt vor uns aus dem Hyperraum gekommen. Sieht nach zwei Korvetten der Guardian-Klasse aus. Sie haben uns erfaßt und kommen auf uns zu. Sie haben ihre Waffen ausgerichtet“ brach plötzlich der Taktik-Offizier dazwischen.
„Alle Batterien feuer frei. Geben sie eine ODIN-Salve auf die rechte Korvette ab. Lt. Pearl, Ausweichen nach 125:007:661, Manöversequenz Delta. Mr. von Braun, Nachricht an die Victory: Wir sind in Schwierigkeiten und benötigen Unterstützung.“
Obwohl er unter Druck stand, hatte Kommandant Briggs versucht, seine Stimme ruhig zu halten. Anscheinend hatte er Erfolg gehabt. Die Leute auf der Brücke reagierten ohne zu zögern.
Die beiden Korvetten nahmen eine Standardabfangformation ein und eröffneten aus mittlerer Entfernung das Feuer auf die Sprinter.
„Sir, die Schilde sind bei 72 % Stärke und fallend. Die Korvetten haben soeben einen Torpedovolley auf uns abgegeben. 16 Flugkörper kommen direkt auf uns zu. Einschlag in 35 Sekunden.“
Neben den Torpedos wurde die Sprinter mit Energiestrahlen bombardiert, unter deren Schlägen sie erbebte.
„Verdammt. Spätestens der zweite oder dritte Torpedo wird uns in Stücke reißen. Abwehrlaserfeuer auf die Torpedos lenken. Versuchen sie, den Hyperantrieb zu aktivieren oder wir sind alle tot.“ Jetzt hatte die Stimme des Kommandanten einen gepreßten Unterton.
„2 Torpedos vernichtet, die anderen kommen näher. 25 Sekunden bis zum Einschlag.“ Der Taktik-Offizier war nahe daran zu schreien. Die beiden feindlichen Korvetten kamen näher, um der Sprinter den Rest zu geben, obwohl sie wissen mußten, daß die Torpedos sie in Stücke reißen würde, lange bevor sie sie erreichen konnten.
„Sir, die Jumping Duck meldet, daß sie direkt in die Flugbahn der Torpedos fliegen wird. Wir sollen die Besatzung aufnehmen und danach verschwinden.“
„Was zur Hölle ist die Jumping Duck?“
„Eines der begleitenden Frachtschiffe, Sir. Sie sind durch den Kampf gegen die Station und den verteidigenden Zerstörer stark beschädigt worden. Sie haben übrigens einen Gefangenen an Bord, einen Überlebenden des Zerstörers, der nach dessen Vernichtung geborgen wurde.“
„Was ist mit der Victory?“
„Sie wird uns Feuerschutz auf dem Rückzug geben. Wir sind angewiesen uns als erste zurückzuziehen.“
„Wer hat das befo....?“
Weiter kam Kommandant Briggs nicht mit seiner Frage. Plötzlich raste ein Schiff von der Größe der Sprinter nah an ihr vorbei. Es sah furchtbar zerschossen aus. Kleine Objekte von der Größe eines Jägers flogen von dem Schiff weg. Das mußte die Jumping Duck sein. Und die kleinen Körper waren sicherlich die Rettungskapseln in denen die Crew saß.
Ein blendender Blitz sorgte dafür, daß sich der selbstverdunkelnde Sichtschirm plötzlich schwarz färbte.
„Die Jumping Duck ist soeben vernichtet worden. Sie hat alle bis auf einen Torpedo abgefangen. Aufschlag in 5 Sekunden, in 4, ...3, ...2, ...1 Sekunde. Jetzt.“
Ein fürchterlicher Schlag riß die Brückenmannschaft von den Beinen. Die Energieversorgung fiel aus und es war einige Sekunden lang dunkel, bis die Notaggregate ansprangen.
„Zustandsbericht.“ rief Kommandant Briggs in das Dunkel.
„Mittlere Schäden an Backbord. Die Panzerung wurde auf dieser Seite mittschiffs durchschlagen. Alle Backbordabwehrlaser ausgefallen. Die Schildgeneratoren sind komplett ausgefallen. Sämtliche Triebwerke und schweren Lasertürme sind voll einsatzbereit.“
„Sir, eine der Korvetten ist soeben von unserem Torpedovolley vernichtet worden. Keine Überlebenden. Die Victory ist nun in Reichweite. Die zweite Korvette zieht sich zurück zur Station.“
„Nehmen sie die Überlebenden der Jumping Duck auf und dann bringen sie uns in den Hyperraum. Schicken sie eine Gruppe Soldaten zu den Hangars, um den Gefangenen zu übernehmen.“
Weitere 15 Minuten später verschwand die Sprinter im Hyperraum und 30 Minuten später verschwand die Victory als letztes Schiff aus dem Liaquu-System. Der Angriff war beendet.

***

Kapitel Zwei - Unsichtbarer Tod

Das Schiff schaltete seine Deckungsvorrichtung aus und kehrte in den Normalraum zurück, nachdem die letzten der Angreifer das System verlassen hatten. Es befand sich nicht weit vom letzten überlebenden Verteidigerschiff entfernt, das leichte Beschädigungen aufwies. Es flog mit niedriger Geschwindigkeit zurück zu der Orbitalstation, die den Hauptplaneten umkreiste. Schnell war der Feind vernichtet. Es waren eindeutig Menschen gewesen, die hier gegeneinander gekämpft hatten. Sonderbar, diese Rasse von zweibeinigen Intelligenzwesen. Sie schienen sich sogar gegenseitig zu bekriegen. Der Kommandant befahl, die Station und den Planeten vollständig zu vernichten. Innerhalb einer Standardzeiteinheit war diese Aufgabe erfüllt. Der Rat hatte beschlossen, diese offene Kriegserklärung an die menschliche Rasse zu machen, um sie einzuschüchtern und ihnen von Anfang an die Überlegenheit des neuen Konzils zu demonstrieren. Danach verließ das Schiff das System und trat den Rückweg in die Enklave an.
In der Zeiteinheit, die die Menschen 2 Jahre nennen würden, war viel geschehen. Der SCHLÄFER hatte Kontakt mit der Rasse innerhalb der Enklave aufgenommen. Die Enklave selbst war ein astrophysikalisches Phänomän: eine stabile Blase von vierdimensionaler Raumzeit, eingebettet in das 6 dimensionale Kontinuum des Hyperraums. Mit einem geringfügig modifizierten Hyperantrieb konnte ein Schiff diese Blase nach Belieben erreichen und verlassen. Die Rasse, die in ihr lebte, nannte sich selbst die Zyrrgons. Sie waren nicht in der Lage gewesen den SCHLÄFER daran zu hindern, die Macht zu übernehmen und waren, nachdem die ersten Klone der Konzilsrassen erschaffen worden waren, vollständig vernichtet worden. Die Bevölkerung der Enklave war inzwischen auf 10 Milliarden angeschwollen, teils Klone, teils normale, von den Klonen geborene Individuen. Das neue Konzil hatte sich konstituiert und hatte der Menschheit und allen anderen Rassen, die sich der Herrschaft des Konzils widersetzen sollten, den Krieg erklärt. Sofort war mit dem Bau einer Flotte begonnen worden, um den Krieg zu den Barbaren zu tragen. Der Angriff auf das erste bewohnte System war nur der Auftakt. Eine Offensive sollte folgen.

***

„Sir, wir können keine Funksignale des Planeten oder der Station feststellen. Sie haben nicht mal unsere Identifikation verlangt. Es sieht so aus, als ob sie uns überhaupt noch gar nicht bemerkt hätten.“
„Wie ist das möglich?“ Captain Mcleeder richtete sich in seinem Sitz auf und starrte auf den Sichtschirm.
„Taktik, sind irgendwelche anderen Schiffe im System?“
„Wir können keine orten, Sir.“
Liam Mcleeder wurde von einem sehr unguten Gefühl beschlichen.
„Hmm. Was ist hier los? Rufen sie den Planeten und die Station und fragen sie an, ob es Probleme gibt.“
„Wir erhalten keine Antwort, Sir.“ Der Kom-Offizier hatte mit einem überraschten Unterton in der Stimme diese Antwort gegeben.
„Setzen sie einen Funkspruch an das Oberkommando auf der Erde ab. Wir erhalten keine Antwort vom LokKom Liaquu. Niemand antwortet uns hier. Erbitten Befehle.“
Etwa 30 Minuten später kam über Hyperwelle die Antwort.
„Das LokKom Liaquu hat sich bereits seit 8 Stunden nicht mehr gemeldet. Versuchen sie, herauszufinden, was passiert ist. Verstärkung ist auf dem Weg. Wir haben Grund zu der Annahme, daß die Union einen vernichtenden Angriff auf das Liaquu System geführt hat. Es könnten noch feindliche Schiffe in der Nähe sein, also seien sie sehr vorsichtig. Captain Mcleeder, sie haben bis auf weiteres völlige Handlungsfreiheit.“
Nach diser Nachricht war es sehr still auf der Brücke. Es war Captain Mcleeder, der die Stille als erster unterbrach.
„Taktik, Schilde hoch, Gefechtsalarm. Alle Mann auf die Gefechtsstationen. Starten sie beide Geschwader. Sie sollen uns abschirmen. Beschleunigen sie uns auf Einsatzgeschwindigkeit und bringen sie uns zum Planeten. Navigation, berechnen sie den Hyperkurs zum nächstgelegenen Liga-System, damit wir im Notfall schnell abhauen können. Kommunikation, versuchen sie weiterhin, Kontakt mit dem LokKom aufzunehmen.“
Die Inveliant flog mit Höchstgeschwindigkeit in das System hinein und hatte den Planeten nach etwa 4 Stunden erreicht. Dann konnten die Sensoren die Oberfläche scannen. Das Ergebnis war ein Schock.
„Oh Gott.“ war alles, was dem ersten Offizier dazu einfiel. Niemand anderes sprach.
Die Planetenoberfläche war total verwüstet worden. Nichts war übriggeblieben und niemend hatte überlebt. Es sah aus, als ob sich die Hölle aufgetan hätte und alles und jeden verschlungen hatte. Jedenfalls würde das ein religiöser Mensch sagen. Die planetare Kruste war an vielen Stellen aufgerissen worden und hatte Magma aus dem inneren des tektonisch aktiven Planeten freigelegt. Auf den übriggebliebenen Teilen der Kruste waren noch nicht einmal Trümmer der Städte zu sehen. Es war schlichtweg gar nichts mehr da. Auch von der orbitalen Station waren nur sehr wenige Trümmer geblieben.

***

„Na, wen haben wir denn da? Wenn das nicht mein alter Captain ist. Was hat sie denn in diese lausige Ecke des Universums verschlagen.“ Bei diesen Worten kam Konteradmiral Lightcloud mit einem Lächeln um seinen Schreibtisch herum und streckte dem Mann, der vor ihm stand, die Hand entgegen. Der Angesprochene war von der Begegnung sichtlich überrascht.
„Du... ähh... Sie hier? Wie ist das möglich?“ Captain Tringle stotterte.
„Nun ja, in Zeiten wie diesen werden gute Leute schnell befördert. Ich bin jetzt Konteradmiral und kommandiere diese Flotille. Ich habe die Operation gegen eure Garnison geleitet. Aber wieso hast du den Angriff überlebt? Warst du nicht auf der Brücke, als wir die Fregatte in Stücke geschossen haben?“
„Ich, nein ich war nicht auf der Brücke. Ich war kurz vor der Schlacht von meinem neuen ersten Offizier abgesetzt und gefangen genommen worden. Er war ein Spitzel des Oberkommandos, der meine Loyalität überprüfen sollte. Als die feindliche Flotte aus dem Hyperraum fiel, befanden wir uns im Ortungsschatten eines Planeten und ich beschloß, nicht gegen die Unionsflotte zu kämpfen. Die Dominator sollte sich absetzen und Verstärkung herbeirufen. Er ließ mich in einen Lagerraum neben dem Hangar eines der Jagdgeschwader sperren. Während der Schlacht konnte ich fliehen und einen Raumanzug anlegen, kurz bevor der Reaktor ausfiel und unsere Schilde endgültig zusammenbrachen. So kam ich raus und überlebte.“ Captain Tringle hatte sich während seiner Schilderung in einen der Sessel gesetzt, die in einer Ecke des Büros um einen kleinen Tisch gruppiert waren.
„Ich denke, Rottenberg hatte recht. Ich war wohl ein Verräter. Sagen sie Admiral, ist es möglich überzulaufen? Ich würde gerne den Unionsstreitkräften beitreten. Ich denke, ich kann ein Verhalten seitens der Liga nicht mehr weiter unterstützen, daß auf undemokratische Machtergreifung und -ausübung abzielt. Ich kann mich nicht ewig meiner Verantwortung entziehen, indem ich mich hinter meiner Pflicht als Soldat verstecke.“ Die Stimme Tringles klang plötzlich sehr müde und resigniert.
„Hör zu, Captain. Ich bin jetzt zwar Admiral, aber ich bin trotzdem nicht allmächtig. Ich kann dem Oberkommando gewisse Vorschläge machen, aber die Entscheidung liegt bei ihnen. Können wir jetzt offen sprechen?“
„Ich bin ihr Gefangener, Admiral. Sie sagen, was zu geschehen hat.“ Tringle hatte sich versteift und blickte zu Boden. Er schien irgendetwas zu erwarten.
„Verdammt, rede nicht so einen Quatsch, Mann. Ich habe deine Gründe, die du mir damals genannt hast, verstanden. Es ist nicht jedermanns Sache, seinem Sinn für richtig und falsch zu folgen. Gerade ein Soldat weiß das. Immerhin bin ich froh, daß du jetzt wenigstens die richtige Entscheidung treffen willst. Aber natürlich können wir dir nicht einfach so bedingungslos vertrauen. Wir müssen dich erst überprüfen. Das weißt du ganz genau. Also schluß damit. Ich freue mich wirklich, dich endlich mal wiederzusehen. Als du auf meine Briefe nicht mehr reagiert hast, dachte ich, sie hätten dich einkassiert.“
„Nun ja, ich konnte nicht antworten. Man war mir gegenüber sehr mißtrauisch geworden. Sie kannten meine Vergangenheit und sie wußten, daß wir befreundet waren, bevor du desertiert bist.“
„Na ja, einerlei. Wie ist es dir seitdem ergangen?“ Die Frage des Admirals klang fast erheitert.

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Als die Verstärkung eintraf, packte alle Anwesenden, vom Befehlshaber bis zum Ensign das blanke Entsetzen, ebenso wie es einige Stunden zuvor die Besatzung der Inveliant beim Anblick des total verwüsteten Planeten gepackt hatte. Sofort wurden die Sensorenwerte, Kameraaufzeichnungen und Telemetriedaten an das Oberkommando der Liga gesendet. Schon nach 2 Tagen kam der Befehl, sich aus dem Liaquu-System zurückzuziehen. Es wurden keine Begründungen genannt, man sollte sich einfach nur zurückziehen.
Es wurde jedoch nicht nur das Liaquu-System geräumt, sondern alle Systeme, die nicht mehr offiziell zur Liga gehörten. Außerdem wurden alle Reservisten in den Liga-Systemen eingezogen und die Flotte wurde komplett mobilgemacht. Alle Reserven wurden verteidigungsbereit gemacht, ohne daß die Führung der Liga eine Erklärung dazu abgegeben hätte.
Als nach etwa 2 Monaten zwei weitere schwer bewachte Systeme vernichtet worden waren, sendete die Liga eine Nachricht an die Union. Sie beeinhaltete nur einen einzigen Satz: „Wir ergeben uns“.
Das Ergebnis war auf seiten der Union Ratlosigkeit. Alle Welten waren geräumt worden, die Flotte hatte zum ersten mal ihre volle Stärke erreicht und man könnte jetzt ganz offen gegen die Liga antreten. Bisher waren die Machthaber der Liga ganz wild darauf gewesen, die Union zu vernichten und nun ergaben sie sich plötzlich. Wie paßte das zusammen? Es fand eine Sondersitzung des Verteidigungsrates statt, auf dem die Situation und das weitere Vorgehen beraten werden sollten. Auch hohe Mitglieder des Militärs waren dabei anwesend.
„Gentlemen, soweit also die Situation, soweit wir sie kennen. Gibt es noch irgendwelche Fragen?“ Der Vorsitzende blickte auf die Versammelten, bis sich eine Hand hob. „Ja, bitte?“
„Sagen sie, was ist mit dem Gefangenen, den wir vor 2 Monaten gemacht haben. Weiß der nichts? Er war doch immerhin Captain in der Liga-Flotte.“
„Captain Tringle ist kein Gefangener mehr, sondern er ist mittlerweile als Überläufer akzeptiert worden. Er ist ausgiebig zu den Vorkommnissen befragt worden, konnte sich das Verhalten der Ligaführung aber auch nicht erklären. Er hat sich auch freiwillig bereit erklärt, eine Befragung unter Drogen durchführen zu lassen. Er wußte auch nichts über die neue Waffe der Liga, die den Planeten Liaquu total verwüstet und unbewohnbar gemacht hat. Wir haben durch Untersuchungen herausgefunden, daß der Planet massiv mit Antimaterie beschossen worden sein muß.“ war die Antwort. Konteradmiral Dorian Lightcloud hatte sie gegeben.
„Also wenn sie mich fragen, ist das ein Trick der Liga. Sie wollen auf diese Weise die Koordinaten von Cronos bekommen. Wir sollten sofort hart und schnell zuschlagen und der Liga klarmachen, daß wir nicht so dumm sind auf ihren Trick hereinzufallen.“ Der Vertreter des Lomokan-Systems hatte schlecht unterdrückten Zorn in seiner Stimme gehabt. Er haßte die Liga, seit sie während der Besetzung des Systems bei einer Demonstartion gegen die Liga-Regierung über 10000 Bürger abgeschlachtet hatte. Breite Zustimmung war ihm gewiß. Viele nickten oder raunten ihre Unterstützung. Die Liga hatte sich nicht gerade human verhalten, als sie die Unionswelten besetzt hatte.
„Aber, Gentlemen. Das ist keine Lösung. Und das wissen sie. Wir alle haben einen tiefen Groll gegen die Regierung der Liga und zu recht, aber wir dürfen uns nicht auf ihr Niveau herablassen. Ich möchte diesem Gremium eine Erkundungsmission in das Territorium der Liga vorschlagen. Eine kleine, aber starke Flotte erobert ein Liga-System und versucht soviele Informationen, wie nur möglich zu erbeuten. Bevor Liga-Truppen das System entsetzen können, sind unsere Schiffe schon wieder verschwunden. Außerdem möchte ich vorschlagen, den Erkundungsdienst wieder einzusetzen, um den Raum in allen bekannten Bereichen der Galaxis zu überwachen. Vielleicht bringt uns das auch wichtige Informationen.“
Alle Anwesenden starrten Admiral Lightcloud an. Lange geschah nichts. Die Vertreter der Planeten und die Militärs waren gleichermaßen überrascht über den Offizier. Er schien sich schon längere Zeit Gedanken über dieses Thema gemacht zu haben. Nach etwa 15 Minuten wurde abgestimmt und dem Antrag Lightclouds entsprochen. Die Versammlung löste sich auf.
Alle hochrangigen Militärs, sowie eine Anzahl von weiteren Offizieren wurden 12 Stunden später zu einer geheimen Besprechung geladen. Dort erwartete die Teilnehmer eine weitere Überraschung.
„Meine Herren, ich informiere sie hiermit darüber, daß diese Unterredung streng geheim ist. In Kriegszeiten steht auf einen Verstoß gegen die Geheimhaltung die Todesstrafe. Habe ich mich klar ausgedrückt?“ Alle nickten.
„Nun, dann bitte ich um ihre Aufmerksamkeit. Der Erkundungsangriff in die Liga ist nur ein Scheinunternehmen. Wir haben den in Wahrheit für die Vernichtung des Liaquu-Systems verantwortlichen Gegner bereits ermittelt.“
„Was soll das heißen? Wollen sie uns für dumm verkaufen?“ Admiral Ngome hatte die Fragen gestellt. Er war bekannt dafür, daß er ein aufbrausendes Temparament hatte.
„Nein, Sir. Die Art der Zerstörungen auf Liaquu Prime läßt nur den Schluß zu, daß weder die Liga noch das vinonische Imperium, das im übrigen seit 2 Jahren nichts mehr von sich hat hören lassen, dafür verantwortlich sein können. Wir mußten uns also die Frage stellen, wer die technologischen Möglichkeiten besitzt, um so eine totale Zerstörung anzurichten. Durch Zufall bekam ich vor zwei Jahren Telemetriedaten eines Schmugglers in die Hände, die während der Schlacht bei War`s End aufgezeichnet wurden. Was ich ihnen jetzt sage, wußten bis jetzt nur zwei Menschen und ein Laterianer. Der Laterianer ist tot und der zweite Mensch außer mir ist seit einem Jahr unter neuer Identität beim Border-Team des Erkundungsdienstes.
Gentlemen, ich fürchte, wir müssen uns mit der Möglichkeit anfreunden, daß es einen neuen Gegner für die Menschheit gibt.
Die Zerstörungen auf Liaquu Prime wurden definitiv durch Anti-Materie-Waffen angerichtet. Weder Wir, noch die Liga, noch eine andere uns bekannte galaktische Macht hat eine solche Technologie in ihrem Besitz. Es gibt nur eine uns bekannte Gruppe, die technisch dazu in der Lage ist, AM-Waffen herzustellen und einzusetzen. Bei der Schlacht von Wars End, von der wir dachten, sie gewonnen zu haben, trat eine weitere Macht neben uns und den Vinoniern an. Der Planet selbst war es.“
„Sagen sie Lightcloud, wollen sie uns auf den Arm nehmen?“
„Keineswegs. Warten sie, bis sie das Material gesehen haben. Abfahren bitte.“
Die Lichter im Besprechungsraum wurden gedämmt und ein versteckter Projektor begann, eine Kameraaufzeichnung auf eine freie Fläche an einer Wand zu projizieren. Es war ein riesiger Tunnel zu sehen, der in einen noch gewaltigeren Dom mündete. Einen Dom, so groß, daß seine Wände nicht zu erkennen waren.
„Was sie hier sehen, ist der zentrale Reaktordom des Planeten, den ein freier Händler vor etwa 2 Jahren im Goreen Sterncluster entdeckte. Es war offensichtlich ein Xeno-Planet. Die Vinonier haben ihn ebenfalls entdeckt und es gab die überall bekannte Schlacht von Wars End, so wurde der Planet kurzerhand getauft. Was nicht bekannt war, ist, daß der Planet nicht nur ein Relikt einer alten, verschwundenen Rasse war, sondern, daß er während der Schlacht oder vielleicht auch schon kurz davor von einer Intelligenz gesteuert wurde. Wir nehmen an, daß es ein riesiger Computer gewesen sein muß, der aus irgendwelchen Gründen wieder aktiviert wurde.“
„Welche Gründe haben sie für diese Annahme?“ fragte einer der Anwesenden.
„Warten sie ab. Es erklärt sich alles, wenn sie das Band zu Ende gesehen haben.“
Man sah auf der Wand jetzt, daß das Schiff, von dem aus die Kamera die Aufzeichnungen machte, auf ein riesiges Gebilde zuflog. Das Bild wechselte auf eine Heckkamera und mehrere undeutlich erkennbare, verschwommene Flecken wurden sichtbar. Sie schossen mit einer Art von Energiewaffe nach dem aufzeichnenden Schiff, verfehlten es jedoch. Jetzt erst konnte man erkennen, daß noch ein weiteres Schiff auf das zentrale Gebilde des Doms zuhielt. Es sah aus, wie ein Schiff, daß normalerweise von Schmugglern benutzt wurde. Plötzlich wurde das zweite Schiff von einem schwach bläulich leuchtenden Strahl getroffen und dabei wurde es schwer getroffen. Es begann unkontrolliert zu trudeln und stürzte ab. Es zerschellte schließlich an einer nicht sichtbaren Barriere.
„Was war das? Ein Energieschild?“
„Nein, es war ein magnetischer Perimeter. Höchstwahrscheinlich der Perimeter zur Abschirmung des riesigen Fusionsreaktors.“
„Woher wollen sie das wissen?“
„Wir haben natürlich zusammen mit den Kameraaufzeichnungen auch alle anderen Telemetriedaten erhalten. Das Schiff zeichnete alles auf, was irgendwie hereinkam. Beschaffenheit der Umgebung, Strahlungen usw.. Das Gebilde, das wir für den Hauptreaktor halten, sendete charakteristische Neutrinowellen aus. Dabei haben wir auch entdeckt, daß die Strahlungsmuster, die das zweite Schiff nach seiner Beschädigung aussendete mit denen übereinstimmten, die wir auf Liaquu Prime vorfanden. Es steht also außer Zweifel, daß die Waffen dieselbe Herkunft haben müssen.“
„Wer ist denn nun unser angeblicher Gegner?“ Konteradmiral Jeremiah Wilson hatte die Frage gestellt. Seine Stimme hatte ein wenig amüsiert geklungen, so als ob er das alles für einen gelungenen Scherz hielte.
„Darf ich fragen, warum sie das so komisch finden? Es handelt sich hier um eine sehr ernste Angelegenheit.“
„Ohh, verzeihen sie, Lightcloud. Ich denke da wie sie. Ich mußte nur gerade daran denken, daß die Liga Führung offensichtlich nur aus blinden Idioten bestehen kann. Sie haben doch fast diesselbe Datenbasis wie wir und müßten eigentlich auch in der Lage sein zu ähnlichen Schlüssen zu gelangen. Statt nachzudenken, ergeben sie sich uns lieber.“
Nervöses Gelächter erfüllte den Raum für einige Augenblicke. Das löste die entstandene Spannung ein wenig. Auch Lightcloud mußte bei dem Gedanken kurz lächeln.
„Na gut, das ist ein Aspekt, den ich bisher nicht bedacht hatte.“ Sofort wurde er wieder ernst.
„Meine Herren, unser Gegner ist die Intelligenz, die bis vor zwei Jahren den Planeten Wars End steuerte und die der Vernichtung offensichtlich irgendwie entgangen ist. Sie ist uns technologisch in jeder Hinsicht überlegen und außerdem hatte sie offenbar Zeit eigene Nachforschungen über uns anzustellen. Die Tatsache, daß sie uns mit ihrer überlegenen Technik noch nicht einfach überrollt haben, läßt nur den Schluß zu, daß ihre industriellen Kapazitäten offenbar begrenzt sind. Es ist nun unsere Aufgabe, der Bedrohung in jeder nötigen Weise zu begenen. Ich glaube, die Gegenseite hat eindrucksvoll klargemacht, daß sie an einer friedlichen Koexistenz nicht interessiert ist. Ich habe bereits einige Sofortmaßnahmen mit dem Border-Team des Erkundungsdienstes erarbeitet und bitte sie nun sie sich einmal anzusehen.“
Die erarbeiteten Sofortmaßnahmen bestanden im wesentlichen aus drei Vorschlägen:
Erstens schlug der Konteradmiral vor, Verbindung mit der Liga aufzunehmen und der Regierung einen Waffenstillstand und vielleicht sogar eine Zusammenarbeit vorzuschlagen. Um dieser neuen Bedrohung begenen zu können, mussten alle Kräfte konzentriert werden.
Zweitens musste die technologische Forschung schneller vorangetrieben werden, um den Vorsprung der Aliens zu verkleinern und drittens musste die industrielle Produktion von Kriegsmaterial vergrößert werden, um gerüstet zu sein, wenn der Feind kam.
Schließlich eingte sich die Versammlung auf die drei Punkte und man machte sich an ihre Ausführung.

***

„Es tut mir wirklich sehr leid, daß ich dich versetzen mußte, Alicia. Aber meine Befehle wurden sehr kurzfristig geändert. Entschuldige bitte.“
„Ach ja. Na gut, aber warum hast du mir nicht bescheid gesagt? Verdammt Steve, ich habe 3 Stunden gewartet und mich vor allen lächerlich gemacht. Willst du mich verletzen?“
„Nein, natürlich nicht. Ich sagte doch, es tut mir leid. Der Einsatz war geheim, ich durfte dir gar nicht bescheid sagen. Wenn du mich läßt, mache ich es wieder gut. ... Gibst du mir noch eine Chance?“ Steve Briggs hatte einen dicken Kloß im Hals. Es würde ihn treffen, wenn sie ihn nun abservieren würde. Er hatte bei Frauen ohnehin nicht den besten Ruf und diese dumme Sache hatte offensichtlich nicht dazu beigetragen, Alicias Vertrauen in ihn zu stärken.
„Na schön, Steve. Du sollst deine Chance bekommen. Wenn du mich wieder versetzt, dann geh zum Teufel. Klar?“
„Natürlich. Was hälst du davon, wenn ich für uns beide koche. Magst du italienische Küche? Treffen wir uns in meinem Quartier, sagen wir um acht?“
„Nein, diesmal bestimme ich die Regeln. Wir treffen uns in meinem Quartier und ich werde kochen. Um neun bei mir. Und sei pünktlich. Ich hasse es, zu warten.“
„Ich ... werde pünktlich sein“, stammelte Briggs hervor.
Dann unterbrach sie das Gespräch einfach ohne ein weiteres Wort. Das war plötzlich eine ganz andere Alicia, als die, die er kennengelernt hatte. Diese war nicht das verschüchterte, kleine Mädchen aus der Systemüberwachung der Station. Sie schien sich wirklich über ihn geärgert zu haben.
„Wow. Die ist wirklich geladen. Ok, Stevie-Junge, schätze da mußt du einiges an verlorenem Boden gut machen.“ sagte er zu sich selbst. Zum ersten mal in seinem Leben störte es ihn überhaupt nicht, daß eine Frau ihm gegenüber sagte, wo es lang ging. Im Gegenteil, es gefiel ihm sogar sehr gut. Wurde er langsam weich? Er war doch wohl nicht verlliebt, oder? ODER? Darauf fiel ihm keine hundertprozentige Antwort ein, ein schlechtes Zeichen...
„Guten Abend.“ Steve Briggs stand vor der Tür von seinem Quartier und überlegte sich, wie er Alicia gegenüber auftreten sollte. „Hallo, Darling. Ahh, Nein.“ Ich denke, ich werde einfach den Abend genießen und auf jede Masche verzichten.
Inzwischen war er zwei Decks höher vor Alicias Wohnraum angelangt und betätigte den Summer. Sie öffnete erst, nachdem er zum zweiten Mal geklingelt hatte. War das eine Botschaft?
„Hallo, Alicia. Bin ich zu spät?“ Er lächelte. Wow, sie sieht toll aus.
„Guten Abend. Nein, bist du nicht. Komm doch rein.“ Er trat ein und sie schloß die Tür hinter ihm. Dann drängte sie sich an ihm vorbei in die winzige, abgeteilte Küche des Quartiers. „Mach dir einen Drink und setz dich. Ich bin gleich bei dir.“
Er trat in den Wohnraum und sah sich um. Wirklich geschmackvoll eingerichtet. „ Eine hübsche Wohnung hast du hier. Gefällt mir.“ Der Raum war zwar relativ klein, aber durch den hellen Anstrich wirkte er bedeutend größer. Ein heller Teppich bedeckte den standardmäßigen Metallboden und im Zusammenwirken mit den weißen Wänden und der indirekten Beleuchtung gab das dem Raum eine sehr warme und weiche Atmosphäre. Der Tisch in der Mitte des Raumes war bereits angerichtet. Das Essen war fertig. Italienisch, interessant. Sie hat Geschmack. Nur die Pasta fehlte noch.
Er trat an den Schrank, der die Bar beinhaltete. „Möchtest du auch was trinken?“
„Ja, bitte. Einen Gin-Tonic ohne Eis.“ In diesem Augenblick kam sie herein, eine Schüssel mit Pasta in den Händen. „Setz`dich doch schon mal. Ich bin gleich soweit.“
Er drehte sich um und reichte ihr einen der beiden Drinks, nachdem sie die Schüssel auf den Tisch gestellt hatte.
„Auf einen zauberhaften Abend.“ Steve Briggs hatte sein Glas erhoben und sah ihr direkt in die Augen. Sie lächelte ihn an, wissend und hintergründig, bis sie schließlich seinen Toast erwiederte.
„Ja, auf einen zauberhaften Abend.“ Sie tranken ihre Drinks und setzten sich dann an den Tisch, um zu essen.
Nach wenigen Minuten des Schweigens war es Briggs, der die Stille brach.
„Das ist wirklich vorzüglich. Wo hast du so gut italienisch kochen gelernt?“
„Meine Mutter ist Italienerin.“ antwortete sie lächelnd.
„Ich... das wußte ich nicht.“
„Natürlich nicht. Aber jetzt weißt du es. Mein Nachname ist übrigens Milano.“
„ Nun das erklärt es natürlich. Du steckst ja wirklich voller Überraschungen.“ Sein breites Lächeln konnte er bei dieser Bemerkung nicht unterdrücken.
„Oh, das stimmt. Auch wenn du das eigentlich gar nicht beurteilen kannst. Tu mir einen Gefallen, ja? Spar dir deine Sprüche. Ich bin einmal darauf hereingefallen, das passiert mir kein zweites Mal. Ich möchte etwas von dir kennenlernen. Und ich meine den echten Steve Briggs und nicht den, den du Frauen stets vorspielst.“ Ihr Lächeln war erstorben und sie sah ihn mit einem kalten Blick an. Ohne Zweifel meinte sie es todernst.
Wow. Das war wohl der falsche Spruch. Von mir willst du was wissen? Na gut.
„Alicia,... ich,... also. Ich bin nicht so wie mein...“
„Spar dir deine Erklärungen. Ich habe sowieso nicht alle Geschichten geglaubt, die ich von dir gehört habe. Aber ich will, daß du weißt, daß ich nicht dumm bin. Ich falle nicht auf deine Sprüche rein, was aber nicht heißt, daß ich nicht an dir interessiert wäre. War das deutlich?“
„Ähh.... . Mehr als deutlich, denke ich. Ich habe verstanden.“ Man konnte dem Kommandanten die Überraschung und Bestürzung über so viel Offenheit gut ansehen.
„Fein. Dann erzähl mir was von dir.“ Plötzlich war ihr süßes Lächeln in ihr Gesicht zurückgekehrt. Steve Briggs wußte eigentlich nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. Er war offenbar dabei, sich in diese Frau zu verlieben. Und eigentlich störte es ihn gar nicht mehr.
Nach einem wundervollen Abend wollte er sich gegen 2 Uhr verabschieden. Er wollte nun nicht, daß sie dachte, er wollte sie nur rumkriegen. Alicia geleitete ihn zur Tür.
„Danke, Steve. Das war ein sehr schöner Abend.“ Ihre Augen leuchteten bei den Worten.
„Dann verzeihst du mir, daß ich dich beim letzten Mal so versetzt habe?“ Jetzt hatte er seine Karten auf den Tisch gelegt. Er war zum ersten Mal seit langer Zeit wieder sehr nervös, wegen einer Frau. Er hatte richtiges Kribbeln im Bauch. Sonderbar, es fühlte sich gar nicht schlecht an.
„Aber ja. Natürlich.“ Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und küßte ihn leidenschaftlich.
Er wollte erst zurückweichen, aber statt dessen genoß er einfach den Kuß.
Nachdem sie ihn freigegeben hatte, sah er sie an. „Hör mal, ich..., du mußt das nicht, ich meine ich will nicht, daß du glaubst...“ Er wurde vor Aufregung rot und stotterte.
„Ich weiß. Aber ich wollte es. Und ich will noch mehr.“ Ihre Stimme war leise aber klar. Sie klang irgendwie sehr selbstbewußt.
„Was?“ Nun war er wirklich überrascht. Er staunte völlig fassungslos.
„ Bitte bleib bei mir heute nacht.“ Nun klang ihre Stimme bittend. Sie sah ihn mit ihren großen Augen an und lächelte ein bißchen unsicher.
Er machte einen schnellen Schritt in den Raum und schloß die Tür hinter sich. Dann zog er sie zu sich heran und sie küßten sich wieder... und wieder... und wieder...

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Kapitel Drei - Kriegserklärung

Der Rat hatte getagt. Eine Entscheidung war gefällt worden. Man hatte beschlossen, die menschliche Rasse nicht zu unterwerfen, sondern sie zur Abschreckung der anderen galaktischen Völker zu vernichten. Die Entscheidung war einstimmig gewesen. Die Vorbereitungen liefen bereits an. Schon bald würde die menschliche Rasse nur noch eine Erinnerung sein und niemand würde sich dem Konzil dann noch widersetzen. Schon jetzt sammelte sich die gesamte Flotte des Konzils, um den vernichtetnden Schlag zu führen. Und die Menschen wußten noch nicht einmal, daß sie existierten. Sie glaubten, daß sie das Konzil mit dem hinterlistigen und feigen Schlag gegen den SCHLÄFER vernichtet hätten. Sie waren wirkliche Narren, diese wertlosen Humanoiden. Sie verdienten es nicht zu existieren. Der Plan war in seiner Schlichtheit beinahe primitiv: Die Flotte würde sich in etwa 10 Gruppen gliedern und nacheinander alle wichtigen Rüstungs- und Industrieplaneten der Menschen vernichten. Danach würde sie alle anderen Planeten und sonstige menschlichen Ansiedlungen vernichten. Die Menschen würden erst merken, daß etwas geschah, wenn sie bereits ihre Fähigkeit zur Produktion von Kriegsmaterial verloren hätten. Dann konnte man ihre noch bestehenden Flotten, die sicherlich ihre verbleibenden Kolonien verteidigen würden, vernichten und ihre Auslöschung komplettieren. Sie hatten keine Chance, das Konzil war ihnen technologisch und moralisch weit überlegen. Der einzige Nachteil des Konzils war die im Moment noch unzureichende industrielle Kapazität. Um den Plan durchführen zu können, mußte man jedoch erst einmal Informationen über die wichtigsten Industrieanlagen des Feindes sammeln. Man mußte herausbekommen, wo man zuerst zuschlagen mußte. Zu diesem Zweck mußte man Aufklärungsschiffe aussenden, die alle bekannten menschlichen Ansiedlungen erkunden und die noch unbekannten fanden. Es sollte kein Problem darstellen, diese Schiffe vor der menschlichen Überwachung zu verbergen. Das Konzil hatte nicht nur Geräte entwickelt, mit denen es seine Schiffe im Normalraum tarnen konnte, sondern auch eine Apparatur erfunden, die die Schiffe für eine begrenzte Zeitdauer in den Halbraum, die Zone zwischen Hyperraum und Normalraum versetzen konnte. Dort waren sie völlig unsichtbar und unangreifbar. Das Risiko einer Entdeckung war nur minimal. Es wäre zumindest theoretisch möglich, daß die Überwachungsgeräte der Schiffe sich durch ihre Neutrinoemissionen verrieten, die den normalen Tarnschild durchdringen können, wenn die Aufklärungsschiffe im Orbit um einen Planeten aus dem Halbraum zurückkehren müssen, um Daten aufzunehmen. Aber das Risiko war mathematisch nahe an Null. Zumal die anderen Schiffe und Stationen im Orbit sehr viel mehr Neutrinos aussendeten, so daß sie eine Art Hintergrundstrahlung bildeten, in denen die geringen Emissionen der Aufklärer nicht spürbar sein sollten. Wenn aber doch einer der Aufklärer entdeckt werden sollte und er konnte nicht mehr in den Hyperraum fliehen, dann bestand die Gefahr, daß der Plan scheiterte, denn dann half auch der technologische Fortschritt nicht gegen eine Kaperung des Aufklärers. Für einen solchen Fall war den Kommandanten der Scout-Schiffe der Befehl gegeben worden, sich selber und ihre Schiffe zu vernichten, um eine Analyse der erbeuteten Schiffe und ein Verhör der Piloten zu vermeiden. Man zweifelte nicht daran, daß die Kommandanten das auch tun würden, im Interesse des Konzils und in ihrem eigenen, denn es war schließlich besser tot zu sein, als mit der Schande der Entehrung durch die Gefangennahme zu leben.

***

„Achtung Thunderer Vier, hier spricht Anapolis Station. Senden sie ihren ID-Code und klinken sie sich in ALS ein. Bestätigen.“
„Anapolis Station, hier ist Thunderer Vier. Unser ID-Code ist „Alpha 7106 - 552“. Klinken uns in ALS ein und beginnen mit der finalen Anflugphase. Roger.“
„Roger, Thunderer Vier. Willkommen auf Anapolis Station.“ Ein sanfter Ruck ging durch das Landungsboot der Overlord-Klasse, als dieses vom ALS übernommen wurde und in den Hangar der Station glitt. Seine Insassen machten sich bereit zum Aussteigen, sobald das Schiff gelandet war und die Piloten die Triebwerke herunterfuhren.
„Holen sie sofort den Admiral her. Ich habe Alpha Order vom Oberkommando dabei.“ Captain McLeeder`s Stimme klang sehr nervös und gepreßt. Er hatte es sehr eilig.
„Sir, der Admiral ist bereits unterwegs hierher.“ entgegenete der Lieutenant, der sie im Hangar empfangen hatte. Auch er war sehr nervös. Er schwitzte und schien beinahe verängstigt.
Er griff reflexartig zu seinem Laser, als er die beiden Männer in der Uniform der Union hinter dem Captain aus dem Landungsboot steigen sah. McLeeder reagierte blitzschnell und hatte dem jungen Offizier den Blaster entrissen, bevor er auf die beiden anderen Offiziere anlegen konnte.
„Verdammt Mann, sind sie verrückt geworden?“ herrschte er den Lieutenant an.
„Diese beiden Offiziere sind unsere Gäste. Behandeln sie sie auch so, klar?“ Nun schrie McLeeder fast.
„Sir, ich wollte nicht.... Ich war nur so überrascht....“
„Lassen sie den jungen Lieutenant nur, Captain. Es war nur ein Reflex. Er wollte sicher nicht auf uns schießen.“
Der größere der beiden Offiziere hatte gesprochen. Seinen Abzeichen nach war er ein Kommandant, was einem Captain der Liga entsprach. Sein Begleiter hatte die Hand aber noch an seinem Blaster, wo er sie beinahe zeitgleich mit dem Lieutenant hatte hingleiten lassen. Er war offensichtlich so eine Art Leibwächter des anderen. Aber wofür brauchte ein Kommandant einen Leibwächter im Range eines Korvettenkapitäns, also eines Lieutenants? Sehr merkwürdig.
In diesem Augenblick betrat Admiral Jones den Hangar, begleitet von zwei Adjutantan.
„Es freut mich, sie zu sehen, ähh ... Captain . Lieutenant , es freut mich ebenfalls, sie zu sehen. Wenn sie mich bitte begleiten würden würden, Gentlemen?“
Der Admiral verließ, begleitet von den fünf Männern ebenso schnell den Hangar wieder, wie er ihn betreten hatte.
Er führte sie in den abgeschirmten Bereich der Station und sie betraten bald darauf sein Büro.
„Meine Herren, man sagte mir sie hätten Alpha-Order vom Oberkommando für mich.?“
„Ja Sir. Wir bringen ihnen den Befehl, vollständig mit uns zu kooperieren. Sie sind ermächtigt worden, diesen Offizieren hier alle Daten über Projekt Phönix zugänglich zu machen. Hier sind die Befehle“ antwortete der Captain.
Der Admiral las die Befehle, überzeugte sich mit Hilfe eines Scanners von deren Echtheit und blickte dann verdutzt auf.
„Ich soll unseren letzten Trumpf aus der Hand geben? Na schön, die Befehle sind tatsächlich echt.“
„Sir, darf ich sie miteinander bekannt machen? Das ist Captain Dorian Lightcloud und das ist Lieutenant David Greyhawk von der Flotte der Union freier Welten.“
„Hallo Dorian, wie geht es dir? Ich hätte nicht gedacht, daß sie ihren wichtigsten Mann schicken.“
„Hallo Quincy. Danke es geht mir gut. Wir wollen dadurch zeigen, daß wir es wirklich ernst meinen. Was ist Projekt Phönix?“ konterte der „Captain“ der Union in ruhigem Tonfall.
„Sirs? Sie kennen sich bereits?“ Der Ton Captain McLeeders verriet seine Überraschung. Er machte ein verdutztes Gesicht.
„ Als ich das letzte Mal von dir hörte, warst du gerade zum Konteradmiral befördert worden. Warum trittst du hier als Kommandant auf?“ Die Stimme des Admirals verriet, daß er bereits eine Hypothese hatte, was die Antwort betraf.
Der Captain lächelte. „Ohh, ich denke, du kannst dir vorstellen, daß der Besuch eines Unions-Admirals auf einer Liga Station mehr Aufsehen erregt hätte, als der Besuch eines kleinen Captains. Der Sicherheitschef des Führungsstabes bestand jedoch darauf, daß ich nicht allein reise, sondern einen Wächter mitnehme, auch wenn das einem aufmerksamen Beobachter auffallen könnte. Welcher Captain hat schon einen Leibwächter?“
„Ja, das dachte ich mir schon. Nun, wie dem auch sei. Machen wir uns an die Arbeit. Also, kommen wir zum Projekt Phönix.“
„Was ist es genau?“ Plötzlich klang Konteradmiral Lightcloud sehr interessiert.
„Nun, Projekt Phönix ist...“ Admiral Jones aktivierte einen versteckten Projektor in einer Wand und sofort erschienen einige Grafiken auf dem Schirm an der gegenüberliegenden Wand. „... ein Versuch, die Raumüberlegenheit für die Streitkräfte des Imperiums gegen die Vinonier zurückzugewinnen. Der neue Jägertyp, den sie erstmals bei War`s End gegen uns einsetzten, hatte uns aufgeschreckt. Dieses neue Modell war allem überlegen, was wir in die Schlacht werfen konnten, abgesehen von den Sudden Death-Jägern der Shadow Cobras. Aber aufgrund der Beschaffenheit der Jäger konnten wir nicht einfach die Sudden Seath-Klasse in die Massenproduktion schicken. Die Cobras haben außerdem Hinweise dafür entdeckt, daß die Vinonier einen weiteren Jäger in der Erprobung hatten, der noch weiter verbessert war. Dieser Typ wäre auch den Schweren Tarnkappenjägern überlegen. Wie sie wissen, haben wir nur so lange gegen die vinonische Flotte bestehen können, weil wir ihnen in der Jägertechnologie immer überlegen waren. Letzten Endes hätte eine Fortsetzung des Krieges nach War`s End unsere Niederlage bedeutet. Daher sind kurz nach Ende der Schlacht die besten Wissenschaftler des Imperiums beauftragt worden, einen Jäger zu entwerfen, der sich mit den neuen vinonischen Modellen messen kann. Das Ergebnis dieser Arbeit ist der schwere Raumüberlegenheitsjäger der Sundancer-Klasse.“ Der Schirm zeigte jetzt, eine rotierende Grafik eines Jägers, unter dem die technischen Daten erschienen. Die Unionsoffiziere lasen sie und blickten dann erstaunt zum Admiral.
„Verdammt, Quincy. Ihr hattet diese Waffe und habt sie nicht gegen uns eingesetzt? Warum?“ Lightcloud hatte die Frage mit einem Lächeln gestellt, aber sein Ton verriet Wachsamkeit und Anspannung. Admiral Jones lächelte süffisant bevor er antwortete.
„Nun wir haben das Design erst vor zwei Wochen komplettiert. Wenn ihr nicht die AM-Waffen entwickelt und eingesetzt hättet, hätten wir euch in etwa einem halben Jahr in der Falle gehabt. Wie konntet ihr nur so schnell diese alles vernichtetnden Waffen erschaffen. Wir dachten eigentlich, wir hätten alle Top-Wissenschaftler auf unserer Seite.“
Nun war es an Lightcloud, süffisant zu lächeln.
„Ohh, ihr hattet sie alle. Auch wenn ich nicht davon überzeugt bin, daß sie alle freiwillig für euch gearbeitet haben. Einige stammen von Unionswelten und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, daß sie freiwillig gegen ihre eigenen Leute arbeiten. Nun, wir haben diese AM-Waffen nicht entwickelt. Wir haben sie auch nicht eingesetzt. Warum glaubst du, sollten wir eine unserer Welten mit 50 Millionen Unionsbürgern vernichten?“
„Na ja, wir dachten ihr hättet die Bedeutung unseres Versorgungsdepots stark überschätzt. ... WAS? Was soll das heißen, ihr habt sie nicht entwickelt und eingesetzt?“
„Also zuerst einmal, so schlecht ist unser Nachrichtendienst auch wieder nicht. Ihr habt zwar die Shadows, aber wir sind keine bloße Bande von Banditen. Auch wenn eure Propaganda das immer so darstellt. Die fraglichen Welten sind von der Intelligenz vernichtet worden, die bis vor zwei Jahren War`s End steuerte.“
Diese Feststellung verschlug dem Admiral die Sprache. Lightcloud und Greyhawk blickten sich nur kurz an und lächelten. Sie hatten erwartet, daß so etwas passieren würde.
„Was für eine Intelligenz? Außerdem ist der Xeno-Planet in der Schlacht doch vernichtet worden. Was soll das?“
„Langsam. Ich weiß, daß das für euch sehr überraschend kommt, aber hör erst mal zu Ende zu. Wir erhielten vor zwei Jahren Telemetrieaufzeichnungen des Schiffes, das den Planeten damals vernichtete. Jedenfalls geht aus den Daten hervor, daß es irgendeine zentrale steuernde Intelligenz gab, die den Planeten kontrollierte. Sie hat gegen die eindringenden Schiffe der Schmugglergruppe, die von Lieutenant Greyhawk angeführt wurde, Abfangjäger unbekannter Bauart und überlegener Kampfkraft gestartet. Alle bis auf eins der eindringenden Schiffe wurden vernichtet und nur Lt. Greyhawk entkam. Diese Aufzeichnungen beinhalteten Strahlungsmuster des letzten begleitenden Schiffes nach dem Beschuß durch die Abfangjäger und diese Muster waren identisch mit denen, die wir auf Liaquu Prime fanden. Diese Muster entstehen, wenn normale Materie mit Antimaterie beschossen wird. Da diese speziellen Muster abhängig sind von der Art der Antimaterie, konnten wir eine absolut sichere Übereinstimmung feststellen. Die verwendeten Waffen müssen von derselben Bauart sein. Und das führte uns zu der Folgerung, daß diese Intelligenz irgendwie die Zerstörung des Planeten überlebt hat. Wir waren daher der Meinung, daß der einzige denkbare Grund dafür, daß uns diese eindeutig feindliche Intelligenz noch nicht vernichtet hat, darin besteht, daß ihr die industrielle Grundlage für einen Krieg gegen uns noch fehlt. Wir müssen unsere Differenzen beilegen. Wir können nur überleben, wenn wir gemeinsam gegen diesen Feind kämpfen. Bitte bringen sie das dem Oberkommando vor. Hier ist eine Disc mit allen verfügbaren Daten.“
Die Reaktion auf diese Erklärung war ein Schock. Der Admiral sagte lange Zeit gar nichts, sondern starrte vor sich hin. Dann, plötzlich, begann er laut zu lachen.
„Verdammt, und wir haben uns euch ergeben. Wir haben uns vor Angst vor eurer Super-Waffe beinahe in die Hose gemacht. Ihr seid wirklich ein verschlagener Haufen von Banditen. Und nun haben wir euch auch noch von unserer letzten Trumpfkarte erzählt.“
„Sie werden also ihrem Oberkommando die Daten vorlegen und für uns sprechen?“ fragte Lightcloud.
„Ich werde es tun. Aber ich kann für nichts garantieren. Wissen sie, unser Oberkommando hat sich seit Kriegsende sehr verändert.“
„Ich weiß. Das ist der Grund für die Szession der Unionswelten aus dem Imperium gewesen.“ Die beiden Unionsoffiziere hatten sich erhoben und wollten sich zum Gehen abwenden.
„Sagen sie Lightcloud, was sollte mich daran hindern, sie jetzt einfach gefangen zu nehmen und die Union bloßzustellen und den Angriff zu befehlen.?“ Der Admiral zeigte ein wölfisches Grinsen.
„Ohh“ Auch Lightcloud und Greyhawk lächelten wissend, „ich denke sie wissen, daß ich nicht gelogen habe und sie sind ein integerer Offizier. Sie halten ihre einmal gemachten Zusagen auch ein. Außerdem...“ Nun drückte Lightcloud auf einen Kontakt an seinem Handgelenk, „ ist soeben eine Unionsflotte im Hyperraum alarmiert worden. Sie werden in wenigen Sekunden in das System eintreten.“ Jones wollte garade auf den Alarmknopf drücken- „Ohh, bemühen sie sich nicht. Wir wissen, daß ihre Station unserer Einheit nicht gewachsen ist. Und bevor Liga-Schiffe in ausreichender Zahl das System erreichen können, sind wir längst verschwunden. Aber es muß nicht zum Kampf kommen. Unsere Schiffe werden mich und Lt. Greyhawk aufnehmen und sich friedlich aus dem System zurückziehen. Wenn sie nicht beschossen werden, werden sie auch nicht das Feuer eröffnen. Bitte zwingen sie uns nicht, uns zu verteidigen.“
In diesem Augenblick ging der Stationsalarm los und die Kampfbeleuchtung, ein trübes rotes Licht, schaltete sich ein. Der Admiral wurde auf die Brücke gerufen. Ungläubig starrte Admiral Jones auf den Monitor, dann auf Lightcloud. Dann betätigte er den Kommunikator und gab Befehle an die Brücke.
„Hier ist Jones, deaktivieren sie unsere Waffensysteme, aber fahren sie die Schilde hoch. Ich werde gleich auf die Brücke kommen.“ Er schaltete den Kommunikator ab.
„ Aha, tja war ohnehin nur eine rethorische Frage. McLeeder, bringen sie die Gentlemen zum Hangar und sorgen sie dafür, daß sie die Station unbehelligt verlassen können.“
„Aber das wissen wir doch, Admiral.“ Plötzlich verschwand Lightclouds Lächeln. „Sonst wärt ihr schon alle tot und das wollen wir doch vermeiden, nicht wahr?“ Eigentlich klang es nicht wie eine Frage, sondern wie eine Feststellung. „Wir müssen jetzt eine Zeit lang zusammenarbeiten und das würde durch solch eine Auseinandersetzung nur erschwert werden. Admiral, ich bedanke mich im Namen der Union freier Welten für ihre Gastfreundschaft.“
McLeeder führte die Offiziere aus dem Raum. Jones blieb allein zurück. Er blickte lange Zeit aus dem Sichtfenster seines Büros auf die Sterne und erhaschte dabei einen Blick auf einige der Unionsschiffe, die die Station mittlerweile erreicht hatten und sich in einer Entfernung von etwa 1 Kilometer zu einer Kugelformation gesammelt hatten. Selbst durch diese Formation machte die Union eine Aussage. Die Kugelformation war eine rein defensive Formation. Dadurch wollten sie die defensive Natur ihres Einsatzes verdeutlichen und niemenden dazu veranlassen, nervös zu werden und auf die falschen Knöpfe zu drücken. Dann, kurz nachdem das letzte Unionsschiff in den Hyperraum eingetreten war und aus dem System flog, öffnete er einen Kanal zur Brücke.
„Taktik, bereiten sie ein Schiff für mich vor. Ich werde in zwei Stunden zur Erde fliegen. Geben sie mir das schnellste, das sie auftreiben können.“

***

„Sir, wir haben hier sehr sonderbare Anzeigen auf dem Schirm. Irgendetwas scheint innerhalb des Verteidigungsschildes zu sein. Wüßte ich es nicht besser, würde ich sagen, es handelt sich um eine Hyperraumspalte.“ Der Taktik-Offizier hatte alarmiert geklungen, obwohl seine Stimme ruhig und sachlich geblieben war. Sie zitterte nur ein bißchen.
„Woran wollen sie das erkennen?“ kam die Frage des diensthabenden Offiziers.
„Nun, ich habe hier eine sehr schwache Neutrinoemission innerhalb der Schildperimeter. Solche schwachen Emissionen werden nur von Hyperraumspalten ausgesendet, soweit ich weiß. Es ist nur, hier gibt es keine Hyperraumspalte, Sir. Ich habe einfach nur eine konstante schwache Neutrinoemission knapp oberhalb der noch wahrnehmbaren Grenze. Noch etwas, Sir: Sie bewegt sich.“
Der diensthabende Offizier auf der Brücke der Orbitstation Swift Tuttle, ein älterer Flottenkapitän hieb auf den Alarmknopf. Alle Anwesenden erschraken und fuhren herum, um ihn anzustarren. Er hatte inzwischen das Komm-System aktiviert.
„Achtung, hier spricht der diensthabende Offizier Flottenkapitän Takashi von der Station Swift Tuttle. An das Unions-Oberkommando: Wir haben den dringenden Verdacht auf ein getarntes Schiff in der Umlaufbahn um Kronos innerhalb unserer Schildparameter. Habe ich Handlungsfreiheit?“ Der Spruch war auf der codierten Frequnez des Oberkommandos an eine Station unten auf der Planetenoberfläche gegangen. Mehrere Sekunden geschah nichts, während die anderen Besatzungsmitglieder auf der Brücke der Station Takashi anstarrten und staunten. Dann kam die Antwort.
„Nein. Tun sie nichts. Fahren sie mit dem Routinebetrieb fort. Löschen sie den Alarm aus der Logbuch-Datei der Station. Bestätigen.“
„Swift Tuttle bestätigt. Ende.“
Flottenkapitän Takashi tat, was man ihm gesagt hatte und ließ den Routinebetrieb wieder aufnehmen. Er tat so, als ob nichts gewesen wäre und nach einer Minute hatte sich die Brückencrew wieder an ihre Arbeit gemacht und kaum einer schien noch erfahren zu wollen, was das alles zu bedeuten hatte.

***

„Es ist also bald soweit. Gut, wir wußten, das es einmal so weit kommen mußte. Wenn man bedenkt, daß es reiner Zufall war, daß eines ihrer Aufklärungsschiffe in den Schildperimeter einer unserer Stationen geflogen ist. Denken sie, unser Gegner hat Verdacht geschöpft?“
„Ich glaube nicht. Der Funkspruch ist aus dem Log der Station gelöscht worden und man könnte glauben, er hätte zum normalen Standardfunkverkehr gehört, wenn man ihn nicht entschlüsseln kann.“
„Aber ist genau diese Verschlüsselung nicht verdächtig? Ich meine, so plötzlich und ohne Vorwarnung?“
„Natürlich, aber das ist immer noch besser, als wenn sie den Spruch entschlüsselt hätten.“
„Hmm, die Frage ist jetzt nur, wie schnell unsere Feinde reagieren werden. Der Aufklärer dürfte seinen Ursprungsort inzwischen erreicht haben. Haben wir bereits die Koodinaten dieses Systems?“
„Es ist kein System, sondern eine Art von Hyperraum-Blase. Wir konnten uns noch keinen Zugang verschaffen, aber wir stehen kurz davor, die Veränderung am Versuchsantrieb zu komplettieren. Wir werden in etwa zwei Tagen so weit sein. Reicht das?“
„Ja. Welches Schiff sollen wir damit ausrüsten? Es muß die Mission allein erfüllen können, also werden wir mindestens eine Korvette schicken müssen.“
„Ich wäre dafür, erst mal abzuwarten, was Lightcloud erreicht hat. Vielleicht geben sie uns eine Ladung ihrer neuen schweren Tarnjäger, von denen der Admiral sprach.“
„Ja, ich stimme ihnen zu. Er müßte in ca. 12 Stunden hier eintreffen. Aber wenn sie uns nicht helfen wollen oder uns nicht glauben, was dann?“
„Dann werden wir es eben allein versuchen müssen. Gott stehe uns bei.“

***

„Kommandant Briggs, bitte melden sie sich umgehend im Lagezentrum der Station.“ Steve Briggs sah verschlafen auf seinen Armbandkommunikator. Es war 04.15 Uhr Union-Standard-Zeit. Was zur Hölle wollte man jetzt von ihm. Seine nächste Schicht würde erst um 08.00 Uhr beginnen. Etwas wichtiges mußte passiert sein.
„Briggs hier. Ich bin auf dem Weg.“ Lächelnd sah er auf die ruhig neben ihm schlafende Alicia. Sollte er sie wecken? Nun wer weiß, wie sie reagieren würde.
Er erhob sich so leise wie möglich vom Bett und begann still, sich anzukleiden. Doch wenige Sekunden später erwachte Alicia und sah ihn aus verschlafenen Augen an.
„Du gehst? Wieso? Ist irgendetwas?
„Ich bin ins Lagezentrum der Station gerufen worden, obwohl mein Dienst erst um 0800 beginnt. Ich glaube, es ist etwas passiert. Laß dich nicht stören, schlaf weiter. Du mußt Kraft sammeln. Denn wenn ich wiederkomme, habe ich vor, da weiterzumachen, wo wir heute nacht aufgehört haben.“ Briggs Lächeln blitzte durch die Dunkelheit. Eigentlich sah man nur seine weißen Zähne in der fast absoluten Finsternis des Quartiers leuchten.
„Ich muß keine Kräfte sammeln, Sweetheart. Das werde ich dir nachher beweisen.“ Sie erhob sich leicht vom Bett und gab ihm einen Abschiedskuß. Dann drehte er sich um, um den Raum zu verlassen. Schnell zuckte ihre Hand vor und gab ihm einen Klaps auf den Hintern. Er fuhr herum und machte ein verständnisloses Gesicht, mußte aber ein Grinsen unterdrücken.
„Bis nachher, Miss Milano. Ich werde wiederkommen.“
„Ciao Raumfahrer, ich werde hier sein, wenn du wiederkommst.“
Er verließ das Zimmer und eilte zum Lagezentrum der Station drei Ebenen höher. Mit keuchendem Atem kam er im Lagezentrum an und trat durch die Tür. Eine Sekunde später stockte ihm der Atem völlig, allerdings nicht wegen seiner Erschöpfung, sondern vor Schreck. Der Raum war halb mit Liga-Offizieren und halb mit Unions-Offizieren gefüllt. Er machte ein ziemlich blödes Gesicht und stolperte beinahe, als er den Raum betrat.
„Ah, Kommandant Briggs. Schön das sie so schnell kommen konnten.“ Konteradmiral Lightcloud persönlich hatte das gesagt.
„Äh, Sir, bei allem Respekt, was geht hier vor?“ Er blickte dabei unablässig zu den Liga-Offizieren hinüber und beobachtete jede ihrer Bewegungen, die Hand ruckte nahe an seine Waffe.
„Nun Briggs, dies sind unsere neuen Verbündeten von der Solaren Liga. Wir sind im Begriff, unsere erste gemeinsame Lagebesprechung abzuhalten. Setzen sie sich bitte. Wir werden gleich anfangen und sie werden auf alle ihre Fragen eine Antwort erhalten.“
Briggs setzte sich in eine der hinteren Reihen und auch alle anderen anwesenden Offiziere, Liga und Union, setzten sich. Lightcloud und ein Liga-Admiral mit Namen Jones betraten das Rednerpult. Lightcloud begann als erster zu sprechen.
„Meine Herren, sie alle werden über diese Versammlung wahrscheinlich etwas konsterniert sein, um es einmal milde auszudrücken. Lassen sie mich zunächst einmal betonen, daß die Solare Liga und die Union freier Welten heute nacht um 0100 Uhr offiziell einen Waffenstillstand unterzeichnet haben. Wir befinden und nicht mehr im Krieg gegeneinander, also besteht kein Grund, den anderen in irgendeiner Form anzugreifen. Nun gut.“ Er wandte sich an die Liga-Offiziere „Sie sind hier, um an einem gemeinsamen Aufklärungseinsatz der Union und der Liga teilzunehmen. Sie alle sind hochqualifizierte Testpiloten, die den neuen Liga-Jäger der Sundancer-Klasse testen. Ihre Regierung hat ein Geschwader dieser Jäger zusammen mit ihnen hierher geschickt.“ Die Piloten sahen sich staunend an und wirkten leicht verunsichert, bis sie das leichte Nicken ihres Admirals sahen.
„Wir wiederum stellen für diesen Einsatz das Trägerschiff für ihre Jagdmaschinen. Darf ich ihnen ihren neuen kommandierenden Offizier Kommandant Steve Briggs vorstellen. Er befehligt die Sprinter, eine Korvette der Adder Klasse, des neuesten Typs der Union.“ Alle drehten sich zu Briggs um, dem plötzlich sehr unwohl zumute war. Er merkte, wie er rot anlief. Von den Liga-Piloten kam nur ein leises Murren bei diesen Worten des Konteradmirals.
„Wir haben das zu koordinieren!“ brüllte Admiral Jones plötzlich und das Murmeln der Liga-Piloten erstarb augenblicklich.
„Danke Admiral Jones. Gentlemen, ich hoffe ich habe nun ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Also wie schon gesagt, es geht um einen gemeinsamen Aufklärungseinsatz. Meine Herren es gibt einen neuen Feind. Ich denke, sie haben schon von der Vernichtung des Liaquu - Systems und einiger anderer Liga - Systeme gehört. Nun ich kann mir vorstellen, daß die meisten unter ihnen der Meinung sind, daß es sich dabei um eine neue Waffe der Union handelt. Diese Meinung ist falsch. Einige von ihnen sind wahrscheinlich schon lange genug Soldat, daß sie den Vinonischen Krieg miterlebt haben. Einige waren vielleicht sogar bei War`s End dabei.“
Bei zwei der Liga-Piloten sah Lightcloud plötzlich den Blick glasig werden. Sie schienen sich zu erinnern.
„Wir bemerkten gegen Ende der Schlacht, die nicht gut für uns lief, daß wir offensichtlich Hilfe bekommen hatten. Viele Kommandanten meldeten, daß sie undeutliche Schatten auf ihren Orterschirmen hatten und daß vinonische Schiffe, mit denen sie sich im Gefecht befanden, plötzlich ohne ersichtlichen Grund explodierten. Auch bei diesen Wracks wurde später eine charakteristische Strahlung festgestellt, die bei einer Vernichtungsreaktion von Materie und Antimaterie entsteht. Wir glauben daher, daß die Intelligenz, die uns bei War`s End half, zu überleben, nun einen Krieg gegen uns führt. Sie alle wissen, daß es für die Menschheit nicht besonders gut lief nach dem Ende des Großen Krieges. Die schiere technische Überlegenheit unseres neuen Gegners zeigt uns, daß es nur gemeinsam eine Rettung für uns geben kann. Tja soviel zur Einstimmung.
Hier, was wir bisher wissen: Der Gegner hat seinen Machtbereich etwa 30.000 Lichtjahre von hier entfernt. Am Rande des Zentrums der Galaxis etwa 2000 Lichtjahre innerhalb der Todeszone um das Black Hole im absoluten Zentrum befindet sich eine Blase von normaler Raumzeit im Hyperraum. In ihr muß es eine Art von Planetensystem oder zumindest eine Welt oder einen großen Asteroiden geben. Irgend etwas, das sich als Basis eignet. Wir erhielten diese Informationen von Spähern, die einem getarnten Schiff des Feindes gefolgt waren, das in der Nähe unserer Station hier entdeckt wurde. Aus der Tatsache, daß dieses Schiff unsere Leute direkt zum Machtbereich des Gegners führte, läßt uns folgern, das der Gegner nicht weiß, daß wir seine Heimatbasis und deren Position kennen. Das könnte unser Vorteil sein. Die Oberkommandos der Liga und der Union haben daher einen sofortigen Schlag gegen den Feind befohlen, der mit allen verfügbaren Schiffen geführt werden soll. Wir haben nur eine Chance, wenn wir hart und schnell zuschlagen. An dem Angriff werden etwa drei Viertel aller Schiffe der beiden Flotten beteiligt sein, das bedeutet wir müssen einen Plan erstellen, der über 2000 größere und große Schiffe berücksichtigt. Dafür brauchen wir natürlich Daten, auf die wir uns bei unseren Planungen stützen können. Tja meine Herren und das ist der Zeitpunkt, an dem sie ins Spiel kommen. Sie sollen uns nämlich die Daten beschaffen. Sie werden mit einer neuartigen Version des Hypertriebwerks ausgestattet, die ein Eindringen in die Blase ermöglicht. Ihr neues Schiff, die Sprinter wird das erste Militärschiff sein, das den neuen Antrieb erhält. Aber die anderen Schiffe werden in spätestens 3 Wochen ebenfalls nachgerüstet sein. Die Späher konnten leider nicht weit in das Innere der Blase eindringen und sie müssen nun die bewaffnete Aufklärung übernehmen.“
Einer der Liga-Piloten hob die Hand.
„Ja, Lieutenant?“
„Ähh, Admiral wenn der Gegner uns technisch so überlegen ist, wie können wir dann erwarten, unerkannt in deren Territorium einzudringen, Informationen zu sammeln und anschließend wieder zu entkommen?“
„Nun, ganz einfach Lieutenant. Seien sie blitzschnell! Wenn der Gegner sie erst mal entdeckt hat und wir rechnen damit, daß sie das sehr schnell tun werden, müssen sie einen Überlicht-Scan des gesamten Sektors durchführen, so daß wir über die Struktur im Inneren der Blase bescheid wissen. Tja nebenbei könnten sie vielleicht noch feststellen, wieviele Schiffe der Gegner hat, welche Klasse, geschätzte Feuerkraft und Schildkapazität und so weiter und so fort. Der Hauptcomputer sollte in der Lage sein diese Operation in weniger als 30 Sekunden abzuschließen. Und dann machen sie, daß sie da wieder weg kommen. Und zwar auf dem schnellsten Weg. Und sie sollten zu Gott beten, daß sie dann noch weg kommen.“
Im Briefingraum herrschte nach dieser Eröffnung des Admirals einen Moment lang völlige Stille. Allen Anwesenden wurde klar, daß es eine große Chance gab in nächster Zeit zu sterben. Das konnte einem wirklich den Tag verderben. Die Besprechung wurde nach Klärung einiger weiterer Fragen seitens einiger Piloten beendet und die Teilnehmer wurden entlassen. Auch Kommandant Briggs kehrte in Alicia`s Quartier zurück, die ihn schon erwartete.
"Hallo Süßer, schon zurück? Was war denn so wichtig, daß sie dich von mir weg geholt haben?"
Steve Briggs war bleich wie der Tod geworden.
"Steve, was ist denn? So sag doch schon, was passiert ist!"
"Ich muß mich setzen. Hast du irgendwas starkes zu trinken da?"
"Natürlich nicht, das hier ist eine militärische Station." Sie zwinkerte ihm zu und holte aus einem in die Wand eingelassenen Schrank eine Flasche Grappa und zwei Gläser und stellte sie auf einen Tisch. Steve setzte sich auf einen Stuhl und sie setzte sich ihm gegenüber. Nachdem sie beide schweigend jeder zwei Gläser getrunken hatten, kam sie auf das Thema zurück.
"Was ist denn nun so schlimm, daß du so fertig bist?"
"Wir befinden uns im Krieg!"
Sie schaute verdutzt.
"Na und? Das sind wir doch schon seit längerem! Was ist denn mit dir?"
"Nein, nein, du mißverstehst mich! Wir sind nicht mehr im Krieg mit der Liga, sondern mit einer weit überlegenen außerirdischen Macht. Ich habe das Kommando für einen selbstmörderischen Aufklärungseinsatz in das Gebiet des Feindes erhalten. Ich glaube nicht daß unsere Chancen, lebend zurückzukommen, besonders groß sind. Ich hatte irgendwie immer gehofft, daß ich diesen ganzen Mist schon heil überstehen würde. Aber jetzt..."
"Aber, warum denn auf einmal jetzt wieder Außerirdische? Ich dachte, die Vinonier hätten sich weit von unseren Grenzen zurückgezogen. Wo kommen die denn so plötzlich wieder her?"
"Nein, nicht die Vinonier. Eigentlich haben wir noch gar keinen Namen für den neuen Feind. Du erinnerst dich an die Schlacht von War`s End?"
"Ja sicher, da haben wir den Großen Krieg gewonnen!"
"Ja, ja genau. Also es ging damals um einen Xeno-Planeten und der war intelligent. Er lebte und dachte und er griff in die Kämpfe ein. Eigentlich sah es für uns gar nicht gut aus, bis uns an allen Abschnitten unbekannte "Freunde" unter die Arme griffen und vinonische Schiffe gleich dutzendweise explodierten. Wir wußten nicht, wer es war, aber das war der Planet. Und der ist eigentlich zerstört worden, aber die Intelligenz, angeblich eine Art Computer, muß überlebt haben und hat uns nun den Krieg erklärt. Er hat auch das Liaquu System und einige andere Liga Systeme vernichtet und die gesamte Bevölkerung ausgelöscht. Es geht ihm nicht darum, uns zu besiegen, er will die gesamte Rasse abschlachten, bis niemand mehr übrig ist."
"Heiliger St. Benedikt, Madonna Mia!"
"Ja, genau was ich auch dachte!"
"Und was nun?"
"Liga und Union haben Frieden geschlossen und eine gemeinsame Front gegen die Bedrohung gebildet, aber die sind uns technisch so weit überlegen, wie eine Laserkanone einer Steinschleuder. Ich glaube nicht, daß wir eine Chance haben."
"Ohh, Steve. Ich habe Angst."
"Die habe ich auch und zwar so große wie noch nie in meinem Leben!"
Sie umarmten sich schweigend. Steve Briggs bemerkte, daß Alicia am ganzen Körper zitterte.

***

"Achtung Sprinter. Hier ist Cronos Control, sie haben Starterlaubnis. Viel Glück."
"Cronos Control, hier ist die U.W.S. Sprinter. Erlaubnis zum Start erhalten. Wir werden zurückkommen!"
Die Startsirenen erschollen auf der Brücke und dann ging ein leichter Ruck durch das Schiff, als die Sprinter durch das magnetische Atmosphärenkraftfeld der Station glitt und langsam beschleunigte. Zum Salut war die halbe Flotte aufgefahren worden. Liga- und Unionskampfschiffe, hunderte an der Zahl hingen überall um die Sprinter im Raum. Sie bildeten eine Kugel mit riesigem Durchmesser. Als Zeichen der Ehrerbietung und als Symbol der neuen noch ein wenig brüchigen Allianz zwischen den ehemaligen Bürgerkriegsgegnern, hatten die gewaltigen Kriegsschiffe ihre Geschütze alle aus der Kugel herausgedreht, so daß sie in Richtung des Feindes zeigten. Offensichtlich rechneten die wenigsten der eigenen Leute damit die Sprinter oder ihre Besatzung lebend wiederzusehen. Das wußten die Männer und Frauen an Bord der Sprinter auch und es drückte noch weiter auf die allgemeine Stimmung. Auf der Brücke war es totenstill, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach und jeder hatte den intensiven Eindruck, daß er dieses Bild, die Station, der Planet darunter und all die anderen Schiffe zum letzten Mal gesehen hatte. Ein junger Fähnrich, der die Taktik-Station übernommen hatte, konnte die Angst nur mit Mühe zurückhalten und ihm lief eine einzelne Träne über die Wange. Dann plötzlich öffneten die anderen Schiffe die Kugelformation und gaben den Weg der Sprinter frei. Alle Positionslichter wechselten auf Blau, um das kleinere Schiff militärisch zu grüßen. Dann fuhr die Sprinter ihre Maschinen voll hoch und ritt auf einer novahellen Flammensäule in den freien Raum hinaus. Schließlich gab es ein letztes Aufblitzen und das Aufklärungsschiff war im Hyperraum verschwunden. Kommandant Briggs gab dem Kom-Offizier einen Wink, einen Kanal zu öffnen, der seine Stimme im gesamten Schiff erschallen lassen würde. Der Offizier nickte ihm zu und der Kommandant begann zu sprechen.
"Ich weiß, daß die meisten von ihnen Familie haben in der Union oder in der Liga, das ist ganz egal. Ich weiß auch, daß ich ihnen nichts vormachen kann in bezug auf die Tatsache, daß wir alle hier diesen Einsatz wahrscheinlich nicht überleben werden. Aber ich möchte, daß sie sich jetzt mal eine Frage stellen.
Wären sie nicht bereit für jeden einzelnen von ihren Verwandten, für ihre Männer und Frauen, für ihre Eltern, ihre Geschwister oder ihre Kinder sofort zu sterben, wenn es nötig wäre? Ich zumindest wäre bereit für jeden Menschen, den ich liebe, zu sterben. Machen sie sich klar, daß niemand von ihren Angehörigen und ich meine wirklich niemand, es überleben wird, wenn es uns nicht gelingt, diesen schrecklichen Feind zu vernichten oder ihn zumindest aufzuhalten. Sie alle haben die Bilder der zerstörten Welten gesehen, es gab bereits Millionen Tote und der Feind wird nicht eher halt machen, bis der letzte Mensch im Universum tot ist, abgeschlachtet von einer unmenschlichen Macht. Und dieses Aufhalten des Feindes, die Verhinderung eines Völkermords oder aber, wenn sie so wollen, einfach nur der Schutz ihrer aller Familien beginnt hier und jetzt! Wir machen den Anfang und wir werden die ersten sein, die diesen Mördern und Schlächtern zeigen, daß wir keine Schafe sind, daß sich ohne Gegenwehr einfach ermorden lassen. Ich danke ihnen."
Ein unhörbares Raunen und ein unsichtbarer Ruck gingen durch die Brückencrew. Die Gesichter auf der Brücke waren allesamt erstarrt. Einige drückten Verwirrung aus, andere Zustimmung, aber niemand brütete mehr dumpf vor sich hin und resignierte. Es war, als ob man eine neu erwachte eiserne Entschlossenheit beinahe körperlich fühlen könnte. Der erste Offizier sah sich auf der Brücke um, sah in jedes Gesicht und nickte dann kaum merklich. Er trat vor und salutierte zackig vor Briggs, dann sagte er:
"Kommandant, das Schiff und die Besatzung sind bereit. Machen wir die Bastarde fertig."
Briggs salutierte ebenso militärisch korrekt und antwortete:
"Danke, Mr. Jenkins. Ich will die Sprinter in zwei Stunden gefechtsbereit wissen und holen sie auf dem Weg aus den Maschinen heraus, was nur drinsteckt."
"Aye, Sir."
Mit diesen Worten stürmte Jenkins von der Brücke und schon bevor das Brückenschott zuschlug sah man Besatzungsmitglieder mit neuem Elan eifrig umherhasten und man hörte Jenkins kommandogewohnte Stimme Befehle brüllen.
Steve Briggs setzte sich in seinen Kontursessel und überdachte die weitere Vorgehensweise.

***

Der Captain des Konzil-Schiffes war außer sich vor Zorn. Er hatte tatsächlich das Kommando über diesen armseligen Patroullien-Kreuzer erhalten, statt über das neue Schlachtschiff der Flotte. Er, der er den ersten erfolgreichen Schlag des Krieges gegen die Menschen geführt hatte, sollte nun die Enklave bewachen, um sie vor irgendwelchen Eindringlingen zu schützen. PAH! Lächerlich. Dafür würde er sich noch rächen an der Kommission für Kommandovergabe. Wie konnte der Konzilsrat so etwas zulassen? Es war nicht gerecht. Es war einfach nicht gerecht. Sein Konkurrent hatte nur aus politischen Gründen das Kommando erhalten, militärisch gesehen war er ein Versager. Das glaubte der Kommandant zumindest.
"Aber ich werde mir eine angemessene Reaktion darauf noch überlegen!" schwor er sich.
Plötzlich erklang die Sirene an Bord des Patroullien-Schiffes. Verwundert trat der Kommandant durch den Transmitter auf die Brücke und schrie den diensthabenden Offizier an.
"Was ist passiert? Warum heult die Sirene?"
""Kommandant, wir haben soeben ein Objekt in der Ortung entdeckt, das sich nicht identifiziert. Es scheint von außerhalb der Enklave zu stammen. Es könnte ein Schiff der Menschen sein! Sollen wir Alarm an die Flotte geben?"
Der Kommandant erstarrte. Das konnte doch nicht sein, oder etwa doch? Hatte es dieses Ungeziefer tatsächlich geschafft, das Konzil zu finden? Und wie waren sie in die Enklave eingedrungen? Laut berichten das Nachrichtendienstes waren sie gar nicht dazu in der Lage, hmmmm, sonderbar, ... .Aber..... was für eine Gelegenheit! Welch Glücksfall für ihn. Das Universum gab ihm seine Chance. Endlich konnte er dem Rat beweisen, was für eine Fehlentscheidung er getroffen hatte, ihm nicht das Kommando über das neue Flaggschiff zu geben. Er würde die Menschen ganz allein fangen, mit nichts als einem kleinen Patrouillien-Schiff. Dann müßten sie ihm das Kommando einfach geben, ihnen blieb gar nichts anderes mehr übrig. Aber wenn er jetzt die Flotte alarmierte, dann würden andere den Fang für sich in Anspruch nehmen und ihm blieb nur das Nachsehen. In seinem Gesicht zuckte es, als er sprach:
"Nein, lösen sie keinen Flottenalarm aus. Wir werden uns des Eindringlings selber annehmen. Ich glaube nicht, daß man dafür extra andere Schiffe herbeirufen muß."
"Aber der Befehl dazu kommt direkt vom Oberkommando der Flotte..." stammelte der andere Offizier.
"Wollen sie meine Autorität in Frage stellen?" Der Kommandant blitzte sein jüngeres Gegenüber böse an.
Der zögerte kurz und warf dann den Kopf in den Nacken, um dem Kommandanten seinen Hals zu präsentieren. Bei seiner Rasse war das das Zeichen der Unterwerfung und des Gehorsams.
"Nein, natürlich nicht. Es wird so geschehen, wie sie es befehlen!" sagte der Offizier schnell.
"Dann beeilen sie sich."
Der andere eilte davon und gab Befehle an die Besatzung der Brücke, während der Kommandant sich in seinen Kommandostand begab und auf einer dreidimensionalen Anzeige ein Ortungsbild der Menschen ab. Es konnte sich nur um ein kleines Schiff handeln, dafür sprachen die Werte Gravitationssensoren. Aber trotzdem mußte er wachsem bleiben, wenn sie es geschafft hatten die Enklave nicht nur zu lokalisieren, sondern auch in sie einzudringen, waren sie vielleicht gefährlicher, als angenommen. Nun, einerlei, er würde sie zur Strecke bringen und er würde dafür belohnt werden, weil er es ganz allein geschafft hatte. Er konnte sich ja später damit herausreden, daß seine Funkanlage kaputt gewesen sei und irgendeiner der Techniker des Schiffes würde dafür mit dem Leben bezahlen. Aber was interessierte ihn das schon?

***

"Sir, wir werden gescannt, aber ich kann nicht ausmachen, woher der Scanstrahl kommt. Es ist eine Art von überlichtschnellem Tachion-Impuls."
"Jäger starten. Sie sollen sternförmig um uns herum Position beziehen und uns absichern. Können sie irgendwelche Schiffe des Gegners in der Nähe orten?"
"Nein, sir. Ich empfange nur eine sehr schwache Neutrino-Emission in etwa 1,5 Millionen km Entfernung. Es ist beinahe zu ruhig hier, bis auf diesen seltsamen Scanstrahl. Wir sind wohl erfaßt worden, aber nichts passiert, niemand scheint sich für unsere Anwesenheit zu interessieren."
"Hmmm. Ihre Meinung, Mr. Jenkins?"
"Ich würde sagen, sie beobachten uns und ziehen ihre Schiffe außerhalb der Sensorreichweite um uns herum in unseren Rücken."
"Wie kommen sie darauf?"
"Ich würde es tun!"
"Tja, ich schätze, es spielt sowieso keine Rolle, also Ortung: wachsam bleiben. Behalten sie diese Neutrinoanomalie im Auge. Navigation, bringen sie uns tiefer ins System hinein. In Richtung auf den äußersten Planeten. Beschleunigen sie auf 0,3 Sublicht und fliegen sie einen unregelmäßigen Kurs, der unser Ziel solange wie möglich verschleiert."
"Sir, wir haben 0,3 Sublicht erreicht, aber die Neutrinoquelle entfernt sich nicht von uns. Sie ist auf einen parallelen Kurs gegangen und hat ebenfalls auf 0,3 Sublicht beschleunigt."
"Aha. Also ein getarntes Schiff, daß die Verfolgung aufgenommen hat. Aber warum holen sie uns nicht ein und stellen uns?"
"Vielleicht wollen sie erst sehen, was wir vorhaben. Oder vielleicht spielen sie auch mit uns. So wie eine Katze mit einer Maus spielt, bevor sie sie tötet und frißt."
"Tja, und was sollen wir jetzt tun?" Der erste Offizier hatte die rethorische Frage gestellt. Es war völlig egal, was sie taten, sie würden den Verfolger doch nicht los.
"Gut, wir versuchen was ganz anderes. Wo werden wir bei gleichbleibender Geschwindigkeit und entgegen gesetztem Kurs mit dem getarnten Schiff zusammentreffen, vorausgesetzt der andere ändert den Kurs und die Geschwindigkeit nicht?"
"Bei diesen Koordinaten, Sir." Eine Zahlenkolonne erschien auf dem Schirm in der Konsole des Kommandanten.
"Ah ja. Und wann wird das sein?"
"In 43 Sekunden, Sir."
"Gut. Befehl an die Jäger: Wenden und Tarngerät aktivieren. Sie sollen so tun als ob sie fliehen und dann im Schutz der Tarnung zangenförmig zum Angriff gegen das getarnte Schiff vorgehen. Sie sollen sich mit uns bei den errechneten Koordinaten zum Zeitpunkt des Kampfbeginns treffen und den Gegner sofort mit allem angreifen, was wir haben."
"Der Befehl ist raus, Sir. Die Jäger haben reagiert."
Der erste Offizier mischte sich ein.
"Aber, Kommandant. Wir werden in dem Gefecht keine Chance haben. Der Gegner ist uns meilenweit überlegen. Er wird uns mit dem ersten Schuß gefechtsunfähig machen oder gar vernichten."
"Wahrscheinlich haben sie recht, aber sie alle wissen, daß die Chancen hier lebend rauszukommen ohnehin minimal sind, aber wenn wir den Gegner irgendwie ausschalten können und ich recht habe, was die Natur unserer Überwachung durch den Feind angeht, dann haben wir für mehrere Stunden die Chance, mit unseren Jägern wirklich gute Aufklärung zu betreiben. Also, wollen sie meutern oder befolgen sie meine Befehle?"
Briggs Stimme wurde eisig. "Augenblicklich."
Der erste Offizier schwieg und senkte den Kopf. "Jawohl, Sir. Entschuldigung."
Der Navigator setzte den neuen Kurs und durch das Schiff erschollen die Sirenen des Gefechtsalarms. Alle Besatzungsmitglieder begaben sich unverzüglich auf die Gefechtsstationen. Die Sekunden rannen dahin und der Gegner kam schnell näher. Allerdings war auf dem Schirm immer noch nichts auszumachen, da der Gegner sich immer noch im Tarnmodus befand.
"Sir, wir sind nun in maximaler Feuerentfernung für die Torpedos. Sollen wir angreifen?"
"Nein, noch nicht. Wenn wir auf Maximalentfernung für die Energiewaffen sind und ich meine damit die Abwehrlaser, dann beschießen sie den Gegner mit allem, was wir haben, auf einmal. Vielleicht erhöht das unsere Trefferchancen ein wenig. Timen sie den Angriff ebenfalls mit den Jägern, um ein optimales Ergebnis zu erreichen. Errechnen sie den Zeitpunkt und geben sie dann selbstständig Feuererlaubnis."
"Jawohl, Sir." Der Navigator und der Taktik- und Feuerleitoffizier koordinierten ihre Berechnungen und gaben den errechneten Zeitpunkt des Feuerschlags, sowie den Befehl sich dann anzuschließen an den Kommunikationsoffizier weiter, der es an die Jäger schickte.
Als alles bereit war, wartete man an Bord des Schiffes und der Jäger nur noch gebannt ab und betrachtete die Schirme, wo der Feind immer näher kam. Wenn nur der Gegner nicht zuerst das Feuer eröffnete....

***

"Die Menschen haben gewendet und kommen auf uns zu. Ihre kleinen Jagdschiffe sind geflohen, bevor sie sich getarnt haben. Sie sind von den Schirmen verschwunden. Wir können keine verräterischen Neutrinoemmissionen scannen. Die Menschen müssen eine andere Art des Tarnmechanismus verwenden, als wir."
Die kleinen Schiffe sind keine Bedrohung, was kann das große Schiff für Schäden anrichten?"
"Eigentlich keine, es scheint nur über relativ schache Laserbatterien zu verfügen. Sie müßten schon mehrere dieser Schiffe hier haben um selbst einem kleinen Schiff wie dem unseren gefährlich zu werden. Aber möglicherweise verfügen sie auch über Startvorrichtungen für AM- oder Fusionssprengköpfe. Wenn ja, dann stehen die Fusionsköpfe noch nicht unter Energie, ihre charakteristische Strahlungssignatur würde sie verraten.
Aber selbst dann müßten unsere Schilde mit allem fertig werden, was sie gegen uns ins Feld führen könnten."
"Sehr schön, dann kämpfen sie nur mit den Ionenbatterien. Ich will dieses Schiff intakt und die Besatzung lebend haben, ist das klar?"
"Jawohl."
"Die Menschen sind jetzt in der Entfernung für die Ionenwaffen."
" Tarnung verlassen und feuern." Der ausführende Offizier tat wie ihm geheißen.
"Die erste Salve hat getroffen. Ihre Schilde sind bereits auf 70 Prozent gefallen, Tendenz sinkend. Setzen Beschuß fort."
Der Kommandant beobachtete das sich bietende Schauspiel schweigend. Er war sich seines Sieges sicher.
"Achtung, das Schiff hat soeben eine Salve von vier Sprengköpfen mit Fusionsladung abgefeuert. Geschätzte Feuerkraft ca. 500 mt. Die Schilde werden halten, auch wenn alle vier gleichzeitig einschlagen."
"Gut. Fahren sie fort."
"Soeben haben 12 kleine Jagdschiffe materialisiert. Sie haben das Feuer aus sehr schwachen Laserwaffen aus uns eröffnet. Sollen wir reagieren?"
"Nicht doch! Diese Insekten sind es nicht wert, daß wir uns mit ihnen beschäftigen. Setzen sie den Ionenbeschuß des großen Schiffs fort."
Die kleinen Schiffe kamen immer näher und plötzlich lösten sich noch kleinere Objekte von ihnen.
"Was sind das für Flugkörper, die sich uns da nähern?"
"Es sind offensichtlich keine Sprengköpfe, die uns gefährlich werden können. Ich messe keine Energieentfaltung an ihnen. Vielleicht ein chemisches Geschoß?"
"Was?" Ein ungläubiges und verächtliches Lächeln umspielte die Lippen des Kommandanten. "Was für primitive Barbaren. Ignorieren sie diese ... Dinger."
"Jawohl."
Die Schlacht verlief ganz im Sinne des Kommandanten, er sah sich in Gedanken schon mit Ehrungen überhäuft und mit dem Kommando des neuen Flaggschiffs betraut. Da plötzlich passierte es.
"Achtung alle der Flugkörper haben gerade ihre Energie aktiviert...das sind Fusionssprenkköpfe...sie werden uns treffen ...sie werden....."
Weiter kam der Offizier nicht mehr. In diesem Augenblick detonierten 24 schwere neue ODIN II Fusionssprengköpfe, jeder mit einer Sprengkraft von 650 mt, gleizeitig an den Schilden des Schiffes und das war selbst für die fortschrittliche Technologie des Konzils zuviel. Das Schiff blähte sich in Sekundenbruchteilen auf und wurde zur Nova. Zurück blieb nur eine sich immer weiter ausdehnende Gaswolke.

***

"Achtung die Jäger enttarnen sich jetzt. Sie gehen auf Angriffskurs und feuern auf den Feind. Der Führer erbittet die Erlaubnis, die schweren Fusionssprengköpfe einsetzen zu dürfen."
"Nein, noch nicht. Er soll noch warten und die Fusionsköpfe so programmieren, daß sie sich erst kurz vor dem Aufschlag aktivieren. Er soll auf mein Kommando feuern und dann schnell aber unauffällig den Rückzug antreten."
"Die Jäger halten sich bereit, sir."
"Feuern sie...... JETZT."
"Torpedos sind gestartet und auf dem Weg, Sir. Aber der Gegner reagiert gar nicht auf sie. Wie ist das möglich?"
"Arroganz, was sonst? Wie lange halten unsere Schilde noch?" Briggs schwitzte fürchterlich. Er wollte jedoch nicht, daß ein anderer das mitbekam. Wenn er sich diesmal verrechnet hatte, würden sie alle sterben, soviel war sicher. Immer wieder feuerte die Sprinter auf ihren Gegner und der feuerte immer wieder aus seinen Ionenkanonen zurück.
"Etwa noch 7 Sekunden, Sir. Danach sind wir dem Ionenfeuer schutzlos ausgesetzt. Ich verstehe immer noch nicht, warum sie ihre AM-Waffen nicht gegen uns einsetzten. Damit hätten sie uns längst fertig gemacht."
In diesem Augenblick explodierte das Schiff plötzlich in einem Ausbruch gleißender Helligkeit. Es war so hell, das der Computer automatisch die Schirme verdunkelte.
Jubel erscholl auf der Brücke und auch auf den Komm-Kanälen brach die Disziplin zusammen. Briggs sank für eine Minute tief in seinem Sitz zusammen, richtete sich aber wieder auf, bevor jemand von der Brückencrew merken konnte, das er nervlich ziemlich fertig war. Sie hatten den Feind besiegt, seine Rechnung war aufgegangen. Dieses Mal. ...
"Sir, wir haben den Bastard erledigt. Woher wußten sie, das wir das konnten?"
Plötzlich verstummte der allgemeine Jubel auf der Brücke und alle Augen richteten sich neugierig auf den Kommandanten.
"Na ja, ich habe eigentlich nur darauf spekuliert, daß meine psychologische Einschätzung des Feindes richtig ist. Seine Arroganz war unverkennbar."
"Wieso?"
"Wenn sie mal bedenken, daß sie es nicht mal für nötig hielten Verstärkung herbeizurufen, dann wird es klar, oder?"
Alle blickten ihn erstaunt an und keiner wollte wohl zugeben, daß sie immer noch nicht verstanden.
"Also, wir orteten nur eine Neutrinoquelle, richtig?"
"Richtig, und weiter?"
"Daraus kann man schließen, daß wir nur von einem Schiff verfolgt wurden. Richtig?"
"Ja."
"Gut, und aus der Tatsache, daß sich dieses Schiff getarnt hat, kann man schließen, daß der Kommandant sich nicht unbedingt für stark genug hielt, uns ganz einfach offen anzufliegen und zu vernichten, oder zu kapern. Trotz der Arroganz dieses Captains. Klar?"
"Ja, ja, soweit schon, aber..."
"Aber warum habe ich dann den Angriff befohlen?"
"Genau..."
"Nun, wenn er sich trotz seiner Arroganz nicht wirklich hundertprozentig sicher ist, uns fertig machen zu können, warum sollten wir es dann sein?"
"Sie haben also einfach geraten und ihr Glück versucht?" Die Stimme des Navigators klang beinahe verärgert.
Jetzt grinste Briggs wölfisch. "Na ja, es hat doch funktioniert, oder nicht?"
Einige aus der Besatzung der Brücke wurden mit einem Mal bleich, andere fielen in das Grinsen des Kommandanten ein, das sich bis zu einem allgemeinen leisen Lachen steigerte, in das auch alle anderen schließlich einfielen. Der Kommandant war wirklich ein Wolf.
Briggs hatte sich als erster wieder beruhigt und begann nun seine Befehle an die Mannschaft zu erteilen. Sie hatten nun eine einmalige Chance, wirklich unerkannte und erfolgreiche Aufklärung zu betreiben.
"Taktik, wir bleiben exakt an diesem Ort und fahren sie alle Systeme auf Stand-By herunter. Nur Lebenserhaltung und Passivortung bleiben auf voller Leistung. Befehl an die Jäger: Sie sollen sternförmig ausschwärmen, Tarngeräte aktivieren und ebenfalls totenstill sein. Sagen sie den Piloten, sie sollen Augen und Ohren offenhalten. Sonderbefehl an Jäger 10-12: Sie sollen landen und mich im Briefing-Raum treffen."
"Befehle sind raus, Kommandant."
Steve Briggs eilte in den Briefing Raum, wo 15 Minuten später auch die 3 Piloten eintrafen.
"Gentlemen, ich will gleich zur Sache kommen. Sie drei haben die meiste Erfahrung mit ihren Maschinen und sie haben auch die besten Bewertungen in den Akten, also habe ich sie für eine Spezialmission ausgewählt. Sie wissen, daß ihre Tarnschilde weiterentwickelte Vtech-Schilde sind. Sie geben nach außen keine Strahlung ab, wenn sie den erweiterten Modus aktiviert haben. Der Nachteil ist, daß sie während des erweiterten Modus ebenfalls blind sind. Also hier ihr Befehl: Fliegen sie nach einem vorher genau berechneten Kurs die Planeten und Asteroiden des Systems an und scannen sie Sie sorgfältig. Wenn sie das Scanning beendet haben, tarnen sie sich wieder und kehren sie hierher zurück, aber vergewissern sie sich, daß ihnen der Feind nicht folgen kann. Haben sie alles verstanden?"
Die drei Piloten starrten sich an und dann starrten sie Briggs an. Sie waren sichtlich bleich geworden, aber sie versuchten standhaft Haltung zu bewahren. Dann salutierten sie gleichzeitig.
"Jawohl, Sir." kam es wie aus einem Mund.
"Sehr gut, Gentlemen. Dann können sie wegtreten. Sie starten, sobald ihre Maschinen wieder aufgetankt und bewaffnet sind. Viel Glück."
Die drei Piloten verließen den Raum, während sie sich leise unterhielten. Briggs starrte auf die 3D-Projektion des Systems und dachte daran, daß er wahrscheinlich gerade drei junge Männer zum Tode verurteilt hatte. Er verfluchte das Universum. Aber so war das eben im Krieg.

***

„Shadow One an Shadow Two und Three, Jungs könnt ihr was auf den Schirmen erkennen?“
„Negativ, Shadow Leader. Alles ist leer um uns herum. Aber das war ja zu erwarten. Die Tarnschilde sind wirklich gut.“
„Na schön, ab jetzt Funkstille. Verfolgt den vorausberechneten Kurs und dann wollen wir hoffen, daß wir am Ziel jeder das finden, was wir hoffen, nämlich nichts.“
„Roger, viel Glück für uns!“
Die drei Schiffe entfernten sich schnell von der Sprinter, die jetzt völlig ruhig und energetisch beinahe unsichtbar im Raum lag. Jeder der drei Piloten hing seinen eigenen Gedanken nach und mußte sich nun auf eine mehrstündige und nervenzerfetzende Zeit des Wartens einstellen. Sie alle taten es unbewußt auf dieselbe Weise: sie schliefen!
Etwa 3 Stunden später erwachten sie alle, von ihren Bordcomputern geweckt.
„Computer, in 15 Sekunden wechseln in den Aktiv-Modus und gleichzeitiges deaktivieren der Tarnung. Voller Scan der Umgebung und des Planeten. Danach Fluchtvektor in Richtung des Sterns dieses Systems. So schnell wie möglich Tarnung aktivieren, erweiterter Modus und danach Kurs auf die Sprinter und mit höchster Geschwindigkeit Rückflug zum Mutterschiff. Anweisung klar?“
„Positiv.“
„Also, Ausführung.“
Der Computer begann den Countdown herunter zu zählen und bei Null schaltete er die Tarnung aus und sendete aktive überlicht Taststrahlen in alle Richtungen. Sofort ertönte der Perimeter-Alarm, als die Maschine registrierte, daß sie von fremden Taststrahlen angemessen worden war. Der Gegner war entweder auf einen Besuch vorbereitet gewesen oder er konnte verdammt schnell reagieren. Wirklich verdammt schnell.
Drei größere Schiffe enttarnten sich in der direkten Umgebung des Jägers Shadow One und 2 Sekunden später waren dessen Schilde bereits ausgeschaltet. Der Pilot erkannte, daß er keine Chance hatte, lebend zur Sprinter zurückzukehren, wahrscheinlich hatte er einfach Pech gehabt. Also entschloß er sich, die letzten Energiereserven des Schiffes in einen ungerichteten konzentrierten Breitband-ÜL-Spruch zu stecken und ihn so oft zu wiederholen, wie seine Energie reichte, um sicherzugehen, daß er auf jeden Fall die Sprinter erreichte, ohne daß der Feind anmessen konnte, wo sie im Raum wartete. Er fügte noch eine letzte persönliche Botschaft an die gesammelten Daten an, mit der Bitte sie an seine Frau und seinen Sohn weiterzugeben, wenn man nach Hause zurückkehrte. Danach schaltete er ab.
„OK, ihr Bastarde, dann kommt mal ran. Hier wartet euer Schicksal auf euch. Jaaaaa, noch ein Stück näher......Gut so. Ihr wollt mich lebend, hä? Hier bin ich, holt mich doch!“
Die Hand des Piloten legte sich auf den Schalter, der den Reaktor des Schiffes überladen und so eine vernichtende Explosion erzeugen würde. Er lächelte, während seine Maschine auf ein sich öffnendes Hangartor am größten der drei feindlichen Schiffe zu gezogen wurde. Starke Zugstrahlen hatte seinen Jäger in ihren eisernen Griff genommen. Das Ende war nicht mehr fern. Seine letzten Gedanken galten seiner Familie. Er sah sich auf einer grünen Wiese auf einer Decke sitzen, seine Frau lächelte ihn liebevoll an und sein Sohn tollte im Gras herum. Er wußte nun warum er sterben würde, er würde nicht zulassen, daß irgendjemand seinen Leuten etwas antat. Bei Gott, und wenn er dafür sterben müßte, dann war das eben ein Preis, den er bezahlen mußte. Aber er würde lächelnd in den Tod gehen, in der Gewißheit, daß er seiner Familie damit ein neues Leben schenkte.
„Wir sehen uns in der Hölle wieder!“
Aus,.... ein blendender Blitz, hell wie eine neue Sonne zündete in dem Augenblick, in dem der Jäger die gewaltigen Hangartore des Feindschiffes passiert hatte. Zuerst sah es so aus, als ob der Hangar der Explosion trotzen könnte, aber dann plötzlich barst er nach außen und die entstehende Nova griff auf die in der Nähe gelagerten AM-Vorräte des Feindschiffes über und brachte sie zur Detonation. Eine infernalische Vernichtungswelle fegte über das Schiff und hinterließ es als expandierende Gaswolke, die den umliegenden Raum mit harter Strahlung bombardierte und auf dem nahegelegenen Planeten vermutlich schwere Schäden anrichten würde.


„Kommandant, die letzten beiden Jäger sind zurückgekehrt. Ihre Piloten warten im Briefing-Raum auf sie.“
Alle auf der Brücke waren blaß geworden, als der Spruch des Einsatzführers die Sprinter kurz vor dem Tod des Piloten erreicht hatte. Besonders über die Bitte des Piloten, die Botschaft an seine Familie auf der Erde weiterzugeben, war die Besatzung erschüttert. Ein Mann der im Augenblick seines Todes nur an seine Familie dachte und mit einem Lächeln erklärte, daß sie nicht um ihn trauern sollten, da sein Tot nicht umsonst gewesen sei und daß er sie lieben würde und immer bei ihnen sein würde. Einige aus der Besatzung konnten die Tränen nur mühsam unterdrücken. Steve Briggs hatte sich in diesem Augenblick schrecklich gefühlt. Er würde der Familie des Piloten erzählen müssen, daß er gestorben war und er würde seiner Frau diese Nachricht geben müssen. In diesem Augenblick wurde ihm klar, wie dumm die Menschen doch gewesen waren, sich gegenseitig zu bekriegen und wie klein sie doch alle waren im Vergleich zu solcher menschlicher Größe.
„Danke.“
Steve Briggs machte sich auf den Weg zum Briefing Raum und als er ihn erreichte, salutierten die beiden anwesenden Piloten zackig. Auch ihre Gesichter waren wächsern und blaß. Sie mußten also schon erfahren haben, daß ihr Kamerad es nicht zurück geschafft hatte.
„Gentlemen, ich weiß, daß es ein harter Schlag für sie ist, einen Kameraden und Freund zu verlieren, aber wir müssen uns trotzdem über die gesammelten Informationen hermachen und mit ihrer Auswertung beginnen. Sie waren die letzten auf die wir noch gewartet haben. Wir werden den Rückzug aus der Blase antreten und ich möchte, daß sie sich eins merken: Sie alle hier,“ Briggs atmete tief durch, “WIR alle haben gute Arbeit geleistet. Sie dürfen nicht vergessen, daß unsere Chancen überhaupt irgendwie lebend zurückzukehren, nahe an Null waren. Wir haben bis jetzt nur einen einzigen Verlust erlitten. Auch wenn der Verlust schmerzt und auch wenn er uns alle vielleicht gerade deshalb besonders mitnimmt, weil er der einzige ist, wir haben alle verdammtes Glück gehabt.“
„Jawohl, Sir.“ echoten die beiden Piloten müde und zerschlagen. Aber im nächsten Augenblick stahl sich ein kleines müdes Lächeln auf ihre Züge. Briggs nahm dies erleichtert zur Kenntnis.
„Schön, sie haben ihre Scan-Logs ja bereits in den Schiffscomputer heruntergeladen. Sie beide können wegtreten, sie haben für den Rest der Mission dienstfrei. Ich empfehle ihnen, sich en wenig zu entspannen und vielleicht wäre es keine schlechte Idee, mit dem psychologischen Offizier zu sprechen. Das ist aber nur ein Rat, kein Befehl. Wegtreten!“
Wieder salutierten die beiden Piloten und Briggs erwiderte den Gruß. Dann trotteten sie aus dem Raum.
Briggs eilte zurück auf die Brücke, um den Befehl zum Rückflug zur Basis zu geben.

„Wie konnte das geschehen?“
„Ein Kommandant eines Patroullien-Schiffes setzte sich über die stehende Order hinweg, die die Benachrichtigung des Oberkommandos bei allen ungewöhnlichen Vorkommnissen befahl. Er war zu arrogant und selbstsicher, er dachte, er könnte die Menschen ganz allein vernichten. Er spekulierte wohl auf die Belohnung.“
„Ja. ... Aber wie konnten sie unser Schiff überhaupt vernichten? Wir dachten doch, daß sie dazu gar nicht in der Lage sind.“
„Wir haben uns wohl getäuscht, was die Unverwundbarkeit unserer Schiffe angeht. Aber die Menschen konnten nur deshalb erfolgreich sein, weil unser Schiff nicht ums Überleben kämpfte.“
„Was soll das heißen?“
„Der Kommandant ließ offensichtlich nur Ionenwaffen einsetzen, um das feindliche Schiff gefechtsunfähig zu schießen. Er wollte es gar nicht vernichten. Das geht aus den nergetischen Restemissionen und Spuren hervor, die wir im Kampfgebiet fanden.“
„Gut. Wie weit wirft das die Offensive zurück?“
„Etwa 3 Standard-Zyklen. Das Patroullienschiff muß neu gebaut werden, die Besatzung muß neu ausgebildet werden und die Offensiv-Planungskommission muß über die technologischen und taktischen Fähigkeiten der Menschen in Kenntnis gesetzt werden, um die Pläne entsprechend abzuändern. Es könnte aber sein, daß die Verzögerung sich noch verlängert, weil die neuen Pläne eine vergrößerte Anzahl von Schiffen ergeben, die dann erst produziert werden müßten und deren Besatzungen erst ausgebildet werden müßten. „
„Oh. Gut. Veranlassen sie alles nötige und setzen sie mich dann über die Veränderungen in Kenntnis, sobald sie die notwendigen Daten ermittelt haben. „
„Bestätigt.“
Der Offizier verließ den Raum und der Vorsitzende des Rates dachte über die neuen Informationen nach, die er bekommen hatte. Wenn sie sich nicht beeilten, waren diese Menschen vielleicht in der Lage, ihnen ernsthaften Widerstand entgegenzusetzen. Das würde dann wahrscheinlich in einen längeren Krieg münden, den sie aufgrund ihrer sehr viel schlechteren industriellen Basis auch verlieren könnten. Es gab nur die Möglichkeit, den Feind mit einem einzigen schnellen Schlag vollständig zu vernichten, oder ihn doch zumindest so zu schwächen, daß er sich nicht mehr wirkungsvoll zur Wehr setzen konnte.


Der Rückflug verlief ohne weitere Zwischenfälle. Das Konzil versuchte zwar, die Sprinter zu verfolgen, aber da sie einen soliden Vorsprung hatte und die Hypergeschwindigkeit der Konzils-Schiffe nur unwesentlich über der der Sprinter lag, brachen sie die Verfolgung bald ab. Etwa 4 Stunden nach dem geplanten Eintreffen erreichte die Korvette die Station Swift Tuttle im Orbit um Cronos, den Hauptplaneten der Union. Briggs hatte das Schiff wie für eine Parade herrichten lassen, die Geschütztürme waren in Salutstation gedreht und die Hangarschleuse war offen. Der diensthabende Offizier, der gerade seine Schicht begonnen hatte, klang sehr überrascht, als er erkannte, wer da zurückgekommen war. Offenbar hatte das Oberkommando die Sprinter wirklich abgeschrieben.
„Ähh,... uh, also...ja Sprinter, hier ist Cronos Control, sie haben Andockerlaubnis für Platform 4. Und, ähhhh....willkommen zu hause Sprinter, verdammt gut, euch lebend zu wiederzusehen!“
„Danke, Cronos Control, wir sind auch froh, wieder da zu sein, wir haben verstanden. Sprinter Ende.“
„Mr. Jenkins, bringen sie sie rein. Ich erwarte eine Lehrbuch-Landung.“
„Ja, sir.“ Tom Jenkins fühlte auch die grimmige Befriedigung, die aus der Stimme des Kommandanten herauszuhören war, über die Tatsache, daß die Sprinter es allen gezeigt hatte, sogar den eigenen Leuten, die nicht an die tapfere Besatzung und ihr Schiff geglaubt hatten. Er konnte solche und ähnliche Gedanken in jedem Gesicht auf der Brücke erkennen, ja jetzt waren sie wirklich eine Besatzung geworden, sie würden die verdammt beste Landung zeigen, die je ein Schiff an einer Raumstation gezeigt hatte. Und zwar, weil sie die verdammt beste Besatzung waren, die die Flotte hatte!
„Ja, Sir, wir hatten nur einen einzigen Verlust, Sir. Der Pilot hat die Entscheidung getroffen, nicht lebend in die Hand des Feindes zu fallen. Er hat die Selbstzerstörungsvorrichtung seines Schiffes gezündet und dabei noch ein größeres Schiff des Feindes vernichtet, das seinen Jäger mit einem Traktorstrahl an Bord ziehen wollte.“
Steve Briggs ließ den Kopf hängen. „Sir, die Besatzung ist mit den Nerven ziemlich unten. Ist es möglich, den Leuten eine Ruhepause zu gönnen? Sie haben doch wirklich alle ihr bestes gegeben!“
„Tut mir leid, Kommandant Briggs, aber zuerst muß jeder in ein ausführliches Debriefing mit den technischen, strategischen und taktischen Stäben. Ihre gesammelten Erkenntnisse oder Vermutungen könnten kriegsentscheidend sein.“
Briggs seufzte unhörbar, aber der Admiral lächelte ihn trotzdem wissend an und trat näher an ihn heran.
„Ich weiß, daß alle ziemlich fertig sind, Kommandant, und wenn die Debriefings fertig sind, hat die Besatzung der Sprinter sich zwei Wochen Erholung redlich verdient. Unter uns: die Urlaubsscheine liegen bereits auf meinem Schreibtisch. Aber sagen sie es nicht weiter und helfen sie uns auch ein bißchen, motivieren sie ihre Leute noch mal, möglichst kooperativ zu sein.“
Die müde Miene von Briggs hatte sich bei dieser Neuigkeit in ein breites Grinsen verwandelt. Bei dem Gedanken an ganze zwei Wochen Urlaub mit Alicia wurde ihm ganz warm ums Herz, denn er hatte sie wirklich schrecklich vermißt. Er würde die Männer so motivieren, daß sie notfalls den Stäben ihre Arbeit noch abnehmen würden, soviel war mal sicher.


„Wir rekapitulieren also noch einmal: der Feind hat in dem Gefecht gegen sie nur Ionenwaffen eingesetzt und konnte daher und wegen der unorthodoxen Taktik, die Kommandant Briggs eingesetzt hat, von ihnen besiegt werden. Ist das soweit richtig, Mr. Jenkins?“
„Aus meiner Sicht schon, Sir. Wenn wir von einem einzigen Schuß aus einer der AM-Waffen getroffen worden wären, wären wir vernichtet worden. Sie wissen ja selber, daß normale Schilde zwar effektiv gegen Strahlung jeglicher Art sowie gegen normale Materie effektiv sind, aber Antimaterie kann den Schild problemlos durchdringen. Wenn die Antimaterie auf die auf die Materie der Panzerung trifft, tritt eine totale Vernichtungsreaktion ein und vom Schiff bleiben nicht mal Trümmer übrig, sondern nur eine sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitende Strahlungswolke.“
„Sehr schön, Mr. Jenkins. Und ist ihnen sonst noch etwas eingefallen, was eventuell von Bedeutung sein könnte?“
„Tut mir leid, Sir, nein, nicht das ich wüßte. Das ist leider alles. Wenn der Kommandant nicht gewesen wäre, wären wir alle garantiert tot.“
„Ihre Offenheit wissen wir zu schätzen, Mr. Jenkins. Sie dürfen wegtreten.“
„Danke, Sir.“
Tom Jenkins verließ den Raum und machte sich auf den Weg zum Werfthangar, in dem die Sprinter gerade eine Überholung und Wartungsperiode über sich ergehen ließ. Er wollte nur noch mal nach dem rechten sehen, bevor er sich in der Lounge noch einen Drink gönnen und danach in seinem Quartier aufs Ohr hauen würde. Als er den Hangar erreichte, hantierten gerade ein Dutzend Techniker der Nachtschicht an einer Stelle der Außenhülle, wo sie die tonnenschweren Platten der Panzerung mit Hilfe von Null-Grav-Einheiten abmontiert hatten, um sie sich genauer anzusehen. Sie diskutierten lautstark über etwas, was der erste Offizier der Sprinter nicht verstehen konnte und so trat er neugierig näher. Er trat hinter die versammelte Techno-Crew und jetzt sah er, daß sie alle einige tragbare Computer anstarrten, die irgend jemand aufgebaut hatte. Auf dem größten Display war ein verkleinertes und stark vereinfachtes Abbild der Sprinter zu sehen, wie es von einer schwach grünlich leuchtenden Art von Hülle umgeben war. Und irgend was prallte dann plötzlich auf die Hülle, eine Art von Strahl, vielleicht eine Waffe, aber es verpuffte, ohne sichtbare Schäden anzurichten. Jenkins war langsam noch näher an die Gruppe von Technikern herangetreten, um besser auf das Display sehen zu können. Plötzlich bemerkten ihn die Techniker und ihre Diskussion verstummte. Alle sahen ihn nun an und er hatte auf einmal eine ungute Vorahnung. Die hatte er öfter, wenn eine Menge Ärger oder Arbeit auf ihn zukam.
„was geht hier vor?“ fragte er vorsichtig, ohne dabei jemand bestimmtes anzusehen.
Die Techniker zögerten mit einer Antwort und wollten ihm offensichtlich nicht sagen, worüber sie so lautstark diskutiert hatten. Dann zuckte einer die Schultern und trat einen Schritt vor, auf Jenkins zu.
„Sir, möglicherweise haben wir einen Weg gefunden, wie man eine Schiffshülle vor dem Einschlag eines Antimateriestrahls schützen kann. Bitte sehen sie sich diese Computeranimation an.“
Das Bild auf dem Display wechselte und zeigte jetzt eine Art von kugelförmigem Energiefeld an, das aus gerichteten Feldlinien gebildet wurde. Jenkins brauchte einen Moment , bis er es als ein recht großes und sehr sehr starkes Magnetfeld erkannte.
„Was soll das sein?“ fragte er verständnislos.
„Nun sir, wenn man ein Schiff mit einem sehr starken Magnetfeld umgibt, dann lenkt es im Prinzip nicht nur Ionenstrahlen, sondern auch AM-Strahlen um das herum, was sich im Inneren des Feldes befindet, zum Beispiel um ein Schiff. Können sie mir folgen?“
„Ja, weiter.“
„Natürlich wären die Feldstärken, die man für einen solchen Effekt benötigt, astronomisch hoch. Entsprechend gigantisch ist auch der Energiebetrag und damit der Reaktor und der Generator, die das Felds speisen bzw. erzeugen. Wir haben daher bisher so ein Feld nicht erzeugen können, oder sagen wir, zumindest nicht auf einem Schiff.“
„Aha. Na und? Worüber diskutieren sie dann hier?“ Jenkins war müde und deshalb reagierte er auf die ausschweifenden Ausführungen des Technikers eher ungeduldig und verständnislos.
„Einen Moment, Sir. Bei der Wartung des Hyperantriebs ihres Schiffes ist es zu einem kleinen Mißgeschick gekommen, wissen sie.“ Er blickte unsicher und zögernd an. Der bedeutete ihm fortzufahren.
„Es ist zu einigen Kurzschlüssen und Neuverschaltungen von Systemschaltkreisen gekommen, die rein zufällig geschahen. Der Techniker hatte es nicht mal bemerkt, bis einem anderen bei einem Standardstrahlungsscan des Triebwerks auffiel, das das Hypertriebwerk bei Aktivierung ungewöhnlich große Mengen von Neutrinos aussendet, allerdings immer nur in kurzen Pulsen, direkt nach der Aktivierung. Als wir nach dem Grund forschten, stießen wir auf die veränderte Schaltkreiskonfiguration. Wir fanden heraus, daß das Triebwerk bei Aktivierung für eine ultrakurze Zeitspanne einen Riß im Hyperraum erzeugt und während dieser sich sofort wieder schließt, dringt Strahlungsenergie hindurch.“
„Moment mal, sie wollen mir erzählen, daß sie einen Weg gefunden haben, den Hyperraum aufzureißen, ohne den Hyperantrieb vorher voll aufzuladen? Also das halte ich für unmöglich! Außerdem, was hat das mit einem Abwehrschirm gegen AM-Strahlen zu tun?“
„Nun wir haben nicht nur einen Weg gefunden, das zu tun, was sie sagen, sondern wir haben darüber hinaus noch einen Weg gefunden, den Riß in seiner Größe zu stabilisieren und zu vergrößern und zu verkleinern.“
Jetzt war es raus. Jenkins stutzte ungläubig. Er rang nach Atem, als ihm mit einem Mal die Bedeutung dessen, was der Techniker gesagt hatte, mit voller Wucht klar wurde. Wenn man einen Weg gefunden hätte, den Hyperraum nach Belieben zu öffnen und zu schließen, ohne daß man sich in ihn hinein begab, dann hätte man Zugang zu einer schier unerschöpflichen Energiequelle für alle Zeiten. Das energetische Niveau des Hyperraums lag höher als das des Normaluniversums und es regenerierte sich ständig selbst.
Dann konnte man natürlich jede Menge Energie erzeugen, die man brauchte. Man mußte jetzt also nur noch einen entsprechend leistungsfähigen Generator für ein Magnetfeld in ein Schiff einbauen und schon hatte man einen starken Schutzschild für ein Schiff.
„Sagen sie, könnten sie die Modifikationen an der Sprinter sofort vornehmen? Wir müssen sie ohnehin testen.“
„Sicher könnten wir das tun, aber wir benötigen dafür eigentlich eine Erlaubnis des technischen Stabes im Oberkommando. Können sie die besorgen?“
„Hören sie, kümmern sie sich um die Modifikation, ich mache den Rest.“ Jenkins grinste breit übers ganze Gesicht. Erst einmal mußte der Kommandant eingeweiht werden.

***
„Steve, ich habe mir Sorgen gemacht. Ich bin so froh, daß du gesund und wieder bei mir bist.“
Alicia sprang ihm in die Arme und klammerte sich mit einem befreiten Aufzeufzen an ihn. Sie wollte ihn in diesem Moment nie wieder loslassen, aber nach weiteren 10 Sekunden, in denen sie sich einfach nur schweigend umarmten, löste Briggs sich sanft von ihr und lächelte sie warm an.
„Weißt du, ich habe wirklich gedacht, ich würde dich nie mehr wiedersehen. Ich dachte, ich müßte da draußen sterben. Und da habe ich eines ganz deutlich gemerkt: Ich liebe dich über alles! Und ich möchte, daß du die Frau in meinem Leben wirst.“
In diesem Augenblick war Alicia, als ob der Boden unter ihren Füßen nachgegeben hätte. Ihr wurde schwindelig und zwei warme, einsame Tränen der Rührung liefen ihr über das Gesicht.
„Ohh Madonna, ich liebe dich auch Steve und ich möchte die Frau in deinem Leben sein, mehr als alles andere, was ich je gewollt habe!“
Steve Briggs stand einen weiteren Moment einfach nur da und gab sich ganz seiner Erleichterung und Freude darüber hin, daß sie ihn nicht abgewiesen hatte, sondern genauso empfand wie er. Ihm war im Angesicht des Todes klar geworden, daß nichts von seinem früheren Leben wirklich zählte, die Frauen, die er gekannt hatte die Ehren, die er sich im Kampf erworben hatte, die Belobigungen durch seine Vorgesetzten, ... all das war doch nur hohl und leer gewesen, wenn man es mit niemandem teilen konnte. Und nun, in dem Augenblick, in dem er am wenigsten damit gerechnet hatte, war ein solcher Mensch in sein Leben getreten. Er konnte sein Glück kaum fassen. Dann, nach schier endlosen Sekunden, nahm er sie schweigend in die Arme und küßte sie so, als ob es sein erster Kuß seit Jahren wäre: lang und innig und unglaublich gefühlvoll. Doch leider war ihm das Glück dieses Mal wieder nicht holt, sein Armbandkommunikator summte plötzlich mit einer unglaublichen Dringlichkeit drauflos....
„Ahhh,...MIST!“ Er löste sich aus ihrem Kuß und betätigte den Empfängerknopf.
„Ja, Briggs hier. Was gibt es?“
„Sir, hier ist Jenkins. Ich habe da ein paar wirklich wichtige Neuigkeiten, die ich ihnen umgehend mitteilen muß. Ich schlage vor, sie kommen in den Werfthangar 7 und sehen sich hier etwas interessantes an.“
„Hören sie, Jenkins, wenn das nicht wichtig ist, dann verlieren sie ihren Urlaub, ist das klar?“
„Klar, Sir. Aber ich bin sicher, daß ich sowieso darauf werde verzichten müssen. Es ist wirklich etwas verdammt interessantes!“
„Na gut. Ich bin unterwegs. Alicia, ich muß leider sofort gehen. Ich meine, ich komme wieder, aber erst später, also ich...“
„Ist schon gut, Steve, ich verstehe. Es ist wichtig, oder?“
„Ja, ich glaube schon. Jenkins hatte einen beinahe euphorischen Ton drauf.“
„Na dann geh, ich werde warten!“ Alicia war das zwar nicht recht, sie hatte etwas ganz anderes im Sinn gehabt, und danach hätte nicht mal ein Sanitätskommando ihren Kommandanten so schnell wieder auf die Beine gebracht...., aber sie hatte keine Wahl, die Pflicht war schneller gewesen. Also zuckte sie nur die Schultern und lächelte ihn an. Denn....aufgeschoben war ja noch lange nicht aufgehoben....bei diesem Gedanken wurde ihr Lächeln sogar noch breiter.
„Bis dann.“ Briggs war schon halb aus der Tür, als er sich umdrehte und ihr noch einen Kuß auf die Lippen drückte.
Auf dem Weg in den Werfthangar 7, den größten der Station Swift Tuttle, überlegte er fieberhaft, was Jenkins gemeint haben könnte.
Hmm, der Hyperantrieb kann es nicht sein, der ist schon überholt worden, der Reaktor auch. Die Waffen? Hm, nein, das wäre kein Grund mich anzurufen. Keine der verdammten Reparaturen wäre ein Grund, mich anzurufen! Wenn es nicht wichtig ist, werde ich dafür sorgen, daß er das nicht so schnell vergißt!
Noch während er den Gedanken an Alicia nachhing, erreichte Steve Briggs den Werfthangar 7 und war sehr überrascht von der Emsigkeit und Betriebsamkeit, die hier herrschten. Zwar wurde in den Werfthangars immer rund um die Uhr gearbeitet, aber hier waren wenigstens zwei Schichten von Technikern anwesend. Und alle arbeiteten an der Sprinter. Riesige Teile der Panzerung waren abmontiert worden und die Männer in den blauen und grauen Overolls der Energie- und Systemtechniker werkelten in den Innereien des Schiffes – SEINES Schiffes.
„Was zur Hölle ist hier los?“ Briggs hatte sich einfach instinktiv einen der Techniker gegriffen und ihn am Kragen gepackt. Der Kommandant hatte die Frage mit einem sehr drohenden Unterton gestellt und der Techniker hatte den Kopf zwischen die Schultern gezogen.
„Ähh, ...Sir, ich uhh, also...“
„HEYYYY! Du da, laß meinen Mann los,...SOFORT!“ Eine infernalisch laute Stimme hatte den Befehl im tiefsten Bariton quer durch den Hangar gebrüllt und jetzt setzte sich der dazugehörende Hühne von Mann in Bewegung. Er durchmaß die ca. 100 m Entfernung zwischen ihm und dem Kommandant in etwa einer Minute. Briggs hielt den Techniker immer noch am Kragen, als der Riese die beiden Männer erreichte.
„Was zur Hölle glauben sie, was sie hier tun? Lassen sie meinen Mann los, sonst trete ich ihnen gleich ganz gehörig in den Arsch! Ist das klar?!?“ Der große Mann war rot vor Anstrengung und Zorn im Gesicht und mit einem strafenden Blick ließ Briggs den Mann los.
„Was zur Hölle geht hier vor? Was haben sie mit meinem Schiff gemacht?“
„Was haben sie mit meinem Mann gemacht? Na, Syrus, alles in Ordnung?“ Der Riese hatte sich an den Techniker gewandt.
„Ja, Chief, danke. Er war plötzlich da und packte mich!“
Um die Gruppe hatte sich eine kleine Traube von Zuschauern gebildet und die wurde plötzlich von einem besorgt dreinblickenden Jenkins durchstoßen.
„Ah, Kommandant Briggs. Ich habe sie schon erwartet.“ Demonstrativ stellte er sich zwischen die beiden Männer, die einander mit finsteren Blicken maßen.
„Kommandant Briggs, das ist Chief Christopher Schmidt, der Cheftechniker in Hangar 7. Er leitet die Modifizierung der Systeme der Sprinter. Chief, das ist der Captain der Sprinter, Kommandant Steve Briggs.“
Beide Männer starrten sich an, als ob sie aufeinander losgehen wollten, aber dann seufzte der Chief auf und hielt Briggs seine Hand hin.
„Freut mich, Kommandant. Entschuldigen sie meinen ruppigen Ton, aber ich habe nur gesehen, daß sie meinen Mann angegriffen haben. Nichts für ungut!“
Sie reichten sich die Hände und Briggs war überrascht, als ihn der Griff, der wie ein Schraubstock war, beinahe dazu bewegte, in die Knie zu gehen.
„Nun, mein Fehler, Chief. Ich habe im ersten Augenblick wohl überreagiert.“ Briggs wendete sich an den Techniker: “Syrus, richtig? Hören sie, es tut mir leid, ich wollte sie nicht so anschnauzen. Bitte entschuldigen sie.“
Mit dieser Wendung war der Fall für den Chief offenbar erledigt, nach einem angedeuteten Gruß drehte er sich um und stapfte davon. Unterwegs brüllte er ein paar Befehle und trieb seine Männer weiter an, den Umbau noch zu beschleunigen.
„Hören sie Sir, dieses Durcheinander hier ist wohl meine Schuld. Ich habe den Befehl gegeben, die Sprinter nach einigen interessanten, neuen Spezifikationen umzubauen.“
„Sie haben was? Was glauben sie eigentlich, wer sie sind, Mister?“ Briggs war jetzt auch rot vor Zorn geworden.
„Sir, bitte, ich würde ihnen gerne erklären, was passiert ist.“
„Reden sie Mann, reden sie schnell und erzählen sie mir eine verdammt gute Story, sonst werde ich ihren Arsch erst von hier bis zu ihrem Heimatplaneten und zurück treten und dann zerre ich sie vors Kriegsgericht!!!“
„Nun, einfach ausgedrückt: Die Sprinter ist das erste Schiff der Flotte, das mit einem neuartigen Generator zur Erzeugung eines super starken magnetischen Schildes ausgerüstet wird, der das Schiff vor dem Beschuß mit Antimaterie schützt. ....“
Jenkins erläuterte dem verdutzten Briggs, was die Techniker herausgefunden hatten und wie er den Befehl gegeben hatte, die Arbeiten zu beginnen. Zuletzt kam er mit dem Ansinnen heraus, den Umbau nachträglich vom Oberkommando genehmigen zu lassen. Das sollte natürlich der Kommandant übernehmen, er war ja der Captain der Sprinter und er war der ranghöchste Offizier, der die Scheiße jetzt verkaufen mußte. Dieses Schlitzohr Jenkins!
„Aha.“ War erst einmal alles, was Briggs darauf sagen konnte, als der erste Offizier der Sprinter geendet hatte.
„Und sie glauben also wirklich, daß das funktionieren wird?“
„Die Techniker haben es mir versichert, ihre Modelle und Kalkulationen sind fehlerfrei, das hat mir einer der Wissenschaftler der Astrometrischen Abteilung versichert, den ich ganz gut kenne. Ich gab sie ihm, um sie mal kurz überprüfen zu lassen.“
„Ohh. Und wieviel hat er von dem verstanden, was er da durchgerechnet hat?“
„Naja, er hat erkannt, daß es sich um magnetische Feldgleichungen handelte, und da hat er gefragt...ich habe es ihm erzählt. Aber er ist vertrauenswürdig.“
„Gut. Gehen sie jetzt und überwachen sie den Umbau bis zum Ende. Ich werde Admiral Lightcloud wecken.“
Briggs salutierte und machte sich davon in Richtung der Kommandoebene. 5 Minuten später stand er vor der Tür zu Lightclouds Quartier. Er betätigte den Türsummer und wartete. Niemand öffnete und so klingelte er erneut. Dann wurde die Tür geöffnet und ein verschlafener Lightcloud stand in der Tür.
„Wer...? BRIGGS?“ Lightcloud riß die Augen überrascht auf.
„Was wollen sie denn um diese Zeit hier?“
„Sir, ich habe etwas sehr wichtiges mit ihnen zu besprechen, entschuldigen sie die späte Störung, aber es ist wirklich sehr wichtig.“ Briggs fragte sich, ob er gerade einen Verweis riskierte, aber Lightcloud stand in dem Ruf, ein sehr fairer Vorgesetzter zu sein.
„Hmmm...gut, kommen sie rein.“ Er drehte sich um und ging in den Raum hinein, Briggs folgte ihm.
„Was ist denn so wichtig, daß sie mitten in der Nacht hier auftauchen?“ Lightcloud wies auf einen freien Sessel und setzte sich selber in einen anderen.
„Nun, Sir, ich brauche die Genehmigung für einen kleinen Umbau der Sprinter. Es ist eigentlich eine nachträgliche Genehmigung, wissen sie.“
„Sie brauchen was? Eine Umbaugenehmigung für ein Schiff der Unionsflotte?“
„Ja. Heute Nacht haben ein paar Techniker mit dem Umbau der Sprinter begonnen. Sie sind dabei, ein neues Energiesystem und einen neues Schildsystem einzubauen.“
„Sie haben....WAS?!? Sind sie wahnsinnig, Mann? Das kann sie vors Kriegsgericht bringen!“
„Ja, Sir, das ist mir klar, aber hören sie mir bitte zuerst zu! Einige Techniker haben vor etwa 5 Stunden durch Zufall eine Möglichkeit gefunden, Energie aus dem Hyperraum zu zapfen. Sie sind dadurch in die Lage versetzt worden ein leistungsfähiges magnetisches Schildsystem auf einem Raumschiff zu installieren. Der Umbau der Sprinter macht bereits Fortschritte. Sir, das könnte unsere Rettung sein und den Krieg entscheiden!“
„Sie haben keinerlei Tests gemacht? Woher wollen sie wissen, daß ihre Kalkulationen überhaupt korrekt sind?“
„Nun, was die magnetischen Feldgleichungen angeht, die sind schon überprüft worden, von einem Wissenschaftler der astrometrischen Abteilung, die hyperphysikalischen Gleichungen existieren nicht, aber die Techniker von Hangar 7 haben funktionierende Modelle gebaut. Ich fürchte, dieser Teil des Umbaus beruht nur auf ingenieursmäßigen Leistungen.“
Briggs hielt jetzt den Atem an und wartete auf die Reaktion des Admirals. Der rieb sich das Kinn und dachte nach.
„Hmmm, ... Nun, sie werden jetzt gleich ein Modell in den Raum schaffen und mir zeigen, daß es den Beschuß mit Antimaterie unbeschadet übersteht! Wenn es klappt, werden sie ihre Genehmigung bekommen, wenn nicht, werden sie unehrenhaft entlassen!“
„Danke, Sir. Ich werde die Techniker entsprechend anweisen!“ Briggs machte sich daran, zu gehen. Als er in der Tür stand, rief ihm der Admiral noch hinterher.
„Briggs, sie finden mich im taktischen Operationszentrum der Station. Ich erwarte in spätestens zwei Stunden die Bereitschaftsmeldung, daß wir mit dem Test beginnen können.“
„Ja, Sir.“


„Wie sind die neuesten Daten des Kontrollzentrums?“ Der Vorsitzende des Rates hatte den Kommandeur der Flotte direkt angesprochen, ohne auf seinen vergleichbaren Rang zu achten und erst um seine Aufmerksamkeit zu bitten, das allein war bereits ein Zeichen, daß er sehr schlechter Laune war und der Kommandeur wollte es heute nicht auf einen Machtkampf ankommen lassen.
„Wir haben das Patroullienschiff ersetzt und dazu noch drei weitere Schiffe der Kreuzerklasse gebaut und bemannt. Die Menschen sollten eigentlich nicht mehr in der Lage sein, uns aufzuhalten, wenn wir gegen ihre Heimatwelt ziehen.“
„Hat die Aufklärung inzwischen den Standort ihres Heimatsystems feststellen können?“
„Ja. Es ist ein kleines primäres System mit 9 Planeten. Es ist völlig unauffällig und liegt in einem Seitenarm der Galaxis. Einer ihrer militärischen Transporter hatte ein Aufklärungsschiff in Phase zu ihrem System geführt und dort entdeckten wir dann Bauwerke, die viel älter sind, als alles, was die Menschen unseres Wissens nach sonst auf ihren Welten stehen haben. Das Alter der ältesten Bauten beträgt etwa 7000 Jahre.“
„Wieviele Welten kennen wir denn, auf denen sie leben?“
„Wir schätzen etwa 75 – 78% und die Aufklärung arbeitet immer noch auf Hochtouren.“
„Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß die von ihnen ins Auge gefaßte Welt ihre Heimatwelt ist?“
„Computerauswertungen deuten auf eine Wahrscheinlichkeit von ca. 98%.“
„Gut. Sammeln sie die Flotte und fliegen sie mit ihr zu diesem Planeten und zu den 10 anderen Wichtigsten. Vernichten sie sie und kehren sie dann zurück.“
„Was ist mit der Flotte der Menschen? Was wenn sie gerade dann angreifen, wenn die Flotte unterwegs ist? Sie könnten den Verlust von 10 Welten durchaus verkraften, auch wenn es ihre technologischen, kulturellen und industriellen Zentren sind. Sie sind ungeheuer zahlreich. Wir hingegen haben nur die Enklave und wir können uns deren Verlust nicht leisten, wir wären faktisch vernichtet, wenn sie zerstört würde.“
„Seien sie nicht so ängstlich. Das Konzil ist nicht groß geworden durch Feiglinge wie sie einer sind!“ Verachtung hatte aus den Worten des Vorsitzenden gesprochen.
„Nun, können wir nicht wenigstens eine Schwadron zum Schutz des Hauptplaneten zurücklassen?“
Der Vorsitzende verzog den Mund vor Verachtung und stöhnte leise auf.
„Wie sie wollen, machen sie es so, Feigling. Wenn das hier vorbei ist, werde ich dem Rat vorschlagen, sie abzusetzen.“
„Wie sie wollen, Vorsitzender.“ Du arroganter Dummkopf! Wir werden erst noch sehen, wer hier wen absetzt, wenn ich mit der siegreichen Flotte zurückkehre! Es ist nie klug, einen Feind zu unterschätzen. Die Menschen haben uns immerhin hier aufgespürt und eines unserer Schiffe zerstört. Sie haben es verdient, daß wir sie als Gegner ernst nehmen. Natürlich konnte der Flottenkommandeur seine Gedanken nicht dem Vorsitzenden des Rates mitteilen, er war eben nur ein Politiker, darauf fixiert, an die eigene Überlegenheit zu glauben.

***

Zwei Stunden später wurde der Test durchgeführt und zur Überraschung des Admirals funktionierte das Modell tatsächlich, so wie Briggs es vorausgesagt hatte. Der Admiral gab in das Computersystem der Station die Erlaubnis ein, die Sprinter entsprechend zu modifizieren. Dabei unterlief ihm ein „Irrtum“, er datierte die Erlaubnis „versehentlich“ 24 Stunden zurück – die Hierarchie durfte schließlich nicht umgangen werden.
Nachdem das erledigt war, wurde Briggs vom Admiral in einen der Lagebesprechungsräume der Station gerufen. Der erste Offizier Jenkins und einige andere Offiziere aus allen möglichen Einheiten erwarteten ihn bereits.
„Ahh, Kommandant Briggs. Wie weit ist der Umbau der Sprinter fortgeschritten?“ kam der Admiral ohne formelle Begrüßung direkt zur Sache.
„Sir, der Umbau wird in 24 stunden abgeschlossen sein, wenn in Hangar 7 weiterhin in Doppelschichten gearbeitet wird. Ich habe das bereits mit dem Stationspersonal und dem Leiter des technischen Stabes der Station besprochen. Das sollte kein Problem sein!“
„Sehr gut. Kommandant, es tut mir sehr leid, aber ich muß den Urlaub für sie und ihre Männer erst mal zurückstellen!“ Der Admiral lächelte bei diesen Worten und auch Briggs lächelte. Das war dem Kommandanten sowieso klar gewesen.
„Sir, warum dieses Treffen? Gibt es etwa eine neue Mission?“ Wieder lächelte der Kommandant. Die Frage war natürlich rethorisch, die Sprinter war das erste Schiff der Flotte, das umgerüstet wurde – natürlich gab es eine neue Mission!
„Also, es sieht so aus, als ob sie mal wieder mit dem ekligsten Teil des Plans betraut werden, Briggs“, sagte der Admiral, aus dessen Gesicht plötzlich das Lächeln verschwunden war und einer professionellen Maske Platz gemacht hatte.
„Wie darf ich das verstehen, Sir?“ Briggs machte sich jetzt mehr als nur ein paar Sorgen.
„Ganz einfach, Briggs. Wir, das heißt die ganze Flotte, werden reingehen in die Blase und den Feind angreifen und so für Verwirrung sorgen. Ihre Aufgabe ist es, den Feind hart zu treffen. Alles andere soll sie nur decken. Sie haben, kurz gesagt, den Auftrag, die industrielle Basis des Feindes in den Asteroiden und auf dem äußeren Planeten zu vernichten.“
Jetzt war es raus, das war ein Hammer!
„Aber, Sir die Sprinter ist erstens nicht in der Lage, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein und zweitens haben wir nicht die Feuerkraft, um einen Asteroiden zu zerstören, geschweige denn viele Asteroiden oder gar einen Planeten.“
„Ja, Briggs, aber wir haben da noch ein paar kleine Asse im Ärmel. Erstens, was das Problem der Feuerkraft betrifft, wir haben in den letzten Stunden alle Antimaterie aus den umliegenden Systemen hergeschafft. Wir haben alle Torpedos Ihres Schiffes mit Mikrofusionsreaktoren ausgerüstet und ihnen magnetische Feldgeneratoren verpaßt. Diese Torpedos sind jetzt in der Lage eine Menge von etwa 200 Milligramm Antimaterie aufzunehmen und sie für die Dauer eines Zielanfluges in einer magnetischen Flasche einzuschließen. Diese 200 Milligramm Antimaterie haben ein geschätzte Detonationskraft von etwa 15000 – 20000 Megatonnen. Das ist genug Feuerkraft, um einen Asteroiden einzuäschern oder auch einen Planeten in 1000 Stücke zu sprengen. Die Sache hat nur einen einzigen Hacken: Diese Torpedos sind sehr langsam, sie können nicht gegen Schiffe eingesetzt werden, die sich bewegen. Außerdem sind sie feindlichem Abwehrfeuer gegenüber sehr empfindlich, es wäre ratsam, sie von einem Jäger mehr wie eine Bombe auf ein Ziel zu „schleudern“. Wenn der Torpedo ausgeklinkt ist, sollte der Jägerpilot nur sehr schnell verschwinden können, daher kommen eigentlich nur die Jäger der Sundancerklasse für solche Angriffe in Betracht. Davon haben wir aber leider im Moment nur etwa 4 weitere Geschwader. Wir haben bis zum Angriffsbeginn aber auch nur vier weitere Korvetten der Adder-Klasse umgerüstet.“
„Das heißt, wir werden bei unserem Angriff nicht allein sein?“
„Nein, die Adelaide, die Ragnar, die Victory und die Leningrad werden sie bei dem Angriff unterstützen, das ist unsere Lösung für das andere Problem, sie müssen gar nicht an zwei Orten gleichzeitig sein, Kommandant Briggs.“
Das war wenigstens ein Lichtblick, aber trotzdem waren sie so gut wie tot! Briggs wurde wieder bleich...
„Sir, wie viele Schiffe werden uns denn gegenüberstehen? Können sie dazu irgendwas sagen?“
„Leider Nein. Sie haben den bisher einzigen Flug in die Blase hinein unternommen und das sind dann auch schon unsere ganzen Erkenntnisse! Wir werden jedenfalls etwa eine Minute vor ihrem Geschwader hineinspringen und versuchen, den Feind in Kämpfe zu verwickeln. Wenn das gelingt, werden sie bei ihrer Ankunft sofort über die bisher gesichtete Zahl und Natur der Feindkontakte informiert. Sie werden so nah wie möglich an den Zielen aus dem Hyperraum kommen und möglichst weit von der Schlacht entfernt. Wir hoffen, möglichst viele Schiffe des Gegners zu binden, so daß sie eine bessere Ausgangsposition haben.“
„Ja, Sir...“ Briggs hatte jetzt ganz deutlich das Gefühl, das man hat, wenn man allein nachts durch den Wald geht und die Schritte, die einem folgen, ganz genau hören kann. Er wollte am liebsten anfangen, zu pfeiffen.
„Gibt es noch Fragen? Ich denke jeder von Ihnen kann sich vorstellen, daß für ihn und sein Schiff das Gleiche gilt wie für die Sprinter.“ Diese Bemerkung hatte Lightcloud in Richtung von vier anderen Offizieren gemacht, die weiter hinten im Lagebesprechungsraum saßen. Als Briggs jetzt genauer hinsah, bemerkte er die Rangabzeichen von Kommandanten und ihm wurde klar, daß das die anderen Captains der am Angriff beteiligten Korvetten waren. Er nickte einem von ihnen zu, der den Kopf in seine Richtung gedreht hatte und der andere erwiderte die Geste.
„Gut, Gentlemen, sie werden die genauen zeitlichen Ablaufpläne noch vor Tagesende in ihren persönlichen Computern finden, studieren sie sie. Es könnte gut sein, daß es sehr auf das Timing ankommt. Sie sind hiermit entlassen! Ach, noch etwas. Wir haben soeben die Pläne zur Veränderung der Reaktoren, Triebwerke und Schildgeneratoren sowie der veränderten Torpedos per Kurier zur Erde geschickt, Dort wird die Wachschwadron der Shadow Cobra Flotte umgerüstet. Wir hoffen, daß sie dann einem Angriff eines feindlichen Angriffsgeschwaders standhalten kann.“
Alle erhoben sich und salutierten, als der Admiral den Raum verließ und dann verließen auch die meisten anderen der Offiziere den Raum. Nur die anderen Captains und Steve Briggs blieben im Raum zurück. Sie kamen auf ihn zu und musterten ihn eine Weile, während er dasselbe mit ihnen tat. Schließlich begann einer, mit ihm zu sprechen.
„Sie sind also Briggs. Ist ihr Vorname Steven?“
„Ja, das stimmt. Kennen wir uns?“
„Mein Name ist Hausner, Michael Hausner. Ich bin der Kommandant der Ragnar. Sie haben doch im Krieg gegen die Vinonier die Tortuga kommandiert, oder?“
Briggs zuckte bei der Erwähnung seines alten Schiffes heftig zusammen. Er zog instinktiv den Kopf zwischen die Schultern.
„Das ist korrekt. Ich war Captain der Tortuga, bis zu ihrer Vernichtung in der Schlacht von Madagesh.“
„War eine üble Sache, diese Schlacht. Wir haben damals viele gute Leute verloren.“
Briggs war vor den Kopf gestoßen. Er wurde langsam wütend. Er wußte selber, daß ein Captain mit seinem Schiff sterben sollte, aber er war bewußtlos gewesen, als man ihn von Bord und in eine der Rettungskapseln geschafft hatte. Ein T-Träger der Brückendecke hatte in seitlich am Kopf erwischt, als die Tortuga den letzten, tödlichen Torpedotreffer abbekommen hatte. Seine Stimme war wie ein leises Fauchen, als er antwortete.
„Was wollen sie mir damit sagen, Mr. Hausner?“
Die anderen vier Captains sahen sich kurz an, dann nickte Hausner und wandte sich wieder an Briggs.
„Entschuldigung, hören sie, wir wollte nur wissen, ob wir uns im Zweifelsfall auf sie verlassen können. Es passiert nicht jeden Tag, daß einem das Schiff unter dem Hintern weggeschossen wird. Und viele überlebende Captains kommen damit nicht klar, sie zerbrechen. Wir wollten testen, ob sie noch Kampfgeist haben, oder nicht.“
Die Vier schwiegen und blickten betreten zu Boden. Keiner wußte wohl so recht, wie es jetzt weitergehen sollte.
Hausner rang sich schließlich zu einem neuen Versuch durch.
„Hören sie Kommandant Briggs, wir wollten nicht...“
„Schon in Ordnung. Ich bin nicht beleidigt. Sie kennen mich nicht und da mußten sie eben Sicherheit gewinnen. Ich hätte es vermutlich ebenso gemacht. Habe ich sie überzeugen können?“
Hausner grinste nur und beantwortete die Frage damit. So weit, so gut. Die anderen
Drei stellten sich ihm jetzt vor. Rodledge von der Victory, McDonald von der Adelaide und Tawakoma von der Leningrad. Alle waren ebenfalls Veteranen des Vinonier-Krieges und hatten schon eigene Kommandos gehabt. Briggs Laune besserte sich erheblich und sie beschlossen, einen Drink in der Lounge zu nehmen. Sie plauderten dabei nur über belangloses Zeug und nach einer halben Stunde verabschiedete sich Briggs von ihnen.
„Ok, ich werde dann mal eben losgehen und meine Lebensversicherung auf das Doppelte aufstocken. Bis dann.“
Mit diesen Worten war er auch schon weg und die anderen drei Captains waren in eine neue Unterhaltung vertieft. Briggs ging auf dem schnellsten Weg in sein Quartier und wollte sich etwas hinlegen. Die Tür zu seinem Raum öffnete sich vor ihm und er betrat das dunkle Zimmer. Er ging auf das Bett zu und ließ sich hineinfallen, als er einen neuen und ungewohnten, doch bekannten Geruch in der Luft bemerkte. Eben wollte er sich aufrichten und sich umsehen, als ihn von hinten zwei Hände zu massieren begannen. Er zuckte leicht zusammen.
„Hey, nicht so schreckhaft, Kommandant Briggs! Sie werden sich doch wohl nicht vor einer Frau fürchten?“
„Alicia! Wie kommst Du hier rein? Ach, vergiß es...Du arbeitest schließlich in der Systemanalyse, nicht wahr?“
„Wie dreist von mir, nicht wahr?“ Der Ton der Frage ließ ihren rethorischen Charakter erkennen, sie war hier, um ihm Entspannung zu verschaffen.
„Hmmmm....das fühlt sich himmlisch an, was du da mit den Händen machst! Wo hast du das gelernt?“
„Ich habe es nicht gelernt. Ich bin eben ein Naturtalent!“
„Ja, das habe ich schon gemerkt....und zwar in mehr als nur einer Sache!“
„Na, na, werden sie nicht anzüglich, Kommandant!“
„Ohhh, `tschuldigung, Mam. Wird nicht wieder vorkommen!“ Er lächelte und seine Stimme hatte einen warmen und ironischen Unterton. Natürlich würde er wieder anzüglich sein!
„Was gedenken sie jetzt zu tun, Mam?“
„Ach, halt den Mund und folge einfach meinen Befehlen!“ sagte Alicia und begann, ihm den Uniform-Overoll auszuziehen.

Kapitel Vier – Der Ritt auf der Feuerwelle

„Achtung, Achtung, alle Mannschaften auf die Gefechtspositionen. Wir werden in wenigen Minuten den Hyperraum verlassen und in die Blase eintreten. Es ist mit dem sofortigen Beschuß durch den Feind zu rechnen!“
„Mr. Jenkins, wie ist unser Schuldstatus?“
„Schilde auf 100% Leistung, Kommandant, unser neues Magnetschildsystem ist ebenfalls aktiviert und auf voller Leistung!“
„Sehr gut. Achtung Kommunikation, wie ist der Status der vier Begleitschiffe?“
„Sir, die Adelaide, die Victory und die Ragnar sind direkt steuerbords von uns, die Leningrad ist achternaus bei etwa 11 Uhr und 100 km Entfernung.“
Der Nav-Offizier ergriff das Wort.
„Achtung, wir verlassen den Hyperraum in 5...4...3...2...1 Sekunden.“ Der Computer schaltete die Hypertriebwerke ab und die Flottille fiel aus dem Hyperraum in die Blase zurück.
„Achtung, wir sind in einem Trümmerfeld gelandet!“ Der Nav-Offizier hatte den Scan vom Computer durchführen lassen und wertete die eingehenden Daten nun aus.
„Achtung, Angriff. Abwehrlaser, Feuer frei! Feuer Frei!“
Und schon kamen sie, mindestens zwei Dutzend feindliche Jäger schossen aus dem Trümmerfeld heraus, das aus ausgeglühten Wracks unbekannter Bauart bestand. Hier war offensichtlich vor längerer Zeit eine Flotte vernichtet worden. Die feindlichen Jäger enttarnten sich und eröffneten aus ihren AM - Werfern das Feuer. Aber ihre Schüsse zerfaserten an den neuen magnetischen Schilden und richteten keinen Schaden an.
„Schilde halten, wir werden weiter beschossen, nur Jagdmaschinen, keine Großkampfschiffe. Die Flotte steht etwa 3 Lichtstunden von hier und ist in eine schwere Schlacht mit dem Feind verwickelt. Hmmmm....“
„Was gibt es denn so Merkwürdiges, Taktik?“ fragte Briggs.
„Sir, die Flotte meldet erheblich weniger Schiffe des Feindes, als erwartet. Sie haben erst 4 Schiffe verloren und konnten ein Feindschiff beschädigen!“
„Hmmm. Das bedeutet entweder, der Feind hat wirklich nur wenige Schiffe oder aber, sie haben den Braten gerochen und halten die meisten in Reserve!“


„Verdammt, wir sind zu spät! Die Flotte meldet weit weniger Feindwiderstand, als erwartet. Der Hauptteil des Feindes muß schon zur Erde unterwegs sein.“ rief Admiral Lightcloud aus, als er die taktischen Berichte überflog.
„Woher wollen sie das wissen?“ fragte Admiral Jones ihn.
„Das ist die einzige logische Alternative. Sie haben doch selber gesehen, das sie mit Terror versucht haben, unseren Kampfeswillen zu brechen. Also, wo können sie den größten Schock auf einmal erzielen?“
„Verdammt.... die Erde...sie haben Recht! Was tun wir jetzt?“
„Hmmm, Taktik, weisen sie die Hornissen an, direkt in den Erdorbit zu springen und sich verteidigungsbereit zu machen!“
„Was für Hornissen?“ Admiral Jones war aufgesprungen und sah Lightcloud verständnislos an.
„Das ist unser letzter Trumpf, eine nette kleine technische Neuerung und genau für einen Fall wie diesen gedacht. Wir haben 12 riesige Dreadnoughts in direkter Umgebung des Solsystems im Tiefraum stehen. Sie haben jeder eine taktische Bewaffnung, die aus je 1200 Jägern der Hornisse – Klasse besteht. Das ist ein neuer taktischer Abfangjäger mit einigen vollrobotischen Lasern, winzig und superwendig, sie könnten die feindlichen Jäger aufhalten und den Cobras Zeit verschaffen!“
„Sir, der Befehl ist raus und die Hornissen springen direkt in den Erdorbit.“
„Ich hoffe, daß das klappt. Sie und ihre Jäger sind unsere letzte Hoffnung. ... Ach, und nur für den unwahrscheinlichen Fall, daß wir alle das hier überleben, sollten wir uns mal über Offenheit und Ehrlichkeit unter Verbündeten unterhalten, Lightcloud!!“


Kurze Zeit davor landet Lieutenant Alan Sheerer an Bord der orbitalen Verteidigungsstation Tk 12 im Erdorbit und ist gerade dabei, seine Maschine zu verlassen, als der allgemeine Stationsalarm ertönt und er über sein Funkgerät den Befehl erhält, in seiner Maschine zu bleiben.
„Stationcontrol, was ist denn hier los? Meine Maschine muß dringend betankt werden. Ich fliege nur noch auf Reserve!“
„Bleiben sie, wo sie sind. Wir haben soeben eine große Angriffsstaffel von Feindschiffen bemerkt, die in das System einfliegen. Sie werden betankt und gehen dann sofort wieder raus. Sie schließen sich den „Firewalkern“ an!“
„Firewalker, Stationcontrol?“
„Dem zweiten und dritten Kampfgeschwader der Shadow Cobra Staffel. Sie gehen in den Einsatz und sind mit diesen neuen AM-Torpedos ausgerüstet. Sie benötigen Jagdschutz und sie werden ihnen als solcher zugeteilt.“
„Jawohl, Sir.“ Sheerer schnallte sich wieder an und checkte seine Systeme. Seine modifizierte Rapier-Jagdmaschine war in erstklassigem Zustand. Die Modifikation bestand aus verstärkten Schilden und einem nachträglich eingebauten Hypertriebwerk, das den Kurzstreckenjäger in ein taktisches Mittelstreckenschiff verwandelte. Nachdem sich die Schläuche der Betankungsanlage zurückgezogen hatten, sendete Sheerer sein Bereitschaftssignal und wurde dann vom Deckoffizier in die Reihe der auf den Start wartenden Maschinen eingefädelt. Wenige Minuten später war er bereits draußen und formierte sich hinter seinem Staffelführer für den Flug zum Navigationspunkt, der etwa auf der Saturnbahn lag, wo sie sich mit den Bombern der Cobras treffen sollten. Seine Staffel waren die „Steel Eater“, die beste Staffel der Erdverteidigungskräfte. Als sie dort ankamen, war niemand da.
„Was ist hier los, wo sind die Bomber?“ fragte einer der Piloten über das Kommlink.
„Achtung habe seltsame Anzeigen von hinten, sie nähern sich schnell!“ schrie Sheerer seinen Kameraden zu.
„Das ist der Feind, verteilt euch und greift an!“ kam der Befehl vom Staffelführer.
„Achtung, Achtung, Feind hat uns gepeilt und hat den Kurs geändert. Sie kommen jetzt aus der Tarnung und eröffnen das Feuer. Feuer erwiedern!“
Schon blitzten die Waffen an den feindlichen Jägern auf und spien Tod und Vernichtung auf die menschlichen Verteidiger. Die erste Maschine aus Sheerers Staffel wurde getroffen und verschwand in einer gleißenden Explosion.
„Achtung, Defender 6, einer ist an dir dran, brich hart nach rechts weg, wenn ich es sage....Jetzt!“
Eine Sekunde später schoß der Staffelkamerad von Alan Sheerer auf den Feind, der sich an das Heck von Sheerer gehängt hatte und traf ihn auch, aber was war das? Der Treffer richtete keinen Schaden an, er verpuffte einfach an den überlegenen Schilden des Gegners.
„Scheiße, wir haben keine Chance, die werden uns fertig machen!“ Einer der jüngeren Piloten hatte den Schrei über den Komm-Link geschickt und wurde eine Sekunde später von einem Jäger des Konzils hingeschlachtet.
„Achtung, Defenders, zieht euch zurück, unsere Waffen richten nichts gegen sie aus, wir verschwinden und informieren das Oberkommando. Dann formieren wir uns neu bei diesen Koordinaten.“ Eine verschlüsselte Koordinatenreihe folgte.
„Defender 6 bestätigt und bricht den Kampf ab.“ antwortete Sheerer, der eigentlich nicht verstand, warum er noch lebte. Der Feind hatte von ihm abgelassen und war einfach weitergeflogen.
Die Reste der Staffel, sie hatten von ihren 12 Maschinen 7 verloren, flog zurück zur orbitalen Station Tk 12 und landete dort. Sheerer stieg aus seiner Maschine und lief mit den anderen ins Lagezentrum der Station, wo die Ordnung und Disziplin inzwischen zusammenzubrechen drohten. Die Operators hingen vor ihren Schirmen und schrien auf sie ein oder hämmerten mit den Fäusten darauf herum und als Alan Sheerer hinsah, sah er auch, warum sie das taten. Die Schlacht lief gelinde gesagt katastrophal für die Verteidiger. Es war den Cobras gelungen, ein feindliches Schiff von Kreuzergröße zu vernichten, aber sie hatten dafür mit ihrer beinahe totalen Vernichtung bezahlt und die feindliche Flotte drang weiter zur Erde vor und nun lag nur noch eine dünne Kette aus orbitalen Abwehrstationen zwischen ihnen und beinahe 8 Milliarden unschuldigen Menschen. Es würde ein furchtbares Blutbad geben, ein Gemetzel, wie es in der Geschichte der Menschheit noch keines gegeben hatte. Die Erde war verloren, soviel war mal sicher. Die Ingenieure auf der Erde arbeiteten immer noch fieberhaft daran, die Schildgeneratoren auf der Planetenoberfläche umzustellen auf die neuen technischen Spezifikationen, die vor einem Tag mit dem Kurierschiff von Cronos eingetroffen waren. Aber sie benötigten mindestens noch zwei weitere Stunden, bis der Schild, der den Planeten als ganzes schützen konnte, soweit war. Woher sollten sie diese Zwei stunden nehmen. Sie waren geschlagen und es war fast nichts mehr übrig, was noch kämpfen konnte. Die meisten anderen Jagdgeschwader der Abwehrstationen hatten noch viel schlimmere Verluste hinnehmen müssen oder waren sogar gänzlich vernichtet worden. Von den großen Schiffen, die umgerüstet waren, existierten nur noch eine beschädigte Korvette der Cobras und zwei Zerstörer der Z-Klasse, die aber ebenfalls in einem schlimmen Zustand waren.
„Wer hat hier das Kommando?“ fragte Sheerer.
„Ich, junger Mann. Wer sind sie und was wollen sie?“ fragte ein älterer Offizier mit den Rangabzeichen eines Commanders.
„Sir“ sagte Sheerer, „wir könnten doch den Pfad der feindlichen Flotte verminen, und so ihren Vormarsch aufhalten, um den Ingenieuren auf der Oberfläche Zeit zu verschaffen.“
„Und wer deckt die Patroullienboote, die die Minen legen, gegen die feindlichen Jäger? Die sind doch vernichtet, bevor sie auch nur eine Mine gelegt haben!“
In diesem Augenblick erklang ein neuer Alarm in der taktischen Zentrale der Station. Der Kopf des Radar-Offiziers flog herum.
„Sir, wir haben soeben den Eintritt von 12 gewaltigen Schiffen in den Erdorbit angemessen. Sie identifizieren sich als Unionsschiffe und .....schleusen etwas aus...kleine Objekte...es sind tausende Objekte, aber sie sind zu klein für Jäger. ...Nein Moment,...es sind Jäger, aber eine unbekannte Klasse...so winzige habe ich noch nie gesehen. Ein Schiff ruft uns.“
„Legen sie es auf den Schirm.“
„Achtung, Erdverteidigungskräfte, hier ist die U.W.S. Hornetmother One, Captain Douglas spricht. Wir sind hier, um sie zu unterstützen. Unsere Jäger stehen ihnen zur Verfügung. Was gibt es zu tun? Wo sind ihre zu schützenden Großkampfschiffe?“
„Hornetmother One, hier ist Commander Semjonov von der orbitalen Verteidigungsstation Tk 12 und wir haben keine Großkampfschiffe mehr, die man schützen könnte. Sie sind zu spät dran. Aber wir haben hier etwa 150 Systempatroullienboote, die bei einer Verminungsaktion beschützt werden müssen. Wenn sie das vielleicht übernehmen könnten?....."
„Roger, Tk 12, weisen sie ihre Boote an, eine besondere IFF-Kennung zu senden, damit wir sie erkennen können und dann kann es losgehen.“
Der Befehl ging an die Boote raus und sie änderten ihre IFF- Frequenzen entsprechend und begannen ihren Flug zum Marsorbit, der vermint werden sollte.
„Mein Gott, seht euch das an!“ stöhnte einer der taktischen Offiziere, als er zufällig auf den Sichtschirm der Station sah, der nach hinten zur Erde zeigte. Da kamen sie, die neuen Verteidiger, winzig, aber ungeheuer zahlreich....es waren wirklich buchstäblich Tausende und Abertausende. Sie verdunkelten binnen zwei Sekunden den gesamten Sichtschirm als sie an der Station vorbei flogen und zu den Patroullienbooten aufschlossen.
„Vielleicht haben wir alle doch noch die Chance, die Menschen unter uns zu retten.“ rief Semjonov aus, als die letzten der neuen Jäger vorbeigeflogen waren.
Der Feind hatte inzwischen den Orbit des Jupiter überschritten und näherte sich sehr schnell dem Asteroidengürtel, wo die Schiffe des Feindes mit der Geschwindigkeit heruntergehen mußten. Dort würde es eine kleine Verschnaufpause geben für die menschlichen Verteidiger. Während die großen Schiffe des Feindes, es waren noch 13 Stück, sich dort aufhielten, würden ihre Jäger sich allein auf die Patroullienboote stürzen und dort hofften die Menschen, ihnen lange genug standhalten zu können.
„Achtung, hier ist Defender One, an alle Defenders: Wir schließen jetzt zu den Patroullienbooten auf und unterstützen die Unionspiloten. Stellt eure Nav-Computer auf mein Signal und dann zündet eure Nachbrenner!“
„Defender 6 bestätigt. Ich bin direkt hinter dir, Defender One.“ Alan Sheerer fühlte, wie neuer Kampfgeist ihn durchströmte und er dachte bei sich Hey, wenn ich sterben muß, dann werde ich meine Haut so teuer wie möglich verkaufen!
„Achtung ich habe die letzten der Hornet – Schiffe auf dem vorderen Schirm. Entfernung 5-0-0 Km und abnehmend. Ich schlage vor, wir setzten uns an die Spitze und zeigen diesen rattengesichtigen Pennern mal, aus welchem Holz die Piloten dieser Staffel geschnitzt sind! Seid ihr dabei, Jungs?“
„Yeeeeh – Haaa!“ war alles, was aus den Lautsprechern in der Maschine des Staffelcommanders tönte, als seine Leute antworteten. Alle hatten begriffen, daß sie hier Erfolg haben mußten, koste es, was es wolle, weil sonst ihrer aller Familien unten auf der Erde und 8 Milliarden weitere unschuldige Menschen grausam abgeschlachtet werden würden. Jeder einzelne war bereit sein Leben für dieses Ziel zu geben, wenn es sein mußte.
Mit voll gezündeten Nachbrennern manövrierten sich die Mitglieder der „Steel Eater“ durch die Tausende von Unionsjägern und die Patroullienboote hindurch und waren im Nu an der Spitze der Armada, die in Richtung Feind flog. Kurz vor der Marsbahn hatten die Jäger Kontakt mit den Feinden und die Schlacht begann sofort.
„Achtung, Steel Eater, hier kommen unsere Freunde. Tretet ihnen in den Arsch! Brecht die Formation und rammt sie, wenn nötig.“
„Bestätigt.“ War die Antwort seiner Männer.
„Computer, erfasse nächstes Ziel und schalte auf. Gehe auf Kollisionskurs und zünde Nachbrenner...“
Der Jäger von Alan Sherrer machte erst eine 30°- Kurve und beschleunigte dann mit so großen Werten, daß Sheerer hart in den Sitz gepreßt wurde. Dann hatte er eine neue Idee und er begann zu lächeln. Er hatte nichts weiter zu tun, als sich zurückzulehnen und den Computer seine Arbeit machen zu lassen.
„Computer, suche in den allgemeinen Datenbanken, Musik....spiele ab: die 9. Symphonie von Beethoven“ Ein Grinsen erhellte seine Züge.
Der Computer begann mit dem Abspielen und die Neunte von Beethoven rauschte in voller Lautstärke durch das Cockpit seiner Rapier. Und dann sah er seinen Feind zum ersten Mal direkt durch die Cockpitsichtscheibe. Es war eigentlich nur ein verschwommener schwarzer Fleck und langsam näherte er sich von hinten dem feindlichen Schiff. Sheerer griff in seine Tasche und zog ein Foto heraus, von seiner jungen Frau und ihrem kleinen Baby.
„Entschuldige, daß ich zu deinen Geburtstagen in Zukunft nicht mehr da sein kann, aber das hier ist wichtig. Ich muß jetzt dafür sorgen, daß du alt werden kannst. Auf wiedersehen.“...eine Träne lief über seine Wange und er blickte auf seine Frau.
„Paß auf unsere Kleine auf und auch auf dich....ich liebe dich....wir werden uns wiedersehen.“
Dann gab es einen blendenden Blitz und ein modifizierter Rapierjäger detonierte am Heck eines schwarzen Flecks, der eine Milisekunde später ebenfalls detonierte.
Wenige Sekunden später gab es drei weitere Doppelexplosionen und weitere einfache Detonationen. Einige der „Steel Eater“ waren vor ihrem Einschlag abgefangen worden, aber drei weitere hatten ihre Ziele gefunden. Und danach existierten drei Jäger des Konzils weniger.
„Hier ist Hornet One 102, hören sie mich Tk 12?“
Commander Semjonov antwortete.
„Positiv, wir hören sie, HO 102. Was gibt es?“
„Ihre Boote beginnen jetzt mit der Verminung des Marsorbits, Sir.“
„Gut, fahren sie fort.“
„Sir? Sir, vielleicht sollten sie noch wissen, daß ihre Piloten hier draußen verdammt gute Arbeit leisten! Wir haben noch keine Ausfälle bei den Booten, ihre Leute in den Jägern haben die Feinde einfach gerammt. Sie scheinen alle die ersten sein zu wollen, wenn es ans Sterben geht.“
„Verdammt! Diese Kerle sind wirklich wahnsinnig! Dann tun sie ihre Arbeit und sorgen sie dafür, daß unsere Leute nicht umsonst gestorben sind.“
„Ja, sir.“
Und dann traf die Hauptmacht der Menschen mit ihren über 14.000 Jägern auf die Feinde und sehr schnell explodierten weitere Jäger, diesmal Schiffe der Union. Sie bemerkten recht schnell, daß es keinen Sinn hatte, auf den Gegner zu schießen, da er die Treffer einfach so wegsteckte. Also entschlossen sich auch viele Piloten der Union, die Feindschiffe zu rammen. Und wieder erschütterten doppelte Explosionen den Raum und inmitten der hin- und herrasenden Energiestrahlen, der Explosionen und des reiche Ernte haltenden Todes, fuhren die Patroullienboote ihre Mission und legten eine Mine nach der anderen. Und der Riegel, den sie auslegten, wurde breiter und breiter, bis schließlich das Ziel der Mission erreicht war und die Überlebenden Schiffe der Menschen, insgesamt noch ca. 5.000 Einheiten, zogen sich hinter den Sperrgürtel zurück. Die Feindjäger, inzwischen auf 726 Stück reduziert, nahmen die Verfolgung auf und trafen auf den Minengürtel. Dort mußten sie die bittere Lektion lernen, daß man Minen mit 1000 mt Sprengkraft besser nicht zu nahe kommen sollte. Und so zogen sie sich wieder etwas zurück, es waren noch 714 Jäger.

***

„Jägerkommandant an die Flotte: wir haben die Bildung eines Minengürtels nicht verhindern können, wir haben den Feind zwar vernichtend geschlagen, aber diese wahnsinnigen Wesen haben das einfach ignoriert. Wir haben buchstäblich Tausende von ihnen hingeschlachtet, aber die Überlebenden haben einfach weitergemacht. Viele haben sich selbstmörderisch auf unsere Jäger gestürzt und sie einfach gerammt. Wir....wir kommen nicht durch den Minengürtel durch, wir benötigen erst schweres Unterstützungsfeuer. Was sollen wir tun?“
„Erwarten sie die Ankunft der Flotte. Sie steckt momentan noch in diesem Trümmergürtel des Systems fest. In etwa 1,3 Stunden wird sie da sein.“
Was, wenn sie auf dem Planeten bis dahin diese neue magnetische Technologie zum Einsatz bringen? Dann wird der Angriff keine Aussicht auf Erfolg mehr haben!“
„Sie haben ihre Befehle, also führen sie sie aus.“


„Nachricht von der Erde, Sir. Sie haben die Arbeiten an den Schildgeneratoren abgeschlossen! Die Schilde sind aufgebaut.“
„Sehr gut, Test 1 kann gleich beginnen. Testladung eins ab....zielen sie auf das Zentrum der Sahara...falls etwas schiefgeht, töten wir wenigstens niemanden.“
Die erste Testladung wurde abgefeuert und traf bei etwa 200 km Höhe auf den Schild und detonierte, ohne den Schild auch nur zum Flackern zu bringen. Jubel erscholl im Lagezentrum der Station.
„RUHE!“ befahl Commander Semjonov daraufhin.
„Zweite Testladung abfeuern, selbes Ziel.“
Die zweite Ladung Antimaterie war mittelstark und hätte ausgereicht, den Planeten völlig zu vernichten, aber der Schild hielt stand und flackerte an der getroffenen Stelle nur einmal ganz kurz auf. Wieder erscholl Jubel, der jedoch gedämpfter ausfiel.
„Letzte Testladung abfeuern, mir ist egal, wo ihr hinzielt, wenn der Schild kollabiert, wird der Planet in 1 Sekunde nur noch Strahlung sein.“
„Letzte Testladung abgefeuert.“ Die Stimme des Waffenoffiziers klang sehr gepreßt.
„Treffer, aber der Schild .... er hält! Der Schild hält das aus und hat nach 3 Sekunden die lokale Schwäche wieder ausgeglichen!“ Es war momentan totenstill im Raum, Commander Semjonov drehte sich um.
„Na was ist? Jetzt jubelt schon, ihr Hunde! Unsere Familien werden morgen noch leben!“
Ein wahrer Sturm der Begeisterung brandete nun auf und die Besatzung fiel sich freudig um den Hals. Die Männer und Frauen schlugen sich lachend auf die Schulter.
„So. Genug gefeiert jetzt! Begeben sie sich in die Schiffe und Rettungskapseln. Wir müssen alles Personal auf die Oberfläche evakuieren. Los bewegen sie sich!“
Semjonov starrte auf den Taktikschirm der Station und sah, wie die restlichen Jäger der Union wieder auf den Dreadnoughts landeten und kurz darauf aktivierten die riesigen Leviathane ihre Hypertriebwerke und waren mit einem gewaltigen Aufblitzen im Hyperraum verschwunden.

„Oh Gott, der Feind ist bereits unterwegs zur Erde.“ Briggs war blaß geworden, als er die verschlüsselte Meldung gelesen hatte, die der Kom-Offizier auf seinen Schirm gelegt hatte, nachdem sie vor etwa 3 Minuten eingetroffen war. Sie kam direkt aus dem Hauptquartier auf Cronos.
„Achtung, stellen sie eine Verbindung her zu allen Schiffen der Angriffsgruppe.“
„Verbindung steht, Sir.“
„Achtung, wir haben soeben die Meldung erhalten, daß der Feindwiderstand hier nur deshalb so gering ist, weil die Hauptflotte schon unterwegs ist zur Erde. Wir müssen damit rechnen, daß der Planet zerstört wird. Hiermit entbinde ich als rangältester und daher befehlshabender Offizier der Einsatzgruppe sie alle von ihrer Verantwortung. Sie werden auf mein Kommando hin alle Ziele angreifen und vernichten, die ich ihnen vorgebe. Sollte die Nachricht von der Vernichtung der Erde sich bestätigen werden wir ihren Hauptsiedlungsplaneten mit allen darauf lebenden Kreaturen in die Hölle schicken. Bestätigen sie das. Vermerken sie es meinetwegen in ihren Logbüchern, wenn sie wollen!“
„Kommandant, die anderen Captains bestätigen den Befehl.“ Die Stimme des Kom-Offiziers hatte einen verbissenen Klang, jeder auf der Brücke konnte die Entscheidung von Briggs verstehen, aber es gehörte doch einiges an Selbstvertrauen dazu, die Verantwortung für den Tod von unzähligen Zivilisten zu übernehmen.
„Dann geht es jetzt los. Ignorieren sie die Jagdmaschinen und jeder zerstört zuerst die ihm zugewiesenen Ziele. Gute Jagd!“
Briggs sah in Richtung des Kom-Offiziers.
„Öffnen sie eine Bord-Verbindung!“
„Sie können sprechen, Sir.“ kam die prompte Antwort des Kom-Offiziers, nachdem er ein paar Knöpfe gedrückt hatte.
„Achtung an alle, hier spricht der Kommandant. Ich muß sie darüber in Kenntnis setzen, daß wir soeben die Nachricht des Oberkommandos erhalten haben, daß der Gegner die Erde anfliegt und sie wahrscheinlich zerstören wird. Es tut mir sehr leid, für alle, die Familie auf der Erde haben. Aber ich habe den Entschluß gefaßt, bei bestätigter Vernichtung der Erde den Feind dafür teuer bezahlen zu lassen. In diesem Fall werden wir seinen Siedlungsplaneten zu Asche verbrennen! Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit!“


„Setzen sie einen Spruch an das Kommando auf Cronos ab. Sagen sie ihnen, daß wir jetzt alle Stationen im Außenorbit mit Hyperfunkrelais räumen müssen. Der Feind nähert sich dem Orbit und wir evakuieren alles Personal auf die Oberfläche. Dann aktivieren wir den Schirm und wir können nur hoffen, daß er hält.“
Der Commander wollte sich schon abwenden, da fiel ihm noch etwas ein.
„...ach und sagen sie denen auch noch, daß wir für die Daten der Schildtechnologie dankbar sind. Wenn wir das hier überleben, werden wir der Union verdammt viel zu verdanken haben. Ich könnte mir vorstellen, daß die Flotte und die Bevölkerung der Liga das nicht vergessen werden. Vielleicht werden einige Köpfe rollen. Die vom Senat haben nichts getan, um uns zu helfen.“
„Ja....Commander?“
„Was?“
„Wollen sie wirklich, daß ich den zweiten Teil der Meldung absende?“
Semjonov blickte den Lieutenant starr an.
„Sagen sie, haben sie Familie auf der Erde?“
Der andere blickte zu Boden, er hatte verstanden.
„Ja, Sir...Ich werde die Meldung rausschicken. Entschuldigung, Sir...“
„...und dann begeben sie sich auf dem schnellsten Weg zur nächsten Rettungskapsel oder zum nächsten Shuttle und fliegen auf die Oberfläche.“
Der Lieutenant salutierte und dann eilte er davon.
Commander Semjonov sah sich noch einmal im Lagezentrum der Station Tk 12 um, seiner Station, dachte er, während sein Blick durch den Raum wanderte. Dann wandte er sich ab und eilte zum nächsten Evakuierungsshuttle.
Wenige Minuten später, kurz bevor die Flotte des Konzils die Erde erreicht hatte, wurde der Schild aktiviert. Das letzte Shuttle hatte den Schildradius eben passiert, da leuchtete schon der bläuliche Schimmer des Schildes und verlieh dem Planeten ein unwirkliches Aussehen.


„Kommandant, die Menschen haben einen Schirm um ihre Welt errichtet. Sie setzen eine neue Technologie ein. Der Schirm ist magnetisch und er scheint stark genug zu sein, um sogar das Feuer aus den Geschützen unserer Kreuzer zu blockieren. Wie lauten ihre Befehle?“
„Was soll das heißen? Wie können sie solche Mengen an Energie erzeugen? Die Aufklärung hat doch ergeben, daß sie die direkte Vernichtung von Materie und Antimaterie noch nicht beherschen. Wie können sie den Schirm dann aufrechterhalten. Etwa mit ihren lächerlichen Fusionskraftwerken?!“
„Wir wissen es nicht, aber der Schirm ist da und er flackert auch nicht ein bißchen. Sie scheinen genug Energie zu haben. Nur die Geschütze eines Schiffes der Schlachtschiff – Klasse haben genug Feuerkraft, um den Schild anzugreifen. Und wir benötigten mindestens zwei davon, um Schaden anzurichten“
„Wir haben aber nur das Flaggschiff und das ist nicht mal in diesem System. Bis es hier ist, haben die Menschen möglicherweise die Enklave schon angegriffen. Sie haben selber gehört, was der Flottenkommandant gesagt hat. Sie würden nicht mehr lange auf sich warten lassen.“
„Was sollen wir also tun?“
„Zuerst werden wir uns ihrem Mond zuwenden und alle industriellen und militärischen Ziele vernichten. Dann werden wir weiter sehen. Weisen sie unsere beiden Begleitkreuzer an, das Feuer auf alle erkannten Ziele zu eröffnen. Wir werden zuerst alle orbitalen Installationen vernichten.“
„Ja, Kommandant.“
Der Offizier ging hinaus und ließ den Kommandanten zurück, der an einer der Sichtluken des privaten Kommandoraumes des Schiffskommandanten stand und auf die Erde hinabblickte.
Diese Tiere sind bessere Kämpfer, als unsere Regierung angenommen hat. Sie haben Kampfgeist und nun haben sie offensichtlich auch noch einen Weg gefunden, sich gegen uns zu schützen. Wir sollten vorsichtig sein. Vielleicht ist es besser, wir kehren in die Enklave zurück und unterrichten den Flottenkommandanten von der veränderten Lage.


„Sir, die Erde hat es geschafft! Sie konnten den Schirm aktivieren, bevor die Flotte des Feindes den Orbit erreichte“ Eine Kom Technikerin hatte Freudentränen in den Augen und Briggs sah viele der Leute auf der Brücke stumm und wie gelähmt aussehend dasitzen, während sie diese Nachricht verdauten.
„Na was ist denn los mit euch? Nun jubelt schon, ihr Hunde! Die Erde lebt noch!“ Briggs reckte die Siegesfaust empor und plötzlich brach auf der Brücke und auch auf dem Rest des Schiffes ein Jubelsturm los, als sich die Nachricht rasend schnell verbreitete. Auf den internen Schirmen konnte man sehen, wie sich Besatzungsmitglieder lachend auf die Schultern klopften, Unions- und Ligapersonal umarmte sich lachend und ließ die Techniker der Station Swift Tuttle, die den Erfolg erst möglich gemacht hatten, hochleben.
„Achtung, Nachricht an die Jäger, sie sollen starten.“ Schrie Briggs gegen den Lärm an und die Leute begannen wieder sich zu beruhigen. Die Jäger starteten eine Minute später, die Sprinter hatte sich ihrem Ziel, dem äußersten Planeten des Systems bis auf 50000 Kilometer genähert.
„Eine Leitung zu den Jägern.“ Briggs sagte das ohne den Kom-Offizier auch nur anzusehen.
„Leitung steht, Sir.“
„Piloten, sie haben Anflugfreigabe, sie müssen nicht besonders sorgfältig zielen, aber ich möchte, daß sie die Torpedos auf 10 Sekunden Zeitverzögerung einstellen. Klinken sie sie erst bei 10 Km Höhe über der Planetenoberfläche aus und machen sie dann kehrt. Sie werden alles aus ihren Maschinen herausholen müssen, um lebend da raus zu kommen. Viel Glück!“
Die Jäger gingen in den Tarnmodus und begannen ihren letzten Zielanflug. Die Computer der Sprinter und der Jäger hatten vorher für jede Maschinen einzeln errechnet, wie lange sie mit einer festgelegten Geschwindigkeit im Tarnmodus in die einmal eingeschlagene Richtung fliegen mußten, so daß sie den Tarnmodus ca. 10 Km über der Oberfläche verließen. Nun, man konnte nur hoffen, daß die Berechnungen stimmten. Die Sprinter würde jetzt hier die Position halten, während die Jäger den Planeten anflogen und ihn zerstörten.
Die Minuten vergingen nur zäh und unendlich langsam an Bord der Sprinter, während die Brückencrew auf den Funkspruch der Jägerpiloten wartete.
Bei Erreichen der 10 Kilometer – Marke schalteten sich die automatischen Tarnschirme der Sundancer – Klasse Jäger aus und die Piloten flogen halsbrecherische Abwehrmanöver.
„Achtung, Sprinter, hier Eagle One, sie haben auf uns gewartet. Sie feuern aus allen Rohren...wir haben Verluste, wir werden...Verdammt!“
„Eagle One, was ist passiert?“ Eagle One!“
Die Sekunden vergingen...
„Hier ist Eagle One, ich hatte einen leichten Streifschuß in den Schilden, nichts Ernstes, aber der Ausklinkmechanismus meines Torpedos hat sich verklemmt. Ich kann nicht mehr feuern, wiederhole, kann nicht mehr feuern.“
Auf den Schirmen der Sprinter, die mit Daten aus den Langstreckensensoren, sowie mit Daten aus den Telemetriekameras der Jäger versorgt wurden, erloschen immer mehr Lichter, die die eigenen Jäger darstellten, es waren nach einer Minute nur noch 4 der Jäger intakt.
„Sprinter, hier Eagle One, wir schaffen es nicht, sie schießen uns mit den bodengebundenen Abwehrsystemen einfach zusammen, wir sterben wie die Fliegen!“
Weitere Zwei der Jäger verschwanden in Explosionen und das faßte der Commander des Jagdgeschwaders einen schweren Entschluß.
„Sprinter, verschwinden sie schon, ich werde meinen Tarnschirm aktivieren und den Torpedo auf 30 Sekunden und Aufschlagzündung schalten, dann geht er so oder so hoch. Bitte vergeßt uns uns nicht!“
Aus. Der Pilot hatte abgeschaltet. Auf dem Hauptschirm sah man eine letzte Explosion, als der letzte der Flügelmänner von Eagle One vernichtet wurde und dann verschwand der Sundancerjäger von Eagle One plötzlich vom Schirm, aber er war nicht getroffen worden.
„Ok, ok, ok....habt ihr mich am Ende also doch noch gekriegt, ihr Teufel, aber ich werde euch mitnehmen in die Hölle......Ich werde euch alle vernich...“
Stille, für einen Augenblick schien das Universum den Atem anzuhalten, dann erschien an einem Punkt des Planeten plötzlich ein sonnenheller Lichtpunkt, der sich unglaublich schnell ausbreitete und den Planeten als Ganzes verschlang. Eine Sekunde später war der Schirm schwarz geworden, da die Bugkameras sich abgeschaltet hatten, die Helligkeit hatte ihre Toleranzwerte überschritten und die Brückencrew der Sprinter nur mit dem Tanzen bunter Lichter vor ihren Augen zurückgelassen. Sie waren von der Helligkeit leicht geblendet worden.
„Alle Schilde auf volle Kraft, die Strahlungswelle wird uns jeden Moment überrollen.“ brüllte Briggs den Taktik-Offizier an.
Dann wurde die Sprinter von einer titanischen Faust getroffen und wild durchgeschüttelt. Zuerst wurde die Brücke erhellt vom Durchbrennen vieler Systemschaltkreise, dann wurde es komplett schwarz im Raum.
„huaaah, huaaah, huaaah, huaaah“ tönte es aus den Lautsprechern, als nach dem Energieausfall, der das kleine Schiff bei Durchgang der massiven Strahlungswelle ereilt hatte, die Resevegeneratoren ansprangen.
„Statusbericht!“ Briggs hatte sich vom Boden aufgerappelt und sah sich auf der Brücke um. Viele waren verletzt und bluteten aus kleineren Verletzungen, die sie sich bei Stürzen zugezogen hatten.
„Alle Systeme zur Feindbekämpfung ausgefallen, komplette Ortung ausgefallen, Jägerhangar leck, wir verlieren Luft, die Atmosphärenkraftfelder sind zusammengebrochen, Triebwerk intakt, Hyperantrieb intakt, Schilde auf 12 % gefallen, aber intakt, Magnetschild ausgefallen, Strahlungsniveau gefährlich hoch, aber stabil.“ Jenkins hatte den Bericht gegeben, während er sich eine Wunde am Arm abband, die stark blutete.
„Schiff wenden und auf Heimatkurs gehen! Alarmieren sie die Flotte, sagen sie ihnen, daß sie innerhalb von drei Stunden weg sein müssen, bevor die Strahlungswelle sie überrollt, sie haben keine Magnetschilde und sie würden von der Strahlung vernichtet werden.“
„Spruch ist raus und die Flotte hat bestätigt, sie beginnen mit dem Rückzug.“
Niemand an Bord der Sprinter jubelte, sie hatten ihren Auftrag erfüllt und den Planeten, das größte industrielle Zentrum des Feindes, vernichtet, aber es hatte sie wieder viele gute Männer gekostet, hier auf der Sprinter und auch im Rest der Flotte waren heute Tausende Menschen gestorben.
„Sir, die Flotte meldet, daß auch die übrigen Korvetten ihre Ziele vernichtet haben, die Verluste unter den Jägern waren geringer als unsere, aber die Leningrad ist bei der Explosion eines Planetoiden vor ihr leider vernichtet worden, ihre Schilde waren durch Dauerfeuer aus den Geschützen auf dem Planetoiden geschwächt, als die Strahlung sie überrollte.“
„Gut. Vielleicht haben wir hier heute noch das schlimmste verhindern können, wir haben dem Feind einen harten Schlag versetzt. Bringen sie uns jetzt nach Hause, Navigation. Reparaturtrupps an die Arbeit!“
Briggs setzte sich hin und lehnte sich in den Sessel zurück, während er an alle die Menschen dachte, die er heute gerettet hatte, aber am meisten dachte er daran, daß er Alicia gerettet hatte.


Die Schiffe des Flottenkommandanten traten in die Enklave ein und sendeten den Standardidentifikationscode. Es kam jedoch keine Antwort von den Basen im Trümmergürtel oder auf dem äußeren Planeten, es gab dafür aber ein unglaublich hohes Strahlungsniveau, das die Detektoren alarmierte, die losschrillten.
„Was ist hier los?“ fragte er ungläubig seinen Steuermann.
„Kommandant, laut Systemteleskop gibt es keinen Trümmergürtel und äußeren Planeten mehr. Sie sind verschwunden!“
„Was soll das heißen?“ brüllte er den Mann an, der zusammenzuckte.
„Ich weiß auch nicht Kommandant, aber die Strahlungshöhe legt eine Vernichtung durch massives AM-Bombardement nahe.“
„Verdammt, die Menschen waren schneller. Fliegen sie den Hauptplaneten an.“
„Jawohl, Kommandant.“
Als das Schiff der Schlachtschiffklasse in den Orbit einschwenkte, wurde dem Kommandanten das ganze Ausmaß der Katastrophe bewußt. Der Planet war von mehreren Wellen hochenergetischer Partikelfronten getroffen worden, aus mehreren Richtungen und mit unterschiedlicher, aber jedesmal verheerender Stärke. So ähnlich mußte es damals nach dem großen Desaster auf allen Konzilswelten ausgesehen haben, das den ersten Untergang des Konzils herbeigeführt hatte.
„Gibt es Lebenszeichen?“
„Hmmm, nein, alle Maschinen haben den Betrieb eingestellt, wahrscheinlich durch die Strahlung stillgelegt. Die Strahlungsschilde sind spätestens nach der dritten Front zusammengebrochen, alles Leben, natürlich und konziliar, ist ausgelöscht worden. Nicht mal ein Bakterium existiert dort unten!“
„Das ist es also. Wir haben verloren.“ Der Kommandant ließ den Kopf hängen und faltete die Hände zusammen, er hatte eine Frau und einen Sohn auf der Oberfläche gehabt.
„Sir, wir haben weitere Schiffe der Flotte geortet, die in das System eintreten und den Planeten rufen...“
„Antworten sie ihnen und befehlen sie sie in den Orbit zu uns. Ich will alle Kapitäne in zwei Standardzeiteinheiten in meinem Raum sprechen.“
Nach der angeordneten Zeit, waren etwa 75% der Kapitäne versammelt, die anderen Schiffe waren entweder noch nicht zurück, oder zerstört.
„Also, was sollen wir nun tun?“ Einer der jüngeren Kapitäne hatte das Wort ergriffen.
„Wir haben noch immer eine schlagkräftige Flotte, obwohl wir leider keinen ihrer Hauptplaneten zerstören konnten, sage ich: Schlagen wir zurück und baden die Menschen in ihrem Blut!“
„Nein, sie haben gezeigt, daß sie uns schlagen können und sie haben es auf eine fatal effektive Weise bewiesen. Wir haben nichts mehr, keine Fabriken, keine Soldaten, keine Welt. Wir sind vernichtet. Wir haben nur noch diese Schiffe und die Männer und Frauen in ihnen.“ Einer der älteren Kommandanten, der noch zur ersten Klongeneration gehörte, hatte gesprochen.
„Wir sollten Frieden schließen und irgendwo eine Kolonie gründen. Wir haben genug Individuen aus allen 5 Rassen, um eine genetische Gesundheit sicherzustellen. Wir sollten uns vor den Menschen verstecken, bis wir wieder stark sind.“
Ja. Sie alle haben recht, aber die älteren haben wie immer mehr Weisheit, als die Jüngeren. Wir werden uns verstecken und weit fortgehen, um von vorne zu beginnen. Sie können gehen. Wir werden nur noch die restlichen Schiff abwarten und dann aufbrechen, um eine solche Welt zu finden.“ Die Kommandanten erkannten alle, daß die Entscheidung des Flottenkommandanten gefallen war.


„Ich dachte, Du wärst tot, als ich von den schweren Verlusten hörte, die die Flotte erlitten hat, als sie in der Blase war.“ Alicia weinte vor Glück, als sie Briggs in die Arme fiel.
„Beinahe, die Strahlungswelle hat beinahe dasselbe mit uns gemacht, wie mit den armen Kerlen von der Leningrad.“
„Haben wir gewonnen?“ Sie sah im mit Tränen in den Augen ins Gesicht und wartete.
„Nun, nein, beide Seiten haben eigentlich verloren, aber wir haben wohl weniger verloren, als die anderen. Die Strahlungswellen haben ihren Hauptplaneten sterilisiert. Sie müssen Milliarden Tote gehabt haben.“
„Ich gönne es diesen Tieren! Sie haben uns hinterrücks angegriffen und umgebracht.“
„Genug davon. Ich will nie wieder weg von dir, um jemanden zu töten. Sag, willst du mich heiraten?“ Ein Lächeln umspielte Steven Briggs Lippen, als sie ja sagte. Er hatte seinen Krieg hinter sich, er war nach hause zurückgekehrt. Zum ersten Mal in seinem Leben, war er nun wirklich zu hause.


Epilog:
„Wir haben eine Welt gefunden, die unseren Spezifikationen entspricht, aber sie ist sehr kalt. Sie kreist um einen sehr alten Stern, war wohl mal ein weißer Zwerg, ist aber zu einem schwarzen Zwerg erkaltet. Der stern und der Planet müssen wenigstens 25 Milliarden Jahre alt sein.“
„Bereiten sie das Aussetzen von Fusionssonnen vor und auch die Standardterraformprozeduren, dann landen sie.“
Der Navigator drückte eine Reihe von Köpfen und meldete dann die Bereitschaft.
„Gut, tun sie es.“
Der Planet wurde plötzlich erhellt, als ein Dutzend der neu entwickelten Fusionssonnen zündeten und den Planeten in ein warmes, dem Licht der Blasensonne nachempfundes Licht tauchten. Die Temperaturen auf der Oberfläche schnellten in wenigen Standardzeiteinheiten in die Höhe und die ausgestreuten Bakterien und winzigen, einzelligen Pflanzen verwandelten die entstehende Atmosphäre in ca. 2 Wochen in eine Atembare. Die Schiffe landeten und wurden demontiert, um als Grundstock für die erste Stadt zu dienen. Der Kreis hatte sich geschlossen.
Langsam kreiste der Planet um seinen schwarzen Stern, nur erhellt von 12 kleineren Ausgaben einer weit entfernten Sonne in einem unwahrscheinlichen Kontinuum.

 
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16.07.2001
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Tipp: Wenn eine Kurzgeschichte schon so lang ist, dann sollte zumindest der Anfang spannend sein... (Ich habe nichts gegen lange Kurzgeschichten.)Eine vernünftige Bewertung kann ich leider nicht bieten, weil ich irgendwo im 2. Absatz nicht mehr weiter lesen konnte.

 
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19.07.2001
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Dann finde ich aber, daß man lieber keine Kritik postet, bevor man nicht alles gelesen hat.

*wendet sich der Geschichte zu, so es seine Zeit zuläßt*

 
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02.06.2001
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Ich bin zwar noch nicht ganz durch, aber stellenweise finde ich die Story sehr interessant. Am Stil könnte man sicher noch feilen, sehr holprig das ganze, aber das soll nicht bedeuten, dass mir die Story nicht gut gefiele.
Wenn´s noch mehr von dir gibt - her damit! :-)

 
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19.07.2001
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Hab die Geschichte jetzt mal ganz durchgelesen.
Mich hats nach den ersten paar Absätzen schon gepackt und ich sage:
"Wahnsinn! Klasse Geschichte!"

*begeistert ist*

 
Wortkrieger-Team
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Hm, täusch ich mich? Oder lese ich da Perry Rhodan-Basisgedanken heraus?

Morphin

 

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