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Der Spiegel zwischen uns

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02.02.2026
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Der Spiegel zwischen uns

Es gibt Menschen, die man nicht kennt und die trotzdem auf seltsame Weise in einem wohnen. Seit drei Monaten kreuzt sie meinen Weg – in den Pausen, im Treppenhaus – und jedes Mal huschen meine Augen von selbst zu ihr als gehörten sie nicht mehr zu mir. Ich habe nie mit ihr gesprochen – doch irgendwas an ihr ist in einer eigenen Sprache verfasst – einer solchen, die keine Worte braucht, um zu wirken.

Und doch – vielleicht sogar genau deswegen – versinken meine Blicke immer im Nichts, denn ich glaube – ja ich weiß – dass ich für sie nur ein Gesicht bin wie viele andere auch. Manchmal fühlt es sich an, als hätte etwas Namensloses einen Spiegel zwischen uns errichtet. Jeder Blick mit dem ich versuche sie zu erreichen, wird zurückgeworfen – zeigt mir wie unerfüllt und naiv mein Ebenbild eigentlich ist. Ist es etwa Schicksal, dass ihr Anmut mich zu ihr zieht – ist es etwa Schicksal, dass dieser Spiegel sie immer ferner erscheinen lässt?

Solch flüchtige Augenblicke sind schon längst zu einem Reflex geworden – ein halbes Lächeln, das nicht mir gehört, oder eine Strähne ihres schulterlangen Haares, die sie gedankenleer hinter ihr Ohr streicht – diese liebliche Süße, die sie umgibt, eine, die mit Absicht nichts zu tun haben kann. Auch in ihrem Gesicht liegt etwas Sanftes, fast Scheues, das mich unweigerlich langsamer werden lässt nur um ihr gerecht zu werden. Ihre Augen leuchten aus dieser Pracht heraus, ruhig und klar, wie ein Meer aus Saphiren – genau still genug, um für immer darin zu versinken – und doch so wild, dass sie einen anziehen wie tausend Sirenen.

Eines Tages jedoch, veränderte sich alles was zwischen uns lag: Diese Sehnsucht an dessen Krugs meine Lippen einsam hingen – dieses Bedürfnis an dem ich zu verdursten gedachte – wurde endlich gestillt. Denn aus Blicken wurden Worte und aus Träumen wurden Momente. Zu zweit dort stehend schien das Gelächter der anderen völlig von uns abzuprallen, als wären wir in einer eigenen Schicht der Wirklichkeit angekommen – in einer, in der die Sekunden in einem anderen Tempo tickten.

Ihre Stimme wehte leise wie ein warmer Sommermorgen, als wäre sie direkt aus diesem Moment geboren. Die Worte klangen aus ihrem Mund wie eine vorsichtige Melodie, als hätte sie Angst, diesen sanften Zauber zwischen uns zu zerbrechen. In mir erwachte ein Gefühl, das ich noch nie zuvor erfahren durfte – eines, dass sich zwischen Ankommen und Verlieren nicht entscheiden konnte.

Unsere Schritte wurden wie auf Engelsflügeln durch die Gänge getragen – ganz ohne Plan, ganz ohne Ziel – denn dieser Moment war bereits das, nach was sich mein innerer Sisyphos immer sehnte. Sie erzählte mir über einen Kurs, den sie gleich haben würde, und ich ertappte mich dabei, wie ich weniger ihren Worten folgte, sondern eher der Ballade, in die ich hineingetreten war.
Es fühlte sich gut an, dass dieser Spiegel, den ich zwischen uns vermutete, endlich durchbrach.

Als wir schließlich vor der Tür ihres Klassenraums stehenblieben, schenkte sie meinen Augen einen letzten, tiefen Blick, der Balsam für mein Herzen war. Ihr Lächeln war keines der Höflichkeit, keines für Fremde – sondern eines, das wirklich ankommt.

Winzige Tränen lösten sich aus meinen Augenlidern – jede einzelne befüllt mit Gefühlen, die sich über all die Zeit anstauten. Langsam begann ihr weiches Gesicht zu verschwimmen wie ein Aquarell, das mit zuviel Wasser gemalt wurde.

Das Licht im Flur wurde greller, stechender, bis es fast weiß wurde. Reflexartig schlossen sich meine Augen und als ich sie wieder öffnete sah ich nichts als meine tiefschwarze Zimmerdecke. In diesem Moment wusste ich es.

Verzweifelt sank ich zurück in mein Kissen der Sehnsucht und hoffte diesen Moment irgendwie zurückerlangen zu können.

Doch tief in mir wusste ich längst, dass ich es nicht kann...

 

Hallo @Fynn201 und erst einmal herzlich willkommen im Forum. In deiner Profil-Beschreibung steht, dass du hier bist, um Feedback zu bekommen – das wünschen wir uns natürlich alle und damit das hier auch so funktioniert, ist es ein Geben und Nehmen. Je mehr man sich aktiv im Forum einbringt, d. h. auch die Texte von anderen liest und kommentiert, desto mehr wird man Teil der Gemeinschaft und desto mehr lernt man (auch durch das Lesen und Kommentieren anderer Texte), sich selbst weiter zu verbessern.

Zu deinem Text: Grundsätzlich lese ich auch gerne Texte, die eher monologisch sind und sich auch in Gedanken verlieren. Hier ist mir das alles aber noch zu unklar/die Bilder kann ich in Teilen nicht konkret greifen und dementsprechend fühle ich beim Lesen nichts. Ich hab ein paar Stellen raus zitiert, in der Hoffnung, dass sie dir helfen zu verstehen, was ich meine.


Es gibt Menschen, die man nicht kennt und die trotzdem auf seltsame Weise in einem wohnen.
Ich schätze, hier ist dieses Gefühl gemeint, dass man jemanden schon irgendwie kennt, man fühlt sich jemandem verbunden, den man eig. nur beobachtet hat. Aber das steht hier so nicht. Wie genau also wohnen diese Menschen in einem? Wie kann man sich das vorstellen mAn ist das schwammig.

Seit drei Monaten kreuzt sie meinen Weg – in den Pausen, im Treppenhaus – und jedes Mal huschen meine Augen von selbst zu ihr als gehörten sie nicht mehr zu mir.
Auch hier. Gemeint ist vermutlich, dass der/die Protagonist/in nicht hinschauen will, aber er/sie kann es einfach nicht verhindern. Das ist eine Emotion, die man im Grunde gut nachvollziehen kann, wenn sie denn als solche auch da steht und beschrieben wird. Hier klingt es aber stattdessen gezwungen mystifiziert und erfüllt daher mAn nicht den Zweck.


Ich habe nie mit ihr gesprochen – doch irgendwas an ihr ist in einer eigenen Sprache verfasst – einer solchen, die keine Worte braucht, um zu wirken.
Auch hier, es wirkt, als würde eine Emotion, die ein jeder von uns (gerade in der Teenie-Zeit) sicher schon mal erfahren hat, verschnörkelt und mystifiziert werden, anstatt konkret zu benennen und den Leser so mit in die Emotion rein zu ziehen. Mich distanziert das mehr von dem Protagonisten/der Protagonistin.

Und doch – vielleicht sogar genau deswegen – versinken meine Blicke immer im Nichts, denn ich glaube – ja ich weiß – dass ich für sie nur ein Gesicht bin wie viele andere auch.
Hier kann ich den Gedankengang gar nicht nachvollziehen. Inwiefern versinken die Blicke im Nichts? "Nichts" ist ein sehr großes Wort, das nicht unbedingt etwas mit einem Versinken in der Masse zu tun hat. Ich schätze mal, es ist gemeint, dass ihr seine/ihre Blicke nicht auffallen und das das mit einem "versinken im Nichts" gleichgesetzt wird. Funktioniert für mich an der Stelle nicht.

Manchmal fühlt es sich an, als hätte etwas Namensloses einen Spiegel zwischen uns errichtet. Jeder Blick mit dem ich versuche sie zu erreichen, wird zurückgeworfen – zeigt mir wie unerfüllt und naiv mein Ebenbild eigentlich ist.
Auch hier, es wirkt gezwungen Mystifiziert. Warum muss etwas Namenloses einen Spiegel zwischen die beiden richten, dass Blicke zurückwirft? Soll das eine Umschreibung für Unerreichbarkeit sein?

Ist es etwa Schicksal, dass ihr Anmut mich zu ihr zieht – ist es etwa Schicksal, dass dieser Spiegel sie immer ferner erscheinen lässt?
Es ist "die Anmut", nicht der. Dann kommt wieder eine Mystifizierung. Wieso ist es jetzt das Schicksal, dass da dazwischen steht und ich weiß nicht, bei einem Spiegel hab ich jetzt nicht unbedingt ein Bild im Kopf, der jemanden weiter in die Ferne rückt. Besser wäre etwas Konkretes, als das Abstrakte, auch in einem Monolog. Man kann ja zwischendurch abschweifen, auch in einem Monolog unsinnige Vergleiche haben, die der Protagonist/die Protagonistin ggf. auch selbst korrigiert. Aber hier verschwimmt alles im Abstrakten. Auch das hier:

Solch flüchtige Augenblicke sind schon längst zu einem Reflex geworden – ein halbes Lächeln, das nicht mir gehört, oder eine Strähne ihres schulterlangen Haares, die sie gedankenleer hinter ihr Ohr streicht – diese liebliche Süße, die sie umgibt, eine, die mit Absicht nichts zu tun haben kann.
Was soll das heißen? Welche flüchtige Augenblicke sind denn für wen genau zu einem Reflex geworden? Wie wird denn ein Augenblick zu einem Reflex?


LG Salatze

 

Danke dir erstmal für das Feedback, ist wirklich hilfreich und ich verstehe auch die verschiedenen Kritikpunkte. Es wirkt man manchen Stellen wirklich etwas gekünstelt und gezwungen metaphorisch vielleicht. Ich schreibe meist, wenn ich in der richtigen Gefühlslage dafür bin und dann kommt da intuitiv was raus. Vielleicht sind die Gefühle dann zu persönlich. Werde das mal beobachten, dein Feedback war dafür gut.
Und ich freue mich auch hier zu sein, werde bei anderen auch mal drüberschauen :)
LG Fynn

 

Hi @Fynn201,

willkommen hier. Das liest sich schon fast autobiographisch und ein wenig therapeutisch für mich.

Wenn dem so ist, dann kommentiere ich keinesfalls, weil das hier auch eine Textwerkstatt ist und aus meiner Erfahrung die Textarbeit in solchen Fällen immer schiefgeht.

Außerdem lässt Deine Reaktion auf @Salatze längeren Kommentar nicht hoffen, dass Du ernsthaft Textarbeit betreiben möchtest, sondern das klingt so, als ob Du einfach hier weiter Texte einstellen möchtest und sehen, wie sich das für Dich entwickelt mit den Gefühlen, die Du textlich so umsetzt.

Das kannst Du natürlich gerne so machen, aber es dürfte dann schwierig werden, weitere und vor allem detaillierte Kommentare zu bekommen.

Viel Spaß im Forum.

Gruß Geschichtenwerker

 

Hallo @Fynn201,
vorab schonmal: Ich bin selbst noch super neu auf dieser Plattform und habe dementsprechend wenig Erfahrung. Deswegen möchte ich meine Kritik auch eher kurz halten. Wie gesagt, ich übe noch 😅

An sich mag ich Geschichten über Romanzen, sie können einen trotzdem berühren, auch wenn sie an Stellen zu generisch werden. Aber deine Geschichte scheint nur davon zu leben, sie besteht fast vollständig aus Clichés. Das ist schade, denn es gibt auch vielversprechende Stellen, an dem man spürt, dass sie wirklich von dir kommen. Diese gehen im Text aber leider verloren.

ein halbes Lächeln, das nicht mir gehört, oder eine Strähne ihres schulterlangen Haares, die sie gedankenleer hinter ihr Ohr streicht – diese liebliche Süße, die sie umgibt, eine, die mit Absicht nichts zu tun haben kann.
Das ist eine Textstelle die das sehr gut verdeutlicht. Der zweite Part, "diese liebliche Süße, die sie umgibt [...]" das ist zwar eher kitschig, aber es klingt so als wäre es wirklich von dir. Es geht durch den ersten Part leider völlig verloren, die Strähne die hinters Ohr gestrichen wird... Das klingt wieder sehr nach Disney-Highschool-Love und ist so nichtssagend.
Ihre Augen leuchten aus dieser Pracht heraus, ruhig und klar, wie ein Meer aus Saphiren – genau still genug, um für immer darin zu versinken – und doch so wild, dass sie einen anziehen wie tausend Sirenen.
Die Idee in jemandes Augen "zu versinken" ist ebenfalls nicht neu, aber es gibt einen guten Grund, aus dem dieses Bild so oft verwendet wird. Aber hier ist es überladen, warum ein mehr aus Saphiren? Der Gegensatz von stiller vs. stürmischer See ist zwar paradox doch funktioniert normalerweise gut. Aber die tausend Sirenen dazu, das ist mir persönlich zu viel. Du beschreibst ein Meer aus Saphiren in dem du versinkst, weil es so ruhig ist. Dann schreibst du es sei auch wild und das es einen doch anziehen könne. Warum "doch"? Diese Aussagen beißen sich ja nicht. Dazu dann noch die Sirenen und man kommt einfach nicht mehr hinterher.
Eines Tages jedoch, veränderte sich alles was zwischen uns lag:
Hier erklärst du nicht so wirklich warum sich alles verändert, mich stört das nicht, vielleicht hängt es ja auch mit dem Traummotiv zusammen, aber du solltest wissen, dass es doch sehr plötzlich ist. Das zerreißt, ohne Erklärung, die sonst sehr ruhige Stimmung deines Textes.
Ihre Stimme wehte leise wie ein warmer Sommermorgen, als wäre sie direkt aus diesem Moment geboren. Die Worte klangen aus ihrem Mund wie eine vorsichtige Melodie, als hätte sie Angst, diesen sanften Zauber zwischen uns zu zerbrechen. In mir erwachte ein Gefühl, das ich noch nie zuvor erfahren durfte – eines, dass sich zwischen Ankommen und Verlieren nicht entscheiden konnte.
Hier eine Textstelle die ich wirklich gelungen finde. Liebe ist ein extrem starkes Gefühl, deswegen gibt es ja so viel Kunst dazu. Dementsprechend ähneln sich die Texte oft. Aber trotzdem hat jeder einen eigenen Touch bei der Liebe, irgendetwas was uns doch wieder differenziert. Ich finde, hier kommt das sehr gut raus.
Hättest du mehr solcher Stellen (und wenn du dann noch die Bildsprache ein wenig glättest) würde sich der Text sehr viel persönlicher anfühlen.
denn dieser Moment war bereits das, nach was sich mein innerer Sisyphos immer sehnte
Ich glaube hier verwechselst du jemanden. Sisyphos musste im Hades einen Stein einen Berg hochrollen, konnte es aber nie schaffen, weil er immer wieder runterrollt. Ein gewisser Bezug besteht schon, aber passender wäre für mich eher Tantalus gewesen. Er ist in einem See über dem ein Baum mit Früchten hängt und er hat immer Durst und Hunger. Doch weichen Baum und Wasser vor ihm wann immer er versucht von ihnen zu speisen. Das würde, glaube ich, besser passen.
Ihr Lächeln war keines der Höflichkeit, keines für Fremde – sondern eines, das wirklich ankommt.
Hier wieder eine gelungene Textstelle, gefällt mir sehr. Es schafft ein Gefühl von Intimität, welches man nachvollziehen kann. Der Schluss ist noch ein wenig holprig geschrieben, aber es wirkt ehrlich.
Das Licht im Flur wurde greller, stechender, bis es fast weiß wurde. Reflexartig schlossen sich meine Augen und als ich sie wieder öffnete sah ich nichts als meine tiefschwarze Zimmerdecke. In diesem Moment wusste ich es.
Der Übergang von Traum zu Realität wurde hier wirklich toll beschrieben, dass Licht das heller wird bis man die Augen schließen muss, um sie dann in der echten Welt wieder zu öffnen, ist eine gute Idee. Sie wird ein wenig gedämpft von der tiefdunklen Zimmerdecke, dieses Gegenteilige bricht die Magie des Übergangs hier zu schnell, weil es doch eher verwirrt.

Tut mir leid, dass ist jetzt doch etwas länger geworden, ich hoffe stark, ich bin nicht zu repetitiv geworden. Mir ist wichtig, dass du verstehst, dass ich dir nicht sagen wollte, dass du völlig cliché-behaftet und überladen schreibst. Nein, die Geschichte ist zwar nichts von Grund auf neues, hat aber, mit dem richtigen Schreibstil, trotzdem das Potential zu einer schönen, verträumten Romanze. Und die Stellen an denen dein eigener Schreibduktus rauskommt, sind wirklich vielversprechend, versuch in deinen nächsten Geschichten also immer mehr davon zu verwenden. Und es ist auch okay zwischendurch mal ein paar "langweilige" Stellen einzufügen, z.B. indem du die Orte oder kleine Handlungen etwas Aufmerksamkeit schenkst. Dadurch zieht sich die Handlung nicht unnötig in die Länge, sondern deine Metaphern bekommen Luft zum atmen.

Das liest sich schon fast autobiographisch und ein wenig therapeutisch für mich
Zum Schluss noch, hier spricht @Geschichtenwerker einen guten Punkt an. Deine Geschichte hört sich an wie die simple Erzählung deines Traumes. Das kannst du natürlich machen, aber hier kannst du deine eigenen Geschichten schreiben, also probiere dich doch ruhig mal aus und schreibe ein paar eigene Twists dazu.

Ich hoffe wirklich, dass das jetzt nicht zu lang wurde und dass mein Feedback jetzt nicht zu sehr aus persönlichen Präferenzen heraus wuchs
LG Herbstkind

 

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