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Der Stern zu Bethlehem

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13.12.2007
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Der Stern zu Bethlehem

Der Stern zu Bethlehem






Es war tief in der Nacht als Willi Kaiserwetter mit seinem frisch beladenen Truck endlich vom Hof kam.

Natürlich regnete es. Wie kann es anders sein. Noch nie hatte er erlebt das es auch gutes Wetter in England gibt. Die Straße von Canterbury nach Dover war holprig, eng und schlecht beleuchtet. Es war die Nacht auf den 23.12., es war kurz vor Weihnachten.


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Willi fuhr jetzt schon seit drei Jahren und drei Monaten für die Spedition 08/15-Holz-und-Küchengeräte-Meyer. Er mochte seinen Job von Anfang an, so kam er doch mit seinem Truck in die entlegensten Ecken von Europa.

Er hatte schon die heiße Sonne Spaniens auf seiner Haut gespürt, den wunderschönen und hübsch angezogen Madames beim Singen, Tanzen und Lachen in den belebten Gassen von Paris zugeschaut.

Als er eines Tages einen Tag frei bekam bevor er sich auf seinen Heimweg machen musste lernte er dabei die blutjunge Aurelie kennen. Sie hatte ihm schöne Augen gemacht. Fasst fühlte er sich bei Ihrem Anblick, ihrem Lächeln verliebt wie ein kleiner Junge. Die beiden versuchten miteinander eine Art Gespräch zu führen. Willi sprach nur Deutsch und schlechtes Englisch. Aurelie sprach gar nur Französisch. Diesen kleinen Flirt hat er genossen und er denkt auch immer wieder an die hübsche Aurelie, wenn er sich zum Beispiel mal wieder im Spiegel betrachtet und wenn er dann den Fehler macht und sich seitlich vor den Spiegel stellt.
Willi hat ein paar Kilo zu viel auf den Rippen. Das Truckfahren hilft dabei nicht. Nein im Gegenteil. In den letzten paar Jahren hat er eher noch zugenommen. Seinen kleinen Willi hat er jedenfalls schon ewig nicht mehr gesehen. Und immer, wenn ihm diese Gedanken kommen, dass er sich etwas zu dick fühlt, etwas zu alt, etwas zu unattraktiv und wenn er versucht sich zu erinnern, wie der kleine Willi ausschaut dann denkt er an Aurelie und es geht ihm wieder etwas besser.

Sie gab ihm damals einen kleinen Kuss auf die Wange. Mehr ist nicht passiert und mehr wäre auch nie passiert denn nie im Leben könnte er Bärbel betrügen.

Bärbel, seine Frau, arbeitet als Wurstfachverkäuferin bei Fickenschers Wurst und Innereien Feinkost. In dem Laden, in dem sich Willi und Bärbel in Kindheitstagen an der Theke kennen gelernt haben als sie beide um die letzte Scheibe Kinderwurst stritten. Sie wurden älter und etwas reifer. Als Willi sie beim Kartoffelball zum Tanzen aufforderte wurden sie ein paar und irgendwann haben sie geheiratet.

Er kann sich nicht merken, wie lang sie jetzt schon verheiratet sind, aber für den Fall der Fälle, wenn er doch einmal gefragt wird, hat er immer den Notizzettel im Handschuhfach… Hochzeitstag, Geburtstag, Augenfarbe, Lieblingsfilm/-song/-essen. Dieser Zettel hat Willi schon oft gerettet und er macht immer wieder drei Kreuzzeichen das Bärbel nichts von seiner Schusseligkeit ahnt, obwohl sie sich schon so lange kennen.


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Im Radio lief der Song - Let it Snow von Dean Martin und auf die Windschutzscheibe prasselte der Regen. Die Scheibenwischer wischen auf höchster Stufe hin und her. Dazu noch dieser Linksverkehr und natürlich die Müdigkeit. Seit 26 Stunden ist Willi jetzt schon auf Achse. Lenken, pausieren, beladen und wieder lenken… Irgendwann hat Willi einfach keine Pausen mehr gemacht denn er möchte so schnell wie nur möglich von dieser Insel runter. Nur beim letzten Stopp in Canterbury hat er kurz die Augen geschlossen und nicht beim Verladen geholfen.

Er mag einfach den Linksverkehr nicht, er mag das Wetter nicht, er mag den englischen Fußball nicht, er mag nicht auf einer Insel sein, weil er jedes Mal mit der Fähre fahren muss und seekrank wird. Oder den Tunnel nehmen muss; diesen endlos langen Tunnel unter dem Meer!
Früher war das kein Problem aber seit er den Film Daylight mit Silvester Stalone gesehen hat bekommt er riesige Angst, gar Panik bei dem Gedanken durch einen Tunnel zu müssen der unter einem Ozean lang führt!


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Willi schaut auf die Uhr. Es sind noch gut 25 km zu fahren, die Fähre legt in einer Stunde ab. Gerade rechnet er sich aus, wann er wohl bei Bärbel sein kann. Dover – Cuxhaven… drei Stunden… weitere sechs Stunden und er könnte in Hoffingen sein und vielleicht zur Mittagsstunde bei Fickenschers ein Wurstbrot essen… da zerrt ihn ein lautes Hupen aus seinen Gedanken.
Neben ihm ein Truck, links neben ihm. Gedankenverloren ist er auf die rechte Fahrbahn abgedriftet. Willi ist plötzlich wieder hellwach!
Er geht in die Eisen zieht nach links und pendelt sich bei langsamer Fahrt wieder in die Trucker Kolonne ein.

Es ist voll geworden auf der Straße nach Dover. Dicht an dicht drängeln sich die Trucks.
Bis es nicht weiter geht. Stau!

22 km vor Dover!

Er schaltet das Funkgerät ein.
Ein Mann mit russischem Akzent spricht,“Its over in Dover! The Border is closed. Shutdown!“

Zum Wurstbrot am Mittag wird Willi nicht in Hoffingen sein.

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Irgendwo in Deutschland arbeitet Tina als Krankenpflegerin auf einer dieser Stationen. Im Frühjahr hat sie Ihr Examen gemacht. Während der Ausbildung wohnte Tina noch zu Hause, das kleine Krankenhaus konnte sie zu Fuß erreichen.

Mit ihrem Examen in der Tasche und ihren 21 Jahren wollte sie raus in die Welt. Oder wenigstens raus in die nächste größere Stadt.
Sie war erst den zweiten Tag in der neuen Klinik als man sie fragte.
Sie bräuchten junges Personal da junge Menschen nicht krank werden würden. Zu´ mindest hatte man die Hoffnung.
Vieles wusste man nicht. Es gab nur Hoffnung. Außerdem hätte sie, so neu in der Stadt, wenig private Kontakte und damit wäre sie die perfekte Kandidatin. Tina überlegte nicht lange.
Sie war Pflegerin geworden, weil sie den Menschen helfen möchte und wenn man sie jetzt auf eine dieser Stationen braucht dann sagt sie nicht nein!

Im Frühjahr war es spannend. Alles war neu. Sie hat viel gelernt.
Sie hatten zwei Patienten. Beiden ging es nach ein paar Tagen wieder gut. Erst im Frühsommer, im Mai kam ein neuer Patient. Über Wochen lag er im Krankenhaus. Pfleger und Pflegerinnen, Ärztinnen und Ärzte haben wochenlang gekämpft und tatsächlich konnte auch hier der Kampf gewonnen werden.

Aber seit diesem Herbst ist alles anders. Die Station ist voll!
Ist ein Patient gesund kommen zwei neue nach. Und längst wird nicht mehr jeder Kampf gewonnen.


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Willi schaut auf die Uhr. Es ist sechs Uhr morgens. Wie war das noch mit der Zeitverschiebung? Ist es jetzt sieben Uhr in Hoffingen? Oder ist es fünf Uhr?
Egal, er will jetzt Bärbel anrufen!
Er wählt ihre Nummer doch bekommt kein Freizeichen. Verdammt! Kein Netz!


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Er beschließt sich ein wenig die Beine zu vertreten. Wenigstens hat es aufgehört zu regnen! Willi steigt aus und streckt erst einmal kräftig die Arme von sich. Da sieht er ein paar Trucker-Kollegen, die in der Runde stehen. Kurzerhand gesellt er sich dazu.
Ein paar sind Sauer das es nicht weiter geht, andere haben noch Hoffnung und sagen beschwichtigend das die Grenze bald wieder aufgemacht wird. Schließlich sei bald Weihnachten und da müssen doch alle bei ihren Familien sein. Einer unter ihnen prophezeit aber jetzt schon, dass das nichts wird. Sie werden hier noch Tage feststecken.
Willi möchte sich nicht an dieser Kaffeesatzleserei beteiligen und schlägt vor das man die Zeit ja auch für etwas Schönes nutzen könne. Er hat Feuerkörbe und Holz geladen. Wenn jetzt noch einer Bohnen hätte, vielleicht ein paar Eier. Dann könne man doch gemeinsam am Feuer kochen und sich aufwärmen.

Gesagt getan!

Gemeinsam stehen die Trucker am Feuer. Sie essen und lachen und für einen Moment fühlt es sich hier auf dieser Straße nach Dover gar nicht so verloren an.

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Bärbel fühlte sich zunehmend schlecht. Egal welche Wurst sie probierte sie schmeckte nichts. Kam sie von der Arbeit nach Hause war sie so erschöpft das sie noch mit ihrer Jacke auf der Couch einschlief. Eine Freundin sagte im Scherz das sei Liebeskummer. Doch um ehrlich zu sein ging ihr Willi immer tierisch auf die Nerven, wenn er länger zu Hause war. Erst in seiner Abwesenheit verliebte sie sich neu in ihn. Doch er war erst ein paar Tage weg. Eigentlich genoss sie jetzt noch das allein sein.

Am Morgen des 23.12. erwachte Bärbel schweißnass. Wie in Trance stand sie auf, ohne es wirklich zu realisieren putzte sie sich die Zähne, zog sich an und ging raus auf die Straße.
Wer in Hoffingen wohnt und arbeitet braucht kein Auto. In Hoffingen ging man zu Fuß. Und so schleppte sich Bärbel in Richtung Fickenschers, sie werde Margarete bitten ihr einen Tee zu kochen. Dann würde es ihr bald besser gehen.
Doch sie schaffte es nicht mehr bis zum Metzgerladen. Sie musste über die Straße, stand an der Ampel und wartete auf grün als alles schwarz wurde.

Magarete sah alles vom Laden aus mit an. Sie verstand sofort was zu tun ist und griff zum Telefonapparat. Sie wählte die 112!


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Die kleine Klinik in Hoffingen ist nicht gut ausgestattet. Es gibt keine Quarantäne-Station.
Der Krankenwagen fuhr direkt in die nächste größere Stadt.



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Tina hat inzwischen jedes Gefühl für Zeit verloren. War es Dämmerung am Abend? Oder am Morgen? Sie wusste es nicht. War heute heilig Abend? Und wenn nicht, wie lange noch bis zum Weihnachtsfest? Sie wusste es nicht. Sie wusste nur das sie funktionieren musste. Das sie durchhalten musste, wie lange es auch dauert. Und sie hielt durch! Genau wie ihre Kollegen! Alle Menschen auf dieser Station gaben ihr Möglichstes, um jedes einzelne Menschenleben zu retten. Auch wenn das nicht immer gelang so machte doch jeder weiter, um das nächste Leben zu retten. Stunde um Stunde! Tag um Tag! Der Strom riss nicht ab...

Und so kam es wie es kommen musste! Es kam diese eine Patientin, die zu viel war. Diese eine Patientin für die es kein Bett mehr gab. Ihr Zustand war schlecht. Die Sauerstoffsättigung im Blut nicht ausreichend. Wenn sich ihr Zustand nicht bald bessert dann muss sie beatmet werden. Nur war kein Gerät zur Beatmung mehr frei!


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Willi und seine neuen Freunde hatten gut gegessen. Sie standen noch eine Zeitlang beieinander. Sie plauschten und lachten. Sie hielten die Sorgen die in ihnen wuchs weit in sich versteckt.
Doch allen merkte man an wie lange sie schon auf den Beinen waren und so zog sich nach und nach jeder in seine Koje zurück um etwas schlaf zu finden.

Willi prüfte noch einmal sein Telefon. Er hatte endlich Netz! Nur um diese Uhrzeit war bei Fickenschers immer besonders viel zu tun. Er stellte sich den Wecker auf zwölf Uhr. Zur Mittagszeit hat Bärbel immer ein wenig ruhe zum telefonieren.

Er schaltete das Radio ein und schloss die Augen. Bevor er einschlief hörte er den Moderator noch von diesem speziellen Weihnachten reden und von diesem Stern der dieses Jahr zu sehen sein wird. Wer am heiligen Abend nach Osten schaut kann ihn sehen. Den Stern zu Bethlehem.


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Tina nahm an der Schwelle zur Quarantäne-Station die neue Patientin entgegen. Sie lag schwer atmend in ihrem Bett und war nicht ansprechbar.

Wer war diese Frau? Tina stellte das Bett dorthin, wo sich noch ein Platz fand. Am Ende des Ganges. Wenigstens ein Fensterplatz dachte Tina. Sie schaute zum Fenster raus und sah einen Augenblick zu wie die Sonne am Horizont aufging. Dabei merkte sie nicht, dass sie die Hand der Patientin hielt. Die Sonnenstrahlen gaben kraft und Tina besann sich wieder ihrer Aufgabe. Sie musste wissen wer diese Frau war! Hatte sie Angehörige? Einen Ehemann? Kinder? Weiß ihre Familie, wo sie ist?
Am Bettende hing eine Tasche mit ihren persönlichen Sachen. Kurzerhand griff Tina in die Tasche und wühlte ein Portemonnaie und ein Telefon hervor. Bärbel Kaiserwetter aus Hoffingen. Jetzt erkannte Tina sie! Es war die nette Frau vom Wurstfach! Mit Bärbels Zeigefinger entsperrte Tina das Telefon und suchte nach einem Notfallkontakt.


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Das Telefon klingelte mit dem Sound von Motorhead – God was never on your side! – und riss Willi unsanft aus seinem Schlaf!

Seine Frau war krank! Schwerkrank sogar!
Das was so viele Leute hatten!
Das wo ihnen die Luft weg blieb!

Als die Frau sich verabschiedete brach Willi in tränen aus. Was sollte er nur tun? Er ist in England! Die Grenzen sind geschlossen! Seine Frau, seine Liebe seit den Kindheitstagen ist krank und überlebt vielleicht nicht. Er muss doch bei ihr sein!

Er muss bei ihr sein! Er muss es einfach!

Willi löste den Auflieger von seinem Truck, drehte den Schlüssel in der Zündung und wendete seinen Truck auf der Straße. Wenn die Fähre nicht ablegt und der Tunnel gesperrt ist findet sich vielleicht ein kleines Schiff oder nur ein kleines Boot, das nach Deutschland übersetzt. Ein Blick auf die Karte und Willi steuerte in Richtung Ramsgate. Er hatte keine Ahnung was er dort vorfinden würde, aber er wusste das ein kleiner Hafen vielleicht seine einzige Chance ist.


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Drei Stunden lag Bärbel jetzt schon auf der Intensivstation im Flur. Unter dem Fenster mit Blick nach Osten.

Tina konnte immer noch keinen Platz in einem der Zimmer finden und auch die anderen Krankenhäuser der Umgebung konnten keine Patienten mehr aufnehmen. Bärbel drohte zu ersticken. Aus eigener Kraft wird sie nicht mehr lange durchhalten.

Da nahm ein Arzt Tina zur Seite und sagte ihr das man akzeptieren muss das diese Frau bald geht. Niemand trägt eine Schuld. Doch das wollte Tina nicht akzeptieren! Schließlich kannte sie diese Frau! Sie flehte den Arzt an etwas zu unternehmen und nicht aufzugeben! Doch der Arzt musste sich um andere Patienten kümmern. So leid es ihm tat. Er musste weiter. Er musste Leben retten.


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Tina überlegte nicht, sie handelte nur. Sie nahm sich eine Beatmungsmaske, stülpte sie Bärbel über und fing an im Rhythmus mit der Hand den Beatmungsballon zu drücken und so Luft in Bärbels Lunge zu bringen.

So hielt Tina Bärbel am Leben. Doch durfte sie niemals nachlassen! Musste immer im Rhythmus bleiben!


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Tatsächlich fand Willi in Ramsgate angekommen einen Fischerhafen.
Dort lag nur ein Fischerboot am Kai. Peter Simon war gerade im Begriff sich los zu machen als Willi ihm entgegenrannte.

Ein Deutscher, ein kleiner dicker Deutscher dachte Peter Simon.

Willi begriff das dieser Mann ihn nicht verstand und stammelte auf Englisch, „My Wife, my love, shes ill, shes sick, i need to be with her. Pleace bring me to the coast of germany. Look there! This is my truck! Its yourth if you want! But please i need to be with my wife!“

Der Mann tat Peter Simon leid und Peter verstand das diese Frau die Krankheit hat, die so viele haben. „Germany is to far my dear but i hope the netherlands are okay for you!“


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Das Telefon klingelte an Bärbels Bett. Tina die immer noch dabei war Bärbel mit der rechten Hand zu beatmen, nahm mit links das Gespräch entgegen.
Sie sagte ihm nicht wie schlecht es um seine Frau stand. Willi fragte aber auch nicht nach. Er bat nur darum das sie seiner Frau das Telefon an das Ohr legt.


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Willi erzählte das er auf dem Weg ist. Auf dem Weg über das Wasser. Ein Fischer bringt ihn an die Küste der Niederlande.
Von dort aus wird er sich ein Auto mieten. Sie soll durchhalten!
Die ganze überfahrt sprach Willi zu seiner Frau. Es war als könne er sich an jeden Tag, den die beiden miteinander erlebt haben, erinnern. Angefangen mit dem Streit an der Wursttheke, davon das er schon die ganze Schulzeit heimlich in sie verliebt war. Bis er sich endlich beim Kartoffelball getraut hat sie zum Tanzen aufzufordern. Und dem Heiratsantrag den er ihr gemacht hat. Betrunken und euphorisch, sie war gerade Kohlkönigin geworden, hatte er sie vor der ganzen Schützengemeinschaft gefragt. Bärbel hat mit einer schalenden Ohrfeige geantwortet! Später auf dem Heimweg dann aber doch ja gesagt!
Er erzählte von den schönen gemeinsamen Sonntagen, die sie miteinander verbracht haben. Diese Sonntage die von außen betrachtet langweilig wirken, weil sie einfach nur gemeinsam zu Hause waren. Diese Sonntage waren die schönsten Tage! Und er sagte er wolle noch viele dieser Tage haben.
Willi sprach die ganze Überfahrt zu Bärbel. Drei Stunden sprach er zu ihr.

Drei Stunden die Tina mit am Bett stand und den Beatmungsballon quetschte. Sie wollte so gerne Weinen. Ein wenig aus Schwäche, ein wenig aus Rührung. Aber Willi sollte das nicht mitbekommen und falls Bärbel etwas mitbekommt dann sollte sie auch keine Tränen sehen. Tina ist die Hoffnung! Ohne Hoffnung kann sie diesen Job nicht weiter machen. Ohne Hoffnung ist Bärbel verloren.


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Es ist früh am Abend. Willi ist auf der Autobahn. Er kommt nur schwerlich voran.
Reiseverkehr vor Weihnachten! Er würde gerne mit 200 km/h fahren. Fährt aber tatsächlich nur 50 km/h auf der Autobahn.

Gegen Abend lichtet sich der Verkehr. Willi kann endlich Gas geben!



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Tina ist einer Ohnmacht nahe. Seit Zehn Stunden beatmet sie Bärbel mit der Hand. Sie fühlt ihre Hände nicht mehr. Den ganzen Arm fühlt sie nicht!
Aber sie pumpt! Sie pumpt immer weiter Luft in Bärbels Lungen.


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Willi läuft den Flur entlang. Vor der Quarantäne-Station steht ein Kerl von der Security. Er will Willi aufhalten, aber Willi bemerkt nicht einmal das dort jemand war. Wie Wind wischt er den Kerl von der Security zur Seite und reißt die Tür auf.
Die Tränen fließen ihm die Wange herunter. Ein Arzt spricht ihn an, doch Willi geht einfach weiter. Weiter den Flur entlang. Bis er auf eine Frau trifft die kraftlos, ausgelaugt, übermüdet immer wieder auf einen Ballon drückt. Diese Frau steht bei Bärbel!

Willi schaut Tina in die Augen. Ein Danke kommt über seine Lippen.
Er nimmt vorsichtig Tinas Hand vom Ballon und pumpt nun selbst weiter.



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Bald ist es Mitternacht. Die Nacht ist sternenklar.
Willi pumpt weiter Luft in die Lungen seiner Frau. Tina sitzt daneben auf einem Stuhl. Sie ist vor Erschöpfung eingeschlafen.

Da sieht Willi diesen Stern. Leuchtend und funkelnd am Himmel stehen. Er schließt seine Augen und fängt zu beten an. Er der niemals betet und nicht an Gott glaubt.
Betet genau jetzt zu Gott. Zu diesem Stern.

Und er spürt wie seine Hand vom Ballon hinweg geführt wird. Er sieht zu wie seine Hände die Maske lösen.

Bärbels Augen öffnen sich. Ihre Blicke treffen sich und die Zeit scheint still zu stehen.

Dann hebt sich ihr Brustkorb.
Bärbel atmet. Sie atmet.
Sie lebt.



Frohe Weihnachten
 
Zuletzt bearbeitet:
Mitglied
Beitritt
30.12.2020
Beiträge
26
Hi @Stefan Winnemöller,
da bisher keine Reaktion kam, wollte ich dir mal ein Feedback senden.

Das Problem wahrscheinlich vorrangig beim Design, also springe ich direkt mal zu den Formalitäten:
Warum hast du oben zweimal den Titel stehen und zwar in einer Art Tabelle?
Aber vor allem verstehe ich nicht so ganz, weshalb du so viele Absätze eingefügt hast (manchmal mit Leerzeilen, andere mit einem X). Das X würde ich als Trennung nutzen, wenn du zwischen Willi, Tina und Bärbel wechselst. Auch einige Zeichen- und Rechtschreibfehler. Das hemmt einfach sehr den Lesefluss.

Das Thema an sich kannst du weiter ausbauen, denn es hat Potential.
Also bleib dran! :)

Liebe Grüße,
Waldläufer
 

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