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Die Beerdigung

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Die Beerdigung

»Morgen ist es so weit. Endgültig. Ich halte es nicht länger aus.«
Der letzte Eintrag, den ich gestern Nacht in meinem Tagebuch verfasst habe. Es waren viel zu viele, die Bücher stapeln sich schon um den Schreibtisch. Sie ekeln mich an. Ein Haufen Müll, vollgestopft mit sinnlosen Worten über sie. Wie viele Stunden habe ich dort gesessen, im schwachen Licht der Schreibtischlampe, schreibend und fluchend, leidend?

Jetzt ist sie ausgeschaltet und es ist dunkel. Den ganzen Tag saß ich im Wohnzimmersessel, habe eins der Bücher in den Händen gehalten und nicht einen Satz gelesen. Stattdessen wanderte mein Blick immer wieder durchs Fenster auf die paar alten, trostlosen Häuser, über die Felder unterm grauen Himmel und fixierte schließlich die Kirche und den Friedhof. Ich vergaß zu essen, war gelähmt von einer ungewohnten Schwere.
Beim Gedanken an mein Vorhaben produzieren meine Hände Schweiß, den ich an meiner Jeans abreibe.

Behutsam nehme ich das ungelesene Buch von der Fensterbank und gehe über den Teppich in den Flur. Nirgendwo brennt Licht, ich kenne das kleine Haus wie ein Blinder. Drei Schritte über den hohlklingenden, knarzenden Dielenboden, dann berühren meine Stiefel den großen Sack. Ich nehme meine Jacke von der Garderobe, wo auch die Jacken meiner Eltern immer noch hängen, der Hut meines Vaters, alles umhüllt von einem muffeligen Geruch. Da fällt mir ein: Etwas fehlt, beinahe hätte ich es vergessen. Ich hole das Shirt aus dem Schlafzimmer, es leuchtet im Dunkeln, krallt sich das wenige Licht, um es danach abzuweisen, so wie sie mich. Mittlerweile ist ihr Geruch, das Parfum, nicht mehr wahrzunehmen. Mein Gehirn ersetzt ihn mit der Erinnerung. Zurück im Flur öffne ich den Sack und stopfe das Stück Stoff rein. Mit Mühe hieve ich den Sack über meine Schulter, nehme den Schlüssel vom Brett und verlasse das Haus.

Die Kälte peitscht mir ins Gesicht, sie hat sich mit der Dunkelheit verbündet. Ich schnappe mir den Spaten, hoffe, dass der Boden nicht gefroren ist und mache mich schweren Schrittes auf den Weg. Im Nachbarhaus hebt sich ein gelbes Quadrat von der schwarzen Umgebung ab. Als ich mich nähere, fallen die Rollladen mit einem brutalen Klappern nach unten und löschen das Licht. Wie eine Guillotine. Ein Zittern fährt durch meinen Körper, meine Beine tragen mich weiter Richtung Friedhof. Beim nächsten Haus bellt mich der Schäferhund aus seinem Zwinger an.
Während ich mir vorstelle, wie ihn der Spaten eines Besseren belehren könnte, stoppe ich abrupt und halte inne, als müsste ich einem Verfolger lauschen. Mir wird klar, dass auf dem Weg ihr Elternhaus steht. Fast muss ich schmunzeln. Obwohl es dunkel ist, blendet mich die Flut der Erinnerungen an sie wie das pulsierende Licht in der Disco, in die wir früher zusammen gingen. Anfangs stand ich einfach nur am Rand der Tanzfläche und sah ihr zu, wie sie in der Musik versunken war, Bierflasche in der Hand. Bis sie die Augen öffnete und mich zu ihr holte. Nur mit ihr konnte ich so ausgelassen sein, ohne sie ging es nicht, ohne sie war ich nur ein weiterer Typ unter dem Discolicht. Jetzt will ich es zertrümmern.
Unzählige Male ging ich in den vergangenen Jahren am Haus ihrer Eltern vorbei. Sah, wie ich sie als Jugendlicher von dort abholte, an dem Tag, als sie mal wieder nicht rausdurfte. Vom Sprung aus dem Fenster ihres Zimmers konnte ich sie nicht abhalten. Im Krankenhaus bekam sie dann einen Gips und küsste mich zum ersten Mal.
Ist es wirklich zwei Jahre her, dass ich sie erwischt habe? So lange ist mein Leben also schon vorbei. Natürlich weiß ich es auf den Tag genau, ich habe schließlich jeden einzelnen dokumentiert, jeden noch so schlimmen. In mir hat sie gewütet und mich gefoltert wie ein Dämon. Heute werde ich ihn austreiben.

Im Schein der wenigen Straßenlaternen sehe ich die Skelette der Bäume, die sich im Wind krümmen und nach mir greifen. Ich bin zu leicht angezogen, was gut ist, so bleibe ich wach. Niemand außer mir scheint draußen zu sein. Moment. Aus der Gasse auf der Rechten höre ich das Geräusch von Schritten auf Asphalt. Die nächste Laterne löst meine Anspannung: Es ist Johann, der so wie ich sein ganzes Leben in diesem Dorf verbracht hat, mit dem ich dennoch nie ein Wort gewechselt habe, außer Moin.
»Moin.«
»Moin.«
Wärme steigt in mein Gesicht, begleitet von der Hoffnung, dass es auch diesmal dabei bleibt. Ein Typ mit großem Sack und Spaten nachts in der Kälte, muss schon seltsam aussehen. Zum Glück geht er in die andere Richtung.

Da ist das Haus. Es zeichnet sich im Schein des Mondes ab, der in diesem Moment von den Wolken enthüllt wird. Keine gelben Quadrate, kein Zeichen von Leben. Doch als ich näherkomme, erschrecke ich. Jede noch so schwache Spur ihres Parfums kann ich wahrnehmen – es gibt keinen Zweifel, es liegt in der Luft. Plötzlich ein Geräusch, Licht dringt durch die sich öffnende Haustür auf die Steinplatten davor. Ich stehe mitten auf der Straße vor dem Haus, zucke zusammen und ducke mich reflexartig. Verschwinde so schnell ich kann ins Gebüsch und hoffe, sie haben mich nicht gesehen. Das Gewicht des Sacks hat sich verdreifacht, vorsichtig lasse ich ihn auf den Boden sinken und sehe zum Haus. Sie ist es tatsächlich. Mit ihren Eltern und einem Mann. Kurz spüre ich einen stechenden Schmerz in der Brust, der schnell von Kälte verdrängt wird.
Minuten nachdem sie im Auto davongerollt sind und das Haus wieder leblos ist, erwache ich aus einer Starre. Sie hat sich verändert, die Haare kürzer, andere Kleider. Aber sie lacht wie früher, trägt das gleiche Parfum. Früher schenkte ich ihr beides, jetzt macht das wohl der Neue, wer auch immer er ist. Ihm gegenüber spüre ich nichts, er ist mir egal. Sie hingegen hat mich berührt, trotz der Distanz. Die Stimme, der ich den ganzen Tag zuhören wollte. Das Lachen, welches mich in jeder noch so aussichtslosen Situation den Frust vergessen ließ. Heute löst es ein seltsames Gefühl in mir aus. Als wäre sie nicht die Gleiche, ihre Stimme und ihr Lachen anders, wenn sie nicht mir gelten. Egal, ich muss hier weg, muss damit abschließen.

Wieder drückt mich das Gewicht vom Sack ein Stück zur Erde, bald werde ich es los sein. Das Gehen ist gut gegen die Kälte, der Spaten in meiner Hand gibt mir Halt. Am Ende der Straße gehe ich links auf einen Kiesweg. Das Knirschen unter meinen Füßen muss im ganzen Dorf zu hören sein. Hinter der Obstwiese steht die alte Kirche, deren Silhouette mir Unbehagen bereitet. Außer früher an Weihnachten ging ich nie hin. Mit ihr wäre ich noch einmal hingegangen, als ich merkte, dass sie sich von mir entfernt. Verzweiflung bringt einen auf seltsame Ideen. Klar waren wir lange zusammen und hatten Probleme. Im Gegensatz zu ihr wollte ich diese klären. Sie hat stattdessen den einfachen Weg gewählt, versucht, sich aus meinem Innern rauszureißen wie eine Chirurgin. Nach zwanzig Jahren. Wusste sie nicht, dass sie ihre Arbeit schlampig gemacht, einen Teil von sich in mir zurückgelassen hat? Wir waren mal Seelenverwandte, bis sie sich einfach eine neue Seele suchte.

Nach der Kirche wird aus Kies Erde und ich sehe ein Netzwerk aus rotem Flackern: Grablichter. Das Kreischen des Eisentors lässt mich erschaudern, ich war noch nie nachts hier. Überall um mich herum die rot scheinenden Grabsteine. Nach jedem Schritt drehe ich mich ruckartig um und sehe nichts, kann nur die Felder erahnen und ein paar Lichter aus dem Dorf sehen. Ich hole eine Stirnlampe aus meiner Jackentasche und setze sie mir auf. Über mir rascheln die Bäume im Wind. Ein Stück vom Weg auf der linken Seite liegen meine Eltern begraben.

Am Ende des Friedhofs schlüpfe ich durch das Loch im Zaun und finde gleich dahinter die große Kastanie. Ich lege den Sack auf die mit Blättern bedeckte Erde und beginne sofort zu graben. Der Boden ist hart, nach wenigen Spatenstichen kleben die Klamotten an meiner Haut. Ich arbeite hastig und aggressiv, jeder Hieb ist ein Schlag in die Vergangenheit. Bin verwirrt und verärgert, dass ich so lange damit gewartet habe. Denke an den Moment, in dem ich sie in unserer Wohnung in der Ortsmitte erwischt habe. Ich kam an ihrem freien Tag unerwartet früher von der Arbeit. Wollte sie mit einem selbstgepflückten Blumenstrauß überraschen an diesem warmen Sommertag. Mit ihr spontan irgendwohin fahren. Rüber nach Holland ins Erlebnisbad, das sie so liebte. Ein Softeis mit bunten Streuseln essen. Zur Nordsee fahren und beim Schwimmen von der viel schöneren Ostsee schwärmen. Beide waren erschrocken, als ich vor ihnen stand. Was ich spürte, kannte ich nicht, es fühlte sich brutal und endgültig an, trauriger als der Tod meiner Eltern. Es war wie mein eigener Tod, nur schlimmer – ich musste weiterleben.
Erschöpfung überkommt mich, das Loch ist halb fertig. Ich setze mich daneben, ziehe eine Flasche Scotch aus der Tasche, trinke einen ordentlichen Schluck, dann noch einen. Nehme mir das Tagebuch, das ich den ganzen Tag gehalten, in dem ich jedoch nicht einen Satz gelesen habe. Es ist das erste, wütend geschrieben kurz nachdem es vorbei war. Ich beginne zu lesen.

Plötzlich kreischt das Friedhofstor. Ein unruhiger Lichtkegel kommt in meine Richtung. Er stoppt, erlischt. Ich glaube zu fantasieren. Da ist das Licht wieder, es bewegt sich. Auf mich zu. Panik krallt sich in meine Glieder, ich stehe auf, mache zwei Schritte zurück. Auf einmal ist kein Boden unter meinen Füßen und ich falle. Mein Licht brennt noch.
»Hallo?«, fragt die näherkommende Stimme.
»Scheiße!«
Das Licht scheint mir genau in die Augen.
»Thomas? Was zum Teufel machst du hier?«, fragt die Stimme jetzt.
Es ist Johann!
»Naja … Und was machst du hier?«
»Ich … Ich hab hier gestern Margret beerdigt … Konnt nich schlafen, also bin ich her. Wusste nich, was ich sonst machen soll.«
Ich habe länger keine Zeitung in der Hand gehalten, mit niemandem geredet. Ich wusste davon nichts.
»Tut mir leid, mit deiner Frau.«
»Jo. Und warum bist du hier?«
Die Antwort ist einfach.
»Ich bin gerade dabei, meine Frau zu beerdigen.«
Johanns Gesicht verformt sich sonderbar, er leuchtet mit seiner Lampe um mich herum, auf das Loch, auf den Schnaps, den Spaten und die Tasche. Johann versteht nicht, also erkläre ich es ihm. Er reicht mir seine Hand und zieht mich hoch.
»Ich helf dir«, sagt er, nimmt den Spaten und gräbt.

Kurze Zeit später ist das Loch fertig. Erwartungsvoll sieht er mich an, atmet kleine Wolken zu mir rüber. Ich leuchte auf den Sack. Zusammen leeren wir ihn über dem Loch. Wir sehen zu, wie all die Tagebücher und Briefe hineinflattern, die ich an sie geschrieben, aber nie versendet habe, dazwischen ihr ungewaschenes Shirt. Zuletzt schmeiße ich das erste Buch auf den Haufen und gemeinsam begraben wir alles, ebnen es aus, sodass es aussieht wie vorher.
Eine Weile stehen wir vor dem Grab, bevor wir zu dem seiner Frau gehen.
»Danke, Johann«, sage ich.
Er sieht mich an und antwortet: »Dafür nich.«
Zusammen verlassen wir den Friedhof durch das Eisentor. Es fällt zu mit einer Wucht, dass ich kurz erschrecke.
Auf dem Weg Richtung Dorf merke ich, etwas ist anders. Ich bin anders, fühle mich leichter. Klar, denke ich, der Sack ist leer.
 
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Senior
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Mahlzeit @rainsen,

erst mal dies hier:
zentrierte sich schließlich auf der Kirche mit dem Friedhof
Im ansonsten flüssigen Verlauf (für mich flüssig), bin ich hier aussi gflog'n. Ein sehr technisches Wort. Zentriert. Meist beschreibt man es ja so, dass der Blick irgendwo "haften" bleibt, oder er sich auf etwas "fixiert". Aber ich halte mich meist auch sehr zurück, denn dieses Pflänzelein ist ja in dir gewachsen, nicht in mir. Und meine Sicht der Dinge ist niemals die eines Deutschlehrers. Wenn ich einen Text lese, muss ich meine Gefühlswelt darin finden. Das hat geklappt.

Wir kennen sie alle, diese Situationen, ob Männlein oder Weiblein. Loslassen. Sehr! Schwierig! Rezepte? Wenn dann das, was du hier beschreibst. Beerdigen. Zumindest symbolisch. Danach ein ordentlicher Kater.

Außerdem sollte ich nicht "Einstürzende Neubauten" hören, beim Lesen von Friedhofstorys ...

Ich schätze, wie bei uns allen, wird dir selbst noch einiges auffallen, in nem halben Jahr, aber auch das wächst ja in dir. Nicht in mir. Mir hat es gefallen und ich konnte mich darin finden.

Griasle
Morphin
 
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Hey @Morphin,

besten Dank für deinen Eindruck!

Ein sehr technisches Wort.
Gebe ich dir recht, hatte ich auch beim Schreiben ein, zwei Mal im Blick, schien in dem Moment das passende Wort zu sein. Aber deinen Vorschlag dazu finde ich besser, danke dafür. Fixieren passt tatsächlich auch ganz gut zu seinem Gemütszustand und zur Handlung.

Freut mich wirklich, dass der Text bei dir rübergekommen ist. Ich weiß was du meinst mit zurückhalten, aber es ist gut, wenn du dein Lesegefühl äußerst, selbst wenn ich hinterher anderer Meinung sein könnte. Dann dauert es immerhin nicht ein halbes Jahr :)

Einstürzende Neubauten passen doch richtig gut, weiß gar nicht was du hast :P Hatte das Glück, sie einmal live sehen zu dürfen, aber das war erfreulicherweise nicht auf dem Friedhof.

Schönen Dank fürs Vorbeischauen!
rainsen
 
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Hallo @rainsen ,

bei dieser Geschichte geht es ja weniger um einen Plot mit ggf. überraschenden Wendungen, sondern es ist eher einer der "Ich weiß, wie er sich fühlt"-Texte.

Die Frage kann ja bei allem möglichen immer wieder kommen: Wie bekomme ich jemanden oder ein Ereignis aus meinen Gedanken, oder schließe zumindest meinen Frieden damit? So dass ich mit meinem Leben weitermachen kann. Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber vielleicht hilft ja ein solches Ritual.

Die Absicht und der Inhalt der Geschichte werden sehr deutlich und hierfür finde ich sie auch gut gelungen. Das Erlebte und die Stimmung des Prota kommen gut rüber. Für ihn wird es auch gut sein, dass er am Ende einen ebenfalls Leidenden aus dem Dorf trifft, den er auf diese Weise kennenlernt. Ein wenig Alkohol schadet dabei ja nicht :gelb:

Und noch einige Details:

Es waren viel zu viele, die Bücher stapeln sich schon um den Schreibtisch herum.
Das abschließende "herum" könntest du streichen, vorher schreibst du ja schon "um".

Wie viele Stunden habe ich dort gesessen, im düsteren Licht der Schreibtischlampe, schreibend und fluchend, leidend?
"düsteres" Licht gibt es m.E. nicht ... vielleicht ist das Licht eher schwach, oder der Raum allgemein düster?

Jetzt ist sie ausgeschaltet und es ist noch düsterer.
Den zweiten Satzteil würde ich streichen, das wird durch das Vorherige ja schon deutlich und braucht dem Leser nicht erklärt zu werden.

Ich hätte fast vergessen zu essen, war gelähmt von einer ungewohnten Nervosität, erfüllt von einem flauen Gefühl.
Ggf. anderer Satzbeginn: "Ich vergaß fast, zu essen, war gelähmt ..." (ein Hilfsverb gesparrt)

Beim Gedanken an mein Vorhaben produzieren meine Hände Schweiß, den ich an meiner Jeans abreibe.
schwitzen meine Hände

Behutsam nehme ich das ungelesene Buch von der Fensterbank und gehe über den Teppich in den Flur.
"über den Teppich" könntest du streichen, diese Information ist ja nicht unbedingt notwendig.

Ich nehme meine Jacke von der Garderobe, wo noch immer die meiner Eltern hängen, der Hut meines Vaters, der muffelige Geruch.
Diesen Satz finde ich nicht gut formuliert. Was genau von den Eltern hängt dort noch? Auch der Satzabschluss "der muffelige Geruch" passt m.E. nicht zum Vorherigen.

Der Reißverschluss knurrt mich an wie ein hungriges Raubtier.
Dieser Vergleich wirkt für mich hier etwas fehl am Platz und übertrieben.

Als ich mich nähere, fallen die Rollladen mit einem brutalen Klappern nach unten und löschen das Licht aus.
"aus" könntest du streichen

Beim nächsten Haus bellt mich der Schäferhund aus seinem Zwinger an, obwohl ich lange vor ihm hier war.
Ich denke, ich weiß, was du mit dem abschließenden Satzteil meinst, würde ihn aber dennoch entfernen. Das ist ja kein Grund für einen Hund, nicht zu bellen. Und auf diesem Grundstück war er nicht vor dem Hund da, ist ja nicht sein zu Hause.

Während ich mir vorstelle, wie ihn der Spaten eines Besseren belehren könnte, es mir allerdings sofort leidtut, stoppe ich abrupt und halte inne, als müsste ich einem Verfolger lauschen.
Diesen Nebensatz würde ich streichen, ich finde den Satz sonst zu umständlich. Außerdem klingt es so etwas zu nett, finde ich ... auch die Formulierung "wie ihn der Spaten eines Besseren belehrt" finde ich noch sehr moderat. Ich mache hier mal besser keine Vorschläge ;)

Im Schein der wenigen Straßenlaternen sehe ich die Skelette der Bäume, die sich ab und zu im Wind krümmen und nach mir greifen.
"ab und zu" würde ich streichen

Ich stehe mitten auf der Straße vor dem Haus, zucke zusammen und ducke mich reflexartig. Verschwinde so schnell ich kann ins Gebüsch neben der Straße und hoffe, sie haben mich nicht gesehen.
Zweimal "Straße" kurz hintereinander, du könntest z.B. im zweiten Satz "neben der Straße" streichen.

Sie hat stattdessen den einfachen Weg gewählt und mir das Herz rausgerissen. Nach zwanzig Jahren.
Hier war ich überrascht, dass sie so lange zusammen waren. In einer der Szenen kommt sie ja mit ihrem Neuen aus dem Haus ihrer Eltern, oder?

Nach der Kirche wird aus Kies Erde und ich sehe ein Netzwerk aus rotem Flackern: der Friedhof.
Was genau flackert denn hier rot, mitten in der Nacht? Wenn es Kerzen sind, müsste die ja jemand zuvor alle angezündet haben?

Überall um mich herum die rot scheinenden Grabsteine. Nach jedem Schritt drehe ich mich ruckartig um und sehe nichts, kann nur die Felder erahnen und ein paar Lichter aus dem Dorf sehen.
siehe oben

Ich lege den Sack auf die mit Blättern bedeckte Erde und beginne sofort mit dem Graben.
Oder: "... zu graben."

Ich arbeite hastig und aggressiv, jeder Hieb ist ein Hieb in die Vergangenheit, ich bin verwirrt und verärgert darüber, dass ich so lange damit gewartet habe!
Ein Punkt nach Vergangenheit, "ich" streichen, dann mit groß "Bin" weiter ;
"darüber" streichen ; vielleicht kannst du einmal "Hieb" durch ein anderes Wort ersetzen

Ich war unerwartet früher von der Arbeit gekommen, an ihrem freien Tag.
Ich kam an ihrem freien Tag unerwartet früher von der Arbeit.
(weg mit dem Hilfsverb, ein Komma gespart)

Hatte sie überraschen wollen, einen Blumenstrauß besorgt.
Auch hier: Wollte Sie mit einem Blumenstrauß überraschen.

nehme einen ordentlichen Schluck, dann noch einen. Nehme mir das Tagebuch, das ich den ganzen Tag gehalten, in dem ich jedoch nicht einen Satz gelesen habe.
Wortwiederholung

Es ist Johann, der so wie ich sein ganzes Leben in diesem Dorf verbracht hat, und mit dem ich dennoch nie ein Wort gewechselt habe, außer Moin.
"und" streichen

Er versteht nicht, also erkläre ich es ihm. Jetzt versteht er, reicht mir seine Hand und zieht mich hoch.
"Jetzt versteht er" ist inhaltlich nicht notwendig, davon gehe ich als Leser dann schon aus.

Zusammen leeren wir ihn über dem Loch aus.
"aus" könntest du streichen

Er sieht mich an und antwortet, »Dafür nich.«
Doppelpunkt nach "antwortet"

Ich bin anders, ich fühle mich leichter.
Das zweite "ich" streichen

Viele Grüße!
Rob
 
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09.12.2016
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Hallo @rainsen,

auch mir hat deine Geschichte gefallen. Ich finde, du schreibst routiniert, Umgebungsbeschreibungen vervollständigen das Bild der Trostlosigkeit, die in und um ihn herrscht. Ja, das Loslassen - erzwingen kann man es nicht, ich zumindest habe da noch kein Rezept für gefunden, aber ich bin eh nicht so der geduldige Typ. Das einzige, was hilft, ist die Gewissheit, dass es irgendwann vorbei sein wird, nur wann, ist natürlich immer die Frage.

Wie Morphin schon sagte, solche Rituale erleichtern es für ein paar Stunden, von daher hat das hoffnungsvolle Ende auch gut gepasst für mich.

Viel Textarbeit hab ich nicht, aber bisschen was ist mir aufgefallen:

Der letzte Eintrag in meinem Tagebuch, den ich gestern Nacht verfasst habe
Vielleicht: "Der letzte Eintrag, den ich gestern Nacht in meinem Tagebuch verfasst habe."

war gelähmt von einer ungewohnten Unruhe.
Das kriege ich irgendwie nicht zusammen, gelähmt und Unruhe. Ich habe bei Unruhe eher etwas Bewegliches vor Augen, keine Lähmung.

Beim Gedanken an mein Vorhaben produzieren meine Hände Schweiß, den ich an meiner Jeans abreibe
Baut gut Spannung auf. Ich will wissen, wie es weiter geht.

Mittlerweile ist ihr Geruch, das Parfum, nicht mehr wahrzunehmen. Mein Gehirn ersetzt ihn mit der Erinnerung.
Das ist auch ein schönes Detail, egal, wie sehr er die Erinnerung am Leben halten will, irgendwann ist sie nur noch im Kopf.


Die Kälte peitscht mir ins Gesicht, sie hat sich mit der Dunkelheit verbündet
Auch schön!

Das Gewicht des Sacks hat sich verdreifacht, vorsichtig lasse ich ihn auf den Boden sinken und sehe zum Haus.
Der Sack als Metapher für seine Last gefällt mir auch. Ist zwar ein etwas abgegriffenes Bild, aber hier passt es für mich.


stechenden Schmerz im Oberkörper
Da habe ich eher das Bild vor Augen, dass er sich verrenkt hat. Vielleicht eher:"In der Brust"?

trägt das gleiche Parfum.
Als er das Parfum vorher gerochen hat, also als er vor dem Haus stand, habe ich das so verstanden, dass er es sich einbildet, weil er sich so in seine Erinnerung hineinsteigert. Aber, dass er es jetzt wirklich riecht, finde ich unglaubwürdig. Er ist doch 'ne ganze Ecke weg und sie sind draußen.

rot scheinenden Grabsteine
Sind die angeleuchtet?


Ein Stück vom Weg auf der linken Seite liegen irgendwo meine Eltern begraben. Ich versuche mir nicht vorzustellen, wie sie jetzt aussehen.
irgendwo klingt, als hätte er kaum einen Bezug zu ihnen. Würde passen, unterstreicht seine Einsamkeit noch mehr.


Ich finde die Begegnung mit dem Johann zwar schön, fände es aber besser, wenn er vorher im Text schon mal auftauchen würde, ansonsten ist es mir zu konstruiert. Vielleicht sieht der Protagonist ihn vorher schon mal und kann mit ihm nichts anfangen oder so.

Gerne gelesen von
Chai
 
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05.09.2020
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Hi @Rob F,

da hast du recht, viel passiert nicht. Hatte die Idee und dann speziell Lust bekommen auf diese Atmosphäre und das Setting. Tatsächlich habe ich ein solches Ritual auch noch nicht selbst ausprobiert. Höchstwahrscheinlich geht nicht jede Nacht jemand zum Friedhof und begräbt Tagebücher und Briefe, aber hey, wer weiß...? :-)
Schön, dass es im Großen und Ganzen gefällt!

Habe fast alle deine sprachlichen Vorschläge angenommen, besten Dank dafür!

Außerdem klingt es so etwas zu nett, finde ich ... auch die Formulierung "wie ihn der Spaten eines Besseren belehrt" finde ich noch sehr moderat. Ich mache hier mal besser keine Vorschläge
Hehe, ja... Also ich fände es schon hart, wenn einer nem Hund mit dem Spaten eins überzieht, und der Prota ist halt kein Brutalo (Deine Vorschläge hätte ich trotzdem interessant gefunden :)). Aber ich stimme zu - hatte das mit dem leidtun nachträglich hinzugefügt und auch gedacht, dass der Satz so zu verschachtelt wird. Ist wieder raus.
Hier war ich überrascht, dass sie so lange zusammen waren. In einer der Szenen kommt sie ja mit ihrem Neuen aus dem Haus ihrer Eltern, oder?
Ja, habe ihn mir als Mittdreißiger ausgedacht und sie sind in der Jugend zusammengekommen. Genau, sie kommt aus dem Elternhaus mit ihrem Typ, aber sie waren halt nur zu Besuch da.
Was genau flackert denn hier rot, mitten in der Nacht? Wenn es Kerzen sind, müsste die ja jemand zuvor alle angezündet haben?
Die Grablichter. Hab ich angepasst... Aber ja, diese Dinger brennen ja tatsächlich ewig - haste noch nie abends/nachts gesehen, dass auf Friedhöfen teilweise hunderte von den Dingern leuchten? Sieht ziemlich cool aus.

Besten Dank für deinen Eindruck und deine Hilfe!
Gruß,
rainsen

Hey @Chai,

auch dir vielen Dank fürs Lesen - dein Kommentar gefällt mir :)

Als er das Parfum vorher gerochen hat, also als er vor dem Haus stand, habe ich das so verstanden, dass er es sich einbildet, weil er sich so in seine Erinnerung hineinsteigert. Aber, dass er es jetzt wirklich riecht, finde ich unglaubwürdig. Er ist doch 'ne ganze Ecke weg und sie sind draußen.
Ja, tatsächlich sollte es in der Luft liegen, da sie bei den Eltern zu Besuch ist. Würde natürlich voraussetzen, dass sie kurz vorher draußen war, wobei ich schon immer wieder verblüfft bin, wie stark manche Parfums riechen... Scheinst du aber unglaubwürdig zu finden, dass er es vor dem Haus riechen kann!? Muss ich nochmal drüber grübeln..
Sind die angeleuchtet?
Genau, von Grablichtern. Habe eine kleine Änderung gemacht, die im Satz vorher die Grablichter ausdrücklich erwähnt - hoffe, dass es dann für dich Sinn macht?
irgendwo klingt, als hätte er kaum einen Bezug zu ihnen. Würde passen, unterstreicht seine Einsamkeit noch mehr.
Tatsächlich hatte ich das eher wegen der Dunkelheit eingebaut. Daher habe ich es jetzt gelöscht, da er natürlich, wenn er das Grab öfter besucht hat, auch im Dunkeln die ungefähre Position wissen wird.
Ich finde die Begegnung mit dem Johann zwar schön, fände es aber besser, wenn er vorher im Text schon mal auftauchen würde, ansonsten ist es mir zu konstruiert. Vielleicht sieht der Protagonist ihn vorher schon mal und kann mit ihm nichts anfangen oder so.
Sehr guter Punkt, ich stimme mit dir überein. Er kann ihm ja noch vorher im Dorf begegnen, das lässt sich machen! Danke für den Hinweis.

Vielen Dank für deine Mühe und hilfreichen Tipps (habe die weiteren sprachlichen Vorschläge umgesetzt), und das Hervorheben von dir positiv wahrgenommenen Textstellen - auch das hilft mir sehr!

Bin schon gespannt, auch bei dir und Rob mal vorbeizuschauen!
Beste Grüße,
rainsen
 
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09.12.2019
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Die Grablichter. Hab ich angepasst... Aber ja, diese Dinger brennen ja tatsächlich ewig - haste noch nie abends/nachts gesehen, dass auf Friedhöfen teilweise hunderte von den Dingern leuchten? Sieht ziemlich cool aus.
Schon, aber eher im Winter am frühen Abend. Hätte nicht gedacht, dass sie auch nachts noch brennen, bin um diese Zeit selten dort ;)
 

CoK

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24.08.2020
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Hallo @rainsen

Wollte auch vorbeischauen.
Für mich ist dass eine Männer Geschichte. Eine Beziehung auf dem Friedhof beerdigen?
Da hat wahrscheinlich jeder seine eigenen Bewältigungsstrategien.

Ich vergaß fast, zu essen, war gelähmt von einer ungewohnten Schwere.
Im Moment lese ich über unnötige Füllwörter und ich denke das ist eins.
Ich nehme meine Jacke von der Garderobe, wo noch immer auch die Jacken meiner Eltern hängen,
Kann nicht erklären warum aber ich finde das klingt seltsam.
Ich nehme meine Jacke von der Garderobe, an der noch immer die Kleidung meiner Eltern hängt.

Im Gegensatz zu ihr wollte ich sie klären. Sie hat stattdessen den einfachen Weg gewählt und mir das Herz rausgerissen. Nach zwanzig Jahren. Wusste sie nicht, dass ich dieses Herz zum Leben brauche? Wir waren mal Seelenverwandte, bis sie sich einfach eine neue Seele gesucht hat.
Sie könntest du vielleicht durch einen Namen ersetzen.
Würde es für mich auch persönlicher machen.
Eine Weile stehen wir vor dem Grab, bevor wir zu dem seiner Frau gehen und das Gleiche machen.
Da habe ich eine Weile gebraucht um zu verstehen, dass sie an dem anderen Grab nur stehen wollten.

Ich habe deine Geschichte gerne gelesen.
Wünsche dir einen schönen vierten Advent
liebe Grüße CoK
 
Mitglied
Beitritt
05.09.2020
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Hi @CoK,

freue mich sehr, dass du vorbeigeschaut hast! Dein Kommentar lässt mich schmunzeln :)
Finde ich sehr interessant, was du schreibst - dass du findest, es sei eine Männergeschichte. Hatte ich noch gar nicht so gesehen... Hättest du protestiert, wenn die Prota weiblich gewesen wäre? Ich meine, okay, selbst bei nem Mann muss man sich fragen, wie realistisch das ist, jedenfalls das mit dem Friedhof. Andererseits machen Menschen schon viele sonderbare Dinge, und auch wenn ich bisher keinen kenne, der/die Tagebücher beim Friedhof vergräbt, so wäre ich nicht allzu überrascht. Oder jedenfalls im Wald.
Interessanterweise ist mir durch deinen Kommentar eingefallen, dass ich als Jugendlicher mal ein oder zwei kleine Tagebücher vollgeschrieben habe - auch mit Inhalten über ein Mädchen. Tatsächlich bin ich damit (tagsüber) mit dem Fahrrad in ein Waldstück gefahren, um sie dort zu verbrennen. Ist schon verrückt, denn da habe ich nie wieder dran gedacht...vielleicht kam die Inspiration zum Plot aus meinem Unterbewusstsein.
Ob es auch Frauen gibt, die sowas machen? Ich wäre nicht überrascht.

Bezüglich des Füllworts gebe ich dir recht - habe es gestrichen!

Kann nicht erklären warum aber ich finde das klingt seltsam.
Ich nehme meine Jacke von der Garderobe, an der noch immer die Kleidung meiner Eltern hängt.
Habe es nochmal umformuliert. Damit wollte ich dem/der Leser/in übermitteln, dass er im alten Haus seiner Eltern wohnt, dass sie allerdings schon eine Weile nicht mehr leben.

Sie könntest du vielleicht durch einen Namen ersetzen.
Würde es für mich auch persönlicher machen.
Habe das erste "sie" in der Passage gelöscht.
Ich hatte ihr absichtlich keinen Namen gegeben, wollte so seine Einsamkeit und seine Ambivalenz zu ihr und zu der Vergangenheit mit ihr verdeutlichen. Dass er versucht, mit ihr "abzuschließen."

Schön, dass du die Geschichte dennoch gern gelesen hast! Wie immer sind deine Anmerkungen eine Hilfe für mich - danke!

Dir auch nen schönen 4. Advent :)
rainsen
 
Wortkrieger-Globals
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24.01.2009
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Hey @rainsen,

ja, dieser ewige Trennungsschmerz und wie man ihn los wird, ich mag ja Geschichten darüber. Deine auch. Hat mir gefallen. Finde die Idee irgendwie schön, mit dem Begraben der "Erinnerungen". Aber wenn er das kann, ist er eigentlich schon auf einem guten Weg ;).
Ich mochte vor allem deine ruhige Art, die Zeit, die Du Dir nimmst, mir diese Szene des Abends zu erzählen. Und klar füllt man die Lücken, die der Text lässt mir eigenem Erlebten auf, dennoch hält der Text mich auf Distanz, weil ich an keiner Stelle seinem Schmerz wirklich Nahe komme. Die drei Schlaglichter auf ihre zerstörte Beziehung sind so allgemeiner Form, dass die beiden mich nicht wirklich nah kommen lassen, hier hätte ich mir bisschen mehr Detail gewünscht, um seinen Schmerz halt auch ein bisschen mehr zu meinem zu machen, bisschen mehr mit ihm zu leiden. Im Augenblick bin ich eher Zuschauer als Teilhabender. Mag anderen Lesern anders ergangen sein, mag ich nicht abstreiten, gut möglich. Ich kann hier ja nur für mich sprechen. Ich geh mal in den Text und versuche das zu verdeutlichen.

Jetzt ist sie ausgeschaltet und es ist dunkel. Den ganzen Tag saß ich im Wohnzimmersessel, habe eins der Bücher in den Händen gehalten und nicht einen Satz gelesen. Stattdessen wanderte mein Blick immer wieder durchs Fenster, auf die paar alten, trostlosen Häuser, über die Felder unterm grauen Himmel, ...
Mochte ich sehr.

Mittlerweile ist ihr Geruch, das Parfum, nicht mehr wahrzunehmen. Mein Gehirn ersetzt ihn mit der Erinnerung.
Das auch.

Obwohl es dunkel ist, blendet mich die Flut der Erinnerungen an sie wie das pulsierende Licht in der Disco, in die wir früher zusammen gegangen sind.
Das ist so ein Allgemeinplatz. Warum nicht irgendeine ganz konkrete Erinnerung? Nicht nur ein Satz, ein Schlaglicht, sondern eine der besonderen Erinnerungen? Vielleicht hatten sie da mal einen Streit, weil er ihr seinen Cola-Wiskey (versehentlich) über das Shirt gekippt hat? Oder sie hatten einen besonders schönen Moment, der Neid der Kumpels? Oder sie haben die Disco früher verlassen, weil sie Scheiße drauf war, weil Opa gestorben oder so. Also irgendwas Konkretes halt, was da passiert ist - nicht nur einfach, wir waren in der Disco.

Unzählige Male bin ich in den vergangenen Jahren am Haus ihrer Eltern vorbeigegangen. Habe gesehen, wie ich sie als Jugendlicher von dort abholte. Außer Sichtweite nahm ich ihre Hand, hielt sie auf dem Weg zur Bank im Wald, wo wir gesessen und uns geküsst haben.
Dito. Händchenhalten und Küssen - haben wir doch alle gemacht. Auch sehr allgemein. Lass mich doch das Glück der beiden erahnen, das Besondere, individuelle. Je mehr ich mit ihnen das Glück teile, je mehr auch sein Leid jetzt. Du würdest mich emotional noch mal auf einer ganz anderen Ebene erwischen. Das müssen ja keine ausgeschrieben Szenen sein, auch Schlaglichter, aber eben personifizierter, keine Allgemeinplätze.

Im Schein der wenigen Straßenlaternen sehe ich die Skelette der Bäume, die sich im Wind krümmen und nach mir greifen. Ich bin zu leicht angezogen, was gut ist, so bleibe ich wach.
Auch schön.

Minuten nachdem sie im Auto davongerollt sind und das Haus wieder leblos ist, erwache ich aus einer Starre. Als ob mein Gehirn sich in einen natürlichen Schutzzustand versetzt hat. Sie hat sich verändert, die Haare kürzer, andere Kleider.
Brauchts nicht. Ist so bisschen Erklärbär - nachgetreten.

Sie hingegen hat mich berührt, trotz der Distanz.
Was genau? Das Lächeln? Der Duft? Ihre Art zu gehen? Das Umdrehen und noch einmal Winken zu den Eltern? Hat sie das für ihn auch getan - so oft? Würde er sie anhand dieser Geste unter 100 Schattengestalten erkennen? Weil sie den Kopf dabei neigt und immer! mit beiden Händen winkt?

Hat auch er um ihre Hand angehalten? Hat sie ihm ebenso zugesagt, ihn dann betrogen, vorgeführt wie einen Idioten, daraufhin weggeworfen wie ein Stück Dreck?
Hole das mal aus der Klischeekiste, bitte ;).

Wusste sie nicht, dass ich dieses Herz zum Leben brauche? Wir waren mal Seelenverwandte, bis sie sich einfach eine neue Seele gesucht hat.
Ich weiß gerade nicht, wie ich das finde. Auf der einen Seite trieft das natürlich, auf der anderen Seite finde ich die Frage witzig.

Ein Stück vom Weg auf der linken Seite liegen meine Eltern begraben. Ich versuche mir nicht vorzustellen, wie sie jetzt aussehen.
Ich will das innerhalb diesen Textes auch nicht ;) Und ich glaube auch nicht, dass er wirklich in diesem Moment daran denkt. Okay, Menschen sind verschieden, aber ich würde ihn wirklich im Kopf nur bei ihr belassen, also dem Wunsch, sie daraus zu verbannen.

Bin verwirrt und verärgert, dass ich so lange damit gewartet habe!
Das ist ein Punktsatz. Eindeutig. Das ! hat sich verlaufen. Mein Empfinden.

Denke an den Moment, in dem ich sie in unserer Wohnung in der Ortsmitte erwischt habe. Ich kam an ihrem freien Tag unerwartet früher von der Arbeit. Wollte sie mit einem Blumenstrauß überraschen. Weiße Lilien, ihre Lieblingsblumen. Beide waren erschrocken, als ich vor ihnen stand. Was ich spürte kannte ich nicht, es fühlte sich brutal und endgültig an, trauriger als der Tod meiner Eltern.
Auch so ganz allgemein. Wenn Du die Sätze durch was Konkretes ersetzt bekämst ... Und Lilien, jetzt echt? Die Totenblume? Die stinken wie Sau in der Bude.
in unserer Wohnung in der Ortsmitte = auf dem Sofa im Wohnzimmer, die Katze schlüpfte durch die Tür, als er sie öffnete.
Wollte sie mit einem Blumenstrauß überraschen = hier wäre doch auch mal gut, bisschen zu zeigen, dass die Beziehung schon geschwächelt hat, das Wetter war toll, mal wieder gemeinsam zum See, baden, nach all den vielen Überstunden und kaum Zeit der letzten Monate. Einfach so, spontan, wie früher ...

Es war wie mein eigener Tod, nur schlimmer – ich musste weiterleben.
:), Nice. Also ganz schlimm furchtbar, aber es trifft es ziemlich gut.

Ich beginne zu lesen, trinke dabei weiter.
Finde gut, dass er nun doch liest. Das Trinken würde ich nicht so überbetonen. Das er was trinkt, okay, aber jetzt nicht in so eine Opfer-Sauf-Rolle drängen. Das nimmt ihm den Willen, der doch dahintersteckt und um der ja eigentlich auch der Kern des Textes ist.

Eine Weile stehen wir vor dem Grab, bevor wir zu dem seiner Frau gehen und das Gleiche machen.
Hä? Hat der auch nen Sack dabei? Brauchts für mich gar nicht.

Zusammen verlassen wir den Friedhof und gehen zurück Richtung Dorf. Ich trinke einen Schluck aus der Flasche und gebe sie Johann, der einen großen Zug nimmt.
»Willst du noch mit zu mir?«, fragt er, hält mir die Flasche hin. »Hab auch noch sowas zu Hause.«
»Warum nicht«, sage ich, trinke nochmal und erwidere sein Lächeln.
Ja, nee, ich mags nicht. Ab irgendwann verschiebt sich der Fokus für mich. Ich fand schön, wie die beiden da vor ihrer getanen Arbeit stehen und nichts sagen. So ein gemeinschaftliches Schweigen, das hat doch was, lass die da mal ruhig eine Weile stehen, bis die Kälte sie im Griff hat, und dann lass sie von mir aus zu Johann gehen, schweigend, nur das Tor das quietscht, als sie den Friedhof verlassen. Eine Tür/ein Tor schließen, das hat doch Symbolcharakter, da muss man auch die letzten Worte nicht schreiben. Und wie genau hört sich das Quietschen denn an? Zerreißt es die Stille? Zum Beispiel ;).

Ja, das von mir. Ich mag die Idee. Für so Geschichten bin ich eh zu haben. Und wenn es so bleibt, wie es ist, ist auch gut. Habe es auch so sehr gern gelesen.

Beste Grüße, Fliege
 
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Liebe @Fliege,

wow, dein Kommentar war für mich nochmal ein ordentlicher Arschtritt (ein positiver!), ich konnte keine Sekunde warten, weiter am Text zu arbeiten (dabei wartet eigentlich andere Arbeit auf mich...)! Schon verblüffend, deine Liste an Vorschlägen, und dass ich eigentlich bei allen zustimme. Das motiviert wirklich sehr!

Ich mochte vor allem deine ruhige Art, die Zeit, die Du Dir nimmst, mir diese Szene des Abends zu erzählen.
Das freut mich voll :)

hier hätte ich mir bisschen mehr Detail gewünscht, um seinen Schmerz halt auch ein bisschen mehr zu meinem zu machen, bisschen mehr mit ihm zu leiden.
Ja, beim Durchgehen der Stellen sehe ich genau, was du meinst. Habe ich dran gefeilt, siehe unten.

Mochte ich sehr.
:gelb:

Hier meine Überarbeitung der Disco-Erinnerung:
Obwohl es dunkel ist, blendet mich die Flut der Erinnerungen an sie wie das pulsierende Licht in der Disco, in die wir früher zusammen gingen. Anfangs stand ich einfach nur am Rand der Tanzfläche und sah ihr zu, wie sie in der Musik versunken ist, Bierflasche in der Hand. Bis sie die Augen öffnete und mich zu ihr holte. Nur mit ihr konnte ich so ausgelassen sein, ohne sie ging es nicht, ohne sie war ich nur ein weiterer Typ unter dem Discolicht. Ich will es zertrümmern.
Ist natürlich ganz frisch, muss es später nochmal lesen, finde es jedoch definitiv besser als vorher.

Erinnerung an Händchenhalten und Küssen:
Unzählige Male ging ich in den vergangenen Jahren am Haus ihrer Eltern vorbei. Sah, wie ich sie als Jugendlicher von dort abholte, an dem Tag, als sie mal wieder nicht rausdurfte. Vom Sprung aus dem Fenster ihres Zimmers konnte ich sie nicht abhalten. Im Krankenhaus bekam sie dann einen Gips und küsste mich zum ersten Mal.
Dito zu oben...

Auch schön.
:)

Brauchts nicht. Ist so bisschen Erklärbär - nachgetreten.
(Das mit dem Schutzzustand) Jep, haste recht, hab ich rausgeworfen!

Die Frage, warum sie ihn berührt hat:
Sie hingegen hat mich berührt, trotz der Distanz. Die Stimme, der ich den ganzen Tag zuhören wollte. Das Lachen, welches mich in jeder noch so aussichtslosen Situation den Frust vergessen ließ. Heute löst es ein seltsames Gefühl in mir aus. Als wäre sie nicht die Gleiche, ihre Stimme und ihr Lachen anders, wenn sie nicht mir gelten. Egal, ich muss hier weg, muss damit abschließen.

Hole das mal aus der Klischeekiste, bitte
Ja, schon sehr Klischee :p Wollte aber irgendwie das Bild mit der Kirche drinlassen, also habe ich mir was überlegt:
Hinter der Obstwiese steht die alte Kirche, deren Silhouette mir Unbehagen bereitet. Außer früher an Weihnachten ging ich nie hin. Mit ihr wäre ich noch einmal hingegangen, als ich merkte, dass sie sich von mir entfernt. Verzweiflung bringt einen auf seltsame Ideen.
Habe das Klischee genutzt, um seine Aussichtslosigkeit in der damaligen Situation darzustellen. Ich grüble nochmal drüber, ob ich es drinlasse oder nicht.

Ich weiß gerade nicht, wie ich das finde. Auf der einen Seite trieft das natürlich, auf der anderen Seite finde ich die Frage witzig.
Ja, das mit dem Herz hat mich ehrlich gesagt auch etwas beschäftigt...auch ein ziemlich abgegriffenes Bild. Daher mein Versuch, etwas anderes daraus zu machen, mit dem gleichen Effekt:
Klar waren wir lange zusammen und hatten Probleme. Im Gegensatz zu ihr wollte ich diese klären. Sie hat stattdessen den einfachen Weg gewählt, versucht, sich aus meinem Innern rauszureißen wie eine Chirurgin. Nach zwanzig Jahren. Wusste sie nicht, dass sie ihre Arbeit schlampig gemacht, einen Teil von sich in mir zurückgelassen hat? Wir waren mal Seelenverwandte, bis sie sich einfach eine neue Seele suchte.
Klingt hoffentlich nicht so Klischee-mäßig!?

Ich will das innerhalb diesen Textes auch nicht ;) Und ich glaube auch nicht, dass er wirklich in diesem Moment daran denkt. Okay, Menschen sind verschieden, aber ich würde ihn wirklich im Kopf nur bei ihr belassen, also dem Wunsch, sie daraus zu verbannen.
Hehe, ja, das Bild der verwesenden Eltern. Muss ich zugeben, konnte es nicht lassen allein der Szenerie und der Atmosphäre wegen. Aber du hast recht, das lenkt ab und passt nicht wirklich in die Handlung - ist raus!

Und Lilien, jetzt echt? Die Totenblume? Die stinken wie Sau in der Bude.
Haha, bin nicht so der Blumen-Experte, das war zugegebenermaßen beliebig. Habe da auch dran gefeilt (auch ein Versuch auf mehr Detail in der Erinnerung):
Ich kam an ihrem freien Tag unerwartet früher von der Arbeit. Wollte sie mit einem selbstgepflückten Blumenstrauß überraschen an diesem warmen Sommertag. Mit ihr spontan irgendwohin fahren. Rüber nach Holland ins Erlebnisbad, das sie so liebte. Ein Softeis mit bunten Streuseln essen. Zur Nordsee fahren und beim Schwimmen von der viel schöneren Ostsee schwärmen. Beide waren erschrocken, als ich vor ihnen stand. Was ich spürte kannte ich nicht, ...

:), Nice. Also ganz schlimm furchtbar, aber es trifft es ziemlich gut.
Schön :)

Finde gut, dass er nun doch liest. Das Trinken würde ich nicht so überbetonen. Das er was trinkt, okay, aber jetzt nicht in so eine Opfer-Sauf-Rolle drängen. Das nimmt ihm den Willen, der doch dahintersteckt und um der ja eigentlich auch der Kern des Textes ist.
Jo, auch da gebe ich dir recht.

Hä? Hat der auch nen Sack dabei? Brauchts für mich gar nicht.
Nee, kein zweiter Sack! Darüber ist CoK tatsächlich auch gestolpert, das habe ich jetzt geändert: "Eine Weile stehen wir vor dem Grab, bevor wir zu dem seiner Frau gehen."
Wollte damit zeigen, dass sie sich auch kurz beim Grab von Johanns Frau stellen - hoffe, dass das jetzt deutlich wird.

Ja, nee, ich mags nicht. Ab irgendwann verschiebt sich der Fokus für mich. Ich fand schön, wie die beiden da vor ihrer getanen Arbeit stehen und nichts sagen. So ein gemeinschaftliches Schweigen, das hat doch was, lass die da mal ruhig eine Weile stehen, bis die Kälte sie im Griff hat, und dann lass sie von mir aus zu Johann gehen, schweigend, nur das Tor das quietscht, als sie den Friedhof verlassen. Eine Tür/ein Tor schließen, das hat doch Symbolcharakter, da muss man auch die letzten Worte nicht schreiben. Und wie genau hört sich das Quietschen denn an? Zerreißt es die Stille? Zum Beispiel
Habe über das Ende gegrübelt und muss sagen, dass ich auch Lust hatte, es umzuschreiben. Der Trost, den sich die beiden gegenseitig spenden, ist in den Zeilen drüber bereits gespendet worden, das reicht auch. Habe das Ende daher etwas abgeändert:
Eine Weile stehen wir vor dem Grab, bevor wir zu dem seiner Frau gehen.
»Danke, Johann«, sage ich.
Er sieht mich an und antwortet: »Dafür nich.«
Zusammen verlassen wir den Friedhof durch das Eisentor. Es fällt zu mit einer Wucht, dass ich kurz erschrecke.
Auf dem Weg Richtung Dorf merke ich, etwas ist anders. Ich bin anders, fühle mich leichter. Klar, denke ich, der Sack ist leer.
Würde mich sehr interessieren, was du davon hälst!
(Das mit dem Erschrecken lass ich mir nochmal durch den Kopf gehen - es soll eine Art Schlussstrich ziehen, unter seine Leidensgeschichte. Das Erschrecken soll den Akzent zu seiner vorherigen Aussichtslosigkeit setzen, aus der er sich jetzt (hoffentlich) befreit hat - oder zumindest hat er es versucht.)

Und wenn es so bleibt, wie es ist, ist auch gut. Habe es auch so sehr gern gelesen.
Sehr cool, dass du es gern gelesen hast! Deine kreativen und konstruktiven Kommentare haben mir total geholfen, da lerne ich viel - lieben Dank dafür :)


Hallo nochmal @Morphin,

Die gibt es. Kann ich ganz klar bestätigen. Sogar mehr als vermutet.
Finde ich spannend, dass du das sagst. Du scheinst viel gesehen/erlebt zu haben, das macht neugierig. Findet man sicherlich noch mehr von in deinen Geschichten (!?), da werde ich definitiv noch das ein oder andere Mal vorbeischauen!

Generell hat sich meine Leseliste vergrößert, Chai, Rob und Fliege - freue mich drauf bei euch reinzuschauen!

Euch allen noch ein schönes Restwochenende,
rainsen
 
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Erinnert mich an Heine *, aber als ein Antipode mit einer gänzlich anderen Strategie – kann weither geholt wirken, aber mir hat der Mensch geholfen, der jedem glatten Näschen und feinen Gehwerkzeugen usw. nachlief,

lieber rainsen,

darum ’n paar Flüskes mit Stand Heute um 10:53 (noch vor der Sendung mit der Maus [KiKA] kopiert, aber jetzt gerade erst durchgesehen - kann sich also z. T. Selbst erledigt haben), zumeist Kommasetzung wie hier, wo das erste und letzte Komma weg müssen, weil da erst die Aufzählung gleichrangiger (auf die … über die …) Satzteile trennt und das letzte, weil die Konjunktion das Komma ganz gut vertritt
Stattdessen wanderte mein Blick immer wieder durchs Fenster[…] auf die paar alten, trostlosen Häuser, über die Felder unterm grauen Himmel[…] und fixierte schließlich die Kirche und den Friedhof.
Hier weg mit dem Komma, weil es ein komplexes Verb zerstört
Ich vergaß[…] zu essen, war gelähmt von einer ungewohnten Schwere.
„zu essen vergessen“

Als ob mein Gehirn sich in einen natürlichen Schutzzustand versetzt hat.
Es gibt nix irrealeres als „als-ob-Situationen, also besser Konjunktiv II, „versetzt hätte“

Das Gehen ist gut gegen die Kälte, der …
Warum der Artikel, wenn „gehen“ auch als Infinitiv daherkommen könnte und sowohl der Artikel nebst Substantivierung und das „zu“ brauchen gar nicht erst verwendet werden muss am Anfang eines Satzes, der gefahrlos ohne Zusatz „Gehen ist gut gegen …“ beginnen kann – oder auch enden kann – wie hier
Nach der Kirche wird aus Kies Erde und ich sehe ein Netzwerk aus rotem Flackern: dieGrablichter.

Ein Stück vom Weg auf der linken Seite liegen meine Eltern begraben. Ich versuche mir nicht vorzustellen, wie sie jetzt aussehen.
Was ist das denn für ein seltsamer Hang?

Was ich spürteKOMMA kannte ich nicht, …

Es ist das erste, wütig geschrieben kurz nachdem es vorbei war.
...ig – eigentlich mir nur als Suffix in Zusammensetzungen wie etwa arbeitwütig bekannt. Besser „wütend“

Wir sehen zu, wie all die Tagebücher und Briefe, die ich an sie geschriebenKOMMA aber nie versendet habe, hineinflattern, dazwischen ...
die relativ schwache Klammer ließe sich auch gefahrlos vermeiden, indem es vor den Relativsatz gesetzt würde

Er sieht mich an und antwortet: »Dafür nich.«
„nich“? - Ist mir da vielleicht der Sozio-/Dialekt durchgegangen

»Willst du noch mit zu mir?«, fragt er, hält mir die Flasche hin. »Hab auch noch so[…]was zu Hause.«
»Warum nicht«, sage ich, trinke noch[…]mal und erwidere sein Lächeln.
Auseinander, weil das eine eigentlich ein verkürztes „so etwas“, das andere ein „noch einmal“ ist

und zum Abschluss ein Beispiel zu Heine "Ich wollte bei dir weilen / Und an deiner Seite ruhn; / Du mußtest von mir eilen; / Du hattest viel zu tun. // Ich sagte, daß meine Seele / Dir gänzlich ergeben sei; / Du lachtest aus voller Kehle, / Und machtest ´nen Knicks dabei. // Du hast noch mehr gesteigert / Mir meinen Liebesverdruß, / Und hast mir sogar verweigert / Am Ende den Abschiedskuß.// Glaub nicht, daß ich mich erschieße,/ Wie schlimm auch die Sachen stehn! / Das alles, meine Süße, / Ist mir schon einmal geschehn.

Bis bald, schönen Rest-Advent und erst recht schöne Tage dieser Tage

Friedel
 
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Sehr geehrter Friedel,

auch dir einen schönen Dank fürs Vorbeischauen und Weiterbilden! Deine Tipps werden von mir sehr geschätzt :)

wo das erste und letzte Komma weg müssen, weil da erst die Aufzählung gleichrangiger (auf die … über die …) Satzteile trennt und das letzte, weil die Konjunktion das Komma ganz gut vertritt
Sehr gut zu wissen - vor allen Dingen, weil ich regelmäßig verwirrt bin, auch im Englischen, wo in der amerikanischen Version (ich hoffe, ich schreibe hier keinen Quatsch) auch ein Komma vor dem "und" bzw. "and" steht, auch bei einer Aufzählung. Verwirrend, aber hier macht es Sinn, wie ich finde!

Hier weg mit dem Komma, weil es ein komplexes Verb zerstört
Jawohl! War nicht meine Absicht, es zu zerstören...

Es gibt nix irrealeres als „als-ob-Situationen, also besser Konjunktiv II, „versetzt hätte“
Tja, als wäre mir das "hätte" beim Schreiben nicht in den Sinn gekommen. Dann war wohl meine Verwendung des "als-ob" falsch, denn in dem Fall war es ja höchstwahrscheinlich eine Schutzreaktion. Ist allerdings jetzt auch egal, denn der Satz ist raus - aber gut zu wissen!

Warum der Artikel, wenn „gehen“ auch als Infinitiv daherkommen könnte und sowohl der Artikel nebst Substantivierung und das „zu“ brauchen gar nicht erst verwendet werden muss am Anfang eines Satzes, der gefahrlos ohne Zusatz „Gehen ist gut gegen …“ beginnen kann – oder auch enden kann – wie hier
Tja. Also bei den Grablichtern stimme ich dir zu, das habe ich auch geändert. Allerdings finde ich in diesem Fall, dass es mit dem Artikel besser klingt:

Das Gehen ... und der Spaten.
Gehen ... und der Spaten.

Finde, dass der Artikel hier zum Satz passt, auch wenn er überflüssig sein mag. Findste nicht?

Was ist das denn für ein seltsamer Hang?
Hehe, ja. Also ein Hang sollte es nicht sein, eher das Heraufbeschwören von fiesen Friedhofsbildern im Kopf der Leserschaft. Allerdings - nach einem Hinweis von Fliege - habe ich diesen Part rausgenommen, da er, wie man bei dir ja auch schön sehen kann, von der eigentlichen Handlung ablenkt.

...ig – eigentlich mir nur als Suffix in Zusammensetzungen wie etwa arbeitwütig bekannt. Besser „wütend“
Also der Duden gibt schon die Möglichkeit, "wütig" zu benutzen, allerdings steht veraltend dabei. Da nehme ich doch deinen Vorschlag an und lasse die Sprache deutlicher sein.

die relativ schwache Klammer ließe sich auch gefahrlos vermeiden, indem es vor den Relativsatz gesetzt würde
Klammer ist vermieden, Komma ist drin - danke!

„nich“? - Ist mir da vielleicht der Sozio-/Dialekt durchgegangen
Weiß nicht, ob zur Sendung-mit-der-Maus-Zeit, also um 10:53 Uhr, schon der Part mit dem kurzen Treffen zwischen Prota und Johann stattgefunden hat. Da begrüßen sie sich mit "Moin", was wohl eine gewisse örtliche Einordnung zulässt. Dass da oben die meisten das "t" im "nicht" verschlucken, wollte ich damit einbringen. Auch wenn es der Prota nicht macht - soll ja nicht alles gleich klingen :)

und zum Abschluss ein Beispiel zu Heine
Boa, das ist echt richtig gut! Kulturbanause bin ich eigentlich nicht, aber was deutsche, klassische Literatur angeht, muss ich wohl nachsitzen. Das passt ja wirklich sehr gut - könnte ich glatt in die Geschichte einbauen ;)

Herzlichen Dank dir, @Friedrichard, für deine Zeit und Mühe,
und einen schönen Rest-Sonntag!
rainsen
 
Monster-WG
Beitritt
20.08.2019
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369
Lieber @rainsen

wie immer habe ich Deine Geschichte sehr gerne gelesen. Sie ist spannend, ich fiebere mit, möchte wissen, was da passiert ist. Ich kann mir alles gut vorstellen, bin nah am Protagonisten. Das Tempo ist genau richtig, Du löst die Spannung langsam auf, hast mich überrascht. Und das Ende mag ich.

Hier ein paar Anmerkungen:

Ich vergaß zu essen, war gelähmt von einer ungewohnten Schwere. Beim Gedanken an mein Vorhaben produzieren meine Hände Schweiß, den ich an meiner Jeans abreibe.

Hier finde ich den Umschwung von Vergangenheit ins Präsens ein wenig ungeschickt.
Entweder würde ich eine neue Zeile beginnen oder es deutlicher machen.

Vorschlag: Ich vergaß zu essen, war gelähmt von einer ungewohnten Schwere. Hastig schüttle ich die Gedanken ab, katapultiere mich zurück ins Hier und Jetzt. Beim Gedanken an mein Vorhaben produzieren meine Hände Schweiß, den ich an meiner Jeans abreibe.

Mit Mühe hieve ich den schweren Sack über meine Schulter, nehme den Schlüssel vom Brett und verlasse das Haus.

Die Kälte peitscht mir ins Gesicht, sie hat sich mit der Dunkelheit verbündet. Ich schnappe mir den Spaten, hoffe, dass der Boden nicht gefroren ist und mache mich schweren Schrittes auf den Weg.

Wortwiederholung.
Vorschlag: Mit Mühe hieve ich den Sack über meine Schultern (hier brauchst Du das Adjektiv nicht, da logisch. Mit Mühe hieven sagt das schon aus)

Als ich mich nähere, fallen die Rollladen mit einem brutalen Klappern nach unten und löschen das Licht. Wie eine Guillotine. Ein Zittern fährt durch meinen Körper, meine Beine tragen mich weiter Richtung Friedhof. Beim nächsten Haus bellt mich der Schäferhund aus seinem Zwinger an.

Das könntest Du noch dramatischer gestalten. Lass den Leser noch mehr mitfühlen, wie er sich erschreckt, was er fühlt, wie es ihm geht.

Vorschlag: Als ich mich nähere, fallen die Rollladen mit einem brutalen Klappern nach unten und löschen das Licht. Ich erstarre, mein Herz rast. Bleib ruhig, Junge! Konzentriere dich auf deine Aufgabe! Geh weiter! Mein Körper zittert, doch meine Beine tragen mich weiter Richtung Friedhof. Beim nächsten Haus bellt mich der Schäferhund aus seinem Zwinger an. Das plötzliche Geräusch lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Dennoch hält es mich nicht auf.

Anfangs stand ich einfach nur am Rand der Tanzfläche und sah ihr zu, wie sie in der Musik versunken ist, Bierflasche in der Hand. Bis sie die Augen öffnete und mich zu ihr holte.

Zeitfehler
... wie sie in der Musik versunken war

Nur mit ihr konnte ich so ausgelassen sein, ohne sie ging es nicht, ohne sie war ich nur ein weiterer Typ unter dem Discolicht. Ich will es zertrümmern.

Zeitfehler

Sie ist es tatsächlich. Mit ihren Eltern und einem Mann.

Wow! Hier hast Du mich überrascht. Ich hab bis dahin gedacht, sie sei tot.

ußer früher an Weihnachten ging ich nie hin. Mit ihr wäre ich noch einmal hingegangen, als ich merkte, dass sie sich von mir entfernt. Verzweiflung bringt einen auf seltsame Ideen.

Wortwiederholung & Zeitfehler

Wir waren mal Seelenverwandte, bis sie sich einfach eine neue Seele suchte.

Das würde ich noch dramatischer machen.
Vorschlag: Wir waren mal Seelenverwandte, bis sie die Verbindung einfach löste und sich einen Ersatz suchte.

Auf dem Weg Richtung Dorf merke ich, etwas ist anders. Ich bin anders, fühle mich leichter. Klar, denke ich, der Sack ist leer.

Das Ende gefällt mir sehr gut.

Ganz liebe Grüße und einen schönen Tag,
Silvita
 
Wortkrieger-Globals
Wortkrieger-Team
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24.01.2009
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Hey @rainsen,

ja, wenn man den Text schon kannte, ist immer schwer zu sagen, ob die Neuerungen ihn nun weiter gebracht haben, da ist ein frischer Blick immer viel hilfreicher. Aber auf mich wirkt das jetzt runder, echter und ja, näher dran an ihm. Wäre interessant, ob es sich auch so bei der Erstlektüre anfühlen würde, oder ob ich da nur den Vergleich beim Lesen gezogen habe.
Verschlimmbessert hat es den Text aber nicht, das kann ich mit Sicherheit sagen und das ist doch was. Ende finde ich jetzt viel besser. Der Knall, der hat schon was.

Das kurz als Rückmeldung von mir und schöne Weihnachten für Dich,
Fliege
 
Mitglied
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05.09.2020
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Hey @Silvita,

sehr schön, dass du wieder vorbeigeschaut hast! Freut mich wirklich, dass du die Geschichte magst.

Hier finde ich den Umschwung von Vergangenheit ins Präsens ein wenig ungeschickt.
Stimmt, haste recht. Habe nun erstmal einen Zeilenwechel reingebaut und werde es mir später nochmal ansehen.

hier brauchst Du das Adjektiv nicht, da logisch. Mit Mühe hieven sagt das schon aus
Da liegst du vollkommen richtig - danke für den Hinweis!

Das könntest Du noch dramatischer gestalten. Lass den Leser noch mehr mitfühlen, wie er sich erschreckt, was er fühlt, wie es ihm geht.
Das werde ich mir nochmal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, diese Stelle (leider muss ich grade eigentlich arbeiten, nur eine kurze Wortkrieger-Pause!), aber ich sehe deinen Punkt!

Zeitfehler
Bei dem "Zertrümmern" war es tatsächlich wieder ein Sprung in die Gegenwart, der aber offensichtlich unklar ist. Habe da ein "Jetzt" eingebaut und schaue mal obs passt.

Wow! Hier hast Du mich überrascht. Ich hab bis dahin gedacht, sie sei tot.
Hehe, spannend zu hören, dass du hier überrascht wurdest!

ußer früher an Weihnachten ging ich nie hin. Mit ihr wäre ich noch einmal hingegangen, als ich merkte, dass sie sich von mir entfernt. Verzweiflung bringt einen auf seltsame Ideen.
Wortwiederholung & Zeitfehler
Ehrlich gesagt finde ich in die Wortwiederholung in diesem Fall passend; ich wollte damit einfach betonen, dass er diesen "Gang" für sie nochmal gemacht hätte. Mag Geschmackssache sein, aber ich behalts im Hinterkopf fürs nächste (nach etwas Abstand) Lesen.

Das mit dem Zeitfehler, hmm, da bin ich mir unsicher. Ist es nicht richtig, wenn ich doch durch das "merkte" schon in der Vergangenheit bin?
"..., als ich merkte, dass sie sich von mir entfernte"
Okay klingt gar nicht soo seltsam, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die andere Version auch nicht falsch ist. Du magst aber recht haben :teach:

Das Ende gefällt mir sehr gut.
Das freut mich :)

Vielen Dank auch für die anderen Vorschläge, da muss ich nochmal in Ruhe grübeln!

Danke fürs Lesen und dir auch nen schönen Tag,
rainsen


Hey @Fliege,

danke für die Rückmeldung! Also Silvita scheint an den Neuerungen nichts auszusetzen zu haben, von daher hast du sicher recht, zumal sie da glaube ich ein Händchen für hat, was so Nähe zum Prota angeht und so :) Vor allem habe ich selbst das Gefühl, dass diese Details der Geschichte gutgetan haben, vor allem auch, weil sie helle Kontraste zur düsteren Stimmung bilden - also Danke nochmal für deine Tipps!

Danke, dir auch schonmal gemütliche Tage,
rainsen
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Senior
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01.10.2002
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777
Hallo @rainsen,

Deine ruhig erzählte Geschichte mochte ich. Auch den Protagonisten, der den muffigen Geruch im Elternhaus noch wahrnehmen kann, obwohl er selbst dort wohnt und eigentlich geruchsblind sein müsste, ein Mann, der selbst ein "abgestandenes", rückwärts gewandtes Leben führt. Ich fand seine Gefühle nachvollziehbar: Seine langschwelende Wut, die ihn nicht loslässt, die ihn foltert, die wie ein schwerer Sack auf seinen Schultern lastet und endlich will er all dem ein Ende bereiten.

Obwohl es dunkel ist, blendet mich die Flut der Erinnerungen an sie wie das pulsierende Licht in der Disco, in die wir früher zusammen gingen. Anfangs stand ich einfach nur am Rand der Tanzfläche und sah ihr zu, wie sie in der Musik versunken war, Bierflasche in der Hand. Bis sie die Augen öffnete und mich zu ihr holte. Nur mit ihr konnte ich so ausgelassen sein, ohne sie ging es nicht, ohne sie war ich nur ein weiterer Typ unter dem Discolicht. Jetzt will ich es zertrümmern
>> Die Textstelle gefiel mir gut. Hier spüre ich, was er an ihr hatte, wie sehr ihre Gegenwart ihn aus seiner Lethargie riss, aus ihm einen anderen machte, ihn lebendig machte. Und für mich erklären diese Zeilen auch, warum sie ihn vielleicht verließ. Diesen zurückhaltenden Mann, der sie sicherlich aus vollem Herzen geliebt hat, aber der für sie ohne jede Eigendynamik blieb.

In mir hat sie gewütet und mich gefoltert wie ein Dämon. Heute werde ich ihn austreiben.
>> Was für eine Vorausdeutung. Ich befürchte das Schlimmste. Und sorge mich um die Frau, als auch um ihn. Hoffentlich kommt es nicht zu einer Tragödie.
Nach der Kirche wird aus Kies Erde und ich sehe ein Netzwerk aus rotem Flackern: Grablichter
>> schön formuliert
Ich arbeite hastig und aggressiv, jeder Hieb ist ein Schlag in die Vergangenheit.
>> ebenfalls.


Das Ende der Geschichte mit diesem für mich völlig unerwarteten Twist gefällt mir ausnehmend gut. Und als Leser kann man richtig aufatmen. So, als ob man selbst den schweren Sack losgeworden ist und ich bin froh, dass dein Protagonist einen Cut gezogen hat, seine Vergangenheit beerdigt hat und vielleicht hat er mit Johan einen neuen Freund gewonnen, der ihm womöglich beim Renovieren hilft und später beim wieder Lebendigwerden.

Viele Grüße, Petdays
 
Mitglied
Beitritt
05.09.2020
Beiträge
97
Hey @petdays!

Lieben Dank für deinen Kommentar! Finde ich schön, wie du dein Empfinden zur Geschichte zusammenfasst, da merke ich, welche Dinge gut funktioniert haben. Es verblüfft mich immer wieder, trotz meiner 35 Jahre, wie man durchs Aneinanderreihen von Buchstaben und Wörtern bestimmte Bilder im Kopf einer anderen Person kreieren kann. Bei jeder/jedem mögen die Bilder anders aussehen, quasi personalisiert, aber trotzdem kann man bestimmte Gerüche, Gefühle im anderen erzeugen. Deine Zusammenfassung könnte ein Teaser sein.

>> Die Textstelle gefiel mir gut. Hier spüre ich, was er an ihr hatte, wie sehr ihre Gegenwart ihn aus seiner Lethargie riss, aus ihm einen anderen machte, ihn lebendig machte. Und für mich erklären diese Zeilen auch, warum sie ihn vielleicht verließ. Diesen zurückhaltenden Mann, der sie sicherlich aus vollem Herzen geliebt hat, aber der für sie ohne jede Eigendynamik blieb.
Finde ich super spannend zu hören. Dass du darin auch lesen kannst, warum sie ihn möglicherweise verlassen hat, und du hast recht. Wenn die positiven Seiten einer Beziehung, also die, die sie aufrecht erhalten und vielleicht aufregend machen, nur von einer der beiden Partner kommen, kann es schnell ein Ungleichgewicht geben. Dass das zum Scheitern verurteilt ist - unschwer vorstellbar.

>> Was für eine Vorausdeutung. Ich befürchte das Schlimmste. Und sorge mich um die Frau, als auch um ihn. Hoffentlich kommt es nicht zu einer Tragödie.
Ich war mir nicht ganz sicher, inwiefern bzw. ab wann man deuten kann, was passieren wird. Hat also wohl funktioniert, dass es nicht allzu schnell preisgegeben wird!

>> schön formuliert
Danke :)

>> ebenfalls.
Freut mich sehr zu hören!

Schön, dass du die Hoffnung gespürt hast, so sollte es sein!
Deine Formulierungen machen direkt Lust, einen deiner Texte zu lesen, also dann... :)

Vielen Dank für deinen aufschlussreichen und netten Kommentar!
Gruß,
rainsen
 

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