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Die dunklen Tore von Fronic 1v4

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15.03.2026
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Anmerkungen zum Text

Der Erste Teil der Geschichte.
Ein pragmatischer Käufer erwirbt auf einem Sklavenmarkt die traumatisierte Elfe Ivi und bindet sie durch ein hartes Treuegelöbnis.
Ich hoffe jemand freut sich auf den zweiten Teil.

Die dunklen Tore von Fronic 1v4

Ich stehe am Rand des Marktes, dort, wo der Pflasterstein brüchig wird und der Geruch von Angst schwerer wiegt als der von Gewürzen. Sklaven werden hier verkauft. Menschen, Elfen, alles dazwischen. Und irgendwo dazwischen steht sie.

Eine Elfe. Schlank. Verloren. Die Tränen laufen ihr übers Gesicht, während sie stumm zu den Göttern betete. Tränen liefen ihr über die Wangen, aber sie sah nicht weg, als sich unsere Blicke trafen.

Ich blieb stehen. Ruhig. Abschätzend.

„Du gefällst mir...“

Ein Flackern in ihren Augen. Angst, ja – aber auch Trotz. Ich trat näher.

„Dir ist klar, dass dich jemand nehmen wird. Die Frage ist nicht ob, nur wer. Und glaub mir: Es gibt schlechtere Käufer als mich. Auch wenn deine beste Zeit schon vorbei ist.“

Sie schluckte. „Wenn das meine besten Jahre waren, will ich die anderen gar nicht kennenlernen.“ Anschließend flüsterte sie: „Ich will nur frei sein.“

Ihre Stimme war rau. Uneindeutig – wie jemand, der den Schmerz kennt, aber noch nicht weiß, wohin mit der Hoffnung.

Ich sah sie einen Moment lang an. Dann sagte ich nichts mehr.

Manches kauft man nicht wegen dem, was es ist, sondern wegen dem, was noch daraus werden kann. Ich beuge mich zu ihr hinunter, die Stimme kaum hörbar, fast zärtlich:
„Ich werde jetzt einiges sagen. Nimm es nicht zu ernst, verstanden?“

Ihr Blick – groß, verwirrt, verletzlich – genügt mir. Ich richte mich auf.
Dann, laut und schneidend:
„Freiheit? Respekt?? Sag, was glaubst du eigentlich, wer oder was du bist?“

Ich wende mich ab, zum Händler, als sei sie nicht mehr da. Mein Ton sachlich, geschäftlich:
„Was verlangen Sie für dieses… wertlose Objekt?“
Sie zuckt sichtbar zusammen.
„Wertlos...“, flüstert sie kaum hörbar. Der Schmerz in ihren Augen ist kein Schauspiel. Sie blickt mich an – als suche sie Halt in einem Sturm, den ich selbst entfacht habe.

Der Händler tritt näher, das schmierige Grinsen eines Mannes, der an nichts mehr glaubt, außer an den Tauschwert von Fleisch.
„Es gibt immer einen Preis – jeder kauft nach seinen Bedürfnissen.“
Er macht eine Geste, als wolle er sie vorführen. Ich ignoriere sie.
„Ich zahle in Kristallen.“

Ich lasse drei aufblitzen – klar, rot, blau. Zwischen meinen Fingern funkeln sie wie kaltes Versprechen.

Die Elfe sieht sie, ihre Augen weiten sich, ein unwillkürliches Aufleuchten.
„Kristalle...“, haucht sie, und dann leiser:
„Kannst du mich wirklich kaufen? Und wenn ja... was wirst du dann mit mir machen?“

Ich antworte nicht.

Der Händler nickt und nimmt die Kristalle mit einer fast gleichgültigen Geste entgegen – als wäre der Handel über etwas so Zerbrechliches wie eine Seele nichts weiter als Routine. Ein Nicken, dann zieht er sich zurück – unbeeindruckt, bezahlt, fertig.
Ivi atmet ein. Ganz flach. Für den Bruchteil einer Sekunde flackert in ihren Augen ein Funke – kein Glück, aber der Anflug davon. Vielleicht… vielleicht wird es nicht so schlimm, denkt sie.
Ich wende mich nicht zu ihr, sondern spreche beiläufig in den Raum, wie zu mir selbst:
„Ich habe gehört, Elfenblut sei wie flüssiges Silber…“
Eine Pause. Keine Betonung. Nur ein Hauch von Kälte.
„Ich werde es herausfinden.“
Stille. Kein Trost. Kein Blick. Nur der Schatten meiner Worte, der auf sie fällt.

„Bitte…“, haucht sie, kaum hörbar. „Was habe ich dir getan…? Warum kannst du nicht einfach freundlich sein?“

Ihre Stimme ist brüchig, erschöpft – wie jemand, der zum letzten Mal fragt, bevor er aufhört zu hoffen.

Ich antworte nicht.

„Ich… ich wollte nur leben“, murmelt sie, kaum mehr als ein Hauch.

Ich trete näher.

„Du wirst jetzt erstmal mitkommen.“

Meine Stimme ist scharf, ohne Zorn – wie ein Messer, das nicht aus Wut gezogen wird, sondern aus Notwendigkeit.

Ich greife nach der Handfessel an ihrem linken Handgelenk, spüre das leichte Zittern unter ihrer Haut.

Kein Zögern. Kein Wort mehr.

Der Händler weicht instinktiv einen Schritt zur Seite, als wir an ihm vorbeigehen. In seinen Augen: Erleichterung. Fast Dankbarkeit. Als hätte ich ihm ein altes, verfluchtes Artefakt abgenommen, das ihn nachts im Schlaf gepackt hat. Ich verstehe schon.

Elfen… sie altern anders. Langsamer. Ihr Leid währt länger, ihr Schmerz bleibt. Sie sehen mehrere Jahrzehnte wie Kinder aus. Da sind sie für Händler am wertvollsten. Wunden heilen narbenlos. Und Ivi… Ivi trägt das Gesicht eines gebrochenen Mädchens, gefangen in einem Körper, der aussieht wie vierundzwanzig – und Jahrhunderte auf dem Rücken trägt.

Die Narben, die sie trägt, sind unsichtbar. Aber sie hat viele.

Einige Schritte außerhalb bleibe ich stehen. Der Griff war fest, aber nicht grausam.

Ich wende mich ihr zu. Mein Blick ist hart, aber nicht grausam – nur unerbittlich.

„Ich kann es mir nicht leisten, dich freizulassen. Aber ich werde dir nichts tun.“

Kurze Pause. Keine Wärme. Nur Wahrheit.

„Und jetzt sprich laut…“

Die Stimme wird kalt, befehlend, final.
„…dass du mich als deinen Herren akzeptierst.“
Ich halte ihr Handgelenk fest. Nicht grausam – aber deutlich. Ihr Zittern verrät, dass sie die Bedeutung spürt. Keine Flucht. Keine Wahl. Als ich vor ihr stehe, sucht ihr Blick meinen. Sie weiß, was kommt.

„Ich…“ Ihre Stimme zittert, bricht fast. Dann zwingt sie sich – hebt den Kopf, ein letztes Stück Würde.

„Ich akzeptiere dich als meinen Herrn.“

Deutlich. Wie ein Schwur sein sollte.

Ein Moment vergeht. Ihre Schultern sinken. Die Spannung bleibt, doch etwas in ihr gibt nach.
„Bitte… sei gut zu mir“, flüstert sie dann – kaum hörbar, aber voller verletzter Hoffnung.
Ich greife nach der Schnalle an ihrem Handgelenk. Ein leises Klicken, dann lösen sich die Fesseln. Kein feierlicher Moment – nur eine pragmatische Geste, so ruhig wie beiläufig. Ihre Haut darunter ist leicht gerötet, doch sie zuckt nicht zurück.

Sie steht still. Kein Zucken. Kein Versuch, zu fliehen.

Ich sehe es ihr an – Ihr Wort, und sei es auch etwas widerwillig gesprochen, bindet sie an mich. Und das genügt mir.

„Wir laufen zum nächsten Dorf. Was essen…“
Ein kurzer Blick zu ihr.
Kein Mitleid, keine Neugier – nur ein sachliches Einholen von Information.

„…was essen Elfen?“

Der Weg ins Dorf
Ivi schaut auf ihr freies Handgelenk, ein seltener Hauch von Erleichterung in ihr, doch er wird vom Gewicht des Gehorsams überschattet.
„Elfen... wir essen vor allem Früchte und Gemüse“, sagt sie leise, als wolle sie den Blick vermeiden, während alte Überlebensmechanismen ihre Gedanken umklammern. „Frische Kräuter sind wichtig... manchmal auch Nüsse und Pilze.“

Der Weg zum Dorf ist staubig und eintönig, und mit jedem Schritt wächst die Nervosität in ihr. Gedanken an andere Elfen, an Menschen – wird man sie akzeptieren? Wird jemand für sie da sein? Oder ist das hier nur eine andere Form von Gefangenschaft?

Der Weg vor uns ist staubig, unspektakulär. Ich gehe voraus, den Blick nach vorn gerichtet. "Vegetarierin? ... okay." Ihre Schritte sind kaum hörbar, aber sie folgt. Natürlich tut sie das.

Dann, ihre Stimme. Zögerlich. Doch sie fragt.

„Was... wirst du dort tun?“

Ich bleibe nicht stehen. Ich antworte im Gehen, ohne mich umzudrehen:

„Essen. Trinken. Eine Unterkunft nehmen.“
Ein Moment Stille.
„Dich aus dem Blickfeld halten, damit keiner Fragen stellt. Und beobachten, wie du dich schlägst.“
Jetzt drehe ich leicht den Kopf, gerade genug, dass mein Blick sie streift.

„Wenn du klug bist, wird das reichen." Ich schaue wieder nach vorne. "Und ich glaube, du bist klug.“

Ich spüre, wie sie einen Moment hinter mir bleibt, ihre Gedanken kreisen um meine Worte. Meine pragmatische Antwort hinterlässt gemischte Gefühle in ihr – Sicherheit mischt sich mit Furcht vor dem, was noch kommen mag.

„Dich im Blickfeld halten…“ höre ich sie leise in sich wiederholen, als wolle sie jedes Detail in sich aufnehmen. „Ich verstehe.“ Doch ihre Stimme trägt auch Zweifel: „Was wird passieren... wenn ich nicht klug bin?“

Ich sehe, wie ihr Blick immer wieder zwischen mir und dem Weg schweift. Es gibt keinen Rückzugsort mehr für die Angst in ihr. Ich bin jetzt eine Konstante in ihrem Leben – ihr Herr oder vielleicht sogar... eine Chance?

„Was wird passieren... wenn ich nicht klug bin?“, diese Frage von ihr verdient nur eine kurze Antwort. Ich bleibe nicht stehen. Kein belehrender Blick. Keine große Geste. Nur ein kurzes, messerscharfes Wort:
„Konsequenzen.“

Doch sie fragt weiter. Natürlich tut sie das.
„Und was ist mit dir? Was wirst du tun… solange ich mich ... schlage?“
Ich atme flach aus, kurz genervt.
„Du denkst zu viel!“
Meine Stimme ist ruhig, aber schneidend – wie eine klare Linie auf einer Karte. Keine Debatte.
„Wenn jemand etwas sagt, das dir nicht gefällt – ignorier’s. Wenn dich jemand ohne meine Erlaubnis anfasst – sag mir Bescheid, und ich schneide ihm die Hand ab.“

Es klingt nicht wie eine Drohung. Eher wie eine Selbstverständlichkeit. Meine rechte Hand gleitet kurz über meinen Dolch. Ich gehe weiter. Der Tonfall bleibt gleich – sachlich, unbeteiligt:

„Aber an sich will ich nicht auffallen. Klar?“ Die Holzbarriere des Dorfes ist bereits zu sehen.

Ankunft im Dorf
Schließlich erreichten wir das kleine Tor. Zwei Wachen. „Waffen jeder Art hier ablegen!“ Ich zog meinen wertvollsten Besitz langsam aus dem Taschengürtel: einen großen Damastdolch, tief geätzt, dessen Griff aus gegerbtem Walnussleder in dunklem Messing gefasst war. Es war weit mehr als nur eine Gebrauchsklinge – ein nützlicher, wunderschöner Meinungsverstärker.

„Ich brauche den nicht, um jemanden umzubringen. Wenn er nachher fehlt – werdet ihr das rausfinden.“

Die beiden Wachen rührten sich nicht, doch ihre Augen verengten sich. Ihre Blicke huschten zu Ivi – prüfend, misstrauisch. In Ivi begann es bereits zu brodeln. Ein leichtes Zucken ihrer Mundwinkel, ein zu schneller Lidschlag – kaum merklich, aber für mich deutlich zu sehen.

Die groben Hände der Wachen tasteten uns ab, nachdem ich das Einverständnis für uns beide äußerte. Ivi wurde auffällig gründlich kontrolliert, begleitet von einem gemurmelten Kommentar, der mehr Beleidigung als Scherz war. Ivi blieb regungslos – sie hatte wohl meine Worte verstanden. Als wir das Dorf betraten, wirkte die Luft einen Hauch wärmer.

"Du siehst aus, als hättest du Hunger. Wir gehen jetzt erstmal mampfen. Dann klären wir, wo wir schlafen. Und dann… spielen wir Wahrheit." Ich ging voran. Keine Diskussion. Das Wirtshaus war schummrig, aber der Geruch war gut: geröstetes Fleisch, heißes Fett, irgendwo Zimt.

Wir setzten uns an einen freien Tisch.

Man brachte mir die Karte, doch der Wirt sagte schon fast respektvoll: "Wir bedienen hier keine..." Sein Blick huschte kurz, aber deutlich zu Ivi.

„Komisches Geschäftsmodell,“ murmelte ich trocken, nahm ihm die Karte trotzdem ab. Dann, etwas lauter:

„Sehen Sie sie nicht als Elfin. Sehen Sie sie als meine…“

Ich stockte kurz. Der Gedanke, sie zu hoch zu betiteln – 'linke Hand' – war unpassend, aber auch nicht herabwürdigend – 'Spermatoilette'. Ich suchte nach dem richtigen Wort.

"Villica und Gouvernante Ihres Hauses", erklang Ivis Stimme klar, mit so etwas Ähnlichem wie Stolz darin. Beide Ausdrücke sagten mir nichts, aber sie klangen schön. Wie Titel. Aber doch gehorsam. Vermutlich perfekt.

Ich machte eine Geste zur Bedienung. "Aber sie haben recht, uns reicht vermutlich eine Karte..."

Wir bestellten. Frisches Brot, knackiges Gemüse mit allerlei Soßen und saftige Fleischscheiben. Selbst ich hatte schon länger nicht mehr so hervorragendes Essen serviert bekommen. Ich sah immer wieder Tränen in Ivis Augen aufblitzen, während sie leise: „Es ist so gut…“ flüsterte.

Am Ende legte ich zwei weiße Kristalle und einen Silberling auf den Tisch.

Teuer. Viel zu teuer für zwei Teller. Aber es war’s wert. Nicht nur wegen des Essens.

Ich lobte den Wirt. Ruhig. Und fragte nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Ich sah, wie er die Zähne zusammenbiss. Ich wartete.

Seine Züge verhärteten sich. Er zögerte, kaute auf der Antwort. Ich sagte nichts. Ließ die Stille für mich arbeiten.

„Nun… wir haben Zimmer oben“, murmelte er schließlich. „Aber… man muss gewisse Dinge verstehen.“

Ich aß den letzten Bissen. Sah ihn nicht an.
„Was für Dinge?“
Die Frage war leise. Aber sie ließ keinen Zweifel zu, dass ich eine Antwort wollte.
Der Wirt senkte den Blick kurz. Dann hob er die Stimme – nicht laut, aber schneidend:
„Sie...“ – er deutete auf Ivi, „verlässt das Zimmer nicht allein. Wenn ich diese...“
Ein kurzes Zucken in seinem Gesicht – etwas wie Erregung, das er mit Mühe herunterschluckte.
„... irgendwo ohne Begleitung sehe, lasse ich sie festnehmen. Euch beide.“
Keine Aufregung. Nur eine Ansage.

Dann wandte er sich zur Frau hinter dem Tresen, ohne uns noch einmal anzusehen:
„Bring sie nach oben.“


Das Zimmer und die erste Wahrheit
Die Holzstufen knarrten bei jedem Schritt, als wir zu dritt die enge Treppe hochstiegen. Der Geruch von altem Holz und etwas Moder schien in den Wänden zu hängen. Die Frau zeigte mit einer knappen Geste auf eine Tür am Ende des Gangs – dort sollte sich wohl Toilette und Waschraum befinden – und ging dann weiter, ohne sich umzudrehen.
Sie öffnete eine Tür zur Rechten. Ein kleiner Raum, fast quadratisch, karg eingerichtet. Für seine schmale Fläche wirkte das Fenster erstaunlich groß, aber es ließ nur graues Licht herein. Ein normales Bett, sauber bezogen. Kein zweites Lager. Man ging offenbar stillschweigend davon aus, dass Ivi auf dem Boden schläft.

„Bitte“, sagte die Frau schließlich – in einem Ton, der kein bisschen Einladung war, sondern reine Pflicht. Dann ein letzter Blick auf uns beide, rasch, abwägend. „Die Wände sind dünn…“
Das klang nicht wie ein Rat, eher wie eine Warnung.
Sie drehte sich um und verschwand ohne ein weiteres Wort, das Knarren ihrer Schritte verlor sich langsam die Treppe hinunter.
Ich ließ mich auf das Bett sinken, die Matratze war überraschend fest. Dann blickte ich zu Ivi.
„Schließ die Tür und setz dich.“ Mein Ton war ruhig, aber bestimmt.
Sie gehorchte langsam, ließ sich auf den Boden sinken, ihre Bewegungen vorsichtig, fast lauschend.
Ich lehnte mich leicht vor, meine Stimme unverändert.
„Bevor wir in dieses Wirtshaus gingen… habe ich dir gesagt, was jetzt kommt.“
Ich wartete einen Moment, ließ die Frage im Raum hängen.

„Du erinnerst dich?“
Ivi nickte vorsichtig, ein vertrauter Ausdruck der Angst und Unsicherheit in ihren Augen. 'Wahrheit'. Obwohl es sich wie eine Warnung anfühlte, war es auch ein Einstieg zu einem Gespräch über das Unausweichliche – nicht nur über ihre Verbindung zueinander, sondern auch darüber, was diese beinhalten könnte.

„Ja… ich erinnere mich“, flüsterte sie leise und ließ ihren Blick auf den Boden sinken. Es fühlte sich auf einmal so schwer an. „Es gibt wahrscheinlich viele Dinge, die ich sagen könnte…“ Eine kleine Pause entstand – zwischen dem Zögern ihrer Worte schien mehr unausgesprochen als ausgesprochen zu werden.
Ich schaue fast belustigt zu.
„Was genau möchtest du wissen?“ fragte sie schließlich wie immer sehr leise.
"Seit wann wirst du als Sklavin gehalten? ... wie alt warst du und wie alt war dein Körper?"

Ivi sog tief die Luft ein. Ihre Schultern spannten sich, ein harter Kloß stieg ihr in den Hals. Die Fragen trafen. Direkt. Kein Spielraum.
„Ich…“
Ihre Stimme zitterte, suchte Halt. In Gedanken war sie längst weg. Zurück an jenem Tag.
„Ich war fünf, als ich entführt wurde.“
Jeder Ton war brüchig. „Ich kannte danach nichts mehr… keine Freiheit, keine Sicherheit. Mein Körper… sieht jung aus, ja. Aber mein Geist…“
Sie sah mich an. Fest.
„…mein Geist hat Jahrhunderte Leid gesehen.“

Eine einzelne Träne löste sich, langsam.
Es war schwer, das laut zu sagen. Schwer und… vielleicht auch befreiend.
„Jeder Tag war ein Überlebenskampf. Es wird nicht einfacher…“
Ich unterbreche sie.

"Du bist so theatralisch… jeder Tag Überlebenskampf… es wird nicht einfacher…"

Ich atmete hörbar aus, fast wie ein genervtes Lächeln in Luft gegossen.

"Wir hatten heute einen Spaziergang bei schönem Wetter und ein wahrlich reichhaltiges Mahl."

Ich schaute mich um.
"Ja, ich werde auf dem Bett schlafen… aber auch dir machen wir es ein bisschen gemütlich."
Die Schärfe wich aus meiner Stimme. Nicht ganz, aber genug, dass sie zwischen Trost und Realität pendelte.

"Wenn du mit mir reist, wirst du dich dran gewöhnen müssen, unterm freien Himmel zu schlafen. Ich…"

Ein kurzes Zögern – nicht verletzlich, nur ehrlich.
"Ich bin nicht so wohlhabend, wie du denkst."

Ich lache plötzlich aus tiefstem Herzen: "Was ist eigentlich eine... wie nanntest du dich? Eine Welika und Quvernante meines Hauses?"


Waschen
Ivi war überrascht. Sie widerstand dem Drang mitzulachen, und trotzdem fühlte es sich gut an. Als ich mich schließlich beruhigte, antwortete sie mit strahlenden Augen:
„Villica… und Gouvernante.“
Wieder lag dieser Hauch von Stolz in ihrer Stimme.
„Das bedeutet, jemand kümmert sich um die Dinge des Haushalts.“
Doch der Stolz brach. Unsicher fuhr sie fort:

„Aber ich weiß nicht einmal genau, was meine Pflichten hier ... sein sollten..."

Ich hörte ihr nur temporär zu. Meine Gedanken schwirrten noch darum, was ihr Körper erlebt hatte, als er noch jugendlich war. Ivi begriff nicht, was sie mir damit gab – mit diesem sicher schmerzvollen Satz, dass sie seit dem fünften Lebensjahr ein Objekt war. Es war ein Stich, ja. Aber keiner, der bloß verletzte. Einer, der etwas in mir weckte. Etwas, das sehen wollte, verstehen.

Ich hatte ihr Zögern bemerkt, bevor ich sie unterbrochen hatte. Ich beschloss, es dabei zu belassen – fürs Erste.
„Hätte ich ein Haus“, sagte ich ruhig, „wäre ich froh, dich meine Villica und Gouvernante nennen zu dürfen.“

Es war ehrlicher gemeint, als es vielleicht klang. Ich stand auf.

„Jetzt geht’s ins Bad. Wir müssen uns dringend waschen.“

Das Licht, das durch das Fenster fiel, wurde dunkler – nicht nur, weil der Abend nahte, sondern auch durch die schweren Wolken, die sich zusammenbrauten.
Wir verließen mein Zimmer und gingen gemeinsam das knarrende Holz zurück ins Badezimmer. Es entsprach exakt meinen Erwartungen – die nicht sonderlich hoch waren. Es roch nicht schlimm. Man konnte die Tür abschließen. Kein fließendes Wasser, aber drei Kübel – zwei davon mit Wasser gefüllt, der dritte leer. Ein alter Spiegel, ein Stück Seife, ein Plumpsklo mit Deckel. Kein Handtuch. Kein Klopapier.

„Okay“, sagte ich, während ich die Tür abschloss. „Zieh dich aus.“

Ihr Gesicht verzog sich – leicht enttäuscht. Das störte mich.
„Hattest du je einen Herrn, vor dem du dich nicht ausziehen musstest?“, fragte ich kühl. Ich ließ ihr keine Zeit zu antworten. „Was genau hast du geglaubt, was wir hier im Bad machen?“

Mein Blick sprach den Rest. Werde jetzt nicht wieder theatralisch. Sag einfach nichts. Und zieh dich aus.
Ivi sagte nichts. Sie senkte den Blick, zog langsam die Schultern zurück – und begann, sich auszuziehen. Ohne Hast. Ohne Pose. Nur dieser leise Widerstand im Rhythmus ihrer Bewegungen.

Der Stoff fiel leise zu Boden. Sie stand nackt da. Ihr Körper war schmal, fast zu zart, ihre Elfenhaut weißlich. Ihre Finger schienen über Narben zu gleiten, die nicht sichtbar waren.
Ich betrachtete sie – nicht gierig, nicht kalt, aber mit dem Recht, das sie mir gehört. Sie spürte meinen Blick, aber wandte sich nicht ab.
Ich zog mein Hemd aus, dann die Hose. Ich griff nach der Seife, tauchte sie in den Kübel und reichte sie ihr.

„Du beginnst.“
Sie nickte. Dann trat sie näher und begann, mir die Schultern abzuwaschen – vorsichtig zuerst, fast ängstlich, doch mit wachsender Sicherheit.

Als sie fertig war, nahm ich ihr die Seife aus der Hand.
„Jetzt ich.“

........ Fortsetzung Folgt

 

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