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Die Erprobung

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11.11.2019
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Die Erprobung

Ich sah Gustav auf halbem Weg in die Stadt im Scheinwerferlicht meines Wagens. Im ersten Moment wollte ich weiterfahren, doch dann tat er mir leid. Es war kalt. Der Wind warf den Regen gegen meine Scheibe und ich wusste nur zu gut: Wir hatten dasselbe Ziel.
Ich bremste also. Im Spiegel sah ich ihn heranhumpeln. Ich ließ ich das Fenster hinunter: „Willst du mit?“
Erst jetzt drehte er sich in meine Richtung. Vielleicht wäre er einfach vorbeigegangen, wenn ich ihn nicht angesprochen hätte?
„Ich muss zum Kramer. Kannst du mich dort absetzen?“ Die wenigen Haare klebten ihm am Kopf. Der Regen tropfte von der Nase.
„Ja, ich fahr auch dorthin. Komm, setz dich rein!“ Ich stieß die Beifahrertür auf.

Sofort stieg mir ein modderiger Geruch in die Nase. Ich wusste, dass er etwa zwei Kilometer von hier in einem aufgelassenen Kühllager hauste. Früher war er mit einem Schäferhund herumgezogen. Doch in letzter Zeit sah man ihn immer nur allein.
„Das ist ja ein Wetter, was?“, sagte ich. Er schwieg.
„Da ist es hier im Auto schon besser …“, versuchte ich es noch einmal. Er brummte etwas, doch sein Blick blieb auf die Windschutzscheibe gerichtet. Schließlich stellte ich das Radio lauter.

Wir passierten den Lengenberger See. Er lag da wie ein dunkles Loch. Ich sah, wie der Wind die Haselnuss-Sträucher am Straßenrand bog.
Dann kam mir Erika in den Sinn. Ich dachte an ihr besorgtes Gesicht, als ich weggefahren war.
„Vertrau mir! Ich hab‘ es jetzt im Griff“, hatte ich zu ihr gesagt und hoffte, dass es wirklich so war, jetzt, wo alles wieder besser lief, bei mir – und auch zwischen uns beiden.

Am Parkplatz hatte ich freie Auswahl. Sobald die Räder zum Stillstand gekommen waren, riss Gustav die Tür auf und eilte davon. Im Licht der Straßenlaterne bemerkte ich die Abdrücke der durchnässten Kleidung am Beifahrersitz und fragte mich, was Erika dazu sagen wird.

Wie immer um diese Zeit war das Licht nur an der Theke an. Ich nickte Eddy am Zapfhahn zu. Aus den Lautsprechern drang I Love Rock 'n Roll von Joan Jett.
Etwas weiter vorne sah ich Walter an der Bar sitzen. Er unterhielt sich mit einem Mann, den ich kaum kannte. Ich wusste, dass er Klaus hieß. Die an der Stirn schon schütter werdenden Haare hatte er hinten zu einem Zopf zusammengebunden.
Ich setzte mich auf einen der Hocker neben die beiden. Walter blickte kurz über die Schulter zu mir herüber und wischte sich dabei mit dem Handrücken den Bierschaum vom Schnurrbart. Dann wandte er sich wieder Klaus zu.
Wenn ich es recht verstand, diskutierten die beiden über Rasenmähtraktoren. Gustav entdeckte ich im Halbdunkeln allein an einem der hinteren Tische. Sonst sah ich niemanden: Für Nachtschwärmer war es noch zu früh.
Nach einer Weile drehte sich Walter zu mir um: „Na, dich hab‘ ich hier aber schon lange nicht mehr gesehen.“ Er deutete auf mein Glas: „Und dann bist du gleich auf Diät? So kenn‘ ich dich gar nicht.“ Die beiden lachten. Ich nippte von meiner Cola.
„Hast du den alten Gustav mitgenommen?“, fragte er dann.
Ich nickte: „Beim Lengenberger See hätte ihn sonst der Wind geholt.“
Walter winkte dem Kellner und bestellte ein großes Bier, das er an Gustavs Tisch bringen ließ.
„Ich glaube, bei dem Wetter macht ihm sein Bein ziemlich zu schaffen“, sagte er und hob sein Glas in Gustavs Richtung.
„Was ist eigentlich damit geschehen?“, fragte Klaus.
„Was? Das weißt du nicht? Mit Gustav war in seiner Jugend nicht gut Kirschenessen. Da hat schon ein falsches Wort gereicht und er ist auf dich losgegangen!“
Klaus hob die Augenbrauen: „Ach, ja?“
Walter nickte: „Ja. Gustav hatte zeitweise sogar Hausverbot hier.“ Er deutete mit dem Kopf in Richtung des Kellners, der weiter vorne Flaschen in den Schubladenkühler einräumte: „Frag Eddy!“
„Und, wie ist das mit dem Bein passiert?“
„Na ja, das ist schon ein paar Jahre her. Da ist ihm hier ein Stehtisch raufgekracht.“
Walter strich sich mit Daumen und Zeigefinger über den Schnauzer.
„Also damals sind gleich zwei auf ihn los. Ein Dicker und so ein Langer. Dem Langen hat Gustav einfach eine mitgegeben. Der ist hingefallen wie ein Sack Mehl.“ Er deutete mit dem Daumen auf einen Barhocker in der Nähe des Eingangs: „Dort drüben war das“, sagte er und sah mich an.
Ich hob die Schultern: „Ich weiß nicht. Ich kenne die Geschichte nur von Erzählungen.“
„Ach so? Na, ich war dabei, ich hab‘ alles selbst gesehen.“ Er lehnte sich zurück.
„Jedenfalls, nach dem Langen ist der Dicke gekommen. Der hat Gustav von hinten am Kragen gepackt und auf den Boden gerissen.“
Er griff nach dem Bier. Ich konnte ihn schlucken hören. Dann stellte er das leere Glas vor sich auf den Tresen.
„Alle drei liegen also am Boden …“ Ich betrachtete sein Glas. Ein bisschen Schaum lief langsam auf der Glasinnenseite nach unten.
"Gustav hat sich gewehrt, geschlagen und um sich getreten wie verrückt …“
Plötzlich hatte ich den Geschmack, diesen kühlen, herben Geschmack, auf meiner Zunge und schluckte.
„Hocker sind geflogen, Gläser runtergefallen. Das war ein Durcheinander, so etwas hab‘ ich hier nie wieder erlebt …“ Ich bemühte mich, Walter anzusehen.
„Irgendwann ist dann ein Stehtisch, so ein hoher mit nur einem Bein, umgekippt und auf Gustav raufgekracht. Gustav hat sofort gebrüllt: ‚Ihr Hunde! Jetzt bring ich euch um!‘“ Walter lachte: „Die beiden, der Lange und der Dicke, waren so schnell raus da bei der Tür, das kannst du dir nicht vorstellen!“
„Und Gustav?“, fragte Klaus.
„Wir mussten die Rettung rufen. Der konnte nicht mal mehr stehen. Kniescheibe gebrochen. Seitdem humpelt er.“
Walter hob sein Glas und winkte damit Eddy: „Es gibt viele solche Geschichten über ihn. Er hat getrunken und gefeiert. Und er hat sich oft geprügelt!“
„Ein richtig wilder Hund!“, sagte Klaus.
Walter nickte bedächtig: „Ja, das kannste wohl sagen!“
Er reichte Eddy sein Glas und Klaus bestellte gleich mit.
„Jedenfalls hat er sein Leben gelebt, soviel ist sicher!“, sagte er dann und sah nun, wie auch Klaus, zu Gustav hinüber. Ich betrachtete zuerst die beiden, dann folgte ich ihren Blicken.

In diesem Moment kam mir jedoch ein anderes Bild vor Augen: Ich sah Klaus auf einem dieser Rasenmähtraktoren in einem Garten herumfahren. Walter lehnte am Zaun. Doch der Garten war winzig und Klaus mühte sich ab. Er kurbelte am Lenkrad, setzte vor und wieder zurück und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Nach getaner Arbeit stellte er den Motor ab und Walter reichte ihm ein Bier über den Zaun. „Toll, wie du das gemacht hast, du wilder Hund!“, sagte er und die beiden fuhren mit den Flaschen zusammen.

Wieder in Kramers Bar sah ich Eddy mit zwei vollen Gläsern herankommen. Er stellte sie vor Klaus und Walter auf den Tresen.
Klaus deutete zu Gustav hinüber: „Bring ihm auch noch eines. Geht auf meine Rechnung.“ Eddy nickte und verschwand in Richtung Zapfhahn.
Ich trank den letzten Rest meines Getränks und die abscheuliche Süße lag mir wie ein Stein auf der Zunge.
Dann sah ich, wie die beiden Gustav zu prosteten. Ich zog mein Portemonnaie aus der Tasche und legte einen Fünf-Euro-Schein neben mein Glas. Dann ging ich, ohne mich groß zu verabschieden. Mit dem nächsten Besuch hier würde ich es nicht eilig haben.
 
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14.04.2018
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Hey @Walterbalter !
Ich finde, du hast da eine ziemlich feine Geschichte geschrieben. Ich habs in einem Rutsch gelesen ohne an irgendeiner Stelle rauszufliegen.

Du nimmst mich schon gleich mit ins Auto. Gewissen versus eigentlich keinen Bock drauf.
Im ersten Moment wollte ich weiterfahren, doch dann tat er mir leid
Deine genaue Art zu erzählen fällt mir hier das erste Mal auf:

„Ich muss zum Kramer. Kannst du mich dort absetzen?“
Er will nicht. Er muss zum Kramer. Gut.

Trotzdem schien er diese Frage erst klären zu wollen, bevor er in den Wagen einstieg.
Das würde ich wegnehmen, verwässert ein bisschen die grade so gut aufgebaute Atmosphäre für mich.
„Das ist ja ein Wetter, was?“, sagte ich. Er schwieg.
„Da ist es hier im Auto schon besser …“, versuchte ich es noch einmal. Er brummte etwas, doch sein Blick blieb auf die Windschutzscheibe gerichtet. Schließlich stellte ich das Radio lauter.
Ah ...wie unangenehm. Toll :)
Dann kam mir Erika in den Sinn. Ich dachte an ihr besorgtes Gesicht, als ich weggefahren war.
Alles klar. Ich habs geahnt. Jetzt mach ich mir auch Sorgen.
Sobald die Räder das erste Mal zum Stillstand gekommen waren, riss Gustav die Tür auf und eilte davon.
Er musste wirklich zum Kramer
Bring me some water von Melissa Etheridge.
Hier weiß ich nicht... einerseits musste ich lachen. Anderseits ist´s vielleicht ein bisschen dick;)
Nah, dich hab‘ ich hier aber schon lange nicht mehr gesehen.“ Er deutete auf mein Glas: „Und dann bist du gleich auf Diät? So kenn‘ ich dich gar nicht.“ Die beiden lachten. Ich nippte von meiner Cola.
ist da nicht das h zu viel? Da du es aber später nochmal machst, bin ich vielleicht im Unrecht.
Die Interaktion an sich ist wieder sehr unangenehm. Gut.
Ich nickte: „Beim Lengenberger See hätte ihn sonst der Wind geholt.“
Ist das eine Redewendung aus deiner Region? Kenne ich gar nicht. Finde ich aber sehr schön. Ein wenig Poesie im Kneipenjargon :).
Walter strich sich mit Daumen und Zeigefinger über den Schnauzer.
Ich probiere sowas dann immer aus, wenn jemand es so detailiert beschreibt. Es klappt.
Er deutete mit dem Daumen auf einen Barhocker in der Nähe des Eingangs:
Auch hier wieder so eine schöne Feinheit von dir. Ich hätte plump geschrieben, dass er mit dem Zeigefinger... ok das vielleicht nicht mehr. Aber mit dem Finger zeigt. Der Daumen macht es aber tausendmal kneipiger. (Ich hab`s probiert!)
Nah, ich war dabei,

„Jedenfalls, nach dem Langen ist der Dicke dann von hinten gekommen, hat ihn mit dem Ellenbogen so gepackt“, er winkelte den Arm vor seiner Brust ab, „und auf den Boden gerissen.“
Hier allerdings kann ich es mir nicht so richtig vorstellen.
Plötzlich hatte ich den Geschmack von Bier, diesen kühlen, herben Geschmack, auf meiner Zunge und schluckte.
Ahhh, neee. Er soll gehen!
Klaus deutete zu Gustav hinüber: „Bring ihm auch noch eines. Geht auf meine Rechnung.“
Als wenn das das Problem wär. Depp.
Ich zog mein Portemonnaie aus der Tasche und legte einen Fünf-Euro-Schein neben mein Glas.
Stark. Ich bin froh.

Also Walterbalter, ich glaub du kannst es raushören: Ich find`s gut.
Liebe Grüße vom Lotterlieschen.
 
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Monster-WG
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20.08.2019
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Hallo @Walterbalter

ich hab Deine Geschichte gern gelesen, sie ist kurzweilige, das Tempo stimmt, der Text ist flüssig geschrieben. Ich kann mir alles bildhaft vorstellen. Ich hab ne Weile gebraucht, bis ich die Aussage geblickt hab, musste nochmal lesen, aber dann wars klar. Krasse Story.

Hier ein paar Anmerkungen:

Der Regen tropfte ihm von der Nase. Trotzdem schien er diese Frage erst klären zu wollen, bevor er in den Wagen einstieg.
„Ja, ich fahr‘ auch dort hin. Komm, steig ein!“, sagte ich und stieß die Beifahrertür auf.

Sofort stieg mir ein modderiger Geruch in die Nase.

Wortwiederholung

Wie immer um diese Zeit war das Licht erst mal nur an der Theke an.

Könnte man streichen.

Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
Silvita
 
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11.11.2019
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Hi @Lotterlieschen

freut mich sehr, dass dir meine Geschichte gefallen hat!

Trotzdem schien er diese Frage erst klären zu wollen, bevor er in den Wagen einstieg.
Das würde ich wegnehmen, verwässert ein bisschen die grade so gut aufgebaute Atmosphäre für mich
Das scheint umständlich formuliert zu sein. Du hast recht, man braucht den Satz nicht. Hab ich gestrichen.

Bring me some water von Melissa Etheridge.
Hier weiß ich nicht... einerseits musste ich lachen. Anderseits ist´s vielleicht ein bisschen dick;)
Danke für den Hinweis! Einen Liedtitel habe ich, ehrlich gesagt, als atmosphärisches Detail genannt. Habe keine bestimmte Intention damit verfolgt. Soll aber auch nicht so rüberkommen. Ich hab's geändert ;)

Nah, dich hab‘ ich hier aber schon lange nicht mehr gesehen.“ Er deutete auf mein Glas: „Und dann bist du gleich auf Diät? So kenn‘ ich dich gar nicht.“ Die beiden lachten. Ich nippte von meiner Cola.
ist da nicht das h zu viel? Da du es aber später nochmal machst, bin ich vielleicht im Unrecht.
Ja, das H ist mir reingerutscht. Und wenn, dann gleich ordentlich. Hab alle ausgebessert (Ich hab sogar drei gezählt).

Ich nickte: „Beim Lengenberger See hätte ihn sonst der Wind geholt.“
Ist das eine Redewendung aus deiner Region? Kenne ich gar nicht. Finde ich aber sehr schön. Ein wenig Poesie im Kneipenjargon :).
Ist "wörtlich" gemeint, aufgrund des Wetters. Aber schön, wenn es poetisch rüberkommt.

„Jedenfalls, nach dem Langen ist der Dicke dann von hinten gekommen, hat ihn mit dem Ellenbogen so gepackt“, er winkelte den Arm vor seiner Brust ab, „und auf den Boden gerissen.“
Hier allerdings kann ich es mir nicht so richtig vorstellen.
Soll nicht sein, dass man/frau es sich nicht vorstellen kann. Ich hab's geändert.

Vielen lieben Dank für deine Zeit und die wertvollen Hinweise!
Walterbalter

Hallo @Silvita

ich hab Deine Geschichte gern gelesen, sie ist kurzweilige, das Tempo stimmt, der Text ist flüssig geschrieben. Ich kann mir alles bildhaft vorstellen. Ich hab ne Weile gebraucht, bis ich die Aussage geblickt hab, musste nochmal lesen, aber dann wars klar. Krasse Story.
So etwas hört man natürlich gerne! Vielen Dank! Hab deine Anmerkungen umgesetzt!

Dir auch noch einen schönen Tag!

Servus,
Walterbalter
 
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09.12.2019
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Hallo @Walterbalter ,

ich habe ja auch schon frühere Texte von dir gelesen und finde, du bist beim Schreiben auf jeden Fall deutlich vorangekommen!

Du beschränkst dich inhaltlich in den Szenen auf das Wesentliche, trotzdem sind die Handlungen und Dialoge gut vorstellbar. Auch das Ende finde ich gut gewählt. Einmal hast du einen nicht ganz nachvollziehbaren Szenenwechsel, aber das habe ich nachfolgend nochmal erwähnt.

Gerne gelesen!

Noch ein paar Anmerkungen:

Im ersten Moment wollte ich weiterfahren, doch dann tat er mir leid: Es war kalt. ...
Hier würde ich keinen Doppelpunkt setzen.

Der Wind warf den Regen in zornigen Böen gegen meine Scheibe.
"in zornigen Böen" würde ich streichen, das Wort "warf" macht es m.E. schon deutlich genug.

Als er neben der Beifahrertür angelangt war, ließ ich das Fenster hinunter: „Willst du mit, Gustav?“
Ich würde "ankam" schreiben, du benennst hier ja etwas, das gerade in diesem Moment passiert.

Die wenigen Haare waren auf den Kopf geklatscht.
Das liest sich, als hätte ihm jemand die Haare aus einer gewissen Entfernung auf den Kopf geklatscht ...

„Ja, ich fahr‘ auch dort hin.
dorthin (?)

Am Parkplatz hatte ich die freie Auswahl.
"die" könntest du streichen

Sobald die Räder das erste Mal zum Stillstand gekommen waren, riss Gustav die Tür auf und eilte davon.
Warum "das erste Mal"? Vorschlag:
"Sobald die Räder stillstanden, riss Gustav die Tür auf und eilte davon."

Wie immer um diese Zeit war das Licht nur an der Theke an. Ich nickte Eddy am Zapfhahn zu. Aus den Lautsprechern drang leise I Love Rock 'n Roll von Joan Jett.
Hier der eingangs erwähnte Szenenwechsel, ohne einen Absatz. In dem Satz vorher saßen sie noch im Auto.

Er unterhielt sich mit einem Mann mit langen braunen Haaren.
Komma nach "langen"

Die beiden lachten. Ich nippte von meiner Cola.
Woher hat sie die Cola?

„Alle drei liegen also am Boden …“ Ich betrachtete sein Glas und entdeckte ein bisschen Schaum, das langsam auf der Glasinnenseite nach unten lief.
„… Gustav hat sich gewehrt, geschlagen und um sich getreten wie verrückt …“
Plötzlich hatte ich den Geschmack von Bier, diesen kühlen, herben Geschmack, auf meiner Zunge und schluckte.
„… Hocker sind geflogen, Gläser runtergefallen. Das war ein Durcheinander, so etwas hab‘ ich hier nie wieder erlebt …“ Ich bemühte mich, Walter anzusehen.
„… Irgendwann ist dann ein Stehtisch, so ein hoher mit nur einem Bein, umgekippt und Gustav direkt raufgekracht.
Hier verwendest du häufig "...", finde ich in dieser Vielzahl nicht notwendig.

Irgendwann ist dann ein Stehtisch, so ein hoher mit nur einem Bein, umgekippt und Gustav direkt raufgekracht.
Das hört sich eher an, als wäre Gustav auf den Tisch gekracht, aber es soll ja umgekehrt sein.

Er kurbelte am Lenkrad, er setzte vor und wieder zurück, er wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Das zweite und dritte "er" würde ich streichen.

Viele Grüße!
Rob
 
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11.11.2019
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Hi @Rob F

ich habe ja auch schon frühere Texte von dir gelesen und finde, du bist beim Schreiben auf jeden Fall deutlich vorangekommen!
Danke! Die kritische Auseinandersetzung mit meinen und den Texten von anderen hier auf dieser Seite hat da sicher einen entscheidenden Anteil daran.

Im ersten Moment wollte ich weiterfahren, doch dann tat er mir leid: Es war kalt. ...
Hier würde ich keinen Doppelpunkt setzen.
Hab ich ersetzt.


Walterbalter schrieb:

Im ersten Moment wollte ich weiterfahren, doch dann tat er mir leid: Es war kalt. ...
Hier würde ich keinen Doppelpunkt setzen.
Der Wind warf den Regen in zornigen Böen gegen meine Scheibe.
"in zornigen Böen" würde ich streichen, das Wort "warf" macht es m.E. schon deutlich genug.
ersetzt und gestrichen.

Als er neben der Beifahrertür angelangt war, ließ ich das Fenster hinunter: „Willst du mit, Gustav?“
Ich würde "ankam" schreiben, du benennst hier ja etwas, das gerade in diesem Moment passiert.
Da bin ich mir nicht sicher. Ich möchte da ein zeitliche Struktur reinbringen. Deshalb hab ich die Vorvergangenheit verwendet. Ist zwar ein bisschen klobig, aber ich hab es dann in "angekommen war" geändert.

Die wenigen Haare waren auf den Kopf geklatscht.
Das liest sich, als hätte ihm jemand die Haare aus einer gewissen Entfernung auf den Kopf geklatscht ...
Bei der Formulierung hab ich auch länger überlegt. Ich hab's geändert.

„Ja, ich fahr‘ auch dort hin.
dorthin (?)

Am Parkplatz hatte ich die freie Auswahl.
"die" könntest du streichen
geändert und gestrichen.

Sobald die Räder das erste Mal zum Stillstand gekommen waren, riss Gustav die Tür auf und eilte davon.
Warum "das erste Mal"? Vorschlag:
"Sobald die Räder stillstanden, riss Gustav die Tür auf und eilte davon."
Hab "das erste Mal" gestrichen.

Wie immer um diese Zeit war das Licht nur an der Theke an. Ich nickte Eddy am Zapfhahn zu. Aus den Lautsprechern drang leise I Love Rock 'n Roll von Joan Jett.
Hier der eingangs erwähnte Szenenwechsel, ohne einen Absatz. In dem Satz vorher saßen sie noch im Auto.
Danke für den Hinweis. Da ist ein Absatz "rausgerutscht". Jetzt sollte es klar sein.

Er unterhielt sich mit einem Mann mit langen braunen Haaren.
Komma nach "langen"
hab ich geändert.

Die beiden lachten. Ich nippte von meiner Cola.
Woher hat sie die Cola?
Der Kellner hat ihm das Cola gebracht, während Walter und Klaus weiter ("nach einer Weile") über die Rasenmähtraktoren diskutiert haben. Ich weiß, das ist vielleicht ein bisschen knapp. Aber Eddy ist ein flotter Kellner ;-)

Irgendwann ist dann ein Stehtisch, so ein hoher mit nur einem Bein, umgekippt und Gustav direkt raufgekracht.
Das hört sich eher an, als wäre Gustav auf den Tisch gekracht, aber es soll ja umgekehrt sein.
Ja, da hast du recht. Ist nicht eindeutig. Hab's geändert in "und auf Gustav raufgekracht".

Er kurbelte am Lenkrad, er setzte vor und wieder zurück, er wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Das zweite und dritte "er" würde ich streichen.
Damit wollte ich Klaus' Mühe beim Mähen verdeutlichen. Ich weiß, es ist "ungewöhnlich". Aber mir gefällt es irgendwie.

„Alle drei liegen also am Boden …“ Ich betrachtete sein Glas und entdeckte ein bisschen Schaum, das langsam auf der Glasinnenseite nach unten lief.
„… Gustav hat sich gewehrt, geschlagen und um sich getreten wie verrückt …“
Plötzlich hatte ich den Geschmack von Bier, diesen kühlen, herben Geschmack, auf meiner Zunge und schluckte.
„… Hocker sind geflogen, Gläser runtergefallen. Das war ein Durcheinander, so etwas hab‘ ich hier nie wieder erlebt …“ Ich bemühte mich, Walter anzusehen.
„… Irgendwann ist dann ein Stehtisch, so ein hoher mit nur einem Bein, umgekippt und Gustav direkt raufgekracht.
Hier verwendest du häufig "...", finde ich in dieser Vielzahl nicht notwendig.
Guter Hinweis. Damit wollte ich die Gleichzeitigkeit von seinen Gedanken und Walters Aussagen aufzeigen. Zwischen den verschiedenen Aussagen Walters liegt zeitlich nichts dazwischen. Wollte aber die Gedanken des Prota einflechten. Ich weiß, es schaut nicht besonders aus und stört hoffentlich nicht allzu sehr beim Lesen. Ich weiß aber nicht, wie man es sonst machen könnte ...

Vielen Dank für Deine Zeit, die Mühe und die netten Worte!

Servus,
Walterbalter
 
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28.12.2020
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Hallo @Walterbalter,

Gute Geschichte! Es liest sich sehr angenehm und flüssig. Ich bin eingetaucht und habe die Geschichte auf einmal fertig gelesen.
Was ich super finde ist, dass du ohne seinen Alkoholsucht oder Entzug direkt zu erwähnen, dies trotzdem sehr überzeugend und authentisch beschreibst.
Ich kann mir sofort die Atmosphäre in Bar vorstellen, und die Mühe vom Prota die Verlockung zu widerstehen.

Ja, das "..." ist ein bisschen zu viel, obwohl ich verstehe was du damit beabsichtigen willst.
Aber ich glaube, du brauchst sie nicht. Durch deine Zwischensätze ist es mir als Leserin schon klar, dass dies alles gleichzeitig passiert.

Herzliche Grüße,
Schwerhörig
 
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11.11.2019
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Liebe @Schwerhörig

vielen Dank für Deine netten Worte! Es freut mich sehr, dass dir meine Geschichte gefallen hat!

Die Auslassungspunkte habe ich reduziert. Ich schau es mir später noch einmal in Ruhe an, ob ich sie nicht ganz wegnehme.

Vielen Dank und Servus,
Walterbalter
 
Monster-WG
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02.05.2020
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Hallo @Walterbalter ,

was mir an deiner Geschichte sehr gut gefällt, ist, dass du im Prinzip zwei Geschichten verschachtelt hast. Das halte ich für sehr schwer, ist dir allerdings mMn extrem gut gelungen.
Ich habe in einem lesedurchgang das Gespräch über Gustav übersprungen und damit ist der Fokus mehr auf die innenperspektive deines Protas gewandert. Sehr intensiv, für mich wirklich beeindruckend gelöst!

Liebe Grüße,
Feurig
 

CoK

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24.08.2020
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Hallo @Walterbalter

Wenn ich deine Geschichte richtig interpretiere, fährt ein zufriedener Abstinenzler in seine frühere Bar. Um diese alte Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Er sieht in Gustav wie tief man sinken kann, wenn der Absprung nicht geschafft wird.

ich habe deine Geschichte gern gelesen und möchte dir ein paar Gedanken da lassen vielleicht kannst du ja was davon brauchen.


Da ist ihm hier herinnen ein Stehtisch
Verdoppelung. Ich würde eins davon weglassen.
„Jedenfalls, nach dem Langen ist dann der Dicke gekommen
Würde ich auch weglassen du benutzt es sehr oft. (Finde es auch überflüssig)
Ich betrachtete zuerst die beiden an, dann folgte ich ihren Blicken.
warum an?

Er kurbelte am Lenkrad, er setzte vor und wieder zurück, er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Nach getaner Arbeit stellte er den Motor ab und Walter reichte ihm ein Bier über den Zaun. „Toll, wie du das gemacht hast, du wilder Hund!“, sagte er und die beiden fuhren mit den Flaschen zusammen.
Zuviel „er."


Ich wünsche einen schönen Abend

Liebe Grüße
CoK
 
Mitglied
Beitritt
11.11.2019
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57
Hallo @feurig

dass du im Prinzip zwei Geschichten verschachtelt hast.
Ja, das hab ich versucht. Ich wollte in die Geschichte von einem Wirtshausbesuch, bei dem über Gustav geredet wird, auch die persönliche Perspektive des Prota hineinbringen.
Im Endeffekt ging's mir auch um die Frage, was fängt man mit seinem Leben an. Und da ist ja vieles möglich und legitim. Das wollte ich gar nicht zu sehr bewerten.

Danke für Deine Zeit und die nette Rückmeldung!
Servus,
Walterbalter
 
Mitglied
Beitritt
11.11.2019
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57
Hallo @CoK

Wenn ich deine Geschichte richtig interpretiere, fährt ein zufriedener Abstinenzler in seine frühere Bar. Um diese alte Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Er sieht in Gustav wie tief man sinken kann, wenn der Absprung nicht geschafft wird.
Deine Interpretation ist vollkommen zutreffend:)

Da ist ihm hier herinnen ein Stehtisch
Verdoppelung. Ich würde eins davon weglassen.
stimmt, geändert.

„Jedenfalls, nach dem Langen ist dann der Dicke gekommen
Würde ich auch weglassen du benutzt es sehr oft. (Finde es auch überflüssig)
Er erzählt da gerade und in der direkten Rede muss nicht immer alles so "geschliffen" sein. Aber ich stimme zu, schön ist es nicht. Hab's gestrichen.

Ich betrachtete zuerst die beiden an, dann folgte ich ihren Blicken.
warum an?
Gehört natürlich weg ....

Er kurbelte am Lenkrad, er setzte vor und wieder zurück, er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Nach getaner Arbeit stellte er den Motor ab und Walter reichte ihm ein Bier über den Zaun. „Toll, wie du das gemacht hast, du wilder Hund!“, sagte er und die beiden fuhren mit den Flaschen zusammen.
Zuviel „er."
wurde "ausgedünnt"

Konnte mit Deinen "Gedanken" sehr viel anfangen.
Vielen Dank für Deine Mühe und das genaue Auge!

Servus,
Walterbalter
 
Beitritt
23.11.2016
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531
Hallo @Walterbalter,

jetzt komme ich doch mal auf einen Gegenbesuch vorbei.

Ich glaube, bei Deinem Text gäbe es noch eine Menge Verbesserungspotenzial, aber ich versuche mich, auf ein paar wenige Punkte zu beschränken.

Vom Plot her ist mir das ein wenig zu brav, aber das ist natürlich alles Geschmackssache. Die Geschichte hat ja in dem Sinne keine echte Aussage und es bleibt vieles im Vagen. Es gibt in dem Sinne auch keinen echten Konflikt und daher auch keine großartige Charakterentwicklung.

Letztlich sind das zwei kleine Szenen, die aber in keinem wirklichen Zusammenhang stehen.

Ich fragte mich die ganze Geschichte, was möchte mir der Autor hier eigentlich erzählen? Welcher Sinn steckt in dem Text? Da gibt es Andeutung, Kneipenleben, Alkoholismus schimmert durch, aber es wird nie konkret, nie greifbar, was eigentlich das Thema ist, was die Figuren umtreibt, etc.

Da ist also noch Luft nach oben.

Sprachlich habe ich auch ein paar Punkte, auf die ich im Folgenden kurz eingehe:

Ich sah ihn auf halbem Weg in die Stadt im Scheinwerferlicht meines Wagens.

Ich finde das "ihn" extrem ungeschickt. Du schreibst in der Ich-Perspektive und da denkt man doch bei Personen, die man kennt, an den Namen und nicht an das unpersönliche "ihn".

Also ich würde hier gleich Gustav schreiben.

Dann kannst Du auch im Dialog auf den Namen verzichten. Man spricht sich selten mit Namen an. Das klingt für mich oft nach Autor.

Im ersten Moment wollte ich weiterfahren, doch dann tat er mir leid.

Hier wird nicht ganz klar, dass der Protagonist schon vorbeigefahren ist. Gedanklich war ich auf dem Weg zu Gustav hin.

Der Regen hatte ihm die wenigen Haare auf den Kopf geklatscht.

Das finde ich merkwürdig, dass der Regen die Haare auf den Kopf klatscht. Das passt nicht. Die wenigen Haar klebten vielleicht am Kopf.

Es tropfte ihm von der Nase.

Das "ihm" könntest du streichen, denke ich. Ich versuche immer mit möglichst wenig Personalpronomen auszukommen. Das erhöht die Lesbarkeit.

„Ja, ich fahr‘ auch dorthin. Komm, setz' dich rein!“, sagte ich und stieß die Beifahrertür auf.

Die Dialoge finde ich insgesamt sehr unnatürlich. Aber mir fällt auf, dass Du oftmals eine Dopplung der Aussage im Text hast. Bei Dialogen transportiert man Information - direkt oder indirekt - und ich finde es immer ungünstig, wenn man dann dieselbe Information nochmals anders ausdrückt, bspw. durch eine Geste.

Hier schreibst Du: "Komm, setz Dich rein!" und dann noch die Geste: "stieß die Beifahrertür auf".

Ich würde also eins von beiden streichen, vorzugsweise den zweiten Dialogsatz, das würde auch das schwierige, wortkarge Verhältnis der beiden unterstreichen.

Wie immer um diese Zeit war das Licht nur an der Theke an. Ich nickte Eddy am Zapfhahn zu. Aus den Lautsprechern drang leise I Love Rock 'n Roll von Joan Jett.

Ich finde dieses Referenzieren auf Lieder immer schwierig, weil ich meistens nur die Lieder, aber nicht die Namen dahinter kenne. Aber abgesehen davon empfinde ich dieses wahllose Nennen von Songs, ohne eine darunterliegende Information zu transportieren, einfach als unnötige Information. Das ist etwas anderes, wenn so ein Song, z. B. Emotionen beim Protagonisten auslöst oder der Protagonist beschreibt, was ihm daran gefällt oder was auch immer. Aber so ist das für mich völlig nichtssagend und schafft auch keine Atmosphäre.

Ich glaube auch, dass diese Wahrnehmung falsch ist. Das Lied ist leise, der Protagonist kommt in die Bar, hat seine Frau im Ohr wegen der Alkohoproblematik und dann achtet er auf den Song? Das kaufe ich nicht ab.

Er unterhielt sich mit einem Mann mit langen, braunen Haaren. Ich kannte ihn kaum, wusste aber, dass er Klaus hieß.

Hier wieder so eine Verdrehung. Er denkt erst an das Aussehen und dann denkt er: ich weißt, dass der Klaus heißt?

„Hast du den alten Gustav mitgenommen?“, fragte er dann.

Woher weiß er das, warum vermutet er das, wozu ist das wichtig? Das erschließt sich für mich gar nicht.

Plötzlich hatte ich den Geschmack von Bier, diesen kühlen, herben Geschmack, auf meiner Zunge und schluckte.

Hier wieder so einen Dopplung - Bier und dann beschreiben. Ich verstehe schon, was Du damit bezweckst, aber ich würde das anders angehen, subtiler und nicht so gedoppelt und ich würde die Sucht stärker durchschimmern lassen.

Zum Beispiel:

Plötzlich hatte ich den diesen kühlen, herben Geschmack auf meiner Zunge, fühlte förmlich, wie Bier meinen Rachen hinunterlief, fühlte wie meine Hand immer wieder zum Glas ging und ich es leerte. Immer wieder.

Ich finde dieser Suchtcharakter kommt in dem kleinen Satz von Dir nicht wirklich zum Ausdruck.

Soviel erst einmal von mir.

Hoffentlich kannst Du damit etwas anfangen.

Schönen Sonntag noch und Gruß
Geschichtenwerker
 
Veteran
Senior
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19.02.2006
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3.653
Hallo Walterbalter,

ich habe deine Geschichte jetzt das zweite Mal gelesen. Es ist ein wichtiges Thema und angenehm unaufgeregt geschrieben. Das gefällt mir. Es gibt hier kein großes Drama, kein Crash, keine Zuspitzung. Das lässt mich etwas unbefriedigt zurück. Das ist mir insgesamt dann doch zu zahm. Vielleicht auch, weil mir dein Protagonist zu blass bleibt, beliebig wirkt.
Insgesamt würde es dem Text stehen, ihn mehr zu straffen. An einigen Stellen ist es mir zu langatmig.

Ich hab einfach mal im ersten Teil etwas gewildert und Scheib dir meine Gedanken dazu auf:
Ich sah ihn auf halbem Weg in die Stadt im Scheinwerferlicht meines Wagens.
Für einen ersten Satz ist mir das zu lahm. Lass dir den Satz mal auf der Zunge zergehen. auf in im meines. Das könnte knackiger sein. Aus dem Satz müssten zwei werden. Generell vielleicht umstellen und einen machen, der gleich die Atmosphäre einfängt.
Zudem, warum bleibt Gustav so lange namenlos?
Im Spiegel sah ich ihn heranhumpeln. Als er neben der Beifahrertür angekommen war, ließ ich das Fenster hinunter: „Willst du mit, Gustav?“
Bis hierhin könnt Gustav auch ein Hund sein.
Einfach mal angucken, wie es gestraffter aussieht
Sofort stieg mir ein modderiger Geruch in die Nase. Ich wusste, dass er etwa zwei Kilometer von hier in einem aufgelassenen Kühllager hauste.
moddriger Geruch? Hm.
Ja, ich fahr‘ auch dorthin. Komm, setz' dich rein!“, sagte ich und stieß die Beifahrertür auf
die ' kannst du weglassen, wenn du das schwache e killst. Sieht einfach nicht aus
Und auch überlegen, ob du das mit den Begleitsätzen in dieser Länge lässt.
"Komm, setz dich rein!" Ich stieß die Beifahrertür auf.
Er lag da wie ein dunkles Loch. Ich sah, wie der Wind die Haselnuss-Sträucher am Straßenrand bog.
Das ist die Atmosphäre, die es gleich zu beginn braucht. Der See - ein Loch, Wind, die Sträucher biegen. Da willst du doch hin
Dann kam mir Erika in den Sinn.
Krücke. Das erzählst du dem Leser. Ich habe auch so eine Krücke in meiner Geschichte, bin einfach auf nichts besseres gekommen. Ist aber ein lahmer Trick
Am Parkplatz hatte ich freie Auswahl. Sobald die Räder zum Stillstand gekommen waren, riss Gustav die Tür auf und eilte davon.
Schon klar, was du ausdrücken willst. Aber da würde ich ein richtiges Bild draus machen. Da ist niemand, Leere.
und fragte mich, was Erika dazu sagen wird.
sehr gut. Das ist so eine Andeutung, die etwas aufmacht. Denke aber, davon sollte mehr in den Text, weil es deinen Prot charakterisieren kann
Aus den Lautsprechern drang leise I Love Rock 'n Roll von Joan Jett.
Ja, kann man machen, ich finde das immer umelegant, wenn es bei dieser einen Nennung bleibt. Ansonsten nennst du ja keine Marken oder ähnliches.
war das Licht nur an der Theke an.
Genauer. an der Theke? Wo denn? Also Theke, das ist das Schlagwort und das Licht, ja, das kann die Theke auch ins rechte Licht rücken.

Ich nickte Eddy am Zapfhahn zu.
Sehr gut. Das ist ein Bild, sie kennen sich
Etwas weiter vorne sah ich Walter an der Bar sitzen.
same
Ich hob die Schultern: „Ich weiß nicht. Ich kenne die Geschichte nur von Erzählungen.“
Auch gut, zeigt, dass er sich nicht einsaugen lassen will, Distanz sucht
Ich betrachtete sein Glas und entdeckte ein bisschen Schaum, das langsam auf der Glasinnenseite nach unten lief.
Eigentlich stark, auch die nächsten kleinen Beobachtungen, denn sie machen ja die Erprobung deutlich. Aber das ist mir zu aufgesetzt. entdeckte. Hm. Gleich nach betrachtete. Nee. Unmittelbarer. Schaum lief ...
Plötzlich hatte ich den Geschmack von Bier, diesen kühlen, herben Geschmack, auf meiner Zunge und schluckte.
Auch hier, wichtig, aber lass das Wort Bier raus.

Wie gesagt ein wichtiges Thema und auch angenehm zu lesen, aber mir insgesamt zu weich und dein Prot bleibt mir zu blass.
Weiß nicht, ob du was mit meinen Anmerkungen anfangen kannst, nimm, mit was du mitgehen kannst. Ich bin mir sicher, der Text wird auch in der jetzigen Form viele Freunde finden (habe die Koms nicht gelesen).

grüßlichst
weltenläufer
 
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Hi @Geschichtenwerker

jetzt komme ich doch mal auf einen Gegenbesuch vorbei.
Sehr gut! Freue mich!
Vom Plot her ist mir das ein wenig zu brav, aber das ist natürlich alles Geschmackssache. Die Geschichte hat ja in dem Sinne keine echte Aussage und es bleibt vieles im Vagen. Es gibt in dem Sinne auch keinen echten Konflikt und daher auch keine großartige Charakterentwicklung.
Ja, viele bleibt im Vagen. Natürlich habe ich meine Meinung zu dem Thema und ich habe versucht, diese andeutungsweise über die Handlung zu deponieren. Aus meiner Sicht gibt's bei dieser Frage aber auch kein Richtig oder Falsch. Deshalb hab ich die Geschichte auch nicht in eine Richtung hin aufgebaut. Es ist eine Frage, die mich beschäftigt. Aber ich glaube, jeder muss das selbst für sich entscheiden.

Ich sah ihn auf halbem Weg in die Stadt im Scheinwerferlicht meines Wagens.
Ich finde das "ihn" extrem ungeschickt. Du schreibst in der Ich-Perspektive und da denkt man doch bei Personen, die man kennt, an den Namen und nicht an das unpersönliche "ihn".

Also ich würde hier gleich Gustav schreiben.
Seinen Namen gleich am Anfang nennen.? Ja, warum eigentlich nicht? Ich hab's geändert.

Dann kannst Du auch im Dialog auf den Namen verzichten. Man spricht sich selten mit Namen an. Das klingt für mich oft nach Autor.
Okay, Name wurde gestrichen. Gefällt mir jetzt insgesamt besser - im Zusammenhang mit der Nennung von Gustav gleich am Anfang.

Im ersten Moment wollte ich weiterfahren, doch dann tat er mir leid.
Hier wird nicht ganz klar, dass der Protagonist schon vorbeigefahren ist. Gedanklich war ich auf dem Weg zu Gustav hin.
Ich weiß, was Du meinst. Richtig klar wird das halt erst mit den folgenden Sätzen. Da muss ich noch drüber grübeln.

Der Regen hatte ihm die wenigen Haare auf den Kopf geklatscht.
Das finde ich merkwürdig, dass der Regen die Haare auf den Kopf klatscht. Das passt nicht. Die wenigen Haar klebten vielleicht am Kopf.

Es tropfte ihm von der Nase.
Das "ihm" könntest du streichen, denke ich. Ich versuche immer mit möglichst wenig Personalpronomen auszukommen. Das erhöht die Lesbarkeit.
Geklatscht: Schreiben kann man es schon. Aber so recht gefallen hat es mir eigentlich nicht. Hab die beiden Sätze geändert: Dass ihm die Haare am Kopf kleben, gefällt mir in der Tat besser. Danke! Den zweiten Satz habe ich ebenfalls angepasst und ihn gestrichen. Liest sich jetzt besser!

„Ja, ich fahr‘ auch dorthin. Komm, setz' dich rein!“, sagte ich und stieß die Beifahrertür auf.
Die Dialoge finde ich insgesamt sehr unnatürlich. Aber mir fällt auf, dass Du oftmals eine Dopplung der Aussage im Text hast. Bei Dialogen transportiert man Information - direkt oder indirekt - und ich finde es immer ungünstig, wenn man dann dieselbe Information nochmals anders ausdrückt, bspw. durch eine Geste.

Hier schreibst Du: "Komm, setz Dich rein!" und dann noch die Geste: "stieß die Beifahrertür auf".

Ich würde also eins von beiden streichen, vorzugsweise den zweiten Dialogsatz, das würde auch das schwierige, wortkarge Verhältnis der beiden unterstreichen.
Den Hinweis mit der Dopplung finde ich interessant. Hatte ich gar nicht so am Schirm. Muss in Zukunft stärker darauf achten.
Gesten, wie in diesem Fall, machen, aus meiner Sicht, die Szene insgesamt lebendiger. Könnte aber auch sein, dass ich das falsch sehe?
Ich hab's zumindest etwas gestrafft.

Wie immer um diese Zeit war das Licht nur an der Theke an. Ich nickte Eddy am Zapfhahn zu. Aus den Lautsprechern drang leise I Love Rock 'n Roll von Joan Jett.
Ich finde dieses Referenzieren auf Lieder immer schwierig, weil ich meistens nur die Lieder, aber nicht die Namen dahinter kenne. Aber abgesehen davon empfinde ich dieses wahllose Nennen von Songs, ohne eine darunterliegende Information zu transportieren, einfach als unnötige Information. Das ist etwas anderes, wenn so ein Song, z. B. Emotionen beim Protagonisten auslöst oder der Protagonist beschreibt, was ihm daran gefällt oder was auch immer. Aber so ist das für mich völlig nichtssagend und schafft auch keine Atmosphäre.
Ursprünglich hatte ich ein anderes Lied. Bei dem war es tatsächlich so, dass ich damit nichts weiter bezwecken wollte, als - sagen wir mal - eine atmosphärische Note (Hintergrundmusik). I Love Rock'n'Roll gefällt mir nun deshalb besser, weil es für mich Feiern, Trinken, Tanzen ausdrückt und damit ganz gut zu der Geschichte passt.

Er unterhielt sich mit einem Mann mit langen, braunen Haaren. Ich kannte ihn kaum, wusste aber, dass er Klaus hieß.
Hier wieder so eine Verdrehung. Er denkt erst an das Aussehen und dann denkt er: ich weißt, dass der Klaus heißt?
Die Frage mit der Wahrnehmung und der Reihenfolgen. Ich hab es mir mal durch den Kopf gehen lassen und es geändert.

„Hast du den alten Gustav mitgenommen?“, fragte er dann.
Woher weiß er das, warum vermutet er das, wozu ist das wichtig? Das erschließt sich für mich gar nicht.
Wichtig ist es wohl nicht. Es ist ein Einstieg ins Gespräch, das ich dann wiedergebe. Beim Schreiben hatte ich im Kopf, dass der Prota Gustav früher schon ein paar Mal mitgenommen hat. Sie haben ja denselben Weg. Aber wichtig ist es für die Geschichte nicht. Deshalb bin ich auch nicht mehr näher darauf eingegangen.
Plötzlich hatte ich den Geschmack von Bier, diesen kühlen, herben Geschmack, auf meiner Zunge und schluckte.
Hier wieder so einen Dopplung - Bier und dann beschreiben. Ich verstehe schon, was Du damit bezweckst, aber ich würde das anders angehen, subtiler und nicht so gedoppelt und ich würde die Sucht stärker durchschimmern lassen.
Verstehe, was Du meinst, Geschmack, und normalerweise versuche ich solche Wortwiederholungen um jeden Preis zu vermeiden. In diesem Fall erscheint es mir aber passend, weil dadurch seine Sucht ausgedrückt wird. Ein bisschen subtiler geht es aber vielleicht doch. Ich hab die Szene leicht angepasst.

Hoffentlich kannst Du damit etwas anfangen.
Konnte ich! Bekam sogar ein paar sehr gute Hinweise von Dir!

Vielen Dank!

Servus,
Walterbalter

Hallo @weltenläufer

wollte mich mal kurz für Deinen Besuch bedanken!

Crash oder großes Drama werde ich aus meiner Geschichte, befürchte ich, nicht mehr machen:). Fand Deine Anmerkungen aber trotzdem sehr wertvoll. Über einige (wie zB. zum ersten Satz, wie ich den Prot charakterisieren könnte, wo es bildhafter gehen kann, ...) werde ich noch ein bisschen brüten müssen.

Schneller gings bei ...

Im Spiegel sah ich ihn heranhumpeln. Als er neben der Beifahrertür angekommen war, ließ ich das Fenster hinunter: „Willst du mit, Gustav?“
Bis hierhin könnt Gustav auch ein Hund sein.
Einfach mal angucken, wie es gestraffter aussieht
Hab Gustav gleich im ersten Satz genannt. Den obigen Satz hab ich gekürzt.

Ja, ich fahr‘ auch dorthin. Komm, setz' dich rein!“, sagte ich und stieß die Beifahrertür auf
die ' kannst du weglassen, wenn du das schwache e killst. Sieht einfach nicht aus
Und auch überlegen, ob du das mit den Begleitsätzen in dieser Länge lässt.
"Komm, setz dich rein!" Ich stieß die Beifahrertür auf.
Danke für die Hinweise! Den Begleitsatz brauche es wirklich nicht.

Aus den Lautsprechern drang leise I Love Rock 'n Roll von Joan Jett.
Ja, kann man machen, ich finde das immer umelegant, wenn es bei dieser einen Nennung bleibt. Ansonsten nennst du ja keine Marken oder ähnliches.
Das "leise" hatte ich in einer Vorversion meines Textes schon mal draußen. Dann wieder reingenommen. Jetzt kommt es endgültig raus.
Ob ich den Liedtitel lasse oder nicht, weiß ich noch nicht. Vielleicht sollte ich die gesamte Szene, wenn er das Lokal betritt, noch mal überdenken. Muss ich überlegen.

Ich betrachtete sein Glas und entdeckte ein bisschen Schaum, das langsam auf der Glasinnenseite nach unten lief.
Eigentlich stark, auch die nächsten kleinen Beobachtungen, denn sie machen ja die Erprobung deutlich. Aber das ist mir zu aufgesetzt. entdeckte. Hm. Gleich nach betrachtete. Nee. Unmittelbarer. Schaum lief
Danke für den Hinweis! Hab lang mit der Szene gerungen. Wollt aber nicht so richtig was werden. So gefällt es mir besser, ist unmittelbarer:)

Plötzlich hatte ich den Geschmack von Bier, diesen kühlen, herben Geschmack, auf meiner Zunge und schluckte.
Auch hier, wichtig, aber lass das Wort Bier raus.
Stimmt! Das Bier braucht es da nicht.

Konnte mit Deinen Anmerkungen sehr viel anfangen, wie Du siehst. Vielen Dank dafür! Über ein paar Sachen muss ich noch nachdenken. Da hast Du mir aber auch schon mal sehr gute Hinweise geliefert!

Schönen Abend und Servus,
Walterbalter
 

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