Die Geisterstadt
Und doch war die Piste da, so wie Luis sie auf seiner Straßenkarte eingezeichnet hatte. Frank musterte nochmals die abfotographierte Skizze. Der Weg verlief erst Richtung Osten, machte dann einen Schwenk nach Norden und mündete in einem Halbbogen bei Arica wieder in die Panamericana. Etwa in seiner Mitte prangte wie auf einer Schatzkarte ein dickes Kreuz: Die Geisterstadt.
Auch Kilometerangaben waren da, wobei die erste zwischen der Pasada „La isla“ und der Abzweigung fast auf den Meter genau stimmte. So eine Genauigkeit hatte Frank von Luis nicht erwartet. Er hatte ihn in La Serena kennengelernt, einer Stadt am Rande der Wüste, die mit ihren breiten Straßen, bunten Kolonialgebäuden und vielen Touristen wie ein Feriendorf wirkte.
Es war Frank schwergefallen sie zu verlassen. Aber er musste weiter. Schließlich hatte er seinen Freunden und immer zahlreicher werdenden Followern versprochen, das Herz der Atacama, wo es nicht mal Kakteen gab, zu durchqueren und dabei eine von den „Touris“ noch unentdeckte Geisterstadt zu finden.
„Wie geisteskrank ist das denn, Freunde?“, hatte Frank in seinem damals geposteten Video gefragt.
Natürlich hatte er auch von Luis erzählt; den er gleich bei der Ankunft auf dem Parkplatz einer riesigen Shopping Mall getroffen hatte. Sie begrüßten sich, fragten nach woher und wohin und vom ersten Augenblick an, kam Frank dieser Freak mit dem grimmigem Gesicht eines Indianerkriegers und langen, von der Sonne gebleichten Filzhaaren strange vor.
Trotzdem oder gerade deswegen schlug Frank vor, gemeinsam eine Tasse Kaffee zu trinken.
Aber Luis erklärte, dass er die Stadt so schnell wie möglich hinter sich lassen wolle. Frank zuckte die Achseln. Normalerweise verliefen die Begegnungen zwischen Radnomaden anderes: Jeder war froh einen ähnlich Verrückten zu treffen, Fragen zu stellen, Erlebnisse auszutauschen. Kurz, die Einsamkeit mal hinter sich zu lassen.
Normalerweise, aber der hier... Frank überprüfte nochmals die Steckverschlüsse seiner Taschen. „Well“, brummte Luis auf einmal vor sich hin, „I think, my desert can wait a little longer.“
„Your desert?“,fragte Frank und auf dem grimmigen Gesicht zuckte ein Lächeln.
Luis kam aus Frankreich und war vor zwei Jahren in Alaska losgefahren. Nun wollte er zu den patagonischen Fjorden, um sich dort von den Maschinenmenschen zu verstecken.
Diese Entscheidung habe er nach der Begegnung mit seinem „Petit Prince in der Atacama getroffen, erzählte Luis mit ernster Miene.
Der trägt ganz schön dick auf, dachte Frank während Luis´ Erzählung sich in einen schwärmerischen Lobgesang auf die Wüste verwandelte. Die französischen und englischen Wörter vermischten sich dabei zu einemseltsamen Kauderwelsch: Von grande experience war da die Rede, von incroyable feeling to get lost.
“I do,” bestätigte Frank nach kurzem Überlegen.
Da grinste Luis ihn schief an. “Man, that´s crap,, , sagte er und griff in seine Hosentasche.
“Look, I got something for you!“
„This is the way“, verkündigte Luis, „to get really lost!“, er faltete die Karte auseinander,
„There is a Ghosttown! In the middle of nowhere! You have to go there! I mean, if you …“, hier zog er die Karte zurück und sah Frank streng an, „ … are a real one? Are you?“
„Of course“, gab Frank zurück. Schließlich lagen tausende Kilometer in seinen Knochen, die legendäre Carretera Austral hatte er gemeistert. Wie kommt dieser Typ dazu zu denken, er sei kein real one?
Luis musterte ihn weiter. Seine Stechaugen schienen Frank durchbohren zu wollen. Soll ich etwa „cross my heart“ sagen, oder was? Zeig es oder lass es bleiben Häuptling, dachte Frank und runzelte die Stirn. Doch da hielt Luis ihm die Karte wieder hin. Frank fischte sein Smartphone raus und machte machte ein paar Fotos.
„Be careful,“ brummte Luis, „it´s spooky there,“ und steckte die Straßenkarte wieder ein.
„It´s okay. Can I get your nummber?“
„No.“ Luis stand auf, legte ein paar Pesos auf den Tisch und ging zu seinem Fahrrad. Verblüfft starrte Frank ihm hinterher. Der haut doch nicht etwa ab, dachte er noch. Aber genau das tat Luis. Er schwang sich auf sein Rad und verschwand im Straßengewühl.
„Es war echt strange Freunde“, erzählte Frank im Video weiter, „und das krasseste ist, dass diese Stadt laut Google gar nicht existiert. Jedenfalls konnte ich nichts finden und der Typ? Der war einfach weg! Das ist ja, wie der Anfang so einer Horrorserie! „The Tourist“ oder so was. Aber vielleicht ist der Typ einfach nur zu lange in der Wüste gewesen? Who knows? But hey, wir finden es raus, Freunde! Wir zusammen! Also, let´s go!“
Nun stand Frank da und prüfte den Zustand der Piste. In brettharten Spurrillen ließ es sich, mit der nötigen Aufmerksamkeit gegenüber einzelnen Stelle nmit losem Schotter und größeren Steinen gut fahren. Wenn es auf den restlichen zweihundertfünfundzwanzig Kilometern so bliebe wäre es eine Sache von drei, vier Tagen, überlegte Frank und ging im Kopf nochmal die Proviantliste durch: Zwei Kilo Müsli, ein halbes Kilo Erdnussbutter, einige Tütchen Milchpulver und Kaffee, sowie Kekse aus dem Supermarkt und, für den Notfall, eine NRG 5 Ration, die er für einen unverschämt hohen Preis in Santiago de Chile entstanden hatte. Auch die Benzinflasche seines Multi Fuel Kochers und der zehn Liter Wassersack, sowie die Trinkflasche waren dank der Übernachtung in „La Isla“ bis zum Rand gefüllt. Es konnte also los gehen.
Frank befestigte am Selfie-Stick seine Go Pro Action Hero Kamera und drehte ein kurzes Statement ab in dem er seinen Freunde versprach „hoffentlich in vier Tagen wieder was geiles zu posten.“ Außerdem bat Frank sie, „spätestens in sechs Tagen mal Alarm zu schlagen“, denn er sei ja ab jetzt ganz ohne Empfang, „so wirklich lost“.
„Da“, Frank schwenkte die Kamera auf den kaum erkennbaren Horizont, „in dem Nichts sollte sie liegen, die Geisterstadt. Es wird hart, Freunde! Richtig geisteskrank! Warum tue ich mir so was nur an? Doch genug gelabert! Lasst uns endlich losballern! Let´s go!“
Schnitt. Frank setzte sein Siegeslächeln ab. Das Material musste noch bearbeitet und gepostet werden. Mit geübten, wenn auch verlangsamten Klicks auf seinem Notebook erledigte Frank auch das. Nun war der Moment, wo es an der Zeit war, die sichere Panamericana zu verlassen gekommen. Ein Vierzigtonner donnerte haarscharf vorbei. Frank sah ihm langenach, seufzte, schaltete sein Smartphone aus, nickte dem Bikinimodel zu und trat in die Pedale.
Die Zeit verging, die Sonne verrichtete ihr Werk und der Sigma Tacho zählte die zurückgelassenen Kilometer. Frank radelte durch eine tote Welt. Nur Spurrillen zogen sich durch Ödnis wie Narben einer fremden Macht. Keine fremde Bewegung drang zu Franks angespannten Sinnen. Hielt er an, so knisterten auch die Steinchen unter den Reifen nicht mehr und das Säuseln des Windes hörte schlagartig auf. Es wurde still.
So still, dass Frank nur seinen Atmen wahrnehmen konnte. Dieses regelmäßige Einsaugen der Luft, ein und aus, ein und aus, wie in einem Horrorfilm, wo die Kamera aus der Ich-Perspektive vom Bösen wegläuft, sich ständig umsieht, um Hilfe ruft und nichts passiert. Vorerst nichts.
Frank hielt die Pausen kurz, radelte weiter und versuchte sich zu konzentrieren. Seltsam, er hatte immer gedacht in der Einsamkeit und Stille einer Landschaft, die gar keine Abwechselung bietet, sei es leicht zu sich selbst zu kommen, schöne, erhabene Gedanken zu haben, aber genau das Gegenteil war der Fall, sein Gehirn feuerte nur in wilder Reihenfolgekurze, unzusammenhängende Tik-Tok Bilder oder stellte unsinnige Fragen wie etwa nach der Anzahl der Stufen im Treppenhaus seines Studentenheims.
Geisterstadt, das war das einzige Schlagwort mit dem Frank seinem Zickzack im Kopf eine Richtung geben konnte. Wie ist es dort?, fragte er sich, so wie in Wildwestfilmen? Breite Straße, verfallene Häuser und etwas abseits ein Friedhof mit schiefen Kreuzen?
Alles was bleibt, der Gedanke gefiel Frank, doch schon war der Faden verloren und er kehrte zur Stadt zurück: Aber was ist, wenn dort jemand ist? Jemand, der nicht gut ist? Dieser Luis? Warum war er so plötzlich weg? Warum gibt es keine Hinweise im Internet, keine Schilder? Hier, wo jeder Stein, der ein wenig anderes aussieht als Touristenziel verkauft wird? Und diese Geschichten von verschwundenen Menschen? Alles nu rausgedacht? Wenn man das hier sieht, dann könnte man das alles glauben. Die Leere hier, die macht jeden fertig! Halt, stopp! Gedankenwechseln! Was trinken!
Das Wasser schmeckte wie zu Hause, frisch und ohne Chlorgeruch. Er hatte es heute Morgen im „La Isla„ gekauft und dabei das letzte Mal versucht etwas über die Geisterstadt zu erfahren, aber die alte, dürre Frau hinter der Theke zuckte nur die Achseln und sah an ihm vorbei, als wäre er gar nicht da. Die Bewohner der Pasadas, dieser entlegenen Oasen an der Panamericana sprachen nicht viel und hatten Blicke, die so leerwaren, als hätte die Wüste ihre Seelen längst ausgetrocknet.
Frank blickte auf zum Himmel und entdeckte eine Bewegung. Ein Flugzeug zog hinter sich einen weißen Streifen durch endloses Blau. Es flog von Ost nach West. Wohl nach Australien, dachte sich Frank und wünschte, er wäre jetzt da oben, im bequemen Sessel mit einer Tasse gutem Kaffee in der Hand. Wie ein Gott würde er auf die graue Ödnis herabblicken und sich fragen, welche verlorenen Seelen da unten ihr Leben fristenmüssen.
Wer weiß, vielleicht tut es gerade einer? Frank streckte den Mittelfinger in den Himmel und es fühlte sich gut an. Immerhin waren es Menschen da oben und keine Steine. Dann lächelte er und schüttelte den Kopf. Er nahm sich fest vor, keine Pausen mehr zumachen und bis zum Abend durchzuballern.
Das rhythmische auf und ab der Beine, das Fokussieren auf ein greifbares Ziel beruhigten Franks Nerven. Die Gedanken sprangen nicht mehr wild durcheinander, sondern wanderten gemächlich durch die Erinnerungen: Bei Annablieben sie stehen. Vor einigen Monaten war es aus mit ihr.
Hübsch war sie. Hübscher als alle anderen vorher. Sie redeten lange und die Lovestory begann, erst locker, leicht, dann ...
Na ja, sie hatte so ihre Marotten, sprach dauern von schlechten Schwingungen und von positiver Energie. Soweit so harmlos, aber da gab es noch diese Verlogenheit, die Anna gar nicht kapiert hatte: Zum Beispiel stand eine Zeit lang bei ihr der Schamanismus ganz hoch im Kurs. Stundenlang redete sie über Geister der Ahnen und wie man mit denen in Kontakt treten könne. „Ruf doch mal deine Oma an“, schlug Frank einmal vor, „die Alte wird sich sicherfreuen.“
„Meine Oma?“ fragte Anna erstaunt.
„Ja, wieso denn nicht? Ist bestimmt todlangweilig so im Altenheim.“
Da lachte Anna auf. „Du meine Güte, du bist ja ein ganz praktischer! So typisch Mann, was?“, fragte sie spitz.
„Das war nur Spaß“, sagte Frank und hob entschuldigend die Hände.
„Spaß“, fauchte Anna ihn an, „Du kapierst es einfach nicht, oder?“
Es dauerte bis es zu einem Versöhnungskuss kam und Frank nahm sich vor, keine Witze über Sachen, die sie wichtig fand, zu machen. Bald danach trat ein neues Thema in Annas Leben: Die Klimarettung :Selbstverständlich war sie bei den Freitagsdemos dabei und Frank musste mit. Im Grunde fand er die Sache gar nicht mal so falsch, aber dann flog Anna für zwei Wochen nach Costa Rica, um dort frischgeschlüpfte Meeresschildkrötenbabys zu sammeln. Sie war richtig stolz darauf, als hätte sie mit dieser Aktion die Weltgerettet.
Das passt nicht zusammen, sagte sich Frank, aber er hielt diesmal den Mund und hoffte, dass diese Launen seine Lebenspläne schon nicht stören würden.
Die Jahre vergingen. Anna schloss ihr Studium ab und bekam eine gut bezahlte Stelle im Ministerium. Frank zog zu ihr nach Berlin. Ein guter Anfang hatte er gedacht, doch Anna hatte andere Pläne, sie düste durch die Welt als gebe es keinen Morgen, mal nach Thailand, mal nach Madrid, mal mit ihm, mal ohne.
Eines Tages wurde es Frank zu bunt und er fragte Anna, ob sie irgendwann „ganz normal“ eine Familie gründen möchte?
Und sobald er das gefragt hatte, sah und wusste er, dass es eine falsche Frage war. Annas Gesicht bekam diesen einen ihm schon bekannten Ausdruck, als hätte sie das Visier eines Helmes zugeklappt.
„Du meine Güte“, sagte sie, „das sind ja ganz neue Töne!“
„Das ist das Leben, Anna“, versuchte er es.
„Deines vielleicht. Ich habe was Besseres vor!“
„Ach ja, und was denn?“
„Pah“, rief Anna und machte eine wegwerfende Bewegung, „hast du eine Ahnung!“
Das war das Ende.
Natürlich blieben sie Freunde. So wie man eben Freunde bleibt in der Onlinewelt.
Da erfuhr er, dass Anna bald einen Neuen hatte.
Sie posierte mit ihm wie so ein nullachtfünfzehn Model auf einem nullachtfünfzehn Strand, wahrscheinlich in Costa Rica.
„So eine bitch“, fluchte Frank vor sich hin. So wie er das unzählige Male schon gemacht hatte.
„Ja, ja,“ sagte plötzlich eine Stimme aus dem Nichts, „deine Anna ist die Schlampe und du bist die Unschuld vom Lande, oder?“
Frank bremste scharf ab. Hatte er was gehört?
Er blickte sich um, nichts außer Spurrillen und Schotter. Er horchte, aber er hörte nur den Gasaustausch seiner Lunge.
Frank schüttelte den Kopf. „Das kann nicht sein“, murmelte er.
„Doch“, sagte die Stimme, so klar und deutlich als stünde jemand direkt vor ihm.
Vielleicht ist es der kleine Prinz, dachte Frank und der Gedanke kam ihm jetzt nicht komisch vor.
,,Also“, fuhr die Stimme fort, „bist du ein Mann oder nur so eine bitch, wie deine Anna?“
„Ignorieren, weiterfahren“, brummte Frank vor sich hin.
„Hey du“, rief die Stimme ihn herrisch an, „beantworte die Frage!“
Frank fuhr so schnell wie er nur konnte, aber es nutzte nichts, denn die Stimme kam mit und wiederholte die einmal gestellte Frage.
Irgendwann hielt Frank es nicht mehr aus, er stoppte, fixierte einen markanten, etwa fussballgroßen Stein und brüllte ihn an, er solle endlich die Klappe halten! Die Stimme verstummte. Frank wartete.
Vielleicht war das nur ein kleiner Aussetzer, dachte er. Die Scheißwüste macht mich ...
„Seit wann redest du mit Steinen?“, höhnte die Stimme so schneidig und kalt, dass Frank zusammenzuckte.
„Wer bist du?“, fragte er ängstlich. „Bist du le ... der kleine Prinz?“
Ein schallendes Lachen war ihm die Antwort.
„Hör auf“, schrie Frank und hielt sich die beiden Ohren zu. Aber es half nicht. Das Lachen wurde nur noch lauter, ätzender, mehrstimmiger. Frank schien es, als lachte ihn jetzt jedes einzelne Schottersteinchen aus. „Bitte“, flehte Frank erst leise dann immer lauter, „hört auf! Hört auf, verflucht!“ schrie er und, tatsächlich, die Stimmenverstummten. Frank seufzte auf, aber die Stille währte nur kurz: „Bitch oder nicht?“, fragte die Stimme, im hartem, direkten Ton eines Verhörs.
Eine Antwort musste her, kapierte Frank. Aber welche? Was heißt schon bitch? Er war … normal, so wie viele, und ... auf jeden Fall hatte er seit Anna keine feste Freundin mehr.
Sie schon. Er wurde schnell ausgewechselt und das, tat ihm immer noch weh.
„Nein“, schleuderte Frank der Stimme entgegen, „ich bin kein bitch aber Anna! Kapiert? Und nun verpisst dich!“ Frank griff in die Lenkertasche.
„Du verstehst die Frage falsch“, sagte die Stimme.
„Leck mich!“
„Was ist los, Franky?“, fragte die Stimme in hänselndem Kinderton. „Du wolltest doch Erkenntnisse haben, lost sein, zu dir selbst kommen, oder? Tja, here we are! Let's talk!“
„Fuck you“, Frank stopfte sich die Kopfhörer in die Ohren.
Musik musste her, Ablenkung, los! Er scrollte die Playlist entlang. Bei 50 Cent PIMP, hielt er an. Die ersten Töne kamen wie eine Erlösung: „I don´t know what you heard about me, but a bitch can't get a dollar out ofme.
„Jeh“, brüllteFrank, „I´m a motherfucking PIMP!“
Die Stimme verstummte und Frank nickte zum Abschied dem fussballgroßen Stein zu.
Seine Beine traten in die Pedale wie Kolben einer Maschine und der Gangsta Rap verwandelte seine Welt in eine Halle voller Weiber, barbeques and fancy cars. Eine riesige Party fand da statt und sollte niemals enden.
Doch der Abend kam, die Kolben wurden müde und verlangten nach Ruhe und Energie. Auch der Kopf spielte nicht mehr mit. Die Halle leerte sich, die Musiknervte. Frank machte sie aus und sofort drückte die Stille auf ihn ein, wie eine schwere bleierne Decke.
Frank blieb stehen, horchte, sah sich um. Aber da waren nur die Atmung und die im Dämmerlicht dunkler werdende Steine.
Das Nachtlager muss her, befahl sich Frank und ging an die Arbeit: Isomatte ausrollen, Schlafsack ausbreiten, Kocher zusammensetzten. Die Nächte unterfreiem, kalten Himmel waren nicht neu für ihn. Zum Abendessen gab es Müsli mit Milchpulver und Wasser, dazu noch Kaffee mit Keksen. Satt und im Vertrauen auf einen tiefen Schlaf zog er sich in seinen Schlafsack zurück.
Doch dem Sog des Nachthimmels entkam er nicht. Tausende Sterne nah und fern glühten wie die erstarrten Funken eines Riesenfeuers. Gibt es die Welt noch?, fragte sich Frank, die Welt, die ich, heute Morgen?, verlassen habe. Gibt es Städte? Straßen? Vierzigtonner? Die Raststätte „La Isla“ mit der alten, dürren Frau hinter der Theke? Frank konnte es nicht glauben. Es schien ihm als wäre die ganze Welt nur Wüste und er, Frank, der letzte Mensch auf Erden. Gut, dann ist es so, dachte er. Dann werde ich hier liegenbleiben und vergehen, wie alles vergeht. Was soll´s. Aber, die Sterne, die habe ich noch nie so nah gesehen.
Frank öffnete ein Stück weit den Reißverschluss seines Schlafsacks und streckte seine Hand aus.
„Was machst du?“, fragten ihn die Sterne. „Wir sind nur tote Wüsten, weit weg und unerreichbar, aber die Welt, die du brauchst, die liegt ganz nah. Du müsstest nur zurückzufahren, immer an den Spurrillen entlang.“
„Ich will aber zur Geisterstadt.“
„Niemand wartete dort auf dich, kehr lieber um, fahr nach Hause“
„Wieso“
„Deine Eltern warten dort auf dich.“
„Ach, die. Suprise, suprise.“
„Sie lieben dich.“
„Als Kind musste ich viel Scheiße fressen.“
„Falsch.“
„Doch,“ Franks Augen füllten sich mit Tränen. „ihr dummen Sterne! Ihr wisst nicht wie beschießen es in so einer Spießersiedlung ist!“
„Erinnere dich wie du als Kind nachts von Ängsten gequält nicht schlafen konntest. Da riefst du nach deiner Mama und jedes Mal ging die Tür auf. Sie trat ein, setzte sich vorsichtig an den Bettrand, machte die Tischlampe an, fuhr sanft durch dein Haar, deine Wangen, beugte sich vor und küsste dich auf die Stirn. Du kralltest dich an ihrem Körper und warst einfach nur glücklich. Und ...“
„Ich schulde denen gar nichts!“, rief Frank und zog am Reißverschluss, aber der klemmte. Er zerrte weiter während die ersten Tränen schon die Wangen hinabrollten.
Dann, plärrte er los. Hemmungslos wie ein Kind mit angezogenen Beinen im halbgeöffneten Schlafsack. Er weinte lange, aber die Tränen versöhnten ihn mit Sternen. Als das Schluchzten weniger wurde sah er sie an und versprach, neu anzufangen. Es solle mehr Wahrheit im seinen Leben sein, sagte er, das rotzverschmierte Gesicht zum Himmel gewandt. Doch die Sterne hingen nur da und gaben keine Antwort. Frank betastete den Reißverschluss. Wie so oft, steckte im Schieber nur ein Stück Stoff. Ein leichtes Ziehen und der Verschluss funktionierte. Frank stand auf und schaltete die Stirnlampe ein. Warum? Er wusste es nicht. Doch der verräterische Lichtstrahl erschreckte ihn. Hastig drückte er auf den Abschaltknopf und wartete. Worauf? Vielleicht auf die Antwortender Sterne, oder die Fragen des kleinen Prinzen? Aber es blieb still und Frank schien es, als werde er selbst immer weniger. Als zerbrösele er in viele kleine Steinchen.
Morgen haue ich ab, sagte er sich mit aufgetürmter Entschlossenheit und griff er nachseiner Zelttasche. Unzählige Male hatte er schon seine kleine Dackelgarage aufgebaut. Das schwache Licht der Sterne genügte ihm dafür. Schnell steckte er die zwei Gestänge zusammen, spannte diePlane und kroch in seine Schutzhülle aus Nylon. Frank schaltete das Handy an. Das Aufleuchten der bunten Farben, die Fotos von Familienbesuchen und Weihnachtfesten ließen ihn glauben, er sei nicht allein. Nach und nach erlag er der Illusion und schlief mit dem Handy in der Hand ein.
Als Frank am nächsten Morgen aufwachte, dachte er nur an sein Ziel. Laut Luis' Angaben waren es noch dreißig Kilometer bis dahin. Das Geschehene und all den Stimmen hatten für ihn nur eine peinliche Verwirrung zu sein, nicht mehr. Konzentriert kochte er Kaffee, trank ihn mit reichlich Peanutbutter und war in nicht mal einer halben Stunde reisefertig.
Auch die Sonne fackelte nicht lange, sie stieg auf, vertrieb die Kälte des Hochplateaus und färbte die Wüste für einige Minuten ins traumhaft, leuchtendes Rot. Es war als böte die Wüste Frank in dem Moment einen Waffenstillstand an, aber er merkte es nicht. Mit zusammengepressten Lippen strampelte er durch die aufgeworfene Schönheit.
Noch zehn Kilometer, zählte Frank. Er beschleunigte unwillkürlich die Trittfrequenz, doch die nächste Mulde mit losen Gestein bremste ihn ab, das Fahrradruckelte, Steinchen schlugen in die Speichen. Frank fluchte, nahm das Tempo wieder raus, zählte weiter, noch sechs, fünf, vier. Erstarrte angespannt vor sich hin. Nichts, außer Schotter und ein Haufen kleiner wie von Kipplastern abgeladene Hügel. Eine Unregelmäßigkeit der Landschaft, die Franks Herz schneller schlagen ließ. Die Piste führte genau darauf zu und dann, war sie verschwinden, ein Abhang kapierte Frank.
Wenige Minuten später stand er am Rande eines engen von Ost nach West verlaufenden Grabens, die Piste tauchte hinein, kletterte auf der anderen Seite wieder rauf und verschwand in einem Gewirr von kleinen Hügeln. Unten aber am tiefsten Punkt, da sah Frank die Geisterstadt, oder das, was es hätte sein sollen, denn es war kaum was: Überreste von ein paar Lehmhütten, eine rostige Rundbogenhalle und etwas abseits ein Eisengerippe in dessen Mitte ein abgebrochener Schornstein wie ein Mittelfinger in den Himmel ragte. Ein fuck you, für Frank, seine Mühen, seinen Mut, sein Video. Es war ein in die Wüste geworfener Witz. Frank sah Luis, grinsende Fratze vor sich und stieß wutentbrannt sein Fahrrad zu Boden als könnte es was dafür. Als hätte es ihn nicht treu die tausende Kilometer getragen.
Das Vorderraddrehte sich zur Seite und sah Frank vorwurfsvoll an. „Entschuldigung“, murmelte Frank und hob es wieder auf. Es? Aber nein! Der ist mein Freund, mein einziger vielleicht. Und, warum hat er eigentlich noch keinen Namen? Anton zum Beispiel? Aber fuck, was sind das für Gedanken?, fragte sich Frank. Nicht, dass die Stimme wieder kommt.
Diese Scheißwüste kann mich mal! So, und jetzt, let´s do some work!
Frank kramte seine GoPro Hero Kamera sowie Self-Stick raus und verwandelte sich in einen gutgelaunten Darsteller: „Schaut euch das an Leute, sagte er und schwenkte die Kamera, was für eine geile Landschaft. Wahnsinn! Diese Hügel und hier, er zeigte den Graben, da, seht ihr? Die Ruinen dort? Das ist die Geisterstadt Leute. Ja, nicht so mega, ich weiß, schaut eher aus wie eine verlassene Mine für Kupfer, oder vielleicht... Gold? Liegt da ein Schatz vergraben, wie bei Karl May! Ich bin gespannt. Ihr auch? Kommt, lass uns das mal aus der Nähe anschauen!“
Schnitt, die Kamera war aus und mit ihr das breite Grinsen am Franks Gesicht. Aber sein aufgesetztes Lächeln und seine forsche Stimme hatten Frank doch aufgemuntert und so marschierte er festen Schritten in den Graben hinab.
Die Aufnahmen von halbverfallenen Lehmhütten, sowie des Schornsteins samt der ihn umzingelnden Eisenkonstruktion ergaben nichts spannendes. Genauso gut hätte Frank auch irgendwelche Ruinen am Straßenrand der Panamericana aufnehmen können. Das war nichts weiter als jede Menge Bauschutt und Schrott.
Als letztes kam die Halle an die Reihe, an deren Schwelle Frank stehen blieb. Die Lichtstrahlen zerschnitten das Halbdunkel wie vergoldete Stangen. In ihrer Mitte erblickte Frank ein Kreuz, das groß und ausladend im leeren Raum zu schweben schien.
Vorsichtig, als platze er mitten in einen Gottesdienst hinein, setzte Frank seine Schritte, aber der Kies, der Verräter, knirschte wie zerbrochenes Glas. Frank blieb stehen, blickte zurück, blickte nach vorn. Die Sicherheit des lichtdurchfluteten Ausgangs lockte ihn hinaus, die Neugier zum verdunkelten Kreuz. Frank schwankte, doch dann, dachte er an das Video in dem er was bieten sollte und schritt auf das Kreuz zu.
Tatsächlich, nun konnte Frank es sehen, hing das Kreuz an dünnen Seilen befestigt von der Decke herab.
Aber warum?, fragte sich Frank. Was hat es für einen Sinn in dieser verrosteten, durchlöcherten Halle so etwas Großes aufzuhängen? Und, wer war das? Die Fragen taten ihm nicht gut, das spürte er. Also machte er sich daran die Aufnahmen vorzubereiten, prüfte nochmals die Kamera, die Einstellungen, die Befestigung am Selfie-Stick, sein eigens Bild, streckte den Arm aus, überlegte während er noch die letzten Schritte machte, was er nun sagen sollte und da mitten in der Bewegung stieß sein linkes Schienenbein auf etwas Hartes.
Frank verlor das Gleichgewicht, um sich zu fangen, ruderte er mit den Armen in der Luft und machte instinktiv mit dem rechten Bein einen Ausfallschrittnach vorne, doch auch da fand er keinen Halt. Er verfingt sich in etwas federndem und hartem zugleich und fiel.
Frank versuchte gleich wieder auf die Beine zu kommen, aber die Drähte hielten ihn fest. Drähte, aus denen er sich in Ruhe leicht hätte befreien können, aber die Kette der Selbstbeherrschung, die Franks Verstand zusammen hielt, riss entzwei und das Stammhirn, dieses Überbleibsel der Echsen übernahm das Kommando. Es ließ Frank aufbrüllen wie ein in die Falle geratenes Tier. Verzweifelt zerrte er am Metall und schnitt sich die Hände blutig. Die Schmerzen aber, die spürte er nicht. Das Echo seiner eigenen Schreie trieb ihn an, während das Kreuz wie ein riesiger Geier über ihm schwebte und auf einmal, er wusste nicht wie, war er frei. Sofort sprang er auf, torkelte ein paar Schritte zum Ausgang, wand sich um, fluchte, beugte sich vor, tastete den Boden ab, wo er etwas fand, was sich nach einer Stange anfühlte und schleuderte es auf das Kreuz.
Frank hatte genug! Er lief hinaus, sprang aufs Rad und trat in die Pedale. Er raste zu schnell, er fiel hin, stand auf, fluchte und fuhr weiter, die gleiche Strecke, zurück zur Panamericana. Er wollte keine Spielchen, keine Abenteuer mehr, er wollte nach Hause! Er sehnte sich nach seinem Job, nach Arbeit von acht bis fünf. Er wollte Geld verdienen, ein Hausbauen, einen Benz fahren und eine Frau, die einfach Mutter sein will und auch mal was kochen kann, ohne dass ihr gleich die Hände abfallen. Auf jeden Fall kein frustriertes Progressivchen mehr. Keine, die in Männern grundsätzlich eine Fehlkonstruktion der Natur sieht.
Und überhaupt,dieses zurück zur Natur, eins mit sich selbst werden. Bullshit!
Die Leute haben keine Ahnung. Die sollen mal selbst hierher kommen, in dieses Nichts mit nichts als ein paar Taschen. Sollen hier Nächte verbringen, sollen Staub schlucken, tagelang nichts sehen und nichts hören sowie er und danach könnten wir darüber reden.
Er war kein Freak wie Luis, dem so etwas nur Spaß machte, weil der mit der normalen Welt nicht klar kam.
Ich aber, bin normal, sagte sich Frank, und ich will hier raus!
Er fühlte keine Zweifeln mehr. Er war eins mit sich selbst, fühlte weder Müdigkeit noch Schmerz und radelte wie eine Maschine die Spurrillen entlang.
Doch Frank blieb nicht lange allein, hinter sich hörte er Stimmen, mehrere auf einmal. Sie klangen anderes als die von Sternen oder seinem „Prinzen“. Sie stellten keine Fragen, gaben keine Antworten, sie bellten ihn an, wie unsichtbare Hetzhunde; gut so, gut so“, bellten sie, „weiter, weiter! Ab zu Mama! Ab zu Anna! Ab zu irgendwem! Du bist nicht the real one! Du bistthe fake one! Hörst du? Blender! Weg, weg, weg! Sonst beißen wir dich! Wir beißen dich tot!“
Und Frank floh, er machte keine Pause, genauso wie auch seine Verfolger keine machten. Sobald er langsamer wurde bellten sie, immer und immer das gleiche drohende weg, weg, weg! Frank schaute nicht zurück, er stellte sich keine Fragen, er hörte die Stimmen hinter ihm und trat auf die Pedale. Es dämmerte, aber Anhalten war keine Option. Im Schein seines Scheinwerfers, fuhr Frank weiter. Immer weiter, bis er in der aufkeimenden Morgendämmerung die fernen Lichter erkennen konnte. Die Lichter der Laster auf der Panamericana.
Nun kamen die letzten, die schwersten Kilometer. Frank kämpfte gegen die auf einmal aufgekommene Müdigkeit, die Schnittwunden brannten, die Beine stockten. Er kämpfte gegen die Scham versagt zuhaben.
Frank fuhr auf die Straße hinauf, ein von Horizont zu Horizont aus gerolltes Rettungsband aus glattem Asphalt. Das ständige Ruckeln hörte auf und das Rad rollte schnurrend vor Erleichterung dahin.
Ein Überlandbus kam Frank entgegen, einer aus dem Norden. Der Fahrer begrüßte Frank mit Lichthupe und Frank grüßte zurück. Antofagasta stand in leuchtenden Buchstaben als Ziel an der Frontscheibe des Busses und aus dem Fahrerfenster fiel etwas raus. Der Bus rauschte vorbei und Frank sah vor sich ein kleines Päckchen liegen. Es war ein in Folie verpacktes Brötchen, eine Gabe, die Frank vor Rührung fast weinen ließ. Er riss die Verpackung auf und aß.
Es schmeckte zart und süß wie ein Milchbrötchen daheim. Frank schaute dem Bus nach. Er liebte den Fahrer, er liebte alle im Bus, er liebte die Welt, von der er sich vor einer Ewigkeit getrennt hatte. Einsam stand er an der leeren Panamericana, die nun im Licht der aufgehenden Sonne zu leuchten begann. Da fiel ihm sein Handy ein. Vorsichtig als wäre es eine Reliquie holte Frank aus der Lenkertasche sein Smartphone heraus und drückte auf on. Der Empfang war da! Das Internet, die Verbindung zur Welt! Frank hielt das Gerät in seinen geschundenen Händen und lächelte das Lächeln eines beschenkten Kindes.
Mehrere Benachrichtigungen waren da, von Freunden, Familie und Anna. Viele Likes auf Instergram und YouTube. Rundum positives Feedback. Die Anzahl der Abonnenten hatte sich verdoppelt! Sie alle wollten die Geisterstadtsehen. Das Lächeln wich aus Franks Gesicht. Was sollte er zeigen? Was erzählen? Die halbverfallene Halle? Die Geschichten über Stimmen und kleinen Prinzen? Lächerlich! Niemand wird es glauben! Niemand, der nicht hier war, sagte sich Frank.
Fuck, ich hätte mit diesen Stimmen schon fertig werden müssen! Wie kindisch ich mich benommen habe! Geheult wie ein Baby. Und die Geisterstadt? Die paar Ruinen konnten doch nicht die Stadt gewesen sein? Ist die Karte falsch? Wie viele Kilometer waren es nochmal? Dieser Freak, der hat mich wohl verarscht! Ach, vergiss es! Da draußen gibt es nichts! Doch, wo ist die Kamera?
Frank griff in die Lenkertasche hinein, aber da war sie nicht. Frank spürte wie ihm kalt wurde, denn im gleichen Augenblick wusste er, dass die Kamera samt Selfie-Stick in der Halle der Geisterstadt liegengeblieben war. Er hatte sie selbst auf das Kreuz geworfen.
„Fuck“, rief Frank und schleuderte das Fahrrad zur Boden. Die ganzen Aufnahmen, futsch! Alles umsonst!
Nichts war ihm geblieben, nichts was er teilen, irgendwie erklären, gut machen konnte! Erschöpft setzte sich Frank auf den Asphalt. Nun spürte er wie müde er war, wie ausgebrannt. Er wollte gar nichts mehr. Er ha taufgegeben. Da tauchte am Horizont ein leuchtender Punkt auf, der immer größer wurde. Er war ein Vierzigtonner, unterwegs nach Norden. Frank zögerte keine Sekunde und streckte die Hand.
Andererseits, was sind schon Aufnahmen? Eine neue GoPro gab es, laut Google im nächsten Supermarkt und die Wüste sieht ja überall gleich aus, man müsste nur ...
„Hi“, unterbrach eine weiche Stimme Franks Gedankengang. Er schaute auf und im Bruchteil einer Sekunde verwandelte sich sein Gesicht in pure Liebeswürdigkeit, denn vor ihm stand ein Mädchen mit langen, nackten Beinen. Oberhalb trug sie ein langes, schlabbriges T-Shirt, durch das Frank ihre Brüste gut erkennen konnte. Die feuchten, schulterlangen Haare rochen frisch geduscht. Die Augen sahen ihn an, abschätzend wie vor einem Sprung.
„I´m sorry, but do you ride the bicycle over there?“, fragte sie und zeigte in Richtung Innenhof, wo sein Fahrrad seit gestern stand.
„Yes, I do“, bestätigte Frank und lächelte sein bestens Lächeln .
„And, how long have you been traveling?“
„A few months.“
„Okay", sie lächelte süßlich, ,, where did you start?“
„In Ushuaia, Argentina“, antwortete Frank so gleichgültig wie möglich. Das Mädchen riss die Augen auf.
„And did you ride all the way up, on your bike?“
„Yes, I did.“
,,Alone?"
Frank nickte.
„All way“,wiederholte sie langsam, ,,I mean, even through the desert?
„Yes“, bestätigte Frank, ,,all the way up. From Ushuaia to here!“
„Oh my goodness", rief das Mädchen und verharrte mit halbgeöffneten Mund.
Geil, sagte sich Frank. Nun galt es das fast fertige Ding voranzutreiben.
„By the way“,fing er an, denn er hatte einen Verdacht, I´m from Germany.“
„Oh“, rief das Mädchen als hätte man sie beim Mogeln erwischt, „na dann können wir auch deutsch reden!“