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Copywrite Die Ungewünschten

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Die Ungewünschten

Amanda Friese will das Tabu brechen. Ihr Leben lang hat es sie und ihre Geschwister beschützt. Sie hätten die Wahrheit nicht ertragen. Vielleicht hätten sie auch Papa nicht mehr ertragen. Aber jetzt ist Papa nicht mehr da.
Das Wetter ist der Beerdigung angemessen, dem Gewühl in Amandas Innerem: Regen, schwarze Wolkenfetzen, über den Himmel eilend, ein schneidender Wind. Die Friese-Geschwister bringen die Zeremonie hinter sich und steigen in Frau Peters’ Bus. Frau Peters fährt nicht mehr; sie ist ängstlich geworden in den letzten Jahren. Marko schwingt sich auf den Fahrersitz und dreht die Musik auf, während das Auto sich einen Weg durch den Stadtverkehr sucht.
I’m gonna go, go, go, there’s no stopping me.
»Findest du das angemessen?«, fragt Lydia.
Frauke, die mit angezogenen Knien auf dem Beifahrersitz kauert, schaltet die Musik ab. Marko protestiert nicht.
Amanda presst den Kopf gegen die Fensterscheibe, das Vibrieren des Fahrzeugs rüttelt am Schädel. Sie blinzelt die flimmernden Schlieren vor den Augen weg; vielleicht bekommt sie heute noch Migräne. Wäre passend.
Carls Atem klingt so laut. Sie blickt zu ihm hoch, und er zwinkert ihr zu. Manchmal fragt sie sich, ob er auch das Tabu bewahrt.

Sie bewahren alle das Tabu. Carl erklärt ihr das Wort, damals, als sie im Keller hocken, er klebt winzige Figuren an eine Haltestelle seiner Modelleisenbahn, sie bessert Tanzkleidung aus. Stundenlang können sie im Keller miteinander schweigen. Und eines Tages fragt Carl: »Weißt du, was ein Tabu ist, Nanda?«
Sie schüttelt den Kopf. Wie alt mag sie gewesen sein? Zwölf vielleicht.
»Wenn du Papa fragst, wie es auf Arbeit war, und Frau Peters sagt, du sollst still sein — dann hast du ein Tabu aufgespürt«, sagt Carl.
Da bemerkt sie es das erste Mal: Es knackt im Gebälk, haucht ihr seinen kalten Atem in den Nacken. Das Tabu. Es lebt in Papas großem Haus, umgibt sie von allen Seiten.


»Ist alles in Ordnung, Nanda?«, fragt Carl leise.
»Klar«, sagt sie. Lehnt den Kopf wieder an die Scheibe, lässt sich das Gehirn durchschütteln.
Er streicht sich eine silbrige Haarsträhne aus dem Gesicht. Das Graumelierte steht ihm, Amanda mag ihn so.
Seine Eltern wollten ihn nicht, weil sein Haar rabenschwarz war. Aber das sagt Amanda ihm nicht.

Frau Peters ist eine sorgfältige Haushälterin, in ihrer Küche gibt es alles neunzehnmal: Teller, Tassen, Gläser. Amanda und Johannes tragen acht Gedecke hinüber ins Esszimmer. Die lange Tafel erscheint leer mit so wenigen Leuten.
Sie essen schweigend, bis Carl sagt: »Total lecker, der Kuchen.«
Frau Peters lächelt und nickt. Dabei schlackern die Falten an ihrem Hals; sieht aus, als wäre die Haut ein paar Nummern zu groß für sie. Früher war sie nicht so dürr.

Nach dem Essen bringt Amanda Frau Peters auf ihr Zimmer. An der Wand neben dem Schminktisch hängt ein Foto mit allen siebzehn Kindern darauf. Thomas kniet ganz vorne auf dem Rasen und präsentiert grinsend eine Zahnlücke.
»Hast du die anderen erreicht?«, fragt Amanda. Sie hält Frau Peters’ Arm, während die Haushälterin sich langsam im Sessel vor dem Fernseher niederlässt.
Frau Peters nickt, und die Haut am Hals wabert.
Amanda runzelt die Stirn. »Also ja?«
»Steffi und Gregor können nicht kommen«, sagt Frau Peters. »Die Kinder …« Sie lächelt. »Die Reise ist zu weit. Auch für Thomas, das hat seine Betreuerin gesagt. Und Mila erst recht. Die ist ja auf der anderen Seite der Welt. Eva will noch kommen. Übermorgen.« Sie stößt einen tiefen Seufzer aus und bettet die Füße auf einem Schemel. »Vielleicht.«
Amanda reicht ihr die Fernbedienung, schließt die knorrigen Finger um das Gerät.
»Von Camilla und Malte habe ich nichts gehört. Und die Zwillinge …« Nun lacht Frau Peters, und auch auf Amandas Gesicht stiehlt sich ein Lächeln, so schnell, sie ist selbst davon überrascht.
»Du weißt ja, wie die beiden sind«, sagt Frau Peters.
Über Darius muss sie nichts sagen. Bei seiner Beerdigung sind dreizehn von sechzehn Geschwistern aufgetaucht. Und Papa war noch dabei, eine hochgewachsene Gestalt mit Hut und Schnurrbart, Frau Peters am Arm.
»Möchtest du noch etwas trinken?«, fragt Amanda.
»Weißt du, ich habe siebzehn Kinder großgezogen«, sagt Frau Peters. Sie streckt die Fernbedienung Richtung Fernseher, und knisternd erwacht der alte Flachbildschirm zum Leben. »Und ich kann dir genau sagen, welches das süßeste, das aufmerksamste, das klügste, das schnellste, das kreativste, das mutigste Kind ist.«
Amanda nickt, als hätte sie verstanden. Sie atmet tief ein, streicht sich über die Schläfe. Dahinter grummelt bereits der Kopfschmerz, bereitet sich auf den Migränesturm vor. »Denkst du, wir sollten es den anderen sagen?«
»Hast du dich je ungewünscht gefühlt, Amanda?«
Sie muss für einen Moment die Augen schließen, das Flimmern vertreiben.
»Er hat euch mehr als alles andere geliebt«, sagt Frau Peters, »aber er war nicht besonders mutig.«
Amanda beugt sich hinunter und drückt einen Kuss auf die Papierhaut. »Ich bin nebenan, wenn du etwas brauchst.«
Lautlos schließt sie die Tür hinter sich.

Sie liegt in der Dunkelheit, die Füße ans Bettende gestemmt. Schon als Vierzehnjährige hat sie nicht mehr ins Bett gepasst. Ob ihre Eltern sie wohl behalten hätten, wenn sie gewusst hätten, dass sie zwar nie ein Junge, dafür aber über einsachtzig groß sein würde?
Die Kopfschmerzen rauben ihr den Schlaf. Und über ihr hat Marko sein Kinderzimmer wieder bezogen, spült Musik durchs Haus. Sie kann die Worte mitsprechen, vor allem diese Worte, die Papa immer gemurmelt hat, wenn eines der Geschwisterchen einen Trotzanfall hatte: »Oh, oh, oh, oh, oh, explode …«
Marko spielt den Song in Dauerschleife. Papas Lieblingssong.
Ein Klopfen an der Tür schreckt Amanda auf. Sie will den Kopf heben, doch ein stechender Schmerz schickt sie zurück in die Waagerechte.
Sie ächzt, ruft: »Herein!«
»Dunkel hier.« Carl lacht leise. »Migräne?«
Amanda brummt. »Mach die Tür zu.«
Er setzt sich auf die Bettkante und zieht ihre Füße auf seinen Schoß. Beginnt sofort, die Sohlen zu kneten. So wie früher. »Bist du wirklich okay?«, fragt er.
Sie hält die Augen geschlossen. Den Mund auch. Hat sowieso keine Antwort. Zumindest nicht die richtige. Denn was sollte sie sagen? Die Wahrheit? Das Tabu brechen?
»Fühlt sich komisch an, das Haus ohne Papa«, sagt Carl.
»Und Frau Peters …« Jedes Wort verstärkt das Hämmern im Schädel. »… sollte nicht allein bleiben.« Allein mit dem Tabu, das in den alten Rohren zischt, an den Wänden kratzt. Alle Geschwister haben davor Reißaus genommen.
»Willst du hier einziehen?«
Sie beißt sich auf die Unterlippe. Ein Sechzehntel des Hauses gehört jetzt ihr. An den Gedanken kann sie sich nicht gewöhnen. Es ist Papas Haus, voller Geheimnisse und verbotener Orte.

Das Geheimnis hat sie schon immer angelockt. Amanda ist das aufmerksamste Kind. Sie kümmert sich um alle, denkt an alles — aber sie will auch alles wissen. Und das Verbot konnte sie nicht von Papas Arbeitszimmer fernhalten.
Sie bereut, sich dorthin geschlichen zu haben, als Papa damals nach den streitenden Zwillingen schaut. Amanda späht aus ihrem Zimmer, und am Ende des Flurs fällt ein Lichtstrahl durch die angelehnte Arbeitszimmertür. Das Geheimnis winkt ihr zu, und sie schlüpft durch ihre Zimmertür, eilt auf bloßen Füßen über den dicken Teppichboden. Auf das Licht zu.
Wie einfach wäre ihr Leben gewesen, ohne es zu kennen. Sie hätte sich nie ungewünscht gefühlt.


»Frau Peters könnte ausziehen«, sagt sie.
Carl knetet weiter ihre Fußsohlen. Schweigt einen Moment. »Das Haus verkaufen?«
Sie antwortet nicht. Die Stille muss reichen.
Er seufzt. »Dann müssen wir das Arbeitszimmer ausräumen.«
Etwas kratzt im Hals, kitzelt auf ihrer Zunge. Wie ein Krümel Brausepulver. Das Tabu. Es will hinaus. Amanda schluckt und streicht mit den Fingerspitzen über die Kehle. Denkt an die Falten an Frau Peters’ Hals. Vielleicht kommen die vom Tabu, das sich immer wieder nach oben zwängen will.
Es ist da, um Carl zu beschützen. Er soll sich nicht ungewünscht fühlen. Das hat Papa ihr eingebläut. Verrate es niemandem, Amanda!
»Ich könnte das machen«, sagt Carl.
»Nein!« Ihre Stimme — ein Krächzen. Sie hustet.
»Was?«
»Ich mache das.«
»Ich weiß nicht, Nanda.« Er schiebt ihre Füße weg. »Das scheint dich mitzunehmen.«
Sie setzt sich auf und blinzelt die flimmernden Lichter von der Netzhaut. Versucht, sein Gesicht klar zu sehen. »Ich habe Migräne. Na und?«
»Du musst dich nicht um alles kümmern.«
Einen Moment starren sie einander an. Bis Amanda die Augen wieder schließt.
»Carl.« Sie atmet tief ein, presst die flache Hand aufs Gesicht. »Erinnerst du dich daran, was du über das Tabu gesagt hast?«
Sie sieht ihn nicht, doch sie weiß, er runzelt die Stirn. Weiß genau, wie sein Gesicht dabei aussieht. Sie kennen einander so gut.
»Klar«, sagt er schließlich.
»Das Arbeitszimmer ist tabu.«
Es bleibt still zwischen ihnen. Carl streckt sich neben ihr auf dem schmalen Bett aus, und sie lauscht dem ruhigen Atem. Bis sie endlich einschläft.

Bei Frau Peters läuft das Frühstücksfernsehen. Amanda leistet ihr Gesellschaft, während sie neue Riemen an die Tanzschuhe näht. Frau Peters beachtet den Fernseher nicht, schaut auf Amandas Finger, den Faden, die Naht.
Sie nickt. »Gut machst du das.«
»Das mache ich schon, seit ich sechs Jahre alt bin.«
Frau Peters lächelt. »Du bist besser geworden. Ich würde dich gerne wieder tanzen sehen.«
Bei diesen Worten zittern Amandas Hände so sehr, sie muss die Nadel senken. »Frau Peters, ich habe nachgedacht. Du kannst hier nicht allein wohnen bleiben.«
Frau Peters legt den Kopf schief, mustert Amanda aus den scharfen Augen. Sie sieht alles. Direkt in Amanda hinein. »Wer räumt Papas Arbeitszimmer aus?«, fragt sie.
»Vielleicht … ist es das beste, wenn ich zu dir ziehe.«
»Hast du Angst, es deinen Geschwistern zu sagen?«
In Amandas Kopf ist keine Antwort, nichts. Angst? Auch keine Angst. Nur das Tabu, das keinen Platz für etwas anderes lässt.
»Dein Vater und ich, wir waren nie besonders mutig.«
»Ihr habt siebzehn Kindern ein Zuhause gegeben!«
»Wir haben wohl zu viel Liebe in uns.« Frau Peters hebt die Fernbedienung, und das Frühstücksfernsehen erlischt. »Aber keinen Mut. Weißt du, wer das mutigste von meinen Kindern ist?«
Die Antwort fällt in Amandas Kopf, einfach so. Der Migräneschmerz war schon am Morgen verschwunden, doch endlich klaren auch die Gedanken auf. Sie kennt die Antwort.

Carl hat sich vor seiner Modelleisenbahn aufgebaut, Hände in die Hüften gestemmt. Die Konturen seiner Silhouette schimmern gelblich in der funzligen Lampe. Amanda verharrt neben ihm, blickt auf die Landschaft, die winzigen Figuren, die stehenden Züge.
»Muss entstaubt werden«, sagt Carl.
»Ich kümmere mich drum.«
Er wendet sich ihr zu, leckt sich über die Lippen. »Ich habe nachgedacht. Es ist wohl das beste, wenn ich hier einziehe.«
Sie presst die Fingerknöchel auf die Augenlider, erwartet für einen Moment den Kopfschmerz zurück. Der aber bleibt aus. »Damit niemand von uns das Arbeitszimmer ausräumen muss?«, fragt sie.
»Nanda …«
»Du weißt längst Bescheid«, sagt sie. »Ich auch.«
Er fährt sich durchs Haar. Sagt nichts.
Das Tabu kratzt wieder im Hals, prickelt auf der Zunge. Sie glaubt, sein Summen im Raum zu hören, das Zischen unter der Decke. Dies ist sein Revier, sein Zuhause, es geht nicht weg. »Du musst es den anderen sagen.«
»Müssen sie es wissen?«
»Hat Papa dir je einen Grund gegeben, dich ungewünscht zu fühlen?«, fragt sie. Mutig. Sieht ihm direkt ins Gesicht.
Carl hebt die Hände. Lässt sie wieder herunterflattern, und da baumeln sie an seinen langen Armen.
»Als ich es herausgefunden habe, dachte ich, ich überlebe das nicht«, sagt Amanda. Vor dem inneren Auge sieht sie wieder die Ordner, ganz oben in Papas Aktenschrank. Und die Beschriftung: Rückgabeverfahren Amanda Schreyer 2036. »Aber ich bin immer noch hier. Carl? Ist das fair?«
Er verschränkt die Arme vor der Brust. Vielleicht, damit die Hände nicht mehr baumeln müssen. Zieht die runden Schultern hoch. »Tabus erfüllen einen kulturellen Zweck. Wusstest du das?«

Mit verschränkten Armen liegt Amanda auf dem Bett, lauscht der Musik aus Markos Zimmer. I’m a rocket ship on my way to Mars on a collision course …
Schritte vor der Zimmertür. Sie setzt sich auf. Jemand eilt vorbei, den Flur entlang. Am Ende des Flurs ist das Arbeitszimmer. Dort ist das Summen, Kratzen, Atmen am lautesten. Die Quelle des Tabus. Papas Heiligtum.
Amanda springt aus dem Bett und reißt die Tür auf. Im Arbeitszimmer zerrt Carl die Ordner aus dem Schrank. Er beachtet sie nicht, jagt die Unterlagen durch den Schredder. Siebzehn Rückgabeverfahren.
Ob irgendeine Behörde wissen muss, dass sie Ungewünschte sind?
»Geh ins Bett, Nanda«, sagt Carl.
Als sie sich umdreht, steht Frau Peters hinter ihr, an den Türrahmen gestützt. Amanda nimmt ihre Hand und drückt sie ganz fest, die zarten Knochen, die weiche Haut.

Zwei Tage nach Papas Beerdigung ist auch Eva da, zu neunt sitzen sie an der Frühstückstafel. Vielleicht werden sie nie wieder alle zusammenkommen. Amanda isst nichts, im Magen rumort das Tabu.
Frauke und Marko überlegen, eine Playlist mit Papas Lieblingsliedern zusammenzustellen und an alle zu schicken, die nicht kommen konnten. Oder nicht kommen wollten. Die anderen hören zu oder hören nicht zu — Amanda starrt Carl an, die Papierschnitte an seinen Fingern.
Schließlich erhebt sie sich. Acht Augenpaare richten sich auf sie, und Frauke hört mitten im Satz zu sprechen auf. Das Tabu ist wieder da, rinnt kribbelnd durch Amandas Körper, fließt aus ihr hinaus auf die Tischplatte. Erfüllt die Luft mit brummender Elektrizität.
»Nanda«, zischt Carl.
Sie öffnet den Mund. »Papa hat euch immer geliebt, so wie ihr seid.« Die Stimme zittert, und sie muss tief einatmen, bevor sie weitersprechen kann: »Aber eure Eltern nicht.« Ihr Blick wandert von Frauke, zu Lydia, zu Marko, zu Jenny, zu Eva, zu Johannes. Zu Carl.
Sie sind nicht überrascht.
Frauke erhebt sich und schlingt die Arme um Amanda, zieht sie an sich. Der Geruch von Erdbeerwaschmittel steigt in Amandas Nase. Nur für einen Moment schließt sie die Augen.
Oh, oh, oh, oh, oh, explode.
 
Quellenangaben
"Don't stop me now" von Queen (Album: Jazz (1978))
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Hi @greenwitch (endlich!)

Alles, was ich nicht extra erwähne, habe ich bereits eingearbeitet. Vielen Dank fürs Flusenaufheben.

Mir gefällt Deine Geschichte sehr.

Das freut mich, dankeschön!

Da bin ich jetzt noch mal hochgescrollt und habe die Tags kontrolliert - klingt so schön gruselig, aber positiv gemeint

Ja, ich wollte das ein bisschen bedrohlich, gewitterig machen, die ganze Stimmung. Bin mir noch nicht sicher, wie gut das zu der Geschichte passt, die ich da am Ende rauskramen werde. Aber wir werden sehen. Schön zumindest, dass mir das gelungen ist.

Ach, da ist er ja. Braucht es die Dopplung, auch wenn der Abstand groß ist? Ist mir aber erst jetzt, beim "analytischen" Lesen aufgefallen.

Ich lasse das mal drin mit dem zweimal Gehirnrütteln. Es ist ja nicht genau das gleiche, und der Abstand ist groß.

Deine Lösung, um uns nicht mit siebzehn Namen zu überfordern finde ich Klasse. Sie sind da, füllen den Leerraum, ohne zu stören

Super! Wie ich das umsetze, darüber habe ich mir eine Weile den Kopf zerbrochen.

Genauso sehe ich den Mann vor mir, das war auch mein Bild bei Bernadettes Schlußsatz, schön zusammengefasst

Sehr spannend. Ich habe ja beim Stammtisch schon ein bisschen mehr davon erzählt, was mich dazu gebracht hat, die Geschichte genauso zu erzählen. Ich werde auch keinen komplett neuen Weg mehr einschlagen. Aber Überarbeitung kommt sicherlich noch.

auch diese Szene zeigt soviel aus dem Leben dieser ungewöhnlichen Familie

Es war mir total wichtig zu zeigen, dass nicht alles schlecht ist, sondern dass es die Nähe gibt, die Einigkeit, die Liebe. Dass sie sogar das Wichtigste ist. Das hat sicherlich Potenzial, stärker ausgearbeitet zu werden.

Ich kann diese Reaktion einfach nie verstehen. Wenn jemand in einer glücklichen Familie gut aufgewachsen ist, warum hat er dann nach Jahrzehnten das Gefühl, das dieses nicht seine Familie, der Samenspender und die Austrägerin in irgendeiner Form wichtig seien. Ich kann dieses "ungewünscht sein" einfach nie emotional erfassen, kann nur der Statistik glauben, gibt ja ausreichend Beispiele.

Das ist wirklich interessant. Der Freund von meiner Schwester ist adoptiert, und natürlich sind seine Adoptiveltern damit immer offen umgegangen. Er hat sich aber als Erwachsener heimlich mit seiner leiblichen Mutter getroffen (er hatte Angst, dass seine Adoptiveltern ihm das ausreden würden). Und es ging wohl gerade darum, wie seltsam es war, jemanden zu kennen, mit dem man wirklich verwandt ist, wenn man sein ganzes Leben nur von Menschen umgeben ist, mit denen man nicht verwandt ist. Im Prinzip ist das ja auch völlig egal, aber Verwandtschaft nimmt, glaube ich, in unserer Kultur eine so wichtige Rolle ein, dass wir uns von der Bedeutung der Verwandtschaft nicht lösen können.

Nun sind die Kinder in dieser Geschichte auch nicht mit den Wunscheltern verwandt. Aber das sind immerhin die Eltern, die sich ihre Geburt zunächst gewünscht haben, quasi ihre Geburt in die Wege geleitet haben. Na ja, ich gucke mal, wie ich dieses Feld stärker beackern kann.

Ha, endliche ien tolle Begründung, warum mir Frau Peters Hals so bildlich auf die Netzhaut gebrannt wird, passt!

Wunderbar! :)

Häh? Ich dachte, es geht um die Familie, den Glauben, das Glück der Geschwister ...

Ich fand es ganz reizvoll, diesen total absurden Papierkramgedanken da mit unterzubringen. Schließlich sind bei uns viele emotionale Geschichten mit Papierkram verbunden (zum Beispiel, wenn ein geliebter Mensch stirbt). Das finde ich so schmerzhaft absurd.

schöner Schlusssatz, den Rest bräuchte ich nicht, aber ist ja kein Wunschkonzert

War zuerst auch der Schlusssatz. Ich gucke mir die Stelle nochmal an.

Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar! Wir schreiben uns bald wieder (auf Deiner Seite des Teichs).

Cheers,
Maria

Hi @Isegrims

dafür wünschte ich mir mehr Raum

Du hast recht (und viele andere auch), dass das Ungewünschtsein das eigentliche Thema sein sollte. Es ist sicherlich nicht einfach, weil das ein so abstraktes Thema ist, schwer zu greifen und sicherlich auch nicht unbedingt rational zu erklären. Aber ich werde es versuchen!

ja, wäre interessant, vielleicht brauchst du zum Beispiel eine zweite aktorale Perspektive dazu.

Ich finde es reizvoll, bei Amanda zu bleiben. Wir alle sehen ja immer nur unseren Ausschnitt der Welt und müssen uns mühsam zusammenreimen, warum andere tun, was sie tun. Dass ein einzelner Mensch dabei wahrscheinlich nie zur ganzen Wahrheit kommt, dass andere Menschen Mysterien bleiben können, das finde ich spannend. Ich habe gar keine Lust, offenzulegen, was Amanda nicht wissen kann.

Anyway, danke, dass Du nochmal zurückgekommen bist und mich auf die wichtigen Stellen stößt. Wie gesagt, es wird dauern, bis ich an die Überarbeitung komme. Ich bin jetzt auch mit shitty Internet auf dem englischen Lande und froh, dass ich zumindest diese beiden Kommentare beantworten konnte.

Cheers,
Maria
 
Wortkrieger-Team
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So, nachdem ich bis auf einen Absatz meine Masterarbeit fertiggeschrieben habe (kein Grund zum Ausflippen, es bleibt noch die Überarbeitung), beantworte ich mal wieder ein paar Kommentare. Tut mir leid, alle miteinander, ich hätte mir tatsächlich nicht träumen lassen, dass das alles SO zeitraubend ist mit dem Masterabschluss. :lol:

Hi @bernadette

Endlich komme ich zu Dir. Ich muss sagen, ich war auch ein bisschen eingeschüchtert und überwältigt, schließlich gibt es hier total viele Geschichte von Dir, aber vor dem Copywrite habe ich keine einzige von Dir gelesen, und die meisten sind auch schon alt, sodass ich nicht sagen konnte, welche Dir was bedeutet. Das ist schwer nachzuvollziehen, so aus ein paar Jahren in der Zukunft ...

Mir wäre lieber gewesen, du hättest nicht gerade diesen Text ausgesucht, weil es kein so typischer bernadette-Text ist.

Das ging mir bei dem Text, den @Chutney von mir ausgesucht hat, auch so. Nicht weil es kein typischer Text wäre, sondern vor allem, weil ich das Gefühl hatte, der ist so weit weg von meinem heutigen Ich. Ich glaube auch, nachdem ich einiges (nicht alles) von Dir hier gelesen habe, zu wissen, was Du mit einem "typischen bernadette-Text" meinst. Nun ja, ich habe halt den gewählt, wo ich das Gefühl hatte, das meiste anbauen zu können, wenn Du verstehst ...

Ich meine: Da wirst du "bestellt", irgendeine NoName trägt dich aus, nachdem ein anderer NoName seinen Samen dafür verkauft und es möglich gemacht hat. Diese zwei NoNames sind aber im Grunde deine Eltern. Fleisch und Blut. Aber die sind sowas von gar nicht präsent, weil sie ja nur etwas hergestellt haben.

Ehrlich gesagt, darüber habe ich gar nicht nachgedacht, aber stimmt natürlich: Die Bestelleltern sind auch nicht die leiblichen Eltern. Hui, es ist kompliziert.

Auf wen muss man nun eine Wut und Unverständnis haben? Auf die Samenfabrik oder die Gebärmaschine oder die Zwei, die emotionslos einen Gegenstand moniert haben, der nicht ihren Vorstellungen entsprochen hat?

Das ganze Problem, als ich versucht habe, mich in Amanda reinzuversetzen, hat mich, rückblickend betrachtet, einfach selbst überwältigt. Ich habe zunächst einen Entwurf versucht, in der sie gerade davon erfährt, bin aber nicht über die ersten Sätze hinausgekommen, weil die ganze Sache so seltsam abstrakt und groß und überwältigend und knifflig ist. Komisch, wenn ich so darüber nachdenke, hat das Tabu vielleicht auch mich beschützt.

Auf die Länger der KG jedoch empfand ich den Fokus auf das Tabu etwas zu aufgebauscht und zu eindimensional.

Das hat inzwischen fast jede/r angemerkt. In einer Überarbeitung werde ich mich darum kümmern. Ich kann nur leider echt nicht sagen, wann das sein wird. Bis September hänge ich noch an der Masterarbeit und schreibe gleichzeitig Bewerbungen und ein Exposé für meine Doktorarbeit, und das Ganze ist viel einspannender (nicht nur zeitlich, sondern vor allem auch mental), als ich erwartet habe. Aber ich mache bestimmt eine Überarbeitung. Und wenn es erst im Oktober oder November sein wird.

Auch habe ich das mit den sonstigen Aktionen von Dr. Friese nicht unter einen Hut bekommen. In meinen Augen wäre der so drauf gewesen, dass er immer offen zu seinen Adoptivkindern gewesen wäre.

Siehst Du, Dr. Friese war mein Problem. Ich habe ihn schon in der Ursprungsgeschichte nicht unter einen Hut bekommen. Ich habe versucht, mir vorzustellen, wie er seinen Kindern sagt: "Guck mal, ich verkaufe Eltern ihre Wunschkinder, und dann überrede ich sie dazu, richtig viel Geld obendrauf zu legen, damit sie ihr Wunschkind zurückgeben können, anstatt wie richtige Eltern ihr Kind bedingungslos zu lieben. Da ich aber niemandem sonst zutraue, ein Kind bedingungslos zu lieben, nehme ich all diese ungewünschten Kinder bei mir auf und habe sie für immer lieb."

Deine Geschichte ist natürlich überspitzt im Sinne der Satire, aber meine Prämisse war es, sie hundertprozentig ernstzunehmen. Das führt dazu, dass Dr. Friese eine extreme Janusköpfigkeit bekommt, er hat zwei Gesichter, die sich nicht gleichzeitig ansehen lassen; sie ergeben zusammen keinen Sinn. Denn wenn er wirklich bedingungslos lieben würde und das auch niemandem sonst überlassen könnte, wieso dann Eltern einreden, ihre Liebe könnte legitimerweise an Bedingungen geknüpft sein? Und wie diese beiden Dinge den Kindern erklären?

Und während ich versucht habe, eine Situation zu kreieren, in der Dr. Friese einer kleinen Amanda diese Ambivalenz zu erklären versucht, bin ich zu dem Schluss gekommen: Er kann es nicht. Er müsste mitten im Gespräch seinen Kopf einmal herumdrehen, um ein anderes Gesicht zu präsentieren. Also blieb für mich nur die Möglichkeit, ihn vollständig aufzuspalten, in sein Zuhause-Ich und sein Arbeit-Ich. Letzteres bekommen die Kinder nie zu Gesicht. Und so ist das Tabu entstanden.

Ich hoffe, Du verstehst jetzt, wie ich dazu gekommen bin. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie Dr. Friese vollständig integer seinen Kindern erklärt, dass sie quasi davon leben, dass es immer mehr von ihnen gibt. Und wenn er es völlig in Ordnung fände, dass Eltern ihre Kinder weggeben, wieso kann er DANN die Kontrolle nicht abgeben? Ich könnte ewig so weitermachen, Dr. Friese verstehen zu wollen.

Aber das Interessante ist ja, dass wir Menschen gar nicht so kohärent sind, wie wir immer von uns selbst denken (ich muss mich zwingen, für diese Tatsachenbehauptung keine Literaturrecherche durchzuführen, wie ich es für meine Masterarbeit bei jedem Satz in eine solche Richtung tue). Sondern dass wir alle von Ambivalenz geprägt sind und in verschiedenen Situationen unterschiedliche Gesichter tragen. Manche von uns mehr und manche weniger unterschiedliche Gesichter.

Ich hoffe, ich konnte etwas klarer machen, warum ich Dr. Friese so gezeichnet habe. Wenn Du dazu Ideen hast, kannst Du mir gerne einen Kommentar dalassen. Dauert zwar ewig hier bei mir, aber irgendwann werde ich antworten. :)

Cheers,
Maria

Hi @wieselmaus

Schön, dass Du reinschaust, und sorry, dass Du so lange auf meine Antwort warten musstest. Ich bin momentan leider sehr eingespannt.

ich habe gezählt: achtzehnmal das Wort Tabu. Manchmal synonym zu Geheimnis. Wenn ich nicht @bernadettes Geschichte gekannt hätte, wäre ich nach dem zehnten ausgestiegen.

Ja, puh, inzwischen habe ich es eingesehen: Ich muss dringend ausmisten. Das erledige ich ... bald. Studium geht momentan wirklich vor.

Carl hat Amanda den Unterschied sehr schön erklärt. Für mich bleibt unklar, was denn nun ihr eigentliches Problem ist: die Tatsache, dass sie alle von ihren leiblichen Eltern als Mangelware zurückgegeben wurden, oder dass sie nicht darüber reden durften. Ich glaube, es geht mehr um das letztere.

Das war vielleicht mein wesentlicher Fehler. Ich komme langsam zu der Erkenntnis, dass ich das vielleicht auch getan habe, um mich selbst zu beschützen. Ersteres verlangt ja eine super tiefe Beschäftigung mit dem Thema. Momentan hätte ich wirklich Lust, das nachzuholen. Wahrscheinlich, weil ich momentan auf alles Lust habe, was nicht mit Masterarbeit und Finden einer Promotionsstelle zu tun hat. Das ist auch der Grund, warum ich momentan nichts Neues anfange.

Oder hat der Dr. Friese gehandelt wie weiland der Emir in Lessings Ringparabel: Jedem Kind versprechen, dass es das bevorzugte Kind sei, deshalb das Geheimnis erfahre, aber Stillschweigen darüber bewahren müsse?

Ich glaube es fast. Vielleicht ist das auch nur Amandas Schlussfolgerung, denn ...

Ach Amanda, ich glaube ich nicht, dass du verstanden hast. Der "Vater" hat bei dir eine gewisse Egozentrik, wenn nicht sogar ein Helfersyndrom gefüttert.

... ich glaube tatsächlich, sie hat nicht viel davon verstanden, was Frau Peters sagt. Tatsächlich war meine Idee, dass Amanda das mutigste Kind ist, von dem Frau Peters spricht. Deine Schlussfolgerung finde ich aber auch interessant. Hm, ich habe da einige Familienszenen vor Augen.

Dr. Friese und seine Haushälterin (?) hätten mich sehr interessiert.

Das glaube ich. Ich muss mal gucken, in welche Richtung ich die Geschichte überarbeite.

Das Thema kocht jetzt gerade wieder hoch. Und auch im Bundestag gibt es dazu einige Tabus.
Es ist immer schön, den Zeitgeist am Ohr zu spüren, auch wenn man davon Migräne bekommt.

Das stimmt. Es ist vor allem gar nicht so einfach. Manchmal würde ich mir auch gerne die Augen und Ohren zuhalten bei allem, was so vor sich geht. Wobei dieses Thema momentan zugegebenermaßen nicht sehr weit oben auf meiner Liste steht und ich auch beim Copywrite nicht die Zeit hatte, mich damit intensiv auseinanderzusetzen. Du stößt mich darauf, dass ich das dringend noch tun sollte. Danke!

Schön, dass Du mir Deine Denkanstöße dagelassen hast. Es war mir eine Freude.

Cheers,
Maria
 
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Hi @Chutney

Wir haben ja nach Deinem Kommentar schonmal gequatscht. Gute Güte, das ist ja auch schon ewig her. Jetzt komme ich auch endlich mal zum Antworten.

ich bin hin und hergerissen, was diesen Text betrifft. Einerseits sind da so wunderbare Stellen drin, so großartig geschriebene Szenen und andererseits hatte ich auch schon, wie @wieselmaus , die "Tabus" gezählt.

Ich weiß inzwischen, dass ich die ganze Geschichte definitiv umkrempeln muss. Ich merke auch von meinen Erklärungen in den ersten Kommentaren, dass ich mich aufgrund des Zeitdrucks viel zu wenig mit dem Thema auseinandergesetzt, viel zu inkohärent gearbeitet habe.

Mein Problem mit dem Tabu ist auch ein logisches. Siebzehn Kinder werden nicht alle immer exakt ein Jahr oder so auseinander sein. Dieselbe Mutter kann es also nicht sein. Und hat er sich wirklich den Kindern gegenüber als Vater ausgegeben? Jedenfalls ist mir nicht klar, welche Erklärung die Kinder vorher hatten.

Sie hatten gar keine Erklärung. Das ist ja der Witz am Tabu. Wenn ein Kind nach Papas Arbeit fragt, wird schnell über etwas anderes geredet. Das ist der große Unterschied zum Geheimnis. Ein Tabu kann ein Elefant im Zimmer sein, jede/r kann genau darüber Bescheid wissen. Auf Wikipedia heißt es dazu ganz treffend:

Dabei bleiben Tabus als soziale Normen unausgesprochen oder werden allenfalls durch indirekte Thematisierung (z. B. Ironie) oder beredtes Schweigen angedeutet: Insofern ist das mit Tabu Belegte jeglicher rationalen Begründung und Kritik entzogen.

Das heißt, natürlich wissen die Kinder, dass sie von einer Mutter stammen, die sie nicht kennen. Aber es ist nicht erlaubt, darüber zu reden. Es kann folglich keine rationale Begründung geben, woher die Kinder kommen. Sie werden auch nie danach fragen, denn so wurden sie erzogen.

Und vielleicht liegt es an mir, aber ich habe doch erst verstanden, worum es geht, nachdem ich die Geschichte von @bernadette gelesen habe. Es ist ja doch eine ungewöhnliche Konstruktion, wo man nicht so an Bekanntes anknüpfen kann.

Das stimmt wohl und liegt bestimmt nicht an Dir. Ich habe auch beim Schreiben darüber nachgedacht, dass das wirklich ohne bernadettes Geschichte nicht funktioniert. Aber das fand ich als Fortsetzung auch ganz reizvoll. Werde ich überarbeiten.

Toll, wie dicht das ist, wie du in wenigen Sätzen so viel über die Personen gesagt wird. Das wirkt sehr natürlich.
Auch diese Stelle liebe ich. Schön, das Musikalische mit eingebaut.

Das ist schön! Die Stimmung fiel mir tatsächlich leicht, nachdem ich erstmal bei meiner zweiten Vorlage, der Umbrella Academy, und dem Soundtrack war.

Der Adoptivvater stirbt und plötzlich ist auch der Gedanke an die leiblichen Eltern wieder da. So nachvollziehbar. Klasse Idee, mit den Füßen am Bettende und wie du nebenbei die Info einstreust, warum sie abgelehnt wurde.

Das habe ich mir ausgedacht, während ich es aufgeschrieben habe. Wahrscheinlich passt es deshalb so gut. In dieser Geschichte habe ich viel spontan und sehr schnell gemacht (hat, wie oben erwähnt, auch offensichtliche Nachteile).

Eigentlich finde ich, dass du es mit diesem Stil nicht nötig hast, so stark auf eine Pointe hinzuschreiben.

Wir haben ja schon darüber gesprochen. Das wollte ich selbst natürlich nicht so machen, ist mir nun aber unterlaufen. Ärgerlich. Liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass ich einfach nicht wusste, wie ich die Geschichte abschließen soll.

Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich werde auf jeden Fall beizeiten überarbeiten. Allerdings wird "beizeiten" diesmal etwas weiter in der Zukunft liegen, wie ich fürchte.

Cheers,
Maria

Hi @Fliege

Hat mich gefreut, dass Du reingeschaut hast (obwohl ich jetzt einige Wochen gebraucht habe, um Dir das auch zu zeigen). ;)

Deshalb beschränke ich mich jetzt einfach auf deine Antworten, darauf, wohin du mit dem Text wolltest und warum das bei mir so nicht ankam.

Das ist eine vernünftige Idee. Es zeigt mir auch, wie inkohärent meine Einstellung zu dieser Geschichte ist. Ich fürchte, das liegt vor allem daran, dass ich sie unter großem Zeitdruck geschrieben und mir nicht die Zeit genommen habe, mich mit ihren Inhalten ausführlich auseinanderzusetzen.

Das ist es in der Tat. Nur thematisiert der Text das für mich nicht, sondern die Überlegung mündet lediglich in der Pointe am Ende.
Für mich zielt der Text einfach zu sehr auf die Pointe am Schluss, als dass er überhaupt die Chance hätte, die Fragen, die mit dieser Pointe einhergehen, bearbeiten zu können. Denn nach der Pointe ist ja Schluss.

Auf eine Pointe wollte ich eigentlich gar nicht hinschreiben. Ich fürchte, das ist so gekommen, weil ich bis ganz zum Schluss einfach nicht wusste, wo die Geschichte enden sollte. Es gäbe ja unzählige Möglichkeiten, denn ...

Vielleicht ist das auch einfach ein bisschen viel im Rahmen einer kleinen KG. Ich mein, dass ist ja jede Menge Stoff, der da behandelt werden müsste.

... da habe ich doch echt so viele Gedanken angerissen, dass alles Mögliche als Abschluss der Geschichte dienen könnte. Hm, ich weiß jetzt auch noch nicht, hatte bisher auch keine Gelegenheit, mich damit wirklich auseinanderzusetzen (aber morgen geht der Erstentwurf meiner Masterarbeit raus; ich schaufle mir also Zeitfenster frei).

Auch das wird kaum im Text behandelt. der Leser erfährt nur, dass einige nicht kommen. Aber über das Motiv dahinter, schweigt der Text und vom Leser das abzuverlangen, diese Lücke selbst zu füllen, da glaub ich, ist die Lücke bisschen groß.

Da würde ich fast widersprechen. Dass das Haus irgendwie unangenehm ist, das kommt doch rüber, oder? Ich habe doch nicht umsonst übertrieben viel Energie investiert, das Ungeheuer-Tabu im Haus leben zu lassen? :p

Ja, wie denn nun? Ich mein, ein paar kommen nicht. Am Ende weiß ich, alle wissen. Also werden wohl einige damit nicht zurechtkommen. Aber wie sieht dieses Nichtzurechtkommen denn genau aus?

Das ist eine super schwierige Frage, und ich fürchte, ich habe mir selbst das Tabu zurechtgelegt, um sie nicht bearbeiten zu müssen. Um sie zu beantworten, muss ich mich mit dem Thema erst ausführlicher beschäftigen. Das werde ich nachholen.

Und wie? Was antwortet er auf die Frage nach der Mutter? Ich habe mich ständig gefragt, wieso nicht mit einem Wort irgendwer die Mutter zu all den Kindern/Geschwistern vermisst. Was hat er denn nun den Kindern erzählt? Außer, dass sie nicht ins Arbeitszimmer durften.

Die Antwort lautet: Nichts. Er hat den Kindern nichts erzählt. Das Einzige, was Frau Peters und Papa getan haben, war es, den Kindern sehr deutlich zu machen, dass es Themen gibt, über die man nicht spricht. Ich habe oben im Kommentar an @Chutney schon den sehr vielsagenden Auszug aus der Wikipedia zum Thema zitiert:

Dabei bleiben Tabus als soziale Normen unausgesprochen oder werden allenfalls durch indirekte Thematisierung (z. B. Ironie) oder beredtes Schweigen angedeutet: Insofern ist das mit Tabu Belegte jeglicher rationalen Begründung und Kritik entzogen.

Das ist der Unterschied zwischen einem Tabu und einem Geheimnis (würde ich sagen). Das Geheimnis hat verloren, wenn jemand weiß, dass es da ist. Deshalb werden alle, die ein Geheimnis bewahren wollen, versuchen zu verschleiern, dass es überhaupt ein Geheimnis gibt. Das Tabu kann problemlos vor aller Augen existieren. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Aber man wächst mit seinen Aufgaben und du bist ja mächtig am wachsen. Wer weiß, vielleicht wird aus Amanda und Co eines Tages ein Roman :). Ist ja bald wieder November ...

Seriously, ich habe schon drei vollständige Exposés für Romanmöglichkeiten im November (alle vor der Time of Crisis geschrieben). Aber diese Geschichte ist sicherlich nicht dabei. Vielleicht liegt es am Zeitdruck, aber leider hängt da momentan mein Herz echt nicht dran. :(

Wie auch immer, I got to make it work! Kommt Zeit, kommt Rat, nech? Vielen Dank, dass Du da warst. Und ich hoffe, ich konnte mich jetzt etwas kohärenter ausdrücken. Weiß aber immer noch nicht, in welche Richtung die Geschichte gehen soll.

Cheers,
Maria

Hi @Chai

Hat mich sehr gefreut, dass Du mir diesen sehr ausführlichen Kommentar dagelassen hast. Es tut mir leid, dass ich so lange für eine Rückmeldung gebraucht habe.

aber ich finde, da hätte es noch eine weitere Ebene geben müssen. Vielleicht tatsächlich etwas, das mit dem Vater oder Frau Peters zusammenhängt, denn so wirkt es auf mich ein wenig wie:

Ich merke auch, dass ich den Aspekt des Lebens, der Gefühle, der Familie zu stark vernachlässigt habe, mich zu sehr aufs Tabu konzentriere. Momentan vermute ich, damit habe ich mich auch ein bisschen selbst beschützt (vor zeitintensiven Auseinandersetzungen mit dem Thema :lol: ). Ich werde das auf jeden Fall anpacken, aber es wird wohl einige Zeit dauern.

Ich frage mich z.B., warum diese Adoption so lange geheim bleiben konnte. Wenn der Typ siebzehn Kinder adoptiert, muss er ja eine Art sozialer Einrichtung betreiben, ist vielleicht Sozialpädagoge, der sich um verstoßene Kinder kümmert. Das müsste dann ja im Ort bekannt sein. Die Geschwister müssten sich auch darüber wundern, dass es keine Mutter gibt, die permanent schwanger ist.

Das Relevante liegt hier im Wort "geheim", dass Du benutzt. Hier gibt es nichts Geheimes, hier gibt es nur Unausgesprochenes. Papa und Frau Peters haben den Kindern nie vorgespielt, dass Papa der leibliche Vater wäre. Sie haben nur unterbunden, dass irgendwelche Fragen zu dem Thema gestellt wurden. Das ist auch der wesentliche Unterschied zwischen einem Tabu und einem Geheimnis (denke ich). Laut der Wikipedia zeichnet ein Tabu unter anderem aus:

Dabei bleiben Tabus als soziale Normen unausgesprochen oder werden allenfalls durch indirekte Thematisierung (z. B. Ironie) oder beredtes Schweigen angedeutet: Insofern ist das mit Tabu Belegte jeglicher rationalen Begründung und Kritik entzogen.

Deshalb muss es auch keine Begründung geben. Die Kinder (und alle anderen) WISSEN, dass dies keine Familie wie jede andere ist. Sie wissen nur nicht, warum, weil sie nie darüber sprechen.

MMn hättest du - statt das Tabu immer wieder zu erwähnen - langsam enthüllen können, was da schief läuft.

Das wäre eine gute Möglichkeit, um mich stärker vom Ursprungstext zu lösen. Es ist aber auch verdammt schwierig. Tatsächlich war es im Erstentwurf Ritual, dass die Kinder so mit zwölf Jahren zum Girl's Day bei Papa mitgegangen sind und alles erfahren haben. Aber das war so UNGLAUBLICH zu schreiben, dass ich es aufgegeben habe.

Hier hab ich mich gefragt, wieso sie im Keller hocken. Zuerst dachte ich, sie wären da eingesperrt. Aber wahrscheinlich spielen sie da bloß. In einem 19-Personen-Haushalt muss man wahrscheinlich irgendwann auf den Keller ausweichen.

Hobbykeller? Ist doch was ganz Normales ...

Fand ich total schön und spannend beschrieben. :thumbsup:

Wunderbar!

Das mit dem Hinschleichen hättest du eher zeigen können. Ansonsten wirkt es so drüber weggefegt, und es ist ja eine wichtige Stelle, die mMn sehr viel öfter im Text kommen könnte.

Ich habe die Stelle etwas ausgeschmückt. Ich vermute, es geht allerhöchstens in die Richtung, die Du meinst, und erreicht keine Ziele, aber ... besser als nix, ne?

Was hat das mit dem Tanzen auf sich?

Nichts. Das ist Amandas Hobby. Ein Bogen zu bernadettes Geschichte.

Toller Satz!

Dankeschön! :)

Ich würde eher sagen: an den Türrahmen. Sonst habe ich so ein Bild, dass sie über der Tür schwebt und sich von oben am Rahmen abstützt.

Gekauft!

Vielen Dank, dass Du hier warst. Das hat viele Gedanken in mir angestoßen. Nun muss ich nur die Zeit finden, mich wirklich angemessen damit auseinanderzusetzen. Irgendwann und irgendwie, weißte ja, werde ich es reißen.

Cheers,
Maria

Hi @GoMusic

Deine Detailanmerkungen sind mir wie immer eine Freude. Vielen Dank schonmal!

"Amanda, Geschwister, Papa, Friese, Peters, Marko, Lydia, Frauke, Carl." Puh. Der Anfang macht mich zu schaffen ...
Da bin ich ja froh, dass du am Anfang nicht alle Namen aufgeführt hast :)

Es ist ein zweischneides Schwert ... :lol: Viele Kommentator/inn/en haben mir zurückgemeldet, dass sie mit dem Anfang trotz der vielen Namen gut klarkamen, und ich habe mir wirklich Mühe gegeben, die insgesamt neunzehn Personen behutsam in der Geschichte zu platzieren. Ich lasse es also erstmal so.

Schöne Beschreibung.
Allerdings: Für mein Empfinden beschreibst du Frau Peters viel zu oft zu detailliert.

Aber wenn es doch so eine schöne Beschreibung ist ... :cry: Ehrlich gesagt, ich glaube, Frau Peters ist die einzige Figur, die ich unter all dem Zeitdruck wirklich vor Augen hatte. Ich werde mal gucken, wie ich das ausgewogener gestalten kann.

Da frage ich mich, warum Amanda es nicht selbst getan/versucht hat.

Na ja, eine Person lädt alle Leute zur Familienfeier ein, nicht alle Leute laden alle Leute zur Familienfeier (oh, oder zur Beerdigung) ein. Das würde ja ein unglaubliches Kuddelmuddel geben. Bei meinen Familienfeiern ist also immer genau eine Person für die Orga verantwortlich, meistens der/die Gastgeber/in.

Wieso hat Vater eigentlich die Akten so offen stehenlassen? :confused:

Hat er ja nicht. Sie waren ja im Arbeitszimmer.

Mir kommt das Wort "Tabu" viel zu oft vor.

Das hast Du recht. Ich glaube, ich verstecke mich zu sehr dahinter. Ich werde überarbeiten (wenn ich beizeiten mehr Zeit und Raum im Kopf habe) und viel vom Tabu wieder loswerden.

Bescheid

Habe ich doch tatsächlich nachgeschlagen. Und siehe da: Du hast recht! Mein Gott, jahrelang habe ich in Unwissenheit gelebt. Nein, ehrlich, ist mir wirklich peinlich.

Am Ende der Geschichte denke ich mir, dass das Tabu ja gar nicht so schlimm war.
Da wird was aufgebaut, als "schrecklich " oder zumindest geheimnisvoll deklariert, und dann so ein "belangloses Ende". Sie wussten es alles. Wo ist da das Tabu geblieben?

Das ist doch der Witz am Tabu. Das ist ja eigentlich bei fast jedem Tabu so. Wir alle wissen ja, worüber wir nicht sprechen sollten. Genauso ist es auch hier. Nur weil niemand je darüber gesprochen hat, konnte niemand wissen, dass alle es wussten. Gott, mir fallen so viele Themen ein, über die ich nicht spreche, und wenn ich es (gegenüber sehr vertrauten Personen) doch tue, merke ich, dass es eigentlich gar nicht so unangenehm sein müsste. Aber lass uns diese Normen aufrechterhalten und nicht öffentlich darüber sprechen, denn das wäre mir way too unangenehm. :lol:

Du siehst, worauf ich hinauswill? Das Tabu ist nicht das gleiche wie ein Geheimnis. Es liegt vielmehr in der Natur der Sache, dass jede/r weiß, dass irgendetwas vor sich geht, aber niemand es anspricht. Dass die Geschwister auch noch alle wissen, was in Wirklichkeit vor sich geht, ist natürlich Fantasy. Aber gerade das finde ich reizvoll, wie das Schweigen über etwas, was alle wissen, uns entzweit (nein, @Fliege, hau mich nicht, ich dichte schon wieder eine neue und gegensätzliche Dimension hinzu).

Puh, ich muss dringend klarkriegen, was ich von der Geschichte will. Gerade fühle ich mich aber auch wie die Spinne im Wissensnetz, das kommt wohl vom wissenschaftlichen Schreiben. Ich will alles darstellen, was ich weiß, und immer auch aufzeigen, wenn es dazu gegensätzliche Effekte, widersprüchliche Befunde und inhaltliche Einschränkungen gibt. Schmälert das Leseerlebnis einer KG wahrscheinlich ungemein, hehe.

Muss erstmal in eine andere Stimmung kommen, bevor ich wieder schreiben kann. Dir, @GoMusic, danke ich bis dahin für Deinen detaillierten Kommentar. :) Hat mich wirklich sehr gefreut.

Cheers,
Maria
 
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Hallo @TeddyMaria,

Amanda Friese will das Tabu brechen.
Ein sehr guterEinstieg. Das macht auf jeden Fall neugierig.
Allerdings bringst du mir das Wort dann doch etwas zu häufig. Du bauschst es sehr stark auf, sodass meine Erwartungen entsprechend groß werden - und da kann die Auflösung dann nicht mithalten.
Das ändert aber nichts daran, dass ich die Geschichte sehr gut geschrieben fand und sie einen hohen Unterhaltungswert hat.
Das Andeuten der Zukunft, da kam so Gattaca-Flair auf.

I’m gonna go, go, go, there’s no stopping me.
»Findest du das angemessen?«, fragt Lydia.
In jedem Fall ein guter Song :D
Wobei ich uneins bin, warum dieser Song. Vielleicht suche ich da zu sehr die Meta-Ebene, aber irgendwie will mir der Song als beständige Erinnerung an den Vater ich so recht passen.
Das ist ja eher ein Draufgänger-Song und alles, was ich von dem Vater spüre, ist eher etwas zurückgezogenes. Okay, im Song kommt das Rocket ship vor und bei den vielen Kindern passt vielleicht auch I am a sex machine ready to reload :p

sieht aus, als wäre die Haut ein paar Nummern zu groß für sie.
Sehr gut
Frau Peters nickt, und die Haut am Hals wabert.
wabern ist aber das falsche Verb. Nebel wabert, aber alte Haut wabbelt oder wackelt vielleicht ...


Schön, dass du hier nach wie vor so fleißig bist. :)

grüßlichst
weltenläufer
 
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Hi @weltenläufer

Schön, dass du hier nach wie vor so fleißig bist.

Nachdem ich Dich lange genug habe warten lassen, kann ich endlich fragen: War das ironisch gemeint? :lol: Die Wahrheit ist, mit Schreiben und Kommentieren habe ich's momentan nicht so, dafür nimmt mich das berufliche Schreiben zu sehr ein (was auch aktuell für mich persönlich total richtig und wichtig ist). Anyway, zum Text:

Ich habe mich ein bisschen erschreckt, als Du ihn wieder aus der Schublade gekramt hast. Das war etwas, das ich mir im Zuge des Copywrites ziemlich "aus der Nase gezogen habe", während ich in England im Praktikum und eigentlich sehr fokussiert auf die Masterarbeit war. In meiner Erinnerung gibt's da echt viel zu tun, aber ich habe es nie über mich gebracht und mich lieber Projekten zugewandt, die mir vielversprechender erschienen.

Umso positiver hat mich natürlich Dein Kommentar überrascht. Vielen Dank dafür!

Ein sehr guterEinstieg. Das macht auf jeden Fall neugierig.

Allein das schon eine Überraschung. Ich finde den ersten Satz nach wie vor cool, aber mit dem Konzept des Tabus haben sich viele Leser:innen schwer getan. Umso schöner, dass es Dir als Aufhänger gefällt.

Allerdings bringst du mir das Wort dann doch etwas zu häufig. Du bauschst es sehr stark auf, sodass meine Erwartungen entsprechend groß werden - und da kann die Auflösung dann nicht mithalten.

Einerseits finde ich krass, dass Du sagst, die Auflösung kann da nicht mithalten (die Kinder sind alle letzten Endes ungewünscht, das ist doch krass ...), andererseits kann ich das auch relativ dazu verstehen, wie viel Raum das Tabu hier einnimmt. Möglicherweise hätte keine Auflösung der Welt dem Rechnung tragen können, und auf der Überarbeitungsliste steht auch dick und fett, das Tabu weniger aufzubauschen. Allerdings ... Aktuell weiß ich nicht, ob ich genug in dieser Geschichte sehe, um mich an die Überarbeitung machen zu können. Vielleicht. Wenn, dann nehme ich das auf jeden Fall mit.

Das ändert aber nichts daran, dass ich die Geschichte sehr gut geschrieben fand und sie einen hohen Unterhaltungswert hat.
Das Andeuten der Zukunft, da kam so Gattaca-Flair auf.

Uah, Gattaca. Spannend, ich merke, ich habe eine extrem ambivalente Beziehung zu diesem Film. Ich hatte ihn in der Schule, und ich fand ihn freudlos, uninspiriert und nicht innovativ (möglicherweise liegt das fast ausschließlich am Schulkontext; ich habe ihn allerdings danach nie wieder gesehen). Gleichzeitig haben wir uns im Zuge dieser Unterrichtsstunden sehr intensiv damit auseinandergesetzt, was Science-Fiction ist, und diese Überlegungen prägen mich bis heute, weshalb ich häufig an Gattaca denke, wenn ich über Science-Fiction nachdenke. D.h., Gattaca ist für mich ein Ausgangspunkt, aber eben nur intellektuell. An "Flair" in dieser Welt kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Umso spannender, dass hier die Assoziation aufgekommen ist.

Wobei ich uneins bin, warum dieser Song. Vielleicht suche ich da zu sehr die Meta-Ebene, aber irgendwie will mir der Song als beständige Erinnerung an den Vater ich so recht passen.
Das ist ja eher ein Draufgänger-Song und alles, was ich von dem Vater spüre, ist eher etwas zurückgezogenes.

Aufregender Punkt! Ich kann mich nicht erinnern, dass den schon einmal jemand gebracht hat, obwohl es total offensichtlich ist. Der Song passt überhaupt nicht zum Vater. Du hast vollkommen Recht!

Eingebaut habe ich ihn ursprünglich, weil ich die Geschichte geschrieben habe, während ich die erste Staffel "Umbrella Academy" gesehen habe. Insofern sind hier einige Bezüge, nicht zuletzt die Musik, eingeflossen. Allerdings beginnen viele Kurzgeschichten von mir mit Auszügen aus Songtexten, die ich später entferne, weil viele Leser:innen nichts damit anfangen können. Die Musik ist also mehr meine eigene Inspirationsquelle während des Schreibens und passt in diesem Falle gar nicht zur Geschichte. Ist mir nur noch nie so richtig klargeworden. Wie peinlich. :)

Die Kleinigkeit hebe ich auf, wenn ich von der Arbeit zurückbin. Danke für Deinen Kommentar, ich fand ihn inspirierend und erhellend, obwohl ich dachte, ich hätte mit dieser Geschichte lange abgeschlossen. Merci! :herz:

Cheers,
Teddy
 
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Hi TeddyMaria,
Tolle Geschichte, die durchgehend spannend war und die sprachlich durchgehend auf höchstem Niveau blieb:
Amanda Friese will das Tabu brechen.
Großartiger erster Satz, er macht neugierig - und ich kam erst ganz am Ende drauf, was es war!

Die Geschichte lässt sehr viel aus, aber für mich war das ok. Einige Male habe ich gezweifelt, ob der Text SF ist, da könntest du vielleicht die eine oder andere Kleinigkeit einstreuen. Als SF Fan konnte ich mir dann am Schluss einen Reim drauf mache, ohne Bernadettes Geschichte zu kennen ich habe sie danach gelesen und fand sie auch sehr gut.

Für mich funktioniert die Geschichte auch für sich alleine, ich habe aber leichte Zweifel, ob du nicht einen großen Teil der potentiellen Leser im Unklaren lässt und vielleicht das Schreddern der Rückgabeerklärungen mit ein oder zwei Sätzen ausführlicher beschreiben solltest.




LG
Bernhard
 
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19.02.2006
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Hallo Teddy
War das ironisch gemeint? :lol: Die Wahrheit ist, mit Schreiben und Kommentieren habe ich's momentan nicht so, dafür nimmt mich das berufliche Schreiben zu sehr ein
naja, so genau habe ich mit deine Beitragszahlen nicht angesehen. Aber da du noch im Team bist, wirst du dich ja hier einbringen :)
Ich habe mich ein bisschen erschreckt, als Du ihn wieder aus der Schublade gekramt hast.
Huppala. Mit dieser Challenge bin ich damals gefühlt hier gegangen und deswegen hat es mich zu den Geschichten zurückgetrieben. Nicht zuletzt, weil mir das Copy, das ich damals angefangen habe, wieder in die Hände gefallen ist und ich es derzeit zu Ende bastle
Allein das schon eine Überraschung. Ich finde den ersten Satz nach wie vor cool, aber mit dem Konzept des Tabus haben sich viele Leser:innen schwer getan. Umso schöner, dass es Dir als Aufhänger gefällt.
naja, was du aus dem Tabu machst, sehe ich ja auch etwas kritisch, aber das ist ja losgelöst vom Einstieg, da weiß man ja noch nicht, was es damit auf sich hat.
Einerseits finde ich krass, dass Du sagst, die Auflösung kann da nicht mithalten (die Kinder sind alle letzten Endes ungewünscht, das ist doch krass ...
Mja, weiß nicht, vielleicht ist mir dieses Thema persönlich einfach nicht wichtig oder entscheidend genug. Wir sind ja nicht auf Melmac :D
Uah, Gattaca. Spannend, ich merke, ich habe eine extrem ambivalente Beziehung zu diesem Film. Ich hatte ihn in der Schule, und ich fand ihn freudlos, uninspiriert und nicht innovativ (möglicherweise liegt das fast ausschließlich am Schulkontext; ich habe ihn allerdings danach nie wieder gesehen).
Krass, das war für mich genau andersrum. Allerdings habe ich den auch nicht im schulischen Kontext gesehen. Das mag schon damit zusammenhängen. Mich hat der Film damals umgehauen. Auch beim zweiten Gucken. Ich kann mir vorstellen, dass der auch ganz gut gealtert ist, weil eben nur Andeutungen vorkommen und auf den futuristischen Look verzichtet wird.
Danke für Deinen Kommentar, ich fand ihn inspirierend und erhellend, obwohl ich dachte, ich hätte mit dieser Geschichte lange
Ja, schon klar, dass du an dem Text nicht mehr viel feilen wirst. Kommentare zu älteren Texten können einen ja aber auch für neue Projekte etwas bringen. Und sei es nur als seelische Streicheleinheit :)

grüßlichst
weltenläufer
 

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