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Die verbotene Tür

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Die verbotene Tür

Über dem See geht die Sonne unter. Gleich beginnt die dritte Nacht. Ich sitze auf einem Stuhl, neben mir im Gras eine Flasche von diesem unerträglich süßen Wein, und frage mich, was ich hier eigentlich tue. Damit meine ich nicht die Aufgabe. Die Anweisungen des Grafen waren eindeutig. Mit dem letzten Sonnenstrahl schließe ich alle Fensterläden, verriegele die Türen und setze mich im Schein der Kerzen an den grob gezimmerten Tisch. Dann starre ich auf den Durchgang mit der Treppe, die in den Keller führt. Stundenlang. Unten ist ein kleiner Raum. Leer. Bis auf eine Tür aus Metall, die mit einer schweren Kette verschlossen ist. Diese Tür, da waren die Worte des Grafen eindeutig und seine Augen glühten vor Intensität, als er mich darauf einschwor, diese Tür darf unter keinen Umständen geöffnet werden. Niemals. Von niemandem. Das sicherzustellen, ist meine Aufgabe. Ich weiß nicht, was ich bewache oder vor wem. Aber ich halte mich an die Anweisungen, denn ich brauche das Geld. Und so trinke ich den süßen Wein und warte auf das Ende der Nacht.

Die Tage sind angenehm. Es ist spätsommerlich warm. Der Wald riecht nach Harz, Vögel singen in den Sträuchern am Seeufer, die Sonne spiegelt sich im Wasser. Nachts verändert sich alles. Ich bin nicht besonders ängstlich, aber in den dunklen Stunden legt sich etwas Bedrohliches über diesen Ort. Dieses Gefühl, das man zu nächtlicher Stunde in einer dunklen Gasse hat, wenn die Schatten in den Hauseingängen lebendig zu werden scheinen und man wieder und wieder über die Schulter blickt. Und so werden mir die Stunden lang, bis das erste Tageslicht unter dem Türspalt zu sehen ist und ich mich in das ungemachte Bett lege.

Ich erwache wieder aus einem traumlosen Schlaf, das Hemd klebt mir schweißnass am Körper. Die Erinnerung an die furchtbaren Geräusche der letzten Nacht, das Jaulen im Wald, das Kratzen an den Fensterläden, jagt einen Schauer durch meinen Körper. Wein, ich brauche Wein.
Als ich mit dem Becher am Tisch sitze, höre ich das Stampfen von Pferdehufen aus dem Wald, der die Hütte von drei Seiten umgibt. Kurz darauf steht der Graf in der Tür. Er trägt ein einfaches Hemd, das er sich in die lederne Hose gestopft hat. Sein Blick geht einmal schnell durch den kleinen Raum und bleibt dann an mir hängen. Durchdringend, machtvoll. Schließlich trampelt er ohne Gruß die Treppe hinunter, ich höre das Klirren von Metall, dann Gemurmel.
Niemand weiß, ob der Graf wirklich ein solcher ist. Er nennt sich so, entstammt aber keinem hier ansässigen Geschlecht. Angeblich hat er seine Sippe irgendwo im Osten. Er war vor einigen Jahren plötzlich da, kaufte den riesigen Stammsitz der verarmten von Traunsteins und führte sich als Graf Born ein. Schon bald hörte man von rauschenden Festen auf dem Schloss. Bei den Damen scheint er auch einen Schlag zu haben. Auf jeden Fall muss er sehr wohlhabend sein.
Der Graf setzt sich an den Tisch, schaut mich wieder an mit diesem Blick.
„Du kommst klar?“, fragt er schließlich mit tiefer Stimme.
„Ich denke schon, Graf Born.“
„Und hast alles, was du brauchst?“
„Ja. Nur der Wein ...“
„Was ist damit?“
„Vielleicht könnt Ihr mir anderen bringen?“
Der Graf blickt hinter sich, mustert die neben der Feuerstelle aufgereihten Flaschen ohne Etikett. Dann schüttelt er den Kopf. „Der Wein ist gut.“
„Sicher.“
„Und sonst, nichts ... Ungewöhnliches?“ Sein kantiges Gesicht mit den schmalen Lippen und den tiefbraunen Augen ist jetzt nah vor meinem, so dass ich seinen leicht abgestandenen Atem rieche.
„Ich ... nein.“
„Du zögerst.“
„Nein. Alles gut, Graf Born.“
Nach einem letzten intensiven Blick wendet er sich ab, erhebt sich schwungvoll. „Dann bin ich beruhigt. Drei Wochen noch und du bist deine Schulden los.“
Mit diesen Worten stampft er aus der Hütte, kurz darauf höre ich sein Pferd davon sprengen.

Die Würfel, die verdammten. Das Klicken, wenn sie in der Hand rollen, das leichte Stoßen gegen die feuchten Handflächen, der atemlose Moment, in dem sie durch die Luft wirbeln. So muss sich Gott gefühlt haben, als er Himmel und Erde erschuf. Nur, dass meine Schöpfung zu selten gehorchte. Und irgendwann verließ mich das Glück vollends. Vielleicht war es auch nie wirklich da. Bald stand ich bei jedem Geldleiher der Stadt in der Kreide. Lieh neues Geld, um alte Schulden zu begleichen. Und stürzte immer schneller abwärts. In meiner Not ging ich zu den Russen. Wer da leiht, das wissen alle, ist ganz unten angekommen. Und auch dieses Geld war schnell auf dem Würfeltisch verspielt. So sah ich nur einen Ausweg. Am Ende einer glücklosen durchzechten Nacht stand ich auf der Brücke und blickte in die schäumende Schwärze unter mir. Der Gestank des Kneipen- und Hurenviertels umwehte mich. Gerade schickte ich mich an, die steinerne Brüstung zu besteigen, da spürte ich einen festen Griff um meinen Arm.
„Lass es.“
Das war meine erste Begegnung mit dem Grafen.
Er zog mich in die nächstbeste Spelunke und ich soff weiter. Er saß mir schweigend gegenüber. Draußen war es schon hell, aber das kümmerte niemanden. Schließlich griff er in die Innentasche seiner Jacke, zog einen kleinen Lederbeutel heraus, warf ihn mir über den Tisch.
„Damit kannst du deine drängendsten Schulden begleichen.“
Ich musste ihn ziemlich dumm angeglotzt haben, denn er lachte schallend auf.
„Schon gut, nimm es. Und wenn du eine kleine Sache für mich erledigst, bist du auch deine Verbindlichkeiten bei den russischen Halsabschneidern los.“
Ein Monat und dann sehen wir weiter. Das waren seine Worte. Vier Tage später betrat ich zum ersten Mal die Hütte und der Graf erklärte mir meine Aufgabe.

Wieder schließe ich die Fensterläden. Verriegele die Tür. Benebelt vom Wein versuche ich, dieses unangenehme Gefühl loszuwerden, das mich den ganzen Tag schon durchströmt. Wie ein aufziehendes Gewitter lässt es meine Haut kribbeln, macht mich unruhig. Ich schüre das Feuer, weil mir mit einem Mal schrecklich kalt ist. Draußen wird es windig, die Fensterläden klappern. Verstohlen blicke ich über die Schulter zu dem Durchgang mit der Treppe. Seltsamerweise war ich seit dem ersten Tag mit dem Grafen nicht mehr dort unten. Ich weiß nicht weshalb. Etwas hat mich abgehalten. Eine unbewusste Abneigung.
Aber jetzt erhebe ich mich vom Feuer und gehe langsam hinüber. Das Geheule des Windes wird stärker, je näher ich dem dunklen Loch komme. War das ein Schrei draußen? Nein, sicher nur der Sturm. Ich greife mir eine Kerze, leuchte vor mich in die Dunkelheit. Treppenstufen. Als ich einen Fuß auf die erste Stufe setze, höre ich die Stimme von unten. Es sind keine Wörter, mehr ein Wispern. Aber da unten ist niemand, das weiß ich. Nur ein leerer Raum. Und die Tür. Vorsichtig nehme ich eine weitere Stufe und noch eine, da lässt mich ein lautes Knallen von oben zusammenzucken. Ich haste wieder hinauf.
Der Raum ist unverändert. Nicht ganz, das Feuer ist erloschen. Unmöglich, gerade eben brannten dort drei dicke Scheite mit gelben Flammen. Aber jetzt ist dort nur Asche zu sehen. Als ich meine Hand darüber halte, spüre ich keine Wärme. Die Asche ist kalt, als wäre das Feuer schon seit Stunden aus. Wieder das Knallen! Ein Schrei entweicht meinem Mund und im selben Moment schäme ich mich für meine Angst. Das Geräusch kam von einem der Fensterläden. Langsam nähere ich mich, bis meine Nasenspitze fast das grobe Holz berührt. Mit zusammengekniffenen Augen versuche ich, etwas durch die Lamellenschlitze zu erkennen, aber da ist nur Dunkelheit. Der Wind hat nachgelassen, und jetzt meine ich, schlurfende Schritte vor dem Fenster zu hören. Kratzende Geräusche, wie von Fingernägeln auf Holz. Ein Seufzen. Und wie als Antwort darauf dringt wieder das Wispern aus dem Kellerraum an mein Ohr.
Alle Ermahnungen des Grafen ignorierend entriegele ich den Fensterladen und drücke ihn langsam auf. Halte den Atem an und versuche etwas zu erkennen. Das schwache Licht aus der Hütte vermag die Dunkelheit der sternenlosen Nacht kaum zu durchdringen. Das Fenster ist jetzt ganz geöffnet, ich stecke meinen Kopf hindurch, halte die Kerze vor mich, bewege sie langsam hin und her. Flackerndes Licht, Schatten entstehen und lösen sich wieder auf. Am Rande des fahlen Lichtkreises zeichnen sich die Bäume als senkrechte Schatten ab. Dort beginnt der Wald. Das Laub rauscht leise, Holz knackt, irgendwo heult ein Tier. Dann höre ich wieder das schlurfende Geräusch. Es kommt aus der anderen Richtung, vom See. Ich blicke hinüber, meine Augen haben sich etwas an das schwache Licht gewöhnt und ich kann den See als schwarze Scheibe erkennen. Davor schemenhafte Bewegungen. Gestalten, die sich gegen das dunkle Grau des Himmels abzeichnen. Drei, vier, fünf. Sie nähern sich mit langsamen Schritten. Die Bewegungen wirken unsicher, wie die eines Betrunkenen. Der Wind dreht und weht ächzende, seufzende Geräusche an mein Ohr, die mir für einen Moment den Atem stocken lassen. Schmerz, Einsamkeit, Tod. Vor Schreck lasse ich die Kerze fallen, sie erlischt im Gras. Ich greife nach den Fensterläden, hastig, rutsche ab, reiße mir die Hand am splittrigen Holz ein. Das Stöhnen kommt näher, die Schritte sind jetzt deutlich zu hören, aber ich wage nicht, den Blick zu wenden. Will nur dieses Fenster schließen, die Nacht ausschließen und alles Grauen darin. Dann bekomme ich das Holz zu greifen, schließe das Fenster so schnell ich kann. Der Riegel klemmt, mit der flachen Hand schlage ich dagegen. Verzweiflung steigt in mir auf. Mehr als das: reine, kalte Angst. Dann bewegt sich der Riegel und schließt. Im gleichen Moment erzittert das Holz unter einem heftigen Stoß. Etwas schlägt von außen dagegen. Wieder und wieder. Ich taumele nach hinten. Das Wispern aus dem Kellerraum wird nach jedem Schlag lauter. Jetzt formt sich daraus eine Stimme. Gespenstisch. Leblos.
„Kommt. Kommt.“
Die Worte hallen in meinem Kopf nach. Ich bedecke meine Ohren mit den Händen wie ein kleines Kind. Und schreie.
Nein! Nein! Nein!

„Du siehst müde aus.“
„Es geht schon, Graf Born.“
Er schweigt. Beobachtet mich, das kann ich aus den Augenwinkeln sehen. Ich starre auf den Tisch, unfähig ihn anzusehen.
„Es sind noch zwanzig Tage.“
„Ich weiß.“
„Und du hältst durch?“
„Ja, glaubt mir bitte, alles ist gut. Ich werde meine Aufgabe erfüllen.“
Wie hätte ich ihm auch beschreiben sollen, was in der Nacht geschehen ist? Sollte ich ihm von den seltsamen Gestalten erzählen, den Rufen aus dem Keller? Er konnte mich doch nur für verrückt halten. Ohne Frage würde er mich zum Teufel jagen und ich hätte die raffgierigen Geldleiher am Hals. Ohne Aussicht, sie bezahlen zu können. Nein, ich musste durchhalten. Noch zwanzig Tage. Wahrscheinlich war der Wein schlecht gewesen, hatte mir Trugbilder in den Kopf gezaubert.
Ich sah auf, versuchte, einen selbstbewussten Ausdruck in mein Gesicht zu legen.
„Wirklich, Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen. Die Tür wird von mir gut bewacht. Hier kommt niemand hinein.“
Der Graf nickt nachdenklich. „Nun gut.“

Ich schrecke aus einem unruhigen Schlaf hoch. Etwas hat mich geweckt. Ein Knall? Ich sitze auf dem Stuhl am Tisch. Vor mir die leere Flasche, rote Ringe bilden ein bizarres Muster auf dem speckigen Holz. Entgegen den Anweisungen des Grafen bin ich eingeschlafen. Nur kurz, aber es ist Nacht, und seine Befehle waren eindeutig. Ich reibe mit meiner schwieligen Hand über das Gesicht, strecke mich, schüttele den Kopf, um die Müdigkeit, diese felsenschwere Müdigkeit abzuschütteln. Dann lausche ich. Stille. Ich sehe mich mit verquollenen Augen um. Die Fensterläden sind verschlossen. Dann fällt mein Blick auf die Eingangstür und eine eiskalte Hand umschließt kurz und heftig mein Rückgrat. Die Tür steht offen. Ich bin mir sicher, dass ich sie abgeschlossen habe, wie jeden Abend. Da, der Schlüssel steckt noch von innen im Schloss. Mühsam erhebe ich mich, warte kurz, bis Kraft in meine müden Beine kommt, bevor ich mich langsam der Tür nähere. Gleich hinter dem Türrahmen beginnt die schwarze Wand der Nacht. Mit zugekniffenen Augen versuche ich, etwas in dieser Dunkelheit zu erkennen, lehne mich, mit beiden Händen den Türrahmen umklammernd, so weit es geht in die unerwartet kalte Nacht hinaus, stiere, bis mir die Augen schmerzen. Nichts.
Gerade wende ich mich wieder ab, als etwas meine Hand, die immer noch das kalte Holz des Rahmens umklammert, packt. Ich schreie auf, kann gerade noch eine leichenblasse Hand sehen, an einem Finger eine Art Siegelring, spüre die feuchte Haut, also ob sie eben aus dem eiskalten Wasser eines Brunnens gezogen worden wäre, dann entreiße ich meine Hand dem eisigen Griff, der mich bis in meine Zehenspitzen erschauern lässt, springe in die Hütte, ramme die Tür mit aller Gewalt zu, werfe mich dagegen, die wie nicht aus dieser Welt klingenden seufzenden Geräusche dringen durch das zentimeterdicke Holz als wäre es Papier, meine zitternden Finger bekommen den Schlüssel nicht zu greifen, rutschen immer wieder ab, doch dann schaffe ich es, kann den Schlüssel drehen, einmal, zweimal, der Riegel schiebt sich in den Türrahmen, ich stoße mich mit beiden Händen nach hinten, stolpere über meine halb tauben Beine, falle, schlage mir den Kopf auf dem staubigen Boden an, es schmerzt, aber nicht so sehr wie das Schreien, das Jaulen, das unmenschliche Getöse, das sich mit einem Mal da draußen erhebt, es scheint aus allen Richtungen zu kommen, ich presse meine Hände auf die Ohren, vergeblich, es ist, als ob die Schreie direkt in meinem Kopf entstehen, und dann schreie auch ich, schreie, als würden mich alle Feuer der Hölle versengen.
Und dann höre ich wieder die Stimme aus dem Keller. „Kommt! Kommt!“
Da weiß ich, was zu tun ist, um mich von dem Schmerz zu erlösen.
Ich nehme die Hände von den Ohren und rufe so laut ich kann: »In Ordnung, ich werde euch einlassen.«
Kaum habe ich die Worte ausgesprochen, ist es still. Ich erhebe mich, versuche, den pochenden Schmerz in meinem Kopf nicht wahrzunehmen, schlurfe, unendlich langsam wie mir scheint, zur Eingangstür und entriegele sie mit letzter Kraft. Ich öffne und das letzte, was ich sehe, bevor ich die Besinnung verliere, ist ein Mann, gekleidet wie die Wache eines hohen Adligen, mit einem Schwert in der Hand, die Augen rotglühende Kohlen.

Als ich wieder zu mir komme, sehe ich durch die geöffnete Tür die Sonne, die hoch am Himmel steht. Mein Kopf ist klar, tatsächlich fühle ich mich so erholt wie seit vielen Tagen nicht mehr. Ich setze mich auf, blicke mich um, die Hütte sieht unverändert aus, auf dem Tisch steht noch die Weinflasche, das Feuer im Kamin ist niedergebrannt. Nur zögerlich kommen die Erinnerungen wieder. Ich fasse an die Stelle an meinem Kopf, die auf dem Boden aufgeschlagen ist. Kein Schmerz, kein Blut, nicht einmal eine Beule. Überraschend mühelos stehe ich auf und es erscheint mir nur naheliegend, dass mich meine Schritte in den Kellerraum führen. Bereits auf halbem Weg die Treppe hinunter sehe ich die offene Tür, davor auf dem Boden die Kette mit dem Vorhängeschloss. Weder Kette noch Schloss zeigen Spuren von Gewalt, ganz so, als wäre das Schloss mit einem Schlüssel geöffnet worden. Ich nähere mich der Kammer, ziehe die kalte metallene Tür weiter auf und schaue hinein. Ein fensterloser Raum mit grob gemauerten Wänden. Leer, bis auf einen Sack aus Leder, der auf dem Boden liegt. Das Geräusch von klimpernden Münzen, als ich ihn in die Hand nehme.

Der Graf kommt nicht. Nicht an diesem Tag, nicht am nächsten. Ich warte weitere drei Tage, dann mache ich mich auf den Weg in das nächste Dorf. In einem Gasthaus lasse ich mich an einem Tisch nieder und bestelle Braten und Bier. Als die Wirtin mir das Essen bringt, frage ich sie leise: »Wie komme ich denn zum Anwesen von Graf Born?«
Sie blickt mich an, zieht eine Augenbraue hoch. »Der Graf ist tot. Vor ein paar Tagen gestorben. Im Schlaf, wie man hört. Dabei war der doch noch so jung. Na ja, irgendwann bekommt er uns alle, der Sensenmann, was? Lasst Euch den Braten schmecken.« Damit geht sie zurück in die Küche.

Über dem See geht die Sonne unter. Ich stehe am Ufer und schaue über das Wasser. Ich habe beschlossen, in der Hütte zu bleiben. So lange, wie es geht. Vielleicht ja auch für immer. Niemand scheint sich dafür zu interessieren, für mich. In die Stadt möchte ich nicht zurück. Das Essen im Gasthaus ist gut und die Münzen aus dem Ledersäckchen werden sicherlich noch einige Zeit reichen. Was danach ist, wird sich zeigen. Vielleicht kann ich auch irgendwann verstehen, was passiert ist. Verstehen und dann vergessen.
 
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17.08.2016
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In meiner Jugend habe ich sehr gern Edgar Allan Poe gelesen. Ich habe mich hier an einer Geschichte dieser Art versucht (ohne mich natürlich im geringsten mit ihm vergleichen zu wollen!). Wollte mal was ausprobieren...
 

MRG

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12.03.2020
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Guten Abend @Fraser,

bin sehr beeindruckt von deinem Text. Hat mich von Anfang bis Ende fasziniert, für mich einer der sehr guten Texte hier im Forum. Besonders gelungen finde ich diese kleinen Versprechen, die du immer wieder auflöst, nur um dann ein neues Versprechen an mich als Leser zu geben. Werde mehr von dir lesen. So und jetzt zur Textarbeit, um dir meinen subjektiven Leseeindruck zu verdeutlichen:

Über dem See geht die Sonne unter. Gleich beginnt die dritte Nacht.
Ich mag den Einstieg, kann mir den Ort vorstellen und das ganz gut in meinem Kopf einordnen.

Damit meine ich nicht die Aufgabe. Die Anweisungen des Grafen waren eindeutig.
Interessant, das ist für mich auch eines dieser Versprechen, die ich oben angesprochen habe. Ich frage mich, was genau es damit auf sich hat? Und du lieferst das auch in deinem Text, was ich sehr genossen habe.

Dieses Gefühl, das man zu nächtlicher Stunde in einer dunklen Gasse hat, wenn die Schatten in den Hauseingängen lebendig zu werden scheinen und man wieder und wieder über die Schulter blickt.
Du baust hier eine gute Atmosphäre auf, die mich in deine Geschichte zieht. Generell finde ich deine Vergleich sehr gelungen. Konnte mir das hier gut vorstellen, hat für mich funktioniert.

Die Erinnerung an die furchtbaren Geräusche der letzten Nacht, das Jaulen im Wald, das Kratzen an den Fensterläden, jagt einen Schauer durch meinen Körper.
Diese Interaktion zwischen Umwelt und Protagonist finde ich ganz exzellent. Das fällt mir auch immer wieder in Büchern auf. Jedes Mal nehme ich mir vor, das auch zu machen (jetzt auch wieder).

Niemand weiß, ob der Graf wirklich ein solcher ist. Er nennt sich so, entstammt aber keinem hier ansässigen Geschlecht.
Wieder weckst du diese Spannung, ein weiteres Versprechen an mich. Ist er ein Graf oder nicht? Finde es hier interessant, dass du diese Zweifel im Raum lässt. Ich kann das gut nehmen, weil es ja aus der Perspektive deines Protas geschrieben ist und er es einfach nicht wissen kann.

„Der Wein ist gut.“
„Sicher.“
Hier zeigst du die unterschiedliche Hierarchieebene geschickt, es wird direkt deutlich, wer die Macht hat.

Drei Wochen noch und du bist deine Schulden los.“
Spannend!

Lieh neues Geld, um alte Schulden zu begleichen.
Sprachlich finde ich das schön gemacht. Neues Geld für die alten Schulden, hat sich gut angehört für mich.

Lass es.“
Das war meine erste Begegnung mit dem Grafen.
Er rettet ihm das Leben und dann beauftragt der Graf den Protagonisten damit, sich um seines zu kümmern (auch wenn er das ja nicht direkt weiß). Finde ich eine interessante Idee und das Ende ist dann doch bestürzend.

Eine unterbewusste Abneigung.
Ich würde hier "unbewusst" vorschlagen. Denn "unterbewusst" impliziert für mich, eine räumliche Trennung, was nicht zutreffend ist. Hatten das letztens noch bei uns in der Vorlesung, aber ist nur eine Minikleinigkeit.

Ich greife mir eine Kerze, leuchte vor mich in die Dunkelheit. Treppenstufen. Als ich einen Fuß auf die erste Stufe setze, höre ich die Stimme von unten.
Wieder die Interaktion mit der Umwelt und dann sprichst du die Sinne an, erzeugst Spannung und ich kann gar nicht mehr genug bekommen. Ganz ehrlich, du hattest meine volle Aufmerksamkeit und wenn der Text länger gewesen wäre, hätte mich das nicht gestört.

Nur ein leerer Raum. Und die Tür. Die Tür!
Die Dopplung mit der Tür hat mich gestolpert. Das liest sich für mich nicht so richtig professionell, mochte ich nicht so.

Alle Ermahnungen des Grafen ignorierend entriegele ich den Fensterladen und drücke ihn langsam auf. Halte den Atem an und lege alle Kraft darin, etwas zu erkennen.
Ich finde, dass diese Stellen die Spannung immer wieder steigern. Habe mir das gut vorstellen können und ganz vergessen, dass ich ja eigentlich den Text analysieren wollte.

Am Rande des fahlen Lichtkreises zeichnen sich die Bäume als senkrechte Schatten ab. Dort beginnt der Wald.
Den zweiten Teil könntest du meiner Meinung streichen, das kommt mir wie eine offensichtliche Wiederholung vor.

Das Stöhnen kommt näher, die Schritte sind jetzt deutlich zu hören, aber ich wage nicht, den Blick zu wenden. Will nur dieses Fenster schließen, die Nacht ausschließen und alles Grauen darin.
Sehr genossen! Und ich hatte schon etwas Gänsehaut.

hne Frage würde er mich zum Teufel jagen und ich hätte die raffgierigen Geldleiher am Hals. Ohne Aussicht, sie bezahlen zu können. Nein, ich musste durchhalten.
Das zeigt sehr deutlich das Motiv des Protagonisten und erklärt mir, warum er sich diesem Grauen stellt.

Gerade wende ich mich wieder ab, als etwas meine Hand, die immer noch das kalte Holz des Rahmens umklammert, packt.
Und dann höre ich wieder die Stimme aus dem Keller. „Kommt! Kommt!“
Oh, Mann! Ich fand es gruselig und richtig spannend. Naja, ich wiederhole mich. Liegt wohl vor allem daran, dass ich echt gut in deiner Geschichte versunken bin.

Ein fensterloser Raum mit grob gemauerten Wänden. Leer, bis auf einen Sack aus Leder, der auf dem Boden liegt.
Das bereitet das Ende vor, ist wie ein Hinweis, dass doch etwas passiert sein muss. Und dann ist der Graf tatsächlich tot. Ich fand das schade, weil ich den Grafen doch mochte. Ein mysteriöser Charakter, dem ich ein gutes Herz zuschreibe. Vielleicht war er verflucht und sah in dem Progaonisten seine letzte Chance?

Über dem See geht die Sonne unter. Ich stehe am Ufer und schaue über das Wasser. Ich habe beschlossen, in der Hütte zu bleiben. So lange, wie es geht. Vielleicht ja auch für immer.
Das Ende ist irgendwie traurig. Diese Beschreibung der Szene mit der untergehenden Sonne und dem Blick über den See. Da steckt für mich schon einiges drin, schön gemacht.

Insgesamt habe ich diesen Text sehr gerne gelesen, bin in der Geschichte versunken und will mehr davon lesen. Für mich hat dein Experiment geklappt, weiter so!


Beste Grüße
MRG
 
Senior
Monster-WG
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10.09.2014
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José: Bitte gestalte Deinen nächsten Text so, dass ich mich mit dickem Lob revanchieren kann.
Hola @Fraser, dass Du so schnell mit einer neuen Geschichte reagierst, hätte ich nicht erwartet ;) .
Hier kommt das Lob.

Ich bin durch die Wiederbeatmung Deiner Prachtgeschichte ‚Der letzte Gang‘ durch @MRG noch einmal an Deinen extraordinären Einfall und die ebenso gelungene Ausführung dieser Geschichte erinnert worden. Den Claus Wagner vergisst man nicht. Eine Klasse für sich!

Bei der heutigen Lektüre wird mich gleichfalls ein ausgereifter, gekonnter Text erfreuen. Dessen bin ich mir ziemlich sicher – zumal Du den guten alten Poe erwähnst.

Es gibt nur wenige Korinthen:
Über dem See geht die Sonne unter.
‚Über dem See‘ verbinde ich mit Mittag, die Sonne steht über dem See, also im Zenith.

Mit dem letzten Sonnenstrahl schließe ich alle Fensterläden, verriegele die Türen und setze mich im Schein der Kerzen an den grob gezimmerten Tisch.
Das gehört zu seinem Job, dafür bleibt er im Hausinnern. Dass ihm dann Finsternis und bedrohliche Schatten außerhalb des Hauses aufs Gemüt schlagen, weiß ich nicht zu deuten:
Dieses Gefühl, das man zu nächtlicher Stunde in einer dunklen Gasse hat, wenn die Schatten in den Hauseingängen lebendig zu werden scheinen und man wieder und wieder über die Schulter blickt.
Er sitzt doch die ganze Nacht im Haus - ‚bis das erste Tageslicht unter dem Türspalt zu sehen ist‘.

„Vielleicht könnt Ihr mir anderen bringen?“
Nicht ‚bringen lassen‘? Schließlich ist der ‚Graf‘ kein Laufbursche.

Gerade schickte ich mich an,
Hehe, lange nicht gehörtgelesen.

Halte den Atem an und lege alle Kraft darin, etwas zu erkennen.
Viel Kraft braucht es nicht zum Gucken, eher Konzentration?
Jedenfalls wieder eine Stelle, wo ‚Spannung‘ tatsächlich spürbar ist. Kompliment, Fraser!

Ihr braucht euch …
… lehne mich, mich mit beiden Händen an den Türrahmen klammernd, …
… einen halben Meter in die unerwartet kalte Nacht, …
Der ‚halbe Meter‘ stört, weißt?

Und dann kommt dieser monumentale Megasatz, den Du wirklich großartig formuliert hast, Ein einziges Sandkorn vielleicht:
die wie nichts Lebendiges klingenden seufzenden Geräusche
Vielleicht kriegst Du das noch ein bisschen anders hin; jedenfalls dicht und spannend aufgezogen – da rückt Mister Poe schon sehr nahe!

presse meine Hände auf die Ohren, vergeblich, es ist, als ob die Schreie direkt in meinem Kopf entstehen, und dann schreie auch ich, schreie, als würden mich alle Feuer der Hölle versengen.
Die absolute Steigerung, dass die Schreie im Kopf des Prota entstehen!
Fraser, Du kannst was!

die Truppe hinunter
Dreckfehler

Lasst euch den Braten schmecken.

Auf den letzten Metern löst sich meine Verspannung, der Blutdruck normalisiert sich. Ich lese:
Vielleicht kann ich auch irgendwann verstehen, was passiert ist.
Ach ja, das wäre mir schon recht. Kein Problem, schließlich weiß ich, wie schwer ein befriedigendes Ende zu finden ist:D.

Lieber Fraser, da hast Du uns mal gezeigt, was eine Harke ist – immerhin sind ‚Spannung‘ zu taggen und ‚Spannung‘ zu liefern zwei verschiedene Paar Schuhe. Hast Du mit Bravour gemeistert!
Beste Grüße!
José

PS: Hast einen Fan mehr.
 
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05.07.2020
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Hallo @Fraser, starke Geschichte wie ich finde! Dir gelingt es sehr gut, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Ich kann mir die Tage (schwül, Spätsommer, an einer Stelle gewittrig) und auch die Nächte sehr gut vorstellen und das bereichert natürlich deinen Text!

Dann starre ich auf den Durchgang mit der Treppe, die in den Keller führt. Stundenlang. Unten ist ein kleiner Raum. Leer. Bis auf eine Tür aus Metall, die mit einer schweren Kette verschlossen ist. Diese Tür, da waren die Worte des Grafen eindeutig und seine Augen glühten vor Intensität, als er mich darauf einschwor, diese Tür darf unter keinen Umständen geöffnet werden.
Starker Einstieg. Ich kann mir die Situation gut vorstellen und eine leichte Bedrohung ist zu spüren. Cool :)

Die Würfel, die verdammten.
Diesen Abschnitt, in dem du erklärst, woher die Schulden kamen und wie er auf den Grafen trifft, braucht es meiner Meinung nach nicht unbedingt. Du deutest ja bereits im Abschnitt vorher an, dass er diese Aufgabe übernimmt, um seine Schulden beim Grafen abzubauen. Ich glaube, ich fände es besser, wenn diese Schulden diffus bleiben, zumal du mit dem Abschnitt nichts sonderlich Relevantes erzählst. Ist aber nur mein Eindruck.

. Ich schüre das Feuer, weil mir mit einem Mal schrecklich kalt ist. Draußen wird es windig, die Fensterläden klappern. Verstohlen blicke ich über die Schulter zu dem Durchgang mit der Treppe.
Jetzt beginnt der Horror. Sehr gut beschrieben. Zum Beispiel wenn er zwei Stufen der Treppe nimmt. Insgesamt bin ich aber am überlegen, ob mir das zu schnell geht? Ob es nicht cooler wäre, die seltsamen Vorkommnisse dezenter einzusetzen und nicht gleich mit erloschenem Feuer, Stimmen und wankenden Gestalten, die gerufen werden anzufangen. Bin mir unsicher. Ist aber auf jeden Fall sehr spannend geschrieben.


Finde die Geschichte wirklich lesenswert und spannend geschrieben. Du baust eine gute Stimmung auf, schreibst flüssig und kannst die Atmosphäre bis zum Schluss halten! Kompliment dafür! Meiner Meinung nach könntest du nur den Teil mit den Schulden evtl. streichen und dafür die Horrorelemente langsamer aufbauen. Ist aber wie gesagt nur ein Vorschlag.

Sehr gerne gelesen!
Habentus
 
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24.03.2019
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Hallo @Fraser ,

dann wollen wir mal.

Diese Tür, da waren die Worte des Grafen eindeutig und seine Augen glühten vor Intensität, als er mich darauf einschwor, diese Tür darf unter keinen Umständen geöffnet werden.

Hier habe ich eine handwerklich Frage. Für mich klingt dieser Teil arg nach wörtlicher Rede. Wieso muss es dann nicht in Anführungsstriche. Es klingt für mich auch nicht nach indirekter Rede. Eher als Frage in die Runde gemeint.

P.S.: Unter vor Intensität glühenden Augen mag ich mir so recht nichts vorstellen. Klingt ein wenig dick aufgetragen. Evtl. Alternative: Er schaute mich eindringlich an.

Aber ich halte mich an die Anweisungen, denn ich brauche das Geld. Und so trinke ich den süßen Wein und warte auf das Ende der Nacht.

Das empfinde ich als einen logischen Widerspruch. Er hält sich an die Anweisungen, braucht das Geld, will keinen Fehler machen, aber trinkt die ganze Nacht süßen Wein. Kann mir nicht vorstellen, dass der Graf das okay findet. Und warum sitzt er draußen?

Ich lese erstmal weiter. Klärt sich vll noch auf.

Die Tage sind angenehm. Es ist spätsommerlich warm. Der Wald riecht nach Harz, Vögel singen in den Sträuchern am Seeufer, die Sonne spiegelt sich im Wasser. Nachts verändert sich alles. Ich bin nicht besonders ängstlich, aber in den dunklen Stunden legt sich etwas Bedrohliches über diesen Ort. Dieses Gefühl, das man zu nächtlicher Stunde in einer dunklen Gasse hat, wenn die Schatten in den Hauseingängen lebendig zu werden scheinen und man wieder und wieder über die Schulter blickt. Und so werden mir die Stunden lang, bis das erste Tageslicht unter dem Türspalt zu sehen ist und ich mich in das ungemachte Bett lege.

Das sind jetzt übergeordnete Gedanken, die er hat, während er in Warteposition ist, oder verstehe ich das falsch?

Ich erwache wieder aus einem traumlosen Schlaf, das Hemd klebt mir schweißnass am Körper.

Vorher werden keine traumlosen Schläfe erwähnt, daher irritiert mich das 'wieder'. Ist er jetzt bei der Wache eingeschlafen und daraus erwacht?

Kurz darauf steht der Graf in der Tür. Er trägt ein einfaches Hemd, das er sich in die lederne Hose gestopft hat. Sein Blick geht einmal schnell durch den kleinen Raum und bleibt dann an mir hängen.

Sitzt der Wächter jetzt draußen oder drinnen. Im dritten Satz ganz am Anfang legt er die Flasche noch ins Gras.

„Ich denke schon, Graf Born.“
„Und hast alles, was du brauchst?“
„Ja. Nur der Wein ...“
„Was ist damit?“
„Vielleicht könnt Ihr mir anderen bringen?“
Der Graf blickt hinter sich, mustert die neben der Feuerstelle aufgereihten Flaschen ohne Etikett. Dann schüttelt er den Kopf. „Der Wein ist gut.“

Okay, also der Wein ist erlaubt. Für mich entbehrt das trotzdem einer gewissen Logik. Alkohol im Dienst. Vielleicht liegt es an meinem Beamtenstatus.

Ein Monat und dann sehen wir weiter.

Auch das nehme ich als wörtliche Rede ohne angemessene Satzzeichen wahr.

mit letzter Kraft. Ich öffne und das letzte,

zweimal letzte kurz hintereinander und beim zweiten Mal groß schreiben, meine ich

Okay, hab es durch.

Ich muss zugeben, deine Geschichte lässt mich ratlos zurück. Ich hatte bei der Lektüre Schwierigkeiten, Raum und Zeit sinnstiftend einzuordnen. Vielleicht ist das auch das Ziel, aber durch die bei mir entstandene Verwirrung entstand auch Frustration.

Sprachlich okay, aber auch nicht so, dass ich die Szene als besonders wahrnehme.

Edgar Allen Poe habe ich im Stuidum lesen müssen. Die Prosatexte kenne ich gar nicht, sondern nur die Gedichte (The Raven und Annabel Lee). Sein theoretischer Text 'The philosophy of composition' hat mir gut gefallen, aber dort ging es immer um schöne, junge Mädchen, die plötzlich sterben oder schon tot sind.

Ich hoffe, du kannst mit meinen persönlichen Eindrücken etwas anfangen. Wenn nicht, auch nicht schlimm.

Liebe Grüße,

HL
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
09.12.2016
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645
Hallo @Fraser,

ein Schauermärchen - wie schön!

Kann mich den lobenden Stimmen nur anschließen.
Für mich ist das eine metaphorische Geschichte. Der Protagonist will sich umbringen, weil ihm das Leben über den Kopf wächst, versteckt sich dann aber in einer einsamen Hütte, in der er mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert wird. Auf sich selbst zurückgeworfen, säuft er weiter und weigert sich, in sein Innerstes zu schauen, das fest verriegelt in ihm schlummert. Der Graf ist sein größter Dämon und zugleich seine größte Kraft, die ihn vor dem Freitod bewahrt, aber auf keinen Fall will, dass er sein Leben ändert, indem er seine innere Düsternis bezwingt. Im Verlauf des "Experiments" wird er wahnsinnig, ist vielleicht auch im Delirium. Erst als er seine Schatten annimmt, geht die Sonne auf, er hat neue Kraft geschöpft, um sein Leben zu meistern oder ist endgültig in eine andere Sphäre entglitten, das lässt der Text offen. Der Tod des Grafen steht hier wahlweise für den gewonnenen Kampf gegen die Dunkelheit oder seinen eigenen geistigen oder gar physischen Tod.

Soweit meine Interpretation. Hat mir unheimlich gut gefallen, hochspannend geschrieben, ich habe bis zum Schluss mitgefiebert. Chapeau!

Nur ein paar Kleinigkeiten:


Die Tage sind angenehm. Es ist spätsommerlich warm. Der Wald riecht nach Harz, Vögel singen in den Sträuchern am Seeufer, die Sonne spiegelt sich im Wasser.
Der Absatz hat mich irritiert, weil ich davon ausgegangen bin, dass er die Tage verschläft.


Schon bald hörte man von rauschenden Festen auf dem Schloss. Bei den Damen scheint er auch einen Schlag zu haben. Auf jeden Fall muss er sehr wohlhabend sein.
Hier denke ich, dass er von seiner eigenen dunklen Seite spricht. Sicher hatte er anfangs Glück im Spiel, hat auf großem Fuß gelebt, bevor sich das Blatt vollends wendete.


Sein kantiges Gesicht mit den schmalen Lippen und den tiefbraunen Augen ist jetzt nah vor meinem
Das war mir zu plakativ.


Die Würfel, die verdammten. Das Klicken, wenn sie in der Hand rollen, das leichte Stoßen gegen die feuchten Handflächen, der atemlose Moment, in dem sie durch die Luft wirbeln. So muss sich Gott gefühlt haben, als er Himmel und Erde erschuf. Nur, dass meine Schöpfung zu selten gehorchte.
Wunderschön!


Unmöglich, gerade eben brannten dort drei dicke Scheite mit gelben Flammen. Aber jetzt ist dort nur Asche zu sehen.
Schön schaurig ...

Aber jetzt ist dort nur Asche zu sehen. Als ich meine Hand darüber halte, spüre ich keine Wärme.
Für mich ist das eine Metapher dafür, dass er am Ende ist.


halte die Kerze vor mich, bewege sie langsam hin und her.
Der Wind hat zwar nachgelassen, aber kurz darauf erwähnst du das Rauschen des Laubes, also müsste die Kerze ausgehen.


Die Bewegungen wirken unsicher, wie die eines Betrunkenen
Lässt mich auch wieder auf seine eigenen Dämonen schließen.


Schmerz, Einsamkeit, Tod.
So sehe ich das auch. Egal, ob er am Ende wirklich stirbt oder nur ein Teil von ihm.


Vor mir die leere Flasche, rote Ringe bilden ein bizarres Muster auf dem speckigen Holz.
Auch so ein schöner melancholischer Satz.


Sehr gern gelesen von Chai
 
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Monster-WG
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Hola @Fraser, hola @Chai

Chai: Kann mich den lobenden Stimmen nur anschließen.
Und ich schließe mich gern Deiner Definition des Textes an, liebe Chai. So macht es Sinn.

Bei solchen Sachen wie Metaphorik bin ich sehr schwach aufgestellt; alles was abstrakt ist, hat bei mir keine Chance. Jedenfalls leuchtet der Text ein, durch Chais Brille betrachtet. Das ist ein Psycho-Ding vom Feinsten, mMn.

Schöne Grüße!
José
 
Monster-WG
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Lieber @Fraser

ich habe Deine Geschichte mit Begeisterung gelesen. Der Spannungsaufbau und das Halten der Spannung ist Dir sehr gut gelungen. Ich mag Deinen Schreibstil, bin nah am Protagonisten und kann mir alles lebhaft vorstellen. An vielen Stellen hat es mich ordentlich gegruselt :thumbsup:

Hier ein paar Anmerkungen:

Über dem See geht die Sonne unter. Gleich beginnt die dritte Nacht. Ich sitze auf einem Stuhl, neben mir im Gras eine Flasche von diesem unerträglich süßen Wein

Das mit dem Gras hat mich etwas irritiert. Da kurz darauf weiter unten steht, er sitzt am Tisch. War er davor draußen? Dann würde ich das klarer machen.

Mit dem letzten Sonnenstrahl schließe ich alle Fensterläden, verriegele die Türen und setze mich im Schein der Kerzen an den grob gezimmerten Tisch. Dann starre ich auf den Durchgang mit der Treppe, die in den Keller führt. Stundenlang.

Ich weiß nicht, was ich bewache oder vor wem.

Hier ist meine Neugierde geweckt. Ich möchte wissen, was er da bewacht.

Die Tage sind angenehm. Es ist spätsommerlich warm. Der Wald riecht nach Harz, Vögel singen in den Sträuchern am Seeufer, die Sonne spiegelt sich im Wasser. Nachts verändert sich alles. Ich bin nicht besonders ängstlich, aber in den dunklen Stunden legt sich etwas Bedrohliches über diesen Ort. Dieses Gefühl, das man zu nächtlicher Stunde in einer dunklen Gasse hat, wenn die Schatten in den Hauseingängen lebendig zu werden scheinen und man wieder und wieder über die Schulter blickt.

Sehr schön beschrieben :thumbsup:

Sein Blick geht einmal schnell durch den kleinen Raum und bleibt dann an mir hängen.

Würde ich streichen. Unnötiges Adjektiv.

„Lass es.“

Hier fehlt ein Ausrufezeichen.
Er zog mich in die nächstbeste Spelunke und ich soff weiter. Er saß mir schweigend gegenüber.

2 Sätze, die mit "er" beginnen.
Vorschlag: Er zog mich in die nächstbeste Spelunke und ich soff weiter, während er mir schweigend gegenüber saß.

„Kommt. Kommt.“

Hier fehlen Ausrufezeichen.

„Wirklich, Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen. Die Tür wird von mir gut bewacht. Hier kommt niemand hinein.“
Der Graf nickt nachdenklich. „Nun gut.“

Wortwiederholung.

ch sehe mich mit verquollenen Augen um.

Würde ich streichen, da an der Stelle unnötig. Nimmt das Tempo.

schlage mir den Kopf auf dem staubigen Boden an, es schmerzt, aber nicht so sehr wie das Schreien, das Jaulen, das unmenschliche Getöse,

Würde ich streichen. Unnötiges Adjektiv. Nimmt das Tempo.

es scheint aus allen Richtungen zu kommen, ich presse meine Hände auf die Ohren, vergeblich, es ist, als ob die Schreie direkt in meinem Kopf entstehen, und dann schreie auch ich, schreie, als würden mich alle Feuer der Hölle versengen.

... aus allen Richtungen zu kommen. Ich presse ....

Geil beschrieben. Da sind so viele Stellen, bei denen ich mich grusle und mitfiebere.

Sie blickt mich an, zieht eine Augenbraue hoch. »Der Graf ist tot. Vor ein paar Tagen gestorben. Im Schlaf, wie man hört. Dabei war der doch noch so jung

Das ist sehr überraschend. :thumbsup:

Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen.

Ganz liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
Silvita
 
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Danke, lieber @josefelipe, bin schon ganz gespannt, ob es tatsächlich so gemeint war.

Viele Grüße,

Chai
 
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Hallo @MRG,
bin sehr beeindruckt von deinem Text. Hat mich von Anfang bis Ende fasziniert, für mich einer der sehr guten Texte hier im Forum.
Na, der Kommentar geht doch gut los. Vielen Dank, das motiviert ungemein.
Und natürlich auch danke überhaupt fürs Lesen und Kommentieren.

Die Erinnerung an die furchtbaren Geräusche der letzten Nacht, das Jaulen im Wald, das Kratzen an den Fensterläden, jagt einen Schauer durch meinen Körper.
Diese Interaktion zwischen Umwelt und Protagonist finde ich ganz exzellent. Das fällt mir auch immer wieder in Büchern auf. Jedes Mal nehme ich mir vor, das auch zu machen (jetzt auch wieder).
Ich habe in der Geschichte versucht, so ein bisschen - nun ja - romantischer zu schreiben. Nicht im Sinne von Kitsch, sondern eher im Sinne der Epoche. Natur und Seele, so was in der Richtung. Und auch ein wenig in Anspielung an die Sprache von Poe und seiner Zeit, was sich ja auch im Setting widerspiegel sollte. Schön, wenn es dir zugesagt hat.
Niemand weiß, ob der Graf wirklich ein solcher ist. Er nennt sich so, entstammt aber keinem hier ansässigen Geschlecht.
Wieder weckst du diese Spannung, ein weiteres Versprechen an mich. Ist er ein Graf oder nicht? Finde es hier interessant, dass du diese Zweifel im Raum lässt. Ich kann das gut nehmen, weil es ja aus der Perspektive deines Protas geschrieben ist und er es einfach nicht wissen kann.
Hier sollte der Leser im Ungewissen gelassen werden, ein wenig mysteriöse Grundstimmung aufgebaut werden. Und ja, nicht jede Frage wird beantwortet, in der Hoffnung, so eine bedrohlich-seltsame Szenerie zu entwerfen.
Das war meine erste Begegnung mit dem Grafen.
Er rettet ihm das Leben und dann beauftragt der Graf den Protagonisten damit, sich um seines zu kümmern (auch wenn er das ja nicht direkt weiß). Finde ich eine interessante Idee und das Ende ist dann doch bestürzend.
Er rettet sein Leben, ja. Aber pickt sich ja auch absichtlich jemanden heraus, der ganz unten angekommen ist, der verzweifelt ist und damit letztendlich geeignet scheint, diese Aufgabe zu übrnehmen. Wie oben von dir beschrieben, die Hierarchie ist klar. Auf der anderen Seite ist der Graf ja auch abhängig von ihm, legt sein Leben in seine Hände. Also, wer ist eigentlich der Starke und wer der Schwache?

Eine unterbewusste Abneigung.
Ich würde hier "unbewusst" vorschlagen. Denn "unterbewusst" impliziert für mich, eine räumliche Trennung, was nicht zutreffend ist. Hatten das letztens noch bei uns in der Vorlesung, aber ist nur eine Minikleinigkeit.
Du hast Recht. Wird geändert.

Habe mir das gut vorstellen können und ganz vergessen, dass ich ja eigentlich den Text analysieren wollte.
So soll es sein ;-)
Den zweiten Teil könntest du meiner Meinung streichen, das kommt mir wie eine offensichtliche Wiederholung vor.
Einverstanden.

Sehr genossen! Und ich hatte schon etwas Gänsehaut.
Sehr schön :-)

Ein fensterloser Raum mit grob gemauerten Wänden. Leer, bis auf einen Sack aus Leder, der auf dem Boden liegt.
Das bereitet das Ende vor, ist wie ein Hinweis, dass doch etwas passiert sein muss. Und dann ist der Graf tatsächlich tot. Ich fand das schade, weil ich den Grafen doch mochte. Ein mysteriöser Charakter, dem ich ein gutes Herz zuschreibe. Vielleicht war er verflucht und sah in dem Progaonisten seine letzte Chance?
Interessant, dass du den Grafen so siehst. Ich habe ihn mir mehr als jemanden vorgestellt, der auf Kosten der armen Seele im Keller das große Leben lebt. Aber deine Interpreation ist auch reizvoll.
Insgesamt habe ich diesen Text sehr gerne gelesen, bin in der Geschichte versunken und will mehr davon lesen. Für mich hat dein Experiment geklappt, weiter so!
Es freut mich wirklich, dass dir die Geschichte gefallen hat. Wie gesagt, für mich war das jetzt sowohl von Thematik als auch Schreibstil ein Versuch. Aber nachdem der Text soviel Zuspruch gefunden hat, scheint das Experiment ganz gut funktioniert zu haben.

Vielen Dank noch mal!

Beste Grüße,
Fraser

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Hallo @josefelipe,
dass Du so schnell mit einer neuen Geschichte reagierst, hätte ich nicht erwartet
Ehrlich gesagt hatte ich die Geschichte bereits vor zwei Jahren zu etwa 90% geschrieben, so war es also nicht allzu schwer, dir so schnell Material für das angekündigte Lob zu liefern ;-).

Ich danke dir erst mal für die Korinthen. Hast ja doch ein paar im fertigen Kuchen gefunden.

‚Über dem See‘ verbinde ich mit Mittag, die Sonne steht über dem See, also im Zenith.
Hm, stimmt schon. Aber die Sonne geht halt irgendwie über dem See unter, denn es ist ein großer See. Wie also schreiben? "Am gegenüberliegenden Ufer?"

Er sitzt doch die ganze Nacht im Haus - ‚bis das erste Tageslicht unter dem Türspalt zu sehen ist‘.
Damit wollte ich das diffuse Gefühl der Bedrohung beschreiben, das er nicht abschütteln kann. Hat nichts damit zu tun, dass er das Haus verlassen würde oder tatsächlich durch die Straßen läuft.

Viel Kraft braucht es nicht zum Gucken, eher Konzentration?
Jedenfalls wieder eine Stelle, wo ‚Spannung‘ tatsächlich spürbar ist. Kompliment, Fraser!
Hm, gut. Ich überlege mir was.

die wie nichts Lebendiges klingenden seufzenden Geräusche
Vielleicht kriegst Du das noch ein bisschen anders hin; jedenfalls dicht und spannend aufgezogen – da rückt Mister Poe schon sehr nahe!
Ja, mit dem Ausdruck war ich auch nicht so richtig zufrieden und du gibst mir den Anstoß, noch mal darüber nachzudenken.

Vielleicht kann ich auch irgendwann verstehen, was passiert ist.
Ach ja, das wäre mir schon recht. Kein Problem, schließlich weiß ich, wie schwer ein befriedigendes Ende zu finden ist
Womit du meinst, dass es kein befriedigendes Ende ist?

Lieber Fraser, da hast Du uns mal gezeigt, was eine Harke ist – immerhin sind ‚Spannung‘ zu taggen und ‚Spannung‘ zu liefern zwei verschiedene Paar Schuhe. Hast Du mit Bravour gemeistert!
Danke, ein tolles und wirklich motivierendes Lob. Hm, vielleicht sollte ich mich dann ja häufiger in dem Metier versuchen?

Josefelipe, ich danke dir für deine Analyse.

Beste Grüße,
Fraser
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Hallo @Fraser, starke Geschichte wie ich finde! Dir gelingt es sehr gut, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Ich kann mir die Tage (schwül, Spätsommer, an einer Stelle gewittrig) und auch die Nächte sehr gut vorstellen und das bereichert natürlich deinen Text!
Hallo @Habentus,
Wir hatten, glaube ich, noch nicht Ehre. Willkommen und danke fürs Lesen und Kommentar-Hinterlassen. Es geht ja ganz gut los in deiner Analyse, weiter so ;-)

Die Würfel, die verdammten.
Diesen Abschnitt, in dem du erklärst, woher die Schulden kamen und wie er auf den Grafen trifft, braucht es meiner Meinung nach nicht unbedingt. Du deutest ja bereits im Abschnitt vorher an, dass er diese Aufgabe übernimmt, um seine Schulden beim Grafen abzubauen. Ich glaube, ich fände es besser, wenn diese Schulden diffus bleiben, zumal du mit dem Abschnitt nichts sonderlich Relevantes erzählst. Ist aber nur mein Eindruck.
Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es dabei bleibt.
Nee, bin natürlich auch für kritische Kommentare dankbar.
Auch wenn es insgesamt, wie ich finde, wenig Hintergrundinformationen gibt, wollte ich die Geschichte aber auch nicht ganz im Diffusen laufen lassen. Aber sicherlich würde es auch ohne diesen Absatz funktionieren, da gebe ich dir recht.

. Ich schüre das Feuer, weil mir mit einem Mal schrecklich kalt ist. Draußen wird es windig, die Fensterläden klappern. Verstohlen blicke ich über die Schulter zu dem Durchgang mit der Treppe.
Jetzt beginnt der Horror. Sehr gut beschrieben. Zum Beispiel wenn er zwei Stufen der Treppe nimmt. Insgesamt bin ich aber am überlegen, ob mir das zu schnell geht? Ob es nicht cooler wäre, die seltsamen Vorkommnisse dezenter einzusetzen und nicht gleich mit erloschenem Feuer, Stimmen und wankenden Gestalten, die gerufen werden anzufangen. Bin mir unsicher. Ist aber auf jeden Fall sehr spannend geschrieben.
Auch hier gebe ich dir recht. Die Geschichte hätte noch Platz zum Atmen gehabt. Andererseits muss man ja bei einer Kurzgeschichte auch immer aufpassen, dass sie einigermaßen kurz bleibt. Ich tendiere eh ein wenig zum "Fabulieren", was mir auch schon einige Male vorgeworfen wurde. Also hier der Kompromiss dazu.

Finde die Geschichte wirklich lesenswert und spannend geschrieben. Du baust eine gute Stimmung auf, schreibst flüssig und kannst die Atmosphäre bis zum Schluss halten! Kompliment dafür! Meiner Meinung nach könntest du nur den Teil mit den Schulden evtl. streichen und dafür die Horrorelemente langsamer aufbauen. Ist aber wie gesagt nur ein Vorschlag.

Sehr gerne gelesen!
Habentus
Vielen Dank für deine Einschätzung und ich freue mich, dass dir die Geschichte gefallen hat.

Beste Grüße,
Fraser
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Hallo @HerrLehrer,
Danke, dass du mir einen Kommentar hinterlässt.

Diese Tür, da waren die Worte des Grafen eindeutig und seine Augen glühten vor Intensität, als er mich darauf einschwor, diese Tür darf unter keinen Umständen geöffnet werden.

Hier habe ich eine handwerklich Frage. Für mich klingt dieser Teil arg nach wörtlicher Rede. Wieso muss es dann nicht in Anführungsstriche. Es klingt für mich auch nicht nach indirekter Rede. Eher als Frage in die Runde gemeint.

P.S.: Unter vor Intensität glühenden Augen mag ich mir so recht nichts vorstellen. Klingt ein wenig dick aufgetragen. Evtl. Alternative: Er schaute mich eindringlich an.
Zur handwerklichen Frage. Es ist ja größtenteils so etwas wie das wirre Gedankentagebuch des Protagonisten. Theoretisch könnte hier die direkte Rede stehen, aber es ist ja eher eine Erinnerung. Indirekt Rede hätte ich irgendwie zu sperrig gefunden, zu unpersönlich. Hm, da bin ich wohl einem Bauchgefühl gefolgt, aber warum nicht? Hat für mich so gepasst.

Das mit den glühenden Augen. Okay, vielleicht finde ich da noch was anderes. Wie gesagt, ich wollte hier auch ein bisschen sprachlich was probieren. Schwelgerisch-romantische Sprache, so was in der Art.

Aber ich halte mich an die Anweisungen, denn ich brauche das Geld. Und so trinke ich den süßen Wein und warte auf das Ende der Nacht.

Das empfinde ich als einen logischen Widerspruch. Er hält sich an die Anweisungen, braucht das Geld, will keinen Fehler machen, aber trinkt die ganze Nacht süßen Wein. Kann mir nicht vorstellen, dass der Graf das okay findet. Und warum sitzt er draußen?
Draußen sitzt er tagsüber.
Und den Wein bekommt er ja sogar vom Grafen, vielleicht ist da ja etwas an dem Wein?

Die Tage sind angenehm. Es ist spätsommerlich warm. Der Wald riecht nach Harz, Vögel singen in den Sträuchern am Seeufer, die Sonne spiegelt sich im Wasser. Nachts verändert sich alles. Ich bin nicht besonders ängstlich, aber in den dunklen Stunden legt sich etwas Bedrohliches über diesen Ort. Dieses Gefühl, das man zu nächtlicher Stunde in einer dunklen Gasse hat, wenn die Schatten in den Hauseingängen lebendig zu werden scheinen und man wieder und wieder über die Schulter blickt. Und so werden mir die Stunden lang, bis das erste Tageslicht unter dem Türspalt zu sehen ist und ich mich in das ungemachte Bett lege.

Das sind jetzt übergeordnete Gedanken, die er hat, während er in Warteposition ist, oder verstehe ich das falsch?
Ja, genau. Warteposition ist in dem Fall der späte Nachmittag, wenn er draußen sitzt und grübelt.

Ich erwache wieder aus einem traumlosen Schlaf, das Hemd klebt mir schweißnass am Körper.

Vorher werden keine traumlosen Schläfe erwähnt, daher irritiert mich das 'wieder'. Ist er jetzt bei der Wache eingeschlafen und daraus erwacht?
Wieder, weil er diese vorher auch schon hatte. Ok, wurde vorher nicht erwähnt, aber es muss ja auch nicht alles auserzählt werden, so streng linear. Ein wenig ist es auch ein sich darauf einlassen, denke ich. Nein, er schläft dann ab Morgengrauen.

Kurz darauf steht der Graf in der Tür. Er trägt ein einfaches Hemd, das er sich in die lederne Hose gestopft hat. Sein Blick geht einmal schnell durch den kleinen Raum und bleibt dann an mir hängen.

Sitzt der Wächter jetzt draußen oder drinnen. Im dritten Satz ganz am Anfang legt er die Flasche noch ins Gras.
Er sitzt drinnen am Tisch, ist ja ein anderer Tag.

„Ich denke schon, Graf Born.“
„Und hast alles, was du brauchst?“
„Ja. Nur der Wein ...“
„Was ist damit?“
„Vielleicht könnt Ihr mir anderen bringen?“
Der Graf blickt hinter sich, mustert die neben der Feuerstelle aufgereihten Flaschen ohne Etikett. Dann schüttelt er den Kopf. „Der Wein ist gut.“

Okay, also der Wein ist erlaubt. Für mich entbehrt das trotzdem einer gewissen Logik. Alkohol im Dienst. Vielleicht liegt es an meinem Beamtenstatus.
Hehe.

mit letzter Kraft. Ich öffne und das letzte,

zweimal letzte kurz hintereinander und beim zweiten Mal groß schreiben, meine ich
Ja, das war mir auch aufgefallen, aber ich hatte ehrlich gesagt keine richtige Alternative. Ich überlege aber noch mal.

Okay, hab es durch.

Ich muss zugeben, deine Geschichte lässt mich ratlos zurück. Ich hatte bei der Lektüre Schwierigkeiten, Raum und Zeit sinnstiftend einzuordnen. Vielleicht ist das auch das Ziel, aber durch die bei mir entstandene Verwirrung entstand auch Frustration.
Du erklärst es ja selbst. Mein Ziel war nicht, eine lineare, rationale, in allen Einzelheiten ausformulierte Geschichte zu schreiben, sondern mehr so eine delierende Erzählung aus Sicht des langsam wahnsinnig werdenden Protagonisten angesichts einer erst diffusen, dann aber ziemlich konkreten Bedrohung. Obwohl, war diese wirklich konkret? Wer weiß.

Ja, ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber danke, dass du dennoch dabei geblieben bist.

Beste Grüße,
Fraser
-------------

Hallo @Chai,
Und jetzt zu dir. Hach, wie gern würde ich jetzt sagen: Genau so habe ich mir das gedacht. Einfach zu gut ist deine Interpretation.
Aber stattdessen bin ich jetzt beleidigt, weil mir das nicht eingefallen ist ;-)
Nee, nee, alles gut. Aber auf jeden Fall toll, was du da für dich herausgezogen hast, und das ist ja letztendlich das größte Kompliment für den Schreiber, wenn sich der Leser so in dem Text verlieren kann, dass so eine Interpretation herauskommt.
Und genau deswegen werde ich mich damit zurückhalten, meine Sicht der Dinge mitzuteilen. Aber soviel sei gesagt, es gibt Unterschiede ;-)

Hat mir unheimlich gut gefallen, hochspannend geschrieben, ich habe bis zum Schluss mitgefiebert. Chapeau!
Das freut mich wirklich sehr.

Nur ein paar Kleinigkeiten:

Die Tage sind angenehm. Es ist spätsommerlich warm. Der Wald riecht nach Harz, Vögel singen in den Sträuchern am Seeufer, die Sonne spiegelt sich im Wasser.
Der Absatz hat mich irritiert, weil ich davon ausgegangen bin, dass er die Tage verschläft.
Hm ja, so ähnlich beschrieb es auch HerrLehrer, glaube ich.
Also er verschläft nicht den ganzen Tag, denn richtig gut schläft er an den meisten Tagen nicht. Also wacht er nach einigen wenigen Stunden Schlaf auf und hat damit noch den Tag vor sich.

Schon bald hörte man von rauschenden Festen auf dem Schloss. Bei den Damen scheint er auch einen Schlag zu haben. Auf jeden Fall muss er sehr wohlhabend sein.
Hier denke ich, dass er von seiner eigenen dunklen Seite spricht. Sicher hatte er anfangs Glück im Spiel, hat auf großem Fuß gelebt, bevor sich das Blatt vollends wendete.
Siehe oben ;-)
Wieder guter Erklärungsansatz deinerseits, aber soviel sei gesagt: für mich sind der Graf und der Erzähler tatsächlich zwei verschiedene Personen.

Sein kantiges Gesicht mit den schmalen Lippen und den tiefbraunen Augen ist jetzt nah vor meinem
Das war mir zu plakativ.
Ein Versuch meinerseits, dem Grafen ein Gesicht zu geben.

Die Würfel, die verdammten. Das Klicken, wenn sie in der Hand rollen, das leichte Stoßen gegen die feuchten Handflächen, der atemlose Moment, in dem sie durch die Luft wirbeln. So muss sich Gott gefühlt haben, als er Himmel und Erde erschuf. Nur, dass meine Schöpfung zu selten gehorchte.
Wunderschön!
Danke!

halte die Kerze vor mich, bewege sie langsam hin und her.
Der Wind hat zwar nachgelassen, aber kurz darauf erwähnst du das Rauschen des Laubes, also müsste die Kerze ausgehen.
Hm, das muss ich noch mal überprüfen...

Sehr gern gelesen von Chai
Das freut mich. Und ich danke dir für den tollen Kommentar.

Beste Grüße,
Fraser
 
Monster-WG
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Lieber @Fraser

ich bin ein bissle irritiert, da ich auch ein Kommentar dagelassen hab. Den anderen, die kommentiert haben, hast du geantwortet. Ist mein Kommentar untergegangen oder fandest Du es doof? Sorry, will nicht nerven, aber hab hier schon öfters erlebt, dass Kommentare einfach ignoriert werden und ich finds schade, Zeit und Mühe zu investieren, wenn dann nichts kommt.

Über eine Rückmeldung freu ich mich.

Ganz liebe Grüße,
Silvita
 
Mitglied
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17.08.2016
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Über eine Rückmeldung freu ich mich.

Ganz liebe Grüße,
Silvita
Hallo @Silvita,
Sorry, habe an dem Tag leider nicht mehr geschafft und es nicht entsprechend angekündigt.
Ich muss dich leider noch vertrösten, aber du bist nicht vergessen.
Beste Grüße,
Fraser
 
Veteran
Senior
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Hallo @Fraser,

ein gelungener Text, wie ich finde. Atmosphärisch sehr dicht und mit vielen Elementen bestückt, die dein Vorbild deutlich erkennen lassen. Gut finde ich, dass du nicht versucht, die Sprache zu kopieren, sondern deinen eigenen Duktus aufdrückst. Ich finde, deine Erzählstimme trägt die Geschichte sehr gut. Etwas lang erschien mir die zweite Nacht, bis endlich der adlige Leibwächter erscheint. Aber es liest sich dennoch gut.
Was für mich sehr aus dem Erzählten kippt, ist die wörtliche Rede. Das klingt eindeutig zu modern für Goldmünzen, Pferde und Leibwächter eines Adligen.

„Du kommst klar?“, fragt er schließlich mit tiefer Stimme.
„Ich denke schon, Graf Born.“
klarkommen? Naja, also das ist schon sehr umgangssprachlich und hat zumindest mich sehr rausgeworfen
„Nein. Alles gut, Graf Born.“
Alles gut schlägt in die gleiche Kerbe
„Damit kannst du deine drängendsten Schulden begleichen.“
und hier dann drängendsten, das ist nun wirklich antiquarisch und beißt sich mit dem lockeren Ton zuvor. Ich würde aber lieber bei dem antiquierten Ton bleiben, anstatt dieses Wort zu streichen
Ich musste ihn ziemlich dumm angeglotzt haben, denn er lachte schallend auf.
mir zu dicht
Verzweiflung steigt in mir auf. Mehr als das: reine, kalte Angst.
Für mich die falsche Reihenfolge: Kommt nicht erst die Angst und dann die Verzweiflung?
„Es geht schon, Graf Born.“

Auch hier wieder sehr salopp gesprochen


Einmal abgesehen von der WR eine wirklich atmosphärisch dichte Geschichte, die ich gern gelesen habe. Früher habe ich Poe verschlungen und ich finde du hast hier den Faden ganz gut aufgenommen.

grüßlichst
weltenläufer
 
Mitglied
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17.08.2016
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171
Hallo @Silvita,
Jetzt komme ich zu deinem Kommentar, vielen Dank dafür!

ich habe Deine Geschichte mit Begeisterung gelesen. Der Spannungsaufbau und das Halten der Spannung ist Dir sehr gut gelungen.
Das freut mich.
An vielen Stellen hat es mich ordentlich gegruselt
So muss das!

Über dem See geht die Sonne unter. Gleich beginnt die dritte Nacht. Ich sitze auf einem Stuhl, neben mir im Gras eine Flasche von diesem unerträglich süßen Wein

Das mit dem Gras hat mich etwas irritiert. Da kurz darauf weiter unten steht, er sitzt am Tisch. War er davor draußen? Dann würde ich das klarer machen.
Er sitzt zunächst draußen im Gras, da ist es noch hell. Wenn es dunkel wird (mit dem letzten Sonnenstrahl), muss er hinein und Wache schieben. Dann sitzt er am Tisch.

Sein Blick geht einmal schnell durch den kleinen Raum und bleibt dann an mir hängen.

Würde ich streichen. Unnötiges Adjektiv.
Vielen Dank für deine stilistischen/grammatikalischen Anmerkungen. Ich schau da auf jeden Fall noch mal drüber.

es scheint aus allen Richtungen zu kommen, ich presse meine Hände auf die Ohren, vergeblich, es ist, als ob die Schreie direkt in meinem Kopf entstehen, und dann schreie auch ich, schreie, als würden mich alle Feuer der Hölle versengen.

... aus allen Richtungen zu kommen. Ich presse ....
Dieser Satz sollte so ein Monstrum werden. Mit der Hoffnung meinerseits, da so einen Höhepunkt zu setzen. Deshalb würde ich auf den Punkt verzichten. Du mögest mir verzeihen.

Geil beschrieben. Da sind so viele Stellen, bei denen ich mich grusle und mitfiebere.
Schön, dass diese Wirkung entstanden ist.

Sie blickt mich an, zieht eine Augenbraue hoch. »Der Graf ist tot. Vor ein paar Tagen gestorben. Im Schlaf, wie man hört. Dabei war der doch noch so jung

Das ist sehr überraschend. :thumbsup:
Ich hoffe doch, überraschend gut.

Nochmals Danke fürs Lesen und ausführliche Kommentieren, Silvita. Und verzeih noch einmal die Verzögerung in der Beantwortung.

Beste Grüße,
Fraser

----------------
Hallo @Schwerhörig,
Ich freue mich, dass du die Geschichte gelesen hast und noch mehr freue ich mich darüber, dass sie dir gefallen hat.

Beste Grüße,
Fraser

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Hallo @weltenläufer,
Auch dir möchte ich fürs Lesen und Kommentieren danken.
Was du über die wörtliche Rede sagst, sehe ich anhand der Beispiele, die du aufzeigst, jetzt auch. Danke dafür, ich werde mich damit noch einmal intensiver beschäftigen, denn gerade in diesem Text sollte die Sprache ja auch mit dem Gesamtkontext (du nennst es treffend "Goldmünzen, Pferde, Leibwächter") übereinstimmen.

ein gelungener Text, wie ich finde. Atmosphärisch sehr dicht und mit vielen Elementen bestückt, die dein Vorbild deutlich erkennen lassen.
Ich freue mich, dass ich das einigermaßen hinbekommen habe. Habe gestern nach langer Zeit mal wieder ein paar Geschichten von Poe gelesen. Ok, ein ganzes Stück des Lobs gilt sicher auch dem Übersetzer, aber hey, es hatte es drauf in dem Genre.

Gut finde ich, dass du nicht versucht, die Sprache zu kopieren, sondern deinen eigenen Duktus aufdrückst. Ich finde, deine Erzählstimme trägt die Geschichte sehr gut.
Und das freut mich noch mehr.

Ich musste ihn ziemlich dumm angeglotzt haben, denn er lachte schallend auf.
mir zu dicht
Was meinst du mit "dicht"?

Verzweiflung steigt in mir auf. Mehr als das: reine, kalte Angst.
Für mich die falsche Reihenfolge: Kommt nicht erst die Angst und dann die Verzweiflung?
Hm, da hast du recht. Werde ich ändern.

Einmal abgesehen von der WR eine wirklich atmosphärisch dichte Geschichte, die ich gern gelesen habe. Früher habe ich Poe verschlungen und ich finde du hast hier den Faden ganz gut aufgenommen.
Die Dialoge schaue ich mir noch mal. Da habe ich mich evtl. nicht immer richtig "reingelebt".

Danke für deine Einschätzung und die Verbesserungsvorschläge/Anregungen.

Beste Grüße,
Fraser
 
Monster-WG
Beitritt
20.08.2019
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442
Lieber @Fraser

Sorry, habe an dem Tag leider nicht mehr geschafft und es nicht entsprechend angekündigt.
Ich muss dich leider noch vertrösten, aber du bist nicht vergessen.

Kein Problem und sorry, dass ich so gedrängelt hab. Grins schief. Hatte nur etwas Sorge, weil ich hier schon schlechte Erfahrungen gemacht hab. Aber jetzt bin ich beruhigt :)

Jetzt komme ich zu deinem Kommentar, vielen Dank dafür!

Gern geschehen.

Er sitzt zunächst draußen im Gras, da ist es noch hell. Wenn es dunkel wird (mit dem letzten Sonnenstrahl), muss er hinein und Wache schieben. Dann sitzt er am Tisch.

Irgendwie kommt das nicht so deutlich rüber.
Vielleicht schreibst Du noch "gehe ich ins Haus..."

Vielen Dank für deine stilistischen/grammatikalischen Anmerkungen. Ich schau da auf jeden Fall noch mal drüber.

Gern geschehen.
Super :)

Dieser Satz sollte so ein Monstrum werden. Mit der Hoffnung meinerseits, da so einen Höhepunkt zu setzen. Deshalb würde ich auf den Punkt verzichten. Du mögest mir verzeihen.

Ah ok - und klar verzeich ich Dir :) Sind ja nur Vorschläge

Ich hoffe doch, überraschend gut.

Ja klar. Überraschend gut. Deshalb der "Daumen-hoch-Smiley" :thumbsup:

Nochmals Danke fürs Lesen und ausführliche Kommentieren, Silvita. Und verzeih noch einmal die Verzögerung in der Beantwortung.

Gern geschehen.
Kein Problem.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag und lasse ganz liebe Grüße da,
Silvita
 

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