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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Die Vertreibung aus dem Paradies

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05.11.2005
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Die Vertreibung aus dem Paradies

Die Vertreibung aus dem Paradies
von Monduras

Adam und Eva beim sonnen.
„Sach ma. Warum liegen wir eigentlich den ganzen Tag nur blöd in der Gegend rum?“
„Was sollen wir denn sonst machen?“, fragt Eva. „Etwa nackt in der Gegend herum laufen? Wie stumpfsinnig...“
Er hasst es, wenn sie so redet. Dann kann man noch weniger mit ihr anfangen, als sonst. Plötzlich spürt er, dass er den Zorn Gottes auf sich gezogen hat und springt mit einem langen Satz beiseite. Genau da, wo seine Backen noch vor 2 Sekunden den Fußballrasen des Paradieses platt gesessen hatten, schlägt ein mächtiger Blitz in den Boden und wühlt die Erde, mindestens 1 Meter 50 bis eventuell, in etwa, vielleicht, sogar, um ca. 3,25785 cm tiefer oder so, auf.
„Hey, wofür war das denn?“, schreit Adam mit dem Blick gen Himmel gerichtet.
Ein stolzer Adler kreist über seinem Kopf und Gott spricht durch ihn:
„Vergiss nicht, Adam, ich höre alles was du sagst und sogar denkst...“
Eva, wie jeden Tag, wenn so was passiert, bleibt gelassen liegen.
Auf einmal regt sich etwas im Boden. Ein halb verbrutzelter Maulwurf kriecht blindlings aus dem tiefsten Punkt des Loches hervor, schafft es gerade noch ins Gras hoch und bleibt röchelnd liegen.
Adam schaut Eva an und Eva schaut weg.
„Alles locker, alter Freund?“, fragt Adam und kann kaum fassen, dass Gott sich zu so etwas hat hinreißen lässt.
Der Maulwurf hebt schwach den Kopf und die gespiegelte Sonne auf den Gläsern seiner Brille blendet ihn.
„Adam“, meint er stöhnend, „Adam, alter Freund. Kümmere dich um meine Frau und die Kinder, o.k?“
„Wird gemacht, mein Alter!“, kommt als prompte Antwort. Mit einem „Haaaaa!“ haucht Kollege Maulwurf seinen letzten Atemzug aus und ist dahingeschieden. Zurück bleibt nur noch der Geruch nach verbranntem Fleisch.
Adam fällt auf die Knie und schnüffelt.
„Eva, riechst du das auch?“
„Na klar. Er riecht eigenartig...! Aber... Adam?“
„Ja?“
„Kannst du mir einen Gefallen tun?“
„Ja klar, was gibt’s denn, Eva!“, fragt er gelangweilt. „Soll ich wieder mit Krokodilen ringen oder Löwen bändigen?“
„Nein, viel simpler!“, erwidert sie etwas gereizt. „Geh mir aus der Sonne! Und nimm deinen dampfenden Freund mit, o.k.? Wie soll ich denn nahtlos braun werden, wenn...“
Den Rest hört Adam schon nicht mehr, während er sich vorsichtig, mit dem Leichnam in der Handfläche, in eine abgelegene Ecke des Paradieses troll.
Einige Stunden später wacht Eva mit einem saftigen Sonnenbrand auf.
„Adam? Adam! Wo steckst du?“, brüllt sie quer durchs Paradies und schreckt einige Vögel im nahe gelegenen Tropenwald auf. Die Vögel im Mischwald rechts daneben lassen sich in ihrem frühlingshaften Balzverhalten nicht weiter stören. Doch auf einem der Äste links vom rechten, quer, auf einem braunen, halb verdörrten Ast, ist eine Elster mit Erektionsproblemen zu erkennen, was Eva aber auf der Suche nach Adam verborgen bleibt.
Und während sie so durch das Stück Wüste, den Sumpf und das Weideland der Kühe und Schafe, auch Pulloverschweine genannt, streift, steigt ihr ein seltsamer Geruch in die Nase. Essen! Ihr begründeter Verdacht erhärtet sich, als sie auf der anderen Seite eines Teletubbie-Hügels Adam beim Suppekochen buchstäblich ertappt.
„Du machst Essen?“, fragt sie erstaunt.
„Was dagegen, oder wie?“, meint er eingeschnappt.
„Du machst doch nie Essen! Und was ist das?“
„Suppe!“
„Ach...“ und Eva setzt sich zu Adam ans Feuer. Er reicht ihr eine Holzschüssel und einen Holzlöffel, beides aus Holz. Einem Stoff, der aus einer Faser des Baumes gewonnen wird. Also, Baumfleisch. Adam nimmt sich auch eine Schüssel.
Nach einer Weile meint Eva:
„Mensch Adam, das ist ja köstlich. Was ist denn da drin? Das übliche Gemüse?“
„Ja. Möhren, Karotten, Sellerie, Grünkohl, Holunder, Brombeere, Erdbeere, Maracuja, der Rest des Maulwurfs...!“
„Was?“, schreit Eva entsetzt.
„Was ist denn?“, entgegnet Adam mit hochgezogenen Augenbrauen und tut so, als wäre alles in bester Ordnung.
„Du weißt doch, dass ich von Maracuja immer Ausschlag bekomme!“
„Entschuldige, aber ich dachte...“
„Da ham wir’s wieder.“
Sie schweigen sich eine Weile aus und schlürfen weiter. Dann geht Eva ein Licht auf. Eine späte Spätzündung zu später Mittagsstunde.
„Wir schlürfen den Maulwurf?“
Adam setzt die Schale ab und schluckt runter:
„Mh, ja... Er roch so lecker und ich hab einfach keinen Bock mehr auf das ewige Gemüse, nach den Rezepten deiner noch nie existenten Großmutter. Schmeckt doch, oder?“
Eva rennt um den Hügel herum und schaut sich die Suppe noch einmal genauer an. Nach 4 Minuten kommt sie grünlichblaugelbgrauweiß wieder und scheuert Adam eine.



„He, wofür war das denn?“
„Du bist widerlich, Adam. Den Maulwurf essen. Ekelhaft. Ich bleibe lieber beim Gemüse. Und, was sagt eigentlich Gott dazu. Der hätte dir schon längst in den Arsch getreten...!“
„Ach der. Der ist auf Geschäftsreise für ne Woche. Universum ausbauen und so. Du kennst ihn ja!“
Und so stapft Eva erbost hinfort und überlässt den Maulwurf der Suppe Adams.

Die Tage vergehen und Eva liegt, nach einer ausführlichen Fango-Packung im nahe gelegenen Sumpf, wieder auf der Wiese und genießt die Sonne. Adam, bereits mit einem Speer bewaffnet, geht auf die Jagd nach dem Wildschweinpärchen des Paradieses. Wie wild rennt er hinter ihnen her.
„Ihr entkommt mir nicht...“, brüllt er, während Mr. Wildschwein einen Hacken nach links schlägt. Mrs. Wildschwein, nach rechts, geduckt, mit angelegten Ohren und halb geschlossenen Augen, verschwindet ins Unterholz und kringelt den Schwanz, obwohl es gar nicht ihre Art ist.
„Adam“, quiekst das Wildschwein im vollen Schweinsgalopp, „was sagt eigentlich Gott dazu, dass du uns essen willst...“
„Ach der. Der ist auf Geschäftsreise für ne Woche. Universum ausbauen und so. Du kennst ihn ja!“, brüllt er, wirft den Speer und zack, getroffen. Das Schwein hat ausgewildet. Gierig stürzt sich Adam auf den Braten und schleppt ihn zu seinem Suppentopf, in dem bereits das Löwen-, Giraffen-, Zebra-, Nilpferd-, Hyänen- und Geckopärchen gar gekocht und verspeist wurde. Die Wüste lag am nächsten vom Kochtopf entfernt und so sind die Tiere dort, bereits ausgerottet. Adam stellte sich als ausgesprochen vielfräßig heraus und nun muss er längere Stecken im Paradies überwinden, um sich seine heiß ersehnte Fleischnahrung zu verschaffen. Er kommt dabei immer mehr ins Schwitzen, unter dem Feigenblatt.
Eva bekommt davon nichts mit. Ihr Teint ist ohnehin wichtiger...

Und so kommt es, dass am 7ten Tage, fast alles Essbare, inklusiv der Tiere des Paradieses, von Adam verspeist wurde. Lediglich eine Schlange bewacht den letzten, kleinen, saftigen, roten Apfel im Baume des Zentralparadieses, direkt neben Adams Villa im grünen, mit Blick aufs Meer.
Eva weicht Adam nicht mehr von der Seite und versucht immer noch vergeblich, Adam davon zu überzeugen, das Essen von Tieren aufzugeben.
„Eva, ich hab es dir schon tausendmal gesagt. Ich kann nichts anderes mehr essen. Es ist einfach zu köstlich, Wildschwein, Giraffe, Meerschwein, Lemming. Ich muss sie einfach verspeisen und außerdem: Hast du je eine vernünftige Konversation mit ihnen geführt?“
„Konver-was?“
„Genau, ich auch nicht. Ah, schau...“, sagt Adam, als er den letzten, kleinen, saftigen, roten Apfel im Baume des Zentralparadieses, direkt neben seiner Villa im grünen, mit Blick aufs Meer, erspäht.
„Nein, Adam, tu es nicht, ich bitte dich...“, fleht Eva und zerrt an seinem muskulösen Arm, trainiert durchs Speerwerfen und Zwiebelschneiden.
Plötzlich donnert und grollt es über Ihnen und dunkle, schwarze Wolken ziehen auf. Die Sonne wird verdeckt und Blitze schlagen auf die Villa ein. Ein verheerendes Feuer greift um sich und brennt sie bis auf die Grundmauern nieder. Adam und Eva schauen sich an und wissen: Gott ist zurück.
Er fährt in die Schlange und zischt Adam, der gierig nach dem Apfel greifen möchte, bedrohlich an:
„Waaahhhge eßßß, zzzzz, Adam. Friss ihhhnn auuuffff, wennn ich, zzzzz, dir kräfffftig iinnnn deennnn Arschhh treten ssssooolllll, zzzzz, vveerrrrzooooggener Wicht, zzzzz!“
Einen Moment hält Adam inne und Eva fällt fast in Ohnmacht. Sie ist erschüttert, wie es so weit kommen konnte. Sie hatten doch alles gehabt. Eine Villa, Sonne, Wasser, einen Plasmabildschirm zum Fernsehen, auch wenn es kein Fernsehprogramm gab. Doch Adam, dieser Gierhals, konnte nicht genug bekommen. Und jetzt ist alles Eska..., eska..., ach, außer Kontrolle geraten.
Adam steht vor der Schlange, wie ein hypnotisiertes Kaninchen. Die Wolken bringen den schlimmsten und einzigen, je da gewesenen Regen über das Paradies. Evas Selbstbräuner verabschiedet sich und Adam starrt auf den Apfel und Gott, in Form der Schlange, starrt auf Adam.
Plötzlich löst sich seine, schier unfassbar starre Starre und er schnellt vor. Die Schlange kann gar nicht so abrupt reagieren, da hat Adam sie auch schon am Zwickel und zieht ihr mit einem Ruck, das Fell bzw. die Haut über die Ohren. Dem Apfel ergeht es ähnlich. Eva ergibt sich in einer Pfütze der völligen Ohnmächtigkeit.
Nach einigen Minuten öffnet sie langsam die Augen. Der Regen ist versiegt und Adam sitzt mit dem Rücken zu ihr am Feuer und schlürft seine Suppe. Sie setzt sich auf.
„Du bist wach?“, fragt er kauend und dreht sich zu ihr herüber.
„Was hast du getan, du...du....!“
„Entschuldigung, dass ich Hunger habe. Das ist ja nur ein Grundbedürfnis, Gnädige Frau....!“, entschuldigt sich Adam mit einem zwielichtigen Unterton.
„Du hast Gott getötet, du Schwein!“
„Gott getötet, Gott getötet...!“, wiederholt Adam gleichgültig.
Eva bleibt nichts mehr zu sagen und so schweigt sie still. Es riecht nach Räucheraal. Nachdem Adam aufgegessen hat, steht er auf und meint:
„Pack deine Sachen, wir gehen!“
„Wohin?“, fragt Eva.
„Na, raus aus dem Paradies. Hier hält uns nichts mehr...!“
Völlig aufgelöst, zerstört und mürbe, beugt sie sich seinem Willen und sie schlurfen zum Ausgang. Adam holt den Apfel aus der Tasche seines Designerfeigenblattes und beißt hinein. Während er das Tor zum Paradies aufstößt sagt er zu Eva:
„Weißt du was, Eva?“
„Was denn?“
„Wir sagen einfach, die Schlange hätte dich verführt und du hast den Apfel gegessen. Und so sind wir dann rausgeflogen!“
„Warum?“
„Na, damit den Menschen die Illusion und Hoffnung erhalten bleibt. Wofür sollen sie denn sonst Kirchensteuer zahlen?“
Das leuchtet Eva ein, doch nach einer Weile meint sie zu Adam:
„Aber, warum hab ich denn den Apfel gegessen?“
„Hör mal, Eva. Wir machen das so, wie ich sage, denn falls wir nichts mehr zu Essen finden...!“


Ende
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Senior
Beitritt
01.12.2004
Beiträge
1.443
Monduras schrieb zu seiner Geschichte:
Eine Neudarstellung der alten Geschichte um Adam und Eva. So kann es gelaufen sein, wer weiß.
Für Kritik bin ich sehr, sehr offen und ich freue mich, wenn man die Story überhaupt liest, Danke im voraus.

Ich hoffe es hat gefallen. Gerne auch Emails, danke fürs lesen! :D
Hallo Monduras und willkommen auf kg.de!

Kommentare bitte immer in ein extra Posting unter die Geschichte. Smilies sind in den Geschichten nicht erlaubt.
Ich weise auf die Regeln dieses Forums hin, die du bei deiner Anmeldung akzeptiert hast.

Weiterhin viel Spaß auf kg.de!

LG
flash
 
Senior
Beitritt
01.12.2004
Beiträge
1.443
Mahlzeit Monduras!

Nun zur Geschichte. :)

"Was sollen wir denn sonst machen?", fragt Eva.
Komma kann weg.

noch vor 2 Sekunden
Zahlen bis zwölf werden in Regel ausgeschrieben.
Adam schaut Eva an und Eva schaut weg.
Hier ist eine Eva zuviel. ;)

Hier fehlt ein Punkt, okay? :)

in eine abgelegene Ecke des Paradieses troll.
trollt

Schafe, auch Pulloverschweine genannt
Pulloverschweine? Hehe, wenn das hier jemand zu hören bekommt... :schaf:

"Ja. Möhren, Karotten, Sellerie, Grünkohl, Holunder, Brombeere, Erdbeere, Maracuja, der Rest des Maulwurfs...!"
Einfach nur Maulwurf hätte gereicht. Dann würde der nachfolgende Gag noch besser daherkommen.

auf das ewige Gemüse
Das ewige Gemüse, welches nie verdorrt und im Mund nicht kleiner wird. ;)

Vorweg: die Idee mit Gott in der Schlange ist interessant. Dein Schreibstil ist gut, bis auf ein paar holprige Formulierungen (am Besten mal laut lesen oder vorlesen lassen).
Es gibt solche Gott-Adam-Eva-Paradies-Geschichten wie Hundekacke in der Großstadt. Was nicht heißen soll, dass es keine neuen Interpretationen mehr geben soll, nur war deine Idee nicht überraschend. Es gibt ein paar Stellen im Text, welche ruhig gekürzt werden können. Etwa, die ganze Erklärung mit der Ausrottung der Tiere durch Adam.

Einige Stellen waren ganz nett. Lachen musste ich nicht, aber das ist bekanntlich Geschmackssache.


LG
flash
 
Mitglied
Beitritt
05.11.2005
Beiträge
8
Hey, danke für die konstruktive Kritik, werde es beherzigen. Das du nicht lachen musstest wird mich nur noch mehr bestärken noch ein paar Geschichten aus Tablett zu zaubern. Und nimm mir die Fehler bitte nicht übel....

Danke und beste Grüsse

Monduras
 

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