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Dokument6

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Dokument6

Gefühle in Wörter bringen. Die Idee ist gut, besser als das. Sie ist nahezu perfekt. Es könnte das nächste große Ding werden. Sowas wie Game of Thrones, nur mit weniger Ficken. Gute Idee. Aber wie umsetzen. Motivation ist hoch. So hoch. Bäume könnte man ausreißen mit der Motivation. Insektenschwirren vor dem Fenster. Wohl Wespen oder Bienen oder Hummeln oder. Schönes Wetter draußen, kein Wunder. Verdammte Viecher, stören den Fluss von Genie. Aber welches Genie? Guter Fortschritt insgesamt. Ganze Seite heute geschrieben. Zumindest Dreiviertel. So viele Ideen. Nur zu Papier bringen. Your Kit Contains: Unlesbar danach. Aber eine gute Entscheidung das Paket zu kaufen. Eher eine halbe Seite. Aber dafür gestern eine Ganze. Nein, Vorgestern. Summendes Rotieren. Immer gleichbleibend. Monoton im Fachjargon. Verdammte Hitze. Caffeine Pills. Kühl ist die Dose. Eine Pille 200 mg Koffein. Fast drei Tassen Kaffee. Blinkender Cursor am Ende des Absatzes. Gute Arbeit für heute geleistet. Lieber mal das Handy überprüfen. Keine Nachrichten. Hasse den Geschmack von Kaffee. Lieber noch eine Pille. Morgen mit Sicherheit noch eine Seite oder eine ganze halbe Seite. Uhrzeiger ticken. So spät schon. Draußen wieder Summen und Ventilator stimmt mit ein. Vielleicht das Fenster schließen. Ein Satz geht noch. Dann bald eine halbe Seite. Pille klebt am Gaumen. Nachspülen. Kein Wasser mehr. Einkaufen, aber jetzt? Nein, zu sehr im Schreibfluss. Butter und Brot und Wasser und Reis und, nein das müsste es fürs erste sein. Schwarze Schrift auf weißem Grund. Besser nochmal durchlesen. Was Marie wohl gerade macht? Wieder Seitenblick Uhr. Erst fünf Minuten vergangen? Sollte Fingernägel schneiden. Mehr Ideen für die Geschichte. Wildes Umherschwirren vor dem Fenster und im Kopf. Ordnung, Ordnung ist wichtig. Müde Reflektionen im Bildschirm. Bald eine halbe Seite. Milch! Natürlich Milch noch. Gut daran gedacht zu haben. Besser Twitter checken. Ideen. Was die Schlampe wohl macht? Marie, vermisse sie. Politischer Einheitsbrei. Grenzen schließen, Grenzen öffnen. Jacke wie Schuhe. Oder wie Hose? Schauspieler tot. Familie wird um ihn trauern. Besser den Absatz nochmal löschen. Noch immer dicht an der halben Seite. Knarzendes Scrollen der Maus. Fünf Tipps zum Abnehmen. Jetzt investieren. So viele Ideen. Noch Wäsche machen. Vision umsetzen. Ist so leicht. Noch ein Absatz, dann ist es wieder eine ganze halbe Seite. Tick Tack, Tick Tack. Zwei Minuten vergangen. Komplette Leere. Fallen durch das Vakuum. Vielleicht nen Porno schauen. Verschwommene Wörter auf der Seite. Nichtssagend. Wenig Inspirierend. Aber die Idee ist gut. Dieses verdammte Summen. I’ll never be Maria Magdalena. You’re a creature of the night. Erschaffe Kunst. Bald kommt der Durchbruch. Sollte mehr Sport machen. Lieber noch eine Pille. Die angegebene tägliche Verzehrempfehlung darf nicht überschritten werden. Wind des Ventilators fällt kühl auf die Haut. Finger ruhen auf der Tastatur. QWERTZ und so weiter. Rote Kringel. Verdammte Schreibfehler. Gerade lief es so gut. Voranschreiten des Sekundenzeigers. Diese Idee ist so gut. Frustration, Panik. Fetzen von Unterhaltung durchs Fenster. Heute eine halbe Seite und Morgen eine halbe Seite und dann. Konsistenz, darauf kommt es an. Nochmal das Handy in die Hand. Markenprodukt. Noch immer keine Meldung. Gebirgskette hinter der Uhrzeit. Zeit fließt wie Sirup. Leerer Blick auf leeres Papier. Konsistenz. Nur ein weiterer Satz, dann Freiheit. Keine Bewegung. Keine Bewegung sonst wird geschossen. Die Idee. Wut, Unzulänglichkeit. Immerhin gestern die Seite. Nochmal lesen. Mehr Sätze löschen. Einsamkeit, Isolation. Marie. Gedanken kreisen wie Geier. Ekelhafte Vögel. Aas. Asse. Gutes Blatt beim Poker. Ob man Online Poker spielen kann? Vielleicht mal anmelden. Aber nein die Geschichte. Sie ist gut, so gut. Schon eine ganze Stunde mittlerweile um. Konsistenz. Blumen im Fensterbrett. Hyazinthen oder Gelbe würden passen. Ventilator schreit irgendwo hinten im Raum. Ein Satz, nur ein Satz noch. Dialog, wie von einem Kind geschrieben. Aber die Idee ist immerhin scheiße. Vielleicht das Layout ändern. Oder doch der Porno. Schriftgröße 12. Aha! Fast wieder eine halbe Seite. Tick Tack, TICK, TACK. Selbstzweifel. Nagend, kratzend, wie Ratten. Backspace. Vielleicht Marie anrufen. Ich starre auf ein leeres Blatt.​

 
Seniors
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Willkommen @Wombatlover,

tja, dann werde ich deinen Einstandsbericht über einen ziemlich unproduktiven Autor mal unter meine Augen ziehen und dir mein Feedback geben.
Mein erster Eindruck war, dass du es dir hier bei uns durchaus leisten darfst, deiner Geschichte mehr Raum zu geben, sprich Absätze etc. zu machen. Das kostet hier nicht mehr. :D
Allerdings habe ich dann im Laufe der Geschichte gedacht, dass es eigentlich gar nicht so total verkehrt von dir angelegt ist, denn es handelt sich ja um das wilde Durcheinander von lauter Gedanken, die dein Protagonist im Grunde genommen ohne Punkt und Komma absondert. Und da wären dann irgendwie Gedankenpausen fehl am Platz und somit würden Absätze eher störend wirken.
Na, warte halt mal ab, was andere dazu sagen, ist ja nur meine Meinung, es eigentlich so stehen zu lassen.

Mir hat dein Loserautor ziemlich gut gefallen, teils, weil er so selbstironisch mit sich umgeht, teils, weil er versucht, in seinen Gedanken anständig zu bleiben. Ich meine damit, seine Ehrlichkeit in Bezug auf die tatsächliche Menge seines Geschriebenen. Das fand ich gut, dass er da so innerlich eine Korrekturtaste hatte, die dann immer wieder auf Wahrheit drückte.

Du beschreibst so einen Schreibprozess, der so vermute ich mal, keinem von uns irgendwie fremd ist. Dieses Schwanken zwischen grandioser Idee und deren Umsetzung, die oftmals kläglich scheitert und du bringst sehr nachvollziehbar, das ganze Durcheinander von Gedanken zutage, die man so dabei hat, wenn einem eigentlich klar geworden ist, dass man in der Umsetzung der Idee scheitern wird. In Teilen konnte ich mich zumindestens sehr gut in deiner Schilderung wieder finden und insoweit hat sie dann auch etwas Amüsantes an sich.

Ich habe während des Lesens so hie und da was rausgepickt, das zeige ich dir gleich mal mit meinen Bemerkungen dazu:

Zumindest Dreiviertel.
Herrlich wie er immer wieder diese Instanz in sich hat, die korrigiert, um der Wahrheit zum Recht zu verhelfen.
. Your Kit Contains:
Ginge das nicht auch in deutsch? Finde es da störend, dass du in eine andere Sprache rutscht.
r eine ganze halbe Seite.
Hier wieder dieses irgendwie so schön selbstironisch wirkende übertreiben wollen mit realem Aspekt. Da musste ich schmunzeln.
Wenig Inspirierend.
Wenig inspirierend.
Erschaffe Kunst. Bald kommt der Durchbruch.
Die Abteilung Größenwahn im Kopf hat mal wieder zugeschlagen. Herrlich.
Voranschreiten des Sekundenzeigers.
Sehr schön, wie du das Zeitgefühl des Autors darstellst. Hier passt das wunderbar, um zu verdeutlichen, dass ihn die Zeit langsam nervt, weil ja nichts auf seinem "Papier" passiert.
Zeit fließt wie Sirup.
Klasse Satz!
Leerer Blick auf leeres Papier.
Ja, das kennen wir alle und dieses weiße leere Papier kann einen ganz schön einschüchtern. Nur habe ich mich hier gefragt: Er schreibt doch am Computer, nicht wahr? Hier dachte ich dann, nee, jetzt hat er ein Stück Papier vor sich. Was nun eigentlich? Du könntest, wenn er am Computer schreibt, durch einen winzigen Einschub deutlich machen, dass ihn natürlich dieses weiße Stück "Papier" im Computer so nervt.
Immerhin gestern die Seite.
Haha...ja immer schön positiv bleiben und sich die Welt schön reden. Gefällt mir, dieses Gestrampel deines Autors, der dann am Ende doch vor einer leeren Seite bleibt.
Aber die Idee ist immerhin scheiße.
Das verstehe ich inhaltlich nicht. Wieso ist die Idee immerhin? und wieso scheiße? Ich dachte bis eben, dein Prota findet sie grandios?
Oder doch der Porno. Schriftgröße 12.
Klasse, ja genau so denken wir. Eben noch die Totalablenkung via Porno im Kopf und eine Sekunde später schon wieder vergessen und man ist in der Grafikabteilung. Mir gefiel auch, das wollte ich noch sagen, dass dein Prota zwischendrin eine Einkaufsliste erstellt. Sowas kenne ich selbst. So hat man wenigstens diese Liste geschrieben und sich einen winzigen Erfolg gegönnt und auf der Stelle nicht mehr das Gefühl, den ganzen Tag verdaddelt zu haben.

Fazit: deine Innerschau aus dem Gehirn eines Autors habe mir gefallen.

Lieben Gruß

lakita

 
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29.12.2013
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Hallo @Wombatlover

und herzlich willkommen hier.
Ich kann mich @lakita nur anschließen.
Ich denke auch, die Absätze wären störend (komisch, dss ich das mal schreibe :D)

Und ich war am Ende auch irritiert, warum die Idee plötzlich doof ist. Hätte mir bessergefallen, wenn die grandiose Idee als roter Faden bis zum Ende durchält - so als Hoffnungsschimmer für morgen.

gruß
pantoholli

PS: großartiger Titel :D dachte auch erst, da hat sich es jemand aber einfach gemacht ;)

 
Monster-WG
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18.06.2015
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Hallo @Wombatlover

Der Text ist nicht nur in der Formatierung, sondern auch inhaltlich monolithisch. Nach dem ersten Abschnitt ist klar, in welche Richtung das gehen wird und an dieser Richtung ändert sich danach nichts. Texte, bei denen sich die Leser*innen am Ende sagen, ah ja, das kenne ich, gehören zu denjenigen, mit denen ich persönlich wenig anfangen kann. Ich möchte von Dingen lesen, die ich nicht kenne, Atmosphäre spüren, Stimmungen. Ich möchte überrascht werden von interessanten Figuren oder von einer speziellen Erzählweise oder dann von origineller, kraftvoller Sprache. Ich mag auch Selbstbezüglichkeit und Meta-Ebene tierisch gern. Aber das muss hinhauen.
Das ist hier nicht der Fall. In meinen Augen ist es völlig irrelevant, wodurch (und wovon genau) sich die erzählende Instanz in deinem Text abhalten lässt - Bienen, Marie, Online-Poker, irgendwas halt, und daher ist das im Endeffekt trotz der Kürze eher ermüdend zu lesen. Mir erschien das gleichzeitig altbekannt und beliebig. Ob du gut erzählen kannst, lässt sich aufgrund der kurzen Sätze nicht so recht einschätzen, ich habe aber den Eindruck, dass ja. Insofern bin ich gespannt auf weitere Texte aus deiner Feder.

Lieber Gruss
Peeperkorn

 

CoK

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24.08.2020
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Zuletzt bearbeitet:

Hallo @Wombatlover

Bin immer wieder über die Kreativität der Niknamen überrascht.
Über den Prot deiner Geschichte erfahre ich relativ wenig. Er ist Autor, hatte wohl mal eine Freundin, die Marie heißt. Alleinversorger, mag keinen Kaffee, schluckt lieber Pillen und lässt sich von allen möglichen inneren und äußeren Einflüssen vom Schreiben abhalten. Für mich hast du das gut geschrieben, kurz knapp. Wenn das deine Intention war, hast du die mMn gut umgesetzt.

Wünsche dir weiterhin viel Freude am schreiben
Liebe Grüße CoK

 

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