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Doppelter Betrug

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Doppelter Betrug

»Der edle Herr Giselbert von Kalmithia«, rief der Stadtmarschall feierlich. Ein Jubeln ging durch die Menge, Menschen sprangen von ihren Plätzen auf, Frauen kreischten hysterisch und einige Männer pfiffen begeistert durch die Finger. Das Holz der Sitzbänke knarzte unter dem Hüpfen der bunt gekleideten Masse. Auf den staubtrockenen Turnierplatz ritt ein dünner Ritter in silbern schimmernder Rüstung, die weiße Rose auf seinem Brustpanzer reflektierte das Licht der Sonne und blendete einen der Zuschauer. Die Kapelle begann ein fröhliches Marschlied, der edle Herr ritt auf den Bürgermeister und seine Tochter zu und verbeugte sich, Eva klatschte begeistert in die Hände und lehnte sich zu ihrem Vater: »Wird er gewinnen, Papi?«
»Oh ja, das wird er.« Für diese erste Runde hatte er extra irgend so einen bedeutungslosen Vollpfosten gegen einen der besten Ritter Agramas auf den Platz geschickt. Das wird ein Spektakel geben, dachte er freudig.

Als die Menge sich beruhigt hatte, wurden erneut die Fanfaren gespielt.
»Der Herr Wilfred.« Die Menge blieb stumm. Wilfred saß auf und ritt im Schritt in die Arena und blickte sich um. Er hatte mit einer zurückhaltenden Reaktion gerechnet, doch nicht damit. Nicht einer der Menschen schien auch nur einen Finger für einen kleinen Höflichkeitsapplaus entbehren zu wollen, stattdessen begannen sie, sich wieder auf ihre Plätze zu setzen. Was soll's. Sobald ich gewonnen hab, klatschen sie dann ja doch, versuchte er sich zu beruhigen, doch er merkte, wie ihm immer unwohler zumute wurde. Das Marschlied der Kapelle dröhnte in seinen Ohren, er versuchte, es auszublenden, schaffte es aber nicht. Stattdessen wanderte sein Blick zu den Spielenden hin, Wilfred wollte schreien: »Hört auf!» und »Seid doch still! Bitte!«, doch sein Mund kam ihm wie verklebt vor. Sein Rachen war ausgetrocknet. Wie viel er jetzt doch nur für ein schönes Glas Wein geben würde.
Wilfreds Verbeugung wirkte eher krampfhaft, nicht so elegant wie die des edlen Herren Giselbert. Sie guckt mich nicht mal richtig an, bemerkte er verzweifelt. Vielleicht besser so, dass sie diese Verbeugung nicht gesehen hat. Das Desinteresse des Publikums wurde ihm in diesem Moment noch viel bewusster. Wo eben noch reines Schweigen gewesen war, redeten die Leute jetzt. Und das nicht einmal über das Turnier, stattdessen ging es um die Sonntagseinkäufe, die Tante Hildegard, die Gestern den Kunibert geheiratet hatte und anderen belanglose Tratsch.
Der Bürgermeister erhob sich, die Menge schwieg wieder: »Lasset das Tjosten beginnen.«
Wilfred wendete mit etwas Mühe das Pferd und rief seinen Turnierknappen.

»Ich komme, ich komme.« Ereck griff die Lanze und das weiße Schild, strich sich die langen, roten Haare aus dem Gesicht und rannte auf Wilfred zu. Er hat Angst. Scheiße, so wird das nix. Wie kann man eigentlich so viel Pech ham, verdammte Kacke. Ereck wollte schon sein ganzes Leben lang Ritter werden. Da der Gewinner dieses Turniers zwei Wünsche vom Bürgermeister fordern durfte, hoffte er auf Wilfreds Gewinn und darauf, dass dieser sich dann den Ritterschlag wünschen würde. Dann könnte Wilfred Ereck zu seinem Knappen und später zum Ritter machen. Ereck wusste, dass auch Wilfred unbedingt Ritter werden wollte, allerdings war er sich auch bewusst, dass dieser niemals allein gewinnen könnte. »Jedenfalls nicht gegen diesen edlen Herren Giselbert von Kalmithia«, murmelte Ereck vor sich hin.

Erneut wurden die Fanfaren gespielt, zwei Lanzen senkten sich, zwei Pferde schnaubten und setzten zum Galopp an. Wilfred spürte auf einmal, wie jeder Schritt des Pferdes seinen Körper durchschüttelte. Ohne Vorwarnung schien die Rüstung fünfmal schwerer zu werden, drückte den Mann mehr in den Sattel, der ihm jetzt noch viel ungemütlicher vorkam als schon zuvor. Die Kapelle dröhnte noch immer in Wilfreds Ohren, die begeisterte Menge zog seinen Blick an, lenkte ihn ab. Er versuchte angestrengt, sich auf seinen Gegner zu konzentrieren, schaffte es jedoch nicht richtig. Jeder Blick dorthin ließ seine Hoffnung schwinden, ließ ihn noch verzweifelter werden.
Er hörte das Stampfen des gegnerischen Pferdes und wie es mit jedem Schritt lauter wurde, konnte den Atem des Ritters fast spüren, zielte mit seiner Lanze auf das hoffentlich richtige Ziel. Endlich schaffte er es, seine Umgebung auszublenden. Endlich zählte für ihn nur noch Giselbert, der jede Sekunde näherkam, die Lanze zielsicher ausgerichtet und dann ...
... Das Pferd wieherte, die Rüstung schepperte und die Lanze brach. Der edle Herr Giselbert von Kalmithia, Frauenheld und Sieger von hundert Turnieren, fiel in den Staub, so wie jeder gewöhnliche Mann in den Staub gefallen wäre. Die Fanfaren wurden erneut geblasen. Der Erzmarschall rief unsicher, offensichtlich verwirrt: »Der Sieger steht fest. Herr Wilfred, der Wappenlose, hat das Tjosten gewonnen.« Die Menge blieb still. Niemand klatschte, einige Frauen stöhnten verzweifelt und hinter Wilfred buhten mehrere Männer. Doch das war ihm egal. Er hatte gewonnen, hatte das Tjosten geschafft. All die Sorgen und Verzweiflung fielen von ihm ab. Euphorisch rannte Ereck auf ihn zu, nahm ihm Lanze und Schild ab und führte das Pferd in Richtung des Stalls.
»Bring mir etwas Wein, Ereck.«
»Turnierteilnehmern ist das Trinken verboten, Herr.«
Wilfred murrte und spuckte aus. Seine Stimmung verschlechterte sich abrupt wieder und er begann, an das noch Kommende zu denken.
»Sie ham's geschafft. Warum so deprimiert?« Der Junge lachte, wirkte aber besorgt.
»Freu dich nicht zu früh.« Wilfred zwang sich ein Lächeln auf die Lippen. »Morgen muss ich gegen Steffen den Schwarzen antreten. Das wird nicht ganz so leicht werden.«
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Den Aufprall spürte er im ganzen Körper. Es fühlte sich an, als würde jeder Knochen brechen. Das Jubeln der Menge im Hintergrund nahm er kaum noch war. Wie aus weiter Ferne hörte Wilfred die Fanfaren und dann die Worte des Stadtmarschalls: »Der edle Herr Steffen von Breylen, genannt der Schwarze, gewinnt das Tjosten.«
Ereck kam zu ihm gerannt, half ihm hoch. Der Junge redete nicht, dafür war Wilfred ihm sehr dankbar. Das wars dann wohl mit dem Traum, dachte er. Eine Träne rann durch sein Gesicht. Den Weg zum Zelt nahm er kaum wahr, seinen Körper hatte er scheinbar auf dem Turnierplatz gelassen, zusammen mit seinen Träumen und seiner Hoffnung. Er schloss die Augen und schlief ein.
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Die Wachen vor dem schwarzen Zelt schnarchten nur leise vor sich hin, sodass sie den dürren, rothaarigen Jungen nicht bemerkten, der vorsichtig die Plane zur Seite schob und ein Fass in das Zelt rollte. Es war Nacht, das Lager schlief. Im Hintergrund deuteten sich die gespenstischen Schemen der Stadtmauer an, dahinter hörte man Lachen und aufgeregte Stimmen. Ansonsten war es still.
Im Zelt schlief ein Ritter, doch der Junge ließ sich davon nicht irritieren. Er stellte das Fass in eine Ecke und öffnete es. Der wohlige Geruch agmischen Rotweins erfüllte das Zelt. Vorsichtig legte der Junge ein Glas auf den Boden, daneben kippte er mit einem lauten Knall das Fass um. Der Ritter schreckte auf und rief lauthals nach den Wachen.
Der Junge indes war längst verschwunden.
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Wilfred wurde von lauten Stimmen vor seinem Zelt geweckt. Er schreckte auf, hatte den gestrigen Tag schon fast verdrängt. Schnell zog er sich an und ging hinaus, um nachzusehen, was passiert war. Es war früh am Morgen, die Sonne war noch nicht einmal richtig aufgegangen und auf dem großen Platz in der Mitte des Lagers hatten sich fast alle Turnierteilnehmer und die Gäste versammelt. Wilfred stellte sich unauffällig dazu und versuchte, einen Blick auf die Mitte der Menschentraube zu erhaschen. Dort stand der Bürgermeister, den kalten Blick auf den vor ihm knienden Mann gerichtet: Der edle Herr Steffen, genannt der Schwarze. Hinter dem Ritter standen zwei Wachmänner.
»Ihr wolltet mich betrügen, habt die Regeln des Turniers gebrochen?«
»Nein, edler Herr. Ich weiß nicht, wie der Wein in mein Zelt gekommen ist, aber ich ...«
»RUHE. Ihr werdet nicht sprechen. Ihr seid kein Ritter.«
»Edler Herr, ich bitte euch!«, rief der Ritter und spuckte aus: »Ich habe euch nicht betrogen. Ich bin ein Ritter, ich würde niemals ...«
»Ihr seid kein Ritter. Ihr seid ein ehrenloser Bastard«, fluchte der Bürgermeister und wendete sich an seine Wachen: »Hängt ihn.«
»Herr, wo ist eure Vernunft ge...«
Die Wachen packten den Ritter, doch dieser stieß einem den Ellenbogen gegen das Kinn und wollte den anderen gerade mit der Faust in den Bauch schlagen, als seine Hand von einem dritten Soldaten aufgehalten wurde. Der Schwarze zappelte, rief: »Sie Hurensohn ... Ich habe nichts getan!«, und andere, noch viel schlimmere Ausflüche, doch die Soldaten konnten ihn mit Mühe wegzerren, hin zu dem Galgen, an dem sie ihn auf der Stelle hängten. Die Menge stöhnte auf, doch niemand wagte es, etwas zu sagen.
Als die Leiche nur noch am Strick baumelte, blau angelaufen und leblos, wandte der Bürgermeister sich an die Menge. Wilfred war irritiert. Überall im Land hörte man die Sagen vom ehrenwerten Steffen, der niemals das Recht brach und seine Gelübde immer ernst nahm, doch wo war dieser Steffen jetzt geblieben? Dieser Steffen hätte niemals Wein getrunken, nicht einmal, wenn es erlaubt gewesen wäre, denn er war bekannter und bekennender Nichttrinker. Jeder wusste das.
»Der schwarze Bastard hat mich betrogen. Jemand muss dementsprechend seinen Platz im Finale füllen. Wer ist der Nächstbeste auf der Liste?« Der Bürgermeister drehte sich zu einem hageren Mann mit einem langen Zettel in der Hand um und blickte ihn erwartungsvoll an. Dieser schien wie aus einem Tagtraum gerissen, blickte dann aber schnell auf seine Liste und las einen Namen vor.

»Herr Wilfred.«
Ereck lächelte zufrieden und schlug sich aufgeregt durch die Menge. Wilfred wird begeistert sein, dachte er, doch als er bei seinem Herrn abkam, sah dieser eher verschreckt aus.
»Herr, was'n los? Sie werden im Finale antreten! Ist das kein Grund zur Freude?«
»Irgendetwas ist hier faul.«
»Was mein'n Sie?« Er wollte das Ganze nicht hier in der Menschenmasse offenlegen, glücklicherweise begann diese aber bereits, sich wieder aufzulösen. Niemand redete. Wahrscheinlich traut sich niemand.
»Ich wäre nicht der Nächste auf der Liste. Und Steffen würde niemals trinken.«
Ereck lehnte sich geheimnisvoll nach vorne. »Richtig«, flüsterte er.

Wilfreds Vermutung wurde also bestätigt. Ohne die um ihn herum immer noch auseinanderströmende Menge zu beachten, schlug er seinem Turnierknappen heftig ins Gesicht. Dieser stöhnte auf und wich zurück. In seinen Zügen zeigte sich nichts als Verwirrung ab. Er hat es nur gut gemeint. Er ist zu Jung, um irgendetwas von Ehre zu verstehen, überlegte Wilfred. Doch dieses Verbrechen würde er niemals verzeihen. Ehre würde ihm gebieten, dem Bürgermeister alles zu erzählen, doch er traute sich nicht. Nicht nachdem er gesehen hatte, wie dieser mit Betrügern umging. Also wendete er sich nur mit strengem Gesicht an Ereck: »Ich werde morgen antreten, aber du verschwindest von hier. Und zwar zackig. Sonst verpfeif ich dich und dann ist dein Gesicht so Blau wie Steffens.«
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Angespannt atmete Wilfred auf. Er versuchte die Sorgen, die, schwerer als die Rüstung, an ihm hingen, abzuwerfen, doch er schaffte es nicht. Seine Gedanken wanderten immer wieder zu Ereck und zu dem Betrug, den dieser sich geleistet hatte. Nein ... das war nicht nur ein Betrug. Das war doppelter Betrug.
Der Stadtmarschall rief seinen Namen und Wilfred trieb sein Pferd an. Er rechnete mit keiner besonderen Reaktion des Publikums, wurde aber überrascht, als ein kurzer Applaus ertönte. Ich werde verlieren, ob ich im Sattel bleibe oder nicht. Ereck hat für mich bereits verloren, dachte er bei sich, als er vor dem Bürgermeister eine steife Verbeugung vollführte.
Sein Gegner war der edle Herr Willem von Nettendal, ein kleiner, stämmiger Mann in glänzender Rüstung. Er sieht nicht allzu gefährlich aus ..., dachte Wilfred, doch wirklich viel Hoffnung hatte er trotzdem nicht.
Die Fanfaren wurden gespielt. Wilfred senkte seine Lanze und trieb sein Pferd an. Immer schneller ritten die beiden Kontrahenten aufeinander zu. Wilfreds Gedanken schweiften auch jetzt noch vom Turnierplatz weg, wollten nicht bei seinem Gegner bleiben. Er fühlte sich, wie in die Situation seines ersten Ritts zurückversetzt, denn obwohl diesmal keine nervige Kapelle irgendwelche grauenvollen Marschlieder spielte, plagten ihn die gleichen Gefühle.
Der Ritter aus Nettendal kam immer näher, doch Wilfred bemerkte schon jetzt, dass die Lanze nicht treffen würde. Er konnte es sehen und spürte endlich wieder etwas Hoffnung. Sein Pferd schnaubte, als er es noch heftiger Antrieb. Kurz vor dem entscheidenden Augenblick schloss Wilfred die Augen, er wusste nicht wieso, aber er wollte nicht hinschauen, hoffte nur still und leise und war mehr als überrascht, dass gar nichts passiert. Beide Lanzen trafen ins Leere, hinter ihm fluchte sein Gegner und auch Wilfred dachte an den Heiligen Vater Himmel gerichtet: Vater, verdammt, warum lässt du mich noch länger leiden? Er wollte, dass es endlich vorbei ist, doch nichtsdestotrotz musste er wenden und sein Pferd zum zweiten Mal zum Galopp antreiben.
Dieses Mal war er seiner Sache sicher. Dieses Mal hielt er seine Augen geöffnet und zielte genau auf die richtige Stelle. Er wusste genau, was jetzt passieren würde und ließ dieses Wissen nicht von zweifelnden Gedanken unterbrochen werden. Ich werde gewinnen, sagte er sich Willem reitet schlecht.
Und er gewann. Der edle Herr Willem von Nettendal flog in hohem Bogen aus seinem Sattel und kam mit einem Krachen auf dem Boden auf. Staub wurde aufgewirbelt und versperrte Wilfred für kurze Zeit die Sicht. Als der Staub die Sicht auf das klatschende Publikum freigab, ergriff ihn eine plötzliche Euphorie und er ritt in schnellem Trab einmal an den Tribünen vorbei, die Hand in der Luft, winkend. So wie er es als Kind immer bei den Siegern gesehen hatte. Er bemerkte einen kleinen Jungen im Publikum, der ihn bewundernd anstarrte und winkte ihm zu, erinnerte sich an das große Turnier in Kalmithia, bei dem er in genau dem gleichen Altar auf einem ähnlichen Platz gesessen hatte.
Sein Pferd kam wiehernd vor dem Bürgermeister und dessen Tochter zum Stehen. Ein hübsches Mädchen, dachte er bei sich.
»Sie haben das Turnier ehrenhaft gewonnen und somit zwei Wünsche frei. Wählen Sie weise!«
Wilfred schluckte bei dem Wort ehrenhaft und begann plötzlich, sich unglaublich schlecht zu fühlen. Hab ich das wirklich verdient? Wohl eher nicht. Verdammt, ich sollte es dem Bürgermeister sagen ... doch dann wird er Ereck hängen. Einen Jungen, noch so jung. Er hat mich betrogen, ja sicher, aber konnte er es besser wissen? Er blickte sein Gegenüber lange an, spürte hunderte gespannte Blicke auf seinem Rücken und sah, wie der Bürgermeister immer ungeduldiger wurde.
»Entscheiden Sie sich jetzt, oder Sie gehen leer aus.« Wilfred versuchte, sich zu entspannen, leerte seine Lungen und entschied sich dann zu etwas, mit dem er niemals gerechnet hätte.
»Ich wünsche mir die Ehre eines Ritterschlags und die Hand eurer Tochter«, hörte er sich sagen, verwundert von seinen eigenen Worten.

Wie kann er es wagen?, dachte der Bürgermeister, doch er versuchte, sein Gesicht gleichgültig zu halten. Er hörte, wie die Menge angespannt einatmete. Einige Männer und Frauen fingen an zu tuscheln. Niemand hätte damit gerechnet, jeder wusste, wie wichtig dem Bürgermeister seine Tochter war.

Eva blickte zu ihrem Vater und dann zu dem Mann, der um ihre Hand gebeten hatte. Irgendwie hatte sie schon von Anfang an Angst vor so etwas gehabt, doch ihr Vater hatte ihr versichert, dass das nicht passieren würde. Der Mann sah nicht schlecht aus, keine Frage, aber heiraten? Plötzlich bekam sie Angst, hätte fast geweint, doch sie besann sich wieder und erinnerte sich an alles, was ihr beigebracht wurde. Ihr Gesicht blieb aussagslos.

»So soll es also sein«, sagte der Bürgermeister.
 
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Wortkrieger-Team
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Hej @Manfred Deppi ,

dieser Text hat einige orthographische Fehler, die sich gut und einfach in unserem bewährten Korrektur-Center bewältigen und ausbessern lassen. Aus diesem Grund verschiebe ich ihn dorthin.

Innerhalb von vier Wochen hast du Zeit, diesbezüglich daran zu arbeiten und Hilfe zu erhalten. Anschließend schreibst du Tserk eine PM und flugs wird der Text wieder zum Besprechen und Kommentieren in diese Kurzgeschichten-Rubrik zurück verschoben.

Ich wünsche dir rasches Gelingen und viel Spaß dabei.

Freundlicher Gruß, Kanji
 
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Hej @Manfred Deppi ,

dieser Text hat einige orthographische Fehler, die sich gut und einfach in unserem bewährten Korrektur-Center bewältigen und ausbessern lassen. Aus diesem Grund verschiebe ich ihn dorthin.

Innerhalb von vier Wochen hast du Zeit, diesbezüglich daran zu arbeiten und Hilfe zu erhalten. Anschließend schreibst du Tserk eine PM und flugs wird der Text wieder zum Besprechen und Kommentieren in diese Kurzgeschichten-Rubrik zurück verschoben.

Ich wünsche dir rasches Gelingen und viel Spaß dabei.

Freundlicher Gruß, Kanji

Jahuppalla...
Habe jetzt schon mal den Anfang gemacht und ein paar Fehler, in der Hoffnung das ich es nicht nur noch schlimmer gemacht habe, verbessert. Ich hoffe natürlich, dass ich es schaffe den Text so zu bearbeiten, dass er lesbar wird.

Grüße,
Manfred
 

Bas

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Hallo @Manfred Deppi,

deine Geschichte ist definitiv kein Rechtschreib-, Grammatik- oder Zeichensetzungsmassaker, einige Fehler haben sich aber dennoch eingeschlichen, die ich dir hier mal aufgelistet habe, dass du schnell wieder aus diesem elenden Korrektur-Center rauskommst:

jedoch…

... jedoch

Sollte der Gewinner schon Ritter sein bekommt er Goldkronen.

Komma nach sein

Irgendwas scheint mir übrigens mit deinen Anführungszeichen nicht zu stimmen, schau mal:

“Natürlich, edler Herr.”

Du benutzt am Anfang der wörtlichen Rede die "endenden" Anführungszeichen (heißen die Abführungszeichen?), die solltest du durch diese hier austauschen:


Ich selbst benutze immer diese hier, finde die irgendwie ästhetischer:


ein schüchternes flüstern

ein schüchternes Flüstern, weil substantiviert

einen Einzigen dieser unnützen Narren

"einzigen" wird hier glaube ich klein geschrieben, weil es sich auf die Narren bezieht

Er stellte sich vor, wie wunderschön sich die Schreie anhören würden und versuchte intensiv,

Bin da kein Fachmann, aber ich hätte ein Komma nach "würden" gesetzt, weil der Nebensatz, der sich auf "Er stellte sich vor" bezieht, an der Stelle abgeschlossen ist

Der würde als erster hängen.

Hier hätte ich "Erster" groß geschrieben

Er weckte sich selber aus dieser Traumvorstellung

Selber, selber, sagen alle Kälber :Pfeif: Auch hier habe ich wieder keine Ahnung, was jetzt richtig ist, ob vielleicht sogar beides geht, finde aber, das "selber" immer so etwas naiv kindliches anhaftet, deshalb würde ich da "selbst" schreiben

hängt ihr Alle.

alle

ich bin sicher er wird Ihnen treue Dienste leisten.

Komma nach sicher

was solls

was soll's, denke ich

Gut, das…

Gut, das ... - die Regel hier besagt, dass Auslassungspunkte nur direkt am Wort kleben, wenn das Wort unterbr... wird

Vielen dank.

Vielen Dank

versuchte eine angenehme Position zu finden und wollte gerade einschlafen

versuchte, eine angenehme Position zu finden, und wollte gerade einschlafen

Wenn ihr heute gewinnt, macht ihr mich dann zu eurem Knappen?”

Wenn "Ihr" heute gewinnt, macht ihr mich dann zu "Eurem" Knappen

Die Antwort beginnt dann mit

Wenn ihr mir gut dient.

Auch da müsste das "Ihr" groß geschrieben werden, allerdings verstehe ich eh nicht, warum er den angehenden Knappen da "Ihrzt", wenn er ihn im nächsten Satz wieder duzt.

Ich bin so abgelenkt von all dem Kleinscheiß, dass die eigentliche Geschichte ein wenig an mir vorbeigeht, muss ich zugeben. Das hier ist mir an dieser Stelle allerdings positiv aufgefallen:

Gegen wen werden Sie antreten?”

“Der edle Herr Giselbert von Kalmithia”, rief der Stadtmarschall feierlich

Das ist jetzt kein wahnsinnig innovativer Kniff, dieser Szenenwechsel, wirkt auf mich sehr ... filmisch, aber er hebt sich ein wenig ab vom Rest der Geschichte. Auch da schreibst du nicht schlecht, im Sinne von: Die Sätze verknoten sich und machen keinen Spaß, sie zu lesen, aber der Großteil ist doch eher simpel. Ich liebe es, Geschichten zu lesen, bei denen man merkt, wie gekonnt der Autor mit der Sprache umgeht, wie sicher er sich zwischen all den Buchstaben umherschlängelt. Den Eindruck habe ich hier leider (noch) nicht. Aber das ist eine Sache, die sich im besten Falle mit der Zeit einstellt, das bedarf einfach Übung und vor allem viel Auseinandersetzung mit der Buchstabenwelt. Ja ... Worauf wollte ich denn hinaus ... Ach ja, also dieser Szenenwechsel hier, das wirkt auf mich das erste Mal so ein bisschen verspielt, da probiert der Autor mal was aus und wagt sich aufs "Glatteis", wo er sich zuvor eher auf sicherem Gelände bewegt. So bleibt dann bisher auch leider eher wenig haften, die Sprache ist zwar sauber, haut mich aber nicht vom Hocker, in den Charakterisierungen der Protagonisten steckt zwar definitiv ... dings, Gedankenfleisch, aber sie gehen mir nicht so nahe, dass ich unbedingt wissen muss, was mit denen noch so passiert, dafür sind sie nicht tief genug gezeichnet, der Plot ist zwar offenbar durchdacht und hält mich am Ball, lässt mich aber auch nicht vor Spannung und überraschenden Twists an den Nägel knabbern, die Umgebungsbeschreibungen sind zwar vorhanden, lassen aber keine Bilder in meinem Kopf entstehen, die ich mir dort aufhängen würde.
Ich würde dir deshalb raten, neben dem vielleicht Wichtigstem, nämlich, dass du richtig tief in deine Protagonisten eintauchst und so versuchst dem Leser das Gefühl zu geben, dass es sich lohnt, ihrer Geschichte zu folgen, ein bisschen mit der Sprache, oder wie in diesem Beispiel, mit den Perspektiven zu spielen, dich da locker zu machen, auch auf die Gefahr hin, dass dann vielleicht mal Unsinn dabei rauskommt, dass du ins Absurde abdriftest, aber jedes Über-die-Stränge-schlagen zeigt dir gleichzeitig auf, wo die Grenzen sind, oder so.

Weiter im Text ...

Was solls. Sobald ich gewonnen hab´ klatschen sie dann ja doch

soll's, das Apostroph hinter hab kann weg - kannst dir merken, dass man das eigentlich immer weglassen kann, wenn das Verb auf -e endet -, Komma hinter das hab

er merkte, wie ihm immer unwohler zumute wurde. Sein Magen schien sich umzudrehen, seine Beine konnte er nicht mehr spüren.

Das ist so eine Stelle, in der du einiges an Potential verschenkst. Ihm wird unwohl zumute. Wenn man da in der naheliegendsten Gehirnkiste kramt, findet man da Bilder wie: Sein Magen dreht sich um. Er kann seine Beine nicht mehr spüren. Die Knie zittern. Ja, aber das hat man eben schon tausend mal gehört und gelesen, und deshalb überliest man das dann fast schon. Würde sich das Unwohlsein beim Wilfred hier auf irgendeine ganz besondere Art äußern, keine Ahnung, das ist jetzt auch nicht wahnsinnig originell, aber wenn er hier plötzlich das Gefühl bekommen würde, dass er wegrennen muss, wenn er sich dann umsehen würde nach einem Fluchtweg und dabei bleibt sein Blick in den Gesichtern der Leute im Publikum hängen und seine Panik wird immer schlimmer und dann - dann sieht er plötzlich diesen kleinen Junge, der ihm direkt in die Augen guckt und dabei in der Nase bohrt und da einen elend langen, krustigen Popel rauszieht, den er sich dann ganz genüßlich in die Nase steckt, während er den Willi immer noch anstarrt und der Willi ist ob dieses Anblicks so perplex, dass er ... Ach, ich bin wohl zu sehr abgedriftet. Aber alleine dadurch, dass du seinen Fluchtdrang gezeigt hättest, dass er sich dieser Situation nicht gewachsen fühlt, wäre er mir viel näher gekommen, wäre er viel menschlicher geworden, als wenn ihm sich einfach "der Magen umdreht". Nutze solche "Extremsituationen", um dem Leser den Charakter näher zu bringen.
Er verbeugt sich daraufhin dann ja krampfhaft, und der Autor bemerkt, dass die Verbeugung weniger elegant als die des Herrn Giselbert ist. Warum bemerkt das nicht der Wilfred? Warum denkt er nicht laut, ach du meine Güte, jetzt mach ich mich hier zum Vollhorst, der Herr Giselbert verbeugt sich wie ein gottverdammter Verbeugungskünstler und ich seh daneben aus wie ein Hampelmann, was denken die Leute denn jetzt von mir, die nehmen mich ja gar nicht ernst, da, der Popeljunge lacht mich ja schon aus, oh mein Gott, das alles hier war ein Fehler, ich muss hier raus!

Entschuldige, der Kommentar sollte nicht ins Selbstdarstellerische abdriften, das ist doof, aber vielleicht bleibt es dir so ja in Erinnerung und hilft dir, solche Stellen zukünftig zu hinterfragen und zu nutzen.

das vollkommen weiße Schild, welches er noch auf diesem Turnier zu füllen gedachte.

Ich schätze mal, mit einem Wappen zu "füllen"? Empfinde füllen hier nicht als das richtige Wort, das passt eher zu einer Flasche als zu einem Schild.

und dann…

siehe oben

und dann…
… im Staub landete.

Und siehe noch mal oben - wieder eine schöne Stelle, wie ich finde, da baust du Spannung auf ... und lässt sie im Staub landen.

viel in den Staub

fiel

wie jeder gewöhnlich Mann

gewöhnliche

Niemand klatschte, einige Frauen stöhnten verzweifelt und hinter Wilfred buhten einige Männer.

Das doppelte "einige" ließe sich bestimmt umgehen

Euphorisch rannte Ereck auf ihn zu, nahm seine Lanze und sein Schild ab und führte das Pferd in Richtung des Stalls.

Und hier das doppelte "seine", zum Beispiel so: "nahm ihm Lanze und Schild ab"

Den Weg zum Zelt merkte er nicht,

Klingt etwas unrund, wie ich finde, vielleicht eher: "Den Weg zum Zelt nahm er kaum wahr"?

Uff ... Also, ich kann dir an der Stelle hier verraten, dass ich normalerweise schon ausgestiegen wäre, vor allem, wenn ich sehe, wie viel da noch kommt. Hab dir ja weiter oben schon beschrieben, woran es liegt, dass sie mich nicht so richtig catcht. Ich glaube, du könntest eine Menge einsparen, kürzen, sie der Längen berauben, das würde der Spannung gut tun.

Als wollte er nicht gesehen werden schlich der Junge durch das Lager

Komma nach werden

Er schob die Plane eines vollkommen schwarzen Zeltes vorbei

Wohl eher beiseite als vorbei

den kalten Blick auf den vor ihm knienden Mann gerichtet: der edle Herr Steffen, genannt der Schwarze.

"Der" edle Herr, nach Doppelpunkt wird groß geschrieben

aber ich…”

niemals…

:Pfeif:

Die Wachen packten den Ritter, doch dieser stieß Einem den Ellenbogen gegen das Kinn und wollte den Anderen

"einem", "anderen"

Sie Hurensohn…

:Pfeif:

Ich habe nichts getan.” und andere, noch viel schlimmere Ausflüche

"Ich habe nichts getan./!", und andere ...

doch die Soldaten konnten ihn mit Mühe wegzerren, hin zu dem Galgen, an dem sie ihn auf der Stelle hingen.

Hängten

Und jetzt macht euch bereit, ihr werdet gleich im Halbfinale gegen Willem von Nettendal antreten.

Euch, Ihr

ich habe gerade mal zwei Mal gewonnen.”

Brr, nicht schön, vielleicht eher ... Ich habe doch erst zwei Mal gewonnen, oder so

der diesen Part eigentlich übernehmen sollte heute Morgen tot in seinem Zelt aufgefunden.

Komma nach sollte, außerdem hat sich da ein extra Leerzeichen zwischen heute und Morgen geschlichen

“Und ihr seid der Nächstbeste, jedenfalls sagt mir das meine Liste.

Hier fehlen die "Abführungszeichen"

eine Chance seinen lebenslangen Traum zu erfüllen

Komma nach Chance

der nächstbeste

der Nächstbeste

Woher weißt du…

Na, kommt sicher noch mal, aber ich hab den Absprung verpasst, jetzt aber.

dann viel es ihm wie

fiel, again

Du verdammter Narr hast meinen Kopf und meine Ehre riskiert und warum?

Komma nach riskiert

Jetzt bin ich ja wirklich fast bis zum Ende gekommen, steige aber an dieser Stelle trotzdem aus - ich dachte, ich schau mal kurz vorbei, weil ich dich als fleißigen Kommentator wahrgenommen habe und das belohnt werden sollte und jetzt hänge ich schon eine halbe Ewigkeit in deiner Ritterwelt fest :shy: Ein kurzes Fazit noch: Man merkt, dass du Bock und eine Menge Fantasie hast, das ist toll. Jetzt musst du nur noch das richtige Maß finden. Bleib dran, ich bin gespannt, wie sich dein Geschreibsel in Zukunft entwickelt.

Bis bald und viele Grüße,

Bas
 
Wortkrieger-Team
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Monster-WG
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Hallo,

Ich zitiere aus dem Korrektur-Center:
"Eine Bitte an die restlichen User: Solange eine Geschichte hier ist, bitte nur Kritiken, die zur Verbesserung beitragen können, posten."
Stil, Inhalt usw. bitte erst, wenn derText wieder aus dem KC ist.

Danke und viele Grüße.
GoMusic
 
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12.01.2019
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Hey @Bas,

Vielen Dank erstmal für deinen (sehr) ausführlichen Kommentar. Hatte schon Angst, dass meine Geschichte hier im KC kommentarlos vergammelt.

Ich werde mich jetzt erstmal den Hinweisen in Sachen Rechtschreibung, etc. zuwenden, um den Korrekturcenter nicht zu missbrauchen. Sobald ich hier raus bin (was hoffentlich bald ist) kümmere ich mich dann um deine Vorschläge zum Inhalt. Du hast da, finde ich, einige sehr gute Ideen gehabt, die mir dabei helfen könnten, die Geschichte interessanter zu gestalten.

Du benutzt am Anfang der wörtlichen Rede die "endenden" Anführungszeichen (heißen die Abführungszeichen?), die solltest du durch diese hier austauschen:
Ups, das ist mir irgendwie überhaupt nicht aufgefallen. Ich weiß leider aber auch nicht wirklich, wie ich diese anderen Zeichen am PC mache. Wenn ich das google kommen immer sehr abenteuerliche Tastenkombinationen raus (z.B. Alt + 0044) aber wenn ich alt drücke und dann nacheinander die angegebenen Zahlen, passiert nichts. Wie genau machst du das? Ich könnte natürlich immer die richtigen Anführungszeichen aus dem Internet rauskopieren, aber das stelle ich mir dann doch etwas nervig vor. Und einfach zwei Kommata ist wahrscheinlich auch eher unelegant.
Am liebsten würde ich ja diese "Chevrons" benutzen, aber dabei habe ich das gleiche Problem :(.

Mit vielen Grüßen,
Manfred
 
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Hallo @Manfred Deppi -

wir kennen uns ja schon, wobei ich nun nicht weiß, ob Du weißt, dass ich mir „historische“ Texte i. d. R. anschaue (weil mich Ausgrabungen in des Wortes vielfältiger Bedeutung) neugierig machen (real im „historischen“ Sinne zuletzt an „St. Eusebius“ in Arnheim, Ausgrabungen) und wie ich sehe, bistu dank @Bas freundlicher Unterstützung „freigekommen“, doch was ich lese, ist eher Fantasy als Historik, was schon im ersten Satz
»Der edle Herr Giselbert von Kalmithia«, rief der Stadtmarschall feierlich.
mit dem Amt des „Marschalls“ beginnt, wenn der ahd. „marahscalc” (marah = Mähre/Pferd, scalc = Schalk, Knecht) aus dem schlichten Ross-/Pferdeknecht sich zum “marstaller” (Stallmeister) entwickelte, der mit dem Aufstieg seines adeligen Herrn zum Chef der Reiterei (von der der “Ritter”, einem späteren "Dienstadel" abgeleitet ist) wurde und schließlich zu einem der Hofämter (neben Kämmerer, Mundschenk, Truchsess) aufstieg und zum Chef der (Reichs)Reiterei aufstieg bis hin zum (Feld)Marschall und Oberbefehlshaber der modernen Armeen ohne frischem, Rheinischen Sauerbraten zwischen den Beinen, während der Hofmarschall die Geschäfte des Hofes und der (!) Gerichtsbarkeit erfüllte, was natürlich nur einen kurzen Ausblick auf die Geschichte des Wortes bringt.

Nur eines wollt’ ich anmerken, der “Marschall” in den Städten ist eine Erfindung der Karnevallsvergnügungen und -vereinen, und so sehe ich den Text weniger als "historisch" als ein Vergnügen, das aber angestrengt wirkt und anstregend ist. “Historik” wird wohl der “Fantasy” oder “jeckisches Treiben” unterliegen, letzgenanntes schon wegen des Einstieges der
bunt gekleideten Masse.

Und schon taucht ein von Dir ungewolltes Missverständnis auf, wenn es heißt
Die Kapelle begann ein fröhliches Marschlied, der edle Herr ritt auf den Bürgermeister und seine Tochter zu und verbeugte sich, Eva klatschte begeistert in die Hände und lehnte sich zu ihrem Vater: »Wird er gewinnen, Papi?«
denn die Konstruktion „seine Tochter“ muss dem Satzsubjekt, dem edlen Herrn, zugerechnet werden und kann doch schwerlich sich dem berittenen, vermeintlichen Vater „zu lehnen“.
Ich empfehle statt des Possesivpronomens den Genitiv Singular zu der/das, drückt doch der Genitiv „des/sen“ wie das Possessivpronomen Besitzverhältnisse aus (die Tochter ihres/des Vaters).
Am Ende der Geschichte klappt es doch!

»Der Herr Wilfred.«
Klingt nach Ivanhoe ...

..., stattdessen ging es um die Sonntagseinkäufe, die Tante Hildegard, die Gestern den Kunibert geheiratet hatteKOMMA und anderen belanglosen Tratsch.
(Komma, weil der Relativsatz (die Gestern …) zu Ende ist, „anderen Tratsch“ Akk., folglich auch „belanglos“

»Der Sieger steht fest. Herr Wilfred, der Wappenlose, hat das Tjosten gewonnen.«
Der/die Tjost war ein Kampf mit scharfen Waffen, also kein Fasching. Das Verb dazu – keine Erfindung von mir, siehe Duden.de – ist „tjostieren“, also in Deinem Fall „das Tjostieren“, was natürlich Unsinn wäre, also besser Akkusativ „den/die Tjost gewonnen“
(musstu nachher weiter entscheiden)

Das Jubeln der Menge im Hintergrund nahm er kaum noch war.
Flüchtigkeit – unterstell ich mal – „wahr“

Die Wachen vor dem schwarzen Zelt schnarchten nur leise vor sich hin, sodass sie den dürren, rothaarigen Jungen nicht bemerkten, der vorsichtig …
Das“sodass“ erweckt den Eindruck, als käme der Junge wegen des „nur leisen Schnarchens“ an den Wachen vorbei, ich bin mir aber sicher, dass die Schnarchnasen „fest/e“ schliefen ...

Es war früh am Morgen, die Sonne war noch nicht einmal richtig aufgegangen …
kann die Sonne „falsch“ aufgehen?

»Edler Herr, ich bitte euch!«, rief der Ritter und spuckte aus: »Ich habe euch nicht betrogen.
Dass die „Höf“lichkeitsform zu Zeiten der Adelshöfe nicht engewendet wird, deucht mich befremdlich!

»Sie Hurensohn ... Ich habe nichts getan!«, …
geziemt sich dieser Ausdruck für einen Ritter?
Gab es den überhaupt im Mittelalter? Das Grimmsche Wörterbuch hat als frühesten Beleg Andreas Gryphius (17. Jh.) angegeben (vgl. Wörterbuchnetz - Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm.)
Doch halt, im mhd. gab‘s den (gleichbedeutenden) „hurson“. Schon hat sich das Lesen gelohnt, wieder was dazugelernt!
und andere, noch viel schlimmere Ausflüche, …
Ausflüge und Ausflüchte kenn ich, aber sonst „Flüche“ ohne Vorsilbe „aus“ ...

Der Bürgermeister drehte sich zu einem hageren Mann mit einem langen Zettel in der Hand um und blickte ihn erwartungsvoll an.
„um“ besser direkt hinter „drehte sich ...“

Dieser schien wie aus einem Tagtraum gerissen, …
besser und korrekt „schien wie aus einem Tagtraum gerissen worden zu sein“ oder weniger gezwirbelt „erschien wie aus einem Tagtraum gerissen ...“

..., doch als er bei seinem Herrn abkam, sah dieser eher verschreckt aus.
„Abkommen“ sind was anderes als „ankommen“

Er ist zu Jung, um irgendetwas von Ehre zu verstehen,
überlegte Wilfred.
Er ist zwar ein Junge, aber „jung“, Adjektiv, vom Alter her
..., doch er traute sich nicht. NichtKOMMA nachdem er gesehen hatte, wie dieser mit Betrügern umging.
Sonst verpfeif ich dich und dann ist dein Gesicht so Blau wie Steffens.«
„blau“

Ereck hat für mich bereits verloren,
dachte er bei sich, als er vor dem Bürgermeister eine steife Verbeugung vollführte.
„bei sich“ weg, wenn Du denkst ist es immer bei Dir, aber wenn Du Dich denkst, reflektierstu über Dich selbst. Ich denke (mich), also bin ich.

Ähnlich hier
Ich werde gewinnen, sagte er sich
sich“ weg oder „zu sich“, quasi innerer Monolog getarnt als Dialog mit Sender und Empfänger in einem ...

Er bemerkte einen kleinen Jungen im Publikum, der ihn bewundernd anstarrteKOMMA und winkte ihm zu, erinnerte sich an das große Turnier in Kalmithia, bei dem er in genau dem gleichen Altar auf einem ähnlichen Platz gesessen hatte.
Komma, weil der Relativsatz zu Ende ist, und statt des Altares meinstu wahrscheinlich das „Alter“

Ihr Gesicht blieb aussagslos.
„aussagelos“, gibt es zwar als buchstäbliche Übersetzung des engl. „meaningless“, aber Du meinst sicherlich „ausdruckslos“

Wie dem auch werde, lieber Manfred von der lockeren Feder, ich hoffe, dass es was wird!

Vroidenreich Weinsteg am Steinweg
 
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12.01.2019
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23
Huch, hab die Seite in letzter Zeit leider etwas (sehr) vernachlässigt. Werde da wohl (hoffentlich) jetzt wieder etwas häufiger reinschauen,

Hallo @Friedrichard,

doch was ich lese, ist eher Fantasy als Historik, was schon im ersten Satz
Das liegt daran, dass es Fantasy ist. Hab die Tags wohl etwas ungünstig gewählt, aber Fantasy ist auch ja auch einer von zwei. "Historik" habe ich jetzt mehr auf dieses mittelalterliche bezogen, auch wenn es nach der eigentlichen Definition des Genres natürlich nicht wirklich passt. Ich werde den Tag gleich entfernen.

Flüchtigkeit – unterstell ich mal – „wahr“
Immer dieses "war". Ich hab keine Ahnung warum, aber in letzter Zeit fällt mir echt oft beim erneuten durchlesen meiner Texte (ob jetzt Geschichten oder Sachen in der Schule oder was auch immer) auf, dass ich das falsch mache. Dabei weiß ich doch, wie es richtig sein muss.

geziemt sich dieser Ausdruck für einen Ritter?
Gab es den überhaupt im Mittelalter? Das Grimmsche Wörterbuch hat als frühesten Beleg Andreas Gryphius (17. Jh.) angegeben (vgl. Wörterbuchnetz - Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm.)
Doch halt, im mhd. gab‘s den (gleichbedeutenden) „hurson“. Schon hat sich das Lesen gelohnt, wieder was dazugelernt!
Zum ersten: Nein, das denke ich mal nicht. Aber in der Situation? Ich denke, da kann der ritterlichste Ritter mal sein Temperament verlieren.
Und zum zweiten: Wie oben gesagt: Es ist Fantasy, also gibt es den Ausdruck hier. Konntest du aber natürlich nicht wissen.

„Abkommen“ sind was anderes als „ankommen“
Jahuppalla. Flüchtigkeitsfehler.

Wie dem auch werde, lieber Manfred von der lockeren Feder, ich hoffe, dass es was wird!
Ich auch.

Vielen, vielen Dank für dein Feedback. Ich werde mich dann morgen oder übermorgen mal um die Überarbeitung kümmern und den "Historisch" Tag werde ich direkt jetzt mal entfernen.

Mit vielen Grüßen,
Manfred
 

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