Was ist neu

Drachentöter

Seniors
Beitritt
03.07.2004
Beiträge
1.644
Zuletzt bearbeitet:

Drachentöter

Drachentöter ist ein lukrativer Beruf. Nach einer langen und gefahrvollen Ausbildung darf der Drachentötergeselle seinen eigenen Drachen erlegen und hätte dann für sein Leben ausgesorgt. Jetzt zeigt sich aber die zweite Gefahr für den Drachentöter. Hat er erst einmal Drachenblut geleckt, kann er schwer aufhören. Das Drachentöten wird zu einer todbringenden Sucht. Für die Drachentöter, die kaum lange genug leben, um Meister zu werden, und für die Drachen, die langsam aber sicher aussterben. Ein Drache ist bis zu seinem siebzigsten Lebensjahr ein Jungtier und wird erst jetzt - wenn er bis hier überlebt hat - ein Erwachsener um dann mit fünfhundert Jahren zum Senior aufzusteigen. Aber das ist inzwischen nur noch Theorie. Der älteste in den letzten Jahren erlegte Drache hatte seinen Zähnen nach ein Alter von dreihundert Jahren und er hatte sich jahrhundertelang in einem aktiven Vulkankrater versteckt. Leider hat auch ein Drache alle Jahre Hunger und muss dann mit der menschlichen Gesellschaft und ihrem saftigen Getier in Kontakt kommen.

Ronald hatte schon als Junge von Drachen geschwärmt. Er sammelte Drachenzähne und Drachenschuppen und als es Zeit für eine Lehre wurde, ging er zu einem Drachentöter in die Ausbildung. Während seiner vierjährigen Lehrzeit hatte er drei Lehrmeister. Einer zog sich bei seinem letzten Einsatz schwere Wunden zu und setzte sich zur Ruhe. Die anderen beiden boten Ronald reiches Anschauungsmaterial, wie man eine Tötung lieber nicht durchführen sollte.

Und nun war es endlich so weit. Der Ausbildungsrat hatte seine Prüfungen abgenommen und Ronald wurde zum Drachentötergesellen ernannt. Wie gelernt, griff Ronald zum DTM - Drachentötermagazin - und schlug die Seite "Drachensichtungen" auf. Als er ein Junge war, umfasste diese Abteilung des Magazins vier Textseiten und zahlreiche Bilder. Jetzt reichte eine dreiviertel Seite und Ronald musste nach Durchsicht feststellen, dass der nächste gesichtete Drachen einige Tausend Kilometer entfernt in Narwan lebte. Aus seiner Lehrzeit wusste Ronald, dass es in Narwan zahlreiche arbeitslose Drachentöter gab, also wäre es sinnlos, sich auf diesen beschwerlichen Weg zu machen. In Varower gab es nach dem DTM derzeit wenigstens vier Drachen. In den kaum zugänglichen Gebirgsketten von Varower lebten vermutlich einige Drachenfamlien, von denen aber kaum mehr bekannt war. Ähnlich wie bei den Menschen begab sich der Nachwuchs, sobald er flügge war, auf Wanderschaft und kam dann auch in die fruchtbaren Täler von Varower.

Als Ronald in Varower ankam, hörte er, ein erfahrener Drachentöter sei nach seinem Kampf mit einem ausgewachsenen Drachen an seinen schweren Verletzungen verstorben. Kurz vor seinem Tod hätte er noch gestöhnt, dass der Drache nicht alleine gewesen sei. Da Drachen Einzelgänger sind, erschien diese Bemerkung eigenartig und Ronald reiste zu dem Ort, an dem der Drachenkampf stattgefunden hatte. Das kleine Tal, in dem der Drachenkadaver lag, war von nahezu undurchdringlichen Wäldern umgeben. Als Roland sich in dem Tal umschaute, fiel ihm etwas auf. Allerdings dauerte es, bis ihm klar wurde, dass es still war. Zu still für eine drachenfreie Landschaft. Kein einziger Vogel sang in den Bäumen. Keine Kaninchen hoppelten über die Wiese. Es gab auch keine Anzeichen für die Anwesenheit größerer Tiere. Und dann durchbrach ein Stöhnen die lastende Stille. Ronald orientierte sich an dem fortgesetzten Stöhnen und schlängelte sich durch dichtes Unterholz in den Wald. Hier strebten riesige Nadelbäume gen Himmel und sie standen so dicht, dass kaum ein Sonnenstrahl den Waldboden erreichte. Und in einem aggressiven Dornengestrüpp fand er sie: Zwei kleine Drachen, etwa vier Meter lang mit langen stämmigen Beinen und einer kurzen breiten Schnauze.

"Was macht ihr denn hier?" fragte er und wollte sich selbst treten für diese dumme Frage. Drachen können schließlich nicht wie Menschen sprechen, sondern sie trompeten.

"Mama ist gestorben und wir haben Hunger", sagte der eine Drache.

"Ihr könnt in Menschensprache reden? Das habe ich noch nie gehört."

"Drachen reden nicht gerne. Untereinander sprechen wir mit Gedanken, da haben wir eine größere Reichweite. Und wenn ein älterer Drache etwas in Menschensprache sagen will, dauert es lange, bis er seine Gedanken sortiert hat."

"Und solange wartet ein Drachentöter nicht. Aber was mache ich mit euch? Hier gibt es in der Nähe kein Wild mehr und ich habe nicht genug Geld, um euch etwa einen Ochsen zu kaufen."

Der zweite Drache, der bis jetzt nichts gesagt hatte, zeigte plötzlich zwei Hände, die bisher an seinem Körper verborgen waren, führte einige eigenartige Bewegungen aus und vor Ronald lag ein Sack. Er schaute hinein und fand zahlreiche Münzen.

"Du bist als erstes Lebewesen nach dem Tod unserer Mutter gekommen. Deshalb bist du nun für uns verantwortlich."

Ronald überlegte auf dem Weg zum nächsten Bauernhof hin und her. Nachdem er einen fetten Ochsen gekauft und in den Wald getrieben hatte, schlief er, während die Drachen ihr Mahl verspeisten. Dann setzte er sich zu ihnen und sie führten ein langes Gespräch.

Im Ergebnis ritt Ronald in die Stadt und kaufte einen einsamen schon lange verlassenen Bauernhof und eine große Rinderherde. Hier lebte er von den wenigen Nachbarn weitgehend unbeachtet mit seinen Zöglingen. Und mehr ist aus seinem Leben nicht zu berichten.

 

Mir hat diese Geschichte gefallen. Jemand zieht aus, um einen Drachen zu erlegen und wird am Ende der Ziehvater von zwei Drachenkindern. Für mich bedeutet es, dass man der Natur nicht immer zusetzen muss, sondern sie auch mit Respekt behandeln kann. Und es bedeutet auch, dass man seine Ansichten ändern kann, wenn man ein Herz hat. Das zumindest ist, wie ich es gelesen habe.

Ansonsten gibt es ein paar kleine Tippfehler, die man ja mal anmerken könnte.

Als Roland sich in dem Tal umschaute, fiel ihm etwa auf.
Das fehlt ein s bei etwa.
=Ihr könnt in Menschensprache reden? Das habe ich noch nie gehört."
Das Gleichzeichen wäre besser ein Anführungszeichen.
Nachdem er einen fetten Ochsengekauft und in den Wald getrieben hatte, schlief er, während die Drachen ihr Mahl verspeisten.
Ochsen und gekauft sollten getrennt sein.

 

@Derek

vielen Dank für Deinen Kommentar. Die Fehler habe ich berichtigt. Und ich denke, Du hast die Intention der Geschichte richtig erkannt.

LG

jobär

 
Zuletzt bearbeitet:

Ha, bis gerade eben glaubte ich noch, Drachen wären weitestgehend domestiziert und führten gelegentlich diesen oder jenen Haushalt, dass mich das Berufsbild des Drachentöters nach dreijähriger Ausbildung bei zumindest mittlerer Reife lt. ruhrspöttlichen Handwerks- oder Industrie- und Handelskammern beinahe an mir vorbeigezogen wäre, lieber

@jobär,​


und das kenn ich mit den Gefährdungen, denn hat der kleine Neffe Dagobert erst mal Geld geleckt und Zinsrechnung begriffen, wird er zum Onkel Nimmersatt und – in der Gewissheit, Geld kalbe nicht (von alleine), legt er es (hoffentlich kalbend, pardon, zins- & gewinnbringend) an. Da braucht es keines Studiums der Finanz- und/oder Wirtschaftswissenschaften.

Aber ich schwofe ab und bevor ich’s vergess

Für die Drachentöter, die kaum lange genug leben, um Meister zu werden, und für die Drachen, die langsamKOMMA aber sicher aussterben.

Ein Drache ist bis zu seinem siebzigsten Lebensjahr ein Jungtier und wird erst jetzt - wenn er bis hier überlebt hat - ein Erwachsener um dann mit fünfhundert Jahren zum Senior aufzusteigen.

Wiewohl es mich nicht stört - aber ich bezweifel, das hier die Kommas durch andere anererkannte Schriftzeichen ersetzt werden kann (aus meinen Erfahrungen mit Straßentheater weiß ich jedoch, dass auch die "ordentlichste" Regie auf korrrekte Anwendung der Rechtschreibung in Manuskripten pfeift

Der ältesteKOMMA in den letzten Jahren erlegte Drache hatte seinen Zähnen nach ein Alter von dreihundert Jahren und …​

Zu still für eine drachenfreie Landschaft. Kein einziger Vogel sang in den Bäumen.
Warum die nahezu negierende Mengenangabe, wenn „kein“ Vogel schon weniger als „ein“ Vogel ist?

Aber gibt die pluralisierende Aussage

Keine Kaninchen hoppelten über die Wiese.
doch nicht wenigstens einem Kaninchen die Chance zu hoppeln ...

Und in einem aggressiven Dornengestrüpp fand er sie: Zwei kleine Drachen, etwa vier Meter lang mit langenKOMMA stämmigen Beinen und einer kurzenKOMMA breiten Schnauze.

Wie auch hier
"Was macht ihr denn hier?“KOMMA fragte er und wollte sich selbst treten für diese dumme Frage.

"Drachen reden nicht gerne. ...“
Fische an sich auch nicht.

Im Ergebnis ritt Ronald in die Stadt und kaufte einen einsamen KOMMA schon lange verlassenen Bauernhof und eine große Rinderherde.

Wie dem auch wird -

gern gelesen und

schönes Wochenende (in einem Monat ist Frühling ...) &
Grüße aus`m Pott vonnet Dante

Friedchen

 

Hallo @jobär,

vom Sound und der einfachen Sprache her ist dein Text mehr Märchen als Fantasyerzählung. Sprechende Tiere, telliger Erzählstil im Präteritum, keine genaue Figurenzeichnung, kein detailiertes Setting, das Gute siegt, formelhaftes Ende. Deshalb lassen sich mMn auch nicht die regulären Maßstäbe und Kriterien einer Kurzgeschichte an deinen Text anlegen.
Ich hab das ganz gerne gelesen, auch wenn das Ganze schon sehr auf die Schlusspointe der Drachenadoption hin ausgerichtet ist. Etwas mehr Entwicklung und Konflikt wäre schön gewesen, letztlich ist mir persönlich das alles zu easy peasy.
Kleinigkeiten:

Nach einer langen und gefahrvollen Ausbildung darf der Drachentötergeselle seinen eigenen Drachen erlegen und hätte dann für sein Leben ausgesorgt. Jetzt zeigt sich aber die zweite Gefahr für den Drachentöter. Hat er erst einmal Drachenblut geleckt, kann er schwer aufhören.
Ich finde das unlogisch. Wenn das Ziel der langwierigen Ausbildung das einmalige Töten eines Drachen ist, wie kann es dann zu dieser Wiederholungsgefahr kommen? Wäre nicht ein zentrales Ziel der Ausbildung, durch Training diese Gefahr auszuschließen?
und wird erst jetzt - wenn er bis hier überlebt hat - ein Erwachsener
ein Minus ist kein Gedankenstrich (Halbgeviertstrich)
ein Erwachsener um dann mit fünfhundert Jahren zum Senior aufzusteigen
das Aufsteigen passt nicht ganz, das bringe ich mit Karriere in Verbindung, nicht mit simplen Älterwerden.
Wie gelernt, griff Ronald zum DTM - Drachentötermagazin - und schlug die Seite "Drachensichtungen" auf.
ideenreich.
In Varower gab es nach dem DTM
laut DTM?
Und in einem aggressiven Dornengestrüpp fand er sie
Sorry, das passt überhaupt nicht, Aggressivität setzt aktives Handeln voraus, das kann kein Dornengestrüpp.
"Mama ist gestorben und wir haben Hunger", sagte der eine Drache.
Die 8 Leerzeilen in diesem finalen Absatz sind unnötig.

Erinnert hat mich das Thema deines Textes an Buzattis "Die Ermordung des Drachen", dort allerdings wird der letzte Drache samt zweifachem Nachwuchs von der adeligen Jagdgesellschaft und ihren Helfern ohne Skrupel abgemurkst.

peace, l2f

 

Neue Texte

Zurück
Anfang Bottom