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Ein bisschen verklemmt
„Heute wird es passieren, heute muss es passieren“, dachte Anna, als sie auf die Klingel drückte. Sie sah dem Abend mit gemischten Gefühlen entgegen.
Paul öffnete die Tür und begrüsste sie mit einem Kuss.
„Ich habe deine Lieblingspasta gekocht“, sagte er, als erwarte er dafür eine Auszeichnung.
„Lieb von dir“. Anna lächelte. Hoffentlich hatte der Abend mehr für sie bereit, als ein paar Nudeln an würziger Sosse.
„Du siehst wunderschön aus heute“, sagte Paul mit verliebter Stimme.
Ja, dachte Anna, so wie immer wenn wir uns sehen. Sie seufzte kaum hörbar auf. Pauls andauernde Komplimente wurden ihr allmählich zuviel. Er überhäufte sie schier damit, so dass sie es gar nicht mehr richtig zu schätzen wusste. Wenn er ihr doch auch mal zeigte, wie schön er sie fand, anstatt ständig davon zu reden.
„Du hast am Telefon gesagt, du hättest heute was Bestimmtes mit mir vor“, riss Paul sie aus ihren Gedanken.
„Äh, ja, reden wir später darüber, ja? Lass uns erst mal essen.“
„Ich bin jedenfalls gespannt“.
Hatte Paul denn gar keine Ahnung, wovon sie am Telefon gesprochen hatte? Das war unmöglich. Bestimmt gab es eine Erklärung für sein seltsames Verhalten diesem Thema gegenüber.
Sie schaute Paul nachdenklich an, während er ihnen Wein einschenkte. Er bemerkte es nicht.
Beim Essen führten sie small talk. Anna, die es nicht mehr aushielt, legte ihre Hand auf Pauls Knie. Er rührte sich nicht.
„Ich bin ziemlich müde“, gähnte Paul. „Lass uns noch einen Film anschauen, ja? Das was du mit mir vorhattest, hat bestimmt auch noch morgen Zeit, oder?“
„Sicher“, sagte Anna. Oder in tausend Jahren, ergänzte sie wütend in Gedanken.
Wenig später sassen sie auf dem Sofa. Paul hatte seinen Arm locker um Anna gelegt, bemühte sich jedoch nicht um weitere Zärtlichkeiten.
Im Fernsehen war eine Liebesszene zu sehen. Die Darsteller stöhnten um die Wette und flüsterten sich schmutzige Dinge zu. Paul starrte ausdruckslos auf den Bildschirm.
Anna wurde allmählich ziemlich verzweifelt. Was war bloss los mit ihm?
Nach dem Film begann Paul eine Diskussion über die politische Korrektheit des Filmes. Anna, die gewöhhnlich gerne mit Paul diskutierte, stieg nur widerwillig darauf ein und blockte schon bald ab.
„Ich bin müde, gehn wir schlafen."
Natürlich wollte sie nicht wirklich schlafen.
Während Paul sich die Zähne putzte, zog sie sich bis auf die Untewäsche aus und legte sich aufreizend mitten aufs Bett.
Paukl kam ins Zimmer, nur mit Boxershort bekleidet. Bewundernd betrachtete Anna seinen gut gebauten Körper. Wie gerne würde sie ihn überall berühren.
„Wow, wie schön du aussiehst“, sagte Paul. Er legte sich neben sie.
Jetzt ist es soweit, dachte Anna erfreut. Da kann er nicht mehr widerstehen.
„Kannst du vielleicht ein wenig zur Seite rücken?“, fragte Paul höflich.
Anna traute ihren Ohren nicht. Wieviele Frechheiten erlaubte sich Paul noch?
„Weisst du was, ich lass mich nicht ewig von dir demütigen!“, rief Anna. Vor lauter Zorn traten ihr Tränen in die Augen, als sie das Bett verliess.
„Was hast du denn?“, rief Paul. Er schien ehrlich verwirrt.
„Du behandeltst mich wie Luft!“, sagte Anna erstickt.
„Was? Aber ich koche doch dauernd für dich, mache dir Komplimente und kaufe dir Geschenke. Was willst du denn noch?“
„Mit dir schlafen will ich, du verfluchter Idiot!“ Anna warf ihm ein Kissen ins Gesicht.
Paul unterdrückte ein Lachen.
„Es geht also um Sex? Deswegen das Getue, die ganze Geheimniskrämerei? Aber warum hast du denn das nicht gleich gesagt? Bist du vielleicht ein bisschen verklemmt?“


kurz und knackisch^^ - so wies sein muss :-P