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Ein letzter Weg gemeinsam

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Ein letzter Weg gemeinsam

Aja hat gerade Bens Haus verlassen. Aja geht langsam. Ihr Herz rast, ihr Atem geht schnell. Aja steht unter Schock, den sie zu verbergen sucht. Neben ihr geht Ben. Ben tut ihr leid und gleichzeitig findet sie ihn nichtswürdig.

Es hatte alles so schön begonnen. Gestern war sie in Kopenhagen angekommen. Ben hatte sie abgeholt vom Flughafen und war mit ihr in ein hübsches, kleines Hotel am Hafen gefahren. Sie hatten zu Abend gegessen und dann verlebten sie eine einzigartig intensive Liebesnacht – wenig Schlaf, viel Spaß. Nach einem kurzen Frühstück nahmen Aja und Ben ein Taxi und fuhren zum Kopenhagener Flughafen, für den kurzen Flug nach Hamburg.

Hamburg ist Bens Heimat. Dort lebt er, nachdem er aus Japan zurückgekehrt war, wieder bei seinen Eltern und studiert Japanologie. Zuvor hatte er 10 Monate als Austauschstudent in Tokyo verbracht. Schon vier Wochen nach seiner Ankunft hatten sich Aja und Ben kennen gelernt. Aja hatte diesen blonden, blauäugigen, großen schlanken jungen Mann auf Anhieb gemocht. Das Muttermal auf seiner rechten Wange hatte sie nicht gestört. Er hatte eine gute Figur und war gepflegt und höflich. Seine Schüchternheit hatte sie bemerkt, jedoch auf die ungewohnten Umstände in ihrer Heimat zurückgeführt. Ajas Eltern hatten Ben mit angemessener Höflichkeit empfangen und geschwiegen. Aja wusste bis heute nicht, ob ihre Eltern gehofft hatten, dass sich dieses Verhältnis irgendwie erledigen würde. Aja konnte sich denken, dass ihre Eltern so dachten, waren sie doch aus alter japanischer Familie mit entfernter Verwandtschaft zum Kaiser und dem Hof. Aja war ihren Eltern dankbar, dass sie geschwiegen hatten.

Erst diese intensive Kopenhagener Nacht und dann dieser grauenvolle Empfang in Bens Elternhaus, im Rotherbaum. Alte Häuser, alte Bäume, gediegene Bürgerlichkeit. Die emotionale Achterbahnfahrt machte Aja zu schaffen. Bens Vater war auf Geschäftsreise. Bens Mutter hatte sie zunächst höflich empfangen. Als Ben ihr sagte, dass Aja bei ihm während ihres anstehenden Austauschjahres wohnen würde, war Bens Mutter äußerst ungehalten geworden. Aja hatte nur Teile des mit großer Wut Vorgetragenen verstanden. Bens Mutter hatte ihn als feige beschimpft, als hinterhältig, als einen Schlappschwanz „wie sein Vater“ – was das wohl war, ein Schlappschwanz? Aja nahm sich vor, diesen Ausdruck nachzuschauen.

Was waren die Deutschen doch für barbarische Menschen. Aja hatte sich doch nichts vorzuwerfen. Sie war attraktiv und elegant, schlank und hochbegabt. „Körper und Köpfchen“, hätte Aja von sich gesagt, wenn sie schon so gut Deutsch gesprochen hätte. Und es ging gar nicht, Bens Gesicht vor ihr, Aja, verlieren zu lassen. Dies verstieß gegen Omotenashi, das unumstößliche japanische Gebot der Höflichkeit und Gastlichkeit.

Sollte sie überhaupt in diesem barbarischen Land bleiben? Aja musste sich erden, ihre Ausgeglichenheit wiederfinden. Die Luft war frisch. Diese Frische genoss Aja. Der Tag war noch jung. Aja konnte die Nähe der See schnuppern und hören. Ein Stückchen gewann Aja ihre Souveränität wieder, als sie das vertraute Möwengeschrei hörte – wie zuhause, dachte sie, in Nagoya. Hamburg schien nicht so schlecht zu sein für eine junge Frau aus Nagoya, dachte Aja.

Von schräg rechts hinter sich hörte sie die Rollen ihres Rollkoffers über das Pflaster rattern, von Ben gezogen. Aja schaute kurz nach ihm. Sie bemerkte, dass ihm Tränen die Wangen herunterliefen. Konnte er sich nicht beherrschen? Was er wohl dachte?

Aja wusste, wo sie hinwollte. Ins Hotel Atlantic. Dort war sie schon einmal mit ihrem Vater gewesen, als sie ihn auf einer Geschäftsreise begleitet hatte. Sie schätzte die Höflichkeit des Personals, die Bar, die dicken Teppiche. Vorhin, in Bens Elternhaus, hatte sie sich einen Moment entschuldigt, war auf Toilette gegangen und hatte sich von dort eine Junior Suite mit Blick auf die Binnenalster reserviert. Geld hatte sie genug. Ihre Eltern wollten, dass es ihr gut ging. Und im Hotel Atlantic konnte sie wieder ganz zu sich kommen, sich erden, ihre Ruhe wiederfinden – um danach zu entscheiden, wie es weitergehen sollte.

Aja rundete die Straßenecke nach links, Richtung Binnenalster, und vor sich sah sie das Hotel Atlantic. Sie straffte ihren Rücken noch ein wenig, so dass sie fast gleichgroß war wie Ben, der leicht gebeugt und traurig schräg hinter ihr herlief. Aja war sich bewusst, dass sie eine sehr starke, junge Frau war. Sie erreichte in der Regel, was sie wollte. Wie hatte sie sich nur auf Ben einlassen können? Es galt Vieles zu bedenken. Doch jetzt kam es erst einmal darauf an, ihr Gesicht zu wahren und sich mit Anstand zurück zu ziehen.

Aja und Ben waren vor dem Hotel Atlantic angekommen. Aja wandte sich zu ihm: „Danke.“, sagte sie, „alles Gute Dir.“ Hätte sie mehr gesagt, hätte Aja ihre Fassung verloren. Und das wollte sie auf gar keinen Fall. Sie drehte sich um und schritt den roten Teppich zur Eingangshalle des Hotels Atlantic hinauf. In den spiegelnden Eingangstüren sah sie Ben, der in Tränen aufgelöst ihr nachsah.

 
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Hallo @Thomas Spemann ,

Dein Text stand so unkommentiert herum, dass ich mir dachte, dass ich mich einmal kurz seiner annehme. Ich hoffe, Du bist nicht allzu geknickt, wenn ich sage, dass er mich nicht überzeugt hat. Ich habe mich gefragt, wovon die Kurzgeschichte eigentlich handelt soll. Da ist dieses Paar, Ben und Aja, sie haben Sex, sie wird Zeugin eines Familienkonflikts, sie kann diesen aus kulturellen Gründen nicht einordnen, will eine Pause? Macht Schluss? Das liest sich alles mehr wie ein Konzept für eine Kurzgeschichte.
Aus dem Thema lässt sich ja etwas machen: Zwei Menschen verschiedener Kulturen müssen zueinander finden, aber scheitern dann doch. Was natürlich irgendwie schade ist.

Im Detail noch das Folgende:

Aja hat gerade Bens Haus verlassen. Aja geht langsam. Ihr Herz rast, ihr Atem geht schnell. Aja steht unter Schock, den sie zu verbergen sucht. Neben ihr geht Ben. Ben tut ihr leid und gleichzeitig findet sie ihn nichtswürdig.
Das liest sich nicht schön. Vor allem, wenn Du jeden Satz mit Aja anfängst. Ich finde es auch nicht sehr elegant, im ersten Satz die Vorvergangenheit zu nutzen. Ich würde es evt. so formulieren: Aja verlässt Bens Haus, geht langsam die Straße entlang. Ihr Herz rast. Der Atem ist schnell. Neben ihr Ben. Den Schock versucht sie vor ihm zu verbergen. Er tut ihr leid und gleichzeitig findet sie ihn nicht würdig.
Das ist natürlich nur ein Vorschlag.
Hamburg ist Bens Heimat. Dort lebt er, nachdem er aus Japan zurückgekehrt war, wieder bei seinen Eltern und studiert Japanologie. Zuvor hatte er 10 Monate als Austauschstudent in Tokyo verbracht. Schon vier Wochen nach seiner Ankunft hatten sich Aja und Ben kennengelernt. Aja hatte diesen blonden, blauäugigen, großen schlanken jungen Mann auf Anhieb gemocht. Das Muttermal auf seiner rechten Wange hatte sie nicht gestört. Er hatte eine gute Figur und war gepflegt und höflich. Seine Schüchternheit hatte sie bemerkt, jedoch auf die ungewohnten Umstände in ihrer Heimat zurückgeführt.
Und hier verfällst Du ins Tell und hast einen klassichen Info-Dump. Das kannst Du googeln. Du häufst viele Infos über seine Vita und sein Aussehen aneinander anstatt sie in Handlung zu verkleiden. Vor allem sind viele Infos überflüssig für die Handlung. Ich nehme aber einfach, um Dir zu zeigen, was ich meine, noch einmal den Text oben:

Aja verlässt Bens Haus, geht langsam die Straße entlang. Ihr Herz rast. Der Atem ist schnell. Neben ihr taucht der große, schlanke Schatten von Ben auf. Sie wendet sich ihm zu. Ihre Blicke bleiben an dem Muttermal auf seiner rechten Wange hängen. Zuhause in Japan verliebte sie sich sofort in den blonden Austauschstudenten. Jetzt, hier und Hamburg, versucht sie, den Schock vor ihm zu verbergen. Er tut ihr leid und gleichzeitig findet sie ihn nicht würdig.


Was waren die Deutschen doch für barbarische Menschen.
Das ist schwer nachzuvollziehen. Auf diese Schlussfolgerung kommt sie wegen des Streits? Was genau schockiert sie so? Zu was steht es im Gegensatz. Auch hier ist eigentlich schade, dass Du in die Vergangenheit verfällst. Vielleicht wäre das die Einstiegsszene? Der Streit? Schockiert rennt sie dann auf die Straße?
Ihre Eltern wollten, dass es ihr gut ging. Und im Hotel Atlantic konnte sie wieder ganz zu sich kommen, sich erden, ihre Ruhe wiederfinden – um danach zu entscheiden, wie es weitergehen sollte.
Mir kommt es so vor, als hätte sie sich schon entschieden.
Doch jetzt kam es erst einmal darauf an, ihr Gesicht zu wahren und sich mit Anstand zurückzuziehen.

„Danke.“, sagte sie, „alles Gute Dir.“
Da ist ist die Zeichensetzung und Groß-/Kleinschreibung etwas durcheinander geraten: „Danke“, sagte sie. „Alles Gute dir.“

Ich hoffe, Du kannst etwas mit meiner Kritik anfangen.

Liebe Grüße
Mae

 

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