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Ein neuer Versuch

Senior
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Ein neuer Versuch

Es war mal wieder früh geworden und die aufgehende Sonne dröhnte in seinem Schädel wie eine Dudelsack- Kapelle. „Wieder ein genau so beschissener Tag wie alle anderen Tage. Was soll das alles überhaupt noch.“
Im Autoradio liefen die Nachrichten: „Kriege und Katastrophen, Hunger und Elend - gibt‘s denn nichts anderes mehr? Das ist doch alles zum Kotzen.“

„Aber das sieht ja richtig schön aus.“
Die Sonne malte einen Regenbogen an den Himmel. Nein, keinen Bogen. Soweit Einar schauen konnte, leuchtete der Himmel in bunten Farben. Sowas hatte er noch nie gesehen. Und die Augen taten ihm gar nicht weh, selbst seine Kopfschmerzen hatten sich verabschiedet. „Habe ich irgendwas gekifft?“
Einar fühlte sich ganz unbeschwert, saß wie auf Wolken. „Offensichtlich high. Lieber anhalten, aber - wo ist überhaupt mein Auto?“
Um ihn herum waberten leuchtende Farben. Keine Konturen waren zu sehen und er saß auch nicht mehr in seinem Fahrersitz. „Ich schwebe irgendwie. Bin ich im Fluss gelandet? Feucht ist es nicht. Eigenartig, es fühlt sich fröhlich an. Bin ich überhaupt noch oder treibt nur meine Erinnerung durch das Weltall? Gibt es hier vielleicht einen Spiegel?“
Irgendwie wurde Einar klar, dass er das kleine Wölkchen vor seinen Augen nur herunterklappen musste und schon sah er in einen großen Spiegel. Aber er erblickte nicht mehr das aufgequollene mürrische Gesicht, das ihn in der Nacht auf der Toilette angestarrt hatte. Seine Haare hatten endlich die Locken und die tiefschwarze Farbe, die er sich immer gewünscht hatte. Die Augen leicht schräggestellt, die zweimal gebrochene Nase wieder gerade und passend zum Gesicht. Soweit er schauen konnte, sah er um Jahre jünger aus.
„Offensichtlich bin ich tot. Aber ich bin wohl nicht in der Hölle gelandet, obwohl mich viele dahin gewünscht haben. Aber ob das hier der Himmel ist? Verdient hätte ich ihn sicher nicht, denke ich.“

Zu der Fröhlichkeit in der Einar schwebte, kam jetzt ein Lächeln hinzu. Einar schaute erstaunt um sich und da saß jemand neben ihm. „ Oh, hallo, gar nicht bemerkt“.
Das Wesen lächelte freundlich, erwiderte aber nichts. Es sah aus wie ein Mensch in einer Art buntem Nachthemd. Allerdings hatte Einar bereits im Spiegel erkannt, dass er auch so etwas trug, also fragte er lieber: „Bist Du eine Frau oder ein Mann? Bist Du überhaupt ein Mensch?“
„Frau oder Mann spielt hier keine Rolle, wir sind Menschen.“
„Kinder gibt’s dann aber nicht.“
„Überleg‘ doch mal, wie viele Menschen sterben, bevor sie wirklich gelebt haben. Es gibt hier viele Kinder, die sich dann auch entwickeln und langsam erwachsen werden.“
„Aber ich scheine jünger geworden zu sein.“
„Du hast ja auch noch einiges vor Dir. Aber Du bist ja nicht alleine.“
„Vorhin war ich aber alleine.“
„Da hattest Du ja auch noch keine wirklichen Fragen. Sobald Du eine Frage stellst, kommt jemand um sie zu beantworten.“
„Und wenn ich kein e Fragen habe, bin ich alleine?“
Du kannst Dir wünschen alleine zu sein. Du kannst Dir aber auch wünschen, mit anderen Menschen zusammen zu sein.“
Kann ich mir auch wünschen, bestimmten Menschen nicht zu begegnen?“
„Du kannst jeden Menschen blockieren. Dann siehst Du diesen Menschen nicht und er sieht Dich auch nicht.“
„Und was tut man hier den ganzen Tag?“
„Das ist gerade für Neue schwierig zu erklären. Das fängt schon damit an, dass es hier keine Tage gibt.“
„Also ist alles nur ein bunter Nebel?“
„Auf keinen Fall. Du kannst durch die Welt reisen und zum Beispiel New York oder den Uranus besuchen. Und wenn Du bei Deinen Reisen Fragen hast, kommt jemand zum Beantworten:“

Einar dachte lange nach und schaute dabei gar nicht, ob sein Nachbar noch da war. Dann wusste er, was ihn interessierte: „Kann ich mir auch einen bestimmten Menschen wünschen und Fragen an ihn stellen?“
„Wenn dieser Mensch auf der Erde gestorben ist, dann kannst Du ihn Dir herbeiwünschen und ihm Deine Fragen stellen:“
„Und sie wird mir ehrlich antworten?“
„Vielleicht.“
„Also weiter Ausflüchte und Lügen?“
„Nein, jeder Mensch, der hier ist, hat nur zwei Möglichkeiten. Er sagt die Wahrheit oder er schweigt.“
„Ich wünsche mir Manuela.“
Und schon saß neben Einar eine junge Frau mit langen blonden Haaren und ebenfalls einem bunten Nachthemd bekleidet. Ja, sie war Manuela, aber bei ihrer letzten Begegnung hatte sie zornig und traurig ausgesehen. Jetzt lächelte sie Einar an.
„Warum hast Du mich verlassen?“, fragte Einar.
Manuela lächelte und schwieg.
„Und nun? So komme ich doch nicht weiter.“
Eine Stimme hinter ihm erklärte: „Oft muss man erst die richtigen Fragen finden. um die richtigen Antworten zu bekommen. Alle eure Fragen werden eine Antgwort finden und erledigt sein. Ihr habt dafür ja noch eine Ewigkeit vor euch.“
 
Senior
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03.07.2004
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Sie flog auf einer Wolke.
Die Wolke war kuschelig weich, …
So beginnt Die Wolke von Vogelwurm. Und die Geschichte um diese kuschelige Wolke hat mich zu meiner "Kuschel"geschichte animiert.

Jobär
 
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19.04.2015
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Ich würde mir wünschen mehr Gefühle hineinzubringen :) Ansonsten finde ich sie ganz gut.
 

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