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Ein schönes Leben noch
Du kannst nicht sagen, dass ich dich nicht gewarnt habe, ich habe dir gesagt, dass ich die Verantwortung für dein Leben nicht übernehmen kann...
... nicht übernehmen will. Es ist zu schwer für mich. Ich wollte eigentlich nur mein Leben leben, und dann... bist du dahergekommen, hast meine Art, wie ich das Leben nahm, gemocht, und wolltest sie mit deiner Liebe zu mir zerbrechen.
Das ist mir schonmal passiert, als jemand mir sein Leben zu Füßen gelegt hat, und ich habe es aus Versehen zertreten, auf meiner panischen Flucht. Ich will das alles nicht. Aber der Rest der Welt versteht nicht, und deshalb versuche ich jetzt diese Mail zu schreiben, um dir all das zu erklären, wofür ich keine Worte finde.
Manchmal denke ich, ich hätte der Psychologin nichts vorlügen sollen. Wenn ich ein ärztliches Attest hätte, wo in großen, roten Buchstaben „unzurechnungsfähig“ draufgestempelt wäre, dann hätte ich eine bequeme Ausrede, eine Entschuldigung dafür. Ich könnte es einfach behaupten.
Mit welchem Recht bist du wütend auf mich? Ich habe dich gewarnt!
„Ich bin mir sicher, dass du darauf achtgeben wirst“, hast du gesagt und mir dein Herz vor die Füße geworfen wie einen Fehdehandschuh. „Wer denn, wenn nicht du?“
Tatsache ist, es ist kaputt. Tut mir wirklich Leid.
Ich weiß, dass es verkehrt war, dir Hoffnungen zu machen, nein, ich hätte dich mich töten sollen, als ich noch die Gelegenheit dazu hatte. Es gibt nichts, was schlimmer ist als der verdammte Liebeskummer, er reißt einem das Herz in Fetzen und ich hätte ihn dir gern erspart, aber du hast nicht auf mich gehört, als ich dich gewarnt habe. Ich hasse mich selbst dafür, dass ich das getan habe, vor allem weil du mir wirklich wichtig bist weil ich dich hätte lieben können in einem anderen Leben, aber was wäre die Alternative gewesen? Ich hätte mein Leben weggeworfen und es einem anderen Menschen geschenkt dir geschenkt, weil du es wert gewesen wärst, nur, um ihn nicht unglücklich zu machen ich hasse dich dafür, dass du mir diese Entscheidung aufgezwungen hast, "löschen, löschen, das schreibst du nicht, du bist ja nicht gemein, du bist nur ein mieser Autist, nicht mal das hast du gekonnt, du warst sogar zu bescheuert, um dir deine Unzurechnungsfähigkeit schriftlich geben zu lassen, das geschieht dir ganz Recht, zerfließ ruhig in Selbstmitleid, hass dich selbst, Idiot".
ein schönes Leben noch
) zum Schluss gekommen, dass die letztere Erfahrung auf Dauer schlimmer ist. Wer enttäuscht wurde, kann seine Gefühle kanalisieren, kann wütend werden, Hass aufbauen, seine Enttäuschung ausleben, überwinden und neu anfangen. Wer aber Auslöser für das Leid anderer war, hat nur seine Schuldgefühle. Und die kann er nicht in etwas anderes umleiten. Damit muss er klar kommen, er ganz allein. Und ein wenig davon wird er immer mit sich rumtragen. Wahrscheinlich bringt mir das jetzt einen Aufschrei all jener ein, die einmal enttäuscht wurden. Ich plädiere hier sicher nicht auf Mitleid für Menschen, die wissentlich und aus Jux und Dollerei auf den Gefühlen anderer herumtrampeln. Es gibt aber sicher Situationen, in denen man schlicht und einfach die Gefühle des anderen nicht in der gleichen Art erwidern kann. Hier trifft im Grunde niemanden eine Schuld. Trotzdem werden Menschen verletzt. Und manchmal hat derjenige, der verletzt hat, länger daran zu knabbern als der Verletzte. So oder so ist es sicher immer von den Personen, ihren Charakteren und von dem, was vorgefallen ist, abhängig.