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Ein Zeichen der Götter

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06.12.2020
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Ein Zeichen der Götter

Er trampelte mit seiner scheckigen Mähre tiefe Spuren in den versumpften Weg, den man fast nicht mehr als solchen ausmachen konnte. Es wunderte ihn nicht mehr, dass auch dieses Dorf gottverlassen in der Gegend hing. Schöne Freunde hatte er da gefunden. Haben ihn vorgeschickt, zu diesen verwöhnten Bastard von Offizier. Mit seinen Hängebacken und schmollenden Lippen, die geradezu danach bettelten, geschlagen zu werden. »Als wäre es eine allzu große Beleidigung für sein Amt, sich mit niederen Wesen wie uns abgeben zu müssen«, dachte er. »Ali, tu was für dein Geld und reite vor! Komm’ zurück, wenn du mir berichten kannst, wo das Gesindel abgeblieben ist!«, hatte er mir entgegen gespuckt. Ich sollte wahrscheinlich noch froh sein, dass er meinen Namen kennt.

»Aber langsam wird mir diese Farce hier zu blöd«, dachte er. Das sieht doch ein Blinder, dass hier nichts mehr zu finden ist. Sind wahrscheinlich schon vor Tagen geflohen. »Aber vor was?«, murmelte er leise in sich hinein. Weder Spuren von Zerstörung noch Leichen konnte Ali ausmachen. Ja, sogar die Alten und Kinder mussten alle entkommen sein. Ich werd’ langsam verrückt. Ali fuhr sich kopfschüttelnd durch das schüttere Haar und beobachtete noch einmal vorsichtig seine Umgebung. »Irgendetwas … irgendetwas«, stammelte er. Und dann musste er heftig schlucken. Abermals konnte er seinen Augen und Ohren nicht trauen. Ali wandte seinen Blick gen Westen. Der Rubin strahlte ihm blutrot entgegen. Das rote Licht musste die gelben Strahlen zur Gänze verschluckt haben, denn seine Augen sahen keinen Fingerbreit mehr, von dem Sonnenlicht, dass er sich eigentlich zu sehen erhofft hatte. Das Urlicht war verschwunden. Der Rubin war ihm schon immer unheimlich erschienen, doch in dieser Nacht … Nacht!? War es denn schon so spät? Ali konnte kaum mehr als die Umrisse dessen erkennen, was zuvor noch einer verfallenen Barackenlandschaft glich. Es war ihm, als hätte der Rubin alle Zeit in sich aufgenommen und würde nun gierig darauf harren, dass etwas passierte.

Während er nervös auf der zerflederten Satteldecke hin und her rutschte und dabei die alte Stute sanft am Hals tätschelte, mehr um sich selbst zu beruhigen als seine treue Gefährtin, plante er fest seinen Rückzug. Und wenn mir der Offizier auch noch meinen letzten Sold streicht, ich hab’ genug von diesen Kundschaftungen im Alleingang. »Da kann mir mein Unglück im Spiel gestohlen bleiben. Ich schulde weder Krik noch Siam noch sonst wem, auch nur das Geringste«, dachte er. Nur Baldschid, dem alten Haudegen, schulde ich noch ein paar Silberlinge. »Aber der würde kaum solche abenteuerlichen Unternehmungen von mir verlangen«, grinste Ali in sich hinein.

Doch das Grinsen gefror schnell auf seinem, mittlerweile zerfurchten, Gesicht. Keine Geräusche, keine Lebewesen, nicht einmal Wind. Verzweifelt klammerte er sich an den Nacken des einzigen Lebewesens weit und breit. »Pah! Da fürchtest du dich vor der Dunkelheit, während dein Bruder an der Westfront kämpft und sein Leben für die Familie riskiert«, dachte er. Ja, mein Bruder. Fünf Jahre jünger und doch wurde er dazu auserkoren diese Teufelsanbeter im Westen in das Loch zurückzujagen, aus dem sie gekrochen kamen. Es juckte ihn in den Fingern, nach seinem Säbel zu greifen und gegen das anzukämpfen, was da vor ihm lag. Aber da lag nichts. Nichts ist da! Das rote Licht musste ihm den Verstand vernebelt haben, denn nun begann er auch noch zu fantasieren, dass die Dunkelheit, die ihn umgab, auf ihn zukroch. Langsam, schwerfällig, unaufhaltsam.

Ali wollte lachen, schreien. Seine Gedanken verwoben sich, flogen durcheinander und machten ihn auf Banalitäten aufmerksam, ganz alltägliche Dinge. Die trunkenen Nächte in den Spelunken, die Spielabende, die Frauen, seine Frau, sein Neffe, Michael, der ihn trotz seines jungen Alters genauso beachtete wie seinen Vater. Vater … Der Alte erwartete wohl noch immer einen Enkel von ihm. Bald schon würde er zurückkehren. Der Alte soll seinen Enkel schon noch bekommen. Und wenn die Hadschar einmal vertrieben sind würden ihm die Tore offen stehen in den Süden zu reisen. Soll schön dort sein.

Ali schlug hart auf dem Boden auf, als Flea durchging. Sein Becken brannte und die Schmerzen zogen ihm bis in die Kniekehle. Das war ihm bisher noch nie passiert. Er konnte sein Herz schlagen hören, als sich die Stute in der Finsternis verlor. Das Wiehern seiner Leidensgenossin brach abrupt ab. Weg. Und da war sie wieder, die nervenaufreibende Stille. Zähneknirschend versuchte er sein Bein zu beugen und sich aufzurichten. Was da auch kam, er wollte dem tapfer entgegentreten. Er wollte es sehen. Doch sein Bein gab nach und nochmal landete er im nassen Dreck. Seine schwieligen Fäuste hämmerten gegen sein schwaches Glied. Er verfluchte sich und nun hatte ihn endlich die Angst gepackt. Wie ein verwundetes Tier, dass auf den Gnadenstoß wartete, lag er auf dem Boden. Sein Herz raste und obwohl er schon als Kind davon überzeugt war, dass der Tod eine Erlösung sein musste, war er sich jetzt, im entscheidenden Moment, nicht mehr sicher.

Ich will leben, verdammt! Tränen übergossen nun sein schmutziges Gesicht. Mit zitternden Händen löste er den Säbel vom Gurt und richtete ihn vor sich.
Die schwitzigen Finger umfassten das Heft so fest, dass seine Hand weiß wurde. Licht. Es war bloß ein Augenblick, doch er war davon überzeugt, dass sich ein Sonnenstrahl am Ende der Klinge sammelte. Der Stahl begann erst schwach, dann stärker zu glühen. Ein mächtiges Gefühl begann sich in ihm breit zu machen. Die Stärke, die von seinem Säbel auszugehen schien, durchflutete ihn. Immer neue Wogen von Kraft schossen durch seine Adern. Ali musste stoßweise ausatmen, um sein wallendes Blut unter Kontrolle zu halten. Abermals versuchte er sich aufzurichten. Er stand fest.

Mit gemessenen Schritten watete er der Dunkelheit entgegen. Er spürte, wie sie von allen Seiten seinen Körper heraufkroch und ihn zu zersetzten drohte.
Sein Hieb wirkte wie eine Stichflamme. Die Finsternis verzog sich schlagartig und das Hochgefühl, dass er dabei fühlte brachte ihn zum Lachen. Diese Freude hatte er vermisst. Lange schon war sie in Vergessenheit geraten, erdrückt von den Lastern der Welt. Abermals drangen Gedankenfetzen an die Oberfläche seines geistigen Auges. Er sah sich und seinen Bruder auf dem Hinterhof kämpfen.




»Na los! Komm nur! Oder willst du dich so vor deinen Freunden blamieren?«, sprach Ali mit einem Grinsen auf dem Gesicht. Leicht gekränkt erhob sich Faris. Die mandelförmigen Augen seines Bruders fixierten ihn. Obwohl er nun schon das dritte Mal zu Boden gefallen ist, blieb er hartnäckig. Langsam wurde er aufmerksam. Nachdem Ali einige Sekunden darauf gewartet hatte, dass Faris abermals den Anfang machte, tat er selbst den ersten Zug. Mit schnellen Bewegungen hieb er nach seinen, zumindest einen Kopf kleineren, Kontrahenten. Faris fiel wieder in die Verteidigung, doch diesmal gelang es ihm einige Hiebe zu parieren. Ali bemerkte im Augenwinkel, dass die Freunde seines Bruders vor Freude auf und ab sprangen und lief rot an.
Diese Demütigung würde er länger hinter sich herziehen müssen. Er kontrollierte seinen Atem, biss sich auf die Lippe und versuchte sich durch seine Größe und Schlagkraft einen Vorteil zu erkämpfen. Die Schneise fiel ihm schnell ins Auge und mit einem gezielten Hieb gegen den Handrücken stieß er Faris viel zu kurz geratenes Schwert aus der Hand.

Langsam kam sein Grinsen wieder zurück. »Nicht schlecht, Kleiner. Komm’ ich helf’ dir auf«, sagte er und streckte seinem jüngeren Bruder die Hand entgegen. Er bemerkte, dass seine Mutter dem kindlichen Publikum beigetreten war. Selbst mit ihrer bescheidenen Größe war das nicht zu übersehen. Die Einkäufe waren wohl schon erledigt. Der geflochtene Korb war voll mit reifem Gemüse und hier und da lugten sogar ein paar Pflaumen und Pfirsiche hervor.
Stolz und mit durchgestreckten Rücken wollte er seinen Sieg demonstrieren, als das hölzerne Schwert in sein Bein fuhr. Mit Tränen in den Augen rappelte er sich hastig wieder auf. Er wollte schon aufschreien, doch als er das verschmitzte Lächeln seines Bruders erblickte, blieb ihm der Fluch in der Kehle stecken.
Als ob die Demütigung noch nicht groß genug wäre, fühlte sich seine Mutter nun auch noch dazu auserkoren ihn anstatt seines Bruders, der ja der eigentliche Verlierer des Kampfes war, zu trösten und zu liebkosen.

Es war schon spät, als sich das Licht des roten und des gelben Sterns am Westhimmel kreuzten und die Hoffnung auf eine fahle Nacht zerstört wurde. Der Vater setzte sich zu ihm und sprach belustigt darüber, was am Markt vorgefallen war. Mutter musste ihm von allem berichtet haben.
»Ali, ich weiß doch, dass du der Stärkere bist, aber du darfst deinen Gegner nie aus den Augen verlieren. Hörst du?«
»Der Kampf war schon zu Ende! Faris hat die Regeln gebrochen!«, entgegnete Ali.
»Der Kampf … nein, die Welt kennt keine Regeln.«, sagte der Vater ruhig.
»Jetzt höre mir gut zu: Dein Mut ist groß und dein Wille ist hart wie Stahl. Aber Mut und Leichtsinn gehen oft Hand in Hand. Und der Wille allein kann nicht siegen. Dein Bruder hat den Kampf gewonnen, weil du dich auf deiner Überlegenheit ausgeruht hast. Verstehst du?«




Der Säbel lag federleicht in seiner Hand und glomm, einem Leuchtfeuer gleich. »Mit seiner jetzigen Stärke würde er seinem Bruder niemals unterliegen«, dachte Ali. Er fühlte weder Erschöpfung noch Schmerzen. Ich könnte einfach entkommen. Weglaufen. Der Finsternis entfliehen. Doch Gott selbst hat mir seine Macht geliehen. Es ist ein Zeichen. Fuß vor Fuß bahnte er sich einen Weg durch die Dunkelheit. Das Laub unter seinen Füßen gab keinen Ton von sich. Nur sein tiefer Atem und das Glimmen seiner Klinge störten die vollkommene Stille. Seine Zunge benetzte die trockenen, aufgesprungenen Lippen und der salzige Geschmack machte ihn auf seine tränenden Augen aufmerksam. Mit dem flickbedürftigen Ärmel wischte er sich die nassen Spuren seiner Tränen aus dem Gesicht.

Und da sah er es. Zuerst nur undeutlich und dann immer klarer. Die Finsternis sammelte sich, sie manifestierte sich zu ... Der Atem stockte ihm und Schweiß entfuhr seiner Stirn. Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte er ersticken zu müssen. Der Wahnsinn drohte ihn zu übermannen, als er dieses Ding vor sich sah. Es war kein Lebewesen. Es kann nicht leben. Was es auch immer war, es konnte nicht von dieser Welt stammen. Es konnte von überhaupt nirgendwo stammen. Der Mut war verflogen. Alle seine Sinne sträubten sich gegen das, was da vor ihm stand. Ali schmeckte wieder Salz auf den Lippen. Das Leuchten der Klinge wurde schwächer. Egal wie sehr er es versuchte, er konnte seinen Blick nicht davon abwenden. In diesem Moment wären ihm alle Qualen der Welt lieber gewesen als DAS.

Es fühlte sich nicht real an, als dieses Ding, das nur vorgab zu leben, auf diese viel zu irdische Weise auf ihn zukroch. Die Welt kennt keine Re …
Der glimmende Säbel fiel nieder. Die stählerne Fackel brannte in der Finsternis langsam aus und verschwand.
 
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MRG

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Hallo @RafisAgony,

und ein herzliches Willkommen auch von mir. Ich habe deine Geschichte in einem Zug gelesen. Spannend fand ich, was da wohl lauert. Dementsprechend fand ich die Geschichte mit dem Bruder etwas langatmig und das Ende hat mich dann leider etwas enttäuscht. Was ist es denn jetzt genau, wovor alle Angst haben und fliehen? Meiner Meinung nach versprichst du mir als Leser, dass du mir zeigen wirst, was es ist. Daher hatte ich das Gefühl, dass deine Geschichte noch nicht zu Ende ist. Ansonsten fand ich das einen durchaus vielversprechenden Einstieg. Anbei die Textarbeit:

Er trampelte mit seiner scheckigen Mähre dicke Spuren in den versumpften Weg, den man fast nicht mehr als solchen ausmachen konnte.
Ich mochte deinen Einstieg, mich hat das ein bisschen an Witcher erinnert, zumindest hatte ich das als Bild im Kopf.

ich hab’ genung
Kleinigkeit: "genug".

noch Siam noch sonst wen
Kleinigkeit: "wem"

Sein Herz raste und obwohl er schon als Kind davon überzeugt war, dass der Tod eine Erlösung sein musste, war er sich jetzt, im entscheidenden Moment, nicht mehr sicher.
Ich finde, dass dein Text durchaus spannend ist. Hier ist beispielsweise eine Stelle, die die Dramatik für mich erhöht hat. Für mich ist die Leitfrage, aus der sich auch die Spannung ergibt, die Frage, was da auf ihn lauert...

Er sah sich und seinen Bruder auf dem Hinterhof kämpfen.
Die Passage mit dem Bruder habe ich nicht richtig verstanden. Ich nehme an, dass du das geschrieben hast, um deinen Protagonisten mehr Tiefe zu geben. Nach meinem Geschmack hätte aber schon durchaus etwas mehr über das Monster oder was auch immer es ist, gelüftet werden können.

Ali bemerkte im Augenwinkel, dass die Freunde seines Bruders vor Freude auf und ab sprangen und lief rot an.
So richtig überzeugt hat mich dieser Rückblick ehrlich gesagt nicht. Mir war nicht so richtig klar, welche Funktion es in deiner Geschichte einnimmt.

»Der Kampf … nein, die Welt kennt keine Regeln.«, sagte der Vater ruhig.
Dein Bruder hat den Kampf gewonnen, weil du dich auf deiner Überlegenheit ausgeruht hast. Verstehst du?«
Das wiederum beinhaltet für mich eine Andeutung oder zumindest ein Wissen, was für die Geschichte wahrscheinlich wichtig werden wird. Das habe ich als Leser gedacht und so richtig kam das für mich aber nicht zum Zug. Denn am Ende löst du das Ganze nicht auf, es gibt keinen Kampf oder ähnliches. Hier sehe ich noch Potential.

Der Atmen stockte ihm und Schweiß entfuhr seiner Stirn.
Kleinigkeit: "Atem".

Alle seine Sinne sträubten sich gegen das, was da vor ihm stand.
Ja, aber was genau steht denn da vor ihm? Ich habe aufmerksam gelesen und möchte jetzt unbedingt wissen, was es denn genau ist? Du hörst für mich an der spannendsten Stelle auf. Ich hätte da gerne ein spannendes Ende, bzw. einen Kampf gewünscht.

Die Fackel in der Finsternis brannte langsam aus und verschwand.
Das Ende hat mich nicht richtig befriedigt. Wie schon erwähnt würde ich das Ende weiter ausbauen. Denke, dass da noch etwas geht.

Insgesamt fand ich deinen Text interessant. Du hast Spannung aufgebaut. Die Passage mit dem Bruder fand ich nicht so überzeugend, weil mir nicht richtig klar war, weshalb das jetzt für die Geschichte wichtig ist. Solltest du das Ende erweitern, dann kannst du mich gerne verlinken. Mich interessiert, was das wohl sein könnte, vor dem alle so eine Angst haben. Vielleicht nicht als abschließende Anmerkung: Ich würde den Text etwas anders formatieren. Manchmal haben die Abstände nicht gepasst und plötzlich bist du ins Kursive gerutscht. Gerne gelesen.


Beste Grüße
MRG
 
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06.12.2020
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Hey @MRG ,

danke für deine Rückmeldung. Ja die Geschichte mit dem Bruder. Das war zu großen Teilen eine Charakterzeichnung. Irgendwie hatte ich das Gefühl der Charakter benötigt eine Vergangenheit, damit es dem Leser nicht egal ist, was mit ihm passiert. Das Vater-Sohn Gespräch hatte tatsächlich eine gewisse Relevanz, die hätte ich aber auch besser ausspielen können, das stimmt.
Was ist es was da in der Finsternis lauert? Ja, man erwartet sich wohl tatsächlich einen spannenden Kampf. Nun, ich wollte ein Gefühl der Angst dadurch erzeugen, dass man nicht genau weiß, um was es sich handelt. Kosmischer Horror sozusagen. Eine Macht die selbst die der Götter überlegen ist. ("Die Götter" hatten ihm diese Kraft nur zur Flucht gegeben, aber sein Leichtsinn, das Gefühl der Überlegenheit hatte ihm zum Voranschreiten bewogen --> das sollte auch mit dem Gespräch intendiert werden). Aber evtl. werde ich einmal eine Erzählung in der gleichen Welt posten die diese Lust nach einen Kampf ausreichend befriedigt.
Die Formatierung habe ich nochmal bearbeitet und die Fehler korrigiert. Danke für die Anmerkungen.
 
Senior
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01.05.2009
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Hallo @RafisAgony ,

und erstmal herzlich willkommen hier!

Fantasy und Horror ist ja eine interessante (und seltene) Mischung, das war der Grund, aus dem ich in deinen Text klickte (den Titel finde ich etwas generisch, aber das ist sicher Geschmacksache).

Ich freue mich, dass der erste Komm hier recht positiv war, und werfe mal ein paar kritische Anmerkungen ein. Alles bezieht sich auf deinen Text und ist weder unfreundlich noch persönlich gemeint. Ich gehe einfach davon aus, dass du an Textarbeit interessiert bist.

Was mich immer wieder aus dem Text gekickt hat (bis ich ihn abbrach), sind:
- chaotische Leserführung, die den Eindruck einer Skizze, eines ersten Rohentwurfs vermitteln.
- Register schwankt zwischen wenigen mittelalterlichen Begriffen, recht bürokratischer neutraler Beschreibung und flapsiger Alltags- bzw. sog. Gossensprache. Fantasy / Horror ließe sich in allen erzählen, das wäre aber sinnvoller zu dem Stil vereinheitlicht, in dem du dich selbst am sichersten und wohlsten fühlst.
- Infos werden nicht so vermittelt, dass ich den Prota und den Konflikt verorten kann, da die Stichworte aus zu vielen verschiedenen Bereichen gemixt sind. Worldbuilding vllt. nochmal ganz genau unter die Lupe nehmen, dazu gehöt auch Einführung der Figuren einschl. deines Protas und auch des Konfliktes. Was genau seine Aufgabe, sein Wunsch, sein Problem und damit das Thema überhaupt ist, konnte ich selbst nach mehreren Absätzen nicht erahnen.

Ich gehe das mal Satz für Satz durch.
Er trampelte mit seiner scheckigen Mähre dicke Spuren in den versumpften Weg, den man fast nicht mehr als solchen ausmachen konnte.
- Er trampelt mit ... = Führt er sein Pferd am Zügel neben sich? Nein, er reitet, also trampelt nur sein Pferd und er sitzt drauf.
- Trampeln ist nicht nur extrem umgangssprachlich, sondern negativ wertend, ironisch, abschätzig. Warum? Später versuchst du, emotionales Drama reinzubringen. Das beißt sich.
- scheckig = Man sagt umgangssprachlich 'scheckig' für ein Tier mit ungesundem Fell, wie bei Räude. Wenn du die Fellzeichnung meinst, wäre das 'gescheckt'.
- Mähre = extreme negative Wertung des Erzählers. Schindmähre = Klepper = klapperiger Gaul. Später ist es eine "Stute, seine treue Begleiterin". Das ist inkonsistent und es ist mir nicht möglich, mir von dem Gaul / Pferd ein Bild zu machen. Willst du das nicht so negativ haben, es aber als mager / alt und gescheckt zeigen, böte sich an, das gegenzudrehen: sein magerer Schecke. (Das wirft kein gutes Licht auf ihn. Warum reitet er das Tier noch? Hat er kein Geld? Kann er sich nicht von ihr trennen? Haben die eine besonders enge Bindung? Sieht er Tiere als Nutzobjekte, die man gebrauchen kann, bis sie tot umfallen? Wie das erklärt wird, ist ganz eindeutig indirekte Charakterisierung und momentan ist mir der Prota enorm unsympatisch.)
- dicke Spuren = semantischer Nonsens. Tiefe Abdrücke?
- Erst zeigst du mir einen Weg, auf dem ich Leser Abdrücke sehe, und dann sagst du, der Weg sei eigentlich kaum zu sehen. Ich bin noch im ersten Satz, hab keinen Plan, wer das ist, wo die sind, um was es geht, musste schon drei Mal mein Bild korrigieren und dann sagst du noch, der Weg (die einzige Info, mich momentan zu verorten) war eigentlich gar nicht so, wie grad gesagt.

Der erste Satz gilt als extrem wichtiger Teil eines Textes, bei dem viele Leute (oft ich auch) entscheiden, ob sie überhaupt weiterlesen. Unter diesem Gesichtspunkt, der Ästhetik, der Information, der Semantik, des Vokabulars ist der - sorry - eine reine Katastrophe.
Daran könntest du aber vieles lernen, wenn du dich da nochmal ransetzen würdest.

Es wunderte ihn nicht mehr, dass auch dieses Dorf gottverlassen in der Gegend hing.
Hing?! :susp: Wo, in der Luft?
in der Gegend - extreme Alltagssprache, unpassend
Da ich nicht weiß, was in dieser Welt gewöhnlich und was ungewöhnlich ist, ist die Aussage, dass er sich nicht wundert, null wert.

Nur ein Detail: Im Titel hast du Götter. Von welchem dieser spricht er hier? Würde man im Pantheismus nicht eher sagen: von den Göttern verlassen? (Aber nicht von allen Göttern verlassen, da das Irrsinn bedeutet.)
Schöne Freunde hatte er da gefunden. Haben ihn vorgeschickt, zu diesen verwöhnten Bastard von Offizier.
Welche Freunde?
diesen? Da fehlt das, warauf sich das beziehen könnte, denn von dem war noch nicht die Rede.
Mit seinen Hängebacken und schmollenden Lippen, die geradezu danach bettelten, geschlagen zu werden. »Als wäre es eine allzu große Beleidigung für sein Amt, sich mit niederen Wesen wie uns abgeben zu müssen«, dachte er. »Ali, tu was für dein Geld und reite vor! Komm’ zurück, wenn du mir berichten kannst, wo das Gesindel abgeblieben ist!«, hatte er mir entgegen gespuckt. Ich sollte wahrscheinlich noch froh sein, dass er meinen Namen kennt.
"" sind wörtlicher Rede vorbehalten. Für Gedanken besser kursiv (hast du auch, das ist wild gemixt). Dem letzten Satz hier - der ja wieder Gedanken sind - fehlen nach dem erstverwendeten Prinzip die Anführungsstriche.
Im Grunde erzählst du teils auktorial, teils personal. Ständig die Gedanken deines Protas wiederzugeben, ist ungeschickt, denn es klingt, als ob er ja eigentlich die ganze Geschichte denkt. Setz das doch lieber stärker ins Personale, dann kannst du dir die ganzen "er dachte" sparen und lässt den Leser auch direkter eintauchen.
»Aber langsam wird mir diese Farce hier zu blöd«, dachte er. Das sieht doch ein Blinder, dass hier nichts mehr zu finden ist. Sind wahrscheinlich schon vor Tagen geflohen. »Aber vor was?«, murmelte er leise in sich hinein.
Welche Farce? Und wie lange ist er damit schon beschäftigt?
Ich dachte, man kann den Weg kaum erkennen. Dann sieht das kein Blinder (böse , eher lustige Phrase ... mit dem Krückstock), sondern dann sieht es keiner. Dann kann er eigentlich gar nicht sagen, ob da Leute sind oder der Ort (ich denke, es ist ein Sumpfweg?) verlassen ist.
Weder Spuren von Zerstörung noch Leichen konnte Ali ausmachen.
Spuren von Leichen? :susp:
Dito dazu, dass mir vorher gesagt wurde, es sei eh dunkel.
Ich werd’ langsam verrückt. Ali fuhr sich kopfschüttelnd durch das schüttere Haar und beobachtete noch einmal vorsichtig seine Umgebung.
Du streust öfter mal unmotiviert Beschreibungen ein, die klingen, als wolltest du die einfach nur mal loswerden. Schütter tut genau in dieser Sekunde nix zur Sache.
Wie beobachtet er seine Umgebung, wenn er schon kaum den Weg vor sich erkennen kann? Hat er (wir sind ja in Fantasy) Katzenaugen, magische Fähigkeiten?
Abermals konnte er seinen Augen und Ohren nicht trauen.
Warum nicht? Es ist dunkel, und da ist ein verlassenes Dorf. Vorher wurde nichts beschrieben, das auf einen Grund für Sinnestäuschungen schließen ließe.
Ganz ehrlich werde ich langsam recht genervt, weil ich als Leser einfach im Dunkeln tappe, was hier eigentlich erzählt werden soll. [No pun intended.]
Der Rubin strahlte ihm blutrot entgegen.
Der = ein bereits erwähnter. Welcher Rubin? Von wo? Aus der Luft, wo auch das Dorf hängt?
Woher weiß er, dass es ein Rubin ist, wenn es ansonsten dunkel ist und er nur ein rötliches Leuchten sieht?
Ich komme mir langsam vor wie in einer Game-FanFiction, zu der ich das Original nicht kenne.
Das rote Licht musste die gelben Strahlen zur Gänze verschluckt haben, denn seine Augen sahen keinen Fingerbreit mehr, [kein Komma] von dem Sonnenlicht, dass [ein s] er sich eigentlich zu sehen gehofft erhofft hatte.
Welche Strahlen? :confused: Von denen war nie die Rede, auch nicht, dass da eigentlich Sonnenlicht zu erwarten wäre, und warum er in der Dunkelheit (Nacht?) überhaupt Sonne erwartet. Das ist echt unglaublich frustrierend zu lesen.
Das Urlicht war weg.
Wiechen?!
Und: war weg klingt ziemlich kindlich.
Der Rubin war ihm schon immer unheimlich erschienen, doch in dieser Nacht … Nacht!? War es denn schon so spät?
Was ist denn seine Geschichte mit dem Stein?
Ja, genau, "warum Nacht" zum Deibel nochmal? Und spät - ich als Leser bin hier echt verloren. Du hast ja vorher nicht gesagt, was man erwarten sollte.

Ich bin echt beim besten Willen nicht schwer von Begriff. Ich lese sehr gern Weird, echten Surrealismus, Symbolismus, Geschichten, die in völlig skurrilem Stream of Consciousness erzählt werden. Aber diese ständigen Wertungen und Korrekturen deines Erzählers, der irgendwie annimmt, ich könne wohl in seinen Kopf schauen, machen wirklich keinen Spaß.
Ali konnte kaum mehr als die Umrisse dessen erkennen, was zuvor noch einer verfallenen Barackenlandschaft glich.
Zuvor war da nur ein - ich wiederhole mich - kaum erkennbarer Weg in der Dunkelheit. Wenn er zuvor etwas anderes sieht, wäre es sehr leserfreudlich, das auch zu erwähnen.
Baracke = militärische Gebäude, Kaserne. Die gibt es nicht als Landschaft.
Trümmerlandschaft ist eine Phrase, aber dann sind da keine Gebäude mehr.
Oder läuft das auf eine Verwechslung mit Brackwasser heraus = Sumpf (aus dem Intro)?
Es war ihm, als hätte der Rubin alle Zeit in sich aufgenommen und würde nun gierig darauf harren, dass etwas passierte.
Da sind wir ja schonmal zwei ...
Keine Ahnung, wie dein Erzähler zu dieser Beobachtung kommt.
Während er nervös auf der zerflederten Satteldecke hin und her rutschte und dabei die alte Stute sanft am Hals tätschelte, mehr um sich selbst zu beruhigen als seine treue Gefährtin, plante er fest seinen Rückzug.
Da wären vllt. drei Sätze draus zu machen, hier knallst du einfach alle Infos rein, die du plötzlich meinst, an den Leser bringen zu müssen.
zerfleddert = Umgangssprache, flapsig. Was tut das zur Sache?
Rückzug - von was und wohin zurück? Was will er da?

Kundschaftungen
Das Wort gibt es nicht.
Ich schulde weder Krik noch Siam noch sonst wem, [kein Komma] auch nur das Geringste«,
Wem?
Die Aussage / Info hat für mich keine Aussagekraft, weil ich absolut keine Infos habe, wer das ist und worum es geht.
Nur Baldschid, dem alten Haudegen, schulde ich noch ein paar Silberlinge. »Aber der würde kaum solche abenteuerlichen Unternehmungen von mir verlangen«, grinste Ali in sich hinein.
Silberlinge / Sold = hier versuchst du, ein Mittelalterflair reinzubringen, was aber deinen beiden sonstigen Registern widerspricht. Man kann keinen Satz grinsen.
Doch das Grinsen gefror schnell auf seinem, mittlerweile zerfurchten, Gesicht. [beide Kommas raus]
Wieder so eine reingegrätsche Info -> zerfurcht
mittlerweile? Seit Jahren, seitdem er auf dem Weg ist, seitdem die Geschichte begann? Es wäre wirklich empfehlenswert, den ganzen Text nochmal daraufhin abzuklopfen, ob es da eine sinnvolle Abfolge von Infos bzw. Handlung hat, und ob das, was du sagst, an diese Stelle oder besser eine andere gehört. Also, den Text stärker strukturieren.
Verzweifelt klammerte er sich an den Nacken des einzigen Lebewesens weit und breit.
Da wir schon wissen, dass es seine treue alte Stute ist, ergibt dieser Euphemismus nicht mehr viel Sinn. Von Verzweiflung hab ich bisher nix gemerkt, er grinste und beschimpfte in Gedanken seine Vorgesetzen.
Keine Geräusche, keine Lebewesen, nicht einmal Wind.
Hier hast du die Gedanken plötzlich kursiv. Außerdem wissen wir das schon.
während dein Bruder an der Westfront kämpft und sein Leben für die Familie riskiert«, dachte er.
Westfront?! As in: Ypres? Erster Weltkrieg?
Ist das überhaupt unsere Welt? Alternative History? Anderer Planet? "Westen" ist also für mich eine Nullinformation. Ich hab den Eindruck, da läuft eine Geschichte parallel mit, die ich eigentlich kennen sollte, sodass es reicht, dass du Referenzen und Gags dazu einstreust, aber ich habe wirklich keinen blassen, was dein Setting ist.
Fünf Jahre jünger und doch wurde er dazu auserkoren diese Teufelsanbeter im Westen in das Loch zurückzujagen, aus dem sie gekrochen kamen.
Da fehlen ein paar Kommata.
Also gibt es Religion in dieser fiktiven (?) Welt, vllt. sogar eine institutionalisierte, abrahamistische. Ist es so? Ist das die Inquisition oder Jihad im Schützengraben?
Das rote Licht musste ihm den Verstand vernebelt haben, denn nun begann er auch noch zu fantasieren, dass die Dunkelheit, die ihn umgab, auf ihn zukroch. Langsam, schwerfällig, unaufhaltsam.
Wenn die Dunkelheit ihn bereits umgibt, kann sie nicht noch auf ihn zukriechen.
Seine Gedanken verwoben sich, flogen durcheinander und machten ihn auf Banalitäten aufmerksam, ganz alltägliche Dinge.
verweben ist semantisch falsch in diesem Satz. Das würde ich wirklich konkretisieren und weniger schwurbeln: seine Gedanken sind plötzlich in Aufruhr und er assoziiert plötzlich was?
Da ich nichts von der Welt vermittelt bekam, weiß ich nicht, was in ihr banaler Alltag ist und was außergewöhnlich. Vielleicht sind ja Drachen normal und Zeppeline ungewöhnlich. Vielleicht können die Leichen des Dorfes aufstehen und woanders hingehen. Vielleicht hängen da magische Edelsteine in der Luft, und was dann ist sein "banaler Alltag" (Alltag ist natürlich auch kein Wort, das besonders gut in ein Fantasy-Setting passt).
Die trunkenen Nächte in den Spelunken,
Du sagst, dass die Nächte selbst berauscht sind, meinst aber wohl deinen Prota: die Nächte, die er in Spelunken durchzechte oder sowas.
die Frauen, seine Frau, sein Neffe, Michael, der ihn trotz seines jungen Alters genauso beachtete wie seinen Vater. Vater … Der Alte erwartete wohl noch immer einen Enkel von ihm.
Keine Ahnung, was diese Figuren mit der Geschichte zu tun haben und warum es für mich als Leser wichtig sein soll, diese Infos zu bekommen, wenn mir Basis bislang fehlt.
Ali schlug hart auf dem Boden auf, als Flea durchging.
Ach so, die treue Schindmähre heißt Flea. Ich musste schon vier Mal mein Bild korrigieren, dabei geht es nur ums Pferd.
Er schlägt auch nicht auf, weil sie durchgeht (dabei könnte man sich durchaus im Sattel halten), sondern weil er eben aus dem Sattel geworfen wird.
Das Wiehern seiner Leidensgenossin brach abrupt ab.
Wieso, die Stute ist doch nicht auch vom Pferd gefallen. Woran er sonst leiden könnte, sagst du bisher nicht.
Weg. Und da war sie wieder, die nervenaufreibende Stille
weg - da finde ich nicht so günstig, weil sich das auf zwei Dinge bezieht, und kein Anschluss bildet.
Was da auch kam, er wollte dem tapfer entgegentreten. Er wollte es sehen.
Warum erwartet er Probleme? Ich würde auch genre mal etwas sehen, sorry.
Seine schwieligen Fäuste hämmerten gegen sein schwaches Glied.
Erm ... :p
Er verfluchte sich und nun hatte ihn endlich die Angst gepackt.
Wer wertet "endlich"? Der auktoriale Erzähler? Ist er Zivilist? Soldat? Ist Angst für ihn normal oder eher ungewöhnlich? Hat er Angst vor Dunkelheit und einem verlassenen Dorf? Warum? Wenn ich als Leser die Angst mitfühlen soll, müsstest du mir ein paar Andeutungen machen, was hier normal ist und was Anlaß zur Sorge wäre. So kommt er mir nur hysterisch und tolpatschig vor.
Sein Herz raste und obwohl er schon als Kind davon überzeugt war, dass der Tod eine Erlösung sein musste, war er sich jetzt, im entscheidenden Moment, nicht mehr sicher.
Was macht die Info hier? Was waren das für Umstände, warum er so dachte? Und warum soll er jetzt plötzlich den Tod als Erlösung sehen? Es ist doch noch gar nix passiert, herrje.
Abermals drangen Gedankenfetzen an die Oberfläche seines geistigen Auges. Er sah sich und seinen Bruder auf dem Hinterhof kämpfen.




»Na los! Komm nur! Oder willst du dich so vor deinen Freunden blamieren?«, sprach Ali mit einem Grinsen auf dem Gesicht. Leicht gekränkt erhob sich Faris.
Da sind dir ein paar Leerzeilen zu viel reingerutscht. Vom Scrollen über eine Freifläche wird die Handlung nicht spannender.

Wieso denn jetzt schon wieder Grinsen?! :hmm: Eben war der Tod noch eine Erlösung und er war haltlos verzweifelt.

Okay, ich bin draußen.
Nimms mir wirklich nicht übel, aber es ist, als ob ich ein nasses Handtuch auswringen müsste, damit da Tropfen einer Geschichte rausgepresst werden. Es ist einfach unglaublich mühsam, sich durch den Text zu quälen.

Tipps habe ich dir ja eingangs schon gegeben, vielleicht kannst du ja etwas damit anfangen. Es würde sich sicher lohnen, hier nochmal zwei, drei Editingschritte einzulegen, denn ich sehe grundsätzlich, dass du Phantasie hast und Lust am Erzählen. Was noch fehlt, ist, das im Sinne einer Erzählung zu ordnen. Dir mehr bewusst zu sein, was du zeigen willst, um wen und was es geht, was dein Thema ist und was deine spekulative Welt ausmacht, welche Bedingungen dort herrschen.

Es tut mir leid, dass ich nichts Positiveres sagen kann, aber ich hoffe sehr, du nimmst es nicht persönlich (es geht um den Text, nicht um dich).

Herzliche Grüße,
Katla
 
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@Katla Hey,

du hast mich da auf einige große Fehler hingewiesen, danke dafür. Ich hab' jetzt leider nicht viel Zeit ausführlich auf alles einzugehen, aber ich gebe dir in fast allen Punkten recht. Der Text war ein Experiment. Ich wollte erstmal alles ausprobieren und v.a. mit der Erzählperspektive spielen. (deshalb auch die Mischung aus direkter Gedankenrede, personaler Gedankenwiedergabe ohne Kennzeichnung und kursiver Gedankenwiedergabe und der Zeitsprung in der Mitte --> eigentlich sollten die Leerzeilen den Zeitsprung visualisieren, aber das hat wohl überhaupt nicht funktioniert) Ich habe auch ehrlich gesagt überhaupt nicht auf das Pferd geachtet (hat nur noch gefehlt, dass es das Geschlecht wechselt :D).
Im Nachhinein betrachtet, bereitet es selbst mir Schwierigkeiten, die Situation gut zu visualisieren. Das liegt wohl auch daran, dass ich mit meinen Beschreibungen ungenau war und das Setting erscheint teilweise wirklich sehr erzwungen. Die Charakterzeichnung muss ich wohl auch verwerfen, habe viele unnötige Informationen eingebaut und wollte damit eine Charaktertiefe, suggerieren, dass funktioniert so jedoch nicht. Und ...
"Seine schwieligen Fäuste hämmerten gegen sein schwaches Glied." --> musste gerade selbst sehr darüber lachen.
Ja, werde die Kurzgeschichte wohl von Grund auf neu gestalten müssen.
 
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Hallo @RafisAgony ,

du hattest ja in deinem vorherigen Kommentar geschrieben, dass du die Geschichte voraussichtlich grundsätzlich überarbeitest.

Daher erstmal nur ein paar formale Hinweise zu den ersten beiden Absätzen, vielleicht kannst du sie ja entsprechend verwenden (teilweise überschneiden sie sich mit Anmerkungen von @Katla) :

Er trampelte mit seiner scheckigen Mähre dicke Spuren in den versumpften Weg, den man fast nicht mehr als solchen ausmachen konnte.
Nicht der Protagonist, sondern seine Mähre trampelt die Spuren in den Weg. Daher würde ich eher beginnen mit: "Seine scheckige Mähre trampelte ..."
Das Adjektiv "dicke" finde ich bei Spuren eher unpassend, vielleicht stattdessen "tiefe"?

Ich würde bei Adjektiven jeweils überlegen, ob sie tatsächlich notwendig sind. Also ist es in dem o.g. Beispiel für dich wichtig, die Spuren genauer zu beschreiben? Und wenn ja, wie genau möchtest du die Spuren aussehen lassen? "dicke" Spuren kann ich mir z.B. schlecht vorstellen.

Es wunderte ihn nicht mehr, dass auch dieses Dorf gottverlassen in der Gegend hing.
Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, wie ein Dorf "in der Gegend hängt". Und dann auch noch "gottverlassen". Auch hierbei würde ich also überlegen, wie genau du es beschreiben möchtest.

Haben ihn vorgeschickt, zu diesen verwöhnten Bastard von Offizier.
diesem

»Ali, tu was für dein Geld und reite vor! Komm’ zurück, wenn du mir berichten kannst, wo das Gesindel abgeblieben ist!«, hatte er mir entgegen gespuckt.
Bei einem längeren Satz kann ich mir schwer vorstellen, wie er die Worte jemandem "entgegen spuckt". Das fände ich eher bei nur einem Wort, einem Ausdruck, passend.

»Aber vor was?«, murmelte er leise in sich hinein.
"leise" benötigst du nicht, davon gehe ich bei "murmeln" ohnehin aus.
Der Zusatz "in sich hinein" ist m.E. ebenfalls nicht notwendig, was soll es beim Murmeln zusätzlich aussagen?

Ali fuhr sich kopfschüttelnd durch das schüttere Haar und beobachtete noch einmal vorsichtig seine Umgebung.
Wie beobachtet man "vorsichtig" eine Umgebung? Wie äußert sich seine Vorsicht?

Abermals konnte er seinen Augen und Ohren nicht trauen.
Warum "Abermals"? Wann war das zuvor der Fall?

Das rote Licht musste die gelben Strahlen zur Gänze verschluckt haben, denn seine Augen sahen keinen Fingerbreit mehr, von dem Sonnenlicht, dass er sich eigentlich zu sehen erhofft hatte.
Kein Komma nach "mehr" ;
Den abschließenden Nebensatz könntest du streichen, diese Information ist m.E. nicht unbedingt notwendig.

Soweit ein paar Eindrücke, dann viel Spaß noch bei der Überarbeitung!

Viele Grüße,
Rob
 
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Hi @RafisAgony,
ich finde die Idee hinter deinem Text gut und denke, dass du da noch Einiges rausholen könntest :)
Die Geschichte ist ein bisschen durcheinander, sodass ich sie auch zweimal lesen musste. Besonders am Anfang fand ich ein paar Dinge uneindeutig und verwirrend.

Den ersten Abschnitt verstehe ich inhaltlich nicht so ganz (Alis Freunde haben ihn zu einem Offizier geschickt, der ihn bezahlt, damit er das Dorf inspiziert?) Da waren viele Leute und Beziehungen in wenigen Sätzen untergebracht. Ich dachte auch erst, dass Ali eigentlich ein Pferd ist :D

Eine klarerer Struktur haben die Abschnitte als er vom Pferd fällt bis die Erinnerung mit dem Bruder anfängt. Den Teil fand ich gut geschrieben :) Die Bruder-Szene ist allerdings zu lang im Verhältnis zum eigentlichen Inhalt, vielleicht kannst du das ausgewogener gestalten?

Eine Sache habe ich nicht verstanden: Was ist mit dem Rubin los? Dieses rote Licht bewirkt anscheinend, dass er verwirrt ist und seine Gedanken abschweifen, aber wie sieht das Licht oder der Rubin aus und wo befindet er sich genau?

Ich mag es, wenn bestimmte Sätze irgendwann wieder aufgegriffen werden (bei dir: die Welt kennt keine Regeln).

Und zuletzt: Ich finde es spannend, dass am Ende nicht aufgelöst wird, um was für ein Wesen es sich handelt. Vielleicht kann man da noch eine weitere Szene unterbringen, z.B. hatte Ali bereits eine Vorgeschichte mit dem Wesen? (und letzter Satz: eine Fackel kann ausbrennen, aber nicht verschwinden, das ist zu personifiziert)

Liebe Grüße,
Waldläufer



 

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